Ar. 73
Samstag, den 28. Wär; 1925.
Samstag, den 28. d. Mts. aVndsS-A Uhr Harmonie Ausserordentliche MINIMUM 1. Satzungsänderung.
2 Verschiedenes.
LAmaffchule zu Fulda.
Die Aufnabmesrusung der für die Sexta an- gemeldeten Schüler findet Donnerstag, den 2. April 1925, von vormittags s Mr an èm Schul-
diesem MpuiMtmröen weitere Anmeldungen nicht mehr angenommen. Die noch fehlenden Geburts- und Zmpfscheine, sowie die Abgangszeugnisse der zu letzt besuchten Schule sind vorher abzugeben. Ser Direktor: Vollmer.
Eh Annonce in guter Abfassung sieht das Auge des Lesers an und erfüllt hiermit ihren Zweck.
Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
Stets frisch
Echt
Friedrichsdorfer IZWIEBACK,
Der erste Reichspräsident ist gestorben und alle Deutschen aben an seiner Bahre diejenige Achtung bezeugt, die man dem Präsidenten des Staates schuldig ist. Die politischen Gegner des Herrn Ebert haben sich davon nicht ausgeschlossen. Ihr Verhalten sticht vorteilhaft ab von derjenigen sozialdemokratischen Weise, die z. B. noch beim Hinickeiden der Bitten Kaiserin Hohn und Spott bekundete.
Ein Nachfolger ist zu wählen.
Die Amt sd a » c r des Reichspräsidenten beträgt 7 Jahre. Im Hinblick auf die Bedeutung feines Amtes muß der Gewählte mindestens 35 Jahre alt sein. Die Wahl erfolgt durch das Volk. Nicht der Kuhhandel der Fraktionen wird also über den neuen Mann bestimmen, sondern der gesunde Sinn der Wähler. Diese Bestimmung verdanken wir aber nicht der Sozialdemokratie. Diese hat in der Nationalversammlung den Antrag 690 eingebracht, wonach die Wahl durch die parlamentarischen Körperschaften zu erfolgen habe. Er wurde aber abgelèhnt.
Verfassung Ausnahmezustände verhängen, wenn die öffentlich« Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet ist.
Der Reichspräsident hat also die Exekutive (Ausführung der Gesetze), der Reichstag die Legislative (Gesetzgebung).
Das Volk hat nun das Wort.
Seine Sache ist es, den rechten Mann an den rechten Platz zu stellen. Nicht der Parteigeist, nicht der wirtschaftliche Jnter- essenkampf, nicht konfessionelle oder andere Rücksichten dürfen entscheidend sein, sondern allein der Grundsatz
das Vaterland über die Parteien!
Die deutschen Männer und Frauen sollen sich wohl in acht nehmen, daß sie sich in den nächsten Tagen die Sinne nicht durch faule Versprechungen oder hohle Phrasen umnebeln lassen. Man wird ihnen damit kommen, daß man unseren Kandidaten herabsetzt oder dadurch, daß man allerhand schöne Dinge verspricht, die der neue Reichspräsident angeblich erfüllen soll.
Die Rechte und Pflichten des Reichspräsidenten
sind in der Verfassung genau umgrenzt. Er hat im wesentlichen die Entscheidung über die Ernennung von Reichsbeamten, Gesandten, Offizieren usw., er beruft den Reichskanzler, der das Kabinett zu bilden hat, in seinem Namen werden völkerrechtliche Verträge abgeschlossen. Er kann auf Grund des Artikels 48 der
Sache des Reichstages ist die gesamte Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik, Finanzpolitik, Fragen der Justiz usw.
Darausergibtsich, daß die Wahl des Reichspraudeu- ten eine ganz besondere Bedeutung hat. Der 29. März soll zeigen, ob das deutsche Volk aus den letzten 7 Jahren gelernt hat oder nicht.
Unser größtes Unglück war die innere Zerrissenheit und Uneinigkeit
der Kampf der Parteien und Stände untereinander,
die Würdelosigkeit in nationalen Fragen und
die wirtschaftliche Korruption nach der Revolution.
Deutschland hat nicht an sich selbst geglaubt.
Deshalb ist es so tief gesunken. Deutschland ist von seinen Gegnern nicht nur wie eine Kolonie behandelt worden, sondern bat sich vielfach mit diesem Gedanken abgefunden und war bestrebt, den Großen in der Welt in allen Stücken gefällig zu sein.
Drei Stunden nach dem Tode des Herrn Ebert empfing bereits der Führer der französischen Regierungsparteien, Herr L o « ch e u r, den Vertreter der demokratischen Vossischen Zeitung. Herr Loucheur versicherte diesem, daß der eben verstorbene Reichspräsident der einzige echte Sozialdemokrat gewesen sei, daß er die Hoffnung habe, Ebert möge nicht durch einen „Nationalisten" ersetzt werden. Ein anderes demokratisches Blatt versichert, daß man in London gern die Wahl des Herrn Marx sâhe!
