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HeWche Moryenzeitung Ful-aer KreisblÄtt, Anzeiger für Rhön und Bogelsbers, Fulda- und Haunetal

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Wmmer 46.

Mittwoch, den 25. Februar 1925

2. Fahrgang.

Eaarplünberung und Eaarwühruns.

Frankreich hat auf Grund der völliig eindeutigm und ge- 'schiossenen Haltung der gesamten Haar-bevölkerung aller Schat- tierungett allmählich den Lindruck gewonnen, daß bei der Volks abstimmung die -Entscheidung zweise-llos zu Gunsten Deutschlands 'ausfallon w-ivd, mag Frankreich auch seine Abstimmungsmctho- den, wie sie seinerzeit in O-bevschlesien zur Anwendung gelangt sind, noch rücksichtsloser durchführen. -So ist denn die Haltung 'der sogenannten^Sa-arregierung, in" welcher das Laarvock nicht den geringsten Einfluß besitzt, ganz auf eine rücksichtslose wirt­schaftliche Ausplünderung dieses Gebietes zu Gunsten Frank­reichs eingestellt. Man will noch möglichst viel aus dem Lande herausholen, solange man die Macht hat. Die Zollsperrung gegen Deutschland hin, die Durchschneidung aller Naturgemäß nach dem Reiche führenden -Lebensadern und eine Fülle inner- wirtzschastlicher Maßnahmen beweisen diese Absicht. Nun er­gibt sich aber aus diesem Raubibau auch für Frankreich -selbst eine angesichts der finanziellen Gcsamtlage der französischen Republik nicht zu unterschätzende Gefahr. Die Einführung der Fra-nkenwährung im Saarge-biet, die ebenfalls gegen den Wil­len der Bevölkerung erfolgte, verkettet das Schicksal des an sich schon rückenm-arkschwachen Franken mit dem Wirtschaftsnieder- gang im Saargebiet. Um diese Gefahr zu bannen, besteht nun die Absicht, eine 5ouderwährun-g -für das Saarland einzuführen: den Saarfrankon.

Bereits am 30. Dezember 1924 ist in der Sitzung des Bud­get-Ausschusses der französischen Kammer dieser Plan einer Sonderwährung für das Saarland gefaßt worden, da man bei der sinkenden Kaufkraft der Saarbevölkerung, bei dem Minus an Steuererträgen und der damit zusammenhängenden künstli­chen Ge-ldproLuktion die inflatorische Gefahr für den Franken erkannt hat. Die sozialdemokratische Fraktion des Landes-

RettMssvsrsmhe.

Fu den Reihen der preußischen -Linkskoalition ist es über Nacht -still geworden. Ob man wirklich an dem Plan festhält, Herrn Marx mit genau demselben Kabinett wieder dem Landtag zu präsentieren, ist noch nicht ganz bestimmt. Offenbar will man diese -Sitzungsfreie Woche dazu benutzen, einige Rettungs­versuche zu unternehmen, die aus der Pavlamentsminder-heit eine kleine Mehrheit machen könnte. Herr Marx selbst ist nach Westfalen gereist, um der für Ibas Zentrum sehr peinlichen Er­klärung des Abg. v. Papen entgegen zu wirken. Aber es bleibt richtig, daß der Fraktionszwang bisher im Zentrum unbekannt war und feinem Wesen zuwider ist. Und man kann auch kaum ann-ehmen, daß die Bauern Rheinlands und -Westfalens durch das Auftreten Heilmanns im Landtag für die Koalition mit den Barmatisten gewonnen seien. Ein Vorstoß anderer Art richtet sich gegen die Wirtschastspartei, der man von links her eine Konkurrenz entgegenlstell-sn will in einerPartei für Handwerk, Handel und Gorwerbe". Llber die Wer-bekraft der Linken dür­fte im Mittelstände gering sein; und so schnell, wie man es 'möchte, wird man gewiß die Wirtschastspartei nicht umschmei- ßen.

Wett oder SbjrN.

