Beiblatt.
Verlag: Hulda, Kanalstraße 44
Nr. 164
iSovutag, den 19. Juli 1925.
Morgenrettung.
■ Ser akademische Nachwuchs.
43 484 Studierende in Preußen suchen einen Erwerb.
Seit dem Sahre 1911-12 hatte das Preußische Stotistischc Lauderamt Keine ausführliche Statistik über die La-ndesuniver- titüteu und Hochschulen! veranstaltet. Nun ist für das letzte Lemcher, das Wintersemester 1924-25, von dem Landesamte sm Einvernehmen mit dem. Statistischen Reichsamt und mit Se- nchmigung des KnUurministeriums eine geren früher wesentlich um gestaltete statiststh-e Erheduns veranstaltet worden. Men eingeführt wurden 5ragen über den beabsichtigten Studienab- schüch, über das Berufsziel, über die gegen Entgelt ausgeübte Beschäftigung usw. Dieser Ausbau der Statistik soll besonders den Zwecken der Berufsberatung dienen.
Snsgesamt hatten die Landesuniversitäten im letzten Semester eine Studienziffer von 20 526 männlichen und 5475 wei-bli- Zchen Studierenden Evangelische. Theologie studierten 866 Män ner und 20 grauen, katholische Theologie -820 Männer. Sura 4185 männliche und 154 weibliche Studierende. Die Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten hatten 4324 und 160 Studierende, die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen 3348 und 364, die Medizinischen B7S7 und 659, die Philosophischen 6925 und 1722, die Mathematisch-naturwissenschaftlichen 2044 und 137, die Philosophisch- und Naturwissenschaftlichen 627 und 259. Bon einzelnen Studienfächern seien hevoorgehoben: .Rechtswissenschaft 4427 Männer und 167 Frauen, Rechts- und Slaatswifsenschaft 3226 Männer und 78 Frauen, Volkswirtschaftslehre 3609 und 304, Betriebswirtschaftslehre 1758 und 251. Allgemeine Medizin 3102 und 578, Hahn Heilkunde 408 und 102, Pharmazie 667 und 129, Philosophie 126 und 1292, alte Sprachen 208 und 37, Neue -Sprachen 525 und 455, Germanistik 692 und 336, Geschichte 445 und 137, Geographie 98 und 35, Mathematik 576 und 242, Physik 395 und 47, Ehe- mie 1662 nnd 174, Biologie 199 und 65, Mineralogie und Geologie 105 und- 4, Landwirtschaft 1674 und 21. — Evangelisch waren von den Studierenden der Landesuniverfitäten 15 981 und 1850, katholisch 7885, und 1032, jüdisch 1512 und 389, bekenntnisfrei 151 und 37, sonstigen Konfessionen gehörten an 527 und 56, unbekannter Konfession waren 77b und 111.
Das Reifezeugnis eines Gymnasiums hatten 12 636 und 333 Studierende, das eines Realgymnasiums 5444 und 874, das einer -Oberrealschule 3837 und 340. Die -Staatsprüfung erstrebten 11 297 und 2036 Studierenden, die Diplom- oder Abschluß Prüfung 6955 und 507, die Doktorprüfung 5701 und 650. Bon den Angaben über das erstrebte Berufsziel seien genannt: Dozent werden wollen 249 und 11, Richter 769 und 2, Rechtsanwalt 543 und 12, staatlicher Verwaltungsbeamter 2139 und 37 Kaufmann 17 024 und 39, Fndustriebeamter 1916 und 54, Stu dienrat 1905 und 1027, Handelslehrer 529 und 182.
Ein Bild davon, aus welchen Kreisen sich 'das junge Aka- demikertum zufamm-eusetzt, bietet die Statistik über den Beruf des Vaters. Höhere Beamte des Reiches, der Länder, Gemeinden usw., einfchließlich der Universitälsprofefforen, höheren Lehrer und Geistlichen, sind von den Vätern der Studierenden 3487 und 691. Viel stärker ist die Hahl der mittleren Beamten unter den Vätern, also derjenigen, die keinerlei akademische Bildung haben, ihren Söhnen bezw. -Töchtern aber eine solche zuteil werden la||en; sie beträgt 6748 und 801. Untere Beam
ten sind die Väter von 352 und 7: Angehörige freier Berufe mit akademischer Bildung 1796 und 353, Angehörige freier Berufe ohne akademische Bildung 386 und 41, Offiziere und höhere Militärbeamte 381 und 54. Kinder von Großlandwir- ten sind 803 und 58, von Kleinlandwirten 1438 und 66, von Handel- und Gewerbetreibenden 7096 und 967, von Privatan- erstellten in leitender Stellung 1046 und 139, von sonstigen Privatangestellten 1640 und 157, von Arbeiter 367 und 9.
