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Bon Drinnen und Draußen.

Berlin, erste Februarwoche 1925.

.... önterenanteres als Geheimnisse. Denn eben - ums kurz und treffend zu defnue- ,SeheimnM wahrscheinlich keinen Hund interesieren mur­ren — ^E?' kgjng Geheimnisse wären. Aber w e i l s den, wenn- J ^ ^ sich nur ins Ohr tuschelt und nicht b neu man herumrätselt und nicht weiter damit versteht, an interessant. Die luftige Person

kommt, ebe “ ’ vom menschlichen Leben:

im äPi lrs ackt ba ist es interessant . . ." Aber da irrt i SU hiltiae Person — was ja ein gutes Vorrecht aller ist. Gerade da, wo man's nicht packen kann ^g < L baran herumfingert, ohne es festzuhalten, kurz, wo

ein Geheimnis ist, da ist das Leben interessant . . • ^ so schön in der Gegenwart zu leben. Denn wir

Sm a' nur so’ herum in lauter Geheimnissen. Zum ^mpel das große Geheimnis: die Alliierten raumen Köln nicht. Warum? Geheimnis! Sie dekretieren einfach. Ver-

Vertrag - schön. Aber - danach handeln? Wie? Warum? Wieso? — Wir b l e i b e n in Köln! , Rechtsbruch. Affront? Nichts von alledem bloß: Geheimnis, tiefes Ge-

-)

cheimnis! - • •

So macht's das Leben munter Und zwingt zur Dankespflicht: Sch hau' dir eine runter. Warum? — Das sag' ich nicht.

Erspar' dir das Gezeter, Naja, ich bin human — Vielleicht sag' ich dir's später, Warum ich so getan.

Als pfiffiger Bemerker

Notier' dir's Daß ich halt Als du bin.

und stimm' zu: eben stärker Voila tout!

Wenn ich

dir eine schmierte

Und dein Erstaunen groß — Lch habe „Alliierte", D i e finden das famos.

Die find des Rechtes Kenner, Des Recht's, das w i r gemacht,

Und Hamm Den guten

als Ton

Sentlemänner in Pacht.

Gewöhn'

dich

lieber öunge,

Du bist nun mal besiegt — So war das stets im Schwünge, So lang die Erde fliegt.

Das hält den Frieden munter • Und stärkt die Zuversicht:

Lch hau' dir eine runter. Warum? — Das sag' ich nicht.

Der Türke, der überhaupt zu Sprüchen neigt, hat ein Sprich­wort: „Man kann seinen Kopf hingeben, aber niemals sein -Geheimnis". Herr Herriot gibt zwar seinen Kopf nicht her,

