Die Versuche, das nördliche Eismeer ?u befahren, reichen dis in das 16. F-ahrhuiidert zurück. Der englische Kaufmann Robert -Thorne war es, der im Fahre 1527 an Heinrich 6. von England ein Schreiben richtete und ihn bat, die Entdeckung des Nordens -in die Hand zu nehmen, da alle übrigen Länder schon von den Spaniern und Portugiesen ausgesunden morden seien. Der Vorjcyiag erwähnt schon die beiden Probleme, deren Lösung über drei Jahrhunderte in Anspruch nahm: die Nordost- und die Nordwestdurchfahrt. Der Aachfolger Heinrich 8., Eduard 6., sandte die erste Expedition zur Erforschung der nordöstlichen Durchfahrt aus. Sie endete mit einer Katastrophe; Mei der Schiffe froren schon an der Küste Lapplands ein, und die gesamte Besatzung kam um. Glücklicher waren die drei holländischen Expeditionen 1594 bis 1597 unter Wilhelm Barents. Die Bäreninsel und Spitzbergen wurden entdeckt und die Nordspitzs von Rowoja Semlja umsegelt. Reste des selbst- erbauten Hauses, in dem die Expedition 1596=97 überwintert hatte, wurden 274 Fahre später von dem norwegischen Polarforscher Tarifen aufgefunden.
Das 17. und das 18. Fahrhunde rt brachten keinen Fortschritt in der Auffindung -der Rordostdurchfahrt. Der österreichisch- ungarischen Expedition unter Pager und Wegprecht 1872 bis 74 gelang es zuerst nicht einmal, Nowaja Semlja zu erreichen, doch die unfreiwillige Treibfahrt des festgefrorenen Schiffes führte zur Entdeckung von Franz-Fosefs-Land. Endlich gelang es Aordenskiöld 1878-79 bei seinem dritten Versuch: Asien im Norden zu umfahren und in die V-eringstraße einzulaufen. — Die große Aufgabe war endlich gelöst, aber zugleich auch der Beweis erbracht, daß die „Nordostdurchfahrt" niemals als Handelsstraße in Betracht kam.
Auch der Versuch, die „Nordwestdurchfahrt" D entdecken wurde immer wieder unternommen, zum ersten Alal-e von dem Engländer Frobisher 1576. Bei einer dieser Expeditionen fand Sames Roß 1851 den magnetischen Nordpol auf Boothia Ze- tix. Dem Polarforscher Svanklin gelang es endlich 1845, die Nordwestdurchfahrt zu entdecken, aber alle 138 Eeilnehmer der Fahrt fanden bei King Williams-Land den Tod. Hum ersten Male umfahren wurde Nordamerika erst auf der Reise Amundsens 1905—1906.
Aon den Polarexpeditionen, die als Hi el den Nordpol selbst hatten, ist die tragischste die von de Long 1879—1881 (das Expeditionsschiff ,Veanette" wurde vom Eis zerdrückt), die berühmteste: die Jährt Nansens mit der „Fram" 1893—1896. Die Fram erreichte 85 Grad 57 nördl. Breite, Nansen drang bis 86 Grad 14 vor. Die Expedition des Herzogs der Abruzzen erreichte 1900 sogar 86 Grad 34. — Endlich gelang es Pearg, den Nordpol zu erstürmen. Als Ausgangspunkt für seine Schlittenreise wählte er Tap Columbia auf Grantland. Hier trennten ihn nur 720 Kilometer vom Nordpol, die er in 44 Sagen zurücklegte. Am 6. April 1909 hatte er ihn bezwungen.
Wir können bisher vier Stufen der Polarforschung unterscheiden. Auf der ersten Stufe stoßen die Schiffe im Sommer für kurze Heit vor und kehren im Herbste zurück. Die zweite Stufe gleicht einem Stellungskrieg. Die Forscher dringen zu Schiff so weit wie möglich vor, gehen, vom Eise eingeschlofsen, gewissermaßen in den Stellungskampf über, um zu Schiff oder auch mit Schlitten vorzutragen, bis der gefürchtete Winter sie wieder zum Stellungskampf zwingt. Bald erkennen aber die späteren Polarforscher, daß alle bisher offenen Wässer überbrückende Winter nicht ihr Feind, sondern ihr Verbündeter ist, und nun benutzen sie gerade den Winter zu ihren kurzen, aber schnellen Schlittenvorstößen.