Die Ausländerziffer an den Universitäten betrug im Winter 2069 und 291. Von diesen sind allerdings 716 und 103 Studierende mit deutscher Luuttersprache. Die größte Hahl unter den Ausländern stellt Bulgarien mit 226 und 61, es folgen Rußland mit 178 und 34, Polen mit 151 und 32, »Tschechoslowakei mit 108 und 7, Thina mit 108 und 2, Norwegen mit 104 und 17, Oesterreich mit 104 und 11, Rumänien mit 101 und 12.
Line gegen Gut gelt ausgeübte Beschäftigung hatten im letzten Semester 3085 und 442 Studierende, die Mehrzahl im Unterricht und in Bureautätigkeit. Nur in- den Serien hatten eine solche Nebenarbeit 4539 und 419. Gegen frühere Verhältnisse ist etwas Neues auch die Feststellung daß zwar 20 882 und 2759 nach erfolgter Reifeprüfung unmittelbar die Universität bezogen, 5644 und 716 aber inzwischen einen Beruf ausübten. Die einzelnen Universitäten wiesen folgende Hifsern -auf: Berlin 6268 und 1043, Bonn 1803 und 288, Breslau 2305 und 245, Frankfurt 2286 und 251, Göttingen 2120 und 200, Greifswald 710 und 84, -Halle 1719, und 120, Kiel 1236 und 139, Köln einschließlich der medizinischen Akademie in Düsseldorf 3609 und 470, Königsberg mit der Akademie in Braunsberg 1296 und 150, Marburg 1383 und 186, Münster 1711.
Die Technischen Hochschulen Preußens haben insgesamt 8519 und 84 Studierende. Hier steht Berlin mit 4173 und 35 5tradierenden obenan. Von den 1282 und 13 ReichLausländern die an den -Technischen Hochschulen gezählt wurden, hat Berlin allein 934 und 7. Sn Hannover betrug die Besuchsziffer 2332 und 20, in Aachen 1030 und 12, in Breslau 984 und 17. Die forstlichen Hochschulen in Eberswalde und Hannoverfch- Mindem halten zusammen 212 Studierende, die Landwirtscha-ft- lichen Hochschulen 1409 und 16, die Tierärztlichen Hochschulen 319 und 1, die Bergakademie in (Clausthal 781, die Handels, Hochschulen 1871 und 271.
Sie Komödie in Saytoa.
Loudon 16. Fuli. Die Verhandlungen in Dayton beschäftigen noch immer sehr die Oefsenllichkeit Amerikas. Die eigentliche Gerichtsverhandlung -ähnelte an diesem Tage mehr einem Picknick als dem sonst üblichen Hirkus. Der Richter -wiegte sich im Schaukelstuhl hin und her und gab dabei seine Entscheidungen ab, während ein Polizist mit einem Fächer über ihm ftanb. Knaben liefen ein und aus mnd brachten- Limonade, die die Rechtsanwälte aus den Flaschen tranken. Bryan sitzt hach entkleidet da wie eine Sphinx. Ls wird behauptet, dies sei das erstemal seit feiner Kindheit, daß er so lange in einer öf- fentl-ichen Versammlung sitze, ohne zu sprechen. Hierin sieht man den eisten nützlichen Erfolg der Verhandlung.
