Charakterbilder,
Londoner Brief.
(Von unserem Korrespondenten).
London, 4. März 1925.
Der englische politische Redakalismus, zu dem auch der Sozialismus und der Kommunismus zu rechnen sind, besitzt eine Eigentümlichkeit, die den ähnlichen deutschen und französischen Richtungen fremd ist; religiösen Schwung. Das Merkwürdigste ist, daß es englische Sozialisten gibt, die -beinahe an den Kommunismus heranreichen -und dennoch nicht nur religiös, sondern auch kirchlich gesinnt bleiben. Ein Beispiel dafür bietet Mr. Wheatleg, früher Wohnungsminister im Kabinett Mac Donald, jetzt Führer des linken Flügels der Arbeiterfraktion im Unterhaus — und dabei ein frommer Katholik, der an keinem Sonntag die Messe versäumt. Man denke sich in Frankreich Re- uaudel oder in Deutschland Ruth Fischer als Kirchengänger! Mr. Whealleg Hatnun in einer Rede einen heftigen Angriff auf die konservative Partei -gemacht, der er unchristliche, ja blutgierige Gesinnung vorwirft. Sn der konservativen Partei gibt es natürlich auch in England etliche Käuze, deren höchste politische Weisheit darin besteht vom „Andiewandstellen" der Arbeits- und Gewerkschaftsführer zu sprechen, wenn Lohnstreitigkeiten zu Arbeitseinstellungen oder gar zu Manifestationszii- gen führen.
Gegen diese Scharfmacher hat Wheatleg nun losgedonnert und ihnen gesagt, sie hätten mit solchen Gesinnungen kein Recht, sich über den Terrorismus der Kommunisten zu beklagen, denn es sei kein Unterschied zwischen konservativem und kommunistischem Terror. Die Anklage Wheatlegs trifft nur einen kleinen Teil der konservativen Partei, aber den, der die lautesten Schreier umschließt. 2u Wirklichkeit ist das englische Bürgertum viel zu klug erzogen, und politisch zu gut um feine Rettung vorArbeiterfordjeruugeu tm gewaltsamen Widerstand oder in der Bekämpfung durch die Maschinengewehre zu erblicken.
Aber bekanntlich macht ein schreiender Narr mehr Lärm bis tausend Vernünftige, die ihre Arbeit verrichten und schweigen. Die Vernünftigen geben denn nun auch dem Sozialisten Wheal- ley vollständig recht. Der Mann ist, weil er religiös und sogar kirchenfromm ist, eine werbende Kraft für den englischen Sozialismus.
Man darf aber nicht glauben, daß Wheatlegs Sozialismus mit der Richtung identisch sei, die in anderen Ländern „christlicher Sozialismus" heißt und in der die Kirche regiert. ^-.,l- liche dürfen in England dem Unterhaus nicht angehören. Die Kirche spielt als solche keine politische Rolle, aber sie ist mächtig, weil es zur Figur des politischen Führers gehört, daß er sich zu irgend einer Kirche hält. Die Feiten, in denen der „Atheist" Bradlaugh eine Rolle spielte und den Parlamentseid nicht leisten wollte, um nicht den Namen Gottes anrufen zu müssen, sind vorüber. Der Staatsmann muß sich mit der großen Kulturmacht Kirche gut stehen. Es hat hier gewaltiges Aufsehen gemacht und dem Ansehen Deutschlands -entschieden genützt, daß der Papst eine Wesse für den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert gelesen hat.
