Nr. 42
Freitag, den 20. Fâar 1925.
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Hessische Msrgenzeltuns
Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
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Ctzara-Effoto - die tote Stadt
Eine geheimnisvolle Auinenstadt in der Wüste Gobi. — Ungehobene Schätze- unter dem Flugsand. — Wie Kozlow zum ersten Male die „Tote Stadt" erblickte. — Die Prophezeiung einer mongolischen Fürsten.
Vor zwei Fahren, im Jahre 1923, unternahm der be- -cannte russische Forscher P. K. Kozlow, der sich durch seine bemerkenswerten Entdeckungen in den noch völlig unerforschten Gebieten der inneren Mongolei einen großen Ruf gemacht batte seine fünfte Expedition in das Jnnere Asiens. Auch dieses Mal sollte wiederum die Mongolei, hauptsächlich aber die tote Stadt Ehara-Ehoto und der obere 2ang1se°Kiang besucht werden Leider gestatteten die politischen Ereignisse dem Forscher nicht, seine Pläne vollständig zu verwirklichen. Wie die vorläufigen Berichte melden, soll aber diese Expedition sehr erfolgreich gewesen sein. Es wurden nämlich im Sebirgsge- Sänbe Noin-Ula, etwa l0d -Werst von Urga entfernt, die alten Grab-Kurgane oder Grab-Hügel mit den Gebeinen chinesischer Fürsten entdeckt. Hier fanden sich, acht Meter unter der Erdoberfläche rechtwinklige, von Korridoren umgebene Kammern, m denen Särge standen. Diese Trabkammern bestanden aus massiver Holzkonstruktion und waren mit dreifachen Holzdecken verschlossen. Die Grabstätten selbst waren mit kostbaren, gestick- ^^^ppichön ausgeschmückt, die neben Menschen auch Elche, Mammute und andere mgthiphen Tiere -darstellen. Außerdem wurden viele wertvolle Bronzen, keramische und holzgeschnitzte Kuustgegenjlande entdeckt, darunter auch^ein aus Holz geschnitzter Hirsch mit goldenen Hornern, alte Sättel und edle Steine. Die weitaus interessantesten Ergebnisse dürften jedoch die letzten Ausgrabungen in Ehara-Ehoto gezeitigt haben. Ehara- kt Eijoto liegt
mitten in der Wüste Gobi
und war im elften Jahrhundert eine der wichtigsten Senken der Mongolei. Ueber den Untergang dieser nun vom Flugsand überdeckten Stadt sind uns folgende Erzählungen erhalten: Der letzte Fürst und Befehlshaber von Ehara-Ehoto, der Ritter Ehara-Dzjan-Dzsjüu, trachtete danach, den Thron des Kaisers von Ehina zu stürzen. Mit seinem Heerbann wollte er den Herrscher des Reiches der Mitte bekriegen. Deshalb entsandte der chinesische Kaiser eine Armee gen Ehara-Ehoto. Es sol- .vn auch einige erbitterte Schlachten stattgefunden haben, aus denen die Lhinesen siegreich hervorgegangen seien. Die Ehi- nesen zwangen schließlich den Ritter Ehara-Dzjan-Dzsjüu, sich mit leinen Streitkräften nach Ehara-Ehoto zurückzuziehen, und wurde die Stadt von den Lhinesen belagert. Niemand weiß wie lange die Belagerung gedauert haben mag. Als die Thiiie-, sen einsahen, daß es ihnen nicht gelingen würde, die Festung zu unterwerfen, beschlossen M, die Verteidiger durch Durst zu be- zwingen uüd leiteten den Fluß Etzin-Gol nach Westen ab, indem sie das Flußbett mit Sandsäcken ausfüllten. Spuren dieses künstlichen Dammes finden sich in der Lat noch heute; Reste von Sandsäcken kennzeichnen den einstigen Lauf des Flußbettes. Die in Ehara-Ehoto Eingeschossenen versuchten dem ihnen drohenden grauenvollen Schicksal durch Anlage eines Brunnens im nordwestlichen Teile der Festung zu entgehen. Sie begannen zn graben und gruben bis zu einer Liefe von SO Lschjan .etwa 135 Faden). Aber sie stießen nirgends auf Wasser; die unendliche Mühe war umsonst! Jn dieser verzweifelten Lage beschloß der Fürst von Ehara-Ehoto, dem Gegner eine letzte Entscheidungsschlacht zu liefern. Falls sich jedoch auch bei diesem letzten Waffengang das Schicksal gegen ihn wenden sollte, so wollte er seine ungeheuren Schätze — der Silberschat? brauchte zum Transport allein SO Fuhrwerke — im Schachte dieses Brunnens versenken, damit sie nicht in die Hände der Feinde fallen sollten. Auch seinen Sohn und feine Tochter sowie seine beiden Frauen ließ er töten, um sie vor einer Schändung durch die Feinde zu bewahren. Alsbald befahl er, daß im nördlichen Teil-e der Festungsmauer eine Bresche geschlagen werde, durch die er dann mit seinem Heere den Lhinesen entgegenzog. Der Fürst von Lhara-Lhoto erlitt mit, allen seinen Streitern den Heldentod. Der Ehinefe hielt als Sieger seinen Einzug in die Stadt, die nach chinesischem Brauche von den kaiserlichen Sol- ' baten bis auf den letzten Stein zerstört wurde. Aber die verborgenen Schätze konnten trotz eifrigsten Suchens von dem Feinde nicht gefunden werden.
