MMM Mvrvrnskiiunv.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
Nr. 62
Sonntag, den 15. Mär? 1925.
Fritier redivivus.
Längere Zeit nach seiner Rückkehr aus der Festungshaft hat Hitler sich zunächst aus der Oeffentlichkeit ferngehalten. öct?t ist er wieder an die Oeffentlichkeit getreten und man muß wenigstens was München anbelangt, sagen, daß sein Wiedereintritt ins politische Leben zunächst wenigstens ein voller Er- sp^ gewesen ist. Boshafte Leute, wie unter anderem die frankfurter Zeitung" haben allerdings geglaubt, aus dem Zeitpunkt feines ersten öffentlichen Wiederauftretens gerade ^sschen Faschingsschluß und Beginn der Starkbiersaison fiele dieses Ereignis in eine Ebene mit diesen für den Münchener allerdings auch sehr wichtigen Ereignissen. Wer aber der Versammlung beigewohnt, Hitler gchört, und gesehen hat, wie sich schon früh am Rachmittag die Massen zu der Versammlung drängten, mit welcher Begeisterung Hitler empfangen wurde, hat doch einen etwas anderen Eindruck bekommen, und jedenfalls darf Hitlers erstes Wiederauftreten als ein politisches Ereignis von nicht zu unterschätzender Bedeutung gewertet werden. Mehr als mit Fasching und Stackbiersaison ist Hitlers Wiedererscheinen in der Oeffentlichkeit wohl mit dem Lode des Reichspräsidenten, der ja fast am gleichen Lage eingetreten, in vergleichende Verbindung zu bringen. Man mag zu Hitler und der von ihm geführten Bewegung stehen wie man will, aber eines drängle sich auch dem unparteiischen Zuhörer unwillkürlich auf: auf der einen Seite das Hinscheiden des ersten Präsidenten der Deutschen Republik — einer ebenfalls stark umstrittenen Persönlichkeit. Auf der anderen Seite nach langer Festungshaft und längerer freiwilliger Zurückhaltung die Wiederauferstehung des von feinen politischen Gegnern 'bereits für abgetan oder dem Lode der Lächerlichkeit verfallen gehaltenen Führers einer Bewegung, die nach staunend schnellem Aufstieg nach dem Unglück vom 9. Rovember im Innern zerfallen und der allmählichen Auflösung preisgegeben schien.
Setzt aber will es scheinen, als ob mit Eberts Tode die rückläufige Bewegung der am 9. November 1918 durch die Revolution nach oben getragenen politischen Kräfte endgültig beseitigt sei. Dagegen ist Hitler, nachdem sein Versuch durch ähnliche Mittel, wie im November 1918 die Sozialdemokraten es erfolgreich getan haben, eine Wendung in unserm politischen Leben herbeizuführen und die Macht an sich zu reihen, mißglückt ist, nachdem man ihn und seine Bewegung für erledigt hielt, wider Erwarten nicht nur feiner politischen Gegner, sondern auch vieler seiner Freunde, mit einem grohen Anfangserfolg wieder auf der politischen Bühne erschienen und hat gezeigt, daß er und seine Bewegung noch immer über einen erheblich größeren Anhang verfügen, als seine Gegner es wahrhaben wollten.
Jedenfalls hat Hitler den jetzigen Zeitpunkt sehr geschickt gewählt. Es liegt nahe, den oben begonnenen Vergleich weiter auszuspinnen. Ebert und Hitler, beide hervorgegangen aus der Arbeiterschaft, beide emporgetragen aus der großen Masse, durch von ihnen geführte politische Bewegung. Der eme nach erfolgreich durchgeführter Revolution, sofern man die Ereignisse vom November 1918 mit diesem Namen bezeichnen will, dann berufen zum höchsten Amte, das nach der neuen Verfassung im Deutschen Reiche zu vergeben war. Der andere aus dem Felde zurückgekehrt, ohne Anhang, unbekannt, nicht einmal von Geburt Reichsdeutscher, der erst aus dem Nichts heraus eine Bewegung schuf, die auf dem besten Wege war, so wie früher die Sozialdemokratie, die breite Masse und zwar nicht nur der Hand —, sondern auch der Kopfarbeiter, in sich zu vereinigen. Beide haben, der eine länger, der andere kür-
(Von unserem Münchener P-Korrespondenten).