Die vierte Methode ist von Stefansson ausgedacht und auf der kanadischen Expedition (1913—1918) erprobt worden. Stefansson hat in fünfeinhalb Satiren den Beweis erbracht, daß man im höchsten Norden „vom Lande leben" kann, daß has Polargebiet dem Menschen Nahrung, Kleidung, Wohnung (in Schneehäusern), Beleuchtung und Heizung (Fett und Eran) in Hülle und Sülle bietet. Stefanssons Methode nimmt der Polar forschung das Schrecknis, das uns noch aus Nansens „Sn Nacht und Eis" entgegenstarrt.
Nun hat die Stunde geschlagen, da die fünfte Methode erprobt worden ist von dem Manne, der am 14. Dezember 1911 den Südpol entdeckte, und der auch mit zu den erfolgreichsten Nordpolfahrern gehört. — Der Nordpol ist ein Punkt wie irgendein anderer im weiten Umkreis. Seine Bezwingung hat für die Polarforschung nicht die Bedeutung, wie die Ersteigung eines Bergriesen für den Bergsteiger. Möge es darum Amundsen gelingen, nicht nur den Pol zu erreichen, sondern auch das ganze, über 1000 Kilometer lange sogenannte Gebiet der Un- Zugänglichkeit zu überfliegen, dessen -geheimnisvoller Mittelpunkt etwa 650 Kilometer jenseits des Nordpols liegt.
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wb. Oslo, 23. Mai. Einem Telegramm der „Aorges Handes og Sjoefarts Erdende zufolge hat die ,Fram" die Fühlung mit der „Hobbg" verloren, die nicht mit drahtlosem Telegraph ausgerüstet ist. Die Mitglieder der -Expedition sind überzeugt, daß Amundsen glücklich zurückkehren wird. Es herrscht milde Temperatur. Die Flugbedingungen können als ausgezeichnet angesehen werden.
Aus der
Eine Strefemauns-Aede in Stuttgart.
wtb. Stuttgart, 22. Mai. Bei dem Seltbankett, das gestern abend im Rahmen der Herrlichkeiten des Deutschen Auslandsinstituts stattfand, sprach Außenminister Dr. Stresemann. Stresemann rühmte geradezu begeistert die vaterländische Ereue derer, die vor Jahrzehnten auswanderten, weil sie der dMastischen Engherzigkeit und Herrissenheit mit ihrer Sehnsucht nach deutscher Einheit weit vorausgeeilt seien. Er pries dann die Heit, wo die Persönlichkeit in der Wirtschaft noch -Geltung hatte. „Fch komme", führte er dann weiter aus, „uoer die Empfindung nicht hinweg, daß diese Heit besser draußen als drinnen war, die Heit, wo der Begriff Unternehmer mit dem Begriff Mensch und Persönlichkeit identisch war, wo man uns beneidet hat um unserer Entwicklung zur Weltwirtschaft willen. Denn es sind nicht Syndikate und Trusts gewesen, sondern es war der Einzelkaufmann, der hlnausgipg in die Welt, der nicht
hinausging, um Geld zu verdienen, sondern für den Begriff Lebensarbeit identisch war mit dem Begriff: größer zu machen, was er vom Vater ererbt hat. Das ist der große kaufmännch.he Idealismus der Einzelpersönlichkeil. Das waren die Menschen die man in per ganzen Welt fand, die den Boden gepflügt haben auf dem einst die Früchte der deutschen Wirtschaft erwachsen sind. Sür die Menschen draußen wie für die hier drinnen gekört innerlich viel mehr wahre Vaterlandsliebe dazu, sich zum Deutschtum von heute zu bekennen wie zum Deutschland der Vergangenheit. Wer in dieser Heit nicht ein Stück Glauben in die Hukunft im Herzen hat, der ist selbst aufgegeben, und wer an ein Weltgewissen glaubt, der wird sich sagen dürfen, daß die Welt uns eine Wiedergutmachung schuldig ist. Wir haben Keinen Grund, mit gesenktem Haupt durch die Welt zu gehen. Auf uns lastet nicht mehr moralische Schuld als auf irgendeinen anderen Volk. Vielleicht hat die Not erst uns aneinandergeschmiedet und aus dieser Not das eine herausgeholt, das große Empfinden für die deutsche Kulturgemeinschaft. Wir brauchen eine Synthese zwischen dem alten und dem neuen Deutschland. Glauben Sie mir, rief er den Ausländsdeutschen zu, andere Völker die weniger ruhig sind wie wir, hätten -ganz andere Erschütterungen erlebt als die wir in Deutschland erlebt haben. Es ist ein Heichen für den Hukunftsglauben, den wir haben, daß in dieser geschichtlich kurzen Heit das deutsche Volk und das Deutsche Reich sich so konsolidiert haben. Es war -nicht einfach, die Einheit zu erhalten. Das, was wir erhalten. haben, ist ein Heichen dafür, wie politisch reifer das deutsche Volk geworden ist. Wir müssen mit dem Wenigen, -was uns möglich ist, in praktischem Husammenwirken für das wohlverstandene F nte resse der Nation auch den Deutschen draußen helfen. Wir hoffen auf die gute deutsche Hukunft. t ,
Hindenburg in Hannover.
