Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
Rr. 61
Samstag, den 14. Mär) 1925.
KOifche Morgenzettung.
Deutschlands größte Meßhalle,
Von Friedrich Huch, Architekt.
Leipzig, März 1925.
Die Baumeste nimmt auf dem Gelände der Technischen Meste nur einen verhältnismäßig kleinen Raum ein; in Wahrheit erstreckt Jie sich aber über das ganze Meßgelände, da die grohen, in den letzten Mähren errichteten Hallenbauten Hochlei- ftungen der deutschen Bauindustrie sind und, besser als Mate- rialproben, Baugegenstände und Modelle, den Wiederauf- /chwung der deutschen Bauindustrie nach dem Kriege veranschaulichen.
Die diesjährige Frühjahrsmesse brachte uns aber in bau- techmfcher Hinsicht noch ganz besondere Ueberraschungen. An der jetzt geöffneten und regulierten „Strafe des 18. Oktobers" sind drei neue große (Hallen 7, 8 und 9) entstanden zu den 80 000 qum. der bisher vorhandenen Ausstellungs- und Verkehrsräume find weitere 50 000 qum. hinzugekommemHierdurch
hat sich schon das äußerste B ild der Lechnischen Meste vollkommen verändert sie gewinnt immer mehr den Lharäkter einer Stadt in Stein und Eisen mit breiten Verkehrsstrahen, höhen, imposanten Hallen und bunten Pavillons.
Obwohl auch die Hallen 7 und 8 (die erstere existierte zwar bereits, ist aber umgebaut und bedeutend lerweitert) sehr beachtenswerte bautechnische Leistungen darstellen, möchte ich mich hier nur mit Nr. 9 der größten Halle der Messe, die zugleich die größte deutsche Ausstellungshalle ist, beschäftigen. Sie umfaßt die Sonderausstellung des Vereins Deutscher Werkzeug- maschinen-Fabriken, die schon immer den großartigsten Teil der Messe bildete, jetzt aber die kühnsten Erwartungen übertrifft. 21 000 qum. Ausstellungs- und Verkehrsfläche wurden hier unter ein Dach gebracht. Wer in den letzten Monaten in Berlin die große Automobil-Ausstellung oder die Radio-, oder auch die Messe der Bekleidungsindustrie'besucht hat, der wird sich leicht eine Vorstellung von der neuen Halle 9 der Leipziger Messe machen können^ wenn ich hinzusetze, daß die neue Auto- mobilhalle am Kaiserdamm in Berlin nur etwa 10 000 qum. Grundfläche besitzt. Die neue Leipziger Riesenhalle ist also mehr als doppelt so groß.
Unsere Abbildung stellt einen Querschnitt durch die Halle 9 dar. Die Gesamtbreite beträgt 83 Meter, die Länge 195 Meter. Die äußere Umschließung der Halle ist in Fiegelroh- bau, ausgeführt. Mir sehen im Querschnitt, daß die Lisen
M suche eine Wohnung.
(Nachdruck verboten).
Zuerst habe ich mir überlegt: wieviel kann ich ausgeben. Als das feststand, habe ich mir eine „Gegend" gewählt, ön der Großstadt hat das seine «Schwierigkeiten. Bede Gegend hat ihren Preis, und .entsprechend ihrer Entstehungszeit, größeren oder geringeren Komfort. Am liebsten wollte ich in einem Villenvorort mit guter Verbindung zur Stadt, möglichst Untergrundbahn; denn die Tram fährt endlos. Wer aber in dieser Gegend vermieten will, beschreitet nicht die sonst üblichen Wege, sondern telephoniert es seinen Bekannten, die es so schnell als das für sie zuständige Fräulein vom Amt und ihre durch deren Betätigung arg in Mitleidenschaft gezogenen Nerven er- . lauben, weitergeben. Sch habe aber keine so feinen Bekannten; ich will ja erst (durch die Wohnung) zu ihnen gehören. Auch annoncieren tut diese Elite nicht, höchstens ein Anschlag am Schwarzen Brett an zwei Untergrundbahnhöfen „raußen vor dem Lore". Da ich aber neben dieser meiner hauptsächlichsten Nebenbeschäftigung noch eine nicht ganz nebensächliche Haupt- beschLftigung habe, so verfüge ich nicht über die nötige Feit, Herauszugondelü. Sch mache mich also auf einen der von so vielen Leidensgenossen schon etwas abgetretenen üblichen Wege. Es sind zwei: a) önferat, b) Vermittler, und