Ful-aèN Kreisölatt, Anzeiser für Rhön unö Bogelsbrrs, Ful-a- und Haunetal
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Mmmer N.Dienstag, den 17. Februar 1921 2. Fahrgang.
Überspannung der Solidriritüt.
Von Dr. Cremer, Mitglied des Reichstags.
Der Kampf um den deutsch-spanischen Handelsvertrag wird auf der ganzen Linie geführt. Den außerordentlichen Vorteilen welche dieser Vertrag in manchen Beziehung bedeutet, werden die Nachteile entgegengestellt, die er für einzelne Industrien und den deutschen Weinbau unzweifelhaft in sich birgt. Ls ist zu- zugeben, daß der deutsch-spanische Handelsvertrag r.echt .erhebliche Schwächen aufweist. Die Entwicklung des einstweilen in Kraft getretenen Provisoriums hat gezeigt, in wie hohem Maße D e u t s ch l a n d Spanien gegenüber der Gebende ist, und die Frage ist wohl berechtigt, ob man bei genügender Bekanntheit der jetzt hervorgetretenen Umstände nicht ein für Deutschland günstigeres Ergebnis hätte erzielen können. Der deutsche Weinbau hat den Nachweis zu führen vermocht, daß durch den Vertrag in der Tat sehr ernste Gefahren für ihn heraufbeschworen werden.
Vor diesen Gefahren verschließen auch die anderen wirtschaftlichen Kreise unseres Volkes nicht ihre Augen, oei den Verhandlungen im handelspolitischen Ausschuß des Reichstags ist zum Ausdruck gebracht worden, daß man durch geeignete w i r t s ch a f t l i ch e Maßnahmen dem Weinbau ein [ Aequivalent für die ihm drohenden Verluste bieten muß. Es hieße aber, das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man trotz dieser durchaus entgegenkommenden Stellungnahme aller an der Ausfuhr nach Spanien interessierten Kreise sich eigensinnig darauf verbeißt, dennoch eine Ablehnung des Handelsvertrages mit Spanien zu erzwingen und dadurch schwerst e V erlu st e für die d e u t s ch e Wirtschaft, die nun einmal auf möglichst schnelle Hebung des Exports eingestellt sein muß^herh ei zufllhre n. Ablehnung des deutsch-spanischen Handelsvertrags bedeutet: nachträgliche Aufhebung aller inzwischen stattgefundenen Zollvergünstigungen, also: Nachoer;0 l l u n g aller inzwischen nach Spanien aus Deutschland einge führten Waren nach den hohen autonomen Zollsätzen Spaniens. Sie bedeutet ferner die Ausschaltung des deutschen Exporteurs aus dem spanischen Handel für eine noch nicht abzusehsnde Zeit. Amerika, Lugland, Otalien stehen bereit, um den von Deutschland verlassenen Platz einzunehmen und es würde gewiß eine schwierige Aufgabesein,nach Oaßr und Tag das jetzt preisgegebene Gelände zurückzuerobern. Mit dem Ver- lust des spanischen Exportes ist naturgemäß auch die Notwendigkeit einer entsprechenden Produktionsein- schränkun g der d e u t s ch e n Industrie, der ganzen ober teilweisen Stillegung von Betrieben verbunden, und wenn auf der einen Seite die Gefahr der Vernichtung von 75000 bäuerlichen Lxistenzn an die Wand gemalt wird, so darf schätzungsweise bei einer Abdrosselung des Exports nach Spanien mit einem Zuwachs von etwa 100 000 arbeitslosen Industriearbeitern gerechnet werden, hinter denen ebenfalls die Existenz von ebenso vielen Familien steht.
Unter solchen Umständen kann eine vernünftige Lösung der schwebenden Streitfrage nur durch eine fachliche Verständigung gefunden werden. Man muß den spanischen Handelsver
Durch Berufsgemeinschaft zur Nötksgsmeinschaft.
(ZUM 5. Reichs-Landbund-Tag.)
Von Karl H e p p, M. d. R., Präsident des Reichsloudbundes.
