Samstag, den 6. Juni 1925.
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Verlag: öuioo, wanaijnape q»
Sie örganifatien der Landesvolizei.
Eine bedeutsame Neuschövmng in Preußen.
Von Ministeria ldire kt«or Dr. Ab «egg.
■ dit «dem 1. Sumi tritt in Preußen «di«e Landeskrimiualpoli- ^ Wirksamkeit, und zwar auf Grund der im MiniDr-ial- blatt für die innere Verwaltung 5. 569 ff. «erschienenen Bestim- m«ung«en. Andere deutsche Länder — Sachsen !Württe«mb«erg — haben schon vor «mehreren Lahnen eine landeskriminalpölizei- liche Organisation «geschaffen. Der Grund für die bisherige öu» rückhaltung Preußens in d«iefer Hinsicht liegt nicht darin, daß hier nicht rechtzeitig die Notwendigkeit «einer Krimina l poli z ei - üchen 9touOrganisation erkannt worden wäre; sie beruhte vielmehr auf gewichtigen polizeilichen Erwägungen.
Ln der Vorkriegszeit ergänzte sich die preußische staatliche Kriminalpolizei im wesentlichen aus «den Angehörigen der «dama- ligen uniformierten Polizei, «d«er staatlichen Schutzmannschaft. Ls «galt nur, diese «bewährte Praxis auf die gegenwärtigen Verhältnisse in «der Weise zu übertragen, daß di«e Kriminal- polizei künftig ihren Ersatz aus den Kreisen der neuen Schutzpolizei findet. Die Durchführung dieses Grundsatzes setzte voraus, daß die KriminalpolizLi künftig ihren Ersatz aus «den Kreisen der neuen Schutzpolizei findet. Die Durchführung dieses Grundsatzes setzte voraus, daß die personelle Zusammenfetzung der Schutzpolizei die Gewähr für einen brauchbaren Ersatz der Kriminalpolizei bot — mit anderen Worten: es mußte zunächst die Zusammensetzung wie auch
die Ausbildung der Schutzpolizei
auf einen hohen, allen Anforderungen «entsprechenden Staub gebracht, der rein «polizeiliche Charakter dieses Dienstzweiges und ihres Beamtenkörpers durchgeführt und auf die Dauer gewährleistet sein. Die zweckentsprechende Organisation der Schutzpolizei roar daher die unumgängliche Vorbedingung für ihre Verwendung als Kräfteneservoir für die Kriminalpolizei und «damit in weiter Folge «auch die «erste Voraussetzung für «die Inangriffnahme grundlegender Reformen bei der Kriminalpolizei. Diese Voraussetzung ist zweifelsfrei «erfüllt, sodaß damit «die not- wendige «gesunde polizeiliche Unterlage1 für eine gute Kriminalpolizei vorliegt. So war es an der Zeit, «den seit «langem g«Is notwendig «erkannten völligen Nenaufzug bei der Kriminalpolizei in «die «Wege zu leiten. D«i«e «Einigkeit der «deutschen Länder in «der Bekämpfung des Verbrechertums wird die polizeitech- nifche Ausstellung in Karlsruhe und die mit ihr verbundene Län derbesprechung über fachtechnische 3 ragen beweisen. Darüber hinaus wird sich hoffentlich die Ueberzeugung von der wertvollen
und ehrlichen Arbeit der deutschen Länder auf «dem Gebiete der Polizei auch
in den alliierten Ländern
«durchsetzen, damit «es nicht zu neuen tiefgehenden Meinungs- o-erjchieben-heite-n, zur Verbitterung ehrlichen Wollens und zum Wiederaufleben der Feindschaft, sondern zur vertrauensvollen Zusammenarbeit auf diesem für «die Befriedigung und Sicherung allen Volks- «und Wirtschaftslebens wichtigsten Gebiete kommt.
Weiter handelt «es sich um kriminal technische Vervollkommnung. Einzelheiten zu erörtern würde hier zu weit führen — jedenfalls sind seit einiger Zeit schon Maßnahmen getroffen und durch die neue Organisation vervollständigt worden, um die Kriminalpolizei «allen Aufgaben dieser Zeit gerecht werden zu lassen. Die im nächsten Monat beginnende polizeitechnische Ausstellung zu Karlsruhe, an welcher sich Preußen im beträchtlichen Ausmaß beteiligt, dürfte «den Beweis liefern, daß die preu fische Kriminalpolizei im Begriffe steht, best Vorsprung, den leider «andere Länder in manchen krimmaltechnischen Dingen «bisher aufzuweisen hatten, einzuhalten und sie vielleicht halb zu überholen, ön erster Linie handelt es sich um die
Organisation der Kriminalpolizei.