Alle deutschen Wähler und Wählerinnen, gleichgültig, welchen Standes, werden der Ansicht sein, daß die Wahl am 29. März unsere eigene Angelegenheit ist. Wir müssen einen Präsidenten wählen, der die deutschen Belange vertritt und nicht danach fragt, ob er Herrn Loucheur oder sonst einen Politiker der Ententestaaten gefällt oder nicht. Das heißt: es muß ein Reichspräsident erkoren werden, der frei ist von der Internationale in jeder Gestalt.
FerdStemler
FriedrichsdorfiTaunus! gegr. 17öß bei
Conrad Hein
Eli NMMM.
iS schwefelsaures WM verkauft
Gaswerk Fulda.
Stricken!
Sämtliche Stückwaren, auch Anstricken von Strümpfen und neu. OM iiiioilnil, Friedrichstraße 26.
Diuchsacheü
in
MÄM «MW
liefert
Akzidenzdruckerei
«MUMM
FULDA» ,
Das «nWbnrc Luftschiff
Originalroman von Knut Gatzwiller Autorisierte Uebersetzung von Elsa v. Hollander-Lossow. sAlle Rechte Vorbehalten.! — sAachdruck verboten!.
35. Fortsetzung.
Nick antwortete mit Ueberzeugung: „Dann hat er für deine Erfindung noch keine Verwendung. Denn nur um deine Erfindung ist es ihm zu tun. Aber es genügt nicht, sie nur zu kennen, er will sie allein besitzen. Deshalb hat er sich deiner Person versichert, deshalb hat er mich und viele andere hierhergebracht".
„Wie ich dir sagte weiß er noch nichts davon. Und wir wollen abwarten, ob er sie jemals kennen lernen wird", erklärte Holm mit wachsender Hartnäckigkeit.
Nick lächelte verstohlen, während er antwortete:
„Ech würde mich so sehr freuen, wenn du als Sieger aus dem Kampfe hervorgingest. Aber du kennst seine Mittel noch nicht. Er ist stets der Stärkere Holm".
Holm erhob sich mit zusammengebissenen Zähnen und schlug heftig auf den -Tisch. „Vielleicht Nick. — Aber das eine sage ich dir: ich nehme den Kampf auf, und sollte der gelbe Satan mich auf die Folter spannen. Begreifst du denn nicht, was dies für mich bedeutet? Hier handelt es sich nicht um Geld hier handelt es sich um die Ehre. Auf das Gold will ich verzichten, aber die Ehre der Erfindung beanspruche ich für mich!"
Nick legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. »Passen wir heute die Frage ruhen", sagte er.
Sing Lee erschien auf der Veranda mit den neuesten New- yorker Zeitungen.
Vick griff nach den Zeitungen, zündete sich eine Pfeife an und sagte, indem er Holm auch ein paar Blätter zusteckte:
„öeßt wollen wir es uns bequem machen und uns von den neuesten Telegrammen erzählen lassen, wie die altmodischen Menschen jenseits des großen Teiches ihre Schlachten schlagen!
Mährend sie noch in die Lektüre vertieft waren, stand auf einmal Baron Mamimura vor ihnen, begrüßte sie, setzte sich schweigend neben Holm betrachtete ihn verstohlen und sah die schwarzen Augen in dem sonst ruhigen Gesicht unheilverkündend blitzen. Einige Minuten saß er unbeweglich, dann wendete er sich Zu Holm und Jagte:
„Unser Deutscher bewahrt noch immer sein Geheimnis. Ech ^wundere den Mann um seiner Vaterlandsliebe und seiner an Hastigkeit willen, sein Geheimnis für das Kriegsminifte- nusu seines Landes bewahren zu wollen!"
Holm antwortete mit einem ironischen Lächeln:
„Ech fürchte, Sie werden auf die persönliche Unterstützung des Deutschen verzichten müssen. Soweit ich diese Nation kenne, kann ich sagen, datz er sich lieber töten läßt und das Geheimnis mit ins Grab nimmt, als datz er das einer fremden Macht überantwortet".
„Töten? Wer sagt, datz ich den Mann töten würde? Man tötet ein Genie nicht gern; außerdem bewundere ich seine Ze- stigkeit und seine Liebe zu seinem Lande. Nein, ich habe vor, ihn ein paar Tage in Ruhe zu lassen, und kommt er dann nicht auf bessere Gedanken, so bin ich leider genötigt, ihm zu zeigen, datz ich mit Gewalt mir stets das aneignen kann, was man mir im Guten verweigert. Ech tue es nicht gern; man kann leicht ein so vortreffliches Gehirn auf Lebenszeiten zerstören. Außerdem ziehe ich es vor. mit meinen Gästen in aller Freundschaft zu verkehren!"