Dem Mann geziemt es, mitten in der Haft der Alltags- ^Wcit, in dem Drang der Geschäfte zuweilen innezuhalten, rück- wörtsschaueiid, das Geleistete zu prüfen, vorwärts blickend, sich der Wegrichtung und des Zieles neu ?u vergewissern. Auch eine Organisation, die die Zukunft für sich haben will, wird sich dieser Aufgabe stets von neuem unterziehen müssen. So ver- sâmelt der Reichs-Landbund. am 16. Februar Mm fünften Male seit seiner Gründung seine Mitgliederscharen in Berlin, um öffentlich Rechenschaft abzulegen von Gewolltem und Lr- reuhtem, um neu die Geschlossenheit des Willens, die Ziel- osnußcheit des deutschen Landvolkes zu beweisen. Als sich die verschiedenen Organisationen des Landvolkes in dem Reichs- dbrnd zusammenschlossen, da galt es, einen festen Damm aufzurichten gegen die Springflut der Revolution. Das deutsche Laidvolk war in seinem Kern unberührt von.ihrem zersetzenden
>L Aber gerade deswegen setzten die Mächte der Revolu- twn alles dran, dieses letzte Bollwerk zu erobern.
t . Stoli darf der Landbund von sich behaupten, daß es
'" ^'L’r ^uptsache war, wenn der Sturzbach der tzeroA, i <lsi)cr.nocb stets abgeschlagen worden ist. Bon vorn- Teoränk?0 st^.^^t auf die bloße Abwehr dieser Slut be- fenfiop ^ö stets die wirksamste Form der De- Lb so treffend'^ ?^s've> gewesen ist. Kritik, und sei sie wenn in ihr ^'^ Boiler wirkungslos verpuffen, Darin brruM V L t Eet-me neuer Gedanken enthalten sind.
m d-e große Bedeutung der Tatsache, daß man von
trag a nneh in e n und gleichzeitig Vorsorge treffen, daß die gefürchtete wirtschaftliche Vernichtung eines Teiles des Weinbaus durch andere Maßregeln verhindert wird. Es bient daher nicht dem Wohl der Ganzen, wenn ein großer Test der Landwirtschaft unter der Führung des Landbundes sich auf eine unbedingte Ablehnung des deutsch-spanischen Handelsvertrages versteift und die Solidarität aller landwirtschaftlichen B e r u f s i n t e r e s s e n für die Belange des Weinbaus proklamiert. Eine solche Solidarität nimmt sich auf dem Papier und in Versammlungen sehr schön aus, in der Praxis ist sie nicht gegeben. Mit vielgrößerem Recht könnte man die Solidarität der W i r 1 s ch a f t s- bezirke proklamieren und den Beweis führen, daß in den verschiedenen deutschen Wirtschaftsgebieten die Existenz der Landwirtschaft aufs engste mit der Blüte der Industrie und des Handwerks verknüpft ist, und daß beispielsweife der nieder- sächsische Bauer ein viel größeres Interesse wirtschaftlicher Art an dem Gedeihen der in feiner Nachbarschaft wirkender industriellen Werke, als an dem Südwesten Deutschlands kon- sentrierten Weinbau besitzt. Eine wohl v ersta n d e n e Solidarität eines Berufsstandes kann es sich nicht zur Aufgabe machen, für die S 0 n b e r i n t e r e ff e n eines verhältnismäßig kleinen Teils sich mit- der ganzen Wucht feiner Stimme in die Wagfchale zu werfen, während andere wichtige Berufsstände darüber beiseite gestellt werden. Es ist nicht richtig, daß 25 Millionen Deutsche direkt oder indirekt zur deutschen Landwirtschaft gehören. Die beutle landwirtschaftliche Bevölkerung beträgt etwa 1 5 Millionen, nicht 25, wie gewisse agitatorische Schriften und Reden zu suggerieren versuchen. Die deutsche Landwirtschaft ist also in der Verfolgung ihrer berechtigten wirtschaftlichen Ziele durchaus auf die wohlwollende Unterstützung und das Berständnis der ü b r i ge n großen Borufsschichten, der Industrie, des Handels, der Beamtenschaft, der freien Berufe, angewiesen. Wie soll ein solches wohlwollendes Verständnis gejorbert werden und auf rechterhalten bleiben, wenn die Landwirtschaft von ihrer Seite es daran fehlen läßt? Die nahe Zukunft wird eine ganze Reihe von lebenswichtigen Fragen für die deutschen Bauern zu einer Entscheidung bringen, bei denen unzweifelhafte e r h e b (i rh o Opfer von der gesamten übrigen Bevölkerung in Anspruch genommen werden, und daher an deren Soti- daritätsgefühl mit der Gesamtheit des Volkes, mithin im besonderen Falle mit dem schwerringenden Landwirt, appelliert werden muß. Die Rücksicht hierauf müßte die augenblickliche Trktik der landwirtschaftlichen Organisationen bestimmen. Allzu s cb a r f m a ch t s ch a rt i gl Eine Ablehnung des deutsch-spanischen Handelsvertrages durch eine, um den Landbund gtjcba.fe Mehrheit, würde mit großer Wahrscheinucyneit eine so tiefe Erbitterung in anderen Teilen des deutschen Volkes auslösen, daß alle die, die es mit der Landwirtschaft gut meinen, W druu rnd davor warnen müssen, die Politik einer falsch verständen»u Solidarität auf die Spitze zu treiben.
