Dis Sicherheitsfrage.
Mimsterrat in Paris. Ehamberlain gegen das Genfer Protokoll. Briands Antwort.
Der deutsche Gesandte Müller in Genf.
DB. Berlin. Wie wir von unterrichteter Seite hören, hat sich der deutsche Gesandte Müller in Bern zur Litzung des Völkerbundrates nach Genf begeben. Der Gesandte wird mit dem englischen Außenminister Ehamberlain und anderen Mitgliedern des Völkerbundrates eingehendes Besprechungen über das Sicherheits-Programm pflegen und den Standpunkt der Reichsregierung auch zu der Frage des Eintritts in den Völkerbund darlegen.
Ministerrat in Paris.
DB. Paris. Unter dem Vorsitz des Präsidenten^ der Republik fand am Mittwoch im Elgsee ein Winisterrat statt, der sich mit den schwebenden außenpolitischen Fragen beschäftigte. Der Ministerrat genehmigte den Wortlaut einer Erklärung über Frankreichs Stellungnahme der Frage des Sen- ferprotokolls, die auf der Donnerstag Sitzung des Völker- bundsrats durch Briand vorgelegt werden soll. Darin wird erklärt, Frankreichs Halte an den Grundsätzen des Protokolls fest, habe aber gegen die eventuelle Ersetzung des Protokolls durch andere Garantiemöglichkeiten nichts einzuwendem
Ehamberlain gegen das Genfer Protokoll.
DB. Genf. Sn der heutigen Vormittagssitzung des Völ- Kerbundsrates hielt der britische Außenminister Ehamberlain die angekünOigte Rede über das Genfer Protokoll. Er unterzog das Protokoll einer sehr scharfen Kritik. Die britische Regierung könne das Protokoll nicht annehmen. Der gleichen Ansicht wären die Regierungen der Dominiouns. Die britische Auffassung gehe dahin, daß das Genfer Protokoll nicht die beste Methode zur Lösung der Sicherheitsfrage bilde. Gegen das obligatorische Schiedsgericht habe die britische Regierung starke Bedenken. Reue Arten von Streitigkeiten müßten vom Völkerbünde vermieden werden. Das Problem der Abrüstung und die Frage der Sanktionen müsse in den Abmachungen des Protokolls eingehend behandelt werden. Der Völkerbund in feiner gegenwärtigen Gewalt sei nicht der Bund, den die Urheber des Paktes im Auge hatten. Durch die Nichtzugehörigkeit verschiedener Großmächte habe der Völkerbund eine Schwächung erfahren. Die Ergänzungen, die das Genfer Protokoll für den Völkerbund vorsehen, änderten seinen Geist völlig. Die Lanktionsfrage werde neu geregelt; die Ausarbeitung militärischer Sanktionspläne habe zu folgen. Das Wirken des Völkerbundes solle nicht so sehr darin bestehen friedliche Zusammenarbeit zu fördern, als vielmehr den Frieden dadurch zu bewahren, daß es kriegerische Organisationen schafft Die britische Regierung erblickte darin weniger eine Schwäch- ung des FriedensgedaNkens als eine Erhöhung der Kriegsgefahr. Das Protokoll würde nach Ansicht der britischen Regierung die Entwaffnung in keiner Weise fördern. Der Minister erklärt zum Schluß in seinen Ausführungen, nach britischer Auffassung würde der beste Weg sein, unter Mitwirkung । des Völkerbundes den Völkerbundsakt zu ergänzen durch be- , sondere Abmachungen für besondere Zwecke. Diese Vereinbarungen sollen reinen Verteidigungscharaktsr tragen. Die unmittelbar in Betracht kommenden Rationen, deren Differenzen am leichtesten zu einem Kriege führen können, müßten nach Auffassung der britischen Regierung verbunden werden durch Verträge mit dem einzigen Zwecke der Aufrechterhaltung des Frie- i dens. Diese Abmachungen sollten selbstverständlich im Geiste I
des Völkerbundes und unter feiner Aufsicht ausgearbeitet werden^
Briands Antwort.