Ein merkwürdiges Beispiel dafütz, welche -unscheinbaren Dinge den Sgmpathiestrom zwischen Völkern und damit den Lauf der geschichtlichen Vorgänge bestimmen, erfährt -man aus der eben erschienenen Lebensbeschreibung des Königs Eduard von Stoney Lee. Die so viel bewunderte Gestalt des Prinzgemahls Albert von Evburg, des Vaters Eduards VII., erscheint jetzt ganz anders, als die Legende sie gemalt hat. Sid- ney Lee schildert ihn als einen pedantischen Kommißhengst, der dem Prinzen Eduard durch preußischen Erziehungsdrill und „Strammheit" den Geschmack an deutschem Wesen gründlich
verdarb. .Die Königin Viktoria, die sich ihrem Gemahl in Erziehungsfragen ganz unterordnete, setzte nach seinem Tode das System fort. Prinz Eduard reagierte gegen das aufgezivun-gene strammdeutsche Wesen durch eine ausgesprochene Hinneigung zum französischen. Später kamen noch persönliche Reibungen mit seinem Neffen Wilhelm II. dazu. So haben im Grunde die falschen Erziehungsgrundsätze des Loburgers den Abgrund -von Abneigung zwischen England und Deutschland geöffnet, der bis zum Tode der alten Viktoria überdeckt geblieben war. Das Buch von Stoney Lee zerstört die Legende des viktorianischen Zeitalters. Die damaligen Hofverhältnisse krankten trotz des einfachen Lebens der Königlichen Familie an einem Verschlei- erungssgstem, das der Monarchie die Wirklichkeit verhüllte. Soweit man solche Dinge beurteilen kann, steht es heute besser damit und der Hof ist „englischer" geworden, als er zu Viktorias und Alberts Feit war. Dazu hat viel beigetragen, fdaß der König mit den Arbeiterministern zusammenkommen mußte und in diesen Demokraten Männer -antraf, die sich nicht -vor ihm bückten, ihm aber auch nicht die Achtung verweigerten, auf die Georg V. nicht als Person, aber als Repräsentant und Symbol Großbritanniens Anspruch erhebt.
Das Leben König Eduards VII. -wird überall, wo die -englische Zunge klingt, in hunderttausenden, später in Millionen von Exemplaren verbreitet und gelesen werden. Für uns Deutsche enthält es nichts Angenehmes, aber viel Lehrreiches. Unter anderem könnten wir daraus lernen, daß die -direkte Methode der Propaganda, die Prinz Albert zur Verbreitung preußisch deutschen Wesens angewandt hat, nicht die geschickteste und wir kungsvollste ist.
Der hundertste Geburtstag des Herrenkragens.
Die meisten Menschen werden erstaunt sein, zu hören, daß der Herrenkragen erst hundert Fahre alt ist, und doch ist es so. Dabei ist es ganz interessant, daß es ausgerechnet eine Frau war, eine Amerikanerin, die dieses heute unentbehrliche Kleidungsstück des Herren erfunden hat. Sie hieß Hannah Lord Montagu, aber das „Lord" in dem Namen bedeutet nichts Aristokratisches, -sie war nur die Frau eines einfachen Schmiedes zu Trog im Staate Aewgork und wusch ihre Wäsche selbst Man bemerkte, daß ihr Mann ein Schmied war und ihre Söhne wahrscheinlich Schmiedegesellen — es ist eine rußige Beschäftigung, und eine Schmiedfrau, die ihre Wäsche selbst wäscht, hat nichts zu lachen. Nun vermerkt die Weltgeschichte, daß an einem (von ihr leichtsinnigerweise nicht genauer notierten) Tag des Sahres 1825, daß an diesem Tage vor einem Fahrhundert diese geniale Mrs. Mord Montagu am Ufer des majestätischen Hudson-Stromes -ihre Wäsche wusch — und sich schwer ärgerte: diese Männer machen immer gleich ihre Hemd- Kragen schmutzig und wollen das Hemd dann nicht mehr tragen, obwohl das Hemd an sich doch noch ganz sauber ist.
Diese Frau war eines der praktischen Genies, wie sie Amerika 'bervorbringt. Sie erfand nicht das Grammaphon wie Edison, oder das Telephon wie Graham Bell, aber -sie -griff plötzlich nach einer Scheers und schnitt von dem Hemd -ihres Mannes den Hemdkragen ab, der fest an -dem Hemd saß, wie feit der ersten Erschaffung der Männerhemden die Kragen immer an den Hemden gesessen hatten. Von dieser Ht unde an konnte man sich einen reinen Kragen anziehen, ohne das Hemd zu wechseln. Es gibt zwar immer noch einige aristokratische Seelen mit viel Geld, die nur Hemden mit angewachsenen Kragen tragen, aber die zählen nicht, es geht einem nicht an den Kragen, wenn man einen losen Kragen trägt, man -darf es.
Es muß eine Zeit des Ueberganges gegeben haben, in der es unanständig war, Jo einen losen Kragen anzulegen. Die fei
ne französische Sprache errötet noch heute, wenn sie von diesem anknöpfbaren Kragen redet, und nennt ihn: „faux col." Es gab eine Zeit, da der Faux Lol ein Faux Pas war, aber jèhi aus dem falschen Kragen schon -längst der richtige geworden — nur umdrehen darf man den Kragen nach nicht, weder einem Neben Menschen noch seinen eigenen Kragen.
