Deutschlands größtes Boltzeigefängnis.
Vom Lichthof des Berliner Polizeipräsidiums führt ein Durchgang ?um Poli zeige fä-ngnis, einem fünfstöckigen roten Backsteinbau mit zahlreichen vergitterten Zenstern, hem größten in Deutschland. Zm Erdgeschoß befinden sich die Räume des Polizei-Gewahrsams. 164 288 Personen fanden im vergangenen Zahre Aufnahme im Polizeigefängnis, 121430 Männer, 42 858 Zrauen l Das ist die Bevölkerung einer Provinzialhaupt staht! Ueber 450 männliche und weibliche Missetäter mußten täglich gezwungenermaßen ihren Einzug halten. Viele blieben nur kurze Zeit, viele übersiedelten von hier aus nach Moabit, Tegel, Plötzenfee oder wurden auswärtigen Strafanstalten zugeführt. Diese Zahlen sind ein Beitrag zur Moralstatistik der Weltstadt.
Der Weg in das Polizeigefängnis ist trotz dieser gewaltigen Besucherzahl nicht einmal Jo leicht, wie es auf -den ersten Blick scheint. Nicht wegen jeder Straftat wird der Uebeltäter ein- gesperrt, und her „Stammgast", der sich zu Beginn der kalten Zahreszoit um ein Quartier im Polizeigefängnis bemüht, weiß, daß er wohnungslos fein oder von einer Zustizbe Hörde gesucht werden muß, wenn er auf Grund des von ihm begangenen kleinen Bergehens zuerst in das Polizeigefängnis und von dort nach erfolgter Verurteilung in fein Winterguartier nach Tegel kommen will. Die von den Exekutivbeamten festgenommenen Personen werden, wenn sie in Ausnahmefällen, z. B. Razzien, nicht direkt zum Polizeipräsidium gebracht werden, bei dem zuständigen Polizeirevier eingeliefert. Diese Tatsache wird durch die Einlieserungsanzeige belegt. Auf der Wache sitzen die Fest- genommenen, die -gefährlichen -in den Zellen bis der Wagen der seinen bestimmten Rundweg hat, ankommt und die Wartenden abholt. Dann wird eingestiegen, und im Trab geht die Fahrt über die noch zu besuchenden Reviere zum Polizeipräsidium. Die Zns-assen sind bewacht von dem Beamten, der auf einer Bank an der Ausgangstür sitzt und durch eine Gittertür von seinen ' Fahrgästen getrennt ist. So fahren sie, Männer und Frauen, dem „Alex" zu, sich unterwegs über ihr Schicksal tröstend.
Auf dem Hofe des Gefängnisses fährt der Wagen dicht an eine kleine gewundene Treppe, die zum Aufnahme zimmer hin- aufführt. Beamte der Reservewache, die die Sammeltransporte zu -begleiten haben, bilden ein Spalier vom Wagen bis zur Treppe und machen so jede Hoffnung auf eine Flucht, die bei -einem der Aussteigenden etwa aufgekeimt sein sollte, zunichte. Der Wagenführer zählt seine Passagiere beim A-usfteigen noch einmal nach -damit -ihm nicht etwa -einer fehle, und gibt feine Einli-eferungsanzeigen mit den dazu gehörigen Gegenständen, die den Arrestanten -abgenommen wurden, im Aufnahme zimmer ab. 15 ist die Nummer -des leider vielen Menschen bekannten Zimmers. Dort wird die Sichtung vorgsnommen. Männer und Frauen kommen in die getrennt -liegenden Expeditionen. Während der Nacht wird -eine Zwischenstation das „Kirchenstuhl- zimm-er" eingeschaltet. Dieses, -ein großer Raum, weist von den Wänden zahlreiche Nischen auf, in deren jeder ein Arrestant Platz nehmen muß. Lautes Sprechen ist verboten. Ein Beamter, durch eine Schranke von den Eingeli-eferten getrennt, bewacht die nächtlichen Gäste.
