der 1923 die Verdoppelung der Biersteuer erfolgte, hat sich bei diesem Produkt im großen ganzen die Abwälzung ohne Schädigung des Gewerbes vollzogen. Die scharfe Konzentra- tion im Trohbraugemerbe dürfte ebenfalls die Tragfähigkeit der steuerbelasteten Produzenten erhöben. Größere Schwierigkeiten bieten sich aber im deutschen Labakgewerbe. Die Zahl der Beschäftigungslosen dieses recht erhebliche Arbeitsmengen beanspruchenden Gewerbes ist in scharfer Kurve gestiegen. Der wieder in 51 uß gekommene Export der am Ausland sehr geschätzten deutschen Fabrikate, vor allem der Zigarren, leidet jetzt bereits einer für den Wettbewerb ungünstigen Preisgestaltung. Der deutsche Verbraucher wird also voraussichtlich auch für die Exportware anfallende Steuer mit zu tragen haben. Verständlich ist es daher, baß besonders in Mittelund Süddeutschland die Steuervorschlägs lebhaft kritisiert werden.
Seutsch-französM SlwMthMdllmgea.
D.B. Berlin, 5. März. (Lig. Meldg.) Die Ueberreich- ung der Protestnote der Saar-Regierung an den Völker- dundsrat über die verzweifelte wirtschaftliche Lage hat zur 5o!ge gehabt, baß sich die französische Regierung nunmehr bereit erklärt hat, im Zusammenhang mit den deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen Besprechungen über die zu unternehmenden Schritte zur Hebung des Wirtschaftslebens im Saargebiet aufzunehmen.
Rücktritt der türkische« Regierung.
der heute aus Angora gemeldet wird, muß als eine logische Zol- ge der Politik Kemal Paschas angesprochen werden, die in der Frage der Kurdenaufstände und ihrer Auswirkungen augenscheinlich zu rosig gefärbt gewesen ist. Es rächt sich hier die starke frankophile Orientierung der türkischen Regierung, die in diesem Falle von den Engländern wirkungsvoll durchkreuzt worden ist. Es ist sicher so, daß hinter dem Kurdenâufftand England steht, das die Abstimmung über das Schicksal des Mofsulgebietes durch lebhafte Beunruhigung der in- und anwohnenden Bevölkerung geflissentlich zu Ungunsten der Türkei sabotieren will. Zmu andern rächt sich hier die in die besonderen Verhältnisse der islamischen Türkei so tief einschneidende Abschaffung des Kalifats. Ein Kalif wäre heute unbedingt in der Lage, den Unruhen im Kurdengebiete durch einen Machtspruch Einhalt zu tun, die Regierung Kemal Paschas ist dazu nicht in der Lage, weil sie sich die Sympathien der Kurden durch eben die Abschaffung des Kalifats gänzlich verscherzt hat. So glänzend Kemal Pascha dâe Türkei in vielen Fragen geführt hat, so verhängnisvoll sind einzelne seiner Irrtümer. Die falsche Beurteilung der Bedeutung des osmanischen Kaisertums in Verbindung mit seiner mystischen Fundierung in den Gemütern der Völker des Sslams, durch Kemals Regierung kann der Türkei unter Umständen den Verlust des Mosfulgebietes einbringen.
Sitzung der BoMLsterkonferenz.
D.B. Paris, 3. März. (Lig. Meldg.) Ministerpräsident Herriot hatte heute früh eine eingehende Besprechung mit Marschall Zoch über den Bericht der interalliierten Militär- Kommission. Kurze Zeit danach, um 10 Uhr, trat dann die Bot schaftevkonferenz zu der angekündigten Hitzung zusammen, um die Begutachtung der beiden Berichte, nämlich des der interalliierten MilitärkontrollkommWon in Berlin und des Versailler Komitees vorzunehmen. Die Beratungen der Bol- fchafterkonferen; dauerten bis 12.30 Uhr mittags. Sn einem amtlichen Kommunique heißt es, die Botschafterkonferen; habe beschlossen nähere Aufklärung über gewisse Punkte des Berichtes von dem interalliierten Militärkomilee zu erbitten. Dieses neue Gutachten wird sofort ausgearbeitet unb der Bot- schafterkonferenz in ihrer nächsten Sitzung, die am Freitag statt finden wird, unterbreitet werden. Den Bericht selbst wird Marschall Zoch ausarbeiten.
