Einzelbild herunterladen
 

Nr. 155

Donnerstag, den 9. Juli 1925.

MM Morgenzeitung.

Beiblatt.

Verlag: Fulda, Kanalstraße 44

und Aaat.

D«r 5t*lm. SW Nr$<**»«**>* J1*»" d-r mMKMK» pcUl -»««">- t«»«»^ M. [«in« Mb« im Staas »«»--> *<« »*«*

«sM«, «wWt«!« -pnrtwra [*.

,,«« Die M*» ®*W* E * ^'

riebtunrg »IWrti« «Mb * «M-. S-- E to - -' "'aMtums zu erklären, ihren ethischen

Wicklung des Zromfo. . , .

Kern au-fzuzcige-n und ihre po.^W AUSw-lckwag ury»d«Äen, soll hier versucht werden.

Als der Mcktkrieg das deutsche Vök ?u den Waffen rief, erlebte!; viele Männer im feldgrauen Kleid >um ersten Male bewußt den Staat. Hum -ersten Maie Ahlten sie sich nicht -nur als Einwohner", sondern als Vertreter, ja als -Trager dieses Staates. Vier Fahre Krieg haben dies Erleben verstärkt und im deutschen Frontsoldaten ein starkes staatsbürgerliches Selbst bewu-ßtsein sich entwickeln lassen. Die Beobachtung, wie Deutschlands Regierung und Parlamente während des Krie­ges die Erfolge, die das Blut deutscher FronHolda-teu er­kämpft 'hatte, verw-irtschäfteten, die }um mindesten stimmungs- mäßig begründete Ansicht der Front, daß, die schon oft in der -eutsch. Geschichte, die Zeder verdarb, was das Schwert ge­wann, lassen es als sicher erscheinen, daß auch nach einem beste- ren Ende des Krieges die deutschen Frontsoldaten ihr Selbst- hewuWein und' ihren kritischen Blick für -die politische Lnt- wicklung nicht verloren hätten. Auch -in einem kaiserlichen Deutschland wäre der Stahlhelm ganz gewiß keine bequeme Organisation gewesen, -er würde eine wesentlich andere Rote ge­tragen haben als die Krieger- und Veteran-en-Vereine der

'Vorkriegszeit.

Hatte die Erkenntnis, daß sie während des Krieges die stärksten Träger des Staatsgedankens gewesen waren denn -das Bekenntnis zum Staate ist letzten Endes eine Angel-egen- Heit des Blutes die Frontsoldaten schon aus -das vor-novem- berliche Regie rungssgstem mit kritischen Augen sehen lassen, so mußte die Revolution, da sie staatsstörend wirkte, ihre schärfste Leidenschaft finden-. Die Front, die sich mit Recht als Auslese des Volkes fühlte, konnte weder Verständnis noch Verzeihung aufbringen für das freche Wort eines Scheide­mann, daß an dem Tage, der ihre Leiden und Kämpfe von vier Kri-egsjahren endgültig vergeblich macht-e,das Volk auf der ganzen Linie gesiegt habe". Hätte ein -deutscher Gambetta am 9. November von der Treppe des Reichstages zum nationa­len Widerstand aufgerufen, dann-, aber nür dann, hätte die Front sich mit der Revolution abzufinden vermocht. Da aber weder unter den Revolutionären noch unter den hochgestellten Persönlichkeiten des alten Regimes sich ein Mann fand, der die Führung d-es Staates an sich riß, spülte die Welle einer sinnlosen und überhasteten Demobilmachung die staatserhalt-en- den und aufbauenden Kräfte der Front -auseinander. Nur an wenigen Stellen verstanden -es -besonders tatkräftige Führerper- sönlichkeiten, wenigstens einen Teil der Frontsoldaten organi­satorisch zusammen-zuhalten. So entstand im Dezember 1913 in

Ser Atenbant und feineAWer.

Roman von Peter Prior.

Eopgrigt by M. Feuchtwanger (Halle).

7. Fortsetzung.

München hat sich in den letzten Fahren gewaltig heraus- gemacht", sagte Hedwig, nur um -etwas zu sagen.

Fa", entgegnete Wolfgang-,se'lbstverständli-ch. Es ist lein anderes Leben -als in Berlin. Die Norddeutschen kommen gerne hierher. 'Sie bringen den L-uxus mit und die -einfache Be haglichk-eit bleibt daneben bestehen".