Hier ist es die «eingangs erwähnte Errichtung« der Landeskri- minalpolizei, «welche den bestehenden Mängeln abhelfen soll. Das Ziel «dieser krimiualpolizeilichen ‘Äenorganifatlon ist ein doppeltes: Es soll die Vereinheitlichung der «preußischen Kriminal» Polizei in die Wege leiten und ferner «die ortspolizeiliche Gebun- denheit «der Kriminalbeamten;}chgft beseitigen.
Gegenwärtig ist in Preußen die «Kriminalpolizei rein örtlich organisiert, d. «H. «jeder Kri«min«a Ibeamte «kann grundsätzlich nur innerhalb «des eigenen «engen «Ortsbereichs kriminalpolizeilich tätig werden. Die Mängel dieses Systems liegen auf «der Hand, wenn man an den Widerpart des Kriminalbeamten, bas Verbrechertum «denkt, das «ungebunden von ben Ortsgrenzen seine Verb re che rtäti g kei t ausübt, heute hier, morgen dort auftritt und wegen «dieser seiner Freizügigkeit naturgemäß «dem an seine Ort Zuständigkeit gebundenen Kriminalbeamten weit überlegen ist. Diesem «offen zu Tage liegenden kriminalpolizeilichen Organifa» tionsmangel «mußte abgeholfen mürben, und zwar dadurch, daß man die Kriminalbeamten von «ihren Ortsfeste in befreite und ihnen gewissermaßen polizeiliche Freizügigkeit gewährte. Die mit dem 1. Luni in Wirksamkeit «tretende preußische l-andes- Kriminälpolizeiliche Regelung vermochte diesen «erstrebenswerten Zustand noch nicht völlig zur «Geltung zu «bringen, da bie Ortsgebundenheit der Kriminalpolizei gesetzlich oerankert ist, daher nur «durch ein «neues Gesetz grundlegend «aufgehoben ««er
den kann, während bie jetzige landeskriminalpolizeilicho Organisation «lediglich im Verordnungswege, durch einen Runderlaß des Preußischen Ministers des Lunern «eingeführt ist. Es konnte sich daher vorläufig nur um «eine behelfsmäßige landeskriminalpolizeiliche Regelung «handeln, der demnächst die «endgültige durch ein LandLskriminalpolizei-Gesetz baldigst folgen wird. Lmmerhin trägt die jetzt ins Leben getretene provisorische Regelung dem Gesichtspunkt der kriminalpolizeilichen Freizügigkeit Rechnung. Es werden durch «die neue Verordnung sog. Landeskriminalpolizeistellen geschaffen; deren Beamte haben die Möglichkeit, auch außerhalb ihres Ortsbereichs in einen bestimmt abgegrenzten weiteren Lan«desg«ebiet, auch in dem «bisher «kriminalpolizeilich schlecht versorgten Landesteilen, vornehmlich aber auch auf dem flachen Land tätig zu werden. Hinsichtlich des letzteren «ist zu betonen, daß von der Landeskriminalpölizei bie «Landjägerei nicht ausgeschaltet, sondern durch sie in ihrer Wirksamkeit gefördert und «gerade auch in kriminalpolizeilicher Hinsicht mit den «anderen Polizeidienstzwei gen verbunden wird.
Das zweite Ziel «der lanbeskriminaipo 11 zei 1 ichen Reuorgani- fation, «die Vereinh«e«itlichung der preußischen Kriminalpolizei soll durch
Errichtung des sog. Laudeskrimiuaslpolizeiamts
«erreicht werben. Dieses Amt stellt eine kriminalpolizeiliche Zentralbehörde «dar, die für die Einheitlichkeit bet krminalpolizei- luyen Tätigkeit aller Landesk r i m i na lpvl izeiftellen und für die «Einheitlichkeit der Ausbildung und Ausrüstung aller Beamten dieser Landeskrimi-nalpolizeistelle-n zu sorgen hat. Darüber hinaus dient das Amt als Kriminalpoli zeiliche Zentrale für die einheitliche Bekämpfung des Verbrechertums in Preußen «insofern als es «die Zentralstelle für den kriminalistischen Erkennungsdienst, für den Kriminalpo lizâchen Nachrichtendienst hinsichtlich «des gewohnheitsmäßigen Verbrechertums und den Fahndungs- dienst bildet. Das Landeskriminalpolizeiamt «stellt «ebenso wie die Landeskriminalpolizeistellen — was zu «betonen besonders «wichtig ist, — keine neuen selbständigen Behörden bar, sondern die Einrichtung dieser lanbeskriminalpoli?eiLichen Dienststellen erfolgt bestehenden staatlichen Polizeibehörden bergeftalt, daß die Kriminalbeamten dieser «Polizeibehörden, die bisher «lediglich örtliche Aufgaben «hatten, neben dieser Ortstätigkeit künftig auch auf «landeskriminalpolizeilichem Gebiete zu wirken haben. Diese «Lösung «hat praktisch zur Zolge, baß bei den Polizeibehörden, bie künftig Landeskriminalpolizeistellen sind, «die «gleichen Kriminalbeamten bald als Ortspolizeibeamte, «bald als Landeskriminalpolizeibeamte Verw«e«ndung finden. Das Polizeipräsidium Berlin «nimmt neben seiner bisherigen Tätigkeit «auch bie Aufgabe bes Landeskrimmalpoliizeiamts wahr ist also vor allem berufen, bie Linh«eitlichkoit der kriminalpolizeilichen Tätigkeit im ganzen preußischen Landesgebiet zu gewährleisten.
