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»b. VitHeldorf, 18- Luni. Aus Anlaß der Jahrtausend- sWr der Rheinlande fand heute in Düsseldorf ein Festakt des Weinischen Provinziallandtages im Kaisersaal der Städtischen Lonhalie statt. Nachdem das Städtische Orchester den Huldigungsmarsch von Richard Wagner vorgetragen hatte, ergriff der Vorsitzende des Rheinischen Provinziallandtags, Oberbürgermeister Dr. «Jarres, das Wort zu einer Begrüßungsrede. Sodann ergriff Reichskanzler Dr. Luther das Wort und verlas zunächst die folgende Botschaft des Reichspräsidenten: „Den Brüdern und Schwestern am deutschen Rhein entbiete ich den Gruß des Reichs zur Lausendjahrfeier l Der Gedanke, die tausendjährige Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich festlich zu begehen, ist im Kreise der rheinischen Bevölkerung entstanden, ön alt diesen ferianerungsfeiern fühlt sich das gegenwärtige Geschlecht als verantwortlicher Cräger einer großen Vergangenheit. Die ganze lebendige Kraft dir heut« das Rheinland in Wirtschaft und Kultur entfettet, gründet sich auf die Leistungen der Vorfahren «ährend eines Zeitraumes, der länger als ein Sahrtanfend gewährt hat. ön all dieser Zeit hat das Rheinland als Grenzmark immer wieder die Stürme der Weltgeschichte über sich hinbrausen lassen müssen. So ist das Volk entstanden, das trotz aller Hingabe an die Güter der Kultur und an eine gesunde Fröhlichkeit doch den echten vaterländischen Ernst und die politische Stärke in sich entwickelt hat, die auch die schweren Röte der Gegenwart zu bestehen vermag. Kraftvoll und treu hat das Rheinland in schweren Lagen an seiner geschichtlich gewordenen Verbindung mit Preußen, an seinem Zusammenhang mit dem großen deutschen Vaterland« fest- gehalten. Das ganze deutsche Volk dankt den Rheinländern für diese AuÄ)auer und diese Hingabe an die große Sache des Vaterlandes. Bleiben alle Deutschen diesen Lugenden fetten, dann wird — das ist mein unerschütterlicher Glaube — die heilige Stunde der Freiheit bald für di« Rheinlande schlagen. Wir geloben alle, daß wir nicht rasten werden, bis dieser Ziel erreicht ist. Gott, der in der Vergangenheit bei schwerster Bedrückung immer wieder geholfen hat, wird auch dieses Aal helf«»!"
*
Auf dem Provinzlallandtag der Rheinprovinz nahm Reichs- Kanzler Dr. Luther das Wort zu folgenden Ausführungen:
An die Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten schließe ich di« aufrichtigste« Grüße der gesamten Reichsregierung zur Lahrtausendfeier der Rheinlande an. ön eigener Sache bemerke ich dazu, daß ich es auf das lebhafteste bedauere, an der Fahrt stromaufwärts über Köln nach Koblenz nicht teilnehmen zu können. Die innen- und außenpolitischen Arbeiten der Reichsre- gierung haben indessen zur .Jeit ein solches Ausmaß erreicht, daß ich mich unter Zustimmung des gesamten Reichskabinetts fchwe- r« Herzens -entschließen mußte, schon heute abend die Rückkehr in die Hauptstadt anzutreten. -Wenn so die Vertretung der Reichsregierung in den beiden kommenden Lagen auch trittst vom Reichskanzler persönlich wird ausgeübt werden können, so werden doch meine Gedanken und meine herzlichen Wünsche an diesen Lagen noch mehr als sonst bei der rheinischen Bevölkerung verweilen.
Die Rückschau auf die tausend Lahre rheinischer Geschichte, deren Ablauf heute festlich begangen wird, bezeigt den bewundernswerten Aufstieg in asien schöpferischen Leistungen von Kul tur unb Wissenschaft. Nicht als ob auf allen Gebieten gerade in der Gegenwart der Höhepunkt der Entwicklung erreicht sei. Aber wohl kann festgestestt werden, daß in diesen tausend Lahren
Son Arlanen Md Draußen.
Berl i n, dritte Luu iw ochs 1925.