Die deullsche Rsi-chsregievung hat in London einen Schritt unternommen, um anzufragen, daß Vertreter Deutschlands -von den alliierten Regierungen gehört werden sollen, bevor eine neue Note in der Abrüstungsfrags nach -Berlin gesandt wird. Ts ist schon auffallend genug, daß ein solcher Wunsch erst aus­gesprochen werden muß. Nachdem Veurschland im vorigen Jah= re an den Londoner Verhandlungen über den Dawes plan teil­genommen hat und nachdem es auch bei den Pariser H-andels- rertrags^ den Franzosen klar gewogen' ist, daß das Reich doch wieder ein selbstständiges politisches Subjekt in ~ D^word-en ist nach alledem war es eine unerhörte orusklnmg, in der Frage der Kölner Zone und »er Ent­waffnung Deutschland wieder zum Objekt einer Diktatpolitik ermodrigen zu wollen. Herr Llogd George, dem leider die guten Gedanken immer erst kommen^ wenn er zur Opposition Lberge- gangen ist, hat die Aichträumung der Kölner Zone in seinem lehten Sopintagsartikel als einen glatten Vertragsbruch be-* zeichnet, der so niederträchtig aussehe, daß er verächtlich wir­ken müsse. Die Berufung auf die noch nicht vollendete Ab- rnjtung Deutschlands sei ein ganz unehrlicher Vorwand. So gerne wir hiervon Notiz nehmen, so wäre es uns doch weit wenn die gegenwärtige englische Regierung sich annähernder Deutlichkeit auf den Standpunkt des

Ä èer die Herren Baldwin und Eham- rämnmia ak W ^" 6hm. Sie nehmen die Nicht- 'S*mtkomplex ^"' ^ wollen in aller Rühe den 'Trot? der lebhaft-T^^ und Sicherungslfragen erörtern ^irinuhungen Ehamberlains, mit Frankreich

rates -hat nun an die Saarregierung eine Anfrage über den Plan der Saarwährung gerichtet und schärfsten Widerstand des gesamten Saargebietes gegen dieses Experiment an-gekündigt. Auch die Handelskammer hat im Einvernehmen mit allen wirt­schaftlichen Organisationen des Landes -in einer ausführlichen Eingabe auf die Unmöglichkeit der französischen Finanzpläne hingewiesen und eine ausweichende Antwort erhalten, durch die die saarländischenBefürchtungen nur bestätigt werden. Ein wirtschaftlich so auf internationale Verkehr eingestelltes Gebiet wie das Saarland, kann aber ohne ein international anerkann­tes Zahlungsmittel nicht leben. Das sind Selbstverständlichkei­ten, über die nach den Erfahrungen der letzten Sahre nicht mehr geredet zu werden braucht. Die Zeit des Lrsatzgeldes ist end­gültig vorbei.

Zu allen diesen unwiderleglichen Erwägungen kommt aber hinzu, daß § 32 Absatz 1 des Saarstatuts lautet:Der Umlauf französischen Geldes im Sa arg übtet wird keinem Verbot und keiner Beschränkung unterworfen." Unter französischen Gelde kann einzig und allein das in ganz Frankreich -gültige Währungs âelb verstanden werden. Die Statutbestimmung besagt aber -loch nicht, daß der französische Franken als a 11 e i nige Wäh­rung einzuführen -ist. Würde der Völkerbund tatsächlich ein Snteressenwahrer des Saarlandes sein, so müßte er auf die WirtschaftserforLernW Rücksicht nehmen. Diese -Erfordernisse verlangen, wie es auch die Denkschrift der Handelskammer Saarbrücken ausspricht, Aufhebung des französischen Zranken- im Saargebiet und Wiederinkraftsetzung der Reichs­mark als gesetzliches Zahlungsmittel. -Line solche der Vernunft und Billigkeit -entsprechende Regelung müßte natürlich zur-Vor­aussetzung haben, daß auch die Zollschranken nach dem Reiche hin wieder fallen. Nur der -Wiederanschluß des Saargebietes an die deutsche Wirtschaft kann dem Lande helfen.

?u einem -Einvernehmen zu gelangen, sind doch noch die Unteres- sengegensätze so groß, daß selbst die angekündigte persönliche Zusammenkunft Eh-amberlain-Herriot noch im Nebel des Unge­wissen gehalten wird. -England tritt allerdings auch aus eige­nem Jnterejfe für eine Hinzuziehung der Deutschen zu den Ver­handlungen ein, während man in Frankreich durch diese Frage sehr beunruhigt ist und -offenbar noch nicht weiß, wie man ssich verhalten soll. DerSetups hat eben noch einen großen Ar­tikel veröffentlicht, worin er mit den fadenscheinigsten Gründen die Beteiligung Deutschlands an den Verhandlungen ablehnt und derBefürchtung" Ausdruck gibt, daß es dann wieder zu Kompromissen in der Sicherheitsfrage kommen könnte, wie es in London bei den Wirtschaftsberatungen der Fall gewesen war. NachdemOeuvre" jedoch möchte Herriot nicht schroff das Verhandeln mit Deutschland gruüdsätzl-ich abl-chnen; aber er scheint durch neue taktische Küüste und Verschieppungsmanöver tatsächlich doch erreichen zu wollen, daß Deutschland nur als Objekt einer französisch-englischen Einigung behandelt werde. Hiergegen ist schärfste Verwahrung ' einzulegen. Von der Reichsregierung müßen man erwarten, daß sie energisch darauf besteht, nun endlich die Anklagepunkle in der Entwaffnungs- frage zu erfahren und hierüber sowie über den Vertragsbruch bezüglich der Kölner Zone in Verhandlungen mit den Alliierten, und zwar als gleichberechtigte Macht einzutreten.