Bis zum heutigen Lage sind sie unauffindbar.
geblieben, obgleich die Lhinesen und die Mongolen der Nachbarschaft wiederholt versucht haben sollen, die ungeheuren Reich tümer zu heben. Sie bleiben nach wie vor verschollen! Wie der Volksmund erzählt, soll her Fürst von Ehara-Ehoto vor seinem tragischen Ende die vielumstrittenen Schätze mit einem Zauberspruch in den Unglücksschacht versenkt haben. Dieser Glaube herrscht auch heute noch bei den Eingeborenen unerschUt terlich; er wurde noch befestigt, als die letzten Hebungsversuche der Schatzgräber statt des ermatteten Goldes und Silbers zwei aroße Schlangen mit grellen rot und grün schillernden Schuppen zutage förderten.
Der Bericht über die seinerzeitige Expedition der Russischen Geographischen Gesellschaft nach der Mongolei, Amdo und Ehara-Ehoto, die von dem schon erwähnten Gelehrten P. K. Kozlow geführt wurde, liegt nun in deutscher Sprache vor und ist in der Übersetzung von Dr. Wilhelm Filchner soeben unter dem Titel „Mongolei, Amdo und die tote Stadt Ehara-Ehoto"
Verlage Neufeld u. Henius, Berlin, erschienen. Das Werk, -urch viele überaus anschauliche und interessante photographische Aufnahmen bereichert, muß als eine der bedeutendsten Neuer- !wumigeit auf dem Gebiete der Forschungsliteratur bezeichnet ^'ul'u. Ueber den ersten Besuch der toten Stadt schreibt ^^''kw Am 19. März machte ich von unserem , ‘'w^r den ersten Vorstoß nach Ehara-Ehoto. Wir hat- en mit eichend Proviant, Wasser, sowie einige Jnftrumente •in genommen. Die Ruinen waren etwa 20 Werst von unserem
Etrtcheun-Ekirren
Lager entfernt; Èer uns vom Tougoul-Beile zugewiesene Fllh- rer gab uns das Geleit. Schon auf halbem Wege konnten wir Spuren einstiger Kultur, die an Kanalisationsanlagen, Scherben von Ton- und Prozellan-Geschirr usw. erinnerten, entdecken. Weitaus das größte Staunen lösten aber die Ruinen der Ton- bauten und die „Ssurburgane", die Grabdenkmäler, aus, die einzeln, zu zwei und fünf hintereinander gleichsam den Weg einsäumten, der nach der verschütteten Stadt hinfUhrte. Mit jedem Schritte, mit dem wir uns dem sehnlichst erwarteten Ziele näherten, wuchs unsere innere Bewegung. Drei Werst von der Ruinenstadt entfernt, überschritten wir ' ein ausgetrockuetes Flußbett, in dem Baumstämme lagen, die vom Sand und Wind wie abgeschlissen, beinahe poliert aussahen. Dieselbe Beobachtung — ein ausgetrocknetes Flußbett oder ein Kanal, mit Baumstämmen gefüllt — hatte ich schon früher auf meiner Reise in der Umgebung des Lob-Aor-Sees machen können. Auf einer Anhöhe, unweit des Ufers, standen die Ruinen einer Zitadelle, Aktan-Lhoto, in der früher nach der Ueberlieferung ein Reiterregiment einquartiert gewesen war. Auf unserem Weitermarsche trafen wir auf die Ruinen der alten Stadt, die auf einr niedrigen Terrasse aus grobkörnigem, harten Sandstein angelegt war. Ueber dem nordwestlichen Winkel der Festung erhob sich ein spitzensörmiger Haupt-Ssuburgan, neben dem noch einige andere, wesentlich kleinere standen. Der Erdboden war mit zahllosen Geschirrscherben bedeckt. 2m Weiterschrei- tcn erreichten wir einen Hügel, ooh dem aus wir plötzlich einen Ueberblick über das Ruinenfeld gewannen. Noch einige Schritte und wir waren mitten in der toten Stadt! Bald konnten wir fest stellen, daß wir durch die Westpforte eingetreten waren; in der Diagonale lag das östliche Tor. Der Grundplan der Stadt zeigte ein Rechteck, dessen kurze Seiten ungefähr ein Drittel Werst maßen. Die ganze Fläche ist mit den Ruinen einstiger Bauten übersät. Hie und da inmitten der Stadt ragten Ssu- burgane auf, und sehr deutlich ließen sich die Fundamente der Tempel erkennen, die aus festen und gut eingebrannten Ziegeln erbaut gewesen sind. Mit gesteigerter Spannung gingen wir unverzüglich an die Arbeit. 2m 2nnern der Festung schlugen wir unser Lager aus, und alsbald begann das Graben, Vermessen, Skizzieren und Abschreiten der Flächen. Aber selbst bis in diese