Zm Aufnahmezimmer müssen die Festgenommenen -einen besonderen, abgeschlossenen Raum betreten. Dort werden sie von den Beamten der laufenden Nummer nach in -das Aufnahmebuch eingetragen. Zhre Personalangaben werden mit denen in der Liuli-eferungsanzeige verglichen. Eine Warnung vor falschen Angaben, die mit intellektueller Urkundenfälschung gleichbedeutend sind, geht der Eintragung voraus. Nachdem etwa vorhandene Barmittel und die Wertsachen abgegeben worden sind, werden die Arrestanten von Gef-ängnisbeamten abgeführt. Die weiblichen kommen in das Frauengefäugn-is, -das von männlichen Beamten nur die dienst-notwendigen betreten dürfen.
Die Obdachlosen, Landstreicher, Betrunkenen und wegen leichter Vergehen Festgenommenen werden dem Polizeigewahrsam zugeführt. D-ieses umfaßt mehrere Säle und ist eine Art Gemeinschastshaft. „Hammelstall" ist die Bezeichnung, -die ihm trübseliger „Gaunerhumor" beilegte. Größeren Luxus wird der Gast heir vergeblich suchen. Die einzelnen Säle enthalten nur einige Reihen -einfacher Betten und -mehrere Wasserkrüge. Das Bild hier wechselt stündlich, bald werden einzelne seiner Znsassen zur Vernehmung vorgef-ührt, entlassen oder treten die Reise -nach der Staglvogtei an bald kommt ein Trupp von neuen „Besuchern". -Trotz dauernder Lüftung werden empfindliche Nasen die dort herrschende Atmosphäre nicht besonders -lieblich finden. Bei dem Zusammenströmen so vieler Bassermannschen Gestalten ist -das zu -erklären. Die jugendlichen Arrestanten werden in einem besonderen Raum, aus erklärlichen Gründen, von den übrigen getrennt, untergebracht.
-Ueber dem Gewahrsam liegt das Polizeigefängnis. Der Schlüssel zu den LingangstUren wird von d-em Posten an der Haupttür nur gegen den Vorführungszettel ausgehändigt, und der vorzuzuhrende Gefangene wird dem -ihn abholenden Beamten ebenfalls nur gegen einen Vorführungszettel -übergeben. Das ganze -Gefängnis hat -Oberliu-u Eiserne Wandeltreppen verbinden die einzelnen Galerien, deren Fußboden aus gerippten Glasplatten besteht. Zm Männergefängnis -ist Zsolierhaft in 150 Zellen. Zede Zelle hat ein Wandschränkchen zum Aufbe- wahren von Eß- und Trinkgefäßen. Der obere Teil des vergitterten Fensters hat Ventilation, die der Gefangene selbst bedienen kann. An der weißgestrichenen -Wand des peinlich sauber gehaltenen Raumes steht -ein eisernes Bettg-estell mit Matratze und Kopfpolster, auf dem der Gefangene -entkleidet, im Sommer mit einer, im Winter mit zwei Decken schläft. Zeder Neueingelief-erte erhält ein frischbezogenes Bett, -und im Poli- zeigefängnis werden wöchentlich etwa 2500 Wäschestücke verbraucht. Zahlenden Gefangenen, gegen die die Untersuchung noch schwebt, ist Selbstbeköstigung -erlaubt, wenn sie -es nicht vorziehen, die einfache, aber schmbckhafte Sefangenenkost, die in einer eigenen Küche zubereitet und vom Gesängnisarzt kontrolliert wird, zu genießen. Zeder länger als sieben Tage Festge- nommene darf täglich unter Aufsicht -eine halbe Stunde spazie- rengehen. Gefangenen, die Arbeit wünschen, wird dazu Gelegenheit gegeben. Durch ein Guckloch in der Tür kann der Aufseher sie beobachten. Ein Schlitz in der Tür birgt -einen kleinen Signalarm nach Art der Eisenbahnsignale. Der Häftling kann ihn, wenn er ein Anliegen hat, -n-ach außen fallen lassen.