a) gliedert sich (nach alten Aufsatzprinzipien) wieder in zwei Unterabteilungen: A) önferat der Vermieter, B) eigenes önferat. Sch ha- be also nach dem Rat wohlmeinender Bürger in einer angeblich m westlichen Volkskreisen gelesenen Feitung inseriert. Keine Katze hat sich gemeldet; trotzdem zur Stilisierung des Snserats eine Konimission nach bewährtem Vorbild der Alliierten, die em. ^^^ Kommissionen lösen — von zwölf teils ologisch, teils psychologisch vorgelbildeten Familienmitglie- er genächtigt hatte. Setzt habe ich die Annoncen der anderen gelesen. Sie teilen sich in drei Gruppen: a) Ehiffre-, b) Weffen-, c) Vermittlerinserate. Auf die Dhiffreannoncen schrieb ich höflich, legte Rückporto bei und gab mir viel Mühe, individuell auf die Psgche des Inserenten einzugehen. Sch habe nie etwas darauf gehört, mit Ausnahme eines Baubüros, für 8000 Mark vielleicht in einigen Monaten etwas hat. tiann habe ich mich bei Vermietern mit Adresse teils telepho- nilch, teils persönlich gemeldet. Bei Besichtigungen tat ich tiefe ins kernige deutsche Volksleben, insbesondere wer- en mir traute Familienbilder in unvergeßlicher Erinnerung blei-
1 en. Leider bestand zwischen Text der Anzeige und Wirklichkeit Diskrepanz, die mich verstimmte. Nachdem ich auf ornR e e™90 kleinere Reifen in die Umgegend Berlins mit »reiner geographischen und sozialen Kennt-
> er ohne ein «wirkliches Heim zu finden, unternommen |
bau an den Seiten von zweigeschossigen Srontbauten von etwas geringerer Höhenentwicklung eingeschlossen ist. Die Lisenhalle selbst ist dreischiffig gestaltet; Mittelschif und Seitenschiffe sind je 19,5 m. breit. Die Aiittelhalle erhebt sich bis zu einer Höhe von gleichfalls 19 m. Milten über der Eingangshalle erhebt sich ein machtvoller quadratischer Turm. Betreten wir durch die große festliche Vorhalle des großartige Raumwirkung dieser Halle mit ihren hohen, kühnen, weitgespannten Dachbindern u. den Tausenden sausendre Maschinen.
Die Halle 9 ist aber nicht nur Ausstellungshalle; sie umschließt auch Verwaltungs- und Repräsentationsräume, na- mentl. in dem monumentalen Kopfbau, der von einer „Säulenhalle" umschlossen wird. Die Säulen sind in Wahrheit freistehende, aus mächtigen Quadern aufgebaute Pfeiler von rechteckigem Querschnitt, die bis zum Dache emporragen und hier
halle an den Seiten von zweigeschossigen Frontbauten von etwas römischen Baukunst, zusammengeschlossen werden. 48 dieser hohen kräftigen Pfeiler umschließen die Frontseiten des Kopfbaues, der in der Mitte eine monumentale zweigeschossige Ein- gangshalle besitzt, an die sich beiderseits große Säle und die Haupt-Lreppenhäuser anschließen. öm Obergeschoß befinden sich Säle für Versammlungen, Vorträge sowie Erfrischungsräume. An den Seitenwänden der Eisenhalle liegen weitere Lreppenanlagen, die zu den Galerien emporführen, welche gleich falls Ausstellungsgut in großer Fülle ausgenommen haben. ön Rücksicht darauf, daß die Säle der Vorhalle Repräsentationsräume sind, sind sie reicher ausgemalt, im Gegensatz zu allen übrigen Hallenbauten, deren innre Ausstattung ganz schlicht gehalten ist.'
Der Schöpfer des Entwurfes dieses stolzes Bauwerks ist der Messearchitekt Earl Lraemer; die architektonische Ausgestaltung des repräsentativen Vorbaues beruht auf einem Entwurf des Baurats Pusch in Dresden, während die Bauausführung vom Baurat Käppler, Leipzig, geleitet wurde. Für Beförderung des schweren Ausstellungsgutes in der weiten Halle «dienen drei, die Hallenschiffe überspannende große Laufkrane, die von der Demag, der Firma Bleichert und der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg geliefert wurden. Die Ei- senkonstruktionen- sind von den Linke-Hoffmann-Lauchhammer- Werken ausgeführt worden.