masserlöse Lmöde
drang das Leben: ein Wüstenvogei (Podoces hendersoni) wagte sich ganze nahe an unseren Lagerplatz heran, setzte sich auf einen Saksaulzwcig und flötete sein kleines bescheidener Liedchen: bald antwortete ihm ein anderer gefieberter Wüstenbewohner, der Wüsten -Steinschmätzer. Dann sank der graue windreiche Tag und wich der stillen klaren Nacht. Streng und finster hob sich bas ernste Ruinenfeld gegen den lichteren Himmel ab; in dem liefen Schweigen lag etwas unsäglich Trostloses. Ein ergvei- sendes Bild von der Vergänglichkeit alles 2rdischen! Von den Eindrücken überwältigt, legten wir uns zur Ruhe; ehe uns aber der erquickende Schlaf umfing, vernahmen wir zeitweise noch den widerwärtigen, schauerlichen Ruf des Uhus.
Auf unsere Frage: „Wer waren die Einwohner von Thara- Lhoto?" erhielten wir stets übereinstimmend die Antwort: „Die Stadt war von Lhinesen bewohnt". Als wir darauf erklärten, daß die Lhinesen nicht mit dem Kult des Buddhismus und mit den gefundenen Schriften in Linklang zu bringen seien, schwiegen die Lougouten, weil sie gegen diesen Einwand offenbar nichts erwidern konnten. Sie gaben uns nur immer wieder die Versicherung, daß schon ihre Ahnen die Ruinen in demselben Zustande gefunden hätten, in der wir sie heute sahen: diese Stadt hatte chinesischen Lgp, sie war von einer hohen Tonmauer umgeben und auf einer Terrasse gelegen, die ehmals der Etzin-Sol auf zwei Seiten bespülte". Ueber eine interessante Prophezeiung eines mongolischen Fürsten, weiß Kozlow noch zu erzählen: „Als ich mit meiner Begleitung noch während einiger Tage auf dem Trümmerfeld der Loten Stadt noch gearbeitet und die Ausgrabungen noch manches wichtige Stück zutage gefördert hatten, war ich gezwungen, nach dem Hauptlager zurückzukehren. 2ch mußte mich mit dem Fürsten Lorgut-Beile in einer wich- tigen Angelegenheit besprechen. Bei meinem Weggang bat ich den fürstlichen Führer, der mich nach Hause begleiten sollte, mir etwas zu prophezeien. Lr war denn auch bereit, meinen Wunsch zu erfüllen, nahm sofort einen Schulterblattknochen eines Schafes zur Hand, befreite ihn vom Fleisch, legte ihn ins offene Feuer, bis er glühte und schließlich schwarz wurde. Dann ergriff er unter andächtigen Zeremonien den ausgeglühten Knochen mit der linken Hand, in der Rechten hielt er einen kleinen Stab, den er nun bedächtig an den im Feuer entstandenen Spalten und Rissen des Knochens entlang führte; er begann nach einer kleinen Weile mit wichtiger Miene zu wahrsagen: „Morgen", sagte er, „erwarten den Führer der Expedition zwei freudige Ereignisse. Das erste wird sehr große, das andere hingegen nur bescheidenere Freude auslösen, wird aber doch sehr willkommen sein. Und zwar wird die große Freude durch einen sehr reichen und sehr wichtigen Fund bei den Aurgrabungsar- bciten hervorgerufen, die andere, bescheidenere, wird im 2agd- glück bestehen." —