Fch glaube auch-, daß es das ist. München ist eine ganz eigenartige Stadt. 3d) habe ja noch! w-enig gesehen in der Welt ober ich glaube, es gibt in Europa keine Stadt, die mit ihr zu vergleichen wäre. Wenn -ich in der Stadt l-eben müßte, möch­te ich am liebsten mein- ganzes Leben in München verbringen".

Das will ich nicht sagen-. Für einen Menschen, der arboi- ^t.äst es ja schließlich ganz einerlei, wo er liebt.

Sir betonte das Wort arbeiten, und Hedwig schien es, daß er ramit sie treffen wollte. Sie sagte deshalb etwas von oben herab:

Bei der Arbeit ist es selbstverständlich egal, wo man lebt, aber man sitzt doch nicht den ganzen Tag am Schreibtisch oder im Bureau".

5s gibt weiche, die überhaupt nie am Schreibtisch sitzen außer, wenn sie Briefe schreiben, die dann meist auch danach sind".

Er ist ein Grobsack, da-chte Hedwig, und nahm sich vor, kein Gespräch mehr zu beginnen, aber Wolfgang fuhr fort:

Die Sache -ist die: Dem einen macht die Arbeit Vergnü­gen. Die Arbeit ist seine Erholung, und -das, was ihn- wirklich ansfüllt. Das andere, wo und wie man ißt, wie -man- sich un­terhält, ist Nebensache. Darum ists ihm auch -egal, in weicher Stadt -er lebt. Aber -denen, -denen die Arbeit eine Qual ist, die oon -der Arbeit nichts verstehen, denen die Arbeit nur eine u-n- on-genehme Unterbrechung!ihres Müßigga-n-ges ist, denen ist na- arlich ihre U-mgebung sehr wichtig".

Den .Frauen also in erster Linie", -entgegnete Hedwig. 0 Tätigkeit besteht ja in Kindererzi-ehen und ân Haushalt fuhren. Für sie also nur Müßiggang."

t 'Stirmimie war scharf geworden, und Wolfgang, der - ein-eic Eltern bei jeder Steinigkeit, auch wenn er noch so sehr Unrecht hatte, widersprach, lenkte ein:

Män^E' Uebevhaupt . . . ich meine nur die CTS- -Frauen, -das ist natüvli-ch was ganz anderes. o^auen, za, -darüber habe ich noch weniger -na-chgedacht. 3d) E Frauen überhaupt -fast nie zusaimnen."

Mutter und Elisabethl" lernen "^'"^ butter. Tja, na Sie werden sie -ja sMt kennen-

ihnr

Komisches Gespräch, dachte dabei Hedwig, Fch spreche wie -eine alte Tante zu einem kleinen Fungen.

zu

Ma-zdeb-ur-g, gleichzeitig mit dem ersten Freikorps und sie über- dauernd der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, in dem sich bis zum heutigen Tage in -immer wachsender Hahl die ehemali­gen Frontkämpfer gesammelt haben. Sie haben die deutsche Republik -entstehen sehen und feststelle-n müssen, daß sie in -ihrer Fde-e vom Staate in recht vielen Dingen nicht eiltspricht. Sie haben von den Regierungen des Reiches und der Länder vielfach eine Behandlung erfahren, die im krassesten Gegensatz steht zu den ftaatsbürgeriich-en Rechten-, die sie sich vor allen anderen durch den Einsatz ihres Lebens für das Vaterland erworben zu haben glaubten-. Daß sie gleichwohl d-u-rch die Verfolgungen, denen gerade -der Stahlhelm -durch eine große Hahl der nachno­vemberlichen Regierungen ausgesetzt war, sich nicht in Opposi­tion zum Staate haben -drängen te^en, ist ein Beweis für die starken stäatsbejahen-den Kräfte, die im -deutschen Frontss-ld-a- ten lebendig sind. Daß diese Staatsbejahu-ng den gegenwärtigen Staat nicht kritiklos binnimmt, ist -nur zu verstä-nd-lich. Dabei sei jedoch gleich betont: Wir Frontsoldaten im Stahlhelm er­kennen bte in Weimar beschlossene Verfassung des D-M-tschen Reiches als Grundlage unseres gegenwärtigen staatlichen Le­bens an. Aber wir halten nach den Erfahrungen der letzten fünf Fahre di-efe Grundlage -für dringend reparaturbedürftig. Dabei stcht die Frage der Staatsform, die, wie man sagt, eine Formsache ist, keineswegs in der vordersten Reihe unserer kritischen Wünsche. D-ie Frage Republik oder Monarchie ist aus der Staatsauffa-ssung des Frontsoldaten- -heraus mit einem dritten Fremdwort zu beantworten: Aristokratie -d. H. Herr­schaft der B-esten -des Volkes. Eine solche Herrschaft der Be­sten haben wir weder in den letzten Fahren vor, noch in der Heit nach dem 9. -November gehabt. Diese Erfahrung ver­stärkt, unbeschadet der gefühlsmäßi-gen Eiusteliu-ng des einzel­nen, unsere Hurü-ckh-altung im der Frage der Staatsform. Viel wichtiger ist -uns -der Fnha-lt.