Die ganze Menschheit schuldet Frau Hanne Lobd-MontaM tiefsten Dank, denn wer könnte bei den heutigen Waschpreisx,; noch mit -seinem Einkommen auskommen, müßte er, wie feine Ahnen, jedesmal bas Hemd in die Wäsche geben, wenn der Kragen beschmutzt ist. Bei dieser Gelegenheit soll auch ejn kurzes Wort des Gedenkens dem ebenfalls genialen Vorgänger unserer Heldin gewidmet werden. Wenige Fahre -vor ber Erfindung des Stehkragens hatte ein Brite mit dem schönen Namen Brummel das gestärkte Halstuch erfuüden, durch weiches es allen Pfeu-dokaval leren möglich wurde, ein schmutzige; Hemd hinter sauberer Attrappe zu tragen.
Vermischtes.
Das untergchende Helgoland. Unbarmherzig nagen Witterung und Meer an den Felsen Helgolands, und man Katin schon heute sagen, daß diese Fusel keineswegs für die Ewigkeit gebaut ist. Das Zerstörungswerk der Naturkräfte wird noch durch die umfangreichen Sprengungen beschleunigt, durch die auf Befehl der Entente die Snsel entfestigt werden soll. So stürzten jetzt wieder an -der -Ostseite des -bebauten Oberlandes in der Höhe des früheren Kasinos der Garnison etwa dreitausend Kubikmeter -Erd-massen ins Meer. Durch diesen Absturz ist die neuerbaute Villa des Berliner Bankiers Wallach sehr gefährdet. Der Gartenpavillon hängt direkt über der Fölswand. Sin N-ebenhaus der -Villa, das von -dem Personal bewohnt wird, steht unmittelbar an der Felskante und muß jetzt abgebrochen weüden. Da der Fels noch größere Risse zeigt, sind v-erschnbe- ne Wege des -Oberlandes polizeilich abgesperrt. -.
Stalieuische Entführungsromantik. 3n Rom hat sich dieser
Tage eine E-ntführungsgeschichte abgespielt, so abenteuerlich, wie sie im spannendsten Film nicht hätte sein können. Ein reicher Italiener befand sich mit seiner 17jährigen Tochter auf dem Heimwege. Plötzlich wurde das Paar von einem Kraftwagen eingeholt, vier maskierte sprangen heraus, hoben das junge Mädchen gewaltsam in ihr Automobil und fuhren davon. Der Vater der Entführten klammerte sich unter Hilferufe an den Wagen der Entführer, die mehrere RevolverschLsse abgaben, bis der Vater schließlich los ließ. Zahlreiche Passanten beobachteten den Vorgang, wagten aber nicht, sich zu rühren. Die Polizei hat inzwischen ermittelt, daß die Entführung von einem 17jährigen Studenten ausging, der um die Hand des Mädchens gebeten hatte, wegen feiner vielen Schulden aber abgewiefen worden war. -
Scheinwerfer für die Feuerwehr.
Einen praktischen Scheinwerfer für Feuerwehrzwecke haben wie Dr. Albert Neuburger in „Feuer und Wasser" mitteilt, die Zeiß-Werke konstruiert. Er wird von der Lichtmaschine, die die Beleuchtung der AutomobUfahrzeuge speist, mit Strom ermöglicht es, ihn auf beliebige Entfernungen, ja, sogar bis aufs Dach des brend. Gebäudes mitzunehmen. Er ist nach allen Richtungen frei drehbar, so daß das Ableuchten in weitestem Umfange durchgeführt werden -kann. Die Lichtstärke -läßt sich durch Abblenden variieren. Das optische System besteht aus einem Haupt- und einem Hilfsprojektor, wodurch die Snten- Jität der Beleuchtung gegenüber einfacher Reflexion fast auf das Doppelte erhöht wird.
um sich mit dem Hemdärmel die feuchte Stirn abzuwischen, und sah mit einem heiteren Lächeln Molch an, die gerade einen Teller blank rieb.
„Wissen Sie, Molch, ich möchte, wir blieben bis an unser Lebensende hier sitzen. — Fst es hier nicht herrlich?"
Molch lachte ihm über das dampfende Wasser zu. „O ja, noch ist es ja sehr schön, so lange wir Proviant haben. Aber wenn nun eines Tages alles aufgegessen ist?"
