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Beiblatt.

Verlag: Fulda, Kanalstraße 44

Nr. 160

Mittwoch, den 15. Fuli 1925.

WM Morgenzeitung.

I sestentliche Versammlung im Sladtsaal.

«Reichs tag sab'ge ordne ter He>ilni»nz, Major a. D. Mit- .,^d dor Reich-sführerschaft der -deutschvölkischen Freiheitkb-e- wegâs sprach Freitag abend im großen Stadtsaale über das Thgnm:Geheime Ursachen des Fusammenbruch". Herr Ober- steuermspektor Barner eröffnete den Abend und gab seiner Freude darüber, Ausdruck, daß es nunmehr gelungen fei den bekannten Redner nach Fulda zu bekommen. Während der M MchiM sei dies leider nie möglich gewesen. Doch eine poli- tische Versammlung habe auch! heute, da wir nicht in einem Wahlkampf stehen, ihre Berechtigung. Die Parteien müßten auch in der Zeit der inuerpo-litischeu Ruhe Aufschluß über das Geschehene das M Unternehmende geben. Bevor Herr Bar E dem Redner des Abends das Wort erteilte, bat er die MHerren der Gegenseite um Ruhe und Ordnung,' tone Mahnung die leider in den«Wind gesprochen war. (Das Reichsbanner war z. L. uniformiert erschienen. Mau konnte unter ihnen genug Jugendliche bemerken.) Herr Major a. D. Henning er­griff sodann das Wort und führte etwa folgendes aus:

Wir Deutsche machen in unserem politischen Denken einen . grundlegenden Fehler, indem mir immer die wirtschaftliche Seite hervorheben, um das politische Geschehen zu verstehen. Auf diese Weise werden wir abgelenkt von der Erkenntnis des ' Systems, das uns zu Gruâ richten soll. Der Redner ging auf die jetzige politische Lage ein. Ein Raunen geht durch das Volk, das von einer gewissen Presse unterstützt würde: Was ist mit der Wahl Hindenburgs erreicht Er hilft auch nicht. Sind etwa Sicherheitspakt und Annahme E? der »Erwaffnungsnote nationale Politik? Und trotzdem allein die Tatsache der Wahl Hindenburgs zum Präsidenten be­deute eine neue Epoche in der innerpolitischen Entwicklung Deutschlands. Rach einem Lbert konnte ein Hinden­burg gewählt werden. Hum erstenmal konnte eine schwarz­weiß-rote Einheitsfront gebildet werden hinter der der Par­teihader zurücktrat. Und ein Sieg der nationalen Linheitsfront wurde erfochten mit Ausschaltung des Fentrums! Unsere ... Revelation von 19 18 war k e i n e Revolution, sondern ein von gewissen Kreisen in Szene gesetzter Regierung«- l p u t s ch , der lediglich die A u swirk nn g eu einer Revolu­tion gezeitigt hat. Ein Beweis dafür sind die Wahlen zur R a t i o n a l o e r s a m m l u n g, da bi® revolutionären Par­teien mit einer Minderheit abschnitten.Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt! Die nationale Gefundungs- bewegung hat eingesetzt. Redner verglich den Geist des 9. Ro- vcmber mit einer Grippeepidemie, die in Abheilung begriffen efi. Die Demokratische Partei ist nie eine Mittelpartei ge- -wesen. An ihre Stelle ist die Hentrumspartei getreten1, das die Rolle des FUngfeius an der Wage übernehme. Wenn wir einmal unseren Feinden »gegenüber, die unsere Feinde sind mehr denn je, etwas mehr Rückgrat zeigen wollen, stellt das Fentrum Bedingungen. Das Fentrum ist eine Promenadenmischung her sch warz- weiß- roten und schwarz-rot-goldenen Richtung. Doch das -Fentrum wird einst aus dieser Rolle herausgedrängt wer- dem Geht unser wirtschaftlicher Fusommenbruch schneller vor­

