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sche Arbeit erwägen, bie an den Wagen der Kommission ge­koppelt sind.

Da kommt bas Unfaßliche, bas Nervenzittern, wie man ei­nem chirurgischen Eingriff beiwohnt wie wenn man Einge- weide sieht. Zerstörtes, Aufgedecktes, Zerschossenes.

Lin Wahndamm, der etwa über fünf Meter hoch eine Schlucht umrahmt. An der gegenüberliegenden Wand ber Schlucht, hie den sandigen Wal-dcharakter der östlichen Mark zeigt, einige hohe Kiefern mit Leistikowcharakler. An biejem Rande der Schlucht ein winziger Schaumwall von Gaffern, ein winziger Ring von blauberockten Bäuerinnen, von halbwüchsigen Kätnerjungen. -Und zwischen uns und diesem Zuschauerkreis die zarten Spinnenri-ppen des zermalmten, zerquetschten, zerknickten Schnellzuges.

Unsäglich: dieser trotzige, stürmische Eisenkoloß, dies Wun­derwerk niederschmetternder Bewegung-, wurde zu einem BUn- beleben -kahler Drahtzweige, zu einem Bäumchen aus Metall, dessen Blätter man abgezupft hat! Die halbe Kulissenwand eines Wagens her dritten Klasse streckt sich gegen den Himmel. Der Fußboden seines Nachbarwagens -durchschneidet ihn in ber Dia­gonale. -Halbaufgefressen ist ber Wagen, angenagt, zerfetzt und verschlungen. Umgestürzt liegt bie Lokomotive, mit dem Schorn stein in den Sand der Böschung verwühlt. Die birken Mäder zeigen nach oben; sie werden ahschnurren wie ein aufgezogenes Kinderspielzeug; man sucht -nach -dem großen Schlüssel, der dies riesenhafte -Uhrwerk aufziehen soll.

Ltwas faßt an unser Herz, eine kalte Hand. Wir Zuschauer haben alle nur einen Gedanken: zwischen diesen Gewalten, bie sich ineinandergeschoben haben, hingen Menschenleider. Sch se­he mich um unb begegne den Blicken ber anderen. Wir suchen Hilfe beieinander. Wir sind alle weiß und still geworden.

Plötzlich gewahre ich den Wagen am Anfang bes Zuges, in dem mein Sreuub gesessen hat. Er ist durch ein sonderbares Wunder fast unversehrt geblieben, durch eines jener technisch erklärbaren Sekundenereignisse, die im Kriege den einen rette­ten mitten in der Zerstörung von tausend anderen. Der Wagen hängt unbehelligt, -nur mit zerschlagenen Fenstern, auf dem stei­len Abhang ber Böschung. Sch sehe bie Depesche vor mir, bie am Laden eines -ZigarrenhLndlers mich zunächst an seinen siche­ren Lod glauben ließ. Sch sehe den zerschlagenen Lauf zu jenen Autzkunftsstellen, die meine schon zur Gewißheit gewordene Ah­nung widerlegen. Und ich rette mich aus der Zerstörung frem­den Lebens, aus dem Hilflossein zwischen Himmel und Erde, mit sanft werdender Atmung an den eigenen Besitz.

Ms dem Leben des Maikäfers.

Aus der Schule her weiß jeder, daß ber Mackäfer zu seiner Entwicklung vier Fähre gebraucht. Sm Monat Suni legt das Maikäferweibchett, das sich leicht durch feine längeren Flügel- plättchen -kennzeichnet, etwa 40 Eier in den Erdboden. Aus die­sen Eiern kommen nach kurzer Zeit kleine weiße Maden mit gelblichbraunen Köpfchen zum Vorschein, die sich bis zum Ein- tritt des Winters von zarten saftigen Wurzeln nähren und dann bis jum Frühjahr in einen tiefen Schlaf fallen. Mit der Wiedererwärmung der Lrde erwachen auch diese Mackäferlar­ven, bie unter dem NamenWeißwürmer oder Engerlinge be­kannt sind, aus ihrer Erstarrung unb beginnen aufs neue zu speisen und zu wachsen. Und so geht es fort zum vierten Fahr, bis sie endlich ausgewachsen sind und ihre vollständige Größe erreicht haben. Nach seiner -vollkommenen Entwicklung puppt sich der Engerling mit Anfang des letzten Herbstes ein. Sn diesem Zustand verbringt bas Lier den Winter und einen Lei! bes Frühlings. Sm Mai endlich vollzieht sich seine dritte Um­wandlung und bas vollkommene Snsekt, der Mackäfer, schlüpft aus seinem Gefängnis und kommt bei günstiger Witterung aus der Erbe hervor. Er fliegt, fliegt und fliegt und stützt sich auf die Blätter der Bäume und Sträucher herab, die er begierig verzehrt. Wenn der Sommer sich verlängert unb der Herbst warm und trocken ist, finbet die letzte Umwandlung bereits vor dem Winter statt und man begegnet dann beim Graben bes Bodens ausnahmsweise schon Maikäfern im November unb Dezember.