Auf Filzschuhen gehen die Nacht-aufseher durch ihre Stationen, hören das Aechzen und Stöhnen derer, die nicht schla
fen können, die Verzweiflungsausbrüche und Selbstvorwürfe -derer, die bisher noch unbestraft waren und nun Reue empfinden. Zeden Morgen prüft der -Gefängnisdirektor die Streifen /der Kontrolluhren der Nachtaufseher und -liest das Gesuchbuch mit den Wünschen der Gefangenen. Läßt sich diejenigen, die ihn sprechen wollen, verführen, und diejenigen, die nach dem Arzt verlangen, von diesem untersuchen. Lebensmittel, Bücher und Zeitungen, welch letztere besonders den politischen Gefangenen gestattet sind, werden bei dem Gefängnisdirektor abgegeben und von ihm den Empfängern zugeleitet. Auch ein Bad kann der Gefangene auf Wunsch erhalten, obwohl fast jeder bei feiner* Einlieferung gebadet wird. Dem Landstreicher, der vielleicht seine Kleider wochenlang nicht vom Leib kriegte, -werden sie sogar desinfiziert.
Menschen aller Gesellschaftsklassen -und jeden -Lebensalters haben diese Zellen beherbergt. Gestrauchelte und Berufsverbrecher saßen hier ung gingen einem Schicksal -entgegen, das ihnen Grauen bereitete, oder sie nicht mehr schrecken kofnnte. Manchen Vorsatz zur Besserung hörten diese Zellen und manchen Fluch. Und mehrmals am Tage bringen die Zellenwagen neue Gäste, hinter denen die Eisentür zuschlägt, um sie oft Mr recht lange Zeit von der Freiheit zu trennen.
Volksglaube und “
Bon Dr. Walter Böttcher- Leipzig.
So wie die Völkerkunde, die Wissenschaft von -der Kultur der Naturvölker keine sprachlosen Völker kennt und auch die Urgeschichte, die Wissenschaft, die sich mit der Zeit der Menschheit beschäftigt, aus der keine mündliche oder schriftliche Ueberlieferung vorliegt, trotz vereinzelter Versuche noch keine Berechtigung gesunden -hat, irgend einem der Vorzeitmenschen diese .erhabene Fähigkeit abzusprechen, so gibt es auch keinen zu der A-nnahme, -das -irgendwann und irgendwo N-at-urmenschen -ohne religiöse Regungen gelebt haben. Völker ohne Religion gibt es nicht. Der Ursprung -der Religion -liegt in dem menschlichen Bedürfnis, für jede Erscheinung, jedes -Ereignis Grund und Ursache, womöglich von einer kindlichen Vorstellung vertrauten, beseelten Urheber auch ausfindig zu machen.
Zn der oergeifterten Natur, sagt -der große Forscher Waitz, wird jeder kleine zufällige Vorgang, wenn er gerade die Aufmerksamkeit erregt, auf die geheimnisvollsten Absichten -und das dunkle Walten jener höheren Mächte -bezogen, dessen Zusammenhänge nachspü-rend der Naturmensch -überall Vorzeichen des Künftigen sieht. Di-e Deutung dieser Zeichen nimmt er -entweder unmittelbar selbst vor, oder sie wird einer besonderen Kunst zugewiesen. Das vielfache dringende Bedürfnis -einer Vermittelung mit den höheren -Geistern, -das Verlangen, die von ihnen gesandten Zeichen zu verstehen, sie zu versöhnen oder im Voraus zu gewinnen, sie -umzusti-mmen, ihren Ratschluß über -das Zukünftige zu erfahren, läßt einen besonderen Priester- stand erstehen und gibt ihm die Macht und Einfluß -auf -alle Angelegenheiten -des Lebens.
