Richtung hin fortbesteht. Das gilt nicht nur von der Stin- nesgruppe selber, sondern auch von den verschiedenen ähnlichen Konzern-bildungen, die nach bem gleichen Muster entstanden sind und ebenfalls das Ungesunde aller Znflationsgründungen in sich tragen. Aber auch die allen Voraussagen hohnsprechende iiber- mäßig^ Verschleppung der Erledigung der für die Gosundung der deutschen Wirtschaft unerläßlichen Steuerreform der Aufwertung und der Zollvorlage bedeutet eine -folgenschwere Hemmung der wirtschaftlichen Entwicklung. Es kommt hinzu, daß die nunmehr endlich begonnene Beratung dieser Gesetzesvorlagen noch keinerlei Klarheit darüber geschaffen hat, in welcher Weise und wann die Entscheidung hierüber fallen wird, ?umal auch in diesem Falle parteipolitische Interessen eine höchst unerwüißchte Rolle spielen. Die andauernd große Passivität der deutschen Außenhandelsbilanz gibt gleichfalls Anlaß zu fortgesetzten ernsten Klagen und ist gleichzeitig ein deutliches Zeichen für die unerfreuliche Entwicklung der Dinge im verflossenen ersten Halbjahr. Der Umstand, daß an die Stelle des angestrebten und notwendigen allgemeinen Preisabbaues namentlich die Lebensmittelpreise sich neuerdings verteuert haben und daß infolge dessen die Forderungen und Bewilligungen von Lohnerhöhungen zu einer täglichen Erscheinung geworden sind, hat die Herstellungskosten für deutsche Waren abermals gesteigert, wozu übrigens auch die schwere Zinsbelastung wesentlich beiträgt; Hierdurch ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Erzeugnisse auf dem Weltmarkt mehr und mehr beeinträchtigt worden und infolgedeffen die unerläßliche Wiederzunahme der deutschen Ausfuhr noch immer nicht in dem erforderlichen Maße zur Gat- sache geworden. Für die ersten .fünf Monate dieses Sahres ergibt sich vielmehr ein erhöhter Einfuhrüberschuß von nicht weniger als 2241 Millionen Mark, der die entsprechenden Vorjahrszahlen sogar noch ansehnlich überholt hat. Dabei vermag es nur wenig ^u trösten, daß die Unterbilanz im Monat Mai gegenüber dem Vormonat um etwa 70 Millionen Mark kleiner -ist. Es kann nicht ausbleiben, daß durch diese höchst unerfreuliche Entwicklung des deutschen Außenhandels auch die Zahlungsbilanz sich immer ungünstiger gestaltet und daß daher in letzter Zeit auch die Devisenbestände der Reichsbank eine Abnahme erfahren haben, besonders auch deswegen, weil gleichzeitig die Auslandkredite, wie schon angedeutet, fast ganz zum Stillstand gekommen sind und mehrfach sogar auf Grund von Kündigungen Rückzahlungen an das Ausland und besonders an Amerika notwendig gemacht haben. Andererseits ist die Neubildung von Eigenkapital unter den obwaltenden -UnKänden gleichfalls in ihren ersten unzulänglichen Anfängen stecken geblieben. Ein untrügliches Spiegelbild dieser bedauerlichen Entwicklung der Dinge bietet die Bewegung an der Börse, wo nach einer ziemlich erheblichen Besserung der Kurse sehr bald ein neuer