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Beiblatt.

Verlag: Fulda, Kanalstraße 44

Nr. 144

Donnerstag, den 25. Juni 1925.

MM Morgenzeltung.

eint Rede Lord Kalbanes über die deuMenglWen Beziehungen.

Wib. London, 23. Sum. LoO Haldane hielt gestern eine Rede über die deutsch-englischen Beziehungen, in der er einen g-e-schicht lichen Ueberblick über die Ereignisse seit dem Kriege gab und sich mit der neuen Sage beschäftigte, die hinsichtlich Deutschland entstanden ist. Haldane sagte, es stehe außer Frage, daß Eng­land Frankreich bei einem auf Erlangung des Uebergewichts im Kreise der Mächte gerichteten politischen Kurs heftigen Wider­stand leiste. Deutschland habe sich bereit erklärt, die w» Ver­sailler Vertrag festgelegten Grenzen anzunehmen. Das sei ein bemerkenswerter Schritt gewesen. Stets habe es sehr zahlrei­che Deutsche gegeben, die die Anwendung friedlicher Methoden wünschten.

Haldane sagte weiter, als die britische Regierung ihn 1912 nach Deutschland sandte, um Verhandlungen darüber emzuleiten, wie man anstelle weiterer Rüstungen, namentlich der Seerüstun­gen, etwas besseres setzen könne, sei er ermächtigt gewesen, ein neues Konzert der europäischen Mächte, entsprechend dem, was heute der Völkerbund genannt werde, anzubieten. Er habe dies Angebot auch gemacht. Die mili iberischen Berater des Kaisers seien jedoch in jenen &agen zu mächtig gewesen, und der Plan sei abgelehnt worden. Aber jetzt habe Deutschland aus eigenem Wunsche dasselbe porgeschlagen und zwar in einer sehr prak­tischen Art und Weise. Haldane betonte, er wäre immer der Ansicht gewesen, daß es eine Mehrheit in Deutschland gewesen sei, die dies wünschte. Er glaube, daß Bismarck den Frieden aufrecht erhalten hätte, wenn er für das Schicksal- Deutschlands verantwortlich gewesen wäre. Wenn er am Leben gewesen und die Regierung in seinen Händen gehabt hätte, so würde man den letzten Krieg nicht gehabt haben. Aach seiner Meinung sei ein sehr großer Teil des deutschen Volkes zu friedlicher Gesin­nung zurückgekehrt, und die neue Lage, die sich jetzt ergeben ha­be, bestehe darin, daß sie sich bereit erklärt hätten, die Initiative zu ergreifen, um eine neue Ordnung der Dinger herbeizuführen. Vieles habe sich ereignet, um dies zu -ermöglichen. Haldane wies dabei auf -die Verwerfung des Genfer Protokolls, auf das Wiederau-fblühen- Deutschlands zu einem wohlhabenderen Lan­de als es noch vor einem Fahre war und auf die Wahl- Hin­denburgs zum Reichspräsidenten hin. Diese Wahl flöße ih-m- kein er lei Besorgnis ein. Gr glaube vielmehr, daß Hindenburg ein Sicherheitsventil für die rechtsradikale Bestrebungen sei.

Haldane fuhr fort, der von Deutschland vorgeschlagene Pakt bestehe darin, datz man lieber zu einem Schiedsspruch seine Fnflucht nehmen solle, als sogleich zum Schwerte zu greifen. Die ganze Angelegenheit sei oom Schiedsgerichtsgedanken durch dr-ungen. Wir müssen Deutschland uneingeschränkt fair be­handeln und uns -daran erinnern, datz wir gleichfalls ein Fn- terssse an dem in Frage kommenden Gebiet besitzen. Wir kön­nen uns nicht über die Tatsache hinwegsetzen, datz es in unserem Weresse liegt, den Frieden in jenem Winkel Europas zu sichern der unser Stützpunkt -gegen jeden Feind ist. von welcher Seite er auch kommen möge. Deshalb, so fuhr Haldane fort, sei er dafür, daß die Grenzen- aufrecht erhalten würden selbst im ei­genen interesse Englands. Deutschland habe den Pakt an-ge­boten, den er für sehr oorteilhaft für Grotzbritannien Halte, wenn er in dem Geiste ausgeführt werden könnte, in welchem es geschehen sollte und er sollte auch Frankreich ein Gefühl der

