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Um die RuhreaMMsung.

D.B. Berlin, 6. Febr. (Cig. Meldg.t Die früheren Jo- zialdemokratischen Reichsminister Dr. Hilferding, Robert Schmidt und Lollmann veröffentlichen eine Erklärung gegen die Behauptung, daß die sozialdemokratischen Minister der beiden Kabinette Stresemann bei den in Frage kommenden Kabinettssitzungen ihre Zustimmung für die Entschädigung der Ruhrindustriellen gegeben hätten. Dr. Hilferding sei bereits am 2. Oktober 1923 aus dem Kabinett ausgeschieden, lange be­vor Verhandlungen zwischen der Ruhrindustrie und der Micum stattfanden. Als im Oktober 1923 die Sechserkommission volle Entschädigung für die Micumleistungen verlangte, hätten die sozialdemokratischen Reichsminister sich schon in Demission be­funden. Jn der daraus folgenden Kabinettssitzung erklärten die sozialdemokratischen Minister, daß sie keine Verantwortung für die Entschädigung übernehmen könnten und stimmten den Beschlüssen des Kabinetts nicht zu.

Beschlüsse -es RetchSrats.

D.B. Berlin, 6. Zebr. (Sig. ^Helbg.) Der Reichsrat nahm u. a. eine Verordnung über Anrechnung von Beitragswochen in der Luvalidcoversichcrung u. von Beitragsmonaten in der Angestelltenversicherung an. Die Verordnung berücksichtigt die aus den besetzten Gebieten Ausgewiesenen und die aus abge­tretenen Gebieten Verdrängten derart, daß keine Unterbrech­ung ihrer Mitgliedschaft bei der Lnvalidenversichcrung und An- gestelltenversicherung eintritt. Weiter wurde ein Gesetz­entwurf angenommen über die Todeserklärung Kriegsver- scholleuer. Darin wird bestimmt, daß der Vermißte in der Regel als tot zu erachten ist auch ohne weitere Ermittelungen, wenn nachgcwiesen ist, daß er seit einem Lahr verschollen ist. Als Termin wurde der 10. Januar 1920 festgesetzt. Nur im Falle eines besonderen rechtlichen Lnteresses soll das alte Er­mittlungsverfahren Platz greifen.

Das Neueste.

Der Streit in der ckem. Znduitrie beendet.

wtb. Frankfurt, 6. Zebr. telef. Der Streik in der chem. Industrie darf nunmehr als beigelegt betrachtet werden. Nach­dem die Gewerkschaften heute auch ihrerseits von den Arbeit­gebern bereits angenommenen Schiedsspruch der Schlichtungs- Kammer zngostimmt haben. Die Arbeit soll am Montag wieder ausgenommen werden. Die von der Arbeitgeberseite beim Neichsarbeitsmillisterium beantragte Verbiudlichkeitserklärnng des Schiedsspruches liegt noch nicht vor.

Abkommen zwischen Deutschland und Siam.

wtb. Berlin, 6. Zebr. telef. Der auswärtige Ausschuß des Reichstages befaßte sich heute mit dem deutsch-siamesischen •vorläufigen Wirtschaftsabkommen. Er empfahl dem Plenum ; des Reichstages das Wirtschaftsabkommen zu ratifizieren und ; ersuchte die Reichsregierung bei den Weiterverhandlungen den Grundsatz der Unantastbarkeit dos Privateigentums im Bereich der Wirkung im Versailler Vertrag zu wahren und dafür zu sorgen, daß der Ueberfchuß und die ausgelaufenen Zinsen des Liquidationserlöses zwecks Schadloshaltung der enteigneten sia- tnesischeu Deutschen ausgehändigt werden. Von Regierungs- feite wurde vorher ausgefuhrt, daß durch den Abschluß des zu­nächst zwei Sahre laufenden Wirtschaftsabkommens der deut­schen Wirtschaft die Möglichkeit einer ungehinderten Vetätig- vng in Liam verschafft werden soll. Ju dem Abkommen wird die Meistbegünstigung in den Zrageu der Lin- und Ausfuhr und in den Zrageu der Bestellung von Kousularbeamteu und der ihnen eiuzuräumeuden Rechte zugestanden. Jn allen audereu Zrageu sind deutsche Reichsaugehörige den Siamesen gleich­gestellt

Erregte Sitzung im chüringjchen Landtag.