heftiger Rückschlag einsetzte, der dann besonders in dem nunmehr beendigten Monat Zuni zeitweilig sogar panikartiges Gepräge annahm. Auch an der Börse hat sich infolge der fortgesetzten Enttäuschungen und namentlich infolge des über- üus großen Geldmangels das Fehlen von Käufern für Effekten in einer kaum für möglich gehaltenen Weise verschärft. Selbst die sehr beträchtlich ermäßigten Kurse, die nur noch bei wenigen Papieren über Pari stehen, vermochten der Börse keine neuen ernsthaften Käufer, zuzuführen. Ein besonderes Hemmnis bietet hierbei auch die DividendenIgsigkeit der meisten Zndustrie- geseUschaflen, die ebenfalls verschiedentlich nicht nur die Folge schlechten Geschäftsganges, sondern auch des Mangels an den für eine Dividendenausschüttung nötigen Geldmitteln ist. Mit Nach druck sei betont, daß ungeachtet aller Widernisse die Marksta- bilifierung auch heute noch unerschütterlich ist, während die fran- zösische Valuta und auch die italienische Lire gerade in «letzter Zeit er wieder neue erhebliche Entwertungen erfahren haben, die nicht zuletzt die Folge der noch nicht beseitigten finanziellen Schwierigkeiten dieser Länder sind. Es bleibt zu hoffen, daß die bis jetzt recht günstigen Aussichten auf eine reichliche deutsche Ernte dazu beitragen, der deutschen Wirtschaft die Ueberwindung der vorerst noch herrschenden mißlichen Verhältnisse zu erleichtern. Diese Erwartung und namentlich die Annahme, daß der an der Börse besonders gefürchtete Halhjah- veswechsel schließlich doch ohne neue ernstere Zwischenfälle vorübergehen werde, brachte am Wochenschluß auch der Börse wieder eine leichte Befestigung.
ßischen Zoche naht heran! Der Tag der Befreiung nach vierzigjähriger schmerzensreicher Trennung vom heißgeliebten Mut- terlande Frankreich!" Zn diesem Stile ging es weiter und das Ganze fand seine Krönung und seinen würdigen Abschluß in dem begeisterten „vive la France!" Zch besuchte damals noch das Kaiserliche Lgzeum. Mein Vater hielt es für ratsam mich von der Schule zu nehmen — meine Freude darob war natürlich groß! — um mich nicht weiterhin den Anpöpelungen meiner elsässischen Mitschüler auszusetzen. Viele Freundschaften gingen in die Brüche, denn schon damals kieß es bei mir: „Hie treudeutsch allewege!", während meine Freunde ihre Gesinnung über Nacht geändert hatten. Doch manche hielten bei der Stan ge, und zeigten obre deutsche Gesinnung, trotz oder gerade Zhres Efäsfertums wegen, nach wie vor. —
Der Tag des offiziellen Einmarsches der „Sieger" rückte immer näher heran. Er sollte wie aus den Zeitungen zu ersehen war am 21. November stattfinden. Der Umstand der Colmarer Zugend wuchs, Nacht für Nacht wurden Hunderte von Raketen und Leuchtkugeln, die aus dem deutschen Pionierpark stammten in die Luft geschossen. Damit wollte man sich anscheinend die unerträgliche Zeit des Wartens verkürzen, bis endlich der große Moment der „Befreiung" gekommen sei. Und er kam denn auch.
