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Moryenzeitung

Fuldaer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal

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«immer 45.

Sienötag, den 24. Februar 1925.

L Fahrgang.

Das Preußische Geduldspiel

Zentrum und Linke wollen zunächst das Geduldspiel fort­setzen und Herrn Marx mit dem Antrag Wiederwahlen, genau dasselbe Kabinett von neuem dem Landtag vorzuführen. Ver­sagt der wieder das Pertrauen dann denselben Vers norh- mall Man wird schwerlich behaupten können, daß ein solches Spiel dem Ernst der Situation entspreche, und man würde es bedauern müssen, wenn Herr Marx seinen guten Ramen dazu bergäbe. Denn was erwarten dieWeimarer" davon? Eine Bekehrung der D. V. P. zur großen Koalition eine Um­armung Lampes und Heilmanns? Das ist unbenikbar. Also er­hoffen sie eine Zufallsmehrheit für das Vertrauensvotum? Die wird immer unwahrscheinlicher seitdem das Zentrum den Herrn v. Papen und Loenartz den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, ohne ihre Mandatsniederlegung durchsetzen zu können. Uebrigens wäre ja auch mit deren Stimmen noch immer keine Mehrheit für das Vertrauen vorhanden gewesen. An der sehr geschick­ten Erklärung des Herrn von Papen wird das Zentrum noch zu kauen haben. Nur eine Grippeepidemie in Ostelbien könnte dem Kabinett Marx-Severing zum Leben verhelfen, das solange dauern würde, bis die Epidemie erloschen wäre. Darf man auf einer solchen Basss regieren?

Die Linkskoalition ist so stolz darauf, daß sie jederzeit ein- nen Ministerpräsidenten wählen kann. Aber dies geschieht doch nicht mit absoluter Mehrheit, sondern gelingt nur deshalb, weil die anderen Parteien keinen gemeinschaftlichen Kandidaten aufzustellen vermögen. Statt sich darüber zu amüsieren und ne­benbei die preußische Verfassung anzuklagen, sollten die Links­parteien lieber mit etwas mehr Logik an die Sache Herangehen. Die Verfassung muß natürlich davon ausgehen, daß die Parteien die den Ministerpräsidenten wählen, über die absolute Mehrheit ;ä^£w4Um^ uvb. Jamil bei .wlkr i^ des Hauses auch ein Vertrauensvotum durchdringen können; nur dagegen

Das Wrexen und Ne Einlösung.

Als die Ruhrdenkschrift erschien, schrieb dieGermania" die Regierung hätte sich doch garnicht soviel Mühe zu geben brauchen, das Versprechen der Entschädigung zu motivieren; gegen dieses sei ja nichts einzuwenden, sondern allein gegen die Art der Auszahlungen. Daraufhin hielt' man ihr die Verant­wortlichkeit des Kabinetts Marx für diesen zweiten Akt vor. Was tat die ^Germania"? Sie erwiderte dreist und gottes- fürchtig ein gegebenes Versprechen habe man natürlich einlösen müssen und darum komme es nicht auf die Ausführung, son­dern auf das Versprechen an! Derselbe scherzhafte Widerspruch zog sich auch durch die Verhandlungn des Reichstages am Frei­tag hindurch. Dr. Luther verteidigte die Einlösung und Dr. Stre

das Versprechen. Dieser Partei ist natürlich leichter, aber auch der andere wird sich wohl ohne große Schwierigkeiten durchführen lassen. Das Zentrum befindet sich im Reich unter den Verteidigern der Regierung gegen wilde Angriffe der So­zialisten und Demokraten. 3n Preußen erklärt es dieselben Leu­te für seine liebsten Freunde. Verdrehte Welt!

ReiKsregiemng und Kontrollbericht.

DB. Berlin, 21. SM (Lig.-Weldg.) Pariser Blätter melden, die Reichsregierung werde mündliche Verhandlungen in London einleiten wegen der Veröffentlichung des Kontrollbe- richtes. . Einen Hauptgegenstand der in offizieller Beratungen werde die Srage der Unterbringung der Schutzpolizei fein. Wie wir von informierter Seite hören, werden die deutschen Bot­schafter in Paris und London selbstverständlich bei den dortigen Regierungen sich über die Aussichten einer Verständigung sich informieren. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die Reichs­regierung auf lückenloser Veröffentlichung des Kontrollberichtes befiehl.