Der französische Ministerpräsident Herriot hatte am Montag abend eine längere Besprechung mit dem englischen Botschafter Lord Erewe, in der das elf Seiten umfassende Memorandum über die angeblichen deutschen Verfehlungen besprochen wurde. Es handelt sich hierbei um den von Marschall Zoch ausgearbeiteten Extrakt des Berichtes der interalliierten Mi- litärkontrollkommWon. Die Blätter erklären, in dem Gutachten werde das Hauptgewicht auf die Organifationsarbeit des Generals von Seeckt unb besten Generalstab gelegt, die aus der im Versailler Vertrag vargeschriebenen Polizeischutztruppe und der Reichswehr ein „kriegstüchtiges Heer" gemacht hätten. Die deutschen Fabriken seien noch heute in der Lage, wenigstens 50 Kanonen täglich zu fabrizieren gegenüber hundert Geschützen vor dem Kriege.
M Neueste.
Die Trauerfeier in Berlin.
wtb. Berlin, 4. März. telef. Sestern nachmittag 3 Uhr fand in der Wohnung des Reichspräsidenten die imposante Trauerfeier für den Verstorbenen statt, bei der der Reichskanzler Dr. Luther eine bedeutsame Rede hielt, in der er u. a. folgendes ausführte. Zriedrich Ebert war ein aufrechter deutscher Mann. Bei allen Bölkern der Erbe gilt als besonderer Maßstab der Treue das Einsetzen -er eigenen Person für das Vaterland. 2n den Stunden der Rot, als Deutschland beim Ausbruch des Weltkri^es in größter Bedrängnis war, trat er sofort entschlosteu für die Notwendigkeit ein, die Parteiwün- 'sche und Parteiziele ruhen zu lasten und nur dem Gedanken an 'bas Vaterland zu diene». An führender Stelle hat er geholfen gegen Widerstände die Bewilligung der Kriegskredite durchzusetzen. Roch im Suli 1918 ist er von der Tribüne des Reichstages für die Bewilligung weiterer Kriegskreditb eingetreten tust der Vgrcündung, daß die Gegner einen Frieden verweigerte», der auch für das deutsche Volk ehrend gewesen wäre. Nach dem Zusammenbruch hat Zriedrich Ebert seine ganze starke Persönlichkeit dafür eingesetzt, daß der unselige Weg ein Htaatswcsen mit Gewalt zu gestalten, so rasch wie möglich vergasten unb der Gedanke des Rechts wieder zur Herrschaft gebracht wurde. Su seiner Amtsführung als Reichspräsident war !ihm Deutschlands Wohl der Leitstern. Der Marsch zu diesem 'Ziele führte lange Zeit durch dunkle Nacht und dichtem Nebel. Der Hindernisse, die es zu überwinden oder umgehen galt, waren unzählige. Die Außenpolitik führte von Enttäuschungen zu Bitternissen und von Bitternissen zu neuen Enttäuschungen. Ein erstes Aufhellen der Rebel noch zu sehen, war Zriedrich Ebert vergönnt durch den Abschluß des Londoner Abkommens und den Geist eines wirkst chr Zriedens, der in London lebendig war. Schwer litt der Tote unter der neuen Verdichtung des Nebels -re durch die Aichträumung der ersten Aheinlandzone über das deutsche Volk gesunken ist. Gewiß hat Ebert, nachdem er Reichspräsident wurde, seinen parteipolitischen Ausgangspunkt als Sozialdemokrat nie verleugnet. Aus dieser Tatsache kann im Rahmen unserer Reichsverfassung doch wohl ein grundsätzlicher Einwand gegen seine Eignung als Reichspräsident nicht hergeleitet werden. Zur sicher halte ich es, daß er die Dinge manchmal anders gesehen und anders gewertet hat, als ein Staatsmann anderen Ursprungs es getan hätte. Eine solche 'Bedingtheit ist Menscheulos. Zriedrichs Eberts entscheidende Taten werden nie als Zeugen gegen seine Ueberpajrteilichkeit aufgerufen werden können. Meine in der O Öffentlichkeit roie- derholt erhobene Zorderung, daß im parlamentarischen Staatswesen die unvermeidliche Opposition keinen Riß ins Bolk bringen dürfe, hat er stets mit allem Nachdruck gutgeheißen. Sch handle deshalb im Geiste des Toten, wenn ich von dieser Stätte aus, wo wir an der Schwelle der ewigen Dinge stehen, an alle, um unserer deutschen Zukunft willen, die dringende Mahnung richten: Seid ein Volk, ein Vaterland".
