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Aus der ZagesgeWiKte.

Wittenburgs Einzug in Berlin.

Nicht wie wir es gehofft hatten und wie er und sein bra­ves Heer, das Volk in Waffen, es verdient hätten, ?og Hinden­burg an der Spitze siegreicher, lorbeergekrönter Truppen in ein von Begeisterung und stolzer Sreube erfülltes Berlin ein. Aber am Montag werden wir ihn dennoch festlich einholen und empfangen. Der greise Marschall wird, so sehr es seinem schlichten Sinne widersprechen mag, einen Triumphzug halten, wie wir seit 1871 keinen mehr erlebt haben. Mit vollstem Recht denn aus drei Gründen gebührt ihm der farbenprächtigste Kranz. Als dreifacher Sieger zieht er ein. Er hat den über­mächtigen Gegner bei Tannenberg und in unzähligen anderen Schlachten, deren ruhmvolles Gedächtnis nie erlöschen wird, überwunden. Er hat sein eigenes Wünschen bekämpft und zu­rückgedrängt und sich dem Vaterlande, das ihn brauchte, wieder zur Verfügung gestellt. Er hat als erster seit langer, langer oeit die deutsche Zwietracht zu unterdrücken gewußt und Tau­sende und aber Lausende deutscher Männer und Frauen, die sich sonst grimm befehdeten, in seinem Namen geeinigt.

Kein Wunder, daß die Herzen aller, denen'das Vaterand über die Partei geht, höher schlagen bei dem Gedanken, daß über eine kurze Weile der geehrte und geliebte Held seinen Einzug in die Reichshauptstadt halten wird. Daß Ungezählten der Tag seiner Ankunft einen Zreudentag, einen lichten Schim­mer in dem auf uns lastenden Dunkel bedeuten wird. Daß Berlin mit aufrichtiger Herzlichkeit den Mann begrüßen will und begrüßen wird, der als unser bester und erster Bürger von nun an in unserer Mitte weilen soll.

Heiße Wünsche für sein Wohl, das untrennbar ist vom Wohle Deutschlands, fliegen ihm entgegen, tausend innig em­pfundene Gebete steigen für ihn zum Himmel auf. Wird nur ein kleiner Bruchteil von ihnen durch ein gütiges Geschick er­füllt, dann wird das Reich wieder größer und mächtig werden und ein glückliches und zufriedenes Volk schirmen.

Tausendmal willkommen sollst du uns sein, Marschall und Reichspräsident. Wir wissen, daß wir wieder einen Führer haben, zu dem ein jeder ein Vertrauen hat, das politische Ge- schäftsmacher nie und nimmer rauben können. Sei gegrüßt, und alle guten Geister Deutschlands mögen mit dir sein!

(So schreibt der BerlinerTag". Wir haben an diesen schönen Worten weder etwas hinzuzusetzen, noch fortzulassen. Red. derH. M. Z.")

Hannover ehrt seinen großen Bürger.

Hannover, 8. Mai. Als erste Huldigung für den neuen Reichspräsidenten und gleichzeitig als Scheidegruß für den Eh­renbürger, der in wenigen Tagen die Stabt zum Antritt des höheren Amtes verläßt, brachte die Bevölkerung Hannovers gestern abend dem Generalfeldmarschall einen Fackelzug.

Vor dem Hause des Feldmarschalls in der Leelhorststraße hatten zwei Musikkapellen Aufstellung genommen, die ab­wechselnd den Borbeizug mit Marschmusik begleiteten. Als pünktlich um einhalb 9 Uhr die Spihe des Fest zuges in die Seelhorststraße einbog, erschien Hindenburg im schwarzen Rock pnd Qylinber auf dem Balkon seiner Villa, von wo aus er um­ringt von seinen Angehörigen und den Herren, seiner näheren Umgebung, den Vorbeimarsch abnahm. Die Beteiligung aus allen Schichten und Kreisen der Stabt war ungeheuer, Hannover dürfte eine Kundgebung solchen Ausmaßes noch nie erlebt ha­ben. Man kann sich davon einen Begriff machen, wenn man sich vorstellt, daß in Gliedern zu acht Mann der Vorbeizug weit über zwei Stunden dauerte, bis er am Hause des Feldmarschalls vorüber war. Die Studentenschaften der Technischen und der Tierärztlichen Hochschule mit ihren Bannern eröffneten den Zug die Thargierten in Vollwichs. Es schlossen sich dann in bunter Folge Vereine und Verbände, Schulen und Snnungen aus Han­nover Stabt und Land an; die Vaterländischen Verbände mit sehr starker Mannschaft bildeten den Abschluß. Die Innungen waren zum Teil in ihren Berufstrachten erschienen und führten prunkhafte Wagen mit symbolischen Grüßen aus allen Hand- werkszweigen mit sich.