„Es müßte ja merkwürdig zugehen, wenn ich nicht Nahrung für uns beschaffen könnte, und wenn wir auf einer einsamen Snsel gestrandet wären". Holm war arbeitslos geworden; die Wanne war leer, er steckte sich die Pfeife an und kletterte auf das Dach der Kajüte, von wo er sich an Molchs Anblick freute, die die letzten Teller abtrocknete. Als sie fertig war und das schmutzige Wasser über Bord gegossen hatte, sprang sie mit einem Satz zu Holm hinauf.
„Fertig, Kamerad! Setzt halten wir Mittagsruhe, bis Papa aufwacht!"
Aus -der Kajüte klang Br-adl egs Schnarchen, in der Luft summten Schwärme von Snjekten und großen, schimmernden Libellen. Ueber -dem schmalen Flußarm waren die Baumkronen ineinander verflochten und schützten vor der brütenden Mittagssonne.
Mollg hatte sich faul auf das Kajütendach gelegt; -ihre hellen Augen sahen an Holm vorbei und verfolgten träumend die Windungen des Flusses. Er mochte sie nicht stören, sondern begnügte sich damit, die geschmeidigen Linien ihrer schlanken Gestalt und das energische und doch weiche Profil -ihres kleinen, lockigen Kopfes zu -betrachten.
Oft hatte Hvlm sich gefragt: „SJt sie schön?" Und ebenso oft hatte er seine eigene Frage verneint. Und doch fühlte ,er, daß keine andere Frau ihn jemals mit Jo wunderlichen Gefühlen und Gedanken erfüllt hatte, die oft eine bedenkliche Richtung nahmen und gebieterisch mit einem anderen Namen bezeichnet zu werden verlangten, als mit einfacher Kameradschaft.
Seine Gedanken hatten hier in der Stille und der schönen Natur so freies Spiel, daß er kaum noch wußte, welchen Weg sie nahmen, bis er selbst und Molch ganz allein Arm in Arm durch schöne, unbekannte -Wälder wandern zu sehen meinte.
„Aber so rauchen Sie doch, Mensch? — Hier ist es ja nicht mehr auszuhalten vor Moskitos, und 2hre Pfeife -geht sehen I Augenblick aus!" Molch 'lachte Heller, während sie sich auf- richtete. ,Sie brauchen wirklich mehr Selb für Streichhölzer I als für Tabak", und sie deutete auf das Wasser, wo ein ganzes Geschwader von Streichhölzern untherschwammen. „Wo sind I Sie denn, Holm? Sm Traumland etwa?" Holm sah ihr in die I schönen braunen Augen und sagte:
Jas unsichtbare Luftschiff
Originalroman von Knut Gatzwiller Autorisierte Übersetzung von Elsa v. Hollander-Lossojw. sAlle Rechte Vorbehalten.) — (Nachdruck verboten).
20. Fortsetzung.
Diese seine eigene Erfindung war nun einmal Jem ein und alles, Jo daß er begierig jede Gelegenheit ergriff über dieses Patent zu sprechen. Tatsächlich hatte ja auch die unübertreff- | liehe Sicherheit dieser Behälter ihm seinen Namen und sein Ver mögen verschafft, denn erstens waren sie absolut explosionssicher und zweitens befand sich auf jedem Behälter eine kleine Scheibe, die anzeigte, wieviele Liter der Flüssigkeit noch in dem L-anK enthalten waren, so daß die Motormannschaften mit Leichtigkeit konstatieren konnten, wieviel Benzin ihre Maschine verbrauchte und wieviel Vorrat man noch hatte.
Während man das Mittagessen mit gutem Appetit zu sich nahm, sagte er zu Holm: „Wenn wir nur für die Rückfahrt genug Benzin haben/ Als ich vorhin dort unten Kartoffeln schälte, bemerkte ich, daß der eine Behälter auf Null steht, der andere dagegen auf siebzehn. Wir häben also für die Herfahrt etwas mehr verbraucht, als wir durften."
Holm machte ein nachdenkliches Gesicht und erwiderte: „Nun, — wir werden schon noch z-urückkommen, -wenn wir etwas mit Benzin sparen. Feder Tank faßt ja zwanzig Liter; also haben wir einen ganzen Behälter und drei Liter aus dem zweiten verbraucht, — aber es wird schon gehen, wenn nur Kapitän Mollg auf der Rückfahrt etwas geraderen Kurs hält!"