hatte, griff ich zum letzten, dem Vermittler. Es ist schade, daß ich schon einen Beruf habe, sonst täte ich Vermittler werden. Dessen Tätigkeit ist keine, den nicht er macht sie, sondern das Fräulein. Er ist nie da. Außer dem Fräulein gibt es noch andere Requisiten: einen Lisch, zwei Stühle davor, ein Telephon unb das Buch mit den Adressen. Diese bilden das eigentliche Verkaufsobjekt und man bekommt sie erst, wenn man vorher ein nicht unbeträchtliches Schmerzensgeld erlegt und gleichzeitig einen Verpflichtungsschein unterschrieben hat ,wonach man außerdem noch bei Abschluß eines Mietsvertrages mit Hilfe einer der angegebenen Adressen 25 Prozent der ersten Monatsmiete zahlt. Sch habe mich geärgert, daß in meinem Geschäftszweig diese Bedingungen noch nicht eingeführt sind. Sch bekomme weniger als 25 Prozent. Und dabei haben wir viel mehr Requisiten ....
Setzt habe ich eine Adressenliste. Sch «habe vorher noch einmal telephonisch bei den Leuten angefragt, die so unvorsichtig find, mich in ihre Wohnung zu lassen, wobei sich manches aufklarte und verschiedene Besuche überflüssig wurden. Meine Liste schrumpfte ein und hierdurch automatisch meine Hoffnung. Oh- ne ein Wunder .werde ich wohl nichts erreichen. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als zu einer Wahrsagerin zu gehen.
Kurt M e r l I.
Sie Kleidertruhe im Bettgeftell.
Sn den meisten Wohnungen ist es sehr schwer, die zur Kn
terbringung von Kleidungsstücken und Schränke aufzustellen, namentlich, wenn
Wäsche erforderlichen es sich um kinderreiche
Samilien handelt. Und wo der Raum groß genug ist, fehlt in- folge der unvermeidlichen Berbindungstüren meist die Wand- släche, um die Kleiderschränke ausstellen zu können, so daß man schließlich genötigt wird, mehrere Türen zu verstellen, was natürlich auch ein Uebelstand ist. Am günstigsten stellen sich die Verhältnisse in der Regel in den Schlafzimmern, sofern nicht
besondere Ankleide- oder Garderobenräume vorhanden sind; denn sie haben gewöhnlich alle Schränke aufzunehmen, die man nicht gut im Wohn-, Speisezimmer und Salon unterbringen kann, ön Amerika, wo die Wohnzimmer in der Regel weit kleiner sind als bei uns, verwendet man verhältnismäßig selten transportable Schrankmöbel; er herrschen Wandschränke vor, die aber — eben wegen des Mangels an Wandfläche —häufig auch nicht ausreichen, um Wäsche und Kleidungsstücke unterzubringen. Man hat aber erkannt, daß sich die Räume unter den Betten für diesen Fweck ausnutzen lassen, wenn die Bettstatt mit einem leicht beweglichen, auf Leisten ruhenden Schubkasten versehen wird. Hier läßt sich, wenn in der Wohnung vier oder sechs solcher Betten zur Verfügung stehen, schon sehr viel Raum für Wäsche und Kleidungsstücke gewinnen. Für Wäsche, namentlich Bettwäche, Lücher und dergleichen, sind diese großen Schubkästen allerdings besser geeignet als für Kleidungs stücke, da man diese, zum Fwecke ihrer Schonung, doch besser an Bügeln im Schranke aufhängen wird.
Kollege Tob.
Staatsoberhäupter in der Todesstunde.
Von F. Hol tz.
(Nachdruck verboten).
Mors Imperator! — Könige auf dem Sterbebett. — „Sch heiße Ludwig XIV.“ — Der Tod unter der Mordwaffe. — Wie Lincoln starb. Umschwebt von Gefahren. -— 3m Tode find alle gleich.
Mors Imperator. So lautet die Unterschrift unter einem Bilde, dessen Erscheinen im Dreikaiserjahre 1888 über die Grenzen Deutschlands hinaus Sensation erregte. Ls stellte den Lod mit Purpurmantel und Krone dar, wie er, in der einen Hund das Szepter, mit königlicher Gebärde einen Dhron um- stößt. Die schon stark verblaßte Erinnerung an diese symbolische Darstellung wird durch den Lod der deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert ins Gedächtnis zurückgerufen, der mitten in voller Schaffenskraft -in einem Lebensalter, das man als das tatkräftigste zu bezeichnen pflegt, binnen weniger Lage unerwartet einem Leiden erlag, das nach dem Stande der heutigen chirurgischen Operationstechnik in den weitaus meisten Fäl len einen günstigen Ausgang voraussehen läßt. Von den zahlreichen Oberhäuptern der Ländern republikanischer Staatsform ist es nur wenigen beschießen gewesen gleich ihm „in den Sielen" zu sterben. Die meisten von ihnen schlossen ihr Leben fern von den großen politischen Lebenszentren ab, andere wurde durch Mörderhand von stolzer Höhe hinabgeschleudert.