DB. Genf, du der Aachmittagsfitzung des Völkerbund- rates am Donnerstag hielt Briand im Namen der französischen Delegation eine Rede auf die Darlegungen des britischen Außenministers Ehamberlain. Er bezeichnete zunächst die Aeußerungen des britischen Ministers für überraschend und zerpflückte die Darlegungen Chamberlains. Am Schlüsse seiner Rede verlas er eine lange Erklärung im Ramen der sranzö- osen Regierung, in der es heißt, Frankreich bleibe bereit, alle Vorschläge anzunehmen, die das Werk der Begründung des Friedens auf Schiedsgericht, Abrüstung und Sicherheitser- gänzen könnte. Es sei zuzugeben, daß das Protokoll verschiedenartig Anwendung finden könne. Die französische Regierung lehne den Gedanken von Sonderverträgen nicht ab, bleibe aber seiner Unterschrift unter das Genfer Protokoll getreu.
NMwlrWastlW Mchsnübersicht.
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Industrie ist gegenwärtig in den einzelnen Branchen außerordentlich verschieden. Am besten scheint sie noch in der Textilindustrie zu sein, was sich auch darin ausprägt, daß eine erhebliche Anzahl von Aktien- gesellfchaften der Textilindustrie in den letzten Wochen Dividenden oerteilen und ankündigen konnten, deren Höhe nicht mehr allzu weit hinter normalen Vorkriegsdividenden zurückblecht. Recht ungünstig ist dagegen die Lage der gesamten Montanindustrie. Die Ankündigung des Leiters der Kruppwerke, des Herrn Krupp von Bohlen und Hallbach, daß in nächster Zeit die Arbeiterentlassungen, die bisher immer vermieden werden konnten, doch noch würden vorgenommen werden müssen, beweist wie sehr die westdeutschen Montanindustrie zurzeit unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten aller Art zu leiden hat. Sie würde es wohl in erster Linie sein, die durch einen Eisenbahnerstreik aufs allerschwerste geschädigt werden würde, obwohl natürlich ein solcher Riesenkampf bei längerer Dauer ziemlich die gesamte öndustrie zum Stils egen bringen müßte. Ob es noch gelingen wird, den Ausbruch eines großen Arbeitskampfes zu verhindern, ist angesichts der nicht einheitlichen Haltung der Eisenbahnabbeiter noch nicht klar zu übersehen. Man muß jedenfalls wünschen, daß das Schlichtungsverfahren, eine frred- ;--/e Einigung mit den Eisenbahnern herbeiführt.
Aus der deutschen Maschinemudustrie liegt ein Konjunkturbericht vor, aus dem sich ergibt, daß der Geschäftsgang in den einzelnen Branchen zwar sehr verschieden ist und daß einzelne Werke sogar eine Vermehrung des Einganges inländischer Aufträge ferstellen können, daß aber alles in allem zukünftige Entwicklung angesichts der fortgesetzt steigenden Prei se der meisten Rohstoffe als wenig hoffnungsvoll angesehen wird Am bedauerlichsten ist das Darniedsrliegen des deutschen Exports, das auch in den statistischen Zahlen über die Entwicklung der deutschen Handelsbilanz im Monat Canuar deutlich ?um Ausdruck kommt. Eine Ausnahme scheint nur bei einem Seil der chemischen Großunternehmuugon vorhanden zu sein, die in letzter Zeit ihren Export wieder steigern konnten. Eine Reihe and erer^ e uffcher"Bnd üstri ezweige, in denen bisher der
. Aftsgattg nicht ungünstig war, sind durch die neuen Steuer Pläne bedroht, wie z. B. die Brauereien und die gesamte Ta- bakilldustrie.
Angesichts dieser wenig erfreulichen Gesamtlage ist auch nicht abzusehen, inwiefern eine Besserung der Geldlage in ab-
seyoarer Zeit in Deutschland eintreten könnte. Unterricht Sina umkreise sehen heute bereits dem nächsten Ultimo mit
gen entgegen. Dazu kommt, daß auch am internationalen Geld' markt eine Versteifung eingetreten zu sein scheint, was einerl seits die Aussichten auf weitere Auslandskredite wesentlich schüchtert, andererseits eine Prolongation der kurzfristi Auslandskredite erschweren bezw. verteuern wird. Gewiss" Ansätze zu einer Kapitalneubildung im bitlande sind zweifln auf Grund der steigenden Linlagenbestände bei den Sparkass"^ und Banken festzustellen. Aber noch immer besteht die Gefach daß diese Kapitalnenbildung durch lUeberbesteuerung allzu stark gehemmt wird, und die von der Reichsregiernng.ausgearbeiteten Steuerreformpläne sind im ganzen gewiß nicht geeigi^ dieser Hinsicht durchgreifende Besserung zu schaffen.