Dgnamil-Explosion.
wtb. Berlin, 4. März. telef. Heutevormittag 9,46 Uhr ereignete sich wie der Amtliche Preußische Pressedienst milteilt, bei den Rheinischen Dguamitwerken in Viesteritz (Kreis Wittenberg) eine schwere Dguamit-Explosion, die 5 Tote, 7 Schwer verletzte und 31 Leichtverletzte als Opfer forderte. Der Sachschaden ist sehr groß. Nach bisherigen Ermittlungen handelt es sich um ein durch ein Zusammentreffen widriger Umstände geschehenes Unglück. Die Entstchungsursache selbst ist noch un- bekannt, doch wird nach übereinstimmender Ansicht die Ber- mutung eines Attentates von allen Seiten abgelehnt. Me Verwundeten wurden durch städtische Krankenautos und Kraftwagen der Schutzpolizei abtransportiert.
Mussolini wiederhergestellt.
wtb. Rom, 4. März. telef. Die Leitung der faustischen Partei teilt offiziell mit, daß Mussolini wieder hergestellt sei, daß er täglich zahlreiche politische Besprechungen habe und den Lauf der politischen Geschäfte wieder genau verfolgen könne.
Km $m
wb. Berlin, 4. März. Der Magistrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, daß die Hauptverkehrsstraße der Stadt Berlin Friedrich Ebert" Straße genannt werden soll.
wb. Wittenberg, 4. März. Sn den benachbarten west,a- lisch-anhaitischen Lprengstosfwevken in dem benachbarten Reins borf ereignete sich gegen 10 Uhr heute Vormittag eine folgenschwere Explosion, durch die ein Teil des Betriebes stulgelegt | wird. Die Bergung der Verletzten unb der Toten ist im Gange.
â Wittenberg, 4. März. Nach einer weiteren Wbm™ mar die Detonation so stark, daß sie in den Dörfern unb de, Stäbten der Umgebung vernommen wurde unb sogar in " w>g die Fensterscheiben zersprangen. Die Polizei hält die gliicksstelle abgesperrt. Das Unglück soll sich, wie verlautet in der Lötabteilung ereignet haben in der hauptsächlich „ und Mädchen beschäftigt sind.
mb. Helgoland, 4. März. An der Ostseite des bebauten Oberlandes stürzten in der Höhe des Kasinos gestern Morgen etwa 3 000 Kubikmeter Erd massen ins Meer. Eine neuerbaut, Villa ist sehr gefährdet. Der Gartenpavillon hängt über der Zelsivand. Ein Rebenhaus, das, unmittelbar an der Zeiskante steht mußte abgebrochen werden, da die Zeisen verschieden Risse aufwMen. Einige Wege des Oberlandes sind gesperrt I wb. Haag, 4. März. Die sozialdemokratische Fraktion * heute in der Zweiten Kammer einen Gesetzentwurf betreffend die militärische Abrüstung der Niederlande eingebracht.