Nachmittags unterbreitete dann der Staatsanwalt den Geschworenen in einigen kurzen Sätzen den Fall. Lr erklärte, daß der Angeklagte die Darwinsche Theorie gelehrt und damit die Schöpfungsgeschichte der Bibel bezweifelt habe. Der Verteidiger erklärte, wenn ein Staat einen Mann anklagt, weil dieser Evolution gelehrt habe, so müsse der Staat den Geschworenen auch erst zeigen, was Evolution wirklich sei. Die Verteidigung werde bestreiten, daß zwischen Evolution und Bibel -ein Gegensatz bestehe, und werde ferner beweisen, daß Millionen ehrlicher Lhristen sowohl an die Bibel wie an Evolution glauben. Sie werde ferner beweisen, daß die Bibel selbst verschiedene Ansichten über die Schöpfung der Welt enthalte. Der Verteidiger bestritt, daß Bryan die Lhristen der Vereinigten, Staaten vertrete, und verlas folgenden Satz: .Kein Mensch von religiöser Ueberzeugung hält diese Aeberzengung so objektiv, daß es ihm möglich wäre, als Richter in einem Streitfälle zu fungieren, wo eines anderen Mannes religiöse Ueberzeugung in Frage kommt". „Und diese Morte", fügte der Verteidiger dramatisch hinzu, „sind einmal von Bryan gesprochen worden". Der Richter erklärte, daß der Satz aus dem Stenogramm zu streichen sei, woraus Bryan selbst sagte, er brauche keinen Schutz. Wenn die Heit gekommen sei, werde er selbst beweisen, daß der Latz mit diesem Falle nichts zu tun habe.
Die tüchtigsten amerikanischen.Journalisten sehen bereits einen bitteren politischen Kampf in Amerika voraus, der aus der Verhandlung von Dayton entspringen werde. Ls werde ein Kampf werden ähnlich dem, der Amerika das Antialkohol- gefetz brachte, ein langer Kampf, der darauf ausgehen werde, eine Aenderung der Verfassung -herbeizuführen, wie es ja schließ lich auch in dem Antialkohoifeldzug geschah, öe^t schon spricht Bryan von der 'Notwendigkeit, Gott in die Verfassung aufzunehmen. Feder denkende Mensch in Amerika ist überzeugt davon, daß der Kampf mit dem Schluß der Verhandlung in Dayton nicht etwa zu Ende sein, sondern daß er dann erst anfangen werde.
Nachdem Richter Raulston seine Entscheidung verlesen hatte, wonach der Antrag der Verteidigung auf Niederschlagung des Prozesses abgewiesen ist, wurde der Sachverständige Hoologie- professor Metcalfe von der Fohns-Hopkins-University angehört. Hunächst wurden die Geschworenen ausgeschlossen; erst morgen aber soll darüber entschieden werden, ob die Geschworenen die Sachverständigen anhören dürfen. Metcalfe sagte aus, er habe in Deutschland studiert. Rechtsanwalt Darrow fragte ihn: „Sind Sie Evolutionist?" Der Sachverständige ant wortete: „Natürlich!" Dann, mit leichtem Lächeln: „Unter an deren Umständen würde ich Ähre Frage als Beleidigung auffas- sen". Darrow fragte weiter: „Kennen Sie irgendeinen Wissenschaftler, der nicht Evolutionist ist?" Richter Roulston verbietet eine derartige Fragestellung, da das nicht zur Sache gehöre. Als Barrow den Sachverständigen bittet die Evolutionstheorie auseinanderzusetzen, erklärt der Staatsanwalt derartige Ausführungen könne er nicht gelassen. Darrow erwiderte die Pro- zeßteilne-hmer müßten doch wissen, was überhaupt Evolution sei. Darauf erklärte der Sachverständige, unter Ausschluß der Geschworenen, die Theorie der Entwicklungslehre. Weiter wurden Schüler darüber vernommen, was der Angeklagte Sco« pes gelehrt habe.
»W den 3raUeit6
Plaudereien von Spectator.
Ä der Weltkrieg und die Rot unseres verarmten Vaterlandes haben uns, was die Straßenbettelei anbelangt, beinahe die gleichen Hustände geschaffen-, wie sie im Lande „wo die Hitronen f*“ -schon immer bestanden. Dort aber tritt das »Elend nicht so kraß auf, wie bei uns. Mag der lachende 'Blauhimmel, der •weh die meiste Heit im Fahre in Ftalien herrscht, mag das ma- Lumpengewand die Ursache sein, jedenfalls empfindet n;L' ^ÄseWchdeit der verkrüppelten Menschen dort lange her cw E b'°i uns. Wenn der einbeinige Lazzaroni, L auf den Marmorstufen eines Palazzo in Neapel, oder an Aübmo^^stufende warme südliche Nacht verbracht, uns am Zrchmorgen den Schlapphut hmhält, und wir werfen ihm einige Hentosim, hinein dann macht es gar keinen traurigen Eindruck «an? im Gegenteil, wenn Beppo zum „fliegenden" Makkaroni- Handler humpelt, sich den schmierigen Hut bis zum Rande mit heißen Makkaroni füllen läßt, sich dann behaglich der Länge roch auf den Treppenstufen wieder auf den Rücken legt und ei- I Makkaroni nach der andern aus -dem -unappetitlichen Be- 'daltnis hervorholt, mit gespreizten Fingern sie im weitgeöffneten munde verschwinden läßt und dazu schmatzt, wie nur ein neapo- uta Nischer Lazzaroni behaglich schmatzen kann.