^â"'. 2'^â (Eig.-Meldg.) Die Blätter er- ci.ern eingehend die Möglichkeit einer Verständigung mit der Re.chsregierung wegen Veröffentlichung des Berichts der Militarkontro lkommsssion und der gleichzeitig in Berlin in die- Angelegenheit zu überreichenden Rote der Alliierten Die

Iifb * Es, daß man erst die Wünsche der oeut)eben Regierung und ihre Einwände zur Kenntnis nehmen Alliierten eine endgültige Entscheidung getrof- Der Bericht wird auf jeden Fall erst dann zur Ver- iiberoiä alliierten Regierungen darin noch ^' ^ beständen zur Zeit spreche gegen S und die Wahrscheinlichkeit über erkl7r?dn ?s Gerichtes. Demgegen- wegs so schwerwiegm^ Ä ^ Bericht keines- Dies beziehe tick s """ 111011 cs bisher angenommen habe besonders auf das Vorhandensein von deut-

kann sie einen Schutz gewähren: daß durch Ueberrumpelung von einer Zufallsmehrheit ein Mißtrauensvotum angenommen wird. Darüber hinaus eine Regierung mit Gewalt stützen zu wollen, die über keine Mehrheit im Parlament verfügt, wäre ganz un- demokratisch und unsinnig. Der Kern des gegenwärtigen Uebels in Preußen ist also nirgendwo anders zu suchen, als in der Tat­sache, daß Parteien, die über keine Majorität verfügen, sich den Spaß erlauben, trotzdem einen AnnisterprÄsidenten zu wählen.

Demnach müssen die Hauptverhandlungen und Entschei­dungen nicht hinter, sondern vor der Wahl des Ministerpräsi­den liegen. 3m Lager der Deutschen Volkspariei plädiert man für ein Beamtenkabinett unter Marx und denkt an kein Volks­begehren für die Landtagsauflösung. Die Taktik der Linken wird von derVoß" angelbeutet: Neuwahlen erst später, wenn sich die Linke mehr Erfolg von dem Ruhrkreditrummel und der Aufwertungsenttäuschung versprechen Kanu. Bis dahin soll Marx das Stehaufmännchen spielen. Eine würdige Rolle für- wahr! Dann wäre es doch wähl besser, einmal ein Beamten Kabinett zu versuchen. Dieses würde ein Zusammenarbeiten mit dem Aeichskabinett ermöglichen. Die Wahl D. Winklers zum deutschnationalen Parteivorsitzeuden zeigt, daß man in dieser Partei die Bedeutung Preußens betonen, andererseits aber auch keinen Heißsporn an die Spitze stellen will. Auf der Lin­ken Übersicht man geflissentlich die Schwierigkeiten, die entste­hen, wenn gleichzeitig im Reich mehr rechts als bisher und in Preußen mehr links als bisher regiert wird. Es ist einfach ein Unding, daß dort die Recht,' mitregiert und hier in scharfer Opposition sicht, dort die Sozialdemokratie größten Krach macht und hier im Gouvernement sitzt. Dazu ist Preußen ein zu we­sentlicher Bestandteil des Reichs. Das Zentrum, von dessen <r.urm bereits eine Zinue a^fMUcri ist, sollte sich die Sache noch einmal ganz gründlich überlegt.

ichem Kriegsmaterial. Deutschlands Verfehlungen in dieser Hinsicht seien nicht der Art, daß sie nicht innerhalb einer ver- hAtnismähig kurzen Zeit wieder gutgemacht werden könnten. 3u laugen Debatten werde lediglich die Frage der Sicherheits- Polizei Anlaß geben. Mit Befriedigung könne festgestellt werden daß die deutsche Regierung selbst seit einiger Zeit einen Plan zur Reorganisierung dieser Schautzmacht auf zivilrechtlicher Ba­sis vorbereite. Aach dem augenblicklichen Stande der Dinge sei es jedenfalls unwahrscheinlich, daß die Alliierten noch vor der zweiten Märzhälfte Deutschland eine bestimmte Benachrichtig­ung wegen der in dem Kontrollbericht auf geführten Bean­standungen werde zugehen lassen.