wtb. Weimar, 6. Zebr. telef. Jn der Sitzung des thüringi­schen Landtages kam es in Verlauf der Verhandlung des Schulautrages wieder zu schweren Lärmszeuen. Bereits bei den Reden des Staatsmiursters Dr. Lenchäuser und des Abg. Bauer war die Stimmung außerordentlich erregt. Hierauf ergriff der Abg. Dinter das Wort, um seine früheren Parteifreunde, die Raüoualsozialisteu, auzugreifeu. Er rief im Verlauf seiner Rede dem Abgeordneten Henniger (Aatsz.) zu, er solle sich von ihm (Dinters als geohrfeigt betrachten. Diese Bemerkung löste großen Lärm aus. Der Vizepräs. Geger schloß Dinter von der Sitzung aus. Da es dem Vizepräsidenten unmöglich war die Ruhe wieder herzuftelleu wurde gegen einhalb 12 Uhr die Sitz­ung aufgehoben. Die erregte Auseinandersetzung der beiden völkischen Abgeordnete« Dinter und Henniger setzten sich im Vorraum des Landtages noch fort.

Die Spiumskonterenz gescheitert.

wtb. Seus, 6. Zebr. telef. Nachdem es dem fünfgliedrigen Unterausschuß des vereinigten 16er Ausschusses bei der Opium Konferenz nicht gelungen ist, eine Einigung zwischen dem ame­rikanischen unb dem englisch-französischen holländischen Stand­punkt in der Zrage des Beginns des Rechtes der Unterdrückung des Rauchopiums zu erzielen, können die Verhandlungen hier­über als gescheitert gelten. An der heutigen Vollversammlung des 16er Ausschußes, die den Mißerfolg der Einigungsverhaud- luugeu verzeichnet, nahmen die Amerikauer nicht mehr teil. Wie das WEB. aus amerikanischen Kreisen hört, beabsichtigen die Amerikaner die Konferenz zu verlaßen und heute abend von Genf abzureisen. Die Stimmung in Völkerbuudskreisen ist ziemlich gedrückt, da man von der Abreise der Amerikaner auch eine Schwächung des Gesamtanschens des Völkerbundes in den Vereinigten Staaten befürchtet.

Seine Antervention in der türkischen Frage.

wtb. Konstantinopel, 6. Zebr. telef. Die türkische Antwort die dem griechischen Geschäftsträger in Angora übergeben wur de, lehnt es ab den Streitfall irgendwie dem Hqager Schiedsge­richt vorzulegen. Sie besteht darauf, daß die ganze Frage nur eine innerpolitische sei, und daß infolgedeßen irgendeine Snter- venliou nicht geduldet werden könne.

SleithW und Darmatskandal.

wtb. Berlin, 6. Febr. telef. Der Barwaltungsrat der deut schen Reichspost befaßte sich in seiner Vollsitzung erneut drin­gend mit den Vorgängen, die die Kreditgeschäfte der Reichs­post betreffen. Er nahm von dem Bericht seines zur Prüf­ung dieser Kreditgeschäfte und dabei den ehemaligen Reichs- postminister Höfle treffende Verantwortlichkeit eingesetzten Un­tersuchungsausschuß Kenntms. Die dem Unterausschuß erreich­bar gewesenen Unterlagen gaben keinen Anlaß an der Jutcgri- tät und Pflichttreue der Beamtenschaft des Rerchspostminifto- riums irgendwelche Zweifel zu hegen. Das bei der Prüfung der einzelnen Fälle gesammelte Material wird dem vom Reichs­tag eingesetzten Untersuchungsausschuß übermittelt. Der Ver­waltungsrat hat es ferner, um eine künftige Wiederholung der bekannten bedauerlichen Vorfälle zu verhindern, für notwendig erachtet, für die Zukunft die Ausleihung öffentlicher Gelder der Reichspost an verstärkte Sicherheiten zu binden. Er hat zu diesem Zwecke neue Forschriften für die Anlage und Verwen­dung der Postscheckgelder beschloßen.

Wachn fahre unschuldig im Zuchthaus.

D.B. Breslau, ,6. Febr. (Sig. Meldg.) Sin furchtbarer Justizirrtum, der einen unschuldig Verurteilten fünfzehn Lahre hinter Zuchthausmauern hat zubringen lassen, ist in den Er­mittlungen gegen den Massenmörder Denke in Münsterberg entdeckt worden. Lm Dezember 1909 verschwand die 25jährige Arbeiterin Emma Lander aus Neuhof im Kreise MUnsterderg und zwar auf dem Wege nach ihrer Arbeitsstätte. Einige Ta­ge darauf fand man die Körperteile der Ermordeten und als der Tat dringend verdächtig wurde damals der Fleischer na­mens Trautmann verhaftet. Der Prozeß gegen ihn fand in Glatz statt und konnte sich lediglich auf LndHien stützen. Nach neuntägiger Verhandlung, bei einem Zeugenaufgebot von 200 Personen und neun Sachverständigen, wurde Trautmann zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der unschuldige Lrautmaun hat die Strafe voll abgesessen und lebt jetzt als alter, gebrochener Mann, in Münsterberg. Er hatte seiner Zeit und im Laufe der vergangenen Lahre seiner Unschuld wiederholt beteuert. Trautmann erfreute sich damals keiner Beliebtheit und die Zeugen sagten entsprechend gegen ihn aus. Bei dem Ermitt- lungsoerfahreu in der Mordsache Denke hat sich nunmehr her­ausgestellt, daß der Massenmörder das Mädchen umgebracht hat.