Sicherheit geben. Deshalb betrachte er den Pakt als notwen­dig zur Stärkung des Völkerbundes. Der Völkerbund fei eine glänzende Seite im Buche der Weltgeschichte, aber er schwebe doch etwas in der Luft. Es sei etwas Großes gewesen, datz Briand sich so bereit gezeigt habe, mit Ehamberlain in eine Erörterung des deutschen Angebots einzutreten. Aber sie mutz­ten sorgfältig auf den Weg achten, den sie einschlagen wollten. Jedenfalls sollten sie soweit gehen, wie sie es ohne Gefahr könn­ten in der Richtung, die -so viele Vorteile verspräche. Wenn sie zwischen Deutschland und Frankreich einen festen Frieden -Her­stellen könnten, so würde der Welthandel wieder aufbliihen und neue Märkte würden sich öffnen.

Abd el Krims Ausstand in spanischer Perspektive.

(Von unefrem spanischen 5o nde rkor re spondenien).

Granada, im Suni 1925.

Ueber der meinen Stadt liegt die brennende Sonne, in den Gassen des Araberviertels klappern die Hufe der Maultiere. Auf den breiten Alleen und Plätzen am Geml brandet die Men­ge der spanischen Herren. Droben in der Alhambra ist stumm ausgestreckt die maurische Hand gegen den bösen Blick; dort wartet der eingemeißelte Schlüssel über den Eingangstoren der Burg: das Symbol der Macht. Wer -ihn greift, ist Herr. Die iahrhunderte sind vorüber geeilt, feit sich der Kampf um den Besitz entschied. illnib doch geht der Kampf weiter, blutend und zäh; verlegt in die Berge des Atlas. Denn drüben haben sie -die Erinnerungen an Freiheit und Selbstbestimmung, an den Hochstand früherer Kultur noch längst nicht vergessen.

Die Söhne des neuen Spanien- ziehen täglich hinaus, um eine Sache, deren wahre Beweggründe sie bis heute nicht ver­stehen. Manches erschütternde Bild sah ich auf den hätzlichen Bahnhöfen in nach gemacht maurischem Stil, wenn sich Mütter von ihren Söhnen losreisen ober sie den tiefdunkel gebräunten Urlauber empfingen. Das geht nun Fahr für Fahr und um was eigentlich? ia, wenn es sich wenigstens noch um eine Lebensnotwendigkeit Spaniens handelte. Es liegt eine gewalti- geTragik in diesem Ringen eines Volkes um etwas, was ihm selbst so gut wie nichts bringt und nur anderen Nutzen bringt. Die Fiele sind im tiefsten Grunde ebenso wie die der katholischen Sturmtruppen zur maurischen Hochperivde wieder eine Auf­opferung für das Abendland, nur daß damals die christliche Kultur die Grenzmark Spanien als ideell und materiell -notwen­diges Glacis brauchte, wie Ungarn es im -Türkenkampf bedeutete Diesmal macht Spanien sich zum .Pack-e-fe! des zivilisierten Europa. Damaliges und heutiges Fiel verhalten sich zuei­nander wie die abendländische Kultur, zur abendländischen Fi- vilisation. Fenes war der Opfer Spaniens wert, dieses nicht.

Die Spanier bewahrten sich als Kämpfer bisher viel von -der Art eines reinen Toren, der -dem heiligen Gral irgendwie zustrebt. Sie besitzen viel von dem naiven Sinn ihres Don Quichote^ der gläubig für seine ritterliche Sendung gegen Wind- müblen Front machte. Trotzdem glauben sie als Kolonialvolk für den eigenen -Vorteil zu handeln, während es um das Gleich­gewicht der westeuropäischen Mächte am Mittelmeer geht. Gerade an dem Tage, als Painleve von Barcelona nach dem

Süden abflog, hatte ich Gelegenheit, mich mit einem politisch einflußreichen Spanier zu unterhalten. Er mußte um die Tra­gödie der spanischen Marokkokrieges:in Wirklichkeit käm­pfen nicht Rifkabglen und Spanier um Freiheit oder Kolonie, sondern Engländer und Franzosen um das Mittelmeer. Die Aeußerung Englands, datz die Erfolge der Bergstämme die eu­ropäische Ruhe gefährden, ist gar nicht anders zu verstehen. .Und Frankreich faßt die ihm eigentlich unbequeme Gelegenheit einer künftig besseren Sicherung der Linie Fes-Oran beim Schopfe". Auch die spanischen Blätter zeigen sich plötzlich sehr orientiert. Sie wollen kein Spanif ch-Marokko unter fran­zösisch-englischem Schutz, trotzdem sie wissen, daß es nicht anders geht. Da sie jedoch das kleinere dem größeren Uebel vorziehen, sind sie angesichts der Haltung Englands, die Frank­reich vor unberechtigten Uebergriffen auf spanisches Gebiet warnt, beruhigt.

