pfer gemacht werden u. nach nicht weniger als f-echsundzwanzig dividenden losen Fahren konnte die „Feeland" für 1-912 und 1913 ihren Aktionären 6 Prozent ausschütten und außerdem den Reservefonds beträchtlich verstärken. Kaum war jedoch die Gesellschaft in einer günstigeren Lage, als der Weltkrieg ausbrach. Bis zum Anfang des Sahres 1916 setzte sie jedoch ihre Fahrten auf eigenes Risiko fort. Am 1. Februar dieses Sahres lief einer ihrer neuen Dampfer an der englischen Küste auf eine Mine, am 27. Februar hatte ihr zweiter neuer Dampfer dasselbe Unglück. Der Dienst wurde dann auf kurze Feit ausgesetzt, aber bald wieder aufgenommen, bis am 1. Juli einer der Raddampfer infolge einer Explosion sank. Am 10. Juni 1910 wurde einer der „Feelandboote", die vom 1. Ja- nuar des Sahres ab den Austausch verwundeter englischer und deutscher Kriegsgefangenen besorgte, torpediert. Bon der die Flotte der Gesellschaft bildenden Schiffen waren somit vier — darunter zwei der Doppelschraubendampfer — verloren gegangen, aber die „Feeland" zog ihre Flagge nicht ein. Fwei neue Dampfer wurden in Auftrag gegeben. Seit 1. Mai 1920 unterhielt die Gesellschaft wieder einen sechstägigen Wochendienst von Volkestone nach Vlissingen; am 1. Juni 1922 wurde der Nachtdienst eingestellt — man hofft diesen jedoch wieder ein- zufllhren — und statt dessen ein auch am Sonntag erfolgender Tagesdienst eingesetzt. Diese Aenderung -hat es der Gesellschaft ermöglicht, sich auf den Touristenverkehr nach Südeng- land zu verlegen, der sich steter Funahme erfreut. Diese Gelegenheit, eine der schönsten Provinzen Englands auf begume Weise zu besuchen, wird heutzutage namentlich auch von vielen Deutschen benutzt.
Fum Schluß dieser Leidensgeschichte sei noch erwähnt, daß auch die Ruhrbesetzung für die „Feeland" nicht ohne nachträgliche Folgen verlief. An den Grenzstationen wurden die Pas- fagiere durch die französischen Okkupationstruppen Revisionen ausgesetzt, so daß die deutschen Reisenden die Route über Holland vermieden. Die Besetzung des Ruhrgebietes machte es notwendig die Füge für Rorddeutschlvnd über Bentheim zu führen, und dieser Weg ist beibehalten -worden, während für Süddeutschland der Weg über Venlo-Kaldenkirchen gewählt wurde.
Die Flotte der „Feeland" besteht jetzt im Fahre ihres goldenen Jubiläums aus drei Doppelfchraubondampfern von 3000 Tonnen und 10000 PK. und zwar der „Prinzeß Juliana“, der „Oranje Nassau" und der „Mecklenburg". Ohne Uebertreibung kann gesagt werden, daß diese Linie die bequemste Verbindung zwischen Mitteleuropa und England bildet. Die Strecke Berlin-London kann bei Benutzung dieser Boote in 23% Stunden zurückgelegt werden, Köln—London in 14% Stunden, Dresden-London in 28% Stunden. Das sind Ziffern, deren sich die Schiffahrtsgesellschaft im internationalen Verkehr nicht zu schämen braucht. Also — nur Wut gefaßt, Feeland", für die nächsten fünfzig Sahre! Karl Sstotel.