Es war ein Sonntag, in des Wortes wahrster Bedeutung, denn die Sonne schien. Zch ging des Morgens um Halbelf Uhr in die Dominikanerkirche zum Gottesdienst. Als ich den Bahnübergang Türkheimerstraße-MUnsterstraße passierte bemerkte ich sechs Radfahrer in Khaki->Uniform, die an Zhrem Vehikel ein seidenes Fähnchen in den amerikanischen Farben befestigt hatten. Zch folgte ihnen nach, wie sie langsam durch die reichbeflaggten Straßen der Stadt führen. Da ich gerade davon spreche, die Stadt hatte wirklich eine reiche und ge- schmachvolle Beflaggung erfahren. Zn den Hauptverkehrsstraßen standen in gleichmäßigen Abständen gewaltige Fahnen- ' masten, die Flaggen in den Colmarer, elsässischen oder französischen Farben trugen. Von dem ehrwürdigen Münster wehten vier riesige Trikoloren. Ueber die Straßen spannten sich Guirlanden, an denen Zuschriften befestigt waren, wie: ,Vi»e Foch" „Vive Clemenceau!“ oder „Vive l’ armee francsise!" u. a. An den Häusern waren ebenfalls solche Zuschriften zu sehen: A Dieu a nos liberateurs etc. Selbst die Straßenbahnen fuhren beflaggt und bewimpelt daher. — Die Khaki-Leute bildeten selbstverständlich den Mittelpunkt des Interesses. Als sie in der Rufacherstraße Halt machten sammelte sich eine große -Gruppe von Leuten um die merkwürdigen Ankömmlinge, mit beiton man immer noch nichts Rechtes anzufangen wußte. Bis schließlich einer der Herumstehenöeu den Mut faßte sie in miserablen Französisch anzusprechen. — Der eine der Uniformierten deutete auf sein Fähnchen und meinte: „American!" Daraufhin wurden ein zelne Rufe laut: „Vive l’ Amerique!" Doch diese verstummten bald wieder, da die Aankees wenig Notiz davon zu nehmen, schienen. Sie saßen wieder auf und fuhren weiter. — Das roar der Anfang.
Der Einmarsch der Truppen, unter der Führung des Generals Mesfimg sollte um 1 Uhr erfolgen. Zch war natürlich schon ton ge vor 1 Uhr in der Stadt, um der Dinge zu harren, die da kommen sollten. Gegen dreiviertel, ein Uhr erschien der Festzuq, W Schoten. Ple Spitze bildeten einige hundert Knaben und Madchenm^r schönen Elsässer Nationaltracht. Auch verschiedene „Mariannen" fehlten nicht. Den Schluß bildeten die blumengefchmückten Autos des Magistrats, der allerdings verwaist war. Der letzte deutsche Bürgermeister hatte Eolmar bereits verlassen. Wenige Minuten später erschien ein Geschwader, von Fliegern, die in der Luft ihre Kapriolen machten, Leuchtkugeln schossen, und der gleichen Mätzchen mehr. Einige Flugzeuge landeten vor der Stadt und verteilten unter die erstaunt, herbeigeei-lte Menge Bonbons und Schokolade. Namentlich Letzteres war ein lang- entbehrter Genuß. Wer hätte je geahnP daß die einst so gefürchteten Flieger statt der tod- und verdsr-beubringen Geschosse einst solch gultuende „Bomben" abladen, würden! — Es war inzwischen 1 Uhr geworden. Eine gewaltige Zuschauermenge hatte sich in den Straßen angesammelt. Aus der Ferne hörte man die charakteristischen Klänge der „ciairons". Der Zug nahte heran. Die Spitze bildeten"reitende Alpenjäger, die die für ein deutsches Ohr etwas merkwürdige Musik verursachten. Es folgte der Generalstab. Umgeben von feinen Adjuanten und Offizieren ritt der General Meffimg — ein stattlicher, «schon ergrauter Mann — durch die Straßen. Brausender Zubel erfüllte die Luft. Man suchte sich gegenseitig im „Vive la Fran- ce"-Brüllen zu überbieten. Eine hübsche junge Dame .überreichte dem General einen prächtigen Blumenstrauß und erhielt dafür einen Kuß.