Nun kann die Marokko-Konferenz beginnen, Frankreich wird sich auf ein vorübergehendes, strategisch sich als notwen­dig erweisendes Ueberschreiten der Grenzen beschränken, wenn es erst soweit ist. Doch bis dahin hat es noch gute Weile, wie die Berichte über Abd el Krims Vordringen gegen Fez be­weisen. Die Instruktionen, die Painleve dem General Liau- tey überbrachte, sind vorläufig Theorie und werden es bleiben, bis das angekündigte Kriegsmaterial und die Verstärkungen in Rabat eilige troffen sind. Auch dann noch wird die Sache Frankreichs vor den abgewajchenen Bergrücken und im Geröll ungangbaren, wasserlosen Wadis schlecht stehen.

Die Frage der Truppen ist nicht so schwierig, wie sie in Europa -dargestellt wird. Von Meutereien der eingeborenen Soldaten kann kaum die Rede sein, schon aus dem Grunde, weil der seßhafte Mohammedaner mit den Rifkaoglen und ihrer Weltanschauung sie haben eine, die in -vielem den Nachbarn überlegen ist sehr wenig gemein hat. Der Franzose ist ein viel schlechterer Orientkrieger als der Spanier, den die Land­schaft der eigenen Heimat kulturell nur wenig von der -nordafri­kanischen Natur unterscheidet. Wenn selbst der klimagewohnte Spanier jetzt unterlag, wird französischer Strategie zuerst kaum besserer Erfolg beschieden Jein. Das Ende aber dürfte -in nicht absehbarer Feit sich so gestalten, wie ein Amerikaner kürzlich in Bezug auf alle orientalischen freiheitsstarken Nomadenvölker sagte: ,Sie lassen sich erst Kolonisieren-, wenn sie nach dem Vorbild der Fndianerunterdrückt" werden." Er dachte dabei in erster Linie an die Beduinen der arabischen Halbinsel, aber die Worte gelten ebenso für Nordafrika.

Hier unten kommt es dem Deutschen besonders zum Be­wußtsein, wie lächerlich die französischen Vorwürfe hinsichtlich der Unterstützung Abd el Krims sind. Es gibt schon aus poli­tischer Erkenntnis heraus keinen Deutschen, der aus Ueber­zeugung gegen Spanien Kämpfen würde. Abenteurer aber fin­den sich überall hin. So missen wir viele Deutsche unter den spanischen Truppen, ein freiwillig gewählter, aber auch bereutes Los: -in der französischen Fremdenlegion, die -längst am franzö- fischen Quergha -eingesetzt ist, fast immer unfreiwillig und skru­pellos eingefangen, vielleicht auch welche bei Abd el Krim, das Abeuteuerdafeiii Per Arbeitslosenunterstützung in Deutschland vorstehend. So flöhen Deutsche im Dreieck gegenüber, für eine Sache, die nicht Deut-schlan-d, oder -dem befreundeten Spanien, sondern lediglich den Alliierten nützt.

Und die Waffen der Rifkabglen? Wir erinnern uns da lebhaft an das Benehmen der Beduinen in Palästina und Syrien während des Weltkrieges. Sie ließen sich außer umfangreichen

Der lebende Tote.

Von Marc Dona t.

Autorisierte Uebersetzu-ng von Gertrud Köbner.

14. Fortsetzung.

Sie tragen die Verantwortung für das, was Sie tun, ich weâ mich -bei meinem Konsul beklagen", brüllte Rool in ohn­mächtiger Wut. Sch bin unschuldig. Sie sehen doch, daß der Mensch verrückt ist."

