Nr. 95
Samstag, den 25. April 1925.
Rvlanb-Kmdenburg.
Auf dem Markt in deutschen Gauen Ragt die riesige Rolandssäu-le, Hoch und wuchtend, steingethau-en, Und das Schwert wie eine Keule. Wolkenschwärme, Sturmges chwader Heulen um das Haupt des Riesen . . .
Festgefügt in Mauerquader Stelln die Süße auf den Fliesen.
Stehen breit auf deutscher Lrde, tragen aufrecht Leid und Glieder.
Spähend, ob es Morg-en werde, Oeffnen sich des Wächters Lider.
Suchend gehn des rief'geu Recken
Altersaugen in die Ruiwe, Und zum heil'gen deutschen Mecken
Hebt das Hifthorn er zum Munde.
,-Aufgewacht, ihr deutschen Brüder, Aufgewacht, ihr deutschen Schwestern, Und ein Geist, ein nimmermüder, Treib euch aus der Rächt von gestern, Treib euch in den Tag von heute, Laß das gleiche Blut euch spüren,
Und das Leben ist die Beute, Wenn sich Hand und Hand berühren".
Auf dem Markt in deutschen Gauen Ragt der Roland, steingehämmert,
Unter seinen Altersbrauen
Glüht's, als ob der Morgen dämmert.
Und es grüßt den greisen Fechter Männerjauchzen, Fraue-nstamm-eln: „Deutscher Roland, bleib der Wächter! Roland, Roland . . . blas zum Sammeln."
Mn die deutschen stauen.
Sch bin vonseiten der Stauen ausgefordert worden, für die Wahl von unserem hochverehrten Hindenburg eine Bitte an die deutschen Brauen zu richten, und tue dies von Herzen gern. Aber ich meine fast, daß das kaum nötig ist, denn Sie- Persönlichkeit Hindenburgs ist für alle deutschen Herzen etwas so Ver- ehrungswürdiges, so ganz außerhalb und über allem Partei- gezänk, daß nur sein Mame genannt zu werden braucht, um -jede deutsche Stau mit Begeisterung zu erfüllen und die Wahl für ihn zu sichern. Leider müssen die armen Männer immleb nach ihrem Parteigebot wählen, aber wir Frauen haben uns doch darin noch etwas Freiheit bewahrt, und wir alle, jung oder alt, verheiratet oder unverheiratet, haben den mütterlichen Juijtinkt, daß wir für das, was wir lieben, ganz instinktmäßig auch das Richtige finden. sgMs. -
Und wir deutschen Frauen lieben unser armes mißhandeltes Deutschland und möchten gern, daß es sich wieder aus seinem Druck erhebt, und daß auch das Ausland wieder Respeckt vor uns bekommt. Laßt Tuch, Shr lieben Frauen, nur ja nicht ein* reden, daß wir durch diese Wahl Schwierigkeiten mit dem Ausland haben könnten. Das hat sich der Parteigeist in Deutsch land ausgedacht. jch und mit mir viele, die wie ich das Ausland kennen, glauben gerade das Gegenteil, daß wir durch die Wahl eines so verehrungswürdigen 'Oberhauptes dem Ausland wieder zeigen können, daß der Sinn für das alte Tüchtige Deutschland noch besteht, und dadurch 'das ganze Land viel mehr Sicherheit bieten kann. Hat nicht Frankreich 1873 gerade so gehandelt, als es den napoleonischen Heerführer Mac Mahon zu seinem Präsidenten der Republik machte? Und haben wir Deutschen, die wir damals der iSiegerstaat waren und Mac Mahon als unseren Gefangenen unter uns gehabt hatten, uns
Ot Morgenzeltung.
darüber aufgeregt? Und warum sollte das Ausland weniger anständig denken und handeln als wir?
jn unserer aller Herzen ist der Name Hindenburg tief eingegraben, mehr als irgendein anderer, und da möchte ich eine kleine Geschichte von 1916 erzählen. Tin zum Militär eingezogener junger Lehrer, übrigens der Partei nach eifriger Demokrat, kam zu mir und erzählte mir von der letzten Stunde, W er vor seinem Abschied seinen kleinen Schülern im Alter von 8 bis 9 jähren gegeben hatte. lEr versuchte ihnen unser herrliches Kriegslied: „Line feiste Burg ist unser Gott" begreiflich zu machen. Als er nun an den zweiten Vers kommt:
„Mit unsrer Macht ist nichts getan,
Wir sind gar bald verloren —“
sitzt die kleine Schar ganz unglücklich da und sicht ihn mit angstvollen Augen an. Aber die Gesichter sangen an, sich zu verklären, denn er fährt fort:
„Ts streit' für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren".