Ls gibt Statistiken, die das Herz eines fühlenden Lesers erschüttern. Z. B. eine Statistik über die ^Lausende von Kindern, die alljährlich im beglückten Rußland verhungern. Es gibt Statistiken, die Geist und Gemüt eines Dlitteleuropäers ziemlich unberührt lassen, z. B. die Statistiken der Dollar- Millionare in Mewgork oder San Franzisko. Und es gibt Statistiken, die einen gesunden Magen zum Erbrechen reizen, wie die Statistiken, die ich kürzlich las über den Spionagedienst der Entente in Deutschland. Da erfuhr man aus nüchternen Morten und Zahlen, daß im Lahre 1913 im ganzen nur 50 Fälle von Spionage in Deutschland bekannt wurden, während zehn Lahre später im Lahre 1923 bereits 1450 Fälle gezählt werden konnten, die sich nach dem Bericht der letzten Lahre noch weiter vermehrt haben! Dabei ist M erwägen» daß keine Statistik -— wenn sie nicht gerade die Amphibienart in der Eiszeit oder die Sterne der Milchstraße zu zählen unternimmt — lückenhafter ist und -den Umständen nach sein muß, als just die Statistik der Spionagefälle. Denn die Herren Spinone, die ja der Hals nicht juckt, melden sich kaum auf „Anruf" oder gedruckte Aufforderung selbst zu einer Statistik und füllen auch die Rubrik in der Liste zum Adreßbuch unter ^Beruf" gewiß nicht mit dem Wort „Spion“ aus. Und die hinter den Herren Spionen und Geheimagenten lauernden Herren Zuträger und Hochverräter machen sich auch als solche nicht in falschem Stolze kenntlich. Hier muß die Wachsamkeit ber politischen Polizei und — der Zufall das Beste tun, diese Lumpenhunde M entlarven. Denn Lumpenhunde, das sind sie. Und was für welche! Das hat der Prozeß in Leipzig setzt erst wieder enthüllt. Und wenn sich einer der armseligen Schufte auf seine -Querköpfigkeit ausreben will, ■unb von der, ach, so schönen Ldee des „ewigen Friedens" faselt, den er privatim und hintenherum — natürlich für gutes Geld ~ hat herbeiführen wollen, so ist das eben eitel Schwindel und Fliegen leim für die Dümmsten unter den Llengstlichen oder für bie Den gjtli eben unter den Dummköpfen . . .
Wenn Utopisten auch mit allen Hebeln
Dm Merke sind — noch liegt der Friede weit, Der „-ewige". Und tief in fernsten Nebeln
' Verbirgt sich noch die wunderreiebe Zeit, da sich der öslam fromm mit Ehr ist und Luden,
in einem großen Bilde gesehen, ein einheitliches Fluten kulturell len und wirtschaftlichen Lebens das Rheinland befruchtete. Das
heutige Ergebnis dieses hingebungsvollen und reichen Lebens vieler Geschlechter vor uns, verbunden mit dem zähen, starken Drang der mitlebendeu Menschen, hat
ans chemische» Bode« den Bremcpnnkt bextjchex Lebens vom größter Leuchtkraft
geschaffen. Die Leistungen des Rheinlandes sind umso bewundernswerter, als immer wieder in den tausend Lahren der Lnl- faltungsdrang der natürlichen Lebenskräfte der rheinischen Bevölkerung mit schwerer politischer Not zu ringen hatte. Auch jetzt an dieser Lahrlausend we nde der rheinischen Geschichte lastet auf dem Rheinlande die ganze Schwere einer fremden Besatzung. Die Politik der Reichsregierung demgegenüber ist durch die Natur der Dinge klar vorgezeichnet. Sie zielt dahin,
de» Rhei«i««d die Freiheit nab ganz Deutschland und gauz Europa de« wirkliche« Friede» zu vBrmittrtx.