wenigstens noch nicht, aber sein Geheimnis gibt er erst recht nicht her. Angeblich enthüllt er ja allerlei in seiner großen ' Rede. Aber was er eigentlich enthüllt, ist doch nur — das Standbild des noch lebenden Herrn Poincare — und nicht sein Geheimnis. Dann kommentiert er sich selbst und sagt: „Sch habe einen Appell-an die demokratischen Empfindungen der gan­zen Welt richten wollen. Denn diese demokratischen^ Sdeale allein können uns den endgültigen Frieden bringen." .... Nanu! Sieht denn die ganze Welt nicht, daß Frankreich in Waffen starrt; und daß es die Dummheit eines Tölpels und dis schlotternde Angst eines Feiglings zugleich bemühen hieße, zu glauben, daß unsere paar schlecht bewaffneten Soldaten, von keinem Großgeschütz gedeckt, von keinem Flugzeug, keinem Tank unterstützt, irgend etwas erreichen könnten und nicht ab­geschossen würden wie die Feldhasen auf der Treibjagd, wenn wir in beginnender Gchirnverkalkung gegen die schwarzen und die weißen Franzosen wirklich anrennen wollten? Macht Herr Herriot Witze oder schätzt er wahrhaftig das „demokratische Empfinden der ganzen Welt" so beleidigend niedrig ein? Oder hat er noch a n de r e Beweise als die lahmen, die er vor­brachte? Gewiß wird ihm aus Deutschland von Buben aller­lei zugetragen: irgendwo steht noch eine alte Kanone vor einem Kaiserdenkmal — irgendwo anders sind drei alte Ulanenlanzen in einem Wein-Stübel zur Dekoration verwendet. Solche gu­ten Freunde wird der französische Ministerpräsident auch bei uns haben. Die Pappen-Fabrikation klagt zwar eben sehr, es fehle anLumpen. Aber wir wissens besser. Es gibt schon noch welche, gibt noch genug Lumpen. Der Artikel wird n i e knapp. Und besonders gern stecken sich die Lumpen hinter die großen „Geheimnisse". Denn die Anonymität gehört nun ein­mal zu den Lumpen wie der Gestank zum Aas . . . Aber gottlob, es gibt auch lustigere Geheimnisse. Leder -bessere Geldschrank hat eins. Nein, ist eins. Nur ein Kunstschlüssel schließt sein geheimnisvolles Kunstschloß. Als der alte Amschel Rothschild sich vom Frankfurter Kunstschlosser Sarny den er­sten kunstgesicherten Tresor bauen ließ, hat er einmal beim Kramen die Schlüssel in einem Fach des Schrankes liegen lassen und die Tür des Schrankes in der Zerstreutheit zugeworfen. Als dann der Schlosser Sarny gerufen wurde, der allein in ganz Frankfurt den Schrank öffnen konnte, sah der alte Am­schel Rothschild erstaunt zu, wie der Schlosser mit zwei Griffen mit dem richtigen Schlüssel das Schloß öffnete. Noch erstaun­ter war er, als der Handgriff zwei Brabanter Taler kosten sollte. Und als der sparsame alte Herr nicht gleich zahlen wollte, warf der Schlosser Sarny verschmitzt lachend die Tür wieder ins Schloß und sagte seelenruhig: „So, wenn ich jetzt wieder aufmache, kost's vier Brabanter" . . . Der Frünk- furter Sarny war ein geschickter Mann. Aber Herr Barmat ist noch hundertmal geschickter. Wie macht ers bloß — er öffnet — ohne Schlüssel — ein bißchen die abgeschlossensten Kassenschränke Deutschlands. Bei der Preußischen Staatskasse macht ers, bei der Oldenourgischen Staatsbank, bei der Giro- Zentrale, bei der Reichsversicherungsanstalt, bei der Reichs- postkasse, bei der Reichsbank. Ein kleiner Druck — schon offen! Wie beim Zauberkünstler: „Ohne Präparation, ohne doppelten Boden!" Wie macht, ers bloß? Der Untersuch­ungsausschuß ist ja emsig dabei, dieses schwierigste aller Kreuz- raijel zu lösen. Aber ich weiß nicpi, ich habe so eine leise Ah­nung, als ob der Hauptwitz, der schönste Trick doch schließlich

- wieder Herrn Barmats treu gehütetes Geheimnis bleiben wird. i Aber kein Jo schönes, kein Jo ehrenvolles wie das jetzt gelüf- , tete Geheimnis der Maria Poppe. Die brave Maria

Popps lebte in Ostende. Mar nicht verwandt mit jener ande­ren — Rosa Poppe, die einmal als Heroine im Hoftheater dis Berliner begeisterte. Sie spielte überhaupt nicht Theater, sondern kochte. Stand an einem richtigen Herd und Kochte. Gut sogar, hieß es. Als ganz einfache Köchin, bieder, für den üblichen Monatslohn. Und als die Maria Poppe kürzlich starb — fand man Luwelen und Perlen und köstlichen Schmuck in ihrem alten Schließkorb. Aa, sowas hat man ja gelegentlich auch mal — selten, aber doch mal — bei anderen Hausange­stellten in einem alten Schließkorb gefunden. Denn es gibt auch in dem Stand Jo’ne und Jo’ne. Aber — nun kommt das seltsamste am Geheimnis der Maria Poppe — Nachforschungen ergaben: al! das Blitzende und Köstliche, der ganze Schatz im Schließkorb gehörte rechtmäßig ihr. War ^amilienjchmuck. Sie hatte es wirklich nicht nötig gehabt, für andere Leute am heißen Herd zu stehen. Denn sie war eine Adelige mit Brillan­ten, eine richtige Baronin mit echten Perlen. Und sie stammte aus Oesterreich und hieß eigentlich Baronin Maria Victoria von Seiis-Lewis. Sch stehe (mit Shnen) vor einem, Rätsel! Vor einem Geheimnis. Vor dem Geheimnis der Maria Pop­pe, das ich anständiger finde, als das der Barmats, und amü­santer als das Herriots. Und ich muß Jagen . . .

Wär's zu spät nicht, käm ich' im Galoppe, Auf dem Haupte des Zylinders Glanz;

An dem Grabe der Maria Poppe

Legt' ich nieder einen Riesenkranz.

Laut zu huldigen dieser interessanten, Braven grau, die früh nun schon am Ziel, Perlenschnüre, Ringe und Brillanten Hatte sie im Koffer. (Ziemlich viel).