an als die national® Gesundung dann sind wir verloren. Hinden bürg und Grfülllungspolitik. Wenn Hindenburg sich auf jemand stützen könnte, wenn er unseren Peinigern einnein entgegen­schleudern wollte, aber da ist das Schweigen in den nationalen Parteien. ^ Der Sicherheitspakt wird von allen Parteien ein­gegangen -werden, außer den Völkischen. Die Völkischen haben die Verhandlung im Reichstag über den Pakt, vor Absendung der Rote verlangt. Man verhandelt jedoch erst nach Absendung der Rote. Der Sicherheitspakt ist das erste freiwillige Ange- bot, in dem wir auf alle geraubten Gebiete an der Westgrenze verzichten. Doch der Tag der Abrechnung wird in der We!t- geschichte kommen. Was sagen die Deutschen im geknechteten Elsaß, in Gupen-Malmedg dazu? Es ist ein Satz, der durch die Sahrtaufende hindurch eine unumstößliche Wahrheit gewesen ist:Ein Volk, das sich selbst aufgibt, geht unter in der Welt". Doch die Feit wird kommen, wo die Leute des Paktes durch die nationale Bewegung hinweggefegt werden und eine Revi­sion der Verträge und Abkommen lerforberlrcb wird. Denn nicht können ein^lw über die Zukunft eines ganzen Volkes

Der wichtigste Punkt

für den Ferienreisenden ist: Wie bekomme ich meine Leitung täglich in den Lommeraufent- Halt nachgesandt? Wenden Sie sich an unsere Geschäftsstelle und teilen Sie uns rechtzeitig AbrÄse, Adresse des Sommeraufenthaltes und Ankunft mit, dann brauchen Sie nicht auf die hessische Worgen-Ftg." zu verzichten. Gegen eine mäßige Ueberweisungsgebühr können Sie unsere Festung genau so regelmäßig beziehen, wie wenn Sie zu Hause bleiben. Darum ver­säumen Sie nicht, uns zu benachrichtigen. Post- bezieher, die bei dem Briefträger bestellt haben, bestellen zweckmäßig wenn Sie verreisen bei der Post um.

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bestimmen. Die Parteileitungen handeln anders, als die Wäh leb es wünschen. Durch Gewöhnung kann man lernen Sklave zu sein, und wir sollen daran gewöhnt werden. Der Redner ging sodann auf das Wenn und die Politik der Fentrumspartei ein, warf «ihr den Kampf gegen Preußen vor, beleuchtete das Verhalten der katholischen Geistlichkeit im Elsaß und Posen bis zum Husammenbruch. Wie verhält sich das Bündniß der katholischen Fentrumspartei und der atheistischen Sozialdemo- Kratie mit der kirchlichen Lehre? Redner zitierte eine Stelle aus der BulleQuob apostolia" in der der Sozialismus mit bem Bannfluch belegt ist. Wie verträgt es sich mit den päpst­lichen Forderungen daß mit Fraktionszwang. Das Zentrum für einen Dissidenten und Atheisten als Kultusminister gegen­

über dem nationalen Kandidateneintritt? Das Fentrum um­faßt übrigens nicht mehr die «Hälfte (etwa 40 Prozent) der deut­schen Katholiken.

Redner erwähnte die nicht seltene parteipolitische 'Tätig­keit von Geistlichen in der Kirche und meinte:Halten sie sich an Ohren Papst und nicht an Ohren Dorfpfarrer!" Herr Henning kam nunmehr auf den Bolschewismus zu sprechen, den er in Rußland vom Bahre 1917 an miterlebte. Tscheka und Terror sind nur die russische Form des Bolschewismus, die Bdee liegt tiefer. Den Bolschewismus definierte der Redner als den Kampf des internationalen Weltjudentums der Vernichtung des nationalen Besitzes und des nationalen Schaffens. Unter die­selbe Rubrik gehöre der trockene Bolschewismus. Die Infla­tion fei nur eine andere Form des Bolschewismus gewesen. Der Redner erklärte, es sei ihm vom Postminister bestätigt worden», daß in jener unglücklichen Feit die Banken und Börsen sogenannteDevisenkästen" hatten, d. h- Fernsprechverbindun­gen, die nicht unter der Kontrolle der Post standen. Diese Peilungen verzweigen sich über bas ganze Reich und gingen selbst ins Ausland hinaus. Weiterhin seien die Privatgebäude ge­wisser einflußreicher Persönlichkeiten an dieses Leitungsnetz an­geschlossen gewesen. Reichstagsabgeordneter Henning verbrei­tete sich endlich noch über das Devisengesetz, die Finsknecht- schaft und den Barmatskandal. Ein Fipse! des Vorhanges der die ganze Korruption -verdecke, sei gehoben. Das deutsche Volk müsse verlangen, daß der Vorhang ganz falle.Hoch den Vor­hang! Das Spiel mag beginnen!" Mit diesen Worten schloß her Redner seine Ausführungen die teilweise mit großem Bei­fall, teils mit Schmährufen ausgenommen wurden.