Wenn dieses Snsekt den Bäumen einzelne Blätter entzieht, so bient dies nicht 'dazu, ihre Schönheit zu erhöhen; ein eigent- sicher Schaden aber erwächst nur dann für ein Bäumchen, wenn es seiner sämtlichen Atmungsorgane beraubt wird, in welchem Falle es anfängt zu kränkeln und endlich abstirbt. Dies ge­schieht jedoch nur feilen. Nein, wenn wir über den Schaden der Maikäfer Klagen hören, so meint man damit immer die Ver­

wüstungen, die er als Engerling anrichtet. Diese sind biswei­len doch recht sehr bedeutend. Der Engerling ist unfähig, in unbebautem Lande zu leben; er bedarf eines lockeren Bodens, den er bequem zu durchdringen vermag, um bie Wurzeln zu er- reichen, die ihm zur Nahrung dienen. Er ist kein Feinschmecker denn alle Wurzeln sind ihm recht, bie vom Salat, von den Erb- beerpflamen und Wiesengräsern, wie die härteren und tiefer hinabreichenden Wurzeln der Bäume. Wenn wir eine Salat­pflanze auf einmal dahinwelken ober zusammensinken sehen, wie nach einem erdrückend heißen Lage, so brauchen wir â M» dieser Stelle nachzugraben, um den gefräßigen Wurm zu fin- den. Wenn der Rasen verwelkt und nach und nach verschwindet wenn unsere Obstbäume und namentlich die Baumschulen ba- hinsiechen und verkümmern, so werden wir unten am Grunde bie Schuldigen erspähen und deren Untat an den Wurzeln bestätigt finden. Fe mehr wir aber die Erbe umwühlen, -je mehr wir sie mit dem Spaten umgraben und bearbeiten, umso mehr erleich­tern wir dem Lier feine schädlichen Wanderungen. Unb doch können wir den Unholdes halber nicht darauf verzichten, das Land zu bebauen! ch

Andere Infekten haben Feinde, Eiere ober Pflanzen, bie auf ihre Kosten leben; ber Maikäfer hat nur wenige. Die Ver­heerungen, welche der Maulwurf unter ihnen -anrichtet, sind viel zu unbedeutend und bie Vögel vermögen sie nur selten zzi Er­reichen. Wenn der Landmann im Herbste seinen Acker bestellt, können Frauen ober Kinder, die in der frischen Furche hinter ihnen hergehen, eine -beträchtliche Menge Engerlinge auflesen. Auch bie Vögel» besonders bie Krähen, verschlingen eine große Anzahl und der Landwirt sieht sich so von einer großen Masse seiner Feinde befreit. Allein die vielen, welche dabei übersehen wurden, gelangen in kurzem wieder in die Erbe und weder die strengen Fröste, noch von vielem Regen veranlaßte lUeber- schwemmungen üben auf diese Eiere eine nachteilige Wirkung aus, da sie im Snnern der Erbe auf- und abwärtssteigen kön­nen, je nachdem die Eemperatur steigt oder sinkt, und sie gehen umso tiefer hinab, je strenger die Kälte wird. Am wirksamsten ist ber Käferfang; denn indem man einen Engerling umbringt, zerstört man nur ein Lebewesen; tötet man dagegen ein Käfer- weibchen, Jo befreit man sich zugleich von 30 bis 40 Engerlingen, denen es bas Leben gegeben haben würde. Um sich aber der Mackäfer zu bemächtigen, muß man sie unversehen überrum­peln, sei es am frühen Morgen, wenn sie ihre Siesta halten. Sie haben sich dann mit ihren Füßen an die Blätter und Zwei­ge angehängt und der geringste Stoß genügt, sie herabfallen zu müssen. Man muß sie demnach von den Sträuchern und jungen Bäumen herabschütteln; -von großen Bäumen dagegen wird man sie wie Nüsse mit Stangen Herabschagen.