Protest des Suargebtets.

D.B. Saarbrücken. Die politischen Parteien des Saarge- bietes haben dem Völkerbund eine Denkschrift unterbreitet über die unhaltbare zollpolitische Lage des Saargebietes. Darin wird Klage geführt gegen die französische Unter- drUckungspolitik. 50 und mehr Prozent aller Fabriken hätten ihren Absatz bereits glatt verloren, für den sie bei der Ueber- sättigung des französischen Marktes keinen Ersatz finden könn­ten. Es wird schließlich die Wiederherstellung des zollfreien Verkehrs mit Deutschland gefordert, und gebeten, den franzö- üfeben Präsidenten bei der bevorstehenden Neubesetzung seiner cvtclle durch ein anderes Regierungsmitglied zu ersetzen.

Vertretertag der Völkischen.

DB. Berlin. 3m Reichstage hielt heute die Deutschvöl­kische Freiheitsbewegung, wie sich die Partei jetzt nach ' dem Austritts Hitlers und seiner Anhänger nennt, ihren ersten Reichsvertretertag ab, der von etwa 200 Delegierten aus dem ganzen Reiche beschickt war. Die Versammlung, deren Ver­handlungen^ im einzelnen vertraulich waren, legte die Grundlage für bie geeinigte völkische Bewegung, ohne Rücksicht auf Par­teirichtungen fest. 311 der Versammlung kam der einmütige Wille zum Ausdruck in dieser Richtung zu arbeiten.

»Sie Menschheit".

3n Wiesbaden, am deutschen Rhein, erscheint unter dem Schutze der Bajonette farbiger Franzosen ein pazifistisch-sepa­ratistisches BlättchenDie Menschheit", dessen letzte Nummer zufällig auf unseren Redaktionstisch geflogen ist. 3n dieser Zeitung befindet sich unter anderen schönen Sachen auch ein Briefwechsel des britischen , -Generals" Morgan, bekanntlich eines langjährigen Mitglieds der KontrollkommWon, mit dem Pazifisten Fr. W. Förster über denkommenden Revanchekrieg Deutsclstands". Es werden von beiden Briefschreiben die un­

glaublichsten Behauptungen in dieser Beziehung aufgestellt, und man kann nur darüber zweifelhaft sein, wer die dickeren Lügen darüber auftischt, Herr General Morgan oder Herr Förster. An einer anideren Stelle schreibt dieses Blatt ernsthaft, daß wir, das deutsche Reich, der Mittelpunkt des Schwertglaubens und des Marskultus in Europa, der Ausgangspunkt aller Beunru­higung und alles Mißtrauens seien, und daß für die Sozial­demokratie aller Grundvorliege, die ganz unparlamentarische und der Verfassung widersprechende Stellung des Generals v. Seerkt genau zu kontrollieren. Auch der demokratische Kapi­tän z. S. a. D. Persius, einer der früheren militärischen .Sach­verständigen" desBerliner Tageblattes", hält dieses Fran- zosenblättchen für nicht zu schlecht, um ihm kleinere Beiträge zu liefern. Unter der MarkeAntifridericus" sagt Herr Per­sius:Die Verherrlichung Friedrichs II. nimmt in Preußen- Deutschland immer bösere Formen an. Aach dem Zridericus- 3ihm erschien nun ein großes Werk, das geeignet ist viel Un­heil anzurichten. Der Pazifist hat die Pflicht diese Art Hsl- denverehrung zu bekämpfen". Wie stellt sich aber das Zen­trum zu der Behauptung des Redakteurs Fritz Röttcher, der in feinem LeitartikelWiedererwachender Föderalismus des Rheinlandes" sagt, am 4. Dezember 1918 hätten in Köln 5000 rheinische Bürger und Bürgerinnen nach Referaten von Ober- pfarrer Lästert, Geheimrat Trimborn (dem früheren Abgeod- neten) und Lhefradakteur Hoeber (von der Kölnchyen Volks­zeitung!) eine Entschließung angenommen, in der es zum Schlüsse heißt:Die Versammlung fordert deshalb die anerkannten Vertreter des Volkswillens aller Parteien im Rheinland und Westfalen und den anderen Ländern am Rhein auf, baldigst die Proklamierung einer dem deutschen Reiche angehörigen selbst­ständigen rheinisch-westfälischen Republik in die Wege zu leiten So viel uns bekannt, gehörte Herr Trimborn zu den Führern des Zentrums und die Kölnische Volkszeitung zu den führenden Or­ganen dieser Partei! Wenn dieMenschheit" in dieser Be­ziehung die Wahrheit sagt, fo dürfte das wohl ein Beweis da- für fein, daß ein Zenlrnmsinann als preußisch. Mmisterpräüdsnt für dieses Land z. Zt. nicht die geeignete Person ist.