WEM im Wmmer.

D.B. Berlin, 2Z. Fübr. fLig. Mekdg.) Auf den Zechen im Zvubrreaier^t in den letzten Lagen eine Absatzstockung einqe- treten, sodaß mit dem Einlegen umfangreicher Feierschichten ge­rechnet werden muß. Lohnerhöhungen werden die Srubenbe- lher für die nächste oeit nach Lage der Dinge unter keinen Um- standen zugestchen.

. Berlin, 23. Febr. (Eig. Meldg.) Der Generalagent für Reparationszahlungen veröffentlicht eine zweite Statistik über die zahlenmäßigen Ergebnisse feiner Tätigkeit. Danach lind Mi danuar dieses Sahres 108,3 Millionen Mark an Re­parationen eingegangen. Hiervon entfallen 104 Millionen auf n kâag èor ReparationsanlÄhe von 1924, der Rest auf Ein- gange aus Belgien und Luxemburg. Die Gesamtsumme -der er­sten dahresanuität bis zum 31. Januar 1925 erhöht sich dadurch a-if^ 394,5 Million ne Mark. Für Zahlungen sind im Januar 101,5 Millionen Mark verwandt worden. Derbei der Reichs- bank ruhende B-arüberschuß stellt sich damit auf 13,1 Millionen.

den Zahlungen entfallen u. a. an Großbritannien fl 9,3 Millionen, Frankreich 47,2, Italien 8,9, Belgien 9,3 Millionen Mark. Ferner für Kohlen an Belgien und Luxemburg 4,6 Mil- Honen, für Rechnung der militärischen Kontrollkommission 1,3 Millionen und für den Dienst der ausländischen Anleihe 7,3 Millionen Mark.

Wei Tote aus dem Elsaß.

Straßburger Brief.

Straßburg, den 22. Febr. 1925.

Zwei Männer sind in der jüngstvergangenen Zeit gestorben, deren Namen aus der letzten Geschichtsspanne der Zugehörig­keit Elsaß-Lothringens zum Reich einfach nicht wegzudenken sind, der Staatssekretär des letzten Statthalters Schwander, Karl Hauß, und der ehemalige Straßburger Weihbifchoff Zorn von Bulach, -beides Elsäßer der Abstammung, der Wesenart, der Willeneinstellung nach, beide aber auch Deutsche, denen trotz aller Gegensätze zu Berlin in vielen und wichtigen Fragen, die Zusammengehörigkeit -von Reich und Reichslanden Voraussetz­ung ihres bedeutsamen Wirkens war.

Der aus dem Kleinbürgertum kommende Karl Hauß, ein urelsäßisches Temperament, der aber, im Gegensatz zu dem ins französische Nationalistenlager abgleitenden Preiß, den sicheren Instinkt für wahres Elsäßertum besaß, wurde als Parlamen­tarier bald Führer des elsaß-lothringischen Zentrums. Der politische Katholizismus partikulari-stischer Prägung beherrschte ihn. Volksredner, Bolksmann war er. Die Opposition wurde sein Lebenselsment. Da die Mehrzahl der eingewanderten Be­amten sich mehr zur Linken hingezogen fühlte, als zum Zentrum, so gewann die elsaß-lothringische Zentrumspartei eine immer schärfere Einstellung gegen die Altdeutschen. Auch eine leise Beimischung Franzosentum gehörte zum Wesen dieser elsäßischen Opposition. Niemals ist aber Hauß ein Franzosenschwärmer ge­wesen. Wetterles in Frankreich gehaltene Hetzreden hat er . immer abgelehnt. Sm Kriege war niemals an seiner deutschen Einstellung zu Weiseln. Der Schluß des Krieges schien die Ver­wirklichung seiner Lebenshoffnung, die Automomie des Landes zu bringen. Er selbst glaubte, an ihrer Durchführung an leiten­der Stelle mitwirken zu dürfen. Da kam der Zusammenbruch, und Hauß machte den schmähigen Frontwechsel der meisten seiner politischen Freunde nicht mit. Niemals hat er seine Stellung mit dem Lügenmantel zu bedecken -versucht, in den so viele seiner einstigen Mitkämpfer sich hüllten, um denBefreiern" zu ge­fallen. Er hat niemals sich dazu herbeigelassen, seine ganze Ver­gangenheit als angeblicheNotlüge zur Täuschung der Deut­schen" zu verleugnen. Er hat nicht mit eingefiimmt, in dasVive la France" sondern ist still zur Seite getreten, eine Ausnahme- erscheinung in jenen Lagen ekelhaftester Gesinnungslumperei. Daher verdient er auch dort ehrenvolle Erwähnung, wo man ihn einst politisch bekämpfen mußte.