Zm Stäbe des Generals befand sich auch ein höherer englischer Offizier, der durch seine komische Erscheinung allgemeine Heiterkeit erregte. Was man in Deutschland unter einem „Etappenschwein" versteht, konnte man auf diesen Herren wohl anwenden. Klein und untersetzt, dick, mit gedunsenem Gesicht, bildete er auf einem hohen Gaul eine wirklich drollige Figur. Die Wirkung erhöhte der flache Stahlhelm, der auf seinem Haupte thronte. — Nun folgte das Gros, und zwar zunächst die Znfanterie. Die Soldaten sahen wirklich alle prächtig aus. Zn ihren tadellosen neuen Uniformen und dem aufgepflanzten Bajonett verfehlten sie gewiß ihren Ctobruck nicht. Cs regnete Blumen und Liebesgaben auf sie herab. Beim Heranmarschie- ren jedes neuen Regimentes brach der Zubel immer von Neuem los. Aber nicht bei Allen! Viele, auch Elsäsfer verhielten sich zurückhaltend, zu meiner Genugtuung. An die Znfanterie schloß sich die leichte und schwere Artillerie an. Es folgten die Bagage, mit großem Lärm die Tanks, sowie die Panzerautos und endlich der gesamte Automobilpark. Der Vorbeimarsch hatte mehrere Stunden gedauert. Eine Parade sollte auf dem Mars- feld erfolgen, von der ich leider nicht sehr viel sehen konnte. Zch vernahm nur Kommandoworie konnte Reden hören, die ich nicht verstand. Nur das Wort „Boche" drang mehrmals an mein Ohr, und dieses Wart kannte ich bereits damals. Das Ganze endete schließlich mit der Marseilaise. Ein großer Teil der Gruppen war inzwischen bereits zur Weiterbesetzung abmar* schiert.
Eine kleine Scene, die sich danach abspielte, ist mir noch lebhaft in Erinnerung geblieben. Ein, ich möchte sagen, „stein- alter“ Colmarer Bürger erkannte in einem französischen Oberst seinen Sohn wieder. Der Offizier schloß seinen alten Vater an- gbficyts der großen Menschenmenge in die Arme und küßte ..m
Aus meiner Franzdienzeit.
Original-Stimmungsbilder für die „Hessische Morgenzeitung" aus dem deutschen, und dann „franjzösischeu" Eolmar.
Von Alsaticus.
Es war Anfang November 191S. Man fühlte und wußte, daß das Kriegsende nicht mehr weit war. Eine schwüle Stimmung hatte allenthalben Platz gegriffen. Bei uns eingewanderten Deutschen war es das Bangen vor den Dingen die da kommen sollten — ahnten wir doch, daß es für uns ,Schwowe" in einem französischen Elsaß ein längeres Bleiben nicht gab — andererseits konnten viele Elsässer, es muß gesagt werden, ihre Freude über den Umschwung der Dinge nicht verhehlen. Der elfte November machte unserer Ungewißheit ein Ende. Alea jacta!
Unsere Gruppen von der Vogesenfront fluteten zurück. Der Revolutionsgeist machte sich unter ihnen eigentlich wenig bemerkbar. Gewiß kam es zu einigen kleineren Zwischenfällen, denen jedoch kein übermäßiges Gewicht beizulegen war. — Die Räumung vollzog sich in Ruhe und Ordnung. Bei dieser Gelegenheit suchten sich viele Elemente der einheimischen Bevölkerung zu bereichern, was ihnen wohl auch oft gelang. Grotz dem noch deutsches Militär in der Stadt weilte hingen aus vielen Häusern bereits die Trikoloren, Union öacks, und Sternenbanner (man fragt sich nur, woher plötzlich das viele Fahnentuch kam!) Ganz Schlaue hatten die Flagge «Japans heraus gesteckt. Am Marsfeld war man beschäftigt einen großen Tri- umphbogen zu errichten zu Ehren der „liberateurs". Dem General Rapp, der in stiller Majestät und unnatürlicher Haltung auf seinem Sockel stand hatte man über Nacht eine Trikolore in die Hand gedrückt. Das Bismarckdenkmal hingegen welches feiner Zeit zum 100. Geburtstag des großen Staatsmannes errichtet worden war trug in schwarzer Farbe die prang ende Aufschrift „merde!". Bis hierher reichten scheinbar die französischen Kenntnisse der neugebackenen Franzosen. An den Häusern klebten Pläkate blau-weiß-rol umrändert, in doppelter teils deutscher, teils französischer Ausfertigung, etwa folgenden Inhalts: „Mitbürger! Der Lag der Befreiung vom preu
herzhaft. — Der abends herrschte großer Betrieb in der Stadt. Die ptädPschwamin in einem Lichtermeer, ein 'laugentbehrter Anblick. Festlich gekleidete Menschen bewegten sich durch die ptraßon, vorwiegend war die graublaue Uniform des Militärs. Zch konnte viele Offiziere beobachten, die mehrere „Dämchen" im Arm, in elsässischer Nationaltracht in helleren oder dunkleren Winkeln berumfcbäkerten. Zch bewunderte nur die fabelhafte Fertigkeit dieser „Elsässerinnen" im französisch parlieren. Diese merkwürdige Tatsache sollte sich denn auch bckd auslklä- ren. Wie ich später erfuhr, waren diese „Damen" aus Frankreich exportiertl Daher also diese große Zutraulichkeit.
