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Mmmer 86.
Mittwoch, den 15. April 1925.
2. Jahrgang.
Deutscti-fransLstschss Greuzbahnhofsnbkommen.
D.B. Paris, 14. April. (Sig Tei.) Am Sonntag wurde am Quai b’OrJag ein deutsch-französisches Abkommen über die Einrichtung von Svonzbahnhöfen an der deutsch-französischen Grenze unterzeichnet. Weiter niurde Än Vertrag über die Fest fetzung der Grenze zwischen dem Deutschen Reiche und Zrauk- reich festgelegt, besten formelle Unterzeichnung gewisser technischer Arbeiten in den nächsten Tagen erfolgen wird.
Briands KabiMsnöts.
D.B. Paris, 14. Aprll. sLig. Telegr.) Die Regierungskrise hat noch keine endgültige Lösung gefunden. Die Annahme, daß der Präsident der Kammer, Painleve, die Bildung des Kabinetts übernehmen würde, hat sich nicht bestätigt. Der Präsident der Republik hatte am Sonntag Painleve mit der Bildung des Ministeriums beauftragt, jedoch schon nach einigten Stunden teilte Painleve Doumergue mit, daß er den Auftrag nicht übernehmen könne, da nach seiner Ansicht die Schwierigkeiten, die Herriot zur Demission veranlaßt haben, schon nach kurzer Zeit wieder auftreton würden, falls er das Ministerium führen sollte.
2» den Abendstunden des Sonntags empfing daun der Präsident der Republik Briand zu einer Besprechung, die damit endete, daß Briand mit der BiDung des Kabinetts beauftragt wurde. Er nahm den Auftrag nur provisorisch an, da er zuvor st mit seinen politischen Zreunben Rücksprache nehmen müsse. Briand hatte danach Besprechungen mit dem Mtürften r-ii-tt- sterpräsideuton Herriot, dem früheren Wiederaufdauminister Loucheur, sowie mit Vertretern der Radikalen und der Soziall- fteu. Ein Ergebnis haben diese Unterredungen noch nicht gezeigt.
wtb. Paris, 14. April, telef. Abgeordneter Briand hat heute vormittag ferne Verhandlungen mit politischen Persönlichkeiten zwecks eventueller Uebernahme der Kabinettsbildung fort gefetzt. Der geschäftsführende Ausschuß der Vereinigung der sozialistischen Parteien des Seine-Departements hat heute vormittag eine Sitzung abgehaiteu und nach einem MeiuuugsauL- tansch sich einstimmig gegen jede ministerielle Beteiligung ausgesprochen. Er hat außerdem beschlossen, heute nachmittag vom Nationalrat der Parteien zu fordern, daß die Unterstützungs- politik nur zu Gunsten einer Regierung ausgeübt werde, die die Zinauzlage durch eine Abgabe von Kapttal sanieren wird und die bereit sind, den Kampf gegen den Senat aufzunchmeu.
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Rottels Reformplan zurülkgewiefen.
D.B. Paris, 14. April. (Erg. Meldg.) Nach einer Snfor- rnation des „Echo de Paris" soll der Oberste Kriegsrat den
Herriots Sturz.
Am Karfreitag hat, wie bereits in der vorigen Nummer der „Hest.-Morgenztg." berichtet, der französsische Senat mit 156 gegen 132 Stimmen eine gegen das Kabinett Herriot, im besonderen gegen feine Finanzpolitik, gerichtete Tagesordnung angenommen und dadurch den Sturz der Regierung herbeige- führt. Allerdings hatte diese noch am Tage vorher in der Kammer einen Sieg mit genügender, wenn auch nicht großer Mehrheit errungen. Es bleibt also ein KonMt zwischen Senat und Kammer, der einem Teil der Linken Anlaß gib erneut gegen die ganze Snftition des Senats Sturm zu laufen. Dieser hat bisher sich im allgemeinen gehütet, die Stellung der triften Kammer zu stark auszunutzen und damit aufs Spiel zu setzen. Er würde vielleicht auch setzt einem Konflikt ausge- wichen sein, wenn sich nicht allgem. der Eindruck verbreitet hätte, daß auch in der Kammer die Mehrheit für Herriot zerbröckelte. Am 4. Mai finden in Frankreich die Gemeind »wahren und damit zugleich die Ergänzungswählen für ein drittel öes Senats statt. Es hätte nahe gelegen, die Entscheidung über eine Aenderung des Regierungskurses bis dahin hinauszuschie- ben da ja die Neuwahlen eine Verschiebung im Senat nach links
^rriot selbst soll dies auch beabsichtigt haben doch ist die Aufregung wegen der Finanzpläne zu groß gewesen.
^wsachen hört eben überall die Gemütlichkeit auf. Vor- n ^ber zunächst nicht der Versuch gemacht wer- ’ c" Konflikt zwischen Senat und Kammer auf gewalt- ^^iutiragen, sondern man wird wohl die bisherige r ^oalition und nur mit anderen Person-
1 en iortzuMren versuchen. Vielleicht wird dann der
Heeresreformplan des Kriegsministers Rollet einstimmig zurück- gewiesen haben.