Wieder einmal hat sich ein großer, mit weitgehenden HM I iiungen und Investierung erheblicher Gelder begonnener Sta^ betrieb als lebensunfähig erwiesen. Die Mißerfolge der Deutschen Werke sind zweifellos nicht allein auf die ungünstige All- gemeinvage der deutschen Industrie zurückzuführen, sondern in erblichem Maße auch auf die erwiesene Konkurrenzunfähigkeit produktiver Staatsbetriebe gegenüber der Privatindustrie. Das künftige Schicksal der Deutschen Werke ist noch ganz ungewiß.
Aus Stadt und Land.
Ehronik des MB.
14. März.
ön Hamburg hauchte 1803 der Odendichter Friedrich Gottlieb Kloppstock seinen Geist aus. Er war Thoeloge und übte einen bedeutenden Einfluß auf die deutsche Dichtkunst, gus,'m-' dem er sich einer schwungvollen und bilderreichen Sprache be- diente und antike Versmaße einführte. Sein Hauptwerk ist der „Messias". Als Zeitgenosse Schillers, Goethes und Lessings spielte er eine große Rolle. — 1804 mürbe in Wien der Tanzkomponist Föhann Strauß geboren; nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Sohn, dem Schöpfer der „Fledermaus" und des „Zigeunerbaron". — Einer der größten Schweizer Waler, Ferdinand Hodler, wurde am 14. März 1853 im Kanton Bern geboren. Er schuf einen ganz persönlichen rhgt- mischen Stihhi â Landsrhafis- und Menschendarstellung. Bekannt sind von ihm „Der Auserwählte", „Heilige Stunde" unb „Der Sag“. Seine Monumentalmalerei, der „Auszug der Studenten zum Freiheitskampf", mußte von der Universität in Sena während des Weltkrieges aus der Schule entfernt werden, da Hodler eine sehr deutschfeindliche Stellung einnahm. Cm Leben trägt er manchen bruta-lbäuerlichen Zug. — Der Sozialist Karl Marx starb 1883 in London. Sein Name ist in den letzten zehn Fahren oft genannt worden, da sich die kommunistische Bewegung hauptsächlich auf sein Werk, „Das Kapital" stützt. Er arbeitete in inniger Gemeinschaft mit Friedrich Engels, dem man auch den Hauptanteil an mehreren seiner Werke zuschreibt. 1848 verfaßte er das kommunistische Manifest. Er lebte lange Sahre in England, und seine aus materialistischer, Geschichtsauffassung beruhenden nationalökouomische n Werke sind von wissenschaftlichem Werte. — 1916 erstürmten die Deutschen die Höhe Toter Mann. — 1917 brach Ehina seine Beziehungen zu Deutschland ab. — 1918 Einnahme von Odessa durch die Deutschen. — Die internationale Botschafterkonferenz sprach vor zwei Sahren Wilna Polen zu.
Jas uniMbarr Luftschiff
Originatroman von Knut Satzwiller Autorisierte Uebersetzung von Elsa v. Hollander-Lossow. fAlle Rechte Vorbehalten., — fRachdruck verboten).
23. Fortsetzung.
Hier hatte Holms Tüchtigkeit ihre Pröbe bestehen müssen, beim es kam ja vor allem darauf an, daß nicht zwei Gegenstände die gleiche Patina bekamen; deshalb war die Sammlung Stück für Stück behandelt worden, um jede Gleichartigkeit zu vermeiden, und wie immer hatte er sich seiner Aufgabe so gut entledigt, daß nur ein sehr gewiegter Kenner entscheiden konnte, ob die Gegenstände echt oder Smitation seien.
Schon vor einigen Tagen war eins der Waffenarrange- ments im Ausstellungsraum aufgehängt auf einem mächtigen Schilde, das mit dunkelblauem Filz bezogen war.
Später war er selbst in einem freien Augenblick hinaufge- gangen, um einen Gesamteindruck von der Sammlung zu bekommen; dabei war ihm etwas aufgefallen, was ihm völlig unerklärlich schien und was ihn in den letzten Rächten stark beschäftigt hatte.