Holm schwieg und beschränkte sich darauf, trotzig Mamimu- ras Blick standzuhalten, als dieser jetzt in seinem gewoynten ruhigen Tone fortfuhr:
,Mie Sie wissen, liebe ich es nicht, Zeit zu vergeuden, und ich mache öNen deshalb diesen Besuch, um Ehnen in aller Freundschaft vorzuschlagen, datz wir jetzt zunächst an die Ver- tiefung und Vervollkommnung ößrer großen und wichtigen Erfindung — der Lhamäleonfarbe — gehen!"
Holm hatte das erwartet. Er erhob sich und trat auf Ma- mimura zu.
„Was wissen Sie überhaupt von meiner Erfindung?"
Der Eapaner blieb sitzen und antwortete phlegmatisch: „Alles hinsichtlich der Resultate Ehrer Experimente, aber nichts über die chemische Zusammensetzung".
Holm lächelte leicht. „Dann bedaure ich, Bsron Mami- mura, Ehnen sagen zu müssen, datz Lie in Zukunft ebenso unwissend sein werden wie in diesem Augenblick!"
„Line unhaltbare Prophezeiung, Herr Holm! Ohne Zweifel sind Sie sich selbst der ungeheuren Tragweite und des Wertes ößrer Lhamäleonfarbe bewußt, wohlverstanden, wenn diese im Besitz einer einzelnen, kriegführenden Macht ist."
„Und diese kriegführende Nation sollte Eapan sein. — öd) verstehe Sie durchaus; aber ich möchte Lie nochmals darauf aufmerksam machen, datz das nie geschehen wird. Das Rezept der Mischung steht nur hier", — Holm deutete auf seine Stirn, — und das Ligentumsrecht gehört mir, — und niemandem sonst!"
Der Eapaner lächelte liebenswürdig: „-Lun Sie mir den Gefallen, hinzuzufügen: Noch!"
^olms Brauen zogen sich zusammen und er ballte die Hände als er antwortete:
„Niemals wird eine einzelne Macht darüber verfügen, — am allerwenigsten für Kriegszwecke."
-Leine Heftigkeit drohte ihn zu übermannen, als er zornig fortfuhr:
„Ech verstehe Ehre schlauen und teuflichen Pläne so gut — wenn öapan mit Hilfe meiner Lrfindung sich imstande sähe, Schiffe, Truppen, Aeroplane so gut wie unsichtbar zu machen, um noch ehe irgend» eine andere Macht etwas von dem Vorhandensein meiner Erfindung ahnte, Europa in den Rücken zu fallen."
Mamimura nickte ermunternd: „Letzen Sie doch Amerika hinzu, so kommen Sie meinem Gedankengang noch näher. Aber erregen Sie sich nicht so sehr, ich möchte Ehre vortreffliche Nerven für kommend Zeiten bewahren!"
. Er zündete sich ruhig eine neue Zigarette an und sagte zu Nick gewendet: „En erster Linie war es natürlich mein Gedanke, Ehr Flugzeug mit Hilfe von Holms Farbe unkenntlich zu machen. Denken Sie, junger Mann, was für eine prächtige Kombination würde das Jein: ein geräuschloses und ein fast unsichtbares Kampfflugzeug."
„Aber wie niedrig wäre es, gegen die bestehende Zivilisation solche Kampfmittel in diesem furchtbaren Kriege anzuwenden", warf Holm ein.
„Mit unsern Augen gesehen, möchte ich es fast einen herrlichen Krieg nennen, gerade das, was unsere Nation schon lange gewünscht hat", erklärte der Eapaner mit seinem unveränderten Lächeln, „und was das Wort Zivilisation betrifft, so sollten die Repräsentanten des Westens mit diesem Ausdruck etwas vorsichtig umgehen. Glauben Sie mir, meine jungen Freunde, — dieser Krieg wird, noch ehe er zu Ende geht, das, was die Europäer und Amerikaner früher Zivilisation nannten, nur als einen sehr undeutlichen Begriff zurücklassen."
„Das wäre kein Grund, öapan in den Stand zu setzen, als außenstehende Nation mit solchen Kampfmitteln den Krieg noch blutiger und furchtbarer zu machen", sagte Holm.
Listig funkelten die Augen des Eapaners, als er antworte: „Außenstehende! Keine Macht ist außenstehend, wenn es gilt, die Weltherrschaft ansich zu reißen. Warum aber sollten wir, die ihr die gelbe Nation nennt eigentlich unsere Kräfte und gewisse technische Errungenschaften gerade jetzt, in diesem Kriege benutzen? — Nein, nicht jetzt, aber später! Unsere Zeit wird kommen, wenn Europa verblutet und schwach am Bo den liegt, von inneren Kriegen und Streitigkeiten vernichtet".
(Fortsetzung folgt).