Wer zu Gunsten der Km-erspelsung etwas tun will, besuche den bunten Abend am 11. Februar 1925.

Lord Ereve zur Eicherheitssrage.

D.B. Paris, 6. Febr. Anläßlich einer Veranstaltung der Gesellschaft der „Freunde Frankreichs" hielt der englische Bot­schaft. Lord Erewe eine Rede, in der er eingangs betonte, die europäische Politik sei an einem -schwierigen Punkte ünge- langt. Die Freundschaftsgefühle zwischen den Verbündeten seien die alten, aber es gelte jetzt Friedensprobleme zu lösen, die äußerst kompliziert seien. Nachdem auf wirtschaftlichem Gebiet mit der Durchführung des ‘Daroesplanes ein günstiger Augenblick gekommen sei, müsse man sich hüten, diesen zur Re­gelung der Sicherheiten und des endgültigen Friedens unbenutzt vorübergehen zu lassen. Das Vertrauen in allen europäischen Ländern in politischen und wirtschaftlichen Fragen müsse wieder hergestellt werden. Der Botschafter zidierte sodann ein Wort aus den Memoiren des Kardinals de Retz, der erklärt, man habe ebenso oft aus Mißtrauen wie aus Vertrauensseligkeit töricht gehandelt. Lord Erewe empfiehlt dieses Wort den Kriegsgegnern der Entente, ohne jedoch zu vergeßen, daß auch die Alliierten sich dieses Wort zu eigen machen mögen. Der Botschafter appellierte zum Schluß an die Presse, zu einer Wiederherstellung des Vertrauens in Europa beizutragen.

Echistsbranb.

wb. Paris, 6. Febr. Wie Havas aus Antwerpen berich­tet, ist an Bord des deutschen Dampfers „Odenwald", der von Thile mit einer Ladung Salpeter nach Hamburg unterwegs ist, ein Brand ausgebrochen.

Ein schöner Tod.

wb. Aiani (Florida), 6. Febr. Zunkspruch. Der Philan­throp und mehrfache Millionär Julius Fleischmann, der Besitzer großer Hefefabriken ist, ist auf dem hiesigen Polofeld tot zu- sammengebrochen, nachdem das Polospiel beendet war.

Kommunistische Umtriebe.

wb. Achen, 6. Zebr. Reuter. Eine halbamtliche Mit­teilung besagt: Jnfolge des Versuches kommunistischer Or­ganisationen, in den Kasernen der Hauptstadt Propaganda zu treiben, welche die Soldaten zum Bürgerkrieg aufreizen sollte, wurde eine Anzahl Personen in Schutzhaft genommen. 20 Kommunisten werden wegen Hochverrats vor das Gericht ge­stellt.

Alt Heidelberg in London. wb. London, 6. Febr. Jm Garricktheater wurde gestern abend „Alt Heidelberg" in englischer Sprache zum ersten Male seit dem Krieg gegeben. Die Aufführung fand den Blättern 'zufolge lebhaften Beifall.

Ein Kirche als Wassenlager.

wb. Rom, 6. Zebr. Jn der Kirche eines großen Dorfes bei Piacenza entstand nach dem „Messagero" ein Brand in der Sakristei, der auch auf den Dachstuhl Übergriff. Während der Löscharbeiten fanden mehrere Explosionen von Handgrana­ten und Gewehrpatronen statt. Es konnte festgestellt werden, daß ohne Wissen der Geistlichkeit der Speicher der Sakristei als geheimes Munitionslager benutzt worden war.

Brand.

wb. Mannheim, 6. Zebr. Heute Vormittag brach gegen 10 Uhr in der der Zellstoffabrik Waldhof angegliederten Sprit-

fabrik Feuer aus. Aus bisher unbekannter Ursache nennt Behälter, in dem sich Betonierungssprit befand in' Brand' Das Feuer konnte noch vor dem Eintreffen der Berufsfeuer wehr durch die Fabrikwehr gelöscht werden. Der Schaden verhältnismäßig gering. '

Tod in den Flammen.

wb. Kamenz, 6. Zebr. Jm benachbarten Orte Ostro brad im Hause des Schneidermeisters Raab Zeuer aus. Dabei sind seine drei Kinder, ein Mädchen von fünf, zwei Knaben von drei und zwei Jahren, sowie seine Pflegetochter im Alter von b Jahren in den Flammen umgekommen. Das Haus, wie auch daneben liegende Scheune sind bis auf die Grundmauern nie= dergebrannt.