Wie er aber zu der Zeile kommt: „Fragst du, wer der ist?" so antwortet jauchzend die ganje kleine Schar, ehe er weiter reden konnte, „Hindenburg Hindenburg ! l" Der Lehrer fügte lächelnd hinzu, daß er nicht in der Erklärung fortgefahren wäre, denn die braven kleinen Kerle hätten es wahrscheinlich in ihrer patriotischen Begeisterung nicht verstanden.
' Der junge Lehrer ist, bald nachdem ich ihn kennen lernte, gefallen, aber die Begeisterung her kleinen Schüler für den geliebten Namen ist in Millionen Herzen geblieben.
Hindenburg als Pazifist Kopenhagener Brief.
Von den schönen Lrdenwinkel Kopenhagen, der Stadt solider Genußfreude, sieht man den Dingen dieses Trdenrunds mit einer philosophischen Objektivität zu, der niemals ein leichtes Schmunzeln des Humors fehlt. Die Kopenhagener sind „ausgeruhte Köpfe" und ihr Urteil weicht oft von dem anderer Groß städter ab. Wobei man natürlich nicht an die Presse denken darf. Die große Küche für öffentliche Meinung kocht ja überall mit denselben Sngredienzien, unter denen bekanntlich des Wassers sprudelnder Schwall eine erkleckliche Rolle spielt. Wenn man aber Gelegenheit hat, mit einem echten Kopenhagener bei einem Glase Punsch in Berührung zu kommen, kann man Originalmeinungen hören und es lohnt wohl, ein deutsches Publikum damit bekannt zu machen. jn all dem Aufstand der sich gegen die Kandidatur Hindenburgs in der Presse der Welt erhoben hat und sie als eine fast unmittelbare Kriegsgefahr behandelt, möge sich die Stimme eines Kopenhageners Historikers vernehmen lassen, der das Recht „anderer Meinung" zu sein ver tritt. „jch kann denen nicht Recht geben", sagte der Mann, „die Hindenburg, weil er ein Feldherr gewesen ist, unbedingt für einen kriegslustigen Militaristen halten wollen. jch weiß ja, daß der alte- Herr mich, auslachen würde, wenn ich ihm sagte, er sei Pazifist, aber ich stehe auf dem Standpunkte des Historikers: das Urteil über einen großen Mann kann sich nie auf das gründen, war er selbst und andere von ihm sagen, sondern einzig und allein auf seine Handlungen.
Tntscheidend ist, was Hindenburg getan hat. Als dieser Feldherr zur -Erkenntnis gekommen war, daß en— die Gründe interessieren hier nicht — den Krieg nicht gewinnen könne, hat er den Tntschluß gefaßt, die Gegner um Waffenstillstand zu bitten. Das haben andere Feldherrn auch schon getan, aber ich kann mich keines Falles aus der Kriegsgeschichte erinnern, in welchem eine solche Bitte unter solchen .Umständen und mit einer derartig auf Beschleunigung drängenden Lnergie erfolgt ist. Denn man behalte wohl im Auge: das deutsche Heer war nicht von Feinden eingeschlossen, ihm drohte keineswegs die Vernichtung, es war, wie immer hervorgehoben werden muß, militärisch unbesiegt. Hindenburgs Tntschluß, den Maffenstillstand zu su-
Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44
chen, war also ein politischer Tntschluß, den er faßte um von seinem Vaterlande das Unheil einer kriegerischen Invasion abzuwehren. Das ist nicht mehr der Standpunkt des Soldaten, sondern der des Pazifisten, der den Krieg als untaugliches Mittel der Politik erkannt hat. Die Forderung des Waffenstillstandes wurde von Hindenburgs Seite an keine Bedingungen geknüpft. Ls sollten nur die Bedingungen des Gegners erkundet werden. Die Bedingungen, die der Oberkommandierende der alliierten Heere, Marschall Foch, formulierte, verlangten die Lntwaffnung nicht nur der deutschen Armee, sondern