Bon Drinnen und Draußen.
Berlin, zweite Märzwoche 1925.
Novdpol ist ein komischer Kerl. Lr hatte sichs nun . un ibcn einsamen «Liskopf gesetzt, sich nicht „entdecken" 4 alten Nicht wn den nordischen Seeräubern, die früh em- daß da nichts wächst und nichts zu holen ist. Nicht von 5 idotos der dabei ein bißchen die Hudsou-Bag «entdeckte (die bus Amerika entdeckt hat und eigentlich nach Indien Nicht von dem Dänen Bering, der im Tode eine Graste benennen durfte. Nicht von Look, «dem Seefahrer, von ?em wir in unserer Sugend Bücher gelesen. Hundert und einige \ bte nach ihm aber kam ein anderer Loök (vb verwandt mit "hm oder gar mit dem gleichnamigen Ankläger Lord Bacons, L nitf)t). Der fuhr von Amerika aus. Und als er wie- der heimkam, sagte er: „Kinder, schreit alle Hurra« Sch war am Rordpoill" Und noch als ihm — nicht gerade von den Kindern, -ie „Hurra" geschrieen hatten — nachgewiesen wurde, daß er am geographischen Pol gar nicht gewesen sein konnte, sondern nur am Pol seiner Träume, schwur er Stein und Bein; und fand gute Leute, die ihm glaubten. Die aber hat er leider nicht nur im einigen Lise, sondern auch im Petroleum gefunden. Später. Und hat in diesen öligen Geschäften so allmählich dreißig Mi!- lonen Dollar — unterschlagen. Wofür er jetzt so auf zwölf Nhrchen hinter die schwedischen Gardinen wandert, die alle Abenteurer und alle Seefahrten verhindern . . .
Sch zerdrücke eine «Träne, Die sich schlich ins Ange sacht'. Tüchtigster der Kapitäne, Nein, was hast du bloß gemacht«? Einstmals auf der rUst'gen Reife
Hast du forschend dich erkeckt, Bis du tief im ew'gen «Life Meuchlings hast den „Pol" entdeckt. Groß dein Ruhm wie deine Spesen — Und mit Staunen hört's die Welt . . . (Daß du gar nicht dort gewesen, Hat sich dann herausgestellt.)
Und als Redner auf «Turneen
Hast du kunstreich dann verwebt, Was du Schönes dort gesehen, Was du Tapfres dort erlebt.
Und den Lauschern sind die Ohren
Sn dem gutgehoizten Saal
Und die Füße schier erfroren
Von der Schild'rung deiner Qual.
Und Sournale, vielgelesen, Trugen deinen Ruhm ins Land — («Daß du gar nicht dort gewesen, Wurde später erst bekannt.)
Schwieriger als in jungen Tagen
Au erforschen einen Pvl, Scheint's, Millionen unterschlagen.
Und man fühlt sich nicht so wohl, Denn man fürchtet das Verhängnis, Das uns klappt zu seiner Zeit— Einsamer ist's im Gefängnis, Als im Norden, noch so weit.
Und zu sprechen oder lesen
Vor 'nem ausverkauften Saal, Daß man wirklich dort gewesen — Nein, das wäre doch fatal«
Lr hätte bei der Stange bleiben sollen. Beim Beruf des Kapitäns und Märchenerzählers. Wie es nicht gut ist, zu oft die politische Ueberzeugung zu wechseln — wie Herr Barmat, der erst Bolschewik, dann Ukrainer, dann Sozialist und schließ- sich lästig wurde — so ist das ewige Wechseln der Berufe ungesund. (Manchmal auch für die anderen; wenn ;. B. Liner plötzlich Wunderdoktor wird, der schon vorher nichts von der Medizin verstand). 2n einer Zeitung las ich, der gute Kapitän Look hätte eine Zeitlang auch daran gedacht, sich politisch zu betätigen und mit dem Kommunismus kokettiert. Ueber den Kommunismus hat, scheint mir, Vergniaud dessen Leben von der Advokatur in Bordeaux bis zum Schafott in Paris in seiner Tragik und seinen Widersprüchen jeder kennen sollte, der über „Revolutionen" spricht — das Hübscheste und Linfachste in einer seiner berühmten zündenden Reden gesagt: „Lin Tgrann des Altertums hatte ein eisernes Bett, auf das er feine Opfer werfen ließ, um diejenigen zu verstümmeln, die zu groß für das Bett waren, und auf martervolle Weise die anderen auszudeh- nen, die kleiner waren, um sie lang genug für sein Bett zu machen. Dieser Tyrann liebte die Gleichheit. Die Gleichheit aber ist für den sozialen Menschen nur eine Gleichheit der Rechte. Sie ist ebenso wenig die Gleichheit des Vermögens wie der Gestalten, der Kräfte, des Geistes, der Tätigkeit, der Gedanken . . . Der gute Kapitän Look «hat nach dem kleinen Flirt mit dem Kommunismus dann wieder den armen Vergniaud mißverstanden, der in der großen Revolution, sich zu retten, den König aufs Schafott schickte. (Wohin er ihm bald nachfolgte) So sind die Menschen. Die Macht imponiert und die Todes- nähe zwingt umzulernen. Sn Mexiko hat jetzt der heilige Berg der Azteken, der von uns ungern ausgesprochene Popokatepetl wieder angefangen zu speien. Das hat er zum letzten Mal gemacht, als Fernando Tortez da drüben mit sechshundert Fuß- soldaten einer Handvoll Reitern und einem Dutzend Geschützen das Azteken-Reich auf seine überzeugende Art mit dem Kreuz bekehrt und mit dem Schwert unterworfen batte. Und jetzt nach vierhundert Fahren verleugnen plötzlich die «erschreckten Sndi-a- nevstämme, die am Fuß des Popokateptl «ihre Felder bestellen, das von Tortez gebrachte Christentum, das ihnen nichts mehr hilft gegen den ergrimmten Vulkan, und beten in ihrer Angst wieder das Feuer an; die heilige Flamme, vor der ihre Ahnen gekniet . . . Und wie der alte Popokatepetl, der eingeschUch- tert und beruhigt schien, plötzlich wieder wild ausbvicht in altem «Haß und alten Flammen — wer weiß, ob nicht unter den braunen Indianern Mexikos, die zu des guten Montezuma Zeiten sich duckten unter Kreuz und Schwert, der alte Haß auflodernd ausbvicht gegen die weißen Unterdrücker, die scheinheiligen Ausbeuter . . . Die Schiller'sche Philosophie: „Wenn ich hasse, so nehme ich mir etwas. «Wenn ich liebe, so werde ich durch das reicher, «was «ich liebe" — «ist noch nicht bis zum Popokatepetl gedrungen. Und manchmal ist sie sogar näher bei Weimar, wo sie schon bekannt wurde, (z. B. bei mir) nicht immmer so glatt durchführbar, so einleuchtend sie auch scheint. 2ch bekennne ganz «ehrlich:
Seit die Torheit mich verlassen, So die Fugend mir verschönt, Hab' ich mir das heiße Hassen Sachte, seufzend abgewöhnt. Und die Menschen, die mir gehen Wider'n Strich und wider'n Sinn, Such' ich milde zu verstehen, Weil «ich selbst vernünftig bin.
