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zu nennen; gewiß waren enorm viel Redner vor gemerkt, sicher­lich schickten die Parteien ihre altbewährten Kämpfen auf die Rofta hinauf, aber der Ausgang der Abstimmung war nicht zu ändern, und es -war schon zu Beginn klar, daß die vereinigten Sozialdemokraten und Liberalen siegen würden. Geschlachtet haben die das alte Heer und Flotte, nach den Regeln der Kunst, denn was jetzt zurUckbleibt ist ein Gorso, ein Zwitter, der zu nichts taugt und es wäre ebenso gut gewesen, wenn der noch weitergehende Vorschlag der Sozialisten nicht durch die Herren Liberalen verwässert worden wäre. Gewiß wird es in Zukunft noch immer einige Regimenter und einige Schiffe geben, denn der schwedische Sozialist ist nicht so rot wie der dänische, der ja alles was Militär heißt, abgeschafft hat; aber was da übrig bleibt, ist zu wenig, um sich verteidigen zu kön­nen, sich und das große Land, das eine offene Küste von zirka 1800 km hat. v

Die einzige große Frage, welche der Reichstag von 1925 zu lösen hatte, ist damit entschieden und der schwedische Musso- iini, der Verterdigungsminister Per Albin Hansson als Per- Albin in jedem Kreuzworträtsel verwendet konnte mit Stolz auf den Drill blicken, welchen er seiner Partei und den stammes- verwandten Liberalen beigsbracht hatte. die große Frace ist da mit zu Ende gegangen und der Staat, welcher bereits jetzt über 35 Prozent seiner gesamten Einnahmen sozialen Zwecken zu­führt, wird nunmehr auch noch den Abbau einiger 1000 Offi­ziere und Unteroffiziere bezahlen müssen. Das tut nichts aber es gilt die Durchführung des Prinzips. Es fragt sich aber nur, ob der Gorso wenigstens so bleiben wird, daß er vorkommenden­falls auch aktionsfähig ist; das muß bezweifelt werden, denn die Ausbildungszeit ist eine viel zu kurze. Man muß kein Anhänger des Kriegsgedankens sein, um zu behaupten, daß der scharfe Drill einer längeren Ausbildungszeit den jungen Leuten in der ganzen Welt nur genützt hat. Das Militär als Schule des Lebens war stets gut, und -wenn es zu nichts anderem taugte, als in der Fugend den Gehorsam-, die Zucht, einen gewissen Ernst und ein Pflichtbewußtsein zu erwecken und zu erhalten, so war bas ein Verdienst, das nicht hoch genug -eingeschätzt werden kann.

Was der heutigen Zeit mangelt» ist ja vor allem der Ge­danke, daß es ein Vaterland gibt, welches in Not verteidigt werden muß. Die Sozialisten, welche den Gedanken der inter­nationalen aufgegriffen haben, haben damit den Begriff der

Vaterlandsliebe umgebracht.

Die Schweden, welche über 120

Fahre Frieden hatten, keinen Feind im eigenen Lande -sahen und auch nicht den Krieg in fremde Länder trugen, besitzen nicht mehr die Mentalität, an Verteidigung zu denken; -das Gewehr in der Hand ist ihnen ein Greuel. Da aber der Friedensengel noch nicht über der ganzen Erde schwebt und bis zur schiedsge­richtlichen Austragung internationaler Streitigkeiten noch ein langer Weg ist, kann die partielle Abrüstung Schwedens recht schwere Folgen haben und die konservative Partei «hat mit vol­lem Recht jede Verantwortung abgelehnt.

Snzwischen bereitet die sozialistische Regierung ganz in der Stille lieb zum Kampfe gegen den Alkohol vor. Ein Geil der Mini- ister hat bereits vor wenigen Gagen zur Qeffentlichkeit in dieser Frage gesprochen und man wird nicht fehlgehen, daß diese Handreichung ein Geil jener Kuh war, die man den Liberalen der Couleur Eckmann für die «Unterstützung in der Abrüstungs­frage versprochen «hat. Die Liberalen Schwedens haben nichts mit dem BegriffeFreiheit" zu tun; im Gegenteil find sie es; welche immer wieder trachten, die Freiheit des schwedischen Bür gers einzu-schränken. Sie sollten sich eigentlichMalcontenten" nennen, denn sie sind immer die Unzufriedenen, die Neider, die Gadler. Grotzdem war aus der liberalen Partei noch nie ein Gedanke gehör., der allen Bürgern zum Heil hätte gereichen Kön nen; sie sind nur für das Einschränken der Bewegungsfreiheit in jeder Richtung unb freuen sich diebisch, wenn sie den Reichen etwas weggenommen 'haben, was sie selbst nicht bekommen. Sie sind es, welche immer predigen; kauft nur schwedische Waren, handelt nur schwedisch. Aber sie tun es nicht, damit die schwe­dische Industrie mehr zu tun hat, sondern nur um dem Auslande zu schaden, oder aus Mißgunst, weil sie selbst nichts dabei ver­dienen. Da sie nicht genug bemittelt sind, um sich Alkohol zu kaufen, wettern sie jetzt gegen den Alkohol, ein beliebtes und abgedroschenes Ghema. Etwas Neueres fällt ihnen nicht ein.