Geben vorbeimarschierenden Bannerträger grüßte der Feldmarschall durch Abnehmen des Hutes. Brausende Hoch- und Heilrufe tönten zu ihm empor. Die An- und Abmarsch­straßen säumte die übrige Bevölkerung Hannovers in dichten Massen, und jubelte begeistert den Vorüberziehenden zu. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es nicht gekommen, trotzdem die Kommunisten vorher versucht hatten, zu einer Demonstration aufzuruf.en

Heraus zum Kamvft!

Wenn imTannhäuser" der, von Leidenschaft zerwühlte Heinrich immermehr in Sinnenlust verfällt, wenn die Dämonie des Hörselberges erneut von ihm Besitz ergreift, dann wird es, nachdem der ideal empfindende Wolfram, der friedfertige Wal­ter im Sängerkrieg vergeblich ihre Stimmen erhoben haben, selbst dem grauhaarigen Biterolf zuviel. Heraus zum Kampfe mit uns Allen. Wer bliebe ruhig, hört er dich" Jo donnert er dem Gegner zu!

Wahrlich, mit guten Absichten kam der Schreiber dieser Zellen in diese alte Bonifatiusstadt! Er glaubte fest, daß sich hier ein Modus vivendi zwischen den beiden hiesigen Zeitungen würde finden lassen. Gft doch Fulda groß genug mit seiner dichtbevölkerten Umgebung, um zwei Zeitungen Raum zu geben. Zum Beispiel, in Landsberg a. Warthe, so las ich dieser Tage imZeitungsveriag" bestehen jetzt 5 Zeitungen. Unb Landsberg hat nur einige Tausend Einwohner mehr, und bei wei­tem nicht das Ausdehnungsfeid in der Umgegend wie Fulda.

Aus gänzlich u n ch r i st l i chen, den Grundsätzen der Bibel Hohn sprechenden Ursachen entspringt der widerwärtige Konkurrenzkampf, -den die ,Fuldaer Zeitung" gegen dieHes­sische Morgenzeitung" führt. Sie verschweigt sogar mit kon­stanter Bosheit stets unseren Zeitungstitel in ihren Er­güssen um nur nicht etwa Reklame für unser Zeitungsorgan zu machen. Es scheint als ob die Bibelstelle von dem armen Manne, der sein einziges Schäfchen hergeben soll, während der

Reiche seine große Schafherde bi "rt, in der Redaktion der Fuldaer Zeitung" nicht bekannt sei, obschon similia simi- libus die große Schafherde hier gar kein so übler Vergleich ist. DieFuldaer Zeitung" sieht sehr wohl unsere steigende Entwicklung, daher der heftige Kampf, aber sie mißgönnt uns jeden einzelnen neuhinzukommenden Abonnenten, obschon sie ru­hig noch weiterexistieren könnte, wenn wir nur die Hälfte ihrer Abonnentenziffer hätten. Sst ein solcher Brodneid christlich? Und lediglich dieser Reid i st die T r i e b f e b e r aller ihrer Handlungen gegen uns.

Wir ließen uns den Konkurrenzkampf gefallen, würde er nur auf anständige Weise geführt. Aber in dieser Form! Wenn man irgend eine Auslassung derFuldaer Zeitung" über uns zur Hand nimmt, muß man an den Ausruf Bassanios Portia gegenüber denken:Hier stehen ein paar so unangenehme Wor­te, als je Papier befleckten. Sst das die Art, einen ehrlichen, journalistischen Kampf zu führen? Mir persönlich waren immer solche ^ournalistenföhden verhaßt. Zournalistengezänk gehört nicht in die Zeitungsspalten. Das Publikum ist dabei entweder der tertius gaubens oder aber es ärgert sich. Als ich 1905 was ich mir als besonderes Verdienst anrechne, in Wiesbaden nach fast halbjähriger mühevoller Arbeit, endlich die vier damals dort bestehenden Tageszeitungen unter einen Hut brachte und den Verein Wiesbadener Presse" ins Leben rief, da hatten wir die wahrhafte treuga bei, den journalistischen Burgfrieden erreicht. Das Publikum wurde nicht mehr mit Gournaliftengejänk ange- ödet, wir hatten andere idealere Aufgaben. Friedlich saßen an den Vereinsabenden die Berufskollegen beinander, den verschie­densten politischen Richtungen angehörig, tauschten Erfahrungen und Kenntnisse aus, und wahrten ihre Berufsinteressen!

