Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44
Nr. 151
Samstag, den 4. Juli 1925.
MiM Morgenzettung.
Schutzpolizei
und EntwaffnungSfruV
Bon unserem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Wir 'haben bereits vor einigen Lagen mitgeteilt, daß die Besprechungen zwischen der Reichsregierung und den Sn-nen- ■ èiftern der Länder nunmehr zum Abschluß gekommen sind. ^Ueber die bereits angedeuteten Ergebnisse und die daraus entstandene offizielle Stellungnahme der Schutzpolizei erfahren wir weiter Zolgendes: Bei den Besprechungen ist es klar zum Ausdruck gekommen, daß der Zweck der Lntwaff-nungsnote nicht etwa der ist, einen künftigen Angriff Deutschlands zu ver hindern, sondern Deutschland in seiner Ohnmacht zu erhalten! Deutschland soll bis auf weiteres hilflos inmitten des bewaffneten Kontinents bleiben und zu schwach werden, um seine Grenzen zu schützen, damit für Zrankreich die militärische Brücke zwischen sich und dem kleinen Verband im Osten gegeben sei.
Seitens der Schutzpolizei steht man auf dem Standpunkt, daß ^' die Zorderungen an die Schutzpolizei sich nicht klar in ihren Auswirkungen übersehen lassen. Deshalb wird der Legierung die Zorderung unterbreitet werden, auch zur Klärung dieser Zragen in mündliche Verhandlungen mit der Entente einzutreten. Bei diesen Verhandlungen wünscht die Schutzpolizei nachdrücklichst her vor gehoben zu wissen, daß als Grundlage für alle Bestimmungen über die Polizei das Zriedensdiktat sowie die Nölender Vorsitzenden der Zriedenskonferenz vom 22. 'S uni 192b gelten, in der über die Polizei Zolgendes gesagt ist:
„Die Verbündeten sind mit der Verstärkung -er alten, Ordnungspolizei genannten, Polizei einverstanden. Die Mächte geben ihre Zustimmung-, daß sie bis auf 150 000 Mann verstärkt wird, sie knüpfen. jedoch an diese Zustimmung die Bedingung, daß die Ordnungspolizei ihren Lharakter als Landes- und Ordnungspolizei wahren muß. Sn dem Bestand von 150 000 Mann sind 10 000 Mann einbegriffen, die von dem interalliierten Ueberwachungsausschuh für Polizeizwecke schon genehmigt sind, wohingegen die Vermehrung der Ordnungspolizei sich weder erstreckt auf die linksrheinischen Gebiete, in denen die Rheinlandkomm is- slon die erforderliche Stärke festzusetzen hat, noch auf die Abstimmung« gebiete".
Die Schutzpolizei steht nun, wie wir hören, auf dem Standpunkt, 'daß 150 000 Mann lediglich auf die Ordnungspolizei entfallen. Die Note fordert aber die Verminderung des Bestandes der Polizei um 30 000 auf 150 000 Mann, ferner Zurückführung der Polizei auf den Stand von 1913 und Einführung eines Statutes für das Personal der Schutzpolizei, das diesen Beamten ebenfalls den Lharakter von Beamten auf Lebenszeit verleiht.
Auf Seiten der Schutzpolizei steht man auf dem Standpunkt daß-die Zorderung der Verminderung der Schupo um 30 000 Beamte nicht durchführbar ist. Es wird 'darauf hingewiesen, daß es schon bei der jetzigen Polizeistärke schwierig sei, für den ständig sich steigernden Verkehr die notwendige Anzahl Beamte verfügbar zu machen und daneben die Ruhe und Sicherheit aufrecht zu erhalten. Es sei, wie versichert wird, unwahrschein
lich, -daß irgendein Land die zulässige Polizeistärke überschritten hat. Das sei schon aus rein finanziellen Gründen nicht möglich. Jn Preußen sei die zulässige Stärke noch garnicht mal erreicht. Nach der Rote von Boulogne soll die Ordnungs- polizei verstärkt werden. Nicht unter die Ordnungspolizei fallen aber solche Beamte, die keine polizeilichen Exekutivbefugnisse haben, die Beamten, die im wesentlichen auf den Büros sitzen, also Beamte des Innendienstes. Es sei also geradezu un verständlich, wie die Entente, nach Abrechnung der Vermehrung der Ordnungspolizei im linksrheinischen Gebiete und nach Abrechnung der ohne jede Exekutivbefugnisse vorhandenen Beamten des Innendienstes zu dem Ergebnis kommen kann, es seien noch 30 000 Polizeibeamte in Deutschland zuviel vorhanden.