Soll jedoch ein wirkliches Ergebnis erreicht werden, so muß sich -jeder auf die Beine machen und gegen diese Feinde zu Fel­de ziehen. Es ist augenscheinlich, daß wenn nur ein einziger B» sitzer auf den Käferfang ausgeht, er sich wohl von den Käfern befreien wird, die auf feinen Bäumenlebten; doch wird er aufs Neue von den Käfern seiner Nachbarn belästigt werden. -Dies wird so lange dauern, bis jeder Besitzer freiwillig sich entschließt oder durch ein Gesetz genötigt wird, auf bie Maikäferjagd zu gehen und soviel wie möglich von diesen schädlichen Infekten zu sammeln. Die Sache ist ber Mühe wert und der Nutzen, welcher daraus hervorgeht, ersetzt die Arbeit unb die verursachten Ko­sten in reichlichem Maße.

Vermischtes.

Autounglück bei Breslau. Wie dieBreslauer Neuesten Nachrichten" mitteilen, stürzte in der Nacht zum Montag das Auto des Ingenieurs Brockmüller aus Breslau am Bahnüber gang in den Nähe von Domslan an der Strecke Breslau- Schweidnitz bei dem Versuch, einem vor ihm fahrenden Auto auszuweichen, in den Straßengräben. Von -den Insassen, dem Ehauffeur, einem Ingenieur und vier Juristen vom Amtsge­richt Breslau wurde ber Ehauffeur Kliesch getötet, bie übrigen kamen mit Ausnahme des -Amtsrichters Mentzel und des Amts anwalts Springer, die leichte Verletzungen erlitten, mit -dem Schrecken davon.

Familientragödie in Frankfurt. Der in Scheidung lebende Wilhelm Schwing suchte sich seit längerer Zeit mit seiner Frau wieder -auszusöhnen. Aus Wut darüber, daß seine Frau einer Versöhnung abgeneigt war, begab er sich in deren Wohnung und versetzte ihr sieben Messerstiche. Die Frau ist im Kran­kenhaus ihren Verletzungen erlegen. Der Eäter wurde ver­haftet.

Eragöbie in einer Kaserne. Sn ber Kaserne von Wtam k ein Soldat bes 83. Infanterieregiments in Ereoijo ber m Holt wegen Gewalttätigkeit bestraft worden ist, und gestern ber Streit mit seinen Kameraden gehabt hatte, mit seinem wehr auf seine schlafenden Kameraden geschossen und dabei > ' Mann getötet unb vier zum Eeil schwer verletzt 1 wurde verhaftet. ' r ^er

Ein FanlUiendrama. Pie 16jäbrige Eocbter einer Samir Schalksmühle bei Lüdenscheid, unterhielt mit einem jungen ein Liebesverhältnis, das von den Eltern nicht gebiHiat Morgens verließ das Mädchen bie -elterliche Wohnung und h einen Brief zurück, in dem es mitteilte, in bie Elärtall springen zu wollen. Der Vater eilte sofort zur -Talsperre sah seine Eocbter auf einem Felsen an der Sperre sieben das Mädchen den Vater erblickte, sprang es ins i%aj[er m S Vater sprang sofort nach. Vater und Eocbter ertranken

Arbeiter im Eunnel überfahren. Um 3,50 Uhr früh . eine vorschriftsmäßig beleuchtete Lokomotive auf ^r kJ* von Smichow nach Prag (Milsonba-hnhof) im Lemberg Eunnel eine von der Arbeit zurückkehrende ArbeiterkvlvWe von neun Mann. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle einer tödlich verletzt, vier Mann wurden verwundet. '

Amtliche Bekanntmachullgen.

Sprechtage bes Herrn Kreisarztes zu Fulda finden im As- nat Mai nur Montags und Mittwochs jeder Woche im Lan-H ratsamt Fulda (Zimmer Nr. 9) vormittags von 9 bis 12 M statt.

Fulda, den 4. -Mai 1925.

Der Laudral. F. -V.: Polster. Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.

Zum Schutze gegen bie Maul- und Klauenseuche wird Grund der H 18 ff. bes Viehseuchengesetzes vom 26. öuni (R. G. Bl. S. 519) mit -Ermächtigung des Herrn Tllinifters für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt'

§ 1.

Meine viehseuchenpolizeil!che Anordnung vom 4. Sebruar 1925 Fuldaer Zeitung Nr. 30, betr. Verbot der Wei­tung der Rindviehmärkte in der Stadt Fulda, wird hiermit aus gehoben.

§ 2.

Diese Anordnung tritt sofort in Kraft.

Fulda, den 2. Mai 1925.