Als erster Diskussionsredner trat Herr Dr. Dang auf. Er führte aus: Die »deutschv-ölkische Opposition suche bei allen bl nzufriedenen zu pflücken. Weiter erging er sich in Sophister­eien, indem er eine Aeußerung des Rektor Blums den Aus­führungen Hennings gegenüberstellte. Blume habe erklärt, nach Vereinbarung seien die Kurse gestiegen und gefallen, während nach Hennings Behauptung die Kurse nur gefallen seien. Die ErMlungspolitik zeige heute ihren Erfolg, da man beginne das Ruhrgebiet zu räumen. Om übrigen stehe er der Räumung auch sehr skeptisch gegenüber. Der sozialdemokratische Redner be­hauptete weiter, Herr Henning habe den Papst angegriffen. Herr Henning stellte dies sofort sest, unter lebhaftem Beifall. Die Redezeit von 15 Minuten war inzwischen abgelaufen und Herrn Dr. Dang wurde bas Wort entzogen. Darob großer Tumult in seinen Reihen? Rach einiger Heit konnte die Ruhe wieder hergestellt werden und namens des Fentrums sprach ein Herr, der aber auf die Ausführungen des völkischen Redners wenig oder gar nicht einging. Fubewundern" ist nur die Keckheit mit der jeder Herr einem Mann gegenübertrat, der ge wiß eine weit größere politische Erfahrung und ge re i fiere s Urteil besitzt, und ihn mit .hohlen Phrasen abzu tun suchte. Da­nach verließ die Opposition unter Pfeifen und Sohlen den Saal. Es nwrb" o wischenrufe lautAngst vor der Wahrheit!" Herr Henning sprach nunmehr bas Schlußwort. Die Vorgänge der letzten Minuten seien ein hehrer Beweis für die deutsche Man- nesnot. Den Pazifismus bezeichnete er als Feigheit oder

Der Intendant und seine Achter.

Roman von Peter Prior.

Lopgrigt by M. Feuchtwanger (Halle).

11. Fortsetzung.

Wochenlang bin ich nun schon in Berlin und einen or- denÄichen Brief hast du noch immer nicht erhalten. Sch will bekennen, daß ich niemals das Bedürfnis .hatte, Dir aus- führliich zu schreiben. Als ihr mir mitteiltet, daß Du Dich s mit Wolfgang verlobt habest, da wäre ich gerne auf eine Stunbe zu Dir geeilt, um Dein lglückliches Gesicht zu sehen. Sm übrigen aber habe ich hier schon so viel erlebt, daß man barüber Sahre nachdenken könnte, Herrliches und auch we­niger Schönes. Alles in allem war ich bis jetzt sehr glütKng ^an , kann das nicht so schildern. Wenn du sähest, â L ^'t wie vielen und wie komischen zum Teil auch bedeutenden MMenschen ich täglich zusammsn»komme, würdest Du staunen.

'^ ^65 dinge, über die wir uns besser einmal mündlich unterhalten, wenn wir in Winkelglück wieder zu- sammmkommen. Was Dich vor allem interessieren wird, O, daß ich mich entschlossen habe, Kunstgewerbe und Schnei- : ^erec zu studieren. Gelt, komisch! Aber ich weiß genau, I was ich will. Sch will Entwürfe anfertigen für moderne I Kleider, Maskenkostüme, Theatertoiletten evtl. auch Requisi * 'ten, u. will unter Umständen meine Entwürfe selbst ausfüh- k rm- Die Sache hat eine große Hukunst, und wenn ich et- was leiste, bann kann ich viel Geld verdienen. Du wirst fa- » gen., das sei ja gar nicht nötig. Aber Du irrst Dich. B-er- I kn ist eine so teure Stadt, daß ich hier fast -die -ganzen! Fin- * Jen meines Vermögens brauche. Und so weiter zu leben, w-ie ich es setzt tue, dazu hohe ich keine Lust. Hier trägt man Pelze für viele Tausende. Für ein -einziges Ballkleid

. geben Damen 5000 Mark und mehr aus. So einen Schmuck Du ihn von Mutter geerbt hast, trägt hier jede Bürgers

l ®tw große Wohnung, Auto, Dienerschaft, »überhaupt 1 ^hfuM, glaub mir, «Hedwig, das -ist -doch etwas Schönes.

1 er immer an die Kleinigkeiten des Lebens zu -denken hat un bem ganzen Tag für sich allein zwischen seinen vier Wän-^ "n sitzt, der ist -immer traurig und nimmt alles viel schwerer ; ""-ug. Ans Heiraten will ich' vorerst gar nicht denken.