Keine Bekiesung der Zeppelin-Werft nach der Schweiz.
wtb. Friedrichshafen, 14. Aprll. telef. Vom Luftschiffbau Zeppelin wird mitgeteilt, daß die Blättermeldung, die Zeppelingesellschaft verhandele wegen Verlegung der Werft auf schweizerisches Gebiet, in jeder Hinsicht unrichtig ist.
Ein Frankfurter Professor-Ehepaar durch Selbstmord geendet.
wtb. Zrankfurt a. M., 14. Aprll. telef. Der hiesige Arft Professor Dr. Demeter von Eabora ist in der Nach zum Ostersonntag mit feiner Frau durch Gift aus dem Leben geschieden. Professor Demeter war feit langem unheilbar erkrankt.
Explosisnsungtürk in Frankfurt a. M.
wtb. Frankfurt a. M>, 14. April, telef. Heute fand auf einem Schrottwerk der Riejdelwald-Kolonie beim Verschrotte« alter Munitionsbehälter ein Expèosionsungliick statt bei dem ein Arbeiter getötet und einer verletzt wurde.
Eine Todesfahrt mit dem Auto in Svvetn.
wtb. Breslau, 14. April, telef. Die „Breslauer Neuesten Nachrichten" berichten aus Oppelu: der Ehauffeur Alfred Ekocz aus Königlich Neudorf und sein Kollege Gatgon verunglückten bei einer Autofahrt, die sie ohne Wissen des Autobe- fi^ers unternahmen. Das Auto prallte in einer scharfen Kurve bei der Sogoliu-Goras-rer Zemeutfabrik an einen Baum und brach mitten durch. Beide Schaffen waren sofort tot.
Familiendrama bei Dessau.
wtb. Berlin, 14. April. telef. Aach einer Blättermeldnug aus Dessau erschlug am Ostersonntag in dem nahegelegenen Sönitz -er 51 Sahre alte Kasfenbote Wiedicke in einem Anfall von Geistesstörung seine 12jährige Tochter und steinen 5jährigen Sohn mit einem Gewehrkolben und verletzte ein drittes Kind schwer. Dann machte Wicdicke einen Selbstmordversuch mit Leuchtgas. Der Täter und der schwerverletzte Knabe wurden besinnungslos in das Dessauer Kreiskrankenhaus eingeliefert.
Ausgang der deutschen Reichspräsidentenwahl einen erheblichen Einfluß auf den endgültigen Gang der Dinge in Frankreich aus üben.
Der Herriot-Block war ungefähr mit unserer „Großen Koalition" zu vergleichen. Die stärkste Partei darin bildeten die Sozialisten mit ihren 105 Stimmen, und auf dem rechten Flügel stand die industrielle Gruppe um Herrn Loucheur. Wir kennen die Schwierigkeiten, mit einer solchen Koalition Politik zu machen, aus eigener Erfahrung, und werden daher dem „Linksdèmokraten" Herriot nicht schwere Vorwürfe deswegen machen, weil es ihm nicht geglückt ist, mit dieser betrogenen Mannschaft das Schiff durch die Klippen hindurch zu lawieren. Er suchte die rechte Flügelgruppe und die Opposition durch eine nationalistische Haltung zu besänftigen, die in seiner berühmten Räumungsrede bis dicht an den Standpunkt Poincares heranging, um dann den Sozialisten zuliebe das Steuer der Finanzpolitik ein, wenig nach links herumzuwerfen. Aber damit traf er auf die empfindlichste Stelle der Kreise, die sich ihren nationalistischen Standpunkt nichts kosten lassen wollen. Herriot ist zweifellos ein Idealist und ein anständiger Eharakter, aber er besitzt nicht die Festigkeit und Zähigkeit und nicht den Willen zur Intrige wie seine großen Gegner. Dadurch, daß in England sein Gesinnungsgenosse Macdonald gestürzt wurde, ist auch er stark erschüttert worden. Frankreich kann sich wohl noch eine Weile durchkompromisseln, aber dann wird die Entscheidung getroffen werden müssen, ob es den Weg der Friedenspolitik oder den des Änperialismus gehen will.
Sie Grundlagen deutscher Eeegeltung.
Originalaufsatz für die „Hessische Morgenzeitung" von A l g i r.
Das wachsende Mißverhältnis zwischen Bevölkerungszif- fer und Größe des Landes hatte vor dem Weltkriege zur Folge gehabt, daß Deutschland zum Industriestaat wurde. Es sah sich angewiesen, seine Menschenmassen zu ernähren durch einen Produktionsüberschuß, den ihm seine Industrie gewährte, und den es auf dem Weltmarkt absetzte.