Der Staat -ist uns Zrouts-o-ldaten die sichtbare Verlwrp-er- ung der Nation, -daher nicht Hweckverband, sondern Fdee. Aus der Verbundenheit mit seinem Volikstum ist nach unserer Staatsa-uffassung der einzelne im Dienst des Staates sittlich ver­pflichtet. Nur aus der Erfüllung seiner Pflichten und nach dem Grade seiner Leistungen gegenüber dem Staat erwachsen ihm Rechte. Der Anspruch d-es Staates auf -den einzelnen kam im alten Reiche durch die allgemeine Wehrpfl-icht zum Ausdruck. An -ihrer Stelle sollte, solange sie uns durch das Versailler Dik­tat versagt bleibt, eine Arbeitsdienstpflicht jedes Deutschen tre- ten. Erst Ableistung der Wehr- oder Arb-eitsdienstpflicht darf dem Ei-n-wohner Deutschlands staatsbüngerl-iche Rechte ge­ben. Die Erfüllung dieser Forderung würde, im Verein- mit einer grundlegenden Umgestaltung des Wahlrechtes durch selbst tätige Vereinigung unserer Pa rteienw-i-rtsch-a ft zu arbeitsfähi­gen Parlamenten führen. Wir Frontsol-date-n haben in den letz­ten 10 Fahren gelernt, Persönlichkeiten zu schätzen und Partei­programme zu verachten und wollen deshalb nicht Listen-, son­dern Männer wählen können. Wir hält-en es auch für staats- u-nsittlich-, daß ein Sutisker, der den Staat aussaugte, den -glei­chen Einfluß auf dessen Leistung- haben soll wie ein Mann, der die Heimat mit seinem Leben schützte. Ein Parlament, in das Männer statt Listen von Staatsbürgern, die sich durch

Si-e -blieben den ganzen Vormittag zusammen, und Hedwig lernte in iWo-Ifgang einen Menschen kennen, der ein kleines Kind war, trotzdem er ein Wissen besaß, wie sie es -noch bei kei­nem Menschen gesehen hatte. Er war auf allen- Hweigen der Philosophie glänzend unterrichtet, kannte nicht nur -die Grund züge der Natio-nalökonomie, sondern -hatte -auch große Arbeiten über Versicherung-, Armenunterstützung und Handelspolitik g-e- schrieiben, war Dr. juris und hatte gründlich evangelis-ch-e -Theo­logie studiert. Um Literatur hatte er sich nur wenig gekümmert. Von der neuen Literatur kannte er überhaupt nichts. Er be­suchte auch das Theater fast nie. Er hatte noch nie in -seinem Leben einen Hirkus und ein Operettentheater betreten. Ob­wohl er in der Schackgalerie die Bilder mit Aufmerksamkeit betrachtete und -auch.Don den Malern -manches wußte, 'kam es Hedwig vor, als verstehe er von- KuNstdingen wenig, als unter­schätze er Kunst und Poesie, als lebe er ausschließlich der Wis- sensch-aft. Aber sie fand einen Widerspruch. Er mußte doch sehen, daß sie selbst weder Kant, Schopenhauer, Nietzsche ge­lesen hatte, -noch auch sonst irgendwie wissens-chaftlich geschult war, ja, daß sie auch in der Literatur eigentlich nur das Neueste genau kannte. Trotzdem widersprach er ihr nie und tat, als müsse er es als besonderen Vorzug betrachten, an ihrer Seite gehen zu dürfen.