Wie überall die Geisterwelt zu Hilfe gerufen wird und ei-n= -greift, wo die menschlichen Mite! erschöpft sind, so müssen selbst Rechtshände! durch eine Kundgebung von ihnen entschieden werden. Hierin haben auch die Ordalien, Gottesurteiler, Gottesgerichte, die wir bei allen Naturvölkern finden, ihren Ursprung. Selbst noch im mittelalterlichen deutschen Gerichtsverfahren stoßen wir auf sie -als Entscheidungen über Schuld oder Unschuld eines Angeklagten durch unmittelbares Eingreifen Gottes. Die bekanntesten Gottesurteile der Germanen waren: 1. der Zweikampf, 2. das Los, 3. die Feuerprobe; wobei der Beschuldigte entweder -ein heißes Eisen mit bloßen Händen eine Strecke weit tragen oder -barfuß über mehrere gl-Uhende Pflugschare schreiten mußte, ohne sich zu vebbennen; 4. die Wasserprobe, bei -der es entweder galt, mit bloßen Händen einen -Gegenstanü aus heißem Wasser herauszunehmen, ohne sich zu verbrühen, oder die Unschuld -durch lUntersink-en im Wasser zu -beweisen; 5. die Probe des geweihten Bissens, der einem Schuldigen, nicht aber einem Unschuldigen -im Halse stecken blieb; 6. die Probe des Heiligen Abendmahls, dessen Genuß -für Schuldige Krankheit oder Tod zur Folge haben sollte, 7. die Kreuzprobe, bei der von mehreren Streitenden derjenige für schuldig galt, der, vor ein Kreuz gestellt, die ausgestreckten Arme zuerst sinken ließ; 8. -das Bannrecht, wonach die Wunden eines Ermordeten aufs neue zu -bluten begannen, wenn Jein Mörder an die Bahre geführt wurde. Solche Gottesurteile kamen in Deutschland -erst seit dem 15. Zohrhundert nach Aufnahme des römischen Rechts außer Brauch und spielen im Volksglauben zum Teil noch heute ei ne Rolle.
Es ist schwer, -den Grad -der Eiefe religiöser Empfindungen bei einem einzelnen, geschweige denn bei einem ganzen Volksstamme, selbst bei -einem noch lebenden, f-estzustell-en; denn in dieser Beziehung sind alle M-ensch-en keusch und verschwiegen. Die äußeren Formen des Kultus werden leicht mißverstanden; auch birgt sich unter ihnen das verschiedenste Gehalt von -ge- d-anke-nloser Rohheit bis zur zarten Innigkeit -der Zdee. Das so viel verlästerte Fetischtum reicht im weitesten Sinne von der Urzeit, wo wir es als natürlich voraussetzen müssen, -bis in unsere -Tage hinein. Fetisch bedeutet eigentlich einen von Menschenhand gefertigten Zattbergegensta-nd, nicht -einen Götzen, wie man den heidnischen Regern fälschlich n-achgesagt hat. Solche Träger zauberischer Kräfte gab und gibt es in vielen Religionen, -daß nur der geistesschwache, niedrigdenkende Mensch der Versuchung verfiel, -das wunderwirkende Amulett, das Zauber- mittel, für die Gottheit selbst zu halten und -ihm -als Götzen zu -huldigen.
_ Auf den ehemals deutschen Palau-Znseln heißen die Fetische „Fahrzeuge der Geister", ein sinniges Bild; sie werden gehütet und gepflegt, aber nicht durch Anbetung oder Opfer verehrt. Die Hebräer hatten ihre Seraphim, die Römer ihre P-enla-t-en im Hause, den Heiligenbildern nicht unähnlich, welche man bei uns noch häufig in den Häusern des Landvolkes -antrifft.
Vermischtes.