care, und nach der allgemeinen Ansicht -des -amtlichen feindlichen Auslandes -unsere Schuld am Kriege das Fundament bildet, mit dem der Vertrag steht und fällt. Unser letztes Fiel kann und muß — trotz aller Aengstlichkeit zagender Politiker — immer -nur dieses sein: Los von Versaiells auf dem Wege -der Revision! Der Hebel zur Durchführung dieser Forderung aber ist anzusetzen eben an der Kriegsschuld frage. Wir haben in dem Artikel 231 eine gute Vert-ei-digun-gs- und, was besser -ist, eine vorzügliche Angriffsstellung. Nutzen wir sie? Es muß einmal gesagt werden-, daß -selbst nationale Organisationen, d-i-e immer gern über die Kriegsschuldfrage sprechen, zum Handeln -nicht gebracht werden. Die von maßgebenden Stellen an die Regierungen wiederholt gerichtete Forderung: Widerruf der Kr-i-egs- schuldlüge in amtlicher diplomatischer Form hätte eine Wirkung ■erziele« müssen, wenn diese Forderung von einer wirklichen Volksbewegung — ohne jeden -parteipolitischen Einschlag — getragen würde. Wir sind -nun der Meinung, daß diese Volksbewegung an sich erreichbar -ist, wenn -nämlich -nun, wo keine Feit mehr zu verlieren ist, alle andern Aufgaben bis zur Erreichung dieses Fi-eles einmal hintangestellt und alle Kräfte in diesem einen Punkt gesammelt, auf dieses eine Fiel konzentriert würden. Aufklärung ist von privaten Organisationen wie dem Arbeitsausschuß deutscher Verbände, der Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung, Berlin, dem Volksbund „Rettet die Ehre", in Bremen, dem Aufklärungsausschuß betr. die Kriegsschuldfrage in Dresden, der Nationalen Einheitsfront u. -a. propagandistisch, von -der Fentraistelle für Erforschung der Kriegsursachen und von vielen -anderen wissenschaftlichen in -mehr -oder weniger großzügiger Weise -erfolgt. Not tut die Erfassung der Massen zur -Tat. Es darf -nicht mehr -bloß bei einem sozusagen theoretischen Snteresse bleiben; das Bollwerk, hinter dem sich unsere Gegner in der Kriegsschuld lüge verschanzen, muß in -einem gewaltigen Volkssturm überrannt werden.
Das Werk -der Sammlung der Volkskräfte für diesen Zweck erfordert Männer, die arbeiten wollen unb können, und die zu Opfern bereit sind. Es geht daher an Euch, Kameraden, der dringende Aufruf: Laßt die Kri-egsschuldfrage nicht nur in Euren Versammlungen Gegenstand ernster Arbeit sein, sondern werbt auch die andern für di-e Mitarbeit. Die Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung, die seit vier Fahren tatkräftig an hervorragender -Stelle in -der Bewegung gegen die Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege -steht, hat es übernommen, eine starke Volksbewegung in dieser für -das deutsche Volk lebenswichtigsten aller Fragen zu schaffen, indem sie über die bereits mit -ihr in Arbeitsgemeinschaft stehenden Organisationen hinaus an jeden -einzelnen Mann und an jede -einzelne Frau im deutschen Volke heranzutreten verflucht, um sie für das in den vorliegenden Ausführungen umschriebene Fiel zu gewinnen. Dazu -gehört natürlich auch -Geld. Wer es sich von Euch leisten kann, veranlasse andere Fahlungsfähige -dazu!
Die -Gunst der Lage -muß ausg-e-nutzt werden, -Auch im Aus lande, -namentlich in Amerika, wo der Kämpfer für Deutschlands Recht, Senator Borah, zur Stellung des Präsidenten -der Sen-atskommission für auswärtige Angelegenheiten gelangt ist, liegen die Verhältnisse nicht ungünstig. Wird unsere wirtschaft liebe Lage, womit leider bestimmt zu rechnen, -mehr und -mehr unhaltbar, so müssen wir gerüstet sein, -der -Undurch-führbarkeit des Versailler Vertrages gegenüber auf die Revision zurückzugreisen, Und es geht ja nicht nur um wirtschaftliche B-elange — es geht um das Teuerste, das wir besitzen, unsere Ehre im Rate der Völker.
Sammlung aller Kämpfer gegen die Kriegeschuldlüge.