Das ungelöste Rätsel.
Erzählung von Anna S t tu n k.
<Nach«druck verboten.)
Riefhausen hatte Lorstfach studiert und «war erst in reiferen Sahnen nach Lndien «gekommen. Sein Leben «war bis zu «diesem Zeitpunkt ganz «normal verlaufen, er bäte seine Laufbahn in der Heimat abgebrochen, weil «er eine Enttäuschung an einer 3rau «erlebt «hatte. Ln «Lndien züchtete er Orchideen und machte Kreuzugsoersuche mit besonders dafür geeigneten Pflanzen, um die Vererbung zu «studieren. Was er «an den Orchideen verdiente, legte -er für Versuche und Ausgrabungen an. Auch «konnte er «es sich leisten, sich ein Zordauto zu kaufen, mit dem er nun burcb den Wald fuhr, um Orchideen zu suchen.
Als der große Krieg in Europa ausbrach, sah er sofort ein, daß die Solgen nachhaltig sein würden, unb da die Orchidee, n- preise fielen, schenkte er sein Auto einem Dajakhäuptling, packte feine Sam-mtangen ein und fuhr «nach Lav«a. Als «das jährliche große Rennen in Baudoeng statt fand, «begab er sich «dorthin, um in dem Menfchengewimmel seine Studien zu ma-chen. Die Rennen selber waren «ihm «gleigültig.
Die holländisch,e Regierung nimmt ben «ungeheuer vernünftigen Standpunkt ein, das Hasardspiel zu o-erbieten, aber um allen «denen, die soviel Geld «haben, daß sie «nicht wissen, was sie «damit an fangen sollen, Gelegenheit zu geben, es las zu «werden, und «auch «denen, die kein Geld haben, eine Möglichkeit zu bieten, zu Gelde zu kommen, ist in den acht Tagen bes großen Rennens «das Hasardspiel erlaubt.
Riefhausen interessierte sich für Hasardspiel noch «weniger als für Rennen, unb nur bie Wißbegier «führte «ihn in ben Spielklub, wo er bie vielen Menschen «beobachtete, bie dreißig bis sechsuudreißig Stunden hintereinander am Spieltisch faßen, weißer im Gesicht, als «ihr eigener Lropenanzug, von der Spannung des Spiels, ober grüner als das Tuch der Spieltische aus Mangel an Schlaf, ober, wenn sie Glück hatten, roter «als «die kleinen Lacktablette, bie zur Aufnahme ber Goldstücke dienten, die aber «niemand« benutzte, weil die Einsätze zu hoch waren.
Riefhausen ging nur von Lisch zu «Tisch unb schien sich zu langweiten, und ganz gedankenlos setzte -er sich «auf einen freien ‘Plaß an einem Vierertisch, dessen übrige «Plätze von einem ara bischen Kaufmann, einem chinesischen Schiffsreeder unb einem maraiifcßen bürsten besetzt waren.