zere Zeit, einen riesenhaften, wohl kaum erhofften Aufstieg ihrer Bewegung miterlebt, beiden war es beschieden, nicht nur einen Rückgang, sondern man kann ruhig sagen, einen Zusammenbruch der von ihnen geführten Bewegung mit zu erleben. Aber während Ebert noch vor seinem Tode den katastrophalen moralischen Zusammenbruch seiner alten Partei durch die Korrup- tionsaffären Barmal und Kutisker miterleben mußte, nachdem schon die letzten Sahre in der Praxis ergeben hatten, daß sozialdemokratische Regierungskunst uns bis an den äußersten Rand des Abgrunds geführt, von dem erst im letzten Augenblick eine aus den bürgerlichen Parteien gebildete Regierung uns zurück gerissen hat, hat Hitler, nachdem seine Revolution am 9. November 1923 den bekannt unglücklichen Verlauf genommen, er selbst, sowie die anderen besten Köpfe seiner Bewegung durch Gerichtsspruch und Festungshaft ausgeschaltet, und seine Bewegung vor allem durch innere Zwistigkeiten .in vollster Auflösung schien, es verstanden, mit einem Schlage bei seinem Wiederauftreten die widerstrebenden Elemente zu einigen, und bedeutende Massen um sich zu scharen, auf die gestützt er seine Bewegung von Grund aus neu aufbauen kann.
Man mag zu Hitler und seinen Zielen stehen wie man will, -eines ist sicher, daß man ihn keineswegs unterschätzen darf und daß es erforderlich ist, die Weiterentwicklung feiner Bewegung mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen. Man darf nicht vergessen, daß Hitler es verstanden hat, zum Teil durch Methoden, die er direkt der Sozialdemokratie abgelauscht hat, große Massen gerade aus der Arbeiterschaft zu gewinnen, und auch Entrüstung über die von ihm und seinen Anhängern angewandte Kampfesweise schafft die Tatsache, nicht aus der Welt, daß er bisher der Einzige gewesen ist, dem es gelungen ist, erhebliche Massen den marxistisch eingestellten Parteien abspenstig zu machen, und für den von ihm vertreten nationalen Gedanken zu gewinnen.
Es ist allerdings keine kleine und leichte Arbeit, vor die Hitler sich jetzt gestellt sieht und auch sein Anfangserfolg dürfte nicht darüber hinwegtäuschen, daß er bei der Bedeutung der zwei großen Aufgaben, die es für ihn zu lösen gibt, sehr erhebliche Schwierigkeiten überwinden muß. Die erste von diesen Aufgaben, und vielleicht die schwerere ist, die alle die widerstrebenden Elemente, die heute in Deutschland unter der Firma „National und Völkisch" gehen, unter einen Hut zu bringen. Zum Teil ist es ihm gelungen, wie lange aber diese Einigung vorhält, und ob dieselbe sich auch über die Grenzen bayerns hinaus mehr oder weniger restlos durchführen läßt, ist eine noch offene Frage. Seine andere Aufgabe, feine Bewegung auch nach außen hin erfolgreich weiterzufllhren, wird ebenfalls nicht leicht sein. Am ehesten wird es ihm wohl gelingen, unter Ausnützung all der zahllosen Skandale seine alten Gefolgschaften aus dem sozialistischen Lager zurückzugewinnen, und noch darüber hinaus von dort Zuzug zu erhalten. Erheblich ernster zu bewerten ist der Widerstand, auf den er besonders bei den mittleren Parteien stoßen dürfte. Abgesehen von dem an sich schon mehr links wie rechts eingestellten Reichszentrum ist es vor allem die bayerische Volkspartei, die bereits in scharfer Form gegen ihn Stellung genommen hat, und die es auch nicht bei Worten hat bewenden lassen, sondern die ihr zur Verfügung stehenden staatlichen Machtmittel zur Anwendung bringt, indem sie zunächst die von Hitler beabsichtigten Massenversammlungen durch polizeiliches Verbot unterbunden hat. Entweder ist Hitlers Bewegung lebensfähig, und dann wird sie sich auch gegen
über solcher Maßregeln durchsetzen, oder aber sie ist es nicht, und baun tut man klüger, sie sich von ihren eigenen Zwistigkeiten selbst zersetzen zu lassen. Man begreift allerdings, daß die bayerische Regierung und die bayerische Volkspartei, die ja zweifellos in bayern zur Zeit die absolut vorherrschende Macht ist von vornherein versuchen, dem falscherweise totge- glaübten und unbequemen Konkurrenten um die Gunst der Masten das Wasser abzugraben, wenn man Gelegenheit hat, die Stimmungen in den verschiedensten Schichten und Kreisen der Bevölkerung kennen zu lernen. Richt nur die national gesinnte Jugend ist es, die bereits wieder Hitlers Fahne zuströmt, sondern es sind auch weitere Kreise der Arbeiterschaft, der Kleingewerbetreibenden, der Angestellten, der mittleren und unteren Beamtenschaft, und der kleinen Landwirte, aus denen sich jetzt Hitlers Partei wieder neu rekrutiert.