Bon Professor Wilhelm Rahn, Berlin.
Nicht nur bei der Huldigung in Hannover, wo Hindenburg das Wort sprach: „Die Lüge von Deutschlands Kriegsschuld muß fallen", sondern auch schon früher (30. März 1921) hat der Generalfeldmarschall auf die Wunde den Finger gelegt, die am Körper des deutschen Volkes klafft: „Die Schuldfrage bildet -nach wie vor den Angelpunkt für die Zukunft des deutschen Volkes". Mit Recht, denn der Artikel 231 des Versailler Diktats, der diese Lüge ausspricht, ist für unsere Feinde die einzige rechtliche Grundlage für die sogenannten Reparationen. Das Wilsonsche Programm und die durchaus als Vorfriedens vertrag zu wertende und als solcher von uns angenommene Lansing-Rote enthielt über die Entschädigungsfrage folgende Abmachung: „Ferner hat der Präsident -in seiner letzten Ansprache an den Kongreß vom 8. Januar 1918 erklärt, daß die besetzten Gebiete nicht Mr geräumt und befreit, sondern auch wieder hevgestellt werden müssen. Die alliierten Regierungen . . . verstehen darunter, daß Deutschland für allen durch seine Angriffe zu Land, zu Wasser und in der Luft der Zivilbevölker- nng der Alliierten und ihrem Eigentum zugefügten Schaden Er satz leisten soll". Danach steht der Entente nach ihrer eigenen Formulierung nur Ersatz zu für die Schäden, die durch die Militärangriffe für die Zivilbevölkerung entstanden sind. Für jeden, der seine Unparteilichkeit bewahrt hat, kann unmöglich daraus die Verpflichtung .entstehen, daß Deutschland für die Pensionen aufzukommen habe, die für die Militärpersonen und ihre Angehörigen bezahlt werden müssen, am wenigsten gar für die vielen Gegner Deutschlands, die sich einfach dem Raubkriege gegen Deutschland später angeschlossen haben. Wilson dagegen ließ sich, nachdem Deutschland auf Grund seiner feierlichen Zusicherungen durch Waff-enstreck-ungen sich wehrlos gemacht hatte, überreden, die Militärpensionen gegen alle Logik einzubeziehen. Diese himmelschresende Ungerechtigkeit konnte nur geschehen, weil man eben Deutschland die ganze Verantwortlichkeit für den Krieg aufbürdete. So entstanden jene Wahnsiunsziffern der deutschen Krie-gsentschädigungsverpstich- tn-ngen. Mehr als zwei Drittel der gesamten Ententeforderun- gen gehen aus den Pensivnsforderungen hervor, die man wort- brüchigerweise von uns erpreßte.
Gegen die feindliche Rechtsgrundlage des Artikels 231 ist Rechtsverwahrung einzulegen. Das ist seinerzeit geschehen, doch wurde sie von der Entente zurückgewiesen; wir sollten den Vertrag bedingungslos unterschreiben; für den Fall, daß wir es nicht täten, wurden Erpressungen angedroht. Eine erpreßte Unterschrift ist ungültig, und so bleibt der Weg zur Rechtsver- wahrung frei. Nachdem die vielen Gelegenheiten, die sich dafür boten, vertan oder verpufft sind, müssen andere Gelegenheiten, die sich ja bei der Gewaltpolitik unserer Gegner immer wieder bieten, wahrgenommsn werden. Die Lasten aus dem Dawesabkommen werden- von uns nicht erfüllt werden können. Da bleibt uns ja sowieso als letztes Mittel, als letzter Trumpf als letzte Zuflucht, nur noch die Aufroll-ung der Kriegsschuld- frage. Wir müssen dafür sorgen, daß durch kein Abkommen, welcher Art es auch sei, irgendeine erneute freiwillige Anerkennung des Versailler Diktats und ein Verzicht auf die Revision dieses mörderischen Fnstruments von uns zugeftanden wird.