Bitter habe ich mich getäuscht, als ich glaubte, ein solcher Zustand sei auch hier in Fulda möglich. Mit Begeisterung stritt ich dagegen, als man mir die Unmöglichkeit hierfür gerade in dieser Stabt, demonstrieren wollte. Geht sehe ich es ein, daß die Kenner der hiesigen Verhältnisse Recht behalten haben. Geh hatte die persönlich werdende Kampfesweise der beiden hiesigen Zeitungen nicht gebilligt, und mir vorgenommen, nicht a n - z u g r e i s e n, was ich auch ausdrücklich in der beratenden Kon­ferenz vor meinem Engagement betont habe. Ohne jede Ver­anlassung wurde ich, noch ehe ich hier warm geworden war, in einer versteckten Briefkastennotiz in Nr. % bereits als Schmock" bezeichnet, ja sogar als Revolverjournalist und Bierzeitungsredakteur. Allein, weil unsere Abonnentenzahl seit I. April um 25 Prozent ^genommen hat. Geh habe diese M- verschämten Anspielungen im Briefkasten derFuldaer Zeitung" bisher des lieben Friedens halber, unbeachtet gelassen, darauf wurde ich in Nr. 98 derFuldaer Zeitung" abermals .Schmock" genannt und des journalistischen Diebstahls und des falschen oeugnis wider den Nächsten bezichtigt. Geh wäre neugierig was das Schiedsgericht unseres Verbandes der deutschen Presse in Berlin dazu sagen würde, wenn ich es anrufen würde. Schmock ist in dem unsterblichen LustspielDie Journalisten" ein jüdischer Mitarbeiter der ZeitungEoriolan, der erklärt ich kann schreiben rechts, ich kann schreiben links". Ganz abgesehen davon, daß eine Beschimpfung mitSchmock", der ja israelitischen Glaubens ist, einem Blatt wenig ansteht, das mit seiner Semitenfreundschaft prahlt, ist es einfach lächerlich, wenn sich Berufsjourn allsten mit solchen Ausrufen kommen. Der Berufsjournalist hat seine persönliche politische Anschauung dem Kurs des Blattes uuterzuordweu, das er redi­giert. Geh kann aber demBriefkastenonkel" der ,Fuldaer Zei­tung verraten, daß ich einemextrem rechtsgerichteten Blatt" nicht dienen würde, da sich meine Politik von der Häkenkreuz- lerischen Richtung weit entfernt. Es ist somit eine bewußte Irreführung!, wenn in Nr. 95 der ,Fuldaer Zeitung" gesagt wird daß in derHessischen Morgenzeitung" jetzt nur die extrem rechtsgerichtete Seite das Wort führt". Extrem rechts Gerich­tete, das sind die Deutschvölkischen! Geh versichere hiermit auf Ehre und Gewissen daß sich zur Zeit, als ich den Abschluß mit derHessischen Morgenzeitung" einging, im Aufsichtsrat kein Nat. Sozialist befand. Geh würde sonst das Engagement nicht eingegangen sein. Freimütig habe ich auch in der Berichter­stattung über den Rednerabend am 22. April erklärt, daß die Hess. Morgenzeitung" sich mit den Ausführungen des deutsch­völkischen Redners nicht einverstanden erklären könne. Na­mentlich wird dieHessische Morgenzeitung" niemals denA n - tifemitismus der Deutschvölkischen teilen. Gm Gegenteil, wir haben immer und immer wieder betont, daß wir mit unseren israelitischen Mitbürgern in Frieden leben wollen, ebenso wie mit den Katholischen! Und wir wissen wohl einen Unterschied zu machen zwischen der jetzigen Zeitungspolitik und der katholi­schen Welt. Das Ganze ging auch nur darauf aus, uns bei den israelitischen Mitbürgern in Mißkredit zu setzen und uns die Inserate derselben abzugraben. Dabei erklärt dieFuldaer Zeitung" selbst in ihrer Nr. 82 die Geschichte von der Ringle­gende die der Freund der Guben, Lessing, vorbringt für eine schwe reGrrlehre. Sie wendet sich also bewußt aus ihrer angebli­chen Semitenfreundschaft heraus gegen das Kronzeugnis Lessings der dem fast ältesten Religionskultus der Guben in seiner Ring- erzählung inNathan der Weise" volle Gerechtigkeit wider­fahren läßt. Wir aber haben uns auf den Standpunkt Les­sings durchaus gestellt und damit bekundet, daß wir keine Anti­semiten sind. Was soll also der alberne Vorwurf der Guben- hetze, den uns dieFuldaer Zeitung" in ihrer Nr. 94 macht?