Einen Mord, der vor über 20 Zähren begangen worden ist, ist die Staalsanwaltschaft in München auf der Spur. Zn Bernau befindet sich zurzeit wegen Mordverdachts, Raubs und anderer schwerer krimineller Verbrechen ein Mann in Strafhaft, der früher als Torfstecher in Aiedermoosen im Thimseegebiet gelebt hat. Zm Sommer 1902 hätte nämlich dort ein Gütler der vor einem Unwetter in einem Stadel Schutz gesucht batte’ folgendes Erlebnis: Ra-ch Anbruch der Dunkelheit schleppten drei Männer einen Mann in den Stadel. Der Gütler, der -sich im Heu versteckt hielt, will nun bemerkt haben, daß der Vierte entweder -erstochen oder erwürgt und seine Leiche in die Angrenzende Filze geworfen wurde. Zetzt -erst hat er die Staatsanwaltschaft von seinem Erlebnis in Kenntnis gesetzt, die nun Nachforschungen anstell 1.
Das Geständnis eines Sträflings. Zn Angouleme hat ein 60 Zahr-e alter Bäckereiarbeit-er, der dort seit einigen Zähren verheiratet war und als tüchtiger, braver Mann galt, plötzlich -in einem Anfälle von Malaria sich der Polizei als alter Sträfling aus Gugona -gestellt, der nicht weniger als viermal aus dem Gefängnis oder Zuchthaus entwichen war. Seine Geschichte -liest sich wie ein Roman. Zm Zähre 1886 war er als junger Mann zum ersten Male wegen Diebstahls zu fünf Zähren Zwangsarbeit in Aeu-Gale-doni-en verurteilt worden. Hier entwich er zum ersten Male, wurde in Paris bei einer Razzia entdeckt und 1899 zum zweiten Male -nach Reu-Ealedonien geschickt. Er entwich wiederum und wurde -abermals ergriffen. Zum dritten Male flüchtete er 1900 und entkam nach Venezuela. Dort war er -acht Zahre -lang Aufseher auf einer Pflanzung. Zufolge Erkrankung an M-alaria kehrte er nach F-r-ankreich zurück, wurde entdeckt und wieder nach Gugana zurücktranspor- tiert. Es gelang -ihm erneut, zu -entweichen und wieder in Venezuela Arbeit zu finden. Zm Zahre 1920 kehrte er nach Frankreich zurück, wo er seitdem als -ehrbarer Mann gelebt hat, bis er sich -jetzt selbst der Poliezi gestellt hat.
Ein Prozeß um ein ganzes Land. Es ist noch nicht ganz sicher, daß die Klage, die bei der amerikanischen Regierung von dem Zndi-an-ersta-mm der -Tschirokies-en a-n-g-estrengt -ist, auch zur Verhandlung kommt, handelt es sich -doch um nichts -weniger, als um die Rückgabe des gesamten G-eb-eit-es, das zwischen dem Tenn-esee, -dem Holston und dem Big P-ig-eon-Rio-er -liegt, um ein Gebiet also, das fünf Millionen Acres umfaßt oder nach Streichung aller Ansprüche, die etwa zweifelhaft sein könnten, 200 000 Acres besten Ackerlandes -einschließlich des Geländes auf dem heute die große Stadt Ehattanooga liegt. Außerdem haben sie eine Schadenserfatzrechnung ausgemacht, -die hundert Millionen Dollars -beträgt, so -daß, falls diese zur Auszahlung gelangen, auf jedes Mitglied des 700 Mann starken Stammes -mindestens 140 000 Dollars, -also etwa 600 000 Mark entfallen. Die Sache liegt nämlich so: Die -Tschirokiesen haben ursprünglich am Hiwas-Se-e -gewohnt, -als die Weißen immer -mehr nach Westen vordrangen. Das alles -liegt jetzt 150 Zahre zurück, aber die Tschirokiesen haben einen au,ßero An
walt, Zohn -Eaylor, einen Mischling, der