Die Aufrollung -der Kri-egsschuldfrage würde ja auch -eine Erschütterung des Versailler Diktats überhaupt bedeuten, da nach den bekannten Aussprüchen von Llogd George und Poin-
rvie die frauzofeu ihre Liebe zu Polen betätigen.
Von Adolf Ei chle r.
Frankreich, das Land -des lLebensgenusses, roar für die Polen schon in der Feit vor -den Teilungen, als in Polen sich Pracht und Armut in groteskem Kontrast begegnete, -d a s Fdeal. Schon -damals holte sich der polnische Hochadel seine Bildung und Küche, seine W-eltansch-auung und Mod-en aus Paris. Fahireiche kostbar gekleidete B-edi-ente, -ungarische Husaren, polnische Ulanen, Kosaken und -türkische Kaffeesieder, englische Bereiter, Narren, Fwerge, -manchmal noch ein- Hausor- chester und sonstige Schmarotzer begleiteten die polnisch-e-n Großen auf ihren Reisen nach Frankreich und gaben ihrem Auftreten in Paris ein besonderes Relief. Dieser französische Lu xus feines Adels machte Polen arm und schuf jenes Korrup- tionsmil-ieu, das uns aus der Feit des Ai-ederg-a-ngs und Fer- falls des polnischen Staates bekannt ist.
Aber auch als Polen aufgehört hatte, auf der Karte Europas zu figurieren, blieb Paris der bevorzugte F-ufluchtsort -der polnischen lyrischen Politiker und politischen Dichter, unsteten Verschwörer und ungehemmten Leb-enskü-nstler. -Mit den Franzosen -haben die Polen -gemein, sich immer von der glänzendsten Seite zu zeigen und allen, -die Jie nicht näher kennen, Sand -in die Augen zu streuen. Mit -ihnen geht auch ihr iSeJcbmack aufs Hübsche und Blendende. Eine einzige schöne Phrase kann -die Leidenschaften beider Völker entzün-den unb unberechenbare politische Auswirkungen haben.
Fm neuen Europa fühlte sich Polen, bank dem Versailler Wahnwitz, bewußt als erster Vasall Frankreichs und -wurde als solcher auch in der Gesellschaft der neugeschaffenen Staaten mit einem gewissen Respekt behandelt. Für -die polnischen -aktiven Staatsmänner aller Richtungen -galt die Aufrechterhaltung und die Vertiefung der polnisch-fr-an-zösischen Fr-eundsch-aft mehr als ein kirchlicher Glaubensgrundsatz. Polen fühlt und handelt als Frankreichs Haupt-verbündeter in Mitteleuropa.
Aber in letzter Feit brach sich in -einzelnen kritischen polnischen Köpfen der Gedanke Bahn, daß Polen -die -ihm von Fr-a-nkr-eich übertragene Aufgabe zu wörtliche nahm unb überflüssigerweise vorbehaltlos sich zum stummen Sklaven der französischen Politi-K machte. Man frischt geschichtliche -Erinnerungen an frühere französisch^polnische Freundschaften auf, die immer sehr -einseitig waren und nur so -lange dauerten, wie die Franzosen -Rutzen von ihnen zogen. Jn diesen Kreisen sieht man auch schon jetzt w-i-e-der schmerzliche U-eberraschungen naben. Jn polnischen -Feijungen findet man öfters Stellungnahmen zu dem Schalten und W-alten fr-an-zösis-ch-er Jntereffengruppen, die in den Vesitz von polnischen Fn-dustri-eunternehmungen kamen und nun in jeder Beziehung Raubbau treiben. Hier und da hebt man, allerdings -noch sehr schüchtern, d-en Gegensatz in der Handlungs weise -deutsch-er und französischer Unternehmer in Polen cher- oor und lobt mehr -durch inbirekte Schlüsse als -durch einfache Feststellung der T-ats-ache, -das deutsche System, bas zwar auch
auf hohe Ausbeute und gute Verzinsung bes Jnbuftriekapita^ -eingestellt sei, das aber im übrigen den Lebensnotwendigk-eitH- der polnischen Arbeiterschaft -entgegen komme, was man vv, -den -französischen Zndustriekonzernon nicht sagen könne.