Dieses Bestreben machte aus der Festlandsmacht einen seefahrenden Weltstaat. Fmmer dringender wurde das Bedürfnis zu ungehemmter Ausnützung der durch das Meer gewiesenen Wege. Das Meer, das in früheren Jahrhunderten 'zunächst nur eine Grenze darstellte und in vieler Hinsicht dem staatlichen Wirken Halt gebot, hatte eine andere Stellung einzunehmen: Statt Grenze zu sein, sollte es im Gegenteil die enge Heimat erweitern und dieser die Lebenssäfte zuführen, die die Außenwelt zu bieten hatte und die das Mutterland brauchte.
So trat Ende des 19. Jahrhunderts Deutschland in den Kreis der Nationen, deren Dasein schon seit langem auf dieser Grundlage errichtet war, denen das Meer schon längst „^Weg" geworden, auf dem ihre Gegenwart, nicht erst ihre Zukunft ruhte.
Der Der hieraus sich entspinnende Kampf um den Weltmarkt wurde mit friedlichen Mitteln soweit geführt, bis diese erschöpft roaren. Dann mußte er mit mathematischer Sicherheit im Kampfe um den 'lebensspendenden Seeweg gipfeln. Der Weltkrieg brachte diesen Gipfelpunkt und entschied gegen Deutschland.
England Ivar und blieb unbeschränkter Herr der Meere.
Eins aber wurde damit nicht geändert: Das Bedürfnis Deutschlands nach dem Wege über See blieb bestehen. Denn weiter bestand das Mißverhältnis zwischen der Bevölkerungs- Ziffer und der Größe des deutschen Mutterlandes, öm Gegenteil! Dieses Mißverhältnis war noch ungünstiger geworden. Nach wie vor war und ist Deutschland angewiesen auf die Zufuhr fremdländischer ^Lebensmittel- im Austausch gegen industrielle Mehrerzeugnisse.
Sn Verfolg dieser Bedürfnisse entwickelte sich trotz schwerster Schläge und trotz ungünstigster Vorbedingungen von neuem eine deutsche Handelsflotte in ungeahnter Schnelligkeit. Und wenn Deutschland heute, zu Anfang des Sabres 1925, wiederum dasteht mit einem Frachtschiffraum, der dem vor dem Weltkriege fast gleich kommt, so ist diese Tatsache nicht nur der Beweis für das vorhandene Bedürfnis, sondern vor allem dafür, daß Deutschland auch heute, nach dem verlorenen Kriege, die „vingt milliones de tro" nicht abzugeben gedenkt, weder als Auswanderer noch auf irgend eine andere seinen Feinden zusagende Art.
Doch in einem besteht ein Unterschied gegenüber der Vorkriegszeit. Mit der Entwicklung der früheren Handelsschifffahrt hielt der Bau einer Kriegsflotte Schritt. Öhr Vorhandensein sicherte die Offenbarung öes für die Handelsschiffahrt erforderlichen Seeweges und verhinderte damit, daß bedrohliche Fragen handelspolitischer Natur durch gewaltsame Unterbindung der zum Weltmarkt führenden Wege ihre unmittelbare Folgerung fanden. Mit diesem Zweck war die deutsche Flotte gebaut wovden. Das in ihr ruhende „Risiko" bot ausreichende Sicherheit in allen Lagen täglich wiederkehrender Konkurrenz- 1 ei'bereien und hatte sehr wohl Aussicht, bald so groß zu werden, daß auch die dauernd und unverändert bestehenden grundsätzlichen Gegensätze eine „balbance of power" jeder anderen Lösung vorgezogen hätten.
Der neuen deutschen Handelsflotte hingegen steht keine See- macbt zu Seite. Auf j.., gestellt ist sie Mittelpunkt eines niemals abreißenden Konkurrenzkampfes. Sie muß ihn führen, um das Leben der auf viel zu kleinem Raum zusammengedräng- ten Massen zu erhalten. Sie muß dies aber vor allem tun angesichts starker feindlicher Seelftreitkräfte, die binnen Stunden in der Lage sinv nunmehr ohne jedes Risiko Deutsch lands Lebensader abzubinden und damit zu beweisen, daß ein Welthandel ohne den Schutz einer Kriegsflotte ein Koloß auf nernen Füßen ist.
Der Ruf nach ausreichender Seemacht muß und wird daher sehr bald allgemein werden, sobald erst einmal weiteren Kreisen vor Augen geführt ist, wie schr Deutschland trotz seiner neuerstandenen Handelsflotte von 'her Gnade seiner wirtschaftlichen um politischen Konkurrenten abhängt.
Auf diese Seemacht an sich soll aber nicht eingegangen sein. Sie als ^ebensnotwendigkett festzustellen mag hier genügen.
Doch kommt es darauf an, zu untersuchen, welche Bedingungen erforderlich^ sind, um einer vorhandenen oder einmal wieder erstehenden Seemacht ausreich. Wirkungsmöglichkeiten zu sichern. Denn mit dem Vorhandensein der Seemacht allein ist es keineswegs getan, öft sie nicht in der Lage, den versperrten Seeweg wieder zu öffnen öder den bedrohten offen zu halten, wird sie trotz mittelbaren Rutzens ihren Zweck wahrscheinlich nicht erfüllen.