Als sie die Schackgalerie verlassen ^hatten, gingen sie in den Englischen Garten, -immer geradeaus. Sie kamen weit, bald begegneten ihnen nur mehr selten Menschen. Fhre Gespräche wurden vertrauter. Das Verhältnis änderte sich rasch. War am Anfang Wolfgang der F-unge, Ungebärdige gewesen, so wurde jetzt Hedwig die, die sich von i-hm unterhalten-, unterwei­sen ließ. Er spra-ch von einigen Famil-ienmi tgli edern, nahm durch aus kein Blatt von den Mund, erzählte von- den guten und den schlechten Eigenschaften seiner Mutter, analysierte das Ver­hältnis der Sommerecks -zu der übrigen Familie, ohne es ir- genwie zu beschönigen-, und wurde -warm, als er von seinem Vater sprach, den er als -den vorzüglichsten Menschen bezeichnete den er kenne. Trotz des Persönlichen des Gesprächs war es Hedwig, als behandele man ein gänzlich objektives Thema. Man mußte seine Worte n-icht auf die Wagschale legen. Die Worte -waren hi-er keine Verarbeitung der Gedanken, sondern nur das Mittel, die Gedankeic imverhüllt aus-zudrücken. Unb 'bas tat unendlich wohl. Nicht einmal die vertrautesten Stun­den mit der Mutter und mit Käthe, waren so angenehm gewe­sen, Und Hedwig erzählte viel von der Mutter, und dann 'auch von Käthe, die Wolfgan-g am Abend zuvor wenig sMpathisch erschienen war. Sie berichtete auch Wolfgang von dem an­genehmen Eindruck, den sein Vater auf sie gemacht hatte.

Wir sprechen von allem, dachte sie dann, nur von uns bei­den nicht. Was Wolfgang wohl- von ihr selbst hielt? Daß er sie hochschätzte, das sah sie an der ganzen Art, wie er sich mit ihr unterhielt. Aber sie hätte gerne gewußt, was ihm an ihr gefiel.

Sie fanden- sich in der Nähe des Aumeisters, als es Mit-

Leistung-en einen Anspruch auf den Staat erworben haben statt nonEinwohnern" gewählt würden, hätte auch die nötige A-utorität, um 'm Zusammenwirken mit einer starken repräsen­tativen Spitze die verloren gegangene innere Sauberkeit unse­res staatlichen Lebens wieder herzrstell-em Eine Regierung, die sich auf eine derartige Volksvertretung stützen könnte, wä­re gleichzeitig in der Lage, die Wirtschaft, die materiell die Trägerin unseres staatlichen Lebens ist, aber auch seine Diene-, rin sein muß, aus ihrem -egozentrischen Denkkreise herauszu­führen und positiv für den Staat einzusetzen-. Sie wäre anderer­seits auch fähig, die "soziale Frage zu bewältigen, deren befrie­digende Lösung die Vorbedingung für bie Wiedererlangung un­serer äußeren Freiheit ist. Wir Frontsoldaten im Stahlhelm haben aus dem Erleben der Front ein so starkes soziales Füh­len gewonnen, daß wir bie Lösung dieser brennendsten Frage unserer Heit im Sinne einer Gewinnung der Arbeiterschaft für den nationalen Staat in die erste Reihe unserer Forderungen stellen müssen. Daß wir unter der Lösung der sozialen Frage vorne-hmiich auch die ausreichende Betreuung der durch den Krieg und seine Folgen am schwersten- mitgenommenen weis opferfreudigsten Teile unseres Volkes, der Kriegsopfer und des verelendeten Mittelstandes, verstehen-, ergibt sich aus unserer Staatsa-uffassung . Erst eine Festigung der oerlorengegangenen Staatsautorität, eine Gleichrichtung der Fnteressen der Wirt-: schaft mit denen des Staates, -erst eine Gewinnung der Ar­beiterschaft für den Staat, erst eine stärkere Betonung endlich der ethischen Werte im Staat sieben worunter wir in er­ster Linie auch eine Rückkehr zu den Grundlagen der christli­chen Religion verstehen schaffen eine genügend starke Hu- sammen-fassung der Kräfte unseres Volk-es, um ihm außenpoli­tisch die gebührende Stellung in der Welt wie-derzuerri-ngen. Die Lehre vom Vorrang der Außenpolitik ist uns durch das bittere Erl-eben- der -letzten Fahre -eing-ehämmert worden. Wir betrauten deshalb die Regelung innerpolitischer Fragen aus dem Gesichtswinkel der Außenpolitik. Wir haben volles Ver­ständnis dafür, -daß ein waffenloses Volk machtlos $t, und daß Deutschland, solange dieser Hustand dauert, noch manches Dck- tat seiner Feinde wird errtgegemtebmen müssen. Wir verlan­gen allerdings -andererseits, daß die Machtlosigkeit nicht zur Würdelosi-gke-it führe, und daß kein Mittel unversucht bleibe, dem deutschen Staate wieder Macht zu schaffen. Hurückge- minnung der außenpolitischen Bewegungsfreiheit ist das oberste Hisst das wir Frontsoldaten vom deutschen Staate erreicht wis­sen wollen.