ivb. Amsterdam, 4. März. 3m Zusammenhang mit einer Witärtikelserie, die das Algemren Handelsblad aus der Feder hervorragender Pazifisten Englands, Zrankreichs, Deutschlands und Dänemarks, unter denen sich auch der deutsche Professor Schücking befändet, vor kurzem über die Frage, welche Stellung die Niederlande zum Genfer Protokoll einnehmen sollen, veröffentlichte, bringt bas Blatt an erster Stelle in der gestrigen Abendausgabe unter dein Titel-Protokoll oder wa- rantiepakt einen bemerkenswerten Leitaufsatz. 3n diesem wird ausgefUhrt, daß die neuen Grenzen im Osten Europas ihre Gntstehung nicht natürlichen Kräften der Entwicklungsmöglicy- Keiten, sondern im großen Maße der LNacht und der Willkür verdankten. Das Suchen nach Bürgschaften für diesen Zustand sei daher auf Seiten der Begünstigten durchaus begreiflich.
wb. Amsterdam, 4. März. Nach BlättermÄdungen aus Soorabnya auf dava sind dort bei der letzten, jetzt als über» wunden anzusehenden Malariaepidemie in den Bezirken von Kodamean und Mongati voir einer Gesamtbevölkerung von * 00O Personen 3000 von iüejer Krankheit befallen, von denen etwa loodPersonen starben.
wb. Loudon, 4. März. Nach einer Meldung aus Angora werden die türkischen Trupepu bald mit den Aufständischen in Kurdistan in Fühlung kommen. Oertliche Kämpfe finden bei Tschemisch, Gezek und nördlich von Kharput statt.
wb. Moskau, 4. März. Wie der Vertreter des WTB. von maßgebender Seite erfährt, sollen die Verhandlungen der deutschen Delegation neben dem Handelsvertrag auf die Regelung anderer wichtiger Wirtschaftsfragen auf den Gebieten ber Seeschiffahrt, des gewerblichen Rechtsschutzes und der Anerkennung und des Schutzes deutscher Patente ausgedehnt werden .
wb. Konstantinopel, 4. März. dsmet Pascha hat das neue Kabinett gebildet. Außenminister ist Tewfik Rufid.
wb. Washington, 4. März. Der Präsident übermittelte dem Senat die Verträge mit Großbritannien, in denen die Bereinigten Staaten das britische Mandat über Tangawika, Logo und Kamerun anerkennen. Die Konvention sieht die gleichen Rechte für die Amerikaner wie für die britischen W her vor. —
Aus Stadt und Land.
Preußens Trauer um Reichspräsident Ebert. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: 3m Einverständnis mit der Reichsregierung ist bestimmt worden, baß auch am Donnerstag, den 5. März, die Flaggen auf den öffentlichen Gebäuden noch Halbmast gehißt bleiben.
' Die Borarbeiten zur Aeichspräsi-eutemvahl. Der preußische Minister des Innern hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, die Regierungspräsidenten und den Magistrat von Berlin beauftragt, die Vorarbeiten für die Wahl des neuen Reichspräsidenten sofort aufzun-ghmen und die Wäh- lerverzeichmsse aufzustellen, wobei die letzten^WLHlerlisten möglichst zu benutzen sind. Die Arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß selbst bei der Festsetzung eines frühen Wahltermins die Auslegungsfristen innegehalten werden können.
Volkslieder abend. Wie uns mitgeteilt wird, veranstaltet das KirchMe Männerquartett 1923 Fulda, dessen gute Leistungen noch vom letzten Konzert her in bester Erinerung stehen, am Sonntag, den 15. März abends 8 Uhr einen Volksliederabend Die Leitung hat eine sorgfältige Auswahl der vorzutragenden Lieder getroffen. Den instrumentalen Teil hat in dankenswerter Weise die hiesige Feuerwehrkapelle übernommen.
Das Konzert der bllnden Künstler. Am Montag abend hatten die blinden Künstler Paul Risch (Seige) unib Emil Wiricke
5. Marx 1925.
Slaatspapiore lo Millianto Proz. — Mn li Billionen Proz.
ffürtt. Notenb.
Eisenbahn- und
Bad.-Elekt. . . 3ad. Uhrenfabr. 3ast. AXr.Nbg.
445
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Luther M. . . Mainkraftwerk
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Obligationen
103.—
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136.—
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Wulle. Stuttgrt.
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Gummis. Brl.-F.
69.—
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Rhenania . . .
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Vogtl Masch. Vz.
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10.7
9.5
7.5
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11.7