im Grunde die Lntwaffnung Deutschlands. Hindenburg hat aus diesen Waffenstillstands sich bereits ein Bild der Frie- densbedinMngen machen können, ja machen müssen. Tr hat in diesen Tagen eine Ruhe und Klarheit des Geistes bewiesen, die davon zeugen, daß er die Gesamtlage erkannt hatte. jn die Waffenstillstandsverhandlungen, die von der Reichsregierung geführt wurden, hat er nur insofern eingegriffen, als er zwar die Ablehnung einiger Forderungen verlangte, aber die Annahme auch dieser Forderungen empfahl und zwar dringend und -drängend empfahl, falls der Gegner den Aenderungsvorschlägen keine Rechnung tragen wollte. Foch änderte nichts an feinen Bedingungen. Der Waffenstillstand wurde geschlossen. Ls ist bemerkenswert, daß das deutsche Heer bis zum letzten Termin gekämpft hat. Dieser Umstand bestätigt, daß Hindenburg in der Waffenstillstandsfrage als Politiker gehandelt hat. Lin unter solchen Umständen geschlossener Maffenstillstand konnte nur in den Abrüstungsklausein des Versailler Vertrages feinen logischen Abschluß finden. Der -Entschluß den Waffenstillstand in der Art zu schließen war gleichbedeutend mit der Erkenntnis, daß der Krieg kein taugliches Mittel des politischen Kampfes mehr sei und daß Politik eben nur mit anderen Mitteln noch erfolgreich geführt werden könne. Die Deutschen vermindern nach meinem Gefühl die Bedeutung Hindenburgs, wenn sie ihm nicht die klare Erkenntnis der Bedeutung seiner TutschlUsse zubilligen. Wäre man sich darüber in Deutschland klarer, so würde Hindenburgs Kandidatur auch im Ausland nicht solche Verwirrung anrichten, öch selbst bin überzeugt, daß Hindenburg, wenn er gewählt würde, sich streng an die Gesetze der Republik und an die Verträge, die diese geschlossen hat, halten würde, dch glaube, daß alle, die ihm etwas anderes zutrauen, innerhalb und außerhalb Deutschlands sich täuschen, dch will keineswegs sagen, daß ich seine Wahl wünsche. Bei bei Stimmung, die in Turopa und Amerika herrscht, wird man für solche 'Betrachtungen, wie ich sie hier in meiner Ecke anstelle, wenig übrig haben. Es kommt eben nicht auf das an, was Hindenburg denkt, sondern was die anderen über ihn denken. Sollte aber der Fall eintreten, daß -Hindenburg gewählt würde, so wird man der Welt einen Dienst erweisen, indem man sie daran erinnert, daß dieser Feldherr einen Krieg nicht als intransigenter Solbat, sondern als pazifistischer Politiker beendigt hat. Er hätte weiter kämpfen, er hätte sein Vaterland mit Strömen von Blut überschwemmen können —■ wer hätte ihm vom militärischen Standpunkt aus -daraus einen Vorwurf machen können? Daß er im richtigen Moment abbrach, daß er die politischen Konsequenzen des Waffonst'ilfstandes auf sich nahm — das wird einstmals von der Geschichte als ein politischer Akt gewürdigt werden. Wenn der Klang dröhnender Worte 'verhallt sein wird, wenn man die Wendung erkannt haben wird, welche die ganze Geschichte durch Hindenburgs 'Waffe-nftillstandsaugebot vom 5. Oktober 1918 nicht angenommen hat — dann werden Gegner und Freunde des Feldherrn sich nicht mehr weigern, ihm außer dem Ruhm des Militärs auch den des -pazifistischen Politikers zuzuerkennen".
Also sprach der Kopenhagener Professor. Soll man nun fürchten, daß er tauben Ohren gepredigt hat? Jedenfalls verdienen seine Wort-et in dem allgemeinen Kriegsgeschrei, daß Hindenburgs Kandidatur hervorgeruf-en hat, daß ein verständiger Leser sie in seinem Herzen bewege.