Als ich, vom Ausland in die Heimat zurückkehrend, die ich seit Kriegsausbruch zweimal nur flüchtig noch -wiedergesehen ^r™ ergangenen Winter, den ich als ersten wieder in ’ 'm • 'Erachte, das Elend unserer Firmen so recht aestöbor feucht kaltem- Straßenpflaster, vom Schneestadt e-in tage in auf der Rheinstraße in Darm I w™l«ä â Sui wr * auf dem Bâ, MH rum "LuUnU ' »---'"-- ----- Irenen, Hie vom VvHnhof kamen 6®l« k|»,r^ ” ™ viele» âm denllchen GS Mt «tf Schritt und ton Ausnahme Hi-,- gute Stadt Fulda hierin eine rühmliche in unserer"-Stobt -s ■ Strafe an getroffen. Es wird auch : der katholischen ' ! 'k'cm Zweifel und dies muß zum Lobe Mru^-n g 2 N gesagt werden, viel für die Aermsten der bei'a erho ^ b;, o ^ ^vnziskanerpatern auf dem Frauen- Mnd auck ^^nnen Mittags stets eine schmackhafte Suppe mag auSSiÄS ^t man ,fie speisen. Manchmal Ken wèrd^^ der Gutherzigkeit der Mönche getrie- Herben. Fch habe kräftige, junge Burschen vom Frauen
berg herab-kommen sehen, die von 'der Mittagsu-ppe im Klöster kamen. Sicherlich gehen diese L-andstveicher jeder Arbeit aus dem Wege. And -auf sie gilt das Wort Buddhas dem A-e-ber- handnehmen des B-ettels im Orient gegenüber: „Wenn alle Menschen durch das Land schweifen, um Gaben zu heischen, wer soll dann bauen unO das Feld bestellen?" Aber sei dem, wie ihm wolle. Es dünkt mich barmherziger, lieber zehn Menschen zu unterstütze« die es nicht verdienen, als nur einen darunter, ab- zuweis-en, der das Al-m-ose-n -o-erbient hätte. Und in diesem christ liehen Sinne handeln die braven Patres -auf dem Frauenberge in Fuida.--
Es ist noch F-erien-zeit. Die Ginädige Frau, lächelnd, heiter und guter Dinge, beisteigt im eleganten Reise-Kostüm das Auto. Der Herr Direktor, der Allgewaltige, nimmt an ihrer Seite Platz. Durch Städte und Dörfer, Miesen und Wälder, oorbei an Bergen und Flüssen geht die Fahrt, bis -an das blaue Meer.
„Es lächelt der See;
Er ladet zum Bade."
Gleich vielen bunten Pilzen stehen die Strand-Körbe im brennenden, weißen iDünens-ande. Nach den Märchen und Sagen He völkerte-n einstmals die Nixen des Meeres den Strand, spielten und ta-nzten im Vollmondschein, während Poseidon-, der Gott d-c§ Meeres, ihr Herrscher und Gebieter, mit dem Dreizack -in der Hand, aus -der -blauen Flut emportauchte und dem munteren Treiben zusah.