Weihbifchoff Dr. Franz Frhr. Zorn von Bulach entstammt Lem uralten Llsäßergeschlechte, das seinem Lande so viele her­vorragende Männer geschenkt hat. Zuerst für die diplomatische Laufbahn bestimmt, und im juristischen Studium ausgebildet, wandte er sich aus eigener Neigung zum geistlichen Stande und war zunächst im hohen päpstlichen Verwaltungsdienst tätig. Verwandtschaftliche Beziehungen verbanden ihn mit dem Ba- bifchen FLrsteklhau.se. Eine Kandidatur für den bischöflichen Stuhl von Metz wurde von der deutschen Regierung gefördert. Sehäßischs, französische Treibereien setzten aber alsbald ein, man es dem Vater des Freiherrn nicht vergeben konnte, daß er, der einstige Kammerherr Napoleons 3., als deutscher Edel­mann wieder -den Anschluß an die alte Heimat fand. Der ^^^ M ?u dieser Hetze ging leider von deutsch-feindlichen Kreisen im Elsaß aus. Dreimal bat Bulach brieflich den Kaiser, von seiner Person absehen zu wollen, und der Abt von Maria-Laach Benzler, erhielt den Sitz in Metz. Um diese Niederlage auszu- gleichen, setzte der Kaiser die Berufung Bulachs zum Weih- bischoff nach Straßburg durch. Diese Regelung rief neue Un- ruhe hervor, da der bisherige sehr beliebte Weihbifchoff, auch ein Elsäßer, Dr. Marbach, zurück treten mutzte. Der Abgeord- nete Brüser, der auch die Seele der Treibereien gegen Bulachs Berufung nach Metz gewesen war, warnte ihn öffentlich, sich den Weg über die Leiche seines Vorgängers zu bahnen". Heute steht fest, wie es auch derElsäßer Kurier" beim Tode Bulachs zugab, daß Bulach fetvst sich gegen eine Regelung ge­sträubt hat, Lie Leo XHL aus diplomatisch-politischen Gründen getroffen hat.

Daß nun Bulach, in dem man mit gewissen, nie überwun­denen Mißtrauen den Mann des Kaisers sah, seine Stellung politisch im Sinne der Berliner Regierung ausgenutzt hat, wag- te niemand zu behaupten. Der durch Frankreich nach Kriegs­ende eingesetzte Armoebischoff Ruch, der kein Wort deutsch spricht, hat sich dagegen von Anfang an als Agent Frankreichs 'Nnd als Träger einer politischen Mission gefühlt. Bulach dage- MN hat sich seinerzeit sogar mehrfach in offenen Gegensatz zu seinem Bruder, den Staatssekretär, gestellt. Dankbar müssen 'wir ihm aber vom deutschen Standpunkte aus sein, daß er stets danach getrachtet hat, die Gegensätze zwischen Elsaß und Reich zu beseitigen. Den Geist der Versöhnlichkeit atmet'?. B. seine BrofdriireErnstfriedliche Stimmen zu den Vorgängen in Za- bcui . Er schrieb diese Schrift Nicht als Geistlicher sondernals Elsäßer, Mitglied der ersten Kammer und Sohn eines Mannes, Lem das Wohl des geliebten Elsaß-Lothringen am Herzen lag. 'Ein solcher Mann erhielt natürlich beim Einmarsch der Fran- tzosen trotz seiner geistigen Würde den Ausweisungsbefehl, wie zunächst alle Bulachs. Wenn die Ausweisung auch zu rück ge­nommen wurde, mußte der Weihbifchoff doch sein Amt nieder-