Und in der Lat, beide Prophezeiungen gingen in Erfüllungl Auf dem Trümmerfeld von Ehara-Ehoto fand ich bald darauf während der Arbeit recht wertvolle Handschriften und außerdem ein Götterbild auf Leinewand „Das Erscheinen des Amitabchi". Das war die erste große, in Aussicht gestellte Ue- berrajchung. Und die zweite ließ tatsächlich auch nicht lange auf sich warten; auf dem Rückwege nach Toroi-Onze schoß ich eure prächtige Kropf-Antilope — Ehara-Kurük — mit herrlichem Geweihschmuck.
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Die Javanerin von morgen.
Von Dr. Gerhard Menz -Leipzig.
Die 2apanerin von morgen — wie wird sie aussehen, welche wird es sein?
Wenn man den Witzblattzeichnern glauben soll, müßte die Japanerin von morgen ausschauen wie eine Frauenrechtlerin nach dem Schlag der Mrs. Pankhurst, eine Riesenhornbrille vor den Augen, derbes Schuhwerk und im ganzen möglichst drago- nerhaft. Der Feuilletonist der Großstadtzeitung zeichnet sie etwas anders. Bei ihm ist sie vor allem jung und niedlich, trägt zwar noch Kimono und klappernde Stelzsandälchen, tanzt aber american-fashion im Hotel internationalen Stils unentwegt 2azz und Lhimmg. Fragt man einen konservativen Japaner alten Schlages, so schildert er mit sichtlicher Ueberwindung und innerer Entrüstung einen exaltierten Blaustrumpf, selbstverständlich mit Bubikopf, der Verse macht, die noch freier sind als seine Lebensweise. Wendet man sich aber etwa an eine amerikanische Missionslehrerin um Auskunft, so müßte man sich diese Japanerin der Zukunft beinahe etwa als Offizierin der Heilsarmee vorstellen, jedenfalls als irgend etwas ganz fabelhaft Heldenhaftes, das, wie der Prophet in der Wüste, ständig gegen jahrehundertealtes Unrecht predigt und sich aufreibt im Kampf für die Emanzipation tyrannisierter und versklavter Mitschwestern.
Werfen wir aber lieber einmal einen Blick in das Straßenleben einer japanischen Großstadt. Sehen wir uns die Vertreterinnen des schwächeren Geschlechts an, die uns dort begegnen. Das schaut doch etwas anders aus. Wie ist es ;. B. mit dem kleinen Tippfräulein da, das sich eiligst auf die überfüllte Elektrische schwingt? Ein Wunder, wie sie das mit den halsbrecherischen Holzsandalen fertig bringt. Sie trägt einen bunten Wollshawl und gestrickte Handschuhe zum Kimono; das Gesicht ist unter einer dicken Puderschicht versteckt, und unter dem Arm hat sie die neueste Nummer ihrer Kino-Zeitschrift geklemmt. Auf dem Straßendamm daneben aber schuftet eine Gruppe Arbeiterfrauen an einer Ramme, die groben Kimonos über die Knie aufgekrempelt; taktmäßig ziehen sie unablässig Ruck um Ruck das schwere Rammklotz hoch, um es gleich wieder fallen zu lassen, und singen dazu ein einförmig-schwermütiges Lied ohne rechten Sinn. Drüben trippelt in steifgestärktem Leinenkleid von blendender Weiße und fremdem Schnitt eine Krankenschwester eilig ihres Wegs. Jn einer nagelneuen Limousine jagt perienüberfünt und ganz in knisternde Seide gehüllt eine Frau Neureich vorüber. Jn der Rickscha, die eben um die Ecke biegt, aber lächelt das geschminkte Gesichtchen einer blu- mengeschmUckten Geisha. 2etzt naht eine. Lehrerin mit einem ganzen Schwarm ihrer Schülerinnen, jede anders angezogen. Und dort noch einmal zwei Generationen in typischen Vertreterinnen: die alte Großmutter, in allem dem Brauche der Ahnen treu, den Blick züchtig zu Boden gesenkt; daneben die Enkelin, frei ins Leben schauend, in einem hellen Sweater. Alles das ist japanische Weiblichkeit. Welches aber ist nun die Japanerin der Zukunft?