Reichspräsident von Hindenburg ist in Begleitung seines Sohnes in Hannover eingetroffen, wo er einige -Tage verweilen wird. Er wird am Sonntag in Hannover der schon seit längerer Heit vorgesehenen Ehrung des Deutschen Rennsports beiwohnen und den Siegern in den Hindenburg-Rennen die Ehrenpreise überreichen. Sodann will der Reichspräsident die mit seiner endgültigen Uebersisdelung nach Berlin verbundenen Privatangelegenheiten an seinen bisherigen Wohnsitz regeln. Außerdem wird er bei der Tause seines jüngsten Enkels auf dem Gute des Herrn- v. Pontz im L-ünneburgi scheu zugegen sein. Am Morgen vor seiner Abreise hat ihm der finnische Sänger- chor Soumen laulu im Park des Reichspräsidenten ein Ständchen gebracht. Dabei wurde ein finnischer Marsch, die finnische Nationalhymne und das Deutschlandlied von dem Thor gesungen. Durch den finnischen -Gesandten, Dr. Holmer, ließ sich der Reichspräsident den Dirigenten vorstellen und unterhielt sich mit den einzelnen Sängern, die größtenteils der deutschen Sprache mächtig sind. Kurz vor seiner Abreise empfing der Reichspräsident um die Mittagszeit noch eine Abordnung der Saarländischen Bevölkerung, bestehend aus vier Herron, darunter Kommerzienrat Hermann Röchling aus Völklingen. Die Herren überbrachten Hindenburg die Glückwünsche des Saargebietes zu seiner Wahl, worauf ihnen der Reichspräsident herzlichst dankte und die besten Wünsche für die Saarländer übermittelte.
Hwecklose Gnadengesuche an Hindenburg.
Das Bureau des Reichspräsidenten teilt mit: Bei dem Herrn Reichspräsidenten läuft täglich eine große Anzahl von Gnadengesuchen ein, für deren Entscheidung der -Herr Roichs- präsident verfassungsgemäß nicht zuständig ist. Es wird daraus hingewiesen, daß das Gnadenr-echt dem Herrn- Reichspräsidenten nur in den Süllen zusteht, in denen ein Gericht des Reiches, also -das Reichsgericht in erster Fn-stanz, der Staatsger-ichtshof, ein außerordentliches Gericht, ein Militärgericht oder ein Reichs disziplinargericht das Urteil gestellt hat. Jn der weitaus größeren Anzahl von Süllen, in denen Gerichte eines Landes, wie Schöffengericht, Strafkammer, Schwurgericht Recht gesprochen haben, steht das Gnadenrecht der in Stage kommenden Landesregierung zu. Gnadengesuche, die hiernach unzuständigerw-oise bei dem Herrn Reichspräsidenten einlaufen, werden ohne Stellungnahme an die Justizministerien der Länder abgegeben. Die Einreichung bei dem Herrn Reichspräsidenten bedeutet lediglich einen Mecklosen und zeitraubenden Umweg, den zu vermeiden im önte reffe der Gesuch heller, wie der Behörden liegt.
Die kommende Völkerbuudstagung.