Noch auffallender ist -der Gegensatz bei -der Aufnahme poke irischer Auswanderer im „feindlichen" Deutschland und im bs.feste unbeten Frankreich. Unter dem Druck her öffentliche Meinung müssen selbst nationalistische -polnische Blätter B-erich, te und Klagen der gegenwärtig in Frankreich beschäftigten pof: Nischen -Fndustrie- und iandwirtschaftlichen Arbeiter über bis. rigorose Unterdrückung bes polnischen Schulwesens in Franke reich bringen. Jm Sejm bezeichnete ber Abgeordnete Piotrowi ki das Verhalten des französischen Klerus, ber die polnische» Arbeitermassen in Frankreich systematisch entpolitisiere, als skandalös.
Für Feit befassen- sich die polnischen -Fr-au-enverein-e mit Schicksal der 80 000 Polinnen in Frankreich die ihren -dort ar-^ beitenden Vätern und Männern gefolgt sind. Jn einer von ben Frauen vereinen einberufenen Versammlung in Warschau wurden haarsträubende Einzelheiten bekannt. Ein -großer Teil der jungen Polinnen, die als sanft, bescheiden unb lenksam gel«U len, geriet in -die Hände von M-ädchenhändlern. Die auf den Farmen arbeitenden Mädchen sind der -Gnade oder Ungnabe der Männer ausgeliefert. Oftmals fliehen sie von -ihren Arbeitsstätten, um -ihre -Frau-enehre zu retten. Sin -polnischer Senator -erzählte in der Versammlung von einem Mädchen, bas er in Paris traf und das von einer 40 Kilometer entfernten Farm geflüchtet war, weil der Besitzer sie in brutaler Weise U belästigt hatte. Andere Redner und R-edneri-nnen schilderten das Leben der vielen polnischen Di-enstmädchon in Paris, die unbefleckt und froh lächelnd bie große Stabt betraten, -dort -ihre Reinheit verloren unb nur aus den Niederungen ihrer Existenz nicht mehr empor -können. Vielfach verstehe man unter dem Ausdruck „une Polonaise“ eine Person jener Menschenklasse, von der man -nicht spricht.
Polnische Staatsmänner unb Politiker sind besorgt, -daß die von den polnischen Fra neu vereinen mit ihrem negativen Pa- Ihos ausgehende Bewegung eine allzu kri>„-.- Stimmung gegenüber den französischen Freunden schaffe. Schon -mehren sich die ungünstigem Urteile über die sittlichen Qualitäten des Bâ- besbrubers im Westen. Paris wird als Paradies -der Koket- 1 ton, Elgsium der Nichtstuer unb Pfle-gefchule ber Frivolität | bezeichnet. Voltaire, der Polen-freund, wird zitje-ü» Äw#K»w leichtlebigen und brutalen Landsleute Tiger-affen -nännte. Leise regen sich bereits Fw-eifek an ber Beständigkeit der polnisch- | französischen Freundschaft, vo-n der Skeptiker behaupten, daß auch ihr der Stempel ber Vergänglichkeit aufgebrückt sei.
Vermischtes.