W
Von Erik 3uel.
(Machdruck verboten).
3 rau Dulorne war glücklich gewesien . . ., -war . . ., nun ja, man soll den Ereignissen nicht vorgreifen.
Sie war glücklich über -ihr ganz anspruchsloses Leben. Vie Gasse, in der sie wohnte, war ihre -Welt, die Machbavn ihr Umgangskreis . . ., sie konnte es sich nicht besser denken und wünschte auch gar nicht, ihr Leben in einer andern Umgebung und anders als auf die gewohnte Weise zu leben. Am Morgen holte sie das -noch -warme Brot beim Bäcker, wo sie, -während zu Hause schon das Wasser zum Kaffee kochte, mit nüchternem Magen -einige Minuten verplauderte, dann machte sie einen Sprung zum Milchmann hinüber, bei dem sie stets -einige Meui'g- keiten erfuhr, die sie dann ihrem Mann brühwarm zum M-ilch- kaffee mit frischem Brot servieren konnte. Und dazu erinnerte die kleine Jacqueline in der Wiege durch fröhliches Geschrei an ihre Existenz . . ., man muß sagen, daß das Glück -der Fr-au Dulorne ein vollkommenes war.
. ^" Dulorne war ja -auch zufrieden, aber immer beschäftigt, 'immer -in eine Menge von -Gedank-en- versunken. Er redete nicht -Diel, wenn ler zu Hause war. Uebrigens war er fast den ganzen Tag in rer Sabrik, und sie hatte sich damit schon abgefunden, hatte za die Nachbarn, all die kleinen Geschäftsleute in der en-g-en Gasse, und seit einem halben jähr übrigens auch noch Jacqueline. Es konnte keinen -Zweifel geben, Frau Dulorne war -glücklich.
Herr Dulorne spekulierte und zeichnete, konstruierte und rechnete die ganze freie Zeit, und die langen Abende verbrachte «r mit Zirkel, Lineal und Winkelmaß. Frau Dulorne wurde ganz konfus davon. Eines schönen Tages teilte -er ihr mit, daß ^1 lam* Ede, Geld werde er ihr schon |ge* . ^' ^"viel sie herausbek-am, stand die Reise mit men Zeichnungen in Verbindung. Frau Dulorne zerdrückte "der sie tröstete sich bald, sie hatte ja jacque- x ^achbarn, die Bekannten in der -kleinen Gasse. -Trotz er Abreise Dulvrne-s war sie glücklich. towr0^ £r fickte ihr regelmäßig Geld, er ihr ^ tüQr ^s za auch nicht gewohnt, daß
P E -anvertraute oder mit ihr über seine Arbeit
sprach. Daher vermißte sie ihn eigentlich -auch gar nicht, sie hatte es ja so -angenehm, wie sie es sich nur wünschen konnte, sie konnte -mit der kleinen Jacqueline -ausgehen, -wann sie wollte, ja eigentlich fühlte sie sich glücklicher, als wenn Dulorne daheim gewesen wäre. Er wirkte immer wie ein dämpfendes (Element auf ihre -Lebenslust und .-.,cen fröhlichen Humor. Sie durfte nicht fingen, aus Furcht, daß sie ihn stören würde, wenn er seine Schrauben konstruierte -oder was es nun war, mit dem er sich so viele Mühe gab. jhr Singen und Jaquelines unschuldiger Lärm waren ihm eine Qual. Nein, -jetzt, da die beiden vollständig allein waren, fühlten sie sich alle zwei glücklich.
Natürlich kam aber Dulorne zurück. Sie konnte kaum -ihren Augen trauen. War das ihr Mann? Auch Jaqueline erkannte ihn nicht wieder, und sie fürchtete sich vor ihm . . .
Schließlich beruhigten sich Jacqueline und auch Frau Du- lor-n-e. Aber sie konnte den Gedanken noch immer nicht fassen, daß dies ihr Mann sein sollte. Gekleidet war er wie ein Graf, und alle seine Taschen waren voll Geld. Frau D-ulorne bekam fast einen Schwindel — wahrhaftig, sie verstand nicht ein Wort. Sie hörte von Patenten reden, von Schrauben und allerlei automatischen Dingen, von Akti-en-gesellsch-aft-en und ei* ner eigenen Fabrik, von Reichtum und von viel, viel Geld . . ., und doch war Frau Dulorne gar nicht glücklich.