Da zog Lancast aus seiner Tasche ein Büschel weißer Haa­re, an dem scheinbar ein Stück Fleisch hing, und während er das dem Diener dicht vor die Augen hielt, fuhr er auf englisch 'fort:

Das sind die Haare -Shres Herrn. Erkennen Sie sie? Und was sagen Sie zu diesem Stückchen Fleisch? Sch habe einmal auf , Herrn Henderson Seffrys Kopf gezielt, -und habe das hier a-bges-chossen, ohne daß es den geringsten Eindruck auf ihn" -gemacht hätte. Das erste Mal habe ich nach seinem Bein gezielt und hier ist die plattgedrückte Kugel. All das hat Herrn Seffrys nicht gehindert, seinen Meg weiter zu ver­folgen. ,;Er" ist immer geradeaus vorwärts gegangen.Er" ist nicht ins Meer gesprungen,er ist hineingefallen Sein Fuß ist ins Leere getreten,er hat das Gleichgewicht verloren, und die beiden Körper sind hinuntergestürzt..... Er" hat den Abgrund nicht -gesehen, denner konnte ihn nicht sehen . . .Seffrgs" hat sich bei seinem Fall kein Leid zugefügt . . .Er" befindet sich sogar dort, woer jetzt ist, genau so wöhl wie hier . . . aber der Doktor . . ., welch schreckliches Ende mag ihm zum Teil geworden sein! Unge­heuer, was hast -du mit ihm gemacht? Antworte!"

Dicke Schweißtropfen perlten auf Mools Stirne . . . Mit aller Gewalt suchte er sich zu beherrschen und schrie mit grau­sigem Lachen:

Ha, hal Beweisen Sie erst einmal, daß ich -schuldig bin! Alles was Sie da reden, ist ja wirklich zu dumm! Shr Trei­ben wird Fhne-n teuer zu stehen kommen . . .

>Fch werde es schon -beweisen", sagte Lancast. .Herr Kom missar, Sie haften mir für dieses Fndividi-um, bis die -amerika- Nlsche Fustizbe Hörde seine Llusli-eferung verlangt."

Der Fug feßte sich nach dem Gefängnis in Bewegung. Rool hatte feine Sicherheit wiedergefunden und sprach von Prozeß, ungesetzlicher Verhaftung -und Schadensersatzansprüchen.

Uls sich die Kerkertür hinter dem Diener geWossen hatte, e epbomerte Lancast an das Konsulat -der Vereinigten- Staaten m Genua.

_ , . ; . 12.

gleichzeitige Verschwinden von Fejfrgs und Dogn er- regte in der ganzen Welt beträchtliches Aufsehen. Mehrere

Tage lang sprach man nämlich tatsächlich nur von einem Ver­schwinden-, da man keine Spur, die auf Mord deutete, hatte entdecken können. Die -Behörden hörten zwar Lancafts Er­zählung höflich und aufmerksam mit an, aber großen -Glauben schenkten sie ihr -nicht. Mit ironischem Lächeln fragte man ihn, auf welche Beweise er denn seine außerordentlichen Vermu­tungen stütze.

Da er jedoch als hervorragender Journalist großes Ansehen genoß, so ließ man Rool vorläufig nicht frei, zumal da das Benehmen -des Dieners in mehr als einer Hinsicht verdächtig schien. Sobald das Meer ruhiger geworden war, begann man die Leichen zu suchen. Das war ziemlich schwierig und gefähr­lich, da das Wasser gerade an der Stelle, wo sich das Drama abgespielt hatte, äußerst lief war.

.Aach achttägiger, hartnäckiger Arbeit zog man die halbver- weste Leiche eines Mannes heraus die des unglücklichen Dogn den zwei Arme, an -denen noch Fleischstücke hingen, in Brust­höhe umklammerten.

Doch allgemeinen Schrecken und Erstaunen erregte es, als man bei näherer Untersuchung feWellte, daß dieses Fleisch aus einer Llrt bisher ganz unbekannten und Menscheiifleifch ^um Verwechseln ähnlich sehenden Leders bestand. Das sonder­barste war dabei, daß -diese .blutlose und abscheulich aussehende eilateiie ein ganz eigenes Leben besaß. Die Arme waren kauft Heb., ebenso die rechte Hand, die durch das Aufschlagen auf den Felsen zwar verstümmelt war, aber doch noch ein eigenartiges, schaudererregendes Löben besaß, denn die Nägel wuchsen noch.

Aber dadurch war der Beweis von Ro-ols Schuld noch im- mer nicht erbracht. Die Autopsie von Dogns Leiche ergab, daß ihm -fünf Rippen von den furchtbaren Eisenarmen, die ihn- so fejt umklammert hielten, daß man sie erst mit Hilfe von Hebeln hatte auseinanberreißen müssen, buchstäblich -zermalmt worden waren.