Dch: Laâal. Frhr. v. Eager u.

Polizeioerorduung betreffend die zwangsweise Beitreibung von Abholungsgebühreii für Kadaver im Rahmen der -Regelung des Abdeckereiwestur im Kreise Fulda (siehe Veröffentlichung in Nr. 214 ber .Ful­daer Zeitung" vom Sahre 1922.)

Auf Grund der §§ 5 und 10 der Verordnung vom 20. Sep­tember 1867, des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Lau- -desverwaltung vom 30. Suli 1883 -<Gef. Slg. S. 195) unb bes § 195) und des § 3 des Gesetzes über bie Beseitigung von Lm- Kadavern vom 17. Suni 1911 (R. G. Bl. S. 248) wird unter Zustimmung des Kreis-Ausschusses mit Eenebmigung des Re­gierungspräsidenten gemäß § 3 der jiimJ Steven Gesetz ergas- genen Ausführungsvorschriften vom 1. Mai 1912 Meichsanzei- g-er Nr. 119) sowie des Erlasses des Ministers für Landwirt­schaft, Domänen unb Forsten vom 3. September 1924, Nr. 5 11578 folgender 1. Nachtrag zur Polizei-Verordnung vom Id. August 1929 für den Kreis Fulda erlassen:

§ 1.

Die für die Ablieferung ber Kadaver vom Abdeckerslbc- sitzer an die Lierbesitzer und die für das Abholen und die (Be­seitigung ber Kadaver von den Lierbesitzern an den Abdeckereiöc sitzer zu bezahlenden Vergütungen werden -nach dem Larife -vom 29. Sanuar 1925 (Fuldaer Zeitung Nr. 23 vom 29. «Sow 1925) berechnet und sonnen im Weigerungsfälle von den Lnt- schädigungspflicht-igen im Wege bes Verwa-ltungszw-angsversah- rens -eingezogen werden.

Sm Streitfälle über die Anwendbarkeit der Earifbeftünnuin- gen entscheidet der Land rat nach Anhörung des Veterinärrals endgültig unter Ausschluß des Rechtsweges.

§ 2.

Vorstehender 1. Nachtrag zur Polizei-Verordnung vom Id. August 1922 tritt mit dem Lage der Veröffentichung in 'Krast.

Fu da, den 1. Mai 1925.

Dqr Canbrat. . Frhr. v. G a g e r n.

Charlotte Altermann.

Zum 150. Lodestag. (10. Mai 1775).

Von Bertha Witt.

Dem Mimen flicht bie Nachwelt keine Kränze", sagt das Dichterwort, und doch gibt es in der deutschen Lheatergeschichte einige wenige Erscheinung, deren die Nachwelt noch wie eines Wunders gedenkt. So bezeichnet der Name Ackermann-Lchrö der schon eine bedeutende, für sich dastehende Epoche der beut- schen Bühne, denn er gehört einer Familie, einem Kreise an, ber in der Lheatergeschichte von größter Bedeutung ist. Aus die­sem Kreise wurde die schönste Blüte, Lharlotte Schröder früh­zeitig hinweggerissen. Die -Erscheinung und die Art, wie sie auf ihre Zeit einwirkte, berührt uns jetzt noch auf eine eigentümliche Art.

Das Verhältnis des Püblckums zum Künstler war vor hun­dertfünfzig Fahren ein ganz anberes, als es heute ist. Das Publikum war kein schweigendes Element wie heute, das sich mehr oder weniger bbdaNkt und bann auseinanbergebt, es war ein Herrschendes, das den schlechten Künstler -sofort unerbittlich xur Rechenschaft zog; aber es brachte auch jene leidenschaftliche Anteilnahme auf, jene subjektiven inneren Beziehungen, bie Heu te bei ber durch bie gute Form bedingten Distanz zum Leit ganz fortfallen. Sobald man das erkennt, wird man das Verhältnis begreifen, das eine ganze, an -sich am wenigsten zu Gefühlsexal­tionen neigende Stadt wie Hamburg es ist, damals zu seinem erklärten Liebling -einnahm.