Wie der Fuldaer Zeitung wohl aus Hentrumskreisen des preußischen Landtages geschrieben wird, habe Marx für sich bnd sein Ministerium den Rücktritt erklärt. Es fei natürlich ein unhaltbarer und auch unwürdiger Zustand, daß eine Opposi­tion, die zwar in der Lage fei zu zerstören, aber nicht Neues zu schaffen, sich als Herren der Lage aufspiele. Es bleibe unter diesen Umständen zu erwägen, ob Marx nicht erneut sich zur Wiederwahl stelle und mit demselben Kabinett den Landtag zu einer neuen Entscheidung zwinge.

Zu diesem Vorschlag, der natürlich von der Gssinuungsge- upssin, demVorwärts", stammt bemerkt die Deutsche Tages­zeitung, daß diese Handlungsweise eine offene Verhöhnung des Volkes darstelle. Es gäbe auch in dem, was der Öffentlichkeit an politischen Zynismus zugemutet werden dürfe, eine Grenze. Die werde mit dem Rezept des Vorwärts (auch der Fuldaer Zeitung, D. Red.) ganz beträchtlich überschritten. 3m Grunde 'entspränge doch dieser Vorschlag jener Schiebergesmuuug, für die der SammelnameVarmatgeifi" längst in allgemeine Auf­nahme gekommen sei.

Der rätselhafte Etobtewsky.

D.B. Leipzig, 19. Febr. (Eig. Meldg.) Am gestrigen, sie­benten Verhandlungstage wird der geheimnisvolle Russe Sko- blewskg vernommen. Der noch jugendliche Mensch beherrscht die deutsche Sprache gut und seine Aussagen haben nicht.dazu beigetragen, das Rätsel zu lösen, das sich um sein Person webt. Er behauptete, der harmlose Mechaniker Skoblewskg zu sein. Er heiße auch nicht Gorew, Gorewskg usw. 3bm sei nur der Mitangeklagte Huke bekannt, mit dem er zusammen verhaftet wurde. Von den übrigen Angeklagten kenne er niemand. Sko- blewskg berichtet, im Sahre 1916 mit einem Transport rus­sischer Soldaten von Archangelsk nach Maiseille gekommen zu sein. 3m Februar v. 3s. traf er dann aus Holland kommend in Berlin ein, wo er sich Einreisepapiere nach Rußland beschaf­fen wollte. Er lernte in Berlin den Angeklagten Huke kennen, der ihm die nötigen Ausweise verschaffen wollte. Er habe an der russischen Revolution und der Einnahme von Kronstadt schon aus dem Grunde nicht teilgenommen, weil er sich seinerzeit in Frankreich oufgehalten hatte. Auch habe er kein Zimmer auf der russischen Botschaft in Berlin bewohnt. Auf eine Fra­ge erklärt der Angeklagte Neumann, alles in dieser Bezieh­ung bisher gesagteaufrecht" zu erhalten. Skobleivsky habe er unter dem RamenHelmut" undWolf" in der russischen Botschaft zu Berlin alsGereff" kennen gelernt. Er kenne den Angeklagten auf das bestimmteste wieder. Skoblwskg wur­de ihm in der Botschaft als General Wolf, der Befreier von Kronstadt, bezeichnet. Er 'habe ihn dort im Schlafanzug herum- laufen sehen und mußte deshalb annehmen, daß er auch dort ge­wohnt habe.