Der Chinese lächelte «ihm höflich zu^ .unb da e-r gerade in biefem Augenblick geben mußte, gab er vier Häufchen; nun erst fiel es Riefhausen ein, daß die Etikette verlangt, baß man sich nicht an einen freien Spielplatz setzt, wenn man nicht mitspielen will, es wurde Baccarat -gespielt, 500 Gulden das Spiel, unb gewann. Das war ihm sehr peinlich, aber dieselbe Etikette, der er sich soeben unterworfen «hatte, verlangte, daß m«an einen Spieltisch nicht verläßt, so lange man -im Glück sitzt, nnd Riefhausen faß im Glück; «niemals verlor «er dreimal «hin- erem-anber, hate also nicht ben leisesten Anlaß, den Tisch zu oer ajj-en. Lnnerlich «raste er, und erst als ber Chinese sich er» o E «erklärte, daß er leider bie sehr angenehme «Gesellschaft hab ^ er nur noch vierzigtausend «Gulden bei sich C ■ ff ^b «ihm aber eine Ehr«e sein werde, morgen weit er zu» ^^ merkte Riefhausen, daß er mehr als fünfzigtau- w Gulden gewonnen hatte.
Am «nächsten Tage gesch-ah «das, was Riefhausen nicht erwartet hatte: ber Chinese bot ihm an, mit «ihm zu spielen, «und im Verlauf von vier bis fünf Stunden hatte Riefhausen gegen 100 000 Gulden gewonnen; sein Glück überraschte «ihn, noch mehr aber wunderte er sich über die Ruhe bes Chinesen und jein liebenswürdiges Lächeln, «Tag um Tag wiederholte der chinesische Reeder sein Angebot. Riefhausen hatte sich 'inzwischen «erkundigt, ob er «diese Riesenverlusts ertragen könne, man hatte «ihn aber «damit beruhigt, daß der Reeder etliche Millionen besitze, ehe die Woch«e um war, war Riefhausen selber Millionär geworden. Am letzten Ab«end spra«ch ber Chinese sein Bedauern aus, daß bas Gesetz ja bis zum nächsten Rennen bas Hasardspiel verbiete, daß -er aber hoffe, ihn im «nächsten Lahr wiederzutref- fen, ba -es ihm ein außerordentliches Vergnügen gewesen sei, feine Bekanntschaft zu machen unb mit ihm zu spielen.
Riefhausen legte sein Geld -in einer Plantage an, bie er selber -bewirtschaftete, unb dadurch kam er allmählich zur Ruhe. Er «hatte fetzt zu tun unb interessierte sich nicht mehr für alle möglichen Dinge, sein Lächeln wurde weniger bitter, man konnte sich mit ihm über ganz alltägliche Dinge unterhalten, unb «er zitierte weniger Strindberg, als er früher getan hatte. Vielleicht waren -auch feine Lahre schuld, daß er sich beruhigte, —- er «war jetzt fünfundvierzig —, vor allem «aber mochte ber gün» stige Einfluß «darauf zurückzufUhren sein, daß er sich eine neue Haushälterin an geschafft hatte, namens Ami nah.
Eine «malaiische Haushälterin nimmt biejelbe Stellung ein wie eine weiße Ehefrau, nur mit der Ausnahme, daß Jie weder in Abwesenheit bes Mannes «diesen vertritt, noch bei Tische zugegen «ist, wenn Weiße «anwesend- sind, vor «allem nicht, wenn weiße Stauen sich in «der Gesellschaft befinden.
Riefhausen hatte verschieden Haushälterinnen gehabt, ehe er Aminah bekam, aber sobald «er bas bemerkte, was ein -weißer Mann Untreue nennen wurde, schickte er sie weg, nicht weil er zornig ober verärgert gewesen wäre, sondern nur weil «er mit ungetreuen 3rauen nichts zu tun haben wollte.
Als Aminah etwa «ein Lahr lang bei ihm war, begann er unruhig zu werden. Sollte sie wirklich schlauer fein als er? Aber er war nicht der Warin, der grundlos seine G-ewohnheiten änderte, — doch als ein weiteres halbes Lahr zerging, ohne daß er etwas Verdächtiges bemerkt hatte, beschloß «er sie — sicherheitshalber — fortzuschicken. Ehe er «ihr jedoch biefen Beschluß mitgeteilt hatte, geschah etwas, roar ihn veranlaßte, fede Maßnahme 'hinsichtlich Amin«ahs Untreue «aufzugeben.
Er faß eines Tages an seinem Schreibtisch unb untersuchte einige von Infekten befallene Pflanzen mit der Lupe, als er Aminah wie in großer Angst hinter sich flüstern hörte: „Tuchi, Herr, was soll ich machen?" Er drehte sich rasch um und sah sie dastehen, mit «ausgestrecktem Arm, um den sich eine kleine Schlange ringelte. Sie «hatte die Schlange unmit el bar unter dem Kopf gepackt, — einen Zoll tiefer, unb sie hätte sie stechen können, — er nahm eine große Papierschere vom Schreibtisch unb schnitt dem Tier mit einem Griff «den Kopf ab. Aminah hatte sich «wirklich tapfer benommen, beim, obwohl sie «den «allein Stauen angeborenen Ekel vor Schlangen in besonders hohem Grade «besaß, hatte sie Jo rasch zugegriffen, daß ein Unglück oer» hütet worden «war. Die Schlange «hatte sich nahe an «ihrem Halse binaufgeringelt, — «noch eine Sekunde, und es wäre um Jie geschehen gewesen.