Lharlotte- in einem künstlerischen Familienkreise ausgewach­sen, war ein ganz außerordentliches Geschöpf, ein außerordentli­ches Ealent, das sich mit unermüdlichem Fleiß, mit nachgiebigem Wollen selbst bildete. Es gab kein Hindernis, das sie nicht be­

zwang. Einen angeborenen Zungen-fehler überwand sie mit gro­ßer Energie, und als eine Blatt-ernerkrankung ihr Antlitz ent­stellte, lernte sie, daß man nur bas Gefühl auf bas Gesicht über­tragen müsse, um jede 'Empfindung damit auszudrücken. Sie war, als sie im Alter von 17 Fahren starb, erst eine werdende Schauspielerin, aber bas Vollkommene lag bereits in ihr. Was sie war, war sie ganz. Fhre -Enttäuschung zugunsten ber -Er­scheinung, die sie darzustellen hatte, war so vollständig, daß sie die zu oerkörpernbe Gestalt sozusagen auch -körperlich erlebte. Sie biß wirklich in die Kette, raufte sich wirklich bas Haar, wenn ber Dichter es vorgeschrieben hatte. Sie hätte sich wohl auch, sagt man, den Dolch ins Herz gestoßen, wenn man ihr statt bes Lhe-aterdolches einen richtigen gegeben hätte

Sie war", so lautete damals ein fachmännisches Urteil, eines von -den seltenen Genies, bie sich der Welt nur als Mei­ster akkünben, eine von den Auserwählten -der Natur, bei denen diese ihren ganzen Reichtum erschöpft. Sie haben ihren sicheren Lehrer und Wegweiser, das Gefühl. Was sie sein wollen, ge­lingt ihnen, und sie sinds, als wären fies von je gewesen".

Der außerordentliche Eindruck, den sie selbst auf ein so schwer zu gewinnendes Publikum wie -das Hamburger machen mußte, ist nicht zu verwundern. Sn Straßburg geboren, hatte sie schon mit vier Fahren die Bühne betreten. Größtenteils durch ihr eigenes Genie gebildet, spielte sie ganz verschiedene Rollen mit solcher Anmut, soviel Natur, Einsicht, Gefühl, und mit einer so treffenden Richtigkeit, daß jeden, der sie zuerst sah, glaubte, dies müßte die -einzige Rolle sein, für bie sie geboren war. Sm Drama, als Naive, Kokette, als Sängerin und Län- zerin überraschte sie stets durch -künstlerische Vollendung. Und noch schätzbarer als ihre Talente, sagte man, war ihr Lharak- I ter.Sie glich den inspirierten hungern zur Zeit des ersten

Ebriftentums, urteilte ein alter feinsinniger Herr von ihr, ^ sie oft bei ihren kindlichernsten Meligionsübungen beobachtete.

Die Erkenntnis freilich, was man an ihr besaß, konnte etz vollstäridig wohl nach ihrem allzu frühen Verlust zum kommen, ühr Lod war so überrasch-end, und e-rfolgte -sonderbaren, beklagenswerten Umständen, daß -er ins^ ' <- land lebhafteste Erauer und Aufsehen hervorrief. eign iss es -dürfte sogar Goethe vorgeschwebt haben, air Lod Aureliens in Wilhelm Meister schildert. Nach Quellen scheint es allerdings daß die Darstellung von Lhar0 Lod nicht ganz genau und einwandfrei ist. Sn Hamburg e sich damals das Gerücht, daß Selbstmord durch Vergiftung lag. Eharlottes Stiefbruder, der berühmte Schröder, eigentliche Ursache eine innerliche, unbeachtet geblieben . schütterung hin, die sich Lharlotte durch einen Sturz vom P ^ einige Zeit vorher zugezogen hatte. Die wahre Ursache J durch eine Erkältung herbeigeführter Schlagfuß geweF ^ Ls heißt aber auch, man höbe ein Fläschchen Opium, bas I zuvor gegen Zahnschmerzen gebraucht, in ihrem K-amme l.^, leer aufgefunden. Auf ihrem Eifere lagen Werthers ihre Lieblingsl-oktüre. ^trof*

Die Anteilnahme an dem Verlust, der das Lhea cr ^^ fen, beweist bie Größe dieses Verlustes. Hamburg ' bleibet den Lod feines Lieblings so erschüttert, daß man Lra â- anlegte, bie Herren an der Börse stillschweigend aus ^ gingen, und daß es Menschen gab, bie seitdem bas ^ ^g wieder betreten haben.Es war, heißt es,als o ^[fen

fühle, daß es für ganz Deutschland zu weinen ya-ve. ^^ oder nie hat die nordische graue Stadt in der nur Kaus w^rin nüchtern rechnerischer Geist zu walten scheint, ^emer ^je solche Beweise überschwenglicher Gefühlsexaltion geg -^ jn hier. Die Leiche wurde von einem endlosen Zuge der Kirche St. Petri beigesetzt.