Zür die rheinischen Gebiete, die außerhalb des Vertrages von Versailles besetzt sind, ist auf der Londoner Konferenz eine klare und endgültige Negelung zustande gekommen. Die Ministerpräsidenten von 3rankreid) und Belgien haben durch Brief vom 16. August 1924 an den deutschen Reichskanzler erklärt: Wenn die in London zur Lnkrastsetzung des Sachverständigenplanes frei vereinbarten Abmachungen in dem Geiste der Loyalität und Friedfertigkeit ausgeführt werden, der die Verhandlungen der Konferenz beseelt hat, Jo wird innerhalb einer Höchft- frist von einem Lahr, vom Tage des Briefes ab gerechnet, die militärische Räumung des Ruhrgebietes vorgenommen. Daneben ist mit beiden Ministerpräsidenten bindend festgelegt worden, daß auch die Städte Düsseldorf und Duisburg also das gesamte sogenannte Sanktionsgebiet mit der abschließenden Räumung des Ruhrgebietes geräumt wird. Da des weiteren in der Anlage 2 zur Note über die Voraussetzungen zur Räumung der nördlichen Rheinlandzone vom 4. Luni 1925, der sogenannten Ent waffnungsnote, die Erklärung der Reparationskommis- sion mitteilt, wonach Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Londoner Pakt ordnungsgemäß erfüllt hat, so kann keinerlei Zweifel bestehen, datz wenigstens das feit 11. Sanitär 1923
beschte NchrgeKet w«> die Städte Düsseldorf »nd Dnieburg späteste»» am 16. Asg»fi 1925 geräumt werd«.
Angaben von gleicher Bestimmtheit über die nördliche R-Hein- landzone lassen sich leider auch heute noch nicht machen.
Der Standpunkt der Reichsregierun-g, daß diese Zone gemäß den Vorschriften des Versailler Vertrages am 10. Lanuar 1925 hätte geräumt werden müssen, ist unveränderlich.
Die schon erwähnte Note, die nach vielen Verzögerungen end lich am 4. Luni eintraf, beweist meines Erachtens geradezu, daß die Entwaffnung Deutschlands tatsächlich durchgeführt ist. Unbefangene Aeußerungen berufener Ausländer haben dieses Urteil bestätigt. Wenn in der Note z. B. mitgeteilt wird, daß über 33 000 Kanonen ausgeliefert ober zerstört worden sind, und wenn bann beanstandet wird, daß eine kleine Anzahl der uns belassenen Geschütze nicht auf ortsfesten Lafetten montiert ist, so zeigen solche Vergleiche, die sich beliebig vermehren lassen,auf das deutlichste, wie geringfügig gereifte Rückstände in der örtlichen Erfüllung einzelner Bestimmungen sind. Eine nur einigermaßen der Billigkeit entsprechende Begründung für die schweren Maß «ahmen der Nichträumung der ersten Rheinlandzone kann in Jol dien Rückständen wirklich nicht gefunden werden. Völlig unbegreiflich und mit jeder objektiven Würdigung der Latsachen im Widerspruch ist ferner die Behauptung der Note, daß die Gesamtheit der Verstöße Deutschlands, falls nicht schnell Abhilfe
Der Fetischist mit Popen sich -verträgt, Das hell um Koffern, Mölsche, Botokuden Linigkeit der Kränze Sefteln schlägt. -
Bis jener heilige Tempel sich -erschlossen, Darin der Mensch nicht Meid noch Rach-e fühlt, bleibt fester «Hort ber Bund der Volksgenossen, '
Die gleiches Blut in gleichem Puls durchspült;
Die treu-geeint in Unglück und Gefahren, Die eines Glaubens, einer Mutter Kind;
Die in ber Wiege Freund und Bruder waren. Und die einst Nachbarn in den Gräbern sind.
Das ist kein Bubenbund bei Lanz und Humpen, Das ist ein Schwur, der Chrenketten flicht.
Der ist, bei Gott, der lumpigste der Lumpen, Der würdelos solch' heilig Band zerbricht.
Der heimlich schleicht unb hetzt die fremden Sbirren, Und eh' der Hahn zum dritten Male kräht, Des eig’nen Bruders Sehnen, Träumen, Lrren U-m Ludaslohn an feinen Feind verrät.
Dem Frevler Mitleid; Milde für den Täter Das Leidenschaft; dem Strauchelnden bie Hand — Doch nur Verachtung für den Hochverräter, Der feinen Schleichweg zu bem Feinde fand.
Kein Weib soll sich in seine Arme schmiegen, Kein Segen ruh' auf Arbeit ihm und Saat — Und -ohne Stein und Blume soll er liegen, Wenn — in Denon — wahrer Friede naht!