Hören wir noch die Presse, vor allem die chponique scanda- leuse. Da ist zu lesen von einer jungen Frau, die in eine politische Partei ausgenommen zu werden verlangte und als wertvolle Kraft für die Debatte sehr willkommen geheißen wurde, weil sie Meisterin im Jiujitfu war, — von einem weiblichen Bankier mit fabelhaften Geschäftserfolgen, — von her Auflösung einer Gesellschaft von Temperenzleriimen durch die Poli- ?«> —, vom Selbstmord einer Schauspielerin, die der Gesellschaft überdrüssig geworden, — von Schulmädchen, die es mit ihrem Lehrer so wild trieben, daß er einen Priester kommen und ihnen eine Bußpredigt halten ließ, — von einem Riesenfrauen Kongreß von über 4000 Delegiertinnen, — von der Revolte eines ganzen buddhistischen Nonnenklosters usw. Freilich, darf mancher Presse glauben? Jft das nicht alles nur Sensation?
Ein Blatt hat auch einmal bei allen prominenten Persönlichkeiten eine Umfrage angestellt, um herauszubekommen, was sie, von ihren Ehefrauen und den Frauen überhaupt dächten. D»e Meinungen sind geteilt. Die einen sagen, die Frau muß heraus aus ihren vier Wänden, hinaus ins Leben, ins Geschäft, in die 2ndustrie; die andern umgekehrt, laßt die Frauen hinter ihren papiernen Schiebefenstern und in ihren Miniaturgärt- cbeii wie in der guten, alten Zeit, haltet sie fern von den auf- reibenden Kämpfen des Lebens von heute. Wer wird recht behalten. Nur die Zeit kann die Antwort geben. So viel jedoch steht fest, daß die Japanerin der Zukunft über die Zukunft Japans entscheidet. Wie der Kampf um die Frau von morgen uusgeht, davon wird auch abhängen, ob Japan ein Land des Ostens bleibt oder ein Land ganz des Westens wird.
Die Tragödie der Staatentosen.
700 verhungernde Offiziere.
Jn Wien ist bekanntlich vor einiger Zeit ein Divisionskommandeur der früheren österreichisch-ungarischen Armee buch- häblich verhungert, weil seine Pension weder von Deutsch- Oesterreich, noch von Rumänien, wohin er nach dem Umsturz heimatsberechtigt war, ausgezahft wurde.
Dieser traurige Fall ist leider nicht vereinzelt. Es gibt eine ganze Menge greiser Offiziere, darunter verdienstvolle Män- ik 1 mit Namen von bestem Klang, die durch die komplizierten staatsrechtlichen Abmachungen zwischen Deutschösterreich und den Nachfolgestaaten, beziehungsweise Nachbarstaaten des a-ten Oesterreich-Ungarn in hilfloses Elend gestoßen wurden, und daß^diese pensionslasen Pensionisten nicht samt und sonders bereits Hungers gestorben sind, ist bloß aus dem Umstände zu erklären, daß es einigen doch noch glückt, durch die Verwertung von mancherlei Begabungen ihr Leben zu fristen. So betätigt sich einer der berühmtesten Heerführer der ehemaligen k. und k. Armee, der plötzlich zum rumänischen Staatsbürger geworden ist, trotz seiner siebzig Jahre als Schriftsteller und wird, auch