Blut in seinen Adern trägt und der sich mit größter ZnGlligon; und Hartnäckglkeit für ihre" AEprüche '-einsetzt. Ei: hat die Bibliothek und Archive durchschnüffelt und hat sein Material beisammen. Er beweist, daß mit den Zndianern eine ganze Reihe von Verträgen geschlossen worden ist, die nicht ein gehalten wurden, und zwar damals, als -die Grenzstaaten nicht Land genug hatten, um -ihre Ansiedler zu befriedigen. Der Staat Nord-Karolina sicherte in einem durch sein Parlament -bestätigten Verträge den Tschirokiesen ein bestimmtes Gebiet. 30 Zahre später mußte der Präsident der Vereinigten Staaten -(man schrieb 1817) wiederum mit den Tschirokiesen verhandeln. Nord- Kar olina hatte zwei neue Bundesstaaten gezeugt, Georgia und Tenessee und diese hatten Appetit auf das Tschirokies-enland. Georgia bildete Abenteu-rerbanden schlimmster Art, die den Tschirokiesen das Land -entrissen und Blutbäder unter ihnen a-n- richteten. Die -Znd-ianer prozessierten, gewannen, aber keiner fand sich, der das Urteil durchgeführt hätte. Tennessee handelte nicht ganz so rechtlos, indem es den -Tschirokiesen das Land abkaufte, mit der Ber-pflichtung, die früheren Bewohner in Oklahama unterzubringen. Auf dem Wege dorthin starben -mehr als neun Zehntel im Gebirge, in den Prärien, auf den Flüssen an Hunger und Kälte. Di-e Uebriggebliebenen flohen in die Wälder und bildeten eine ständige Gefahr. Zhre Nachkommen sind es, die jetzt -ihre Ansprüche vorm K-adi durchführen wollen. Zu einer Entscheidung ist -es noch nicht gekommen, -da man noch hinter den Kulissen verhandelt. Denn Eaylor weiß sehr wohl, -daß es nicht -leicht ist, das riesenhafte Gebiet, das er beansprucht, den Ön-bianern zurückzugeben und dabei eine ganze Stadt von 60 000 Einwohnern zu enteignen. Es handelt sich ja nicht um Zndlauer, sondern um weiße Männer. . . Er pocht dabei außerdem -noch -auf ein Gesetz, das der vorige Kongreß unter Hardings Leitung beschloß, wonach die Zndian-er berechtigt sind, Klagen auf Herausgabe von geraubtem -Land auch nach Eintritt der Verjährung anzustrengen. Zn Wirklichkeit handelt es sich -also um die Höhe der Entschädigungssumme, die der reiche amerikanische Staat, der ja an -anderen Stellen — wie man erst kürzlich las — bei -der Verteilung der Gelder für die Botschafter -äußerst sparsam ist, — sehr wohl bezahlen kann. Wenn man sich aber nicht einigen kann, dann -ist Taglor der rechte M-ann, um alle Mittel öffentlicher M-einungsm-ache, Pres se, Kino usw. im demokratischsten Lande der Welt für einen Rechtsbruch zu interessieren, der -einer der größten Se-nsations- proz-ess-e aller Zeiten ergeben würbe.
Eine eigenartige Zungfernbundspräsidentrn. Man sollte eigentlich annehmen, daß die Präsidentin eines Zu-ngfernbunde5 die Tugend mit Eßlöffeln gegessen hätte. Wie aber eine Behandlung gegen die 21 jährige Franziska W. vor dem Bericht in Innsbruck zeigt, ist dem nicht immer so. Sie hatte einem Kind das 2eben geschenkt, ohne bei der Geburt den nötigen B-eistan-d eines Arztes oder einer Hebamme zuz-uziehen, so d-aß -das Kind unmittelbar darauf starb. Als Motiv gab sie -an, -daß sie gefürchtet hätte, ihre Ehr-enstelle der Präsidentin des Zungfernbundes zu verlieren, wenn die Tatsache ihrer Mutterschaft bekannt würde. Sie wurde zu 14 Monaten schweren Kerkers verurteilt.
Sieben Personen in Amerika ertrunken. Zn Tornwall (O-n- tairo) sind beim Kentern eines Bootes auf dem St. Lawrence vier Männer, zwei Frauen und -ein Kind ertrunken.