Und (eh' nicht — verständlich — sich empörten Die Gemüter, wie es sonst der Brauch) Daß die Edelsteine ihr gehörten, Sag' ich. Und Baronin war sie auch.

Still hantierte sie mit Topf und Siebe, Stand am Herd getreulich Sahr um Lahr. Denn sie kocht' mit Leidenschaft und Liebe —■ Dies, obschon sie 'ne Baronin war.

Und ich steh' an diesem Grab und weine; Und ich denke schluchzend so für mich: Baronessen kenn' ich — mehr als eine — Doch mir kochen — könn' und woll'n Je n.

Aber die am Herde für mich kochen, Mancherlei auf seltsame Manier, Scheiden häufig schon nach wen'gen Wochen Mit dem Schließkorb. Unbeweint von mir.

Und bas Schicksal wird mich weiter Keine find' ich, die Luwelen trägt Und begeistert, gleich Maria Poppen, Mir ins Kraut die Schweinerippchen

foppen:

legt . . ■ , Diogenes.

Liebe kleine

toa

Fred Andersens Höllenfahrt

Roman v. Otfried von Hanstein. (55. Fortsetzung).

Fast habe ich über alledem Limokoa vergessen!

Dann lese ich eine Zeitung. Der Vankdirektor hat doch nicht Wort gehalten. Er hat mehr gesagt als ich ihm erzählt und das übrige haben die Reporter dazu erfunden.

„Der Fall Andersen sensationell gelöst. Der Lohn ist in den Besitz gewaltiger Minen in Mexiko gekommen. Man glaubt, daß er einen alten Aztekenschatz gefunden hat. Er schickte dem Vater Millionen Dollars."

öch ärgere mich und besteige mein neues Auto. Letzt bin ich froh, heute aus der Stadt zu kommen, aber je näher ich dem kleinen Bungalow komme, um Jo ängstlicher pocht mein Her? Der alte Pastor erkennt mich kaum, wie ich jetzt, nach neuester Mode gekleidet hereintrete. Er ist sehr ernst und führt mich in sein Zimmer. Lst etwa ein Unglück geschehen?

Er faßte meine Hand:

„Lunger Mann, Lhr Geld mag ein großer Lchatz sein, der größte Schatz aber, den Sott Lhnen gab, ist die Seele Lhres jungen Weibes! Hüten Sie diesen Schatz und vergessen Lie nie, daß Gott einst Rechenschaft fordert."

Lch möchte mich ärgern, denn ich fühle, daß in diesen Wor- ten eine Warnung liegt, aber ich schweige vor diesem ernsten Gesicht. Da öffnet sich -dieEiir und es erscheint eine junge Da- me. Sehr vornehm, sehr einfach in ihrem Hellen Kleide und doch vornehm.

vu, traue meinen Augen nicht und sie hat ein verlegenes Luu-eln um ihren Mund.

„Limokoa!"

Sie vergißt alles stürzt mir entgegen, ich presse sie an mich Jie weint vor Gluck, dann erschrickt sie:

„Du zerdrückst mir das Kleid — ich —“

Ss gibt mir einen Stich. Es ist eine Schranke zwischen uns, das Gebot der Form.

Wir steigen die Treppe empor

2ch reiche ihr den Arm. und fetzen uns zu Lisch.

ninimf ^stnoka? Meine kleine, wilde Limokoa? Sie be-

+ 1DIG âe Dame in den wenigen Wochen!"

^listrss Hampson sieht sie gütig an.

ihr angeborener Takt — sie —"

Dann siiO ^ "^^^ ^ Mistres Hampson! bas Spitzenkleid"nrit" Turner. Lch bin froh, daß sie

„Bist du zufrieden mit mir?"

„Mein Lieb!"

Endlich hört sie den alten Laut, aber sie schlingt die Arme um meinen Hals und weint, weint herzzerbrechsnd.

^Liebling, was hast du?"

Sie stößt unter Tränen die Worte hervor:

„Unsere Lnsel der Seligen, wie schörl war es dort!"

Mich ergreift ihr Schmerz. Hat sie nicht recht? War ich ein Tor?

Sie rafft sich auf und sieht mich ängstlich an.

„Richt -böse sein! Lch bin ja vernünftig!"

Vernünftig! Welch gräßliches Wort! Wie es alle Peosie alle Freude zerstört und in eiserne Bande schmiedet! Kennst du es auch schon, arme Limokoa.