vornherein dem marxipischen Schlagwort des Klasfenkampfes das seit jahrzehnten dem verhetzten Volke von den Partei- und Gewerkschaftsführern bei jeder Gelegenheit.eingehämmert worden war, den lebensfrischen Gedanken der Berufsgemein- scstatf entgegenstellte. Die altpreußische Losung „Einer für alle, alle für einen!“ bekam dadurch neuen Sinn und Wort. Der Klassenkampf wurde durchschaut als das, was er war: der sinnlose Kampf der Hände gegen den Kopf, der Glieder lgsgeil den Magen. Durchschaut wurde die Oberflächlichkeit einer Klassifizierung nach dem Steuerbuche in Proletariat, Mittelstand, Kapitalisten. Zu lebendig fühlte inan, baß die gegen- seiligen Bindungen des gemeinsamen Berufes, der gemeinsamen Heimat, des gemeinsamen Volkes stärker waren als diese Unterscheidungen aufgestachelten Neides.
Lluf Grund dieser gemeinsamen Bindungen galt es, die gro- ße Kampfesfront aufzurichten gegen verflachenden Rationalismus und zerfetzenden Materialismus und die ganze Gefolgschaft novemberlicher Ssmen. Und es muß auch fernerhin gelten, die Deutschen zu sameln, die da wissen, baß letzten Gndes nur das Opfer adelt, baß nur der Geist heiligt. Reichere Güter verpflichten zu größeren Leistungen. Nur der Volksfremde oder der Gewissenlose wird in dem Besitz das Mittel zu schrankenlosen Genuß suchen. Der mit den Leiden und 3 re üben eines Vol- kes Verwachsene weiß, daß kein Eigentum unbedingt ist, son- dern unter bestimmte Pflichten gestellt, zunächst gegen den eigenen Haus- und Dienstgenossen, den Arbeiter und Tagelöhner, gegen den Berufsgenossen, gegen den bedürftigen Volksgenos- sen, überhaupt m stufen weis sich erweiterndem Kreise. de hö- bei die Schicht, je weiter die Pflicht, das sei die Losung.
Solche Gesinnung wird auch nicht Halt machen vor den aufgezwungenen Staatsgrenzen des Versailler Knechtungsvertrages. Soweit die deutsche Zunge klingt, findet ihr Ruf freu-
bigen Widerhall; soweit deutsche Herzen schlagen, werden sich schaffensfrohe Hände zusammenfUgen zum Bund. Erst wenn durch Ueberwindung der inneren Zerrissenheit die Volkseinheit gesichert ist, ist die Bahn frei zur Erkämpfung der Staatseinheit. Großdeutschland, die Sehnsucht der Gegenwart, ist die große Aufgabe deutscher Tugend. Wer deutsche Zukunft bejaht, wird auch diese Aufgabe bejahen. Gesunde Tugend darf nicht resignieren. Der Weg ist weit und hart, aber das Ziel ist wert des Weges und des Kampfes. Möge der 5. Reichs-Landbund-Tag, der zugleich der 1. Reichs-dungland- bund-Tag ist, ein wichtiger Markstein auf diesem Wege sein!
Wie Siehts in Preußen?