Als völlig unklar wird ferner der Passus -bezeichnet, die Po lizei sei auf den Stand von 1913 zurückzuführen. Sm Gegensatz zu Zrankreich, wo die Gemeindepolizei Selbstverwaltungs- angelegenheit ist, ist in allen deutschen Ländern, insbesondere in Preußen, seit langen Jahrzehnten die Polizei Sache des Staates. Die Gemeinden führen im Auftrage des Staates die Polizeigewalt. Die „Landespolizeibehörde"" ist grundsätzlich der zuständige Regierungspräsident. Der Regierungspräsident hat jedoch die Berechtigung^ die örtliche Polizei aus landespolizeilichen Gründen innerhalb seines Bezirks jederzeit zu verwenden. Die Begriffe „regional" und „municipal" sind also unter Beachtung der verschiedenen Verhältnisse in Deutschland und Zrankreich nach deutschen Begriffen mit Landes- und Ortspoli zei zu übersetzen. Diese von den Verbandsmächten gestellte Zorderung ist, wie man seitens der Schutzpolizei erklärt, restlos erfüllt, Jn Preußen ist bereits mit Auflösung der Sicherheitspolizei im Oktober 1920 der Rechtszustand von 1913 in jeder Weise wieder hergestellt worden. Aach dem Polizeigesetze von 1850 kann in Preußen die Verstaatlichung von Polizeiverwaltungen in den Städten von mehr als 10 000 Einwohnern jederzeit durch Beschluß des Ministers erfolgen. Ein Recht zur Beschränkung 'der Verstaatlichungsmoglichkeit steht, wie man ausdrücklich erklärt, dem Verbände auf Grund der Rote von Boulogne nicht zu und es muß daher auch unter allen Umständen abgelehnt werden, 'daß nunmehr von den Verbandsmächten eine weitere Einschränkung vorgenommen oder gar vorgeschrieben wird, wo verstaatlicht werden darf.
Rudy' die dritte Zorderung der Entwafsnungsnote, die sich auf die Rechtsverhältnisse der Schutzpolizeibeamten bezieht, bedarf, wie wir hören, noch der Klärung. Die Beamten müssen sich zur Zeit auf 12 Sahre verpflichten. Dieses System war notwendig, weil die Verbandsmächte gefordert hatten, daß kein Uebertritt aus dem Heere zur Polizei und keine kurzfristige Anstellung erfolge. Die 'Einführung des Status von 1913 ist daher schon garnicht möglich, weil der Uebertritt aus dem Heere nicht erfolgen kann. Damals waren die Beamten auf Kündigung angestellt und konnten jederzeit mit vierwöchentlicher Zrist entlassen werden. Bei der augenblicklichen Dienstzeit ist nur im ersten Sahre eine Entlassungsmöglichkeil vorhanden und während der restlichen 11 Sahre nur eine Höchstzahl der Entlassungen von S Prozent zugelassen. Eine Rückkehr zu dem früheren System würde also für die Beamten eine erhebliche Verschlechterung bedeuten und vor allem auch die Unsicherheit dieses schweren Berufes erheblich erhöhen. Es liegt im Zn-
ter esse -es Staates, daß die Polizeibeamten sich soweit wie irgend möglich gesichert fühlen und damit in die Lage gesetzt sind die Ruhe, die Ordnung und die Sicherheit zu gewährleisten.
Die Entwaffnungsnote enthält also auch in Bezug auf die Bestimmungen über die Schutzpolizei eine Zölle von Unklarheiten und unerfüllbaren Bedingungen, daß es, wie uns aus Kreisen -er Schutzpolizei erklärt wird, ganz undenkbar ist, die Erfüllung dieser Zorderungen auch nur in den Bereich der Möglichkeit zu rücken.
Der Samariter auf der Reise.