Etwas fadenscheinig erscheint auch die formale Begründung für die Versammlnugsverbote, die sich auf die angebliche Aeußerungen Hitler's in feiner ersten großen Rede stützt: „^Entweder der Feind geht über unsere Leichen, oder wir über die seinen". Ob diese Aeußerung tatsächlich so tragisch zu nehmen ist, erscheint zum Mindesten zweifelhaft, denn es ist wohl kaum anzunehmen, daß nach den am eigenen Leibe gemachten Erfahrungen Hitler tatsächlich in Kürze wieder den Versuch machen könnte, feine politischen Ziele auf dem Wege der Gewalt durchsetzen, umso mehr, als über ihm das ‘Damoklesschwert der Bewährungsfrist für die von ihm noch zu verbüßende Fef- tungsstrafe und ev. sogar, das seiner Ausweisung als lästiger Ausländer schwebt. Jedenfalls ist eine solche Aeußerung sicher -nicht tragischer zu nehmen als die bekannte Kandelaberäußerung von Herrn Ebert jun., von der man bisher noch nicht hörte, daß sie irgend einer Behörde Anlaß zum Einschreiten gegeben hat.
Jedenfalls wird Hitler zunächst genug zu tun haben, um, abgesehen von dem oben erwähnten äußeren Widerstand, vor allem auch den im eigenen Lager M überwinden und niederzuhalten. Schon deswegen erübrigt sich eine blinde Ueberschätzung Andererseits aber wäre es grundfalsch, in das Gegenteil zu verfallen, und die Bedeutung, die Hitler und feine Bewegung zweifellos innewohnt, zu unterschätzen. Denn Hitler ist nicht nur der Trommler und Demagog, als den ihn seine Gegner hinstellen; wenn man ihn hört, und sein Wirken verfolgt, so hat man doch den unbedingten Eindruck, eine Persönlichkeit vor sich zu haben, die nicht nur durch eine hinreißende Rednergabe es versteht, die Masten zu packen und mit sich fortzureißen, nicht nur einen Idealisten, der mit beinahe fanatischer Glaubenskraft seinem Ziele zustrebt, sondern auch, was ihm vielfach abgespro- chen wurde, eine ausgeprägte Führernatur, wie sie sich im politischen Leben Deutschlands wvhl kaum ein zweites Mal wiederfindet. Schon diese Eigenschaften erklären vielleicht zur Genüge Hitler's bisherige Erfolge. Vor allem darf man eines nicht vergessen, daß der Idealist Hitler eine von den Persönlichkeiten ist, die bislang aus der politischen Tätigkeit für ihre eigene Person nicht den geringsten Rutzen und Vorteil heraus- geschlagen, sondern im Gegenteil alle persönlichen und materiellen Opfer für ihre Sache gebracht haben. Und das ist es, was letzten Endes Hitler als Persönlichkeit gerade heute so sympathisch macht, wogegen für wei^e Kreise unserer Politiker die Politik nur ein dazu manchmal recht schmutziges Geschäft gewesen ist. Man darf nicht vergessen, welch intensiver Aufmerksamkeit sich eine Persönlichkeit wie Hitler erfreut, und wäre
Jas unsichtbare MW Origiualroman von Knut Gatzwiller Autorisierte Uebersstzung von Elsa v. Hollander-Lossow. (Alle Rechte Vorbehalten.! — lRachdruck verbotenst