Die Glllckwunschdepesche der Königin an HindenburgGott hat geholfen" gab im Reichstag den Kommunisten Gelegenheit zu einer kleinen Anfrage, welche aber durch den Präsidenten rasch aus der Welt geschafft wurde: warum sollte auch die Kö­

nigin, welche sich nicht um Politik kümmert und nur Werken der Wohltätigkeit lebt, -nicht gratulieren und zwar so, wie sie es sich dachte. Mit großer Spannung sieht man dagegen der nahe bevorstehenden Niederkunft der schwedischen Kronprinzes­sin entgegen; sie ist, wie bekannt, die Gocht-er des im Kriege verstorbenen Großadmirals der englischen Flotte, des Fürsten Battenberg oder, wie er sich nach Kriegsausbruch nannte, Lord Mountbatten, geboren und erzogen in Deutschland, aber zur Engländerin geworden. Nun hat der Kronprinz bereits 5 Kin­der, recht erwachsene, wie den Prinzen Gustav Adolf, der vor -kurzem majorenn wurde, und es wird interessant fein zu hören, wie sich die Stellung eines Kindes aus der zweiten Ehe gestal­ten wird. Beiläufig kann erzählt werden, daß die Mutter der Kronprinzessin sich gegenwärtig im Prozeß gegen den englischen Staat befindet. Der verstorbene Lord Mountbatten hatte näm lich irgendeine Erfindung auf nautischem Gebiet gemacht, we- che auch von der englischen Regierung in der Marine angewen- det, aber nicht honoriert wurde. Um dieses Honorar dreht es sich jetzt und Ladg Mountbatten hat sich im Prozeß als mittel­los bezeichnet, obwohl ihr zweiter Sohn die Erbin Ernes Eas- sels geheiratet und, wie man hier behauptet die Verheirat, ung seiner Schwester mit dem Kronprinzen finanzierte.

Wassernot.

Von Karl L -i e r m a n n - Berlin.

Sn der großen Seeftabt Leipzig

-War einst eine Wasser-not.

Menschen stürzen ein wohl dreißig Häuser waren noch mehr tot.

Es ist mit, dem Verfasser dieser -Zeilen, nicht bekannt, ob und welcher geschichtliche Vorgang den Dichter des viel -gesungenen Studentenliedes zu der humorvollen Schilderung einer Waffernot den Anstoß gegeben hat, wodurch Leipzig alsSeestadt" sprich­wörtlich geworden ist. Es ist möglich, daß das für gewöhnlich harmlose Flüßchen Pleiße, dessen- Namen der Leipziger gern mit eigenartiger Aussprache im Munde führt, einmal zu einem ge­fahrvollen Strome angeschwollen ist, sodaß für ihre Anwohner eine Wassernot entstand, es ist aber auch möglich, daß der Dich­ter des Student-enliedes die LeipzigerPhilister" hänseln will, die ihren Durst im Gegensatz zu den trinkfesten Musensöhneu einmal nicht einmal mit Wasser -haben stillen können.

Fmmerhin aber haben nicht selten auch Bächlein und Flüß- lein die während des größten Geiles des Fahres als kleine Rinn sale träge dahinfließen, im Frühjahr nach der Schn-ees-chmelze ob. nach starken Regenfällen ihre Mucken und Gücken. Wenn von Wassernot die Rede ist, aber denkt man in der Regel an die großen Gefahren und Zerstörungen welche bei dem Hochwasser der großen deutschen Ströme, der Elbe der Oder und namentlich des Rheins und der Weichsel sowie auch der Sturmfluten des Meeres drohen. Hat doch der infolge der polnischen Wirtschaft verwahrloste Zustand der Schutzvorrichtungen der ^Weichsel zur Folge gehabt, daß die Freie Stadt Danzig als erster deutscher Staat ein Gesetz über eine Art Arbeitsdienstjahr mit großer Mehrheit hat durchbringen können.

Fèüers-'ünd'Wâsfernot" -waren in früherer Zeit noch weit größere Schreckgespenster als heute, sodaß bis in die -Setztzeit hinein die Bewahrung vor Feuers- und Wassernot" zu den Bit ten des Allgemeinen Kirchengeb-etes gehört. Wer einmal solche Schreckenstage in einem Ue-be rschwemmungsgebi-et oder einer Sturmflut miterlebt -hat, wird den tiefen Sinn dieses Gebetes verstehen. Auf der anderen Seite aber wird in demselben Zu­sammenhang auch die Bitte vor Bewahrung vor Hungers- und Wassernot ausgesprochen.