Zu der Rufachetzstraße — heute nennt sie sich stolz .Boulevard de la Republique" — war eine lange Reihe von -Lastautos aufgefahren, vollgestopft mit Weißbrot. Diese Gelegenheit benutzten Hunderte um endlich 'Einmal wieder diese Nationalspeise genießen zu können: es wurde gestohlen, was das Zeug hielt. Der Eindruck bei den „Befreiern" wird ein glänzender gewesen sein. — Ueberhaupt sollte das Brot auch weiterhin eine große Rolle spielen. Der kleinste ,Miieckes" hatte sich bereits französische Sprachkenntnisse erworben, die er auch praktisch verwertete, indem er jeden Poilu fragte ,Avec vous du pain“?
Einige kleine persönliche Erlebnisse möchte ich den Lesern nicht vorenthalten. Zch hatte einmal die Ehre von einem fanzö- sischen Kapitän, der sein kleines Göchterchen an der Hand führte angelfprocben zu werden. Zch hatte meine Gertianermütze auf dem Kopf und er meinte zu mir: ,/Dans quelle claffe es — tu? —“ Dans la troisieme". Er stellte noch verfchibdene Ziagen, teilweise recht verfänglichen Znhaltes (?. B. ob ich die Fran zofen oder die Deutschen lieber hätte) an mich, auf die ich ausweichende Antworten gab. Schließlich sagte der Offizier: „Du sprichst ziemlich gut französisch". Zch erwiderte: „Za, das mag schon sein." Darauf der Kapitän: ,,OH ja, es gibt sehr viele Deitsch die spreken gut französisch, aber es gibt sehr wenige Franzos, die sprbken gut Deitsch." — Zch erlaubte mir zu äußern: „Das kommt wohl daher, weil die Deutschen gebildeter sind als die Zranzcsenf" Er sah mich ziemlich verdutzt an, ich glaube er verstand mich nicht recht, denn seine deutschen Kennt-Z Nisse schienen auch nicht -himmelhoch über den Durchschnitt zu gehen. Endlich meinte er:“ Du bist sehr leben-dik! (er legte dabei den Gon auf bas erste „£“). — Ein weiterer: Cines Abends spielte ich mit einem Freund auf der Straße Soldaten. Wir hatten uns mit deutschen Stahlhelmen, Gasmasken und unseren Luftgewehren bewaffnet. Ein französifcher Soldat trat plötzlich auf uns zu und sagte etwas in schnellster Weise zu uns, was uns zunächst unverständlich blieb. Wir liefen ihm nach und erfuhren nun, daß wir den französischen Soldaten die größte Freude bereiten würden, wenn wir die deutschen Helme auf den Boden schleuderten und mit Füßen träten. Diese etwas sadistische Freude taten wir ihnen natürlich nicht. — Unter dieselbe Rubrik gehört wohl folgendes: Wir machten uns ein Vergnügen daraus in unserer Harmlosigkeit den französischen Soldaten die Zeit zu wünschen: „Bon soir, monsieur." Es erfolgte prompt die Antwort: „bon soir, mon petit“' Darauf rief ich einmal' i „Good eoening, Sir!" — „Sood even-in-g! und schließlich ,Bon- na serra, signore". Auch -darauf reagierte mein unglückliches Opfer. Zch versuchte es nunmehr mit dem Deutschen ,Guten 2&egtojgrâ^err!^^^ Antwort aus. StäsGdè Jen rief er: "<5e ne parte pas^aAanguc bochel" Spracht und verWw'andf" — —'
^Fortsetzung folgt.)