I f 'ân und arbeiten, als sei ich auf mich selbst angewie I Und schließlich bin ich es ja auch. Vater wird, solan- I ^^ ^ 1 ^ndw'ie kann, bei der Bühne bleiben. Sch habe jüngst IeT E festen Eindruck baoou gewonnen. Daß Fasten- I meine Leute sind, wei-ßt Du ja. Bestenfalls

kommen, daß ich mich mit -ihnen nicht herum- I (l eire , âr ein inneres, gutes Verhältnis zu -ihnen werde I 7 . bekommen. And Du, Hedwig? Du wirst setzt halb I wirst Deine Familie -haben. Wem» wir -gelegentlich I tulammenkommen, roerben wir uns beide freuen, und i-ch wer- Iter'^Älb6 «iW. j Hedwig -hatte anfangs lachen müssen über den Eifer der

Kleinen. Für sie war Käthe noch immer die Kleine. Sie kam sich um so viel älter und gereifter vor. Das, was -Käthe über den Reichtum schrieb, verursachte ihr jedoch ein leichtes Unbe­hagen. «Was waren das .für oberflächliche Betrachtungen. Sollte Wolfgang recht haben, -der immer behauptete Käthe fei von anderem Blut als Hedwig? H-ed-wig gehöre zu den F-asten- ham-m-s, aber Käthe sei durch und durch eine Sommereck. Doch sie kannte Käthe. Heute so und morgen fol Das waren so flüchtige Siebanken, die schnell wieder vergehen würden. Mor­gen schon konnte Käche gerabe bas Gegenteil behaupten. Doch der letzte Passus des Briefs stimmte Hedwig sehr traurig. Kä­the -mußte verbittert sein. Sie schien sich völlig einsam und ver­lassen zu fühlen. Und insbefonbere Hedwig schien sie zu grollen. »Hatte -Hedwig nicht vielleicht doch ein Unrecht begangen als sie Käthe nach »Berlin hatte gehen -lassen? Aber hatte sie sie «nicht inftänbigft gebeten, zu bleiben? «Waren nicht alle Bit­ten fruchtlos -gewesen? Das -schon, »doch Käthe war eben noch ein Kind. Sie Hedwig, hätte die Pflicht gehabt, Käthe nach Berlin zu begleiten. Danu wäre es sicherlich nicht so gekom­men und Käthe wäre ihr nicht so fremd geworden. Schmerz- bemegt dachte Hedwig an die Mutter «und an die Stunden nach dem Tode, in denen sie sich fest vor-genommen ha-tte, Köche eine Mutter M sein. -Und jetzt? Hatte sie ihr Versprechen gehalten? Die Trennung war schnell gekommen und es schien, als ob die Kluft immer größer werden würde. Doch was hätte sie tun sollen? Sie fühlte, daß sie -md er Tat zu den Fasten- bamms gehörte. Wolfgang war ihr «Bräutigam. Hatte sie wirklich die Pflicht gehabt, die Fästenhamms zu verlassen und Käthe nachzureisen? Oeber ist »doch schließlich sich selbst der R-achste. . So sprechen alle Egoisten-, dachte sie weiter, und sie sah mit einem mal ein Leben voll Kümmernis und Gn-ttäuschung vor sich, trotz «Wolfgangs.

Sie schrieb Käthe ziemlich kurz zurück, die Ansichten über den Reichtum könne sie nicht teilen. Das wisse Käthe ja. Und auch über den Beruf könne sie nur wenig, sagen. Sie verstehe

wem'K- Aber daß Käthe überhaupt noch einer festen Beschäftigung umtu-e, bas «halte sie für sehr gut. Das, was Rathe über das Alleinsein im Leben geschrieben habe, tue ihr sehr weh. Sie benke da -ganz »anders, Käthe stehe ihrem Her- ?en immer so nahe wie irgend möglich-, und wenn es Käthe, sei es -wo es wolle, schlecht gehe, könne sie immer zu ihr kommen.

Käthe trug den Brief -einen ganzen Tag lang uneröffnet in i ei Tasche. Der Postbote »hatte ihn ihn auf der Straße über­geben, als sie mit ihrem Freund Degenhardt, einem Maler, in bas Atelier eines anderen Malers gegangen ivar. Sie hatte ihn in die »Tasche gesteckt und -dann »vergessen. Als sie ihn abends gelesen hatte, zerriß sie ihn -nachdenklich. Was war Hed wig doch so philiströs und sentimental!