wtb. London, 23. Mai. Der diplomatische Berichterstatter der „Daily Telegraph" meldet, die Tagesordnung der kommenden Sitzung der Völkerbundsversammlung, der Chamberlain wieder beiwohnen -werde, fei so gut wie vollendet. Jn der Bestätigung oder vielmehr Verabschiedung -des Berichts der Mufsulkommisfion enthalte sie wenig Punkte von politischer Bedeutung. Es seien nur drei Fragen vorhanden, die vielleicht zu lebhaften MLinungsversch-iedenhe-iten führen werden. Von diesen beziehe sich die -erste auf die Funktion des Völkerbunds- ausschuffes, der in Hukunft die Beaufsichtigung der Rüstungen in den vormals feindlichen Ländern durchführen soll; die Frage, ob von diesen Ländern nicht verlangt werden könne, Gesetze anzunehmen, die dafu bestimmt seien, den Entscheidungen des Völkerbundes Wirksamkeit zu verleihen, und -das Problem der Sanktionen im Falle von Verzug seitens der beaufsichtigten Staaten. Insbesondere -die Frage, ob eine einmütige Stellungnahme des Völkerbundsrates zu diesem Hwecke notwendig sein werde, werde ebenfalls zur Erörterung gelangen. Die zweite Frage sei die der geplanten entmilitarisierten RheinlandDne. Aber die britischen Delegierten würden vielleicht vorschlagen, daß jede Erörterung darüber verschoben werde bis das -Ergebnis der interalliierten Verhandlungen über den Pakt mit Deutschland feststehen. Die dritte Frage betreffe die Abgrenzung des Danziger Hafenbezirks, -wo, wie der Haager -Weltgerichtshof beschloß, die Polen berechtigt sein würden, einen eigenen Post- und Eelegraphendienst zu -unterhalten. Der Berichterstatter will erfahren haben, daß, um neue Schwierigkeiten zu vermeiden, der Völkerbundsrat Übereinkommen werde, daß das Danziger Hafengebiet das Gebiet umfassen solle, in dem Polen vor drei Monaten die Briefkästen angebracht habe. Der Korrespondent meldet außerdem, daß Lord Robert Cecil, wie verlautet, Groß- britamen auf der nächsten Vö Ikerb undsversammlung in Genf vertreten werde. Chamberlain werde nur für kurze Heit -erscheinen, während er Großbritanien weiterhin im Völkerbunds- rate vertreten werde. ' . - •
General French H
London, 22. Mai. (Reuter). Feldmarschail Lord v of Apres ist gestorben. Feldmarschall Sir Sohn Denton W stone French, First Earl of Apres, geboren am 28. , 1852 in Nipple Bale bei Kent, ist als der Oberbefehls?' r über die englischen Truppen in Frankreich und Flandern • > ersten beiden Fahren d-es Weltkrieges auch in Deutfchia? konnt geworden. Er war es, der die Schlachten bei " und St. Quentin verlor und der Antwerpen den DeutT k $ räumen mußte. Auch -in den Kämpfen bei Apern, Festube f " Aieuwe-Ehapolle hatte er keine glückliche Hand. §0 im Dezember 1915 abberufen und ihm zum 'Croft Dom V Rang eines Ciscount of Apres verliehen. French aus einer alten Soldatenfamilie, trat -jedoch nach län^* Dienst -in der Marine erst 1874 in das Heer ein, wo bis zum Generalmajor vorrückte, nachdem er den Sudan-F^ Zug 1884—1885) mitgemacht und sich im Feldzug ,ge,gein / Buren wiederholt durch seine geschickte Führung ausgezeuhut hatte. Mährend des südafrikanischen Feldzuges war er Generalleutnant ernannt worden und wurde 1907 Generalch- spektor der Seftungen und bald -darauf Ehef des Gen-eral- stabes. Nachdem er schließlich zuletzt das Oberkommando über die gesamte Armee innegehabt hatte, schied er im März 19)4 infolge der sogenannten Ulster-Rebellion, bei der Offiziere den Gehorsam zu verweigern drohten, aus dem aktiven Dienst, allerdings im August 1914 wieder an die Spitze der englischen Flandern-Armee berufen zu -werden. Nach seinem wenig rühm, lichen Abgang wurde er im Februar 1916 zum Leiter der Lust- verteidigung und zum Feldmarschall ernannt. Sm Mai 1915 erfolgte dann seine Berufung zum Vizekönig von Srland, wo er jedoch auch wieder wenig Glück hate, da es ihm -nicht gelang, trotz des scharfen Borgehens der englischen Truppen, Ruhe und Ordnung wieder -herzustellen. Er trat daher im April 1921 auch von diesem Amte freiwillig zurück. Huletzt hörte man im Mai 1923 von -ihm, als er mit einer englischen Militärkoni' Mission -das von Rumänien annektierte Bessarabien besuchte.
Aufruhr in Persisch-Turkmenistan.
wb. Loudou, 23. Mai. Laut „Daily Telegraph" sind ans Teheran beunruhigende Berichte eingetroffem. Fm persischen Curkmeniften sei -die Note Fahne gehißt worden. Der Aufstand gegen die -Teheraner Regierung nehme einen großen Umfang an. Von Moskau aufgestachelt und von Sowjetunionisten unterstützt, forderten bie persischen Turkmenen von Teheran dieselbe Autonomie wie sie die russischen -Turkmenen von Moskau erhielten. Das persische Heer sei schwach -und schlecht ausgerüstet.