War die in Nr. 98 der »Fuldaer Zeitung" erwähnte Pa­rität anbelangt die bei Besetzung in den hiesigen Verwaltungs­stellen vorherrschen soll, so sind die Behauptungen der ange­zogenen Zeitung ebenso wenig wahr wie die auf Herrn Stabt­rat Fleckhinzielenden, was seine Wahl in das Stadtratskollegium betrifft. Wo bleibt die Parität, 1. wenn am Wasserwerk, Gaswerk, Rechnungsamt, Kanzlei, Registratur, Wohlfahrts­amt, Stadtkasse, Stadtsekretariat, Mietseinigungsamt, Woh­nungsamt, Bauamt, Meldeamt, Steueramt, Standesamt, städti­sche Sparkasse, Armenkasse, Schlachthof, Friedhöfe, Kläranlage, Stabtgärtnerei, Polizei mit Sekretariat zusammen 21 Aemtern mit zirka 134 Beamten, nur zirka 15 evangelischer Konfession sind? Gn sämtlichen Aemtern, außer Gaswerk, wo 2, Kanzlei 1, städtische Sparkasse 4 und Schlachthof 1 Beamter evangelisch sind, sitzen lediglich Beamte und Angestellte katho­lischer Konfession. Nur bei der Polizei sind von 28 Beamten 10 evangelischer Konfession. Und zwar nur deshalb, weil ka­tholische Bewerber für die unteren Stellen weniger vorhanden waren. Von den oberen Beamtenstellen der Polizei ist auu, nur eine mit einem evangelischen Beamten besetzt. Das nennt die «Fuldaer Zeitung" also Parität, wenn bei fast einem Drittel

w:V",i.e Stoblbevölkerultg nur c .nb 11 Prozent ve -- Bermten coangelischer Konfession sind. ' 1

Ebenso leicht, wie die unrichtige Paritätsbehauptuno «nx bie übrigen Anwurfe, die in der Fuldaer Zeituna" Inseratenteil der Nr. 105 sich befanden zurückzuweisen sind von den beiden persönlich angegriffenen Werren nicht autorisiert, auf dieErklärung des QlrbeitsausfcbuHot x deutschen Zentru nspartei im Reg. Bez. Lasse! und Wald zu aiitworteii. Die beiden Herren wer' en sicherlich in aphri/1* der Weise auf die Erklärung hin ihre Gegenerklärmio

Was den Wahlkampf anbelangt, den dieFuldaer tung gegen den Reichsblock sachlich und anständig apfün haben will, während der Reichsblock, wie die Fuldaer Vf weiter behauptet, sich rücksichtslos der Zweifelhaft^^,, bedient haben soll, so wäre es lächerlich, auf solche aMurb 6 Beschuldigungen auch nur mit einem Worte zu erwidern Jere ruhig, fachlich und vornehm gehaltene Polemik ist aus politischen Artikeln ersichtlich, die von der jetzigen tung redigiert worden sind. Hub nur ein Fall: Fm Abort Männer am Paulustor war bis einschließlich Montag b\Pr Woche die Sudelei noch zu sehen, die wir am Montag nach ? Wahl rügten. Erst seit Dienstag dieser Woche ist sie notdürf­tig ausgelöscht. Wir aber hatten schon am 26. April in ei^ Lokalnotiz darauf hingewiesen in der wir unsern Abscheu über die Besudelungen der Marx-iWahlplakate ausbrücken, daß man auch in derFuldaer Zeitung" die Beschimpfungen bie man Hindenburg auf diese Weise antat, rügen möchte. Nichts P geschehen. Man hat im anderen Lager kein Wort der Verur­teilung für den elenden Kerl gefunden, der auf dem Abort der doch sicherlich auch paritätisch besucht wird dem Rhichspräsideii.- teu eine IGnJchrift setzte, die da lauteteReichspräsident Winzen­burg, der iGbiot, der Volksmörder". Volle acht Tage lang stand das in der Bedürfnisanstalt am Paulustor zu leisen, wH» rend in dieser städtischen Anstalt sorgfältig alle obskuren, eroti­schen Anschriften weggeputzt werden, wie dies ja nur zu loben ist Eine solche Beleidigung des Neichspräsidenten, auf bie min­destens zwei Gahre Gefängnis als Sühne gefetzt sind, ist dies etwa ein sachlich und anständiges Mittel im Wahlkampf, oerehr­licher Arbeitsausschuß der deutschen Zentrumspartei im Arg. Bezirk Tassel und Waldeck?