die Nixen des Märchens sind verschwrinden, -aber trotz- Oem würde es sich einmal für den meeralten Poseidon lohnen, dem Spiel der Groß-, Mittel- und Kleinstadtnixen-, die jetzt am Strande lagern, zuzuschauen. Sicherlich würde er seine helle Sreuw daran haben. Die Rixen der steinern-en- Meere der Stäb te haben zwar keinen perlmutterfarbenen beschuppten Fische schwänz, dafür aber zwei zierliche, süße Beinchen, mit noch zier lieberen Füßchen, welche in roten, grünen oder blauen Bade- pantoffelchen oder -schühchen stecken. An Stelle des lang herabwallenden goldenen Rixen-Haares ist jetzt der kecke Bubikopf getreten, beffen schwarzer, brauner oder blonder Saum in gebrannten Löckchen unter der Bademütze hervoriugt. Poseidon wurde vor Freud-e sicherlich mit feinem Dreizack die ungestümen Meereswogon peitschen, wenn er die vielen eleganten bunten Vadekostüme bewundern könnte, welche die Rixen in jener altersgrauen Vorzeit noch nicht kannten, da man damals -die körperliche Schönheit un-verhüllt zu zeigen pflegte. Es wäre aber falsch deshalb anzunehmen-, daß die Rixen von damals we niger sittsam waren als die von heute, die -ihre körperlich-en Reize durch ihre gutfitumben Badetrikots zu erhöhen suchen-. Rixen der Groß-, Mittel- und Kleinstadt tummeln sich jetzt am Strande der -Ost- und Rordseebä-der. -Das plätschert singt und lacht. Sie flirten. Fm Märchen heißt es, daß die Töchter des Meeres das starke Geschlecht ängstlich meiden. Heute ist
es anders. Die modernen Wasserjungfern „angeln" sogar die Herren der Schöpfung-, mit denen sie am sommerlichen Strande ihr munteres Spiel treiben. Später dann, wenn die goldene Ferienzeit vorüber ist, tauchen die großen und kleinen „Rixen" als alltägliche Menschenkinder in den Städten, in denen sie zu- ho-use sind wieder auf. Auch- in Fulda. Unb es zeigt sich dann, was sie „geangelt" haben.
Es ging ein Mann im Syrer land, Führt ein Kamel am Halfterband.
Das wird dann dahin abgeändert, daß eine Frau im Fui der- lanb geht, und ein Kamel am Halfterban-d führt: nämlich das im Seebad geangelte „Kamel" masculini generis. Die Schokolade- und Ka-kaofabr-iken der Firma Gartmann in Altona, ließen hier vor knapp zwei Wochen mehrere Tage lang zwei junge Dromedare, hübsch aufgelschirrt, von zwei Fudern durch die Straßen Fuldas führen. Seit Rabindranath Tagore, dem deutschsre-undlichen Philosophen und Dichter sind die Fuder Mode in Deutschland geworden. Keine Großstadt ohne Fuder, die mit ihrem spiritiftijeh-f°mnambu 1 istisch-1rauszendentaten Unsinn, in ihren Seancen immer noch jene an lock te-n, die nicht alle werden. Die Fnder, die in Fulda die Dromedare lenkten, die Eigentum der Firma Gartmann sind, und schon seit anfangs 1925 einen Propagandazug durch Deutschland für Schokolade und Kakao machen, dienen materielleren Hwecken, wenn es auch auf eins herauskam. Diese Fuder wollten ebenso, wie die indische Fnvafion auf spiritistischem Gebiet den- biederen Deutschen die knappe Goldmark flüssig machen helfen. Lieber lege ich sie noch in süßen Dingen an, als in dem höheren Blödsinn her vier ten Dimension. Ehe ich mir einen Astralkörper vorzaubern lasse, einverleibe ich mir besser ein Pfund Schokolade, ob sie nun von Gartmann-Altona oder anders woher ist.
Die in den Ost- und Nordseebädern theuer ein gefangenen Dromedare oder Kamele, die sich dann am Halfterband von den schönen Nixen geduldig in -den Ehestand führen lassen, möch ten nun ihrerseits da-rauf bedacht sein, -daß sie die Frage mcht verfehlen:
>Herr Schmitt, Herr Schmitt, Was bringt denn Fulchen mit?
Nur dann, wenn sie in der Wahl ihrer Schwiegereltern größte Vorsicht walten lassen, wird ihr späteres Dasein als „Ehe- -kamel“ sich rosig gestalten. Daun werden sie von den Ehe- liebften mit Schokolade, Pralinen, Mandeln und Rosinen gefüttert werden, und nicht Dromedare gewesen sein, sondern klug wie die Schlangen! Unb wenn denn die Holden Nixen, die nun brave Ehefrauen geworden, dazu noch sanft wie die Tauben sind, dann ist eitel Glück unter dem Dache, ^ebenfalls brauchen solche Männer, die im Seebad sich von einem Goldfisch angeln — ließen, 'die Bettlersuppe am Frauenberg nicht zu beanspruchen. Sie kommen auch ohne sie im Leben aus!--