Daß es einen Hochverrat aus — ^patriotischen" Motiven gebe, Mrd gar auch von wunderlichen Schwärmern behauptet. Lch fürchte, sie berufen sich einmal auf bas Unternehmen bes als Dichter so bedeutenden, als Mensch so unsympathischen, als Danby so lächerlichen, als Politiker so anfechtbaren Gabriel« dAnnunzio, der, ben merkwürdigen -kahlen Spitzkopf erfüllt von romantischen Abenteuern und kühnem Unrecht ber Renaissance, als „Cyrann“ bes eroberten Fiume bereit war, gegen die königlichen -Truppen seines Landes zu kämpfen; unb der jetzt — nach bem der König kürzlich selbst im einverleibten Fiume sich gezeigt hat — kraft eigenen Machtspruches Besitzer ber schönen Villa Henrg Thodes am Garda -See, auf dem Wege zur Vet-
geschaffen werde, der deutschen Regierung späterhin wieder di« Aufstellung eines einheitlichen Heeres ermöglichen werde. Selbst verständlich würden gleichwohl allen restlichen Ausführungen, bie sich als solche erweisen, auf das schleunigste nach gekommen werden. Andererseits muß ausgesprochen werden, daß Forderungen, deren Begründung im geltenden Recht sich nicht als ergeben erweisen oder die über den genehmigten Zustand hinausgehen, nicht anerkannt werden können. Manche Forderungen sind uns unverständlich oder betreffen nicht den Zustand unserer Entwaffnung, sondern sind geeignet, unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sehr schwer zu schädigen. Für noch andere Sorberun* gen behält sich die Note selbst die abschließenden Mitte! vor. Nach allen diesen Dichtungen wird die Reichsregierun,, sobald die Prüfung der Note ab geschloffen ist, ohne jeden Verzug mit den alliierten Regierungen in Verbindung treten. Wenn Jo die Reichsregierung alles tun wird, was in ihrer Kraft steht, um die Räumung der nördlichen Rheinlandzone herbeizuführen, Jo wird ihr darüber hinaus die noch größere Aufgabe bleiben, den schweren Druck, der auf dem dem gefamten zu Deutschland gehören* denRheinlande lastet, soweit als irgend möglich zu lindern. Dies Endziel aller dieser Bestrebungen muß
die Herbeiführ»kg einer Freiheit seht, Me ehte wirklich« Freiheit ist
Die Rheinlands müssen überhaupt davon erlöst werden, daß Jie immer wieder, wie es in der Geschichte der Fall gewesen war, als Grenzmark bedrängt wird. Wird dies erreicht, dieses große Ziel, und ein geeigneter Weg zur Lösung gefunden, so würde damit auch zugleich der Weg eröffnet fei», der zur Beseitigung des jetzt auf dem Rheinlands lastenden Druckes führt.
Die von der französischen Regierung vorgestern der beut* fchen Regierung überreichte Note über die Frage des Sicher* beitspaktes wird nach einer Vereinbarung mit den alliierten Regierungen erst morgen früh veröffentlicht. Zugleich sollen von Frankreich und England ergänzende Urkunden veröffentlicht werden, deren Kenntnis zum vollen Verständnis der französischen Note von besonderem ^Wert sein dürfte. Die deutfche Regierung wird die Note mit dem ganzen Ernst, die ihre Bedeutung erheischt, prüfen. Angesichts unseres bisherigen Vorgehens in der Sicherheitsfrage brauche ich nicht besonders zu betonen, daß in gleicher Weise, wie es die französische Regierung in den Schlußworten der Note ausspricht die deutsche Negierung es begrüßen mürbe, wenn Verhandlungen in Gang kämen, deren Ziel der Abschluß von Vereinbarungen P, di« eine wirklich« Friedensgewähr darftelle». Dem Rheinland wurde neben dem gesamten Vaterland in erster Linie der Vorteil einer solchen Regelung zugutskommen. Noch aber leibet Europa tief unter der Eatsache, daß das alte System eines allgemeinen Gleichgewichts der Kräfte zwar befestigt ist, daß aber das vom Versailler Vertrag in Aussicht gestellte neue System einer allgemeinen Abrüstung noch nicht durchgeführt ist. Der bestehende Zustand wird von der Unlogik beherrscht, daß das neue System nur auf Deutsch land und einige andere Staaten in Anwendung gebracht ist, da-, gegen das alte System einer Ausnutzung der vorhandenen Wehr fähigkeit bei den mächtigsten Staaten weiterbesteht.