Späte Liebesbriefe Wagners an eine Französin. Sm Temps lenkt Emilie H-e-nr-iot die Aufmerksamkeit auf eine größere Anzahl von Privatbriefe-n Richard Wagners, die sich im Nach laß des französis-chen Dichters Theophile Gautier und seiner Tochter, der Schriftstellerin Sudith Gautier, befinden unb von deren Erben, wie es scheint, -demnächst zur öffentlichen Versteigerung gebracht werden sollen. Die Briefe sind buvehaus intimer Natur. Es ist -wieder-holt von Frau Eostma darin die Re- de; es befinden sich auch Settel Cosimas darunter. HenrGit hält die Aüsfièserung- bi el er -Briefe an die Oeffentlichkeit doch für erlaubt weil Sudith Gautier Jie aufbe- ' wahrt und keine Verfügung über -ihre Geheimhaltung getroffen habe (!) Nach dieser Entschuldigung gibt der Mitarbeiter des Temps aus einer Sammlung von etwa 30 Briefen zwei der M selben wieder, die -Wagner zwischen 1869 u. 1878 an Sudith gerichtet hat und deren b-es-onderer Wert weniger auf ihrem persönlichen Charakter als auf ihrer französischen Abfassung beruht. Sudith Gautier hatte von -ihrem Vater die Begeisterung für Wagners Musik geerbt unb dem Meister im Sahre 1869 einen Besuch in -der Villa Triebsrhen in Luzern abge- stattet. Die hingebende Verehrung der französischen Schriftstellerin bewegte das Gemüt des Meisters derart, daß er ijhr nach der Trennung einen überschwänglichen Brief schreibt, der sich in seiner -kindlichen Ausdrucksweise wie die Liebeserklärung , eines Gymnasiasten liest und mit dem damaligen Alter Wagners keineswegs harmoniert. Wenn man -den Brief des d-a- mals Sechsundfünfzigjährigen ins Deutsche übersetzen wollte, wübd-e man ihn des geradezu naiven Wesens -entkleiden, das -ihn kennzeichnet. Als Wagner nach Paris kam, besaß er gewiß die übliche Schulkenntnis der französischen ■ dann die Umgangssprache, aber die gründliche literarische B-- " 9 Herrschung des Französischen hat ihm gefehlt. So drückte er sich in seinen persönlichen Ergüssen an Jubith mit einer unbeholfenen Ueberschwäng-lichkeit aus, die über den Rahmen feiner wirklichen Gefühle der Dankbarkeit für eine jüngere Verehrerin unbewußt hinausging. -Als Probe sei /hier eine Stelle aus jenem -ersten Brief wieder-gegeben:
Ludith, oh! ma belle ch-aleur, je vous aime toujours « Je vous embr-asfe, belle, aimee, ch-ere et aboree am el Mon en- fant! Ma -Sudith! . . . Je vous vois toujours, ki, dem a table a eevire, a dvoite für une chaise longue, me regarbant -(Die-u! avec quels yeuxl), quand feorioais bes fouvenirs a mes pau- ' vres cantatrices . . . Oh! ce quäl y a b’extraorbmaire, c'sst - quL vous etes l’abonbance de ma pau-vre oie, ist bien calmee et | abritee -depuis gue j’ai E-osima . . Vo-us etes ma richeg-e, mon ■Juperflu eniorant. V-ea-u francais, n’ejtce pa? Mais e’ejt egal, vous me co-mprenez . . . Oh! chere ame, bien-aimee ame! Tout est ji tragi-que! Tout oft Ji real . . . Mais vous m’aimere? toujours, et moi -je ne Jaurais pas autrement, avec la plus forte volan-te.
Aus ben übrigen Briefen gibt Henriot nur vereinzelte Aeußerungen wieder, in denen fiep -Wagner über den deutsch-französischen Krieg, über die Deutschen und die Franzosen äußert. .„Sch bewundere Shr-e Vaterlandsliebe", so heipi es in einem Schreiben von 1873, „umsomehr, als sie mir selbst vollständig abgeht. Sch finde, daß ich in dieser- törichten Bevölkerung die man: die Deutschen nennt, der -einzige Deutsche -bin". Auf niese Bemerkung bezieht sich -w-ohl ein Fettel, auf dem Goljima, die französische Korrespondentin bes 'Meisters, davor warnt, alles wörtlich zu nehmen: ,;W-enn Sie ihn nur einmal hören -würden, wie er mir täglich wiederholt: Sch bin kein Musiker! Sch liebe die Musik nicht!"
W-er' seine -Talente nicht zur Belehrung und Besserung -anderer -anwen-det, ist -entweder ein schlechter Mann oder äußerst eingeschränkter Kopf.