Von Dr. Karl K ru se-Wilmersdorf.
Es gibt ängstliche Menschenkinder, die sich die schönste Som merreise versagen, weil sie, fern von -er heimatlichen Scholle, andauernd in Sorge um ihr Wohlergehen, ihre Gesundheit sind. Sie meiden von vornherein selbst landschaftlich bevorzugte Plätze und halten sich allenfalls an Orten auf, an denen jederzeit sachgemäße ärztliche Hilfe erreichbar ist. Sicherlich darf diese Zurcht vielfach für übertrieben gelten; aber man wird sie auch wieder begreiflich finden, wenn es sich um sehr entlegene Gegenden und um kinderreiche Zamilien handelt. Auf jeden Zali ist es immer gut, wenn auch der Lai« für allerlei gesundheitliche Unannehmlichkeiten, für Unglücksfälle und plötzliche Erkrankungen mehr oder weniger gerüstet ist. Ein bißchen Sa mariter muß ein jeder auf der Reise spielen können.
H aber muß man einige Kenntnisse haben; in erster Linie muß man die Hauptregeln der Wundbehandlung kennen; denn Verletzungen gehören zweifellos zu den häufigsten Vorkommnissen. Sede Hautwunde, sie mag noch so klein, noch so uns dyeinbar sein, kann das Eindringen von Eiterkeimen vermitteln. Man soll deshalb eine frische Wunde nicht mit ungewaschenen Singern berühren, noch besser, sie überhaupt nicht berühren. Ein rascher Verschluß nach außen ist das ratsamste. Zreilich wird man dazu nicht, wie es zumeist geschieht, ein Stückchen Heftpflaster nehmen; denn Pflaster, noch dazu solche, die mit MuNdspeichel angefeuchtet werden, sind nur zu oft Träger von Krankheitskeimen und helfen, sie nicht allein in die Wunde Hine in zu impfen, sondern auch darin festzuhalten, Gm allgemeinen tut man gut, eine Wunde mit obgekochtem Wasser oder einer schwachen Lösung von essigsaurer Tonerde (ein Teelöffel voll auf ein Glas Wasser) zu bespülen; bei kleinen Stich- oder Schnittwunden D das nicht einmal nötig und bei stärkerer Blutung sogar unzweckmäßig. Das wesentlichste ist, die Wunde rasch mit sauberer 'Watte oder Verbandgaze zu bedecken und mit einem Mullstreifen zu verbinden. Bei erheblicherer Blutung ist der Verband möglichst fest anzulegen.
Ganz anders geartet ist die Schädigung, welche die Haut, zumal die empfindliche, weniger widerstandsfähige der Stadtkinder, durch allzu starke Einwirkung der Sonne erfährt. Es ist in erster Linie die Aase, ferner die Ohr-, die Wangen- und Nackenpartie, die unter dem Sonnenbrand zu leiden haben. Die Haut rötet sich mehr und mehr, sie juckt und brennt und verursacht ein Gefühl schmerzhafter Spannung, sie beginnt sich schließlich abzublättern, kurz, es entwickelt sich eine Hautentzündung. Sind die Beschwerden erheblich, so wird man ge-
Der Intendant und seine Töchter.
Roman von Peter Prior.
Eopgrigt by M. Zeuchtwanger (Halle).
3. Fortsetzung.
Zrau von Sommereck tat die Liebe ihrer Töchter unendlich wohl und die Unstimmigkeiten mit ihrem Mann waren sofort vergessen.
Nach einer kleinen Pause ergriff die Mutter das Wort. ,Käthe, du darfst so was nicht sagen. Vater ist eben anders als wir. Mit Liebe und gutem Willen läßt sichs sehr schön leben."