Die mich hassen und verachten, Weil ich „anders" bin als sie, Kann ich ganz vergnügt betrachten, Mit der Welt in Harmonie.
Denn es scheint mir längst geboten, Weil's dem Herrgott so beliebt, Daß es Flegel und Fdioten Auch 'ne hübsche Menge gibt.
Einen Feind nur hab' ich, einen, Der «mich pisackt, höhnt und hetzt; Und es will mir manchmal scheinen, Daß er 'ne Armee ersetzt.
Täglich Krieg' ich ihn zu fassen, Täglich treibt er neuen Stuß, «Während ich ihn hrezlich hassen Und doch — zart behandeln muß.
Dieser Kerl, — der Satan schickte Fhn mir selber — hat's geschafft, Daß ich «hüpfte und mich bückte Und zersprang vor Leidenschaft; Daß' ich beinah' mich erschieße Und vor Wut verlier' den Kopf. Dieser Bursch ist voll Malice, Türk' und Kniff — mein Kragenknopf!
Bin ich eilig in der Fremde, Tanzt er in der Hand Ballett; Hüpft mir aus dem steifen Hemde, Kollert kichernd unters Bett. Kriech' ich, fluchend im gelinden Wahnsinn auf dem Boden rum, Läßt der Kobold sich nicht finden, Hockt im Staub und stellt sich dumm.
Steh' ich wo im feierlichen, Leider schon zu engen Frack, Treibt er erst mit Druck und Stichen Fn den Hals viel Schabernack.
Schließlich — nein, wie ich das finde« — Rutscht er heimlich aus dem Loch, Bis mir meine weiße Binde, Ueber Hals und Kragen kroch . . .
Fahre hat er's so getrieben, Treibt's so weiter bis ans Grab. Nein, ich will die Menschen lieben, Denen viel ich schon vergab.
Seufzend im Verstehn umfaß ich Selbst des Alltags Sorgenlast — Meinen Kragenknopf, den — haß ich, Wie ich Keinen noch gehaßt«
Diogenes.
srdentt. Hauptversammlung
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3.
4.
tb;
uldaer Spar- u. Bauvereins e.G.m.bH.
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1.
2.
für die
Mitgwdrr des Emr- n Baumelns G.m.b.S.
zu der am Samstag, den 21. März 1925, abends 8 Uhr, im grossen Saale der „HARMONIE“ stattfindenden
Bericht des Aufsichtsrates.
Bericht des Vorstandes nebst Vorlage des Nechnungs- abschlusfes für das Geschäftsjahr 1924, sowie Aussprache hierüber.
Genehmigung des Abschlusses, Beschlußfassung über die Gewinnverteilung und Entlastung des Vorstandes. Ersatzwahl für den versetzten Aufsichtsratsvorsitzenden und die ausscheidenen "lufsichtsratsmitglieder.
5. Aenderung der Satzungen.
6. Festsetzung der Höchstgrenze der aufzunehmenden Anleihen und Spareinlagen, sowie des Zinsfußes für Spareinlagen.
7, Behandlung etwaiger Anträge (solche müssen bis zum 18. März 1925 beim Vorstand ^riftlich eingereicht sein.
Der Vorstand d
Gutberlet. Räumschüssel.
Weinern.
Müller.
Schürger, Stöpsel
ÄnBÄfeterHfÄ^
Der Erwerb eines Eigenheims bei Wochenspar- raten von too M. an
uues «Kapere gegen Einfenbung von O.4O Mk. für Porto Drucksachen, Pläne etc. durch die
Rentenheim-Evar- und Baugstetlichast Th. Boland, EUen-R., am Sandelshos liv lBürohaus Barmer Bankverein) Bertreter an allen Plätzen gesucht.
Hus verlorenen Sonnenländern!
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im roten Saale des Stadtsaales in der Zeit vom 15.—17. März d. J.
Eröffnung: Sonntag, den 15. März, vorm. 10 Uhr.
Sämtliche Gegenstände sind Eigentum des Vereins und dessen Mitgliedern.
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