Solange das große Probte» der Dbriftxxg richt aifaieni mrd gleichmäßig für ale Staates gelöst ist, wird ehr vollständiges, die gesamte Äslfsneelt mefaftaAes Friede»»)Zst«, «cht möglich seht.
Deutschlands Ziel ist lauter und aufrichtig. Deutschland wird immer das Seine tun, um auf dem Wege gerechter Vereinbarun gen einen Zustand in Europa herzuftellen, auf dem ein Zusammenleben der europäischen Völker nach den Grundsätzen der Vernunft und der Gleichberechtigung möglich ist. Gelingt eine solche allgemeine Lösung, so wird dies ein glückverheißendes Vorzeichen für das nächste Lahrtausend deutscher Geschichte auf rhe in i sch em Bo den sein.
Der Reichskanzler schloß unter lebhaftem Beifall mit einem Hoch auf die Rheinlands.
ternjefcaff mit der Majestät, zur Ministerpräsidentschaft zu sein scheint. Denn über den Besuch Mussolinis in der Villa des Dich terfürsten gehen merkwürdige Gerüchte. Als ich im Aprit in Neapel war, schmückte man gerade eine Kirche aufs feierlichste aus; Schwa rzhemdon in stolzen Zügen kamen heran, würdige Herren im Zylinder fuhren an der bekränzten Pforte vor und Carabinieri salutieren an den teppiebbelegten Kirchenstühlen die Geladenen. Eine festliche „Dank-Messe" für die Genesung des Duce Mussolini nach schwerer Krankheit, hieß es auf den weit* hinleuchtenden Maueranschlägen. Viel Volk, ehrlich gesagt, war freilich nicht erschienen. Und wir hätten wohl auch noch Platz gefunden in der Kirche, wenn unser Schiff nicht gerade eine Stunde später nach Genua abgefahren wäre. Vielleicht ahnte bas Volk von Neapel, bas sonst für öffentliche Schau* spiele und kirchlichen Pomp gern zu -haben ist, daß diese Messe den Lreignissen etwas vorgriff. Mussolinis Leiden, so heißt es, Joli durchaus noch nicht behoben seinl und es gibt ernsthafte Leute, die glauben und raunen, seine Reise zu d'An-nunzio von Rom^an den Garda-See in heißer Zeit habe durchaus nicht -ren o re eck gehabt, sich von dem berühmtesten der heute lebenden Dichter Italiens — trotz Pirandello! — eine neue Tragödie Bleien zu -lasten, sondern — sich für alle Fälle einen Nachfolger ?ii sichern, der in feinem Geiste . . . Lin Sänger und ein Held zugleich. Freilich, wie der selbst fast vergessene Matthison sang: „ Bor dem Latenglanz der Heldenzeit — Schwebt die Wolke der Vergessenheit." Wer will sagen, was die Geschichte gerade über das Heldentum d'Anrmnzios, der stets feines Ruhmes bester Herold und Regisseur war, einst urteilen wird, wenn die schönsten seiner starken Novellen, die besten seiner tönenden Verse noch als langsam verblassende Prunkstücke im Gedächtnis der Romanen haften? Wir Deutsche haben jedenfalls verflucht wenig Grund, uns zu freuen, wenn dAnnuuzio vom stilisierten Pegasus auf den Ministersessel hinüber voltigieren sollte. Lr • ( ” ^ris hat h" geliebt. Lr hat den Deutschen nie
viel Geschmack abgewonnen und zürnt ihnen jetzt mehr denn je oü Jie leinen Villen raub, der eines deutschen Kunstgelehrten Zö'troe arm gemacht hat, an die große Glocke gehängt. Lr wird zur Macht gelangt, wenig für, manches gegen Deutschland tun. Uns ta neuerdings die Fantasie — dar hat man in den Be- richten über unsere „Verfehlungen" gesehen — eine so große und dominierende Rolle im Kampf gegen uns spielt, so wird ein b Du nun; io .unter den Gegnern, der am wenigsten zu Unter-