Etwas anders verhält es sich mit den gekrönten Staatsoberhäuptern der monarchisch regierten Ländern. Von ihnen starben wohl die allermeisten in den Sielen, wenn man von den ganz wenigen Ausnahmefällen absieht, in denen ein Monarch sei es wegen hohen Alters, fei es wegen Kränklichkeit oder sonstiger zwingender Gründe, zugunsten eines Nachfolgers auf den Dhron verzichtete. Auch unter ihnen gibt es freilich viele, die gleich Jo manchem ungekrönten Staatsoberhaupte eines gewaltsamen Lodes starben. Sm Altertum und Mittelalter, als der Kaüser oder König an der Spitze seines Heeres in den Kampf Pflegte, sank manche Fürstenkrone vom Schwert des Gegners getroffen, auf das blutdurchtränkte Schlachtfeld hinab.
ön den späteren Feitaltern änderte sich das. Ueber- chaut man die Reihe der deutschen Herrscher, die während der etzten Jahrhunderte auf deutschen Füfftensesseln thronten, so findet aian, daß fast alle, von wenigen Ausnahmen abgeschen,
A" wie die allermeisten unter den gewöhnlichen -Nenschenkindern, der Natur ihren Tribut entrichteten. Nicht allzuviel pflegt es zu sein, was darüber mit unbedingter Fuver- Mfigkeit aus dem Sterbezimmer des Königspalastes in die Oef- fentlichkeit dringt.
Fiemlich dramatisch gestalteten sich die letzten Augenblicke König Friedrich Wilhelm I. Er war bei vollem Bewußtsein, . ân lern Sterbelager trat. Dem Leibarzt fiel eine plötzlich Linseßende Verlangsammung der Pulsschläge des Pa- tienten auf, und er fühlte sich verpflichtet, dem Könige davon r l m*- »Majestät, Hochdero Pulsschlag wird plötzlich sehr langsam , sagte er. „So sorge Er, daß er wieder fchneller geht' erwiderte der König. „Majestät - - er stockt er stockt schon wieder--er setzt aus“. Lr soll aber nicht aussetzen", rief wütend der König, und erhob seinen Stock, um im selben Augenblick tot in die Kissen zurückzusinken
SroBen, der seit langer Feit schwer an Wasser- 2 v ^0" ^E Windspielen umgeben, mit denen er auch bas Grab zu teilen wünschte, gern auf den Terrassen von Sanssouci ^ß, wird das Wort in den Mund gelegt Bald werbe ich Dir näher sein", das er an einem seiner letzten Le- benstage beim Anblick der Abendsonne vor sich hingeflüstert ba- ■urtS 's ^angeblich letzten Aussprüche Kaiser Wilhelm 1. und Kaiser Fnednch 3. „Öch habe keine Feit, müde zu sein" -und „lerne leiben ohne zu klagen" gelten leider als gänzlich unerwiesen, beglaubigt ist indessen, daß Kaiser Wilhelm 1 sich wenrge Minuten vor dem Eintreten des Todes sorgfältig seinen Schnurrbart strich wie er das in gesunden Tagen mit großer Vorliebe zu tun pflegte. Von Friedrich Wilhelm 3. berichtet eme legenbare Erzählung, daß er kurz vor seinem Tode den Wunsch geäußert habe eine Apfelsine zu essen, daß eine solche
M ^è' ^ und daß es nicht möglich war, sie berbe^fchaffen, weil der ausgesandte Bote nicht imstande X * ^" ^ m,f teilnahmsvollen Fragen umdrängende Uleiischenmenge durchzudringen. Als man dem König auf'feine wiederholten Fragen davon Mitteilung machte, habe er ein -eia^und? iilber ^ Anteilnahme des Volkes ge- darauf entschlafen. Dem tieferschüt- Kaiser ' S ^ herzgewinnende Heldengestalt âg' ^ßt sich annähernd nur das Schicksal \ PBbelm 4. zur Seite stellen, der sich jahrelang in eineni zwischen völliger Apathie und wenig mehr als halbwaches Hindämmern bedeutenden Fustande befand und so lang- jam der Auflösung entgegenging.
Anders als Friedrich Wilhelm 1., der mit der ihm eigenen urwüchsigen Draufgängerkraft sogar den Tod mit dem Krück- ftnck bedrohen wollte, starb Ludwig SCHI, von Frankreich. We-