Wilderer Empfinden.
Von M. Merk-iVuchberg,. München.
Was da nach dem Bericht des Herrn Forstmeisters Kottmeier in „i5t. Hubertus" Nr. 9 6. 137 uff. die Berliner Morgenpost unterm 12. Zanuar 1925, über Wilderer-Empfinden, den Forst- und Zagdschutzbeamten als Renker usw. ausführt, klingt ja. ganz wunderbar. Kruzi Seiten. Wenn doch der Verfasser gern Aus-führungen bei den Wildererdramen an der Glaswand, im Buchersulzgraben u. n. a. O. mit dabei gewesen wäre und mit Jo ein Bisss als Kugelfang gedient hätte. — Mann-dl, da tatst fei anderst pfeifen! Wenn nun der ^Hubertus"-Bater ein Päckel von der Nummer schickt, die, trag i am Berg mit uma- nand, an jeden Zagdgehilf gib i oani, um dann Höllsaxa: Dös gibt a Hetz, dös wird a Gaudi!---
Doch Scherz beiseite! Wenn irgendein Kasblattl solch einen Schmarrn daherbringt, dann denkt man sich seinen Teil und iiimmts Blattl aufs Häusl mit. Ein großes Großstadtsblatt aber hat doch rechter Hand, linker Hand seinen Fachmann für alles ! und jedes, aber so gehts: Wegen der Strickmaschine, wegen ei- : ner neuen Seife usw. fragt man den Fachmann. Ueber Zagd und was damit zusammenhängt, schreibt, ohne den Fachmann zu fragen, jeder Hanswurscht, und darum wissen heut noch viele Leut vom Zagern und Wildern singefähr soviel wie die Almkuh von einem Kasn-ockn.
Was nun wie der Wilderer empfindet, das beweisen vielfach bekannt gewordene Aeußerungen, solcher Kunden beim Auszug ins Revier. „Bal oang kimmt, Jo a Zagdhund^ hin is -er gl ei aal“ — Unb bas Handeln ist auch danach. Siehe die Ehro- nik der Förster- unb öägermorbe von Zahr zu Zahrl
Was und wie -der Wilderer empfindet, das beweisen Gat- sachen, wie: Lebend-Anbinden des übebfall-enm Zagdgehilfen, daß er verhungert. Anbinden kopf-unter über Ameisenhaufen! Lebend-Einsteinen! Langsames Hinmorden mit Messerstichen, und Knüppelschl eigen! Eins-perren in der Hütte, die dann in Brand gesteckt wird! „Et alibi aliorum plärimorum martgruB ---, wie sie im Kloster bei der Prim rezitieren!
Was und wie der Wilderer empfindet, -das beweist bie ganz hundsverdammte gemeine „Arbeit" des Schlingenistellers, auch Strickler, Ströppler, Maxl-er und „einer der aufricht't", geheißen. Der Kerl sieht einmal, Meimal, zehnmal und öfter, unter welchen Höllenqualen sein Opfer verendet, -und doch treibt er sein teufliches Handwerk weiter, ein Rohling, gegen den der Wilderer mit der Waffe noch ein wahrer Kavalier ist.
Lump heißt der Wilderer bei uns im Berg. Die beste, die richtigste Bezeichnung für solche Subjekte!
Soviel vom „Empfinden" des Wilderers.
Wir sind froh, daß heute das Wildererunwesen örtlich abgenommen hat. Wer jetzt und heute in der Presse auch nur mit einem Hauch, -und wenn auch nur scheinbar, dem Wilderer