„2a, geben Sie mir nur die Schuld!" sagte Mollg sehr würdi-g. „Aber wenn ich Kapitän bin, -muß die Mannschaft sich darein finden, daß ich steure, wie ich will! Es wird schon noch genug Benzin dasein, und zur Strafe, daß der Maschinenmeister nicht genug Brennmaterial mit auf die Reise genommen hat, muß er mir beim Abwaschen helfen! — Du, Papa, kannst ein Mittagsschläfchen halten, während wir uns in das Waschfaß stürzen."
Diese Arbeitseinteilung fand einstimmigen Beifall. Brad- ley streckte sich im Salon auf die Bank, während Holm und Molch die Wanne und das gebrauchte Porzellan an Deck schleppten.
Vielleicht stellen der Herr Chemiker jetzt erst die richtige Mischung von Seife -und Soda zum Abwaschen her", sagte Molch zu Holm, der mit aufgestreiften Hemdsärmeln einen Kessel -kochendes Wasser in die Wanne entleerte.
Gleich -darauf waren sie beide eifrig beschäftigt., Ztiolly trocknete ab, urto Holm wusch, daß er schwitzte. Er hielt -inne,
„Sa, Mollg! Dort bin ich wirklich gewesen. Da war es Sommer wie hier, und die Sonne schien, und ich war nicht allein. Aber wenn man dann plötzlich in die Wirklichkeit zurückkommt, dann hat man das Gefühl, daß das schöne Traumland einem entgleitet, und man kann den Traum mit der Wirklichkeit nicht vereinen“. Holms Gejuht hatte einen ernsten, etwas gequälten Ausdruck angenommen. Mollg studierte lange un- stumm sein Gesicht, bis ein warmes -Lächeln in ihre Augen kam — und Holm fand Jie jetzt wirklich schön, als Jie feije und ohne ihren -sonstigen Uebermut sagte:
„Wissen Sie, was ich glaube, Holm? Die Träume jedes Menschen können Wirklichkeit werden,, wenn man sich nur Mühe gibt, den Traum nicht zu vergessen und wenn man warten kann.“ Sie sah ihn an und ihre braunen Augen suchten die seinen mit einem Blick, den zu deuten ihm trotz seiner geringen Erfahrung in dieser stummen Sprache nicht schwer fiel, und es war ihm nicht -möglich, sich von -dem lachenden Zauber dieser dunklen Augen loszureißen. Er sah sie nur immer an, nF Molch schlug die Augen -nicht nieder, obivohl eine gewisse Verlegenheit sie beide überkommen hatte; sie betrachteten sich stumm, als seien sie in diesem Augenblick sich ihrer selbst bewußt geworden.
Die Unterbrechung kam plötzlich und unerwartet. Eine große, funkelnde Libelle prallte gegen Holms Stirn, um dann zappelnd zwischen ihnen auf das KajUtendach -niederzufallen.
Das -löste den Bann, und -beide brachen in ein heiteres, befreiendes Lachen aus, während Molch vorsichtig die zappelnde Libelle aufhob und scherzend sagte: ,;Du bist ein böser Tolpatsch Kleine Libelle, kann du dich nicht vorsehen? Aber wie schön -und elegant sie gebaut ist", sagte Mollg, indem sie die Hand öffnete, um das 2nsekt fliegen zu lassen. „Doch sie glitzert ja gar nicht mehr", — sie Jah etwas enttäuscht die Libelle an, die nach be^ Zusammenstoß die Flügel glättete und putzte.
„Das kommt wieder, Molch, wenn sie wieder auffliegt. Ehe das Licht sich wieder in ihren durchsichtigen Flügeln bricht, bekommt sie ihre alte Schönheit nicht wieder."
Nach einigen -ungeschickten Versuchen, aufzusteigen, hob sich die Libelle plötzlich aus Molchs hohler -Hand und verschwand summend und funkelnd über ihren Häupten.
„Da sehen Sie," erklärte Holm, „jetzt spielt sie wieder hl allen Farben, wieder ein praktisches Beispiel der Strahlenbrechungen und ihrer Wirkung."
Mollg sah ihn verständnislos an. „Wie meinen Sie? 2ch habe Sie wohl nicht ganz verstairden."
I Fortsetzung folgt.