Das erste, -was H-err Dulorne von seiner Frau verlangte, war, daß sie auf der Stelle übersiedeln sollten, und nicht -ein Körnchen sollte mitgenommen werden, die kleine Jacqueline natürlich ausgenommen. 3 rau Dulorne weinte und (jammerte, sie flehte um ihre Bratpfanne, um die alte Wanduhr, die sie noch Don den Eltern hatte — es half ihr kein Meinen, alles mußte zurück-gelassen werden. Frau Dulorne übersiedelte in ein vornehmes Viertel, in eine Luxuswohnung mit Smyrnat-eppich-en und Prismakan de labern im Stiegenhaus und einem Portier, der so vornehm war, wie ihr Mann nach der Meinung der Frau Dulorne -niemals werden könnte. Sie bekam Dienstboten, sie bekam einen Wintergarten und mit Seide überzogene Möbel. Blickte sie zum Plafond, so -wurde sie -blaß, dort droben spielten leichtgekleidete Lymphen und Faune Zangespiel, und auf dem spiegelblanken Boden hatte sie die größte Mühe, mit ihren hoch stöckeligen Schuhen -nicht auszugleiten.
'Und wenn sie Jacqueline scheu wollte, ihr Kind, das sie selbst geboren, mußte sie über drei oder -vier so gefährliche spiegel
glatte Parkettboden gehen und an die Tür zum Himmer des englischen Fräuleins klopfen, das nun die Obhut über Jacqueline hatte.
Aran Dulorne sollte eine feine Dame sein, Herr Dulorne war Direktor, und die Dulornes waren unheimlich reich. Sie wa- ren setzt eine Herrschaft, der Frau Dulorne küßte man die Hand — und dennoch war sie nicht glücklich. Sie -war alles eher als glücklich. Sie war höchst unglücklich, und dazu hatte sie einen so gräßlichen Respekt vor ihrem Mann — sie wußte -kaum, mit wem sie ihn jetzt vergleichen konnte.
Lr hatte ihr streng verboten, in die Nähe der alten Wohnung zu kommen. Fast ein halbes jähr hielt sie es aus, aber eines Tages, als Dulorne abwesend war, -vermutlich auf einer %ije, wagte sie sich dorthin. Sie sah zu den Fenstern hinauf, den Fenstern ihrer Wohnung in dem alten* Haus . . ., da stand ihr Mgrtenstock -droben — ihre Vorhänge, alles genau jo, wie sie es hatte verlassen müssen. Sie wurde von einer solchen Sehnsucht nach- ihrem alten Heim ergriffen, daß sie hinauf- gehen mußte. Sie zog die Glocke, die Tür öffnete sich . . . und Frau Dulorne sah eine weibliche Gestalt vor sich, die fast einer der Rgmphen auf der Decke ihres Salons glich — und hinter ihr erblickte sie niemand andern als Dulorne, ganz so, als ob er hier zu Hanse wäre, wie in -vergangenen -Tagen.
2tun verstand sie, warum ihr Dulorne verboten hatte, in die Nähe der alten Wohnung zu kommen — und sie verstand auch nur zu gut, was Dulorne in ihr zu suchen hatte. Die Tatsachen bedurften keiner weiteren Beweise.
Srau Dulornes Respekt vor ihrem Manne war auf einmal verschwunden. Sie nützte aber die Situation aus, und mit Jacqueline auf dem Avm nahm sie wieder Besitz von ihrer alten, lieben Wohnung. Dort scheuerte sie nun und kehrte und bürstete und lüftete ordentlich aus. Jacqueline schreit aus Herzenslust in ihrem kleinen Kinderwagen und Frau Dulorne singt den ganzen lieben langen Tag. jetzt ist sie wieder vollkommen -glücklich.
Dasselbe ist wohl auch von der neuen Frau Dulorne zu hoffen, die nun in den Salon mit den Ngmphen und Faunen übergefiedelt ist. Fum mindesten wird sie von -ihrer Vorgängerin in keiner Weise um ihr -Glück beneidet.