Käthe aber ließ sich acht so schnell beschwichtigen. Und bald hatte auch Hedwig ben Mut gefunden^ sich einen Schmerz, der sie seit einigen Wochen mehr bedrückte als alles, was pe bisher erlebt hatte, von der Seele zu reden. Tränen rannen Zrau Johanna über die Wangen, als sie hörte, wie feindlich ihre Töchter dem Vater gegenüberstanden. Käthe aber wußte, daß diese Tränen der Mutter sehr wohl -taten; denn ein wenig waren sie auch aus Zreude darüber vergossen, daß die Mutter zwei so tapfere Genossen sah. Anfangs stritt man, suchte und fand Gegenrede und zuletzt wurde aus dieser Unterredung, die Käthe so schnell 'herbei geführt hatte und die auch Zrau Johanna und -Hedwig, ohne daß sie es sich eingestanden, schon lange herbeigesehut 'hatten, eine so warme und wohltuende Stunde, daß Käthe auf einmal sagte: „Weißt du, -Mutter, das Leben -ist so wundervoll," daß ich mindestens 100 »ahre alt werden mödyte.“
Intendant, der allgemach dick, gähnend und mißmutig erschien, fand die drei Damen in einer Stimmung, die er an sich leibst.noch nie erfahren hatte, die er auf der Bühne aber immer vor trefflich m Szene zu setzen verstanden hatte, wenn der Dich- er ^oor geschrieben hatte: Gemütliches Zamilienleben.
Das war eine Szene, in die er einmal gehörig hineinpolleru ■ onnte. Er fand Zrau und Töchter gewappnet und das be- Jeme kriegerische Stimmung. Spitze, bittere -beleidi- t flogen hin und her. Zrau Johanna zog das Ta- aush "A d"' Intendant konstatierte nach jedem seiner Kraft rUc.'e’ è^ et deshalb seine Töchter großgezogen -habe. Hed ein n ^?"^ gegen des Vaters Angriffe verschwanden wie s™ ™ Strom, während Käthe nicht zurückschreckte,
-j^1^^ wäre mich! so böte ,u ■SiSm glommen, mit i^ ^^ äste Margareth in der Küch-enschürze neu ru^kn Gesicht der Welt an der Türschwelle erschie- are. „Gnä Zrau, Zreiln Hedwigs 3 teiln Käthl", sagte
sie, „schmeißen- S’ ihn doch einfach naus, wenn er ikei Ruh net gibt. So was könn ma hier net b rauchn, Herr Guten baut, im Winkelglück". Roch bevor der Intendant auf sie losstür- zen konnte, war sie verschwunden.
,Vn der Stunde noch -verläßt mir die Person das Haus", rief Professor Sommereck wutschnaubend, „oder, wenn« euch nicht paßt, dann kann ich ja gehen."
Die alte Margareth mußte aber das Haus, in dem sie fast 25 Jahre schon diente, nicht verlassen; denn man brauchte sie sehr notwendig. Am nächsten Tag schon verließ man Oberammergau-, um über München nach Tirol und Jtalien zu fahren. Der Intendant nahm allein drei große Koffer mit und die alte Margareth mußte fast alles packen.
Hinter den vier Menschen, die zusammen in einem Eoupe zweiter Klasse über den Brenner fuhren, -hätte wohl schwerlich jemand Vater, Mutter und Töchter vermutet. Des Intendanten leidenschaftliche Züge, sein stutzerhaftes manieriertes Gebaren war mit keinem Deut bei den -beiden Töchtern zu finden. Nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Vater konnte man an ihnen entdecken. Die Mutter, deren sonnige Augen innerer Zweifel und fortwährendes Atleinsein getrübt hatten, glich einer Zünfzigerin. Viele kleine Zältchen hatten das Gesicht alt gemacht, weiße ZLden zogen sich durch das Haar, die Bewegungen waren müde, wie die einer Zrau, die eine lange Krankheit überstanden hat.
An dem einen Zensier stand Käthe und wies begeistert auf tausend Schönheiten hin. Sie sprach Mr Mutter; mit dem Sater -war sie heute schon mehrere 'Male bös zusammengeraten, k £ m öald hinter Junsbruck einen Tunnel durchfuhr, hatte Professor Sommereck das Zensier zureißen wollen. Käthe hatte es ihm gewehrt. Gerade der Maschineüdampf, be-
$ut âö es sei überhaupt so interessant, die Durchfahrt durch emen Tunnel zu beobachten. Ein hähli- cher Za ick, den Zrau Sohann a vergebens zu beschwichtigen suchte, war daraus entstauben. Die Zolge war, daß Käthe jetzt mit dem Vater kein Wort mehr sprach. Auch Professor Som- mereck richtete ferne Worte nur an seine Zrau und an Hedwig, aber er konnte es sich nicht versage^ Käthes Ausrufe über die Landschaft hin udd wieder mit höhnischen Zwischenbemerkungen zu versehen, die von Käthe überhört wurden .