24. Sortierung.
Holm fieberte vor Ungeduld, seine eigenen Experimente in Angriff zu nehmen, und als er nun eine Anzahl Eidechsen aus dem kleinsten Ofen nahm, gab er seinem Verlangen nach. — Hier hatte er ja einen freien Ofen, — niemand würde ihn um diese Zeit stören, — ihm war, als müsse er jetzt in aller Geschwindigkeit irgend einen kleinen Gegenstand dem Prozeß aus- setzen, — er wollte ihn dann nachher mit nach Hause nehmen als sichtbaren Beweis, daß dies alles kein Traum fei, sondern helle, schöne Wirklichkeit.
Hastig wog er die verschiedenen Ehemikasien ab, tat sie in eine längliche Glasschale, goß eine bestimmte Säure darauf und wartete die Spaltung der Bestandteile alb.
Einem offenen Kasten entnahm er ein hübsches kleines Bronzechamäleon von etwa zehn Zentimetern Länge, ließ es eine Viertelstunde in dem Bade, holte es vorsichtig mit einer Pinzette heraus, legte es auf die Kupferplatte und schob sie vorsichtig in den Ofen.
Während er auf das Resultat wartete, wusch er die Glasschale ab und entfernte jede Spur ihrer Benutzung.
Als Holm in dieser Nacht in der Untergrundbahn saß, griff seine Hand immer wieder nervös nach einem kleinen harten und schweren Päckchen in der inneren Rocktasche.
Vom Untergrundbahnhof bis zu seiner Wohnung waren es nur wenige Minuten. Holm lief mehr als er ging, eine unerklärliche Unruhe war über ihn gekommen, fast ein Gefühl von Angst, — alles erschien ihm so unwirklich; doch versuchte er sich selbst zu beruhigen, indem er der großen Erfindung, die er so plötzlich gemacht hatte, die Schuld an seiner Nervosität gab.
— Aber dennoch zitterte seine Hand, als er endlich vor seiner Wohnung anlangte und den Schlüssel ins Schloß steckte.
. Sobald er Licht angezündet hatte, warf er Hut und -Ueber- lieber ab und wickelte das kleine Ehamäleon aus. Es leuchtete ihm grünlich entgegen, als er es dem Papier entnahm, seine ' einen, geschliffenen Augen funkelten im Lampenlichte, und noch lastete ihm der strenge Geruch der Säurebehandlung an.
Holm hielt es bewundernd in der flachen Hand, — die kleine Eidechse saß da in einer Stellung, als wollte sie sich mit einem raschen Sprung von seiner Hand auf seine Schultern setzen. Wie phantastisch waren diese japanischen Künstler! — Von allen Abgüssen, die er behandelt hatte, waren nicht Zwei sich völlig gleich; jeder kleine Gegenstand war an sich ein Kunstwerk. Und dies Ehamäleon, das er für feine Versuche mitgenommen hatte, wirkte wie lebendig, nicht wie ein Abguß aus schwerem, totem Metall.
Holm sah sich nach einer bestimmten Farbe um, auf die er das Tierchen setzen könne, um den Farbwechsel zu beobachten.
Behutsam nahm er es und legte es auf ein großes, blaues, Seid feiner Diwandecke. — Es würden wahrscheinlich einige Minuten vergehen, bevor die Verwandlung emtrat, — darum fleckte er sich die Pfeife an und setzte sich bequem in einen Sessel zurecht, die Uhr in der Hand, um zu konstatieren, wieviele Minuten zu der Verwandlung erforderlich sein würden.
Es vergingen fünf Minuten, — zehn Minuten, ja, eine ganje Viertelstunde. Das Ehamäleon saß noch immer grün auf dem blauen Feld. Vielleicht war das Licht zu schwach. Holm zündete den Kronleuchter an, doch ohne daß sich eine Veränderung zeigte, und ungeduldig ging er auf und ab, unverwandt das Ehamäleon im Auge.
£r sah nach der Uhr, • fünfundzwanzig Minuten und noch immer kein Zeichen der geringsten Farbveränderung.