Um die Kabinettsbildung in Preußen wird noch bis zum letzten Augenblick schwer gerungen. Um die Deutsche Volkspartei mürbe zu machen, hatte die „Germania" am Freitag einen fulminanten Artikel losgelassen, worin sie Pech und Schwefel auf das Haupt jener Partei herabbeschwor, wenn sie nicht den Wünschen des Zentrums sich füge, dis Krise werde dann auch wieder das Reich erfassen. Die „Zeit" hat jedoch ruhig darauf erwidert, daß man mit solcher „Erpresserpolitik" nicht weiter kommen werde. Am Sonnabend wurden die Ehan- cen des Herrn Marx sehr verschieden beurteilt, die einen meinten, er gebe die Partei schon verloren, die anderen dagegen erklärten die verschleierte Linkskoalition für perfekt. Tatsächlich ist wohl der scharfe Vorstoß des linken Zentrums darauf zurückzuführen, daß Herr Marx nach dem vorhergesehe- nen Scheitern der „Volksgemeinschaft" durchaus den Plan durchsetzen will, ein Kabinett aus Zentrum und Demokraten unter Beibehaitung des „Zachministers" Severing zu bilden. Die Besprechungen hierüber scheinen bereits weit vorgeschritten zu sein; die Erklärung der Sozialisten über ihre theoretische Bereitschaft zu einer Volksgemeinschaft haben nur noch partei- rktischen Wert. Aber man will offenbar, wie bei den letzten Wahlakten, wieder die gefaßten Beschlüsse bis zum letzten Augenblick verhüllen und dann eine Ueberrumpelung vornehmen. Sie wird jedoch kaum glücken. Daß die Wirtschaftspartoi nach dem „Fall Richter" sich mit einem Verbleiben Severings auf 'bem Posten des Innenministers abfinden könnte, dünkt uns unwahrscheinlich. Von der Deutschen Volkspartei kann man bas keinesfalls erwarten. Die „Zeit" schlägt am Sonntag Morgen unverbindlich vor, auch in Preußen den parteilosen Weg zu versuchen. Geht Herr Marx auf diesen Vorschlag nicht ein, so ist nach der bisherigen Haltung der volksparteilichen Landtagsfraktion mit deren entschiedener Opposition zu rechnen.
Zur Besoldung der Relchsbemnten.
Die Besoldung der Beamten begegnet ßeute dem Interesse weiter Volksschichten, nicht nur dem der Beamten, sondern vor allem dem unserer Geschäftswelt haben doch Handwerk und Handel die Erfahrung machen müssen, daß mit der Besoldungs- regelung der Beamten auch ihre Existenz bedroht oder gesichert ist. ön diesem Zusammenhänge sei ein Geschäftsbericht der „Casseler Post" erwähnt, der kurz etwa feststellt: durch die mangelhaften Beamtengehälter sind die Inventurausverkäufe dieses Vierteljahrs für fast jeden Geschäftsinhaber eine große Niete gewesen; er muß tote Warenmengen durch den Sommer schleppen und wird dadurch in seiner Existenz bedroht. — Durch die Denkschrift bes Reichsministers der Finanzen ist die Besoldungs angelegenßeit eben wieder akut geworden. Auch eine hiesige Tageszeitung hat einen Auszug daraus gebracht, leider ohne kritische Beleuchtung und daher geeignet, einseitig zu informieren. — Oil dem Rahmen dieser Arbeit kann keine allgemeine kritische Würdigung gegeben werden. Es seien daher nur einige wichtige Punkte herausgegriffen, um kurz festzulegen, daß man auch bei dieser Denkschrift sagen muß: „Es kommt le- diglich auf den Dreh an!“
Der kritikbedürftigste Teil der Denkschrift ist vor allem der, in dem die BeamtenbezUge vor dem Kriege den fetzigen gegenubergestellt werden mit dem errechneten Ergebnis, daß die Beamten der unteren Besoldungsgruppen jetzt verhältnismäßig besser stehen als die Beamten der übergeordneten Gruppen. — Die Grundlage für diese Errechnung muß zunächst beleuchtet werben. Danach ist für die Beamten der höheren Truppen das wirkliche Endgehalt von 7200 Mk. (1913) eingesetzt den samten Oer jetzigen Gruppe dagegen stellt man ein Durch- 1600 Mk. (1913) gegenüber, während in Wirklichkeit ein Endgehalt von 1800 MK. 1913 eingesetzt werben mußte. Wenn es auch in der Vorkriegszeit Gehaltsklassen mit Endgehältern unter 1800 MK. gegeben hat, so muß berück- sichtigt werden, daß der größte Teil dieser Beamten eine Auf- rückungsmöglichkeit bis zu dem Endgehalt von 1800 Mark oder Hort) etwas darüber hinaus besaß. Das war z. B. bei dem weit aus größten Teil dieser Beamten, den früheren Landbriefträ- gern der Fall, denen der Aufstieg in die Schaffnerklasse zustand. Außerdem bezogen sie in den Paketgeldern Aebenein- nahmen, die den Unterschied zwischen ihren Bezügen und denjenigen der Schaffner mehr ober weniger ausglichen. — Auch bei