Wir aber glauben durch unsere heutige Auslassungen be­wiesen zu haben, werder Karnickel" war, der angefangen hat. Es ist einfach eine Unwahrheit, wenn behauptet wird,daß die Fuldaer Zeitung" fast völlig auf jede Erwiderung verzichtete". Die Schriftleitung derHes. Morgenzeitung" hat mit Lammer- gehlâ seit dem 1. April die Anwürfe der .Fuldaer Zeitung" ertragen und darf auf sich wohl mit Recht das Schillerwort an- wenden:

Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt! G. G.

Aus Stadt und Land.

Fulda, den 9. Mai 1925.

Die drei gestrengen Herren. Wenn -der Mai im merWchZ**** Blütenschmucke prangt, Nachtigall und Drossel singen unbf die Sonne abends ungern von der Allmutter Erbe Abschied nimmt, dann erscheinen gleich bösen Geistern diedrei gestrengen Her­ren": Mamertus, Pankratius und Servatius. Am 11., 12. und 13. Mai entscheiden sie nachts über Leben und Tod in der Na­tur. Sie sitzen mit totenbleichen Gesichtern auf einem eiskri­stallenen Throne. Ein Mantel aus Rauhreif hüllt ihre star­ren Glieder ein. Kalt sind ihre Augen, und mit eisigem Hauch verkünden sie das Todesurteil. Vom frostigen Pfeil getroffen, Hegen die jungen Blumen und Blattpflanzen am Morgen schwarz und glitschrig am Boden. Sie, die von Menschenhand mit liebender Sorgfalt gehegt und gepflegt wurden, die das Herz mit Freude erfüllten, sind tot oder zu langem Siechtum verur­teilt. Alle Hoffnungen auf Blühen und Gedeihen, Frucht und Ernte sind zerstört.

Die drei gestrengen Herren halten ein strenges Gericht, lassen sich ein Sustizverbrechen zu Schulden kommen, denn unschuldig ist die junge Natur. Wußten es die Blumen in Süddeutschlaud daß es böser Feind im Anzuge ist? Sie haben sich beeilt, früh­zeitig zu verblühen. Vergebens kommen die drei Eismänner, um ihr grausames Werk zu verrichten. Auch in Norddeutsch' land können sie nicht immer ihr hartes Urteil vollstrecken, Die Natur wartet dort meist mit ihrem Srpießen und Blühen, bis alle Gefahr vorüber ist. Aber in Thüringen und Mittel- deutschland kommen die drei gestrengen Herren fast immer zur rechten Zeit und zeigen, was sie können. So ist es schon vor- gekommen, daß weite Strecken einem großen weiten Totenfeide glichen. Nicht mit Unrecht sagt daher in diesem Falle der Landmann:

Mamertus, Pankratius, Servatius^ bringen oft Kält und Verdruß"

und in Süddeutschland:

Pankratius, Bonifatius (14. Mai.) Servatius, Der Gärtner sie beachten muß"!

Ein Mahnwort an alle, daß Blumen und Pflanzen vor Mastro t und Kälte geschützt werden müssen.

Erstaunt sieht wohl ein kleiner Knirps dem Treiben des Dorfschudlehrers zu, welcher noch Mitte -tim Abend die jungen Salatpflänzchen und Blumen mit dicken matten zudeckt, als ginge es nicht in den Sommer, sonder den Winter hinein. Auf sein verwundertes Fragen dann die wissenschaftliche Aufklärung, daß infolge der vern^.- ten Bodenausstrahlungen die Maifröste kommen. 2edocp den ihm diese Erklärungen meist unverständlich; denn k-e Sonne am Tage so schön warm scheint, kann es doch nam .. x frieren! Kopfschüttelnd trottet der Kleine die Dorfstrnm

unter.

Unsere heutige Vilderbeilage bringt ein wohlgelungenes ^ des Reichspräsidenten von Hindenburg im Kreise feiner Kinder zur Anschauung. Nach Rom, der ewigen ^taot, uns ein Aufsatz, der an Hand fesselnder Aufnahmen den a Wirklichen Stand der Ausgrabungsarbeiten auf bem öeru , Verfammlungsstätte des alten Rom, schildert. Der o x kämpfte Nordpol soll in diesem Sommer endgültig erober den, und zwar durch die Lust. Wir bringen aus ^u'sts". s un­einige -hübsche Bilder, die den Weg zum Nordpol treff