_ Es wird Abend und im Garten des Pfarrers fingen die Vögel. Ueber uns rauschen die Palmen und an der schat­tigen Laube blüht der rote Hibiskus.

Wir haben uns wiedergefunden, liebe, liebe Limokoa!

Tage des Friedens, aber ich kann den Frieden nicht mehr vertragen. Lch bin ein Doppelwefen! Lch möchte mich mit Limokoa auf der Lnsel der Seligen verkriechen und alles ver­gessen um sie, ich fühle wie ihre Seele an mir hängt, wie ihre Augen Glück und Tod lesen in den meinen. Trünken vor Glück presse ich sie an mich und schaue in die klaren Spiegel ihrer Kin- derseele!

Daun faßt mich wieder der Rausch! Groß!' Reich! Be­neidet! La, -beneidet, du dummer blöder Mensch! Wenn du -beneidet wirst, bist du glücklich, wenn du andere beneidest, un- gIÜCnuwl

Alles nur Spiegel! Lst mein Gold heute anders, als im Urroalb? Lm Urwald freute ich mich an seinem Glitzern, hier glitzert es nicht mehr, hat sich in häßliches Papier verwandelt und doch macht es glücklicher, denn ich werde darum beneidet!

„Limokoa, wir gehen nach Honolulu".

„Wie du willst!"

Wir wohnen in unserem Schlößchen.

^ mokoa, wer hätte dir gesagt, als du am Lagerfeuer der Mohave tanztest, daß es sich der Gouverneur von Hawai zur Ehre anrechnen würde, dich zur Tafel zu führen?

Du weißt es nicht einmal zu schätzen! Die Schildkröten­suppe auf der Lnsel der Seligen schmeckte dir besser!

Welchen Geschmack hat sie! Wie kleidet sie dieses einfache Seidengewand nach halb samoanischem Schnitt! Nichts als den funkelnden Schmetterling im Haar und rote Rofen.

Hibiskusblüten passen nicht an die Tafel des Gouverneurs.

Sie spricht wenig, aber benimmt sich tadellos. Wie ihr der schwermütig träumerische Ausdruck in den großen Augen steht!

Der Gouverneur tritt zu mir.

„5hre Frau Gemahlin ist ein herrliches Geschöpft" * öd) bin stolz auf dich Limokoa! Lch bin stolz auf dich und weiß nicht, daß ich mit diesem Stolz deine reine Seele verkaufe!

Wir führen ein großes Haus, wir sehen die erste Gesell­schaft bei uns. Lunge Herrlein, flirtende Damen. Lch bin stolz wenn sie alle vor mir — nein, vor meinem Golde, Kotau ma­chen und mir ist fade zu Mute, wenn sie gegangen.

Lch werfe das Gold mit vollen Händen hinaus. Meins Pferde sind die ersten beim Handicap. Meine Ljacht ist die schönste! Lch bin an jedem Unternehmen beteiligt. An des reichen Fred Andersen Tür klopft keiner vergebens, der Geld braucht!

Lu einem Monat will ich nach Frisko und mit Limokoa meinen Triumph feiern.

Will dich Maud Allen gegenüberstellen, meine herrliche Limokoa!

* * *

noch eine Million Dollars.

Lch erwache! Lch war heute beim Bankier. Lch habe nur

€me Million! Lch bin ein reicher Mann noch, aber so geht es nicht weiter.

Limokoa würde lachen. Viel lieber wohnte sie einfach und wäre allein mit mir. Lch sehe manchmal, daß ihre Wangen schmäler geworden, daß sie nicht mehr so hell lacht und dann faßt mich die Angst. Dann gehe ich mit ihr für Wochen in den einsamen Bungalow, den ich mir am Meeresstrande kaufte. Da lebt sie auf und ich — werde nervös!

Da kommt mir zum ersten Male der Gedanke, das Sold aus der Höhle zu holen.

Lch rüste meins flacht, ich will Limokoa nicht mitnehmen. Eine kurze Seefahrt für meine Nerven! Sie soll nicht ahnen was ich will, denn ich schäme mich.

Sie bleibt wortlos zurück. Lch weiß nicht, warum ich ihr abschlage, währenddessen zu den alten ‘Pfarrersleufen zu gehen. Fürchte ich, daß sie sich über mich beklagt?

Wie schlecht kenne ich Limokoa!

Lch bekomme es fertig, sie unter den Fremden allein zu lassen und dann schneidet mir ihr Abschiedsblick in die Seele.

Aber es sind ja nur Wochen.

(Fortsetzung folgt.) ,