. Der allgemeine Schrecken war unbeschreiblich. War es denn wirklich möglich, den menschlichen Körper so genau nachzubilden, caß kluge, -gelehrte Leute wie Dogn dadurch getäuscht werden konnten?

311 Begleitung Lancafts durchsuchte man von neuem die <3iHa von unten bis oben, und da entdeckten die Polizisten in einem abgelegenen, dunkeln Kellerverließ einen mächtigen Koffer der hunderte von Schachteln und Flaschen mit allerlei möglichen Glasigkeiten, Pulpern und Salben enthielt. Die meisten hier Vorgefundenen Präparate waren den Ehemikern, die mit ihrer Untersuchung betraut wurden, völlig unbekannt, und sie konnten uur feststellen, daß bei ihrer Anfertigung und Fusamwen-setzung die stärksten Gifte Verwendung gefunden hatten.

All -diese Flaschen und Büchsen trugen Etiketten, ans de- neu die Art sich -ihrer zu bedienen, genau angegeben war. So

konnte man ;. B. lesen:Dreimal täglich eine Fnjektion in die Ohren, die Nasenlöcher und den Mund, dann mit Lösung Nr 23 ab waschen und trocknen lassen", oder:Feden Morgen bermittesst -etwas Watte den ganzen Körper ordentlich abrei­ben, die Flüssigkeit gut in die Haut einbringen lassen, mit Lösung 30 besprengen und dann leicht mit Salbe Ar. H nach­reiben, bis die Haut wieder ganz elastisch ist . . ." Schon allein für die Pflege des Mundes, Gaumens und der Kiefer waren vierzig verschiedene Behälter bestimmt; eine annähernd gleiche Fahl diente für die Hände, die Augenlieder und die Wangen. Verschiedene Flaschen waren zur Pflege der Nägel bestimmt, die, wie auf einem Etikett zu lesen stand, alle 14 Tage beschnitten werden mußten. DieselbenBestimmungen galten für Pie Haare. Daraus ging hervor, daß Haare -und "Nägel in die­sem Leder, wie Pflanzen in der Erde wuchsen. Ferner fand man Töpfe mit Schminke und Tvilettengegenstände, ganz wie für ein 'lebendes Wesen.

Lancast und der vom Gericht bestellte Sachverständige un­terwarfen die herausgefischten Reste den genauesten -Untersuch­ungen und verfuhren dabei aufs gewissenhafteste nach den Vor­gefundenen Gebrauchsanweisungen, doch alles war vergeblich. Die Haut, die noch »drei bis vier Tage eine gewisse Lebensfä­higkeit bewahrt hatte, trocknete -jetzt aus, -ohne daß es gelungen wäre, sie zu beleben.

Anderseits war aus Rool nichts -herauszubrin-gen. Er be­teuerte nur immer von neuem seine Unschuld und hüllte sich im übrigen in hartnäckiges Schweigen.

Die vielen Aufregungen und die fruchtlose Arbeit hatten Lancast Jo angespannt, daß er, wie leicht begreiflich schon an- fing, den Mut zu verlieren, als ein,Notar Savage" unter­zeichnetes Telegramm folgenden Jnbaits erhielt:

Bei Rückkehr aus Japan finde in Sankt Franzisko Nachricht vom Tod D-ogns und Verschwinden Jeffrys. Schif­fe mich schnellstens nach Europa mit Jeffrys Brief und Testament ein. Werden dort Rätsels Lösung finden".

Lancast schöpfte wieder frischen Mut. Das war eine vor zügliche Nachricht für die Sache, die er verteidigte! Wie hatte er nur den Notar und jenen wichtigen Brief mit den -verkohlten Ecken vergessen können, den Dogn unter so sonderbaren Um­ständen gefunden, und von dem er ihm so oft gesprochen hatte.

Konnte man nicht irgend eine neue Tatsache ins Treffen führen, so kam Rool das Geheimnis, das die ganze Sache um­hüllte, zustatten, und er würde wieder in Freiheit gefetzt. Bei diesem Gedanken wurde Lancast von einer geradezu wahnsin­nigen Wut gepackt. So forderte -er denn, daß man keine Ent­scheidungen treffe, bevor der Notar eingetroffen wäre.

(Fortsetzung folgt.)