Letztere Bitte..möchte dem Volkswirt zunächst.unverst-Lndl-ich erscheinen. Sn diesem Lehrbuche der Volkswirtschaft kann man die grundlegenden Sätze finden, daß es eine Reihe von Gütern gibt, die manfreies Gut" nennt und die nicht zu denwirt­schaftlichen" Gütern zählen, -die zwar allgemein als brauchbar anerkannt werden, aber im Ueberfluß vorhanden sind und einem jeden ohne Mühe zugänglich sind. Dazu zählt beispielsweise das Wasser einer Quelle, die mehr spendet, als die Umwohner ge­brauchen und wovon jeder beliebig Gebrauch machen kann, wie überhaupt alle Güter die im Ueberfluß vorhanden sind, zum Bei­spiel Wasser und Luft.

Grotzdem aber werden diefreien Güter", die meist keinen Geldwert -haben, nicht selten zuwirtschaftlichen" Gütern von hohem Geldwert und außerordentlicher volkswirtschaftlicher B-e-

beutung. Mir-d b«s Wasser einer Quelle von dem Grundbelik unter Verschluß gelegt, wird sie in Röhren gefasst und naA èer Stadt geleitet, so wird das gewöhnliche Quellwasser zu einem wirtschaftlichen" Gute. Von wie außerordentlicher Wichtiohe-f das reicht. Vorhandensein von einstfreien" Gütern ist, ier Bedarf durch die Zunahme der Bevölkerung stark'wächlt muß in diesen Gagen zu ihrem Leidwesen die Reichchauptstâ erfahren, da ihre Versorgung mit Wasser infolge der starken Hitze uns mcpt ausreichender Masserversorgungsanlagen erheb, lieb leicht oder gefährdet ist.

Line geregelte Wasserversorgung, der Inbegriff aller £jn, richtungen zur Beschaffung von Trink- und Nutzwasser, ist âz etwa erst eine Lrrungerhcyaft der neuesten Zeit. Unter einsamen 'Verhältnissen bohrt man schon seit alters bei jedem Hausbau ei­nen Brunnen, der nächst der Zisterne die älteste Art der -Ua^r gewinnung darstellt. Aber schon seit dem Altertum her kennt man Wasserleitungen, eine Vorrichtung, wodurch Quell- oder Flußwasser aus kleinerer oder oft auch sehr großer Entfernung nach einem Orte geführt wird, wo man dessen bedarf, de nach, dein die Entnahmestelle höher oder tiefer liegt als der mit Wasser zu versehende Ort wird das Wasser entweder in Kanälen oder Röhren fortgeleitet oder vorher durch eineWasserkunst" eine Wasferhebevorrichtung, gehoben, und zwar damit, entweder in ein Hochbassin gebracht, woraus es abfließt, oder unmittelbar in eine Leitung hineingedrückt.

Großartige Wasserleitungsanlagen wurden schon im Alter, tum, namentlich von den Römern gebaut, die jedoch im Mittel- alter vernachlässigt und vergessen wurden. Zahlreich sind solche zum Geil noch -erhaltenenAquaprodukte", die als auf einem brückenartigen Bau ruhende Kanäle zur Federführung von Wasser über eine Straße, ein Gal, einen Fluß, bisweilen auch zur Ableitung gefährlicher Gebirgswasser erbaut wurden. Berühm­te Aquädukte aus dem römischen Altertum finden sich in Sego­via, Alcantara, Ghelves, Merida, Garragona. Größter Be­rühmtheit erfreut sich unter ihnen der von Rimes, das im Alter­tum Aemausus hieß, der Hauptstadt des französischen Departe­ments Gard, der noch heute unter dem RamenPont du Gard" gut erhalten ist.

Diese uralte Einrichtung ist auch heute -nicht die zweckmäßig­ste, sobald sich damit eine genügende Menge Wasser beschaffen läßt. Fn vielen Fällen aber und namentlich für Städte im Gief- laude, wo höher gelegene Orte, aus denen reichlich fließende Quellen hergeleitet werden können oder deren Entfernung die Leitung zu kostspielig machen würde, ist man dazu geschritten, in der Nähe vorhandenes Quellwasser oder Flußwass-er in hoch­gelegene Behälter, Wassertürme, zu pumpen und aus diesen den Berbrauch spu-nkten zuzuleiten. Da Quellwasser in der Regel nicht ausreichend vorhanden ist, so hat den Ausfall oft ein Zluß zu decken, wofür dann befondere Filtratiousantagen durch Sand- oder Kiesbetten notwendig werden.

Welche Gefahren in den Großstädten Wassermangel oder gar Wassernot bei Setter und welche gesundheitlichen Schädig­ungen und unhaltbaren-Zustände hinsichtlich der Kanalisation ent­stehen können, sei nur kurz zum Schluß erwähnt.

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