Sturmopfer m den Vereinigten Staaten.
wb. St Louis, 23. Mai. Bei Stürmen, die zwischen Ohio und Eolorado wüteten, wurden eine größere Anzahl Menschen getötet. Bisher wurden sechs Todesfälle bestätigt.
Aus Stadt und Land.
St. Urbau am 25. Mai.
uldq, den 23. Mai
Urb anstagl
Wer weiß heute noch etwas von ihm, wer kennt seine Bedeutung? Fm-merhi-n schwinden im Laufe der Fähre alte, schöne deutsche Sitten und Gebräuche. Vielfach leben sie wenigstens nach in dem allgemeinen Sprachgebrauche weiter, ohne -daß sich das jüngere Geschlecht dessen noch bewußt wird Fhnen ist M vielen Fällen nicht nur ein -Teil der Poesie des Volkslebens, sondern für unser gesamtes Volk ein gut Stück seines eigensten Wesen dahin. Wie oft ist nicht der Schäfer mit seiner Herde und bas schnurrende Spinnrad besungen worden. Eine der Hauptbeschäftigungen der deutschen Mädchen unb Frauen war einst das Spinnern Fn den traulichen Spinnftuben, wo man zu gemeinsamer Arbeit und froher -Geselligkeit zusammenkam, ent" wickelte -sich ein edler Wettstreit. Trefflich läßt die Volkspoeste jenes mythische Wesen, das sie bald Frau Holle, b-aldPerchta, bald Were nennt, die Arbeit der Spinnerinnen beobachten, dre fleißigen Spinnerinnen belohnen und die trägen strafen. Neben dem „fchneedichten Lein", von dem Schiller fingt, spannen die Frauen die „schimmernde Wolle", und diese wiederum lieferte mit seiner wohltrag-enden Herde der off im Liede verherrlichte Schäfer. Der Schäfertag -nun ist St. Urbanstag, der 25. Mai. Der Schutzpatron der Hirten und Schäfer ist der Heilige Urban, der erste der acht Päpste dieses Namens, der von 223 bis 250 den päpstlichen Stuhl inn-ehatte und als Märgtrer gestorben fein soll. Noch vor etwa mehr als einem 'Menschenalter, wo man schalkhaft von gewissen, namentlich norddeutschen Gauen -noch sagen konnte, daß es in ihnen mehr Schafe als Menschen gab, war der Schäfer eine zwar oft gehänselte, aber doch wichtige P-ersönlichkeit, von der bas Gedeihen der iS^” Landwirtschaft in erster Linie abhing. Ein eigens«^ sicher Reiz liegt in der -Schäferpoesie. Da, wo in unserer noch Schafzucht getrieben wird oder man in den letzten Fabre zu ihr zurückgeke-hrt ist, erinnert noch heute der Urbanstag a Schäferziehtag an die einstige Glanzzeit bes feit Homers e vielbesungenen „göttlichen“ Hirten. St. Urban ist auch M m der Patron der Winzer. Hahlreich-e Bauern- und Wetter reg-e^ zeugen von der Bedeutung dieses Heiligen für -Winzer u Landmann: „Urban Nachtfrost gibt den Rest, roenn bei i (13. Mai) noch was übrig läßt". — „Wenn es am St. banstag regnet, verliert jede Aehre ein Korn". Winzer Bauern wissen wohl, daß Nachtfröste auch verspätet kom können und bann um so größeren Schaden aimalten, aveu- schon in die Blütezeit der Neben und bes Kornes J ^ „Danket St. Urban dem Herrn, er bringt dem n Kern". Solche alte B-au-ernweisheit spricht von dem ^t und Ansehen und dem -davon a-b-hängenden -Ged-eihen ^ unb ist zugleich ein poetischer Ausdruck des frommen ^<4 des tiefen -Gemütes unserer Vorfahren. St. u Schäfertag! Winzertagl Wer erfaßt heute noch LL « tiefen Fnhalt dieser Worte? Nur noch -Erinnerung -entschwundene Feiten! Aber leider bedeutet es m--ehr. seit langen Fahren ist in einem Teil unseres Volkes ein J ^.^ Geist eingezogen, -der in vielen Stücken dem deutschen § widerspricht, ja der sich lustig macht über das, was der ) Mann liebt und treibt auf volkstümliche Sitte -und 001 ^
lichen Brauch von oben herabschaut und die unschuldige zerstört, die sich jahrhundertelang wie ein roter Foden die mühselige Niltagsarbeit bes gemeinen Mannes lM^-g