Schließlich hatte er alle Beleuchtungskörper angezündet, so daß. bas Zimmer von festlichem Licht durchflutet war. Alle Schirme riß er ab und warf sie auf den Fußboden; aber das kleine Ehamäleon trotzte jeder Bemühung. Noch immer saß es grün auf der blauen Decke, und seine kleinen Augen blitzten ihn höhnisch an.
Enttäuscht und ärgerlich griff er danach und setzte es bald auf die eine, bald auf die andere Farbe in der Stube. — doch immer ohne Resultat.
Südlich warf er es mit einem tiefen Seufzer auf den Tisch löschte alles überflüssige Licht und setzte sich, — nachdenklich und rauchend. — Das Ehamäleon saß spöttisch auf dem Tische vor ihm. Es war und blieb grün.
Es war ihm unfaßlich, ebenso verblüffend wie das plötzliche Reagieren der Dolche in der Firma. Die Metallegierung war die gleiche, das Bad und die Säurebehandlung ebenfalls, wie kam es, daß dies Experiment heute mißlungen war?
Holm steckte sich eine neue Pfeife an. Es war schon 2 Uhr vorüber, er mußte sich jetzt zur Ruhe begeben, um morgen mit
frischen Kräften wieder an die Arbeit gehen zu können. Er band Kragen und Schlips ab, und setzte sich dann wieder in den tiefen Ledersessel, während feine Augen unbewußt das Ehamä- leon streiften. Ein gedämpftes Licht lag jetzt über der gemütlichen Stube, nur eine einzige Lampe brannte und warf ihren schwachen Schein auf den Tisch, von dem ihm noch immer Die smaragdgrünen Augen der kleinen Eidechse entgegenblitzten".
Ob er würde schlafen können? Er bezweifelte es. Das Hirn ließ sich nicht so leicht zur Ruhe bringen, sondern arbeitete auf eigene Hand weiter.
Schon als Knabe hatte er so gern in seinen freien Stunden so dagesessen wie jetzt, hatte sich von seinen Gedanken allerlei bildet vorgaukeln lassen oder auf den Schwingen der Phantasie Reisen in Märchenländer gemacht, die überhaupt nicht existierten. Durch die Tabakswolken meinte er zu sehen, wie das Ehamäleon lebendig wurde. — Der Kopf mit den kleinen, funkelnden Augen drehte sich bald hierhin, bald dorthin, und jetzt kroch und sprang es vorsichtig über den Tisch. Mit einem eleganten, lautlosen Sprung glitt es auf die bunte Diwandecke hinunter, seine Augen folgten gespannt dem munteren Spiel, flink und zierlich huschte es suchend über die großen Felder der Decke, wechselte unausgesetzt die Farbe, oft sehr rasch, und nahm so völlig den Ton der einzelnen Felder an, daß es zu verschwinden schien. (letzt setzte es sich wieder auf den Tasch und nahm sofort dessen dunkle, fast schwarze Farbe an, kletterte auf Holms Hand, die auf der Lischplatte ruhte, krallte sich am Hemd ärmel fest und kroch hinauf, um sich dann auf seiner Schulter niederzulassen. Er konnte es nicht mehr sehen, fühlte nur die Bewegungen des feuchten kleinen Körpers an feinem Nacken, langsam drehte er den Kopf um es weiter zu beobachten, und stieß einen Ruf der Ueberraschung aus. —
Hinter dem Stuhl stand — Baron Mamimura lächelnd und Ne gant wie immer. Er nahm mit zierlicher Bewegung den Seidenhut ab und stand stumm lächelnd neben dem Stuhl. Holm fühlte eine eisige Kälte durch feine Adern strömen; er wollte sprechen, fragen, auffahren, konnte aber nicht ein Glied rühren, ^och immer spürte er das Ehamäleon auf seiner Schulter und fühlte den hastigen Pulsschlag in dem kleinen Körper hämmern, er. selber aber meinte zu Eis zu erscharren. Vor ihm stand Mamimura, die Hände auf dem Rücken, noch immer lächelnd, während seine großen mandelförmigen Augen strahlten und sich zu weiten schienen.
(Fortsetzung folgt).