ön den Waffenarrangements waren hier und ba einige von den kurzen, Ziselierten Dolchen angebracht, deren Schönheit er , selbst bewunderte. Diesen Dolchen hatte er eine starke smaragdgrüne Patina gegeben, die die reiche Ziselierung besonders schön hervorhob. — Als er sich dem Arrangement näherte, hatte er zunächst gedacht, der Dekorateur habe wohl andere Dispositionen mit den Dolchen getroffen; aber als er ganz dicht vor dem Schilde stand, entdeckte er zu seiner großen Verwun- benung, daß die Dolche doch in dem Arrangement vorhanden waren, — aber sie schillerten jetzt blau.
Aergerlich trat er näher. Die Dolche hatten fast dieselbe Farbe wie der dunkelblaue Filz, auf dem sie befestigt waren. Es war das erste Mal, daß seine chemischen Zusammensetzungen durch^ Licht oder^Temperatur beeinflußt wurden, — also mußte hier irgend ein Fehler vorliegen.
Holm blickte sich um es war kein Angestellter in der Nähe Hastig zog er eine kleine Kneifzange aus der Tasche, knipste die wenigen Drähte durch, die die Dolche auf dem Schild befestigten, und entfernte sich, indem er die fehlerhaften Dolche mitnahm. sphh.stssumq il-°-U„Vmsti.Rv
Der Schaden konnte rasch beseitigt werden. Unten im Laboratorium lagen mehrere ähnliche Dolche noch auf der Kupferplatte, die er als Unterlage benutzt hatte; die wollte er an Stelle der fehlerhaften Exemplare oben anbringen.
Mit Befriedigung konstatierte er, daß der Rest der Dolche die Farbe behalten hatte. Er steckte ebensoviele zu sich, wie er aus dem Arrangement entfernt hatte, und ging hinauf, um sie wieder zu befestigen, bevor sie vermißt wurden. Die schadhaften
aber warf er auf die Kupferplatte und stellte sie wieder auf das Regal.
Wenige Minuten später waren die neuen Dolche an ihrem Platz, in der richtigen Avance schimmernd, und er eilte in das Laboratorium zurück. — Während er die Treppe hinunterging, sah er Skhoto in Begleitung Kiwangs durch die Abteilung kom men. Beide machten vor der Waffensammlung Halt, und er sah Skhoto auf die verschiedenen Ruancen deuten und eifrig mit Kiwang sprechen. — Die Entfernung war zu groß, als daß er die Worte hätte verstehen können, aber bei sich selbst dachte er, als or feinen Weg in das Laboratorium fortsetzte: „da, schaut ihr nur! Der Fehler ist beseitigt, alles ist in Ordnung!"
Mit einem leisen Lachen schloß er sich ein und begann zu überlegen. Hier mußte ein Fehler gemacht sein; allerdings hatte er es schon so weit gebracht, daß ein kleines Stück Kupfer nur infolge einer bestimmten chemischen Kristalisation an der Oberfläche die Farbennuanoe wechselte, so daß es, wenn man es dem Lichte ausfetzte, sich in der Farbe um einige Töne veränderte, im Dunkeln aber wieder die ursprüngliche Gruiidfanbe annahm; jödoch einen größeren Gegenstand, wie den Dolch dahin zu bringen, ■Chamäleon zu spielen — Holm mußte lächeln, — so weit war er den doch noch nicht gekommen. Er nahm sein Buch mit* den Formeln vor und studiere genau die Mischungen, mit denen er die Dolche behandelt hatte. — Dabei fand er, daß er, wie er sich wohl erinnerte, der Lösung zwei Salze beigemifcht hatte, um ihr einen weicheren Ton zu geben; dieser Zusatz war also zu stark gewesen. Die Farbe auf den Dolchen war ja soweit veischwunden, daß nur der bläuliche Schein des Metalls matt hindurchschimmerte.
Um die verunglückten Dolche näher zu untersuchen, erhob er sich und nahm die grüne Kupferplatte vom Regal.
Als er sie auf den Arbeitstisch legte, — erstarrte er vor Staunen, seine Augen hafteten auf der Platte. Alle Dolche waren wieder grün!