Hedwig stand an einem großen Zensier im Durchgang und blickte starr auf die vorüberfliegenden Bäume, Wiesen, Zl-üsse, Berge, Schluchten, Wasserfälle. Weiche Wiesen taten ihrem Ruge und ihrer Seele so wohl wie zerklüfftete Seifen und unend liebe Schluchten. Jhr ganzes Denken und Zählen bewegte sich um eine Jdec, die ihr Zreude und Schmerz zu gleich bereitete, vor der sie erschrak und in der sie jauchzte.' Das Panorama, -in das sie jetzt durch die Eisenbahn geführt wurde, bestärkte
sie in ihrem Denken. Am Abend des gestrigen Tages war Zrater Martin an der Villa Winkelglück vorbeigekommen und war für einige Minuten eingetreten. Der Intendant und der 2Nönch hatten sich — wie das immer war, wenn sie zusammen kamen — in liebenswürdiger Weise geneckt, dann hatte sich Martin von Zrau Johanna und von Käthe verabschiedet. Zu Hedwig aber hatte er gesagt: „Jdy hab' heut' noch einen schönen Marsch vor mir, ich werde -noch nach Partenkirchen gehen. Draußen ist s schön und nicht zu heiß. Wie -ivär's, Zräul-ein Hedwig, wenn Sie mir ein Stück das Geleit gäben. Sie wer- den jetzt ohnehin unsere Oberammergauer Berge lange nicht mehr sehen". Hedwig war erschrocken. Auch den anderen war es aufgefallen, daß der Zrater seine Einladung -nicht an alle, sondern gerade an Hedwig gerichtet hatte. Das Mädchen war aufgesprungen, sofort bereit, mit dem Zrater spazieren zu gehen.
Ssden Schritt des Weges, jedes Wort, das sie gewechselt hatten, sah Hedwig vor Augen und sie -wußte, der Spaziergang bedeutete etwas Großes in ihrem Leben. Niemals würde sie einem Ton von -M vergessen, was sie und Martin miteinander gesprochen hatten. Sie gingen die Straße nach Ettal, sahen wie sich die Sonne M einer blutroten, grimmigen Kugel ballte, die sich dicht an die Berge hielt, um hier unauffällig hinter einer Kuppe verschwinden zu können. Langsam und bedächtig gingen sie dann den Berg nach Oberau hinab. Kurz vor der ersten Villa des Ortes trennten sie sich. Hedwig ging nach Hause, Martin nach Partenkirchen.
Und dazwischen schütteten sie sich ihre Herzen aus: Von allen ihren Röten und Rengsten, Besorgnissen und Hoffnungen, Enttäuschungen und Erwartungen sprach Hedwig. Martin fragte nur Weniges. Er verstand das Mädchen und Hedwig war er, als habe sie mit einem Mak den Zreund für Leben gefunden, den sie über alles befragen durfte, dem sie Dinge anvertrauen durfte, die sonst unausgesprochen blieben Mischen Geschwistern, ja selbst zwischen Mutter und Tochter.
Mit einem Mal blieb Martin stehen und sah Hedwig mit glänzenden Augen an. Das Mädchen zitterte und legte seine Hand in die des Sraters. Martin faßte die -weiche kleine Hand mit seinen beiden großen Händen, beugte sich -herab und drückte einen Kuß auf die Hand Hedwigs. Ein Schweigen, ein Durchglühen, ein Zittern, das vielleicht nur wenige Sekunden währte, das Hedwig aber eine Ewigkeit schien. Langsam senkte sich dann des Mädchens Kopf an die Schulter Martins. Der Zrater küßte leise und zitternd die Augen und dann den Mund Hc-wigs. Ohne noch ein Wort miteinander zu wechseln, gingen dann die beiden auseinander nach dem ersten Kuß, den ein Mann auf Hedwigs Lippen gedrückt.
(Zorlsetzimg folgt.) ;;