Laten find besser als «Schwüre, war einer von Riefhausens Wahlfprüchen, und von nun an hatte er volles Vertrauen zu Aminah. Er begann sie mit großer Freundlichkeit zu behandeln lehrte sie verschiedene «europäische Fertigkeiten und ließ sie auch vortanzen, -wenn ein Bekannter bei ihm zu Gast war; unb jie war wirklich bezaubernd, nicht nur durch ihre holde Lugend, sondern weil sie mit einer seltenen Anmut ausgestattet war.
Riefhausen schien von seinen Sttindberganschauungen ab» zukommen und wurde dadurch in seinem «ganzen Wesen viel sympathischer. Hingerissen konnte er ihren Bewegungen zusehen, wenn Jie sich auf einem kleinen Saiteninstrument selbst begleitete. Er war sicher auf dem Wege, ein glücklicher Mensch zu werben, mußte dabei aber seine Grundsätze vergessen, denn er hatte immer gesagt: „Wenn ein Mensch bas zu empfinden be» ginnt, was man gemeinhin Glück nennt, so muß er bie Ursache dessen entfernen ober sich selber von der Ursache entfernen, sonst tritt sehr bald der entgegengesetzte Gemütszustand ein, und bie Kontrastwirkung wird entsetzlich, ja unerträglich!" Aber Riefhausen dachte gar nicht baran, irgend etwas zu «entfernen, bis ein guter Freund scherzend seine eigenen Worte zitierte; das stimmte Riefhausen sehr nachdenklich unb er fuhr nach Batavia. Hier leitete er Verhandlungen mit einem Zuckerkonsortium 'hinsichtlich des Verkaufs seiner Plantage ein, und seinen Bekannten sagte er, daß er nach Europa zu reisen gedenke, «aber es war zu spät. Er hatte sich zu sehr an das Leben auf der Plantage gewöhnt und in vielleicht noch höherem Waße an Aminah; jedenfalls brach er alle Verhaitdlungen wieder ab unb kehrte auf feine Plan tage zurück.
Hier machte er nun -ben großen Fehler, den so viele Männer machen: der Frau, die Jie lieben, in vollem Vertrauen «ihre un» getreuen Gedanken zu beichten. Riefhausen «erzählte Amiuah, welche Absichten er bei seiner Reise nach Batavia egbabt habe; vielleicht wollte er «ihr durch bie Aenderung« feines Beschlusses beweisen, wie unentbehrlich sie ihm war, vielleicht wollte er damit -aber auch feine „Sünde" gegen Jie gutmachen.
Aminah lächelte sanft zu seinen Worten unb sagte, bas alles sei «doch nur Scherz. &ie fühlte sich aber immer geehrt, wenn er mit ihr scherze.
Bald darauf «erkrankte Riefhausen und am «Tage, nachdem er sich zu Bett gelegt hatte, verschwand Aminah. Sein guter Freund, der Arzt konstatierte eine Darmblutung, was jedoch Riefhausen wesentlich weniger beunruhigte, als Aminahr Ber- fch winden.
„Es kaun ja sein, daß Jie Angst vor dem bösen Geist hat. der durch deine Krankheit in dich gefahren ist", sagte ber Arzt; aber Riefhausen widersprach: „Angst hat sie sicher, aber sie würde nicht davonlaufen, . . . sie «hatte bamals vor der Schlange auch Angst, und doch hat sie sie angefaßt.“
„Cs kann auch fein, daß sie nicht mehr bei bis sein mochte, — bas ist doch auch schon vorgekommen."
„Rein, das ist «ganz ausgeschlossen ... es ist mir ein vollständiges Rätsel!" sagte Riefhausen, und es war sein letztes Rät sei, denn «wenige Lage später starb er.
Gemäß seinem eigenen Wunsch wurde seine Leiche obduziert und der Arzt fand ben Darmkanal voll kleiner, feiner «Haare, die mit Widerhaken versehen waren, wie man sie -am Stengel einer bestimmten Bambusart findet unb die bie Eingeborenen abschaben, um sie zwischen Reis unb andere Nahrungsmittel zu mischen unb sie dadurch ihren Feinden besonders schmackhaft aber recht unbekömmlich zu machen.