Zuerst hatte er sich die Augen gerieben und gedacht, er trau me, jeder Gegenstand spielte in der gleichen smaragdgrünen Farbe wie die Kupferplatte. ön einer plötzlichen Eingebung nahm er einen der Dolche und steckte ihn in die Brusttasche seines Eheviotrockes, der am Haken an der Tür hing. Der Rock war marineblau und das Heft des Dolches sah aus der Tasche hervor.
Eine Minute etwa starrte er gespannt auf den ziselierten Eriff, — da —großer Gott, — war es Wirklichkeit oder Einbildung, — langsam begann es, — an der Spitze zuerst, sich langsam nach unten ausbreitend, einen — immer dunkleren Ton anzunehmen, um schließlich nach etwa zwei oder drei Minuten blauschwar; zu werden und mit der Farbe des Rocks zusammenzufallen, so daß man den Dolch kaum noch sehen konnte. Tr strich sich über die Stirn und eilte die Treppe hinauf, um
noch einmal die anderen Gegenstände in dem großen Waffenarrangement in Augenschein zu nehmen.
Schon von weitem sah er, daß auch die vor kurzem erst eingesetzten Dolche sich verwandelt hatten; wenn man nicht wußte, daß sie da waren, würde niemand sie sehen können.
Er erinnerte sich, wie er, in Schweiß gebadet, in das Laboratorium zurückgekehrt war und sich schwindelnd niodergesetzt hatte, um sich von der überraschenden Entdeckung zu echolem
Hier hatte also der Zufall ihn mit einem Schlage zu einem Resultat geführt, nach dem er seit Monaten gesucht hatte. Allerdings hatte er nun einen Wechsel von Grün zu Blau erreicht, aber durch eifrige Versuche und mit Göduld würde er von diesem Ergebnis ja auch weiter kommen. Fhn erfaßte etwas wie ein Schwindel bei dem hastigen Fluge feiner Godankcm, die ihm die ungeheuren Möglichkeiten auf seinem Wege zeigte. Er könnte ja, wie der Japaner, Baron Mamimura, ^sch orzend gesagt hatte, ganze Truppenabteilungen, Schiffe, ja Flugzeuge unsichtbar machen. Seine Name würde zu den größten der Wissenschaft gehören — und Wollg, sein kleiner Schatz, — Holm mußte sich gewalffam zwingen, ruhig und nüchtern zu denken.
Mit großer Energie hatte er sein Hirn und seine Phantasie gezügelt; er hatte sein ruhiges, beherrschtes Wesen wiederge- wonnen, und sein Verstand arbeitete wieder normal.
Vorläufig hatt er beschlossen, niemandem, nicht einmal Molch zu verraten, wie nah er seinem großen Ziele sei, bevor seine Erfindung so weit vervollkommnet war, daß sie ihn mit einem Schlage berühmt machte.
Am selben Abend hatte er sorgfältig die Seite aus dem Buche entfernt, auf der sich die in Frage kommende Formel befand; darauf hatte er die changierenden Dolche aus den Arrangements, wo anscheinend niemand ihre Eigenschaft bemerkt hatte, entfernt und ganz gewöhnliche an ihre Stelle gesetzt.
Vor allem war es ihm darum zu tun, einstweilen feine Erfindung geheim zu halten, um später, wenn sie vervollkommnet war, selber die «Ehre zu ernten und zu bestimmen wem m^ zu welchem Preise er sie verkaufen wollte.
Dies überrasthende Resultat erschien ihm unerklärlich. Aun kam es darauf an, auf solidem, wissenschaftlichem Wego und durch genaue Analgse von neuem die Chemikalien zusammenzu- stellen, die hier eine so wunderbare Wirkung erzielt hatten.
Vorsichtshalber hatte er auf galvanischem Wege den merkwürdigen Dolchen die Patina wieder genommen, ließ sie vorläufig in rohem Zustande liegen und beschloß, nur in seinjer eigenen Wohnung seine Versuche fortzusetzen. — Er hatte zu Hause ein kleines, aber sehr gut eingerichtetes Laboratorium. — ihm fehlte nur ein bestimmter Säureofen, den er sofort bestellt hatte. Bevor ihm dieser zur Verfügung stand, konnte ei nicht weiter arbeiten und die Firma, bei der bestellt war, hatte zu seinem großen Aerger eine Lieferungsfrist von acht Tagen verlangt. (Fortsetzung folgt.)