Daß dieses Hiet unter dem jetzt herrschenden parlamenta­rischen System, das die Pausen zwischen den einzelnen Regi-er- ungen fast länger werden läßt, als die Heit ihrer Amtstätigkeit, erreicht werden könnte, darauf wagen wir Frontsoldaten kaum mehr zu hoffen. Der Stahlhelm ist deshalb aus staatsbürger­lichem Verantw ortlichkeitsgefühi gegenüber -der Hununft un­seres Volkes bei den Mahlen des Dezember 1924 zu dem Versuch geschritten, durch Einflußnahme auf die Parteien seiner Staatsa-uffassung Geltung in der Politik zu verschaffen. Er wird auch in Hukunft für dieses Hiel arbeiten. Das starke An­wachsen unseres Bundes gerade im letzten Fahre zeigt uns, daß wir auf dem rechten Wege sind.

tagszeit war. Wolfgang wollte auf dem nächsten Weg nach Hause kommen. Man sei zu Hause sehr pedantisch in -der Heit einteilung -und er habe schon -oft Streit mit dem Vater -gehabt, weil er hin und wieder nicht rechtzeitig bei Tisch erschienen sei. Fn zehn Minuten sei man an einer -Ha-ltestelle der.Elektrischen Und von da aus -habe man eine Viertelstunde zu fahren. Aber sie 'kämen auch dann noch zu spät.

Hedwig sah eine offeneDroschke herankommen.Wir können dann ja mit der Droschke fahren", meinte sie und gab dem Kutscher ein Heichen. Wolfgang wurde verlegen, sagte ^,Tja . . . natürlich . . . -und öffnete den Schlag. Er be­trat das Trittbrett, ging wieder herunter und machte gegen Hedwig eine Bewegung zum Einsteigen.

Hedwig beobachtete, wi-e er verlegen auf seinem Platz hin und her rückte und ein paarmal mit dem Daumen in die We- st-entasche fuhr. Er gab ihr konfuse Antworten. Schließlich rückte er, über und über rot, im Gesicht, mit der Sprache her­aus.

Es ist sehr unangenehm . . aber . . . nämlich, ich habe niemals viel Geld bei mir. Fch glaube, es reicht kaum für die Droschke . . ." Er zog seine Geldbörse hervor.

Aber das macht doch nicht", sagte Hedwig abwehrend. Die Kleinigkeit, ich lege es gern aus.

Nein, das ist sehr unangenehm ... 70, 75,95 Pfg. habe ich nur mehr bei mir. Das wird kaum langen."

Aber ich bitte Sie, das macht doch -nichts. Fetzt tun Sie mir endlich den Gefallen und stecken Sie Fhr Geld ein.

Und doch wunderte sie sich darüber, daß er kein Geld in der Tasche hatte; wenn er wirklich, wie es doch den Anschein hatte, ausschließlich wistenschaftliche Hwecke verfolgte, konnte er doch unmöglich sein Geld verbrauchen. Ob er vielleicht gar eine Ge­liebte hatte?

Die beiden erschienen noch rechtzeitig bei Tisch, und während des Mittagessens erhielt Hedwig Aufklärung. Frau Fasten- ha-mm fragte, wo sie gewesen seien. Hedwig erzählte von der Schackgalerie, dem Spaziergang im Englischen Garten und der Heimfahrt.

Fn der Droschke?" fragte Elisabeth.Fa, seit wann hat denn Molfga-ng so viel Geld?"

Wolfgang wurde abermals dunkel rot und berichtete, daß Hedwig bezahlt habe. Und im Anschluß daran hörte Hedwig, daß Wolfgang vom ersten Tage seines Studiums an monatlich nicht mehr als 40 Mark bezogen habe. Davon mußte er alle Nebenausgaben bestreiten. Er verwendete fast das ganze Geld für Anischaffung neuer Bücher. Das Angebot des Vaters, die Bücherrechnun-g für sich zu begleichen, schlug er aus. So kam es, daß er fast nie eine Mark in der Tasche hatte.

Oft pumpt er mich um ein Hehnerl au", sagte Elisabeth wichtig,ich leihe es ihm gerne, aber er muß es mir pünkt­lich zurückgeben".

Trotzdem merkt man, daß hier bie Solidität zu Hause ist, dachte Hedwig.

(Fortsetzung folgt.)