. äst Blecken hatte sie sich am Tag nach seiner Enthüllung wieder versöhnt. Rachdem sie den Brief an Hedwig geschrieben hatte, war sie ruhiger geworden und bas Vergehen Alexanders mar ihr nicht mehr so schlimm erschienen. Er hatte zu ihr nie vom Heiraten gesprochen muh sie hatte auch wirklich nicht daran gedacht, seine Frau zu werden. Er »hatte nie ein Hehl daraus

gemacht», »daß das Verhältnis »eines Tages zu- Ende sein würde. Was nahm Jie ihm also daran übel, daß er verheiratet war? AIs »Blecken am nächsten Tag bei -ihr erschien, kam -sie ihm zwar sehr kühl -entgegen und stand ihm kaum Rede, als er ihr aber irr seiner stillen eindringlichen Art all das auseinandersetzte, was sie sich am -Tage zuvor schon selbst gedacht hatte, und als er ihr jum Schluß versicherte, daß es ihn sehr schmerze, wenn sie sich wirklich von ihm abwende, daß er sich in diesem Fall aber in ihr geirrt habe, denn wenn- er zuvor gewußt »hätte, »daß Jie so sei, dann hätte er nicht »das «Recht gehabt, ihre Liebe anzuneh- men, als er ihr das auseinandersetzte, war in Käthe nicht mehr die geringste Verstimmung »und sie küßte ihn überzeugt und lei­denschaftlich.

.. Mit »Eifer wurden ihre Studien in Angriff genommen. Rathes Feichenitalent und ihr Geschmack für Kleider kamen ihr jetzt sehr zustatten. Ohre Lehrer -sahen, daß sie über die An­fan gsgründe längst hinaus war und daß sie -eine Schülerin vor sich hatten, die bald auf eigenen Füßen stehen würde.

Sie wohnte auch »sämtlichen Proben des Deutschen Theaters «bei und lernte hier viel. Ohre Achtung vor der Schauspielkunst freil»lch -erhielt einen Riß. Sie «hatte sich das Ganze viel weni­ger «schablonenhaft und viel innerlicher vorgesteltt.' Von man­cher Rolle behauptete Jie jetzt, daß sie, Jo wie sie sei, sie zum . mindesten ebensogut spielen könne wie die betreffende Darstel­lerin. Worauf Blecken lachte und sagteDas sieht vom Par­kett einfacher aus, als es wirklich ist". Aber Käthe glaubte ihm nicht.

Alst besonderer Hochachtung kam ihr der Direktor des Deutschen Theaters, Franz Goldschmidt, entgegen. Sr leitete [ein Theater mit ungeheurem Ernst. Er selbst war nie Schau­spieler gewesen. Doch als Ounge zchon »hatte er für nichts 0n- tereffe gehabt als für Theater. Als ihm in jungen Bahren eine Erbschaft von einigen Tausend Mark zugefallen war, beteiligte -er sich an »einem -Wandertheater. Hier erlebte «er seine größ- ten Enttäuschungen. Er sah, wie sein Mitdirektor und wie fast sämtliche seiner Schauspieler für die Kunst nicht das geringste öntc' resse hatten, wie »einzelne Schauspieler, Oie -dazu nicht ein mal schlecht spielten, die Stücke, in denen sie Hauptrollen hat­ten, nicht einmal lasen, und wie seinem Kompagnon der Kas- senrapport viel wichtiger war als alles andere, was zum Thea- 1«er gehörte. Das Unternehmen «löste sich auf und Goldschmidt mürbe Theatersekretär. Er wechselte verschiedene Male die Stellung. Die Direktoren sandelt keinen Gefallen an dem jun gern Mann, der bas Publikum zur Kunst erziehen wollte, der auf -die Auffassung einer Soubrette mehr achtete als auf ihre Aei}e, und der an jeher Strafe, die den «Mitgliedern zudiktiert wurde, berummäkelte. Unter den Schauspielern dagegen fand Goldschmidt einige sehr einflußreiche Freunde. Bald gelang es ihm, zusammen mit einem alten Schauspieler in einer Kunststadt ein intimes modernes Theater zu errichten, dts schnell -einen glänze »den Ruf in ganz Deutschland erlangte. Als der frühere Direktor des D-eutfchen Theaters in Berlin gestorben war be­warb sich Goldschmidt um die Direktion die er nun schon mehr als 12 Bahre führte.