Aus Stadt und Land.

Daten der KuSturgeslbilbte.

7. Februar.

1812 wurde der Dichter Charles Dickens zu Landport bei Portsmouth geboren. — Vor 10 Jahren begann die Wjnter- fchlacht in Masuren, die bis 15. Februar dauerte. — Am 7. Februar 1924 verschied in Berlin der Anthropolog und Ethno­log Felix von Lusch an. Geboren 1854 in Hellabrunn bei Wien, wurde Luschan Mediziner, widmete sich aber bald an­thropologischen Arbeiten, zeitweilig unter Broca in Paris u. fand für dieses Studium starke Anregung 1878 als Militärarzt im österreichischen Okkupationsheer in Bosnien. Seit 1882 Dozent der Wiener Universität, wurde er 1885 als Abteilungs- chef au das Berliner Museum für Völkerkunde berufen und leitete bis 1910 die ozeanisch-afrikanische Abteilung, vorbildlich als Museumsmann. Rechtzeitig erkannte er die Bedeutung völkerkundlicher Sammlungen für die Bildung weiter Volks­kreise, und mit den einfachsten Mitteln gelang es ihm, ^en ' schnellen Aufstieg unserer kolonialen Entwicklung für die^wM- k ke des Museums auszunutzen. Ein großes Verdienst erwarb er durch die rechtzeitige Zusammenbringung der unschätzbare/? und einzig dastehenden Sammlung von Altertümern aus Benin, der er seit 1897 ein großes Werk widmete. Archäologisch be­tätigte er sich durch Ausgrabungen in Sendschirli in Aordsgrien. Bis 1922 hatte er als Ordinarius den Lehrstuhl für Anthro­pologie und Ethnologie an der Berliner Universität inne. Durch seine zielbewußte Arbeit gelangte Luschan in die vorder­ste Reihe der deutschen Wissenschaft, sein ganzes Leben galt der praktischen Arbeit.

Faitnachtstünze.

(dt.) Oft haben einzelne Zünfte einen Teil der Fastnachts- feier, vor allem Umzüge und Tänze, besonders gepflegt, sie als ein Vorrecht ihrer Zunft erachtet und übertragen bekommen und mit großem Gepränge aufgesührt. Weit verbreitet sind W Waffentänze. Wir können sie etwa durch 3000 Lahre ver­folgen und treffen sie bei vielen Völkern der Erde. Jn Deutsch­land waren sie weit bekannt und meist an Fastnacht gefeiert. Sie sind zum großen Teil vergessen. Bisweilen hat man, wie in Schmalkalden in Thüringen, versucht, sie wieder «t ernMeiL Zu den wenigen Stadtenswosienoch seit alter Jeiint Uebung sind, gehört Ueberlingen am Bodensee. Die ledigen Rebleute der Neustadt beanspruchen hier das Recht, den Tanz aufzu­führen. Vier Platzmeister, ein Fähndrich und Säckelmeister bilden den Vorstand der Gesellschaft. Sind die Vorbereitungen fertig, so wählen sie ein Hänsele, wie es auch sonst an Fastnacht in Ueberlingen umzugehen pflegt. Unter den Klängen eines alten Marsches ziehen die Träger auf einige Plätze der Stadt.

Dort tanzen sie in künstlich verschlungenen Rechen Achter un- andere gewundene Gebilde, gehen unter den gekreuzten De­gen. Die Kinder fingen währenddessen:

Hatlaha, hallaha, Habermus g'nug.

Gnädige Frau, gnädige Frau, gen mer au (gebt mir auch) Geld.

Nach dem Schwerttanz holen sich die Tänzer Mädchen und Frauen, beim ersten Male möglichst die ältesten Frauen, und tanzen mit ihnen einen Walzer. Nach her in Ueberlingen be- cannten Erklärung bekam das Städtchen bas Privilegium des Schwerttanzes vom Kaiser für besondere Auszeichnung im Krie­ge. Das ist eine der vielfach üblichen Erzählungen über den Ursprung eines Brauches, den man nicht mehr versteht und an ein geschichtliches Ereignis anzuknüpfen sucht. Ueber den wirk- ichen Sinn des Brauches aber belehrt uns eine Vergleichung verschiedener Schwerttänze. Man will mit ihnen einen Gott des Naturlebens schützen, der im Frühjahr von den Geistern der Unfruchtbarkeit bedroht ist. Dazu benutzt man Waffen, wie man sie gegen körperliche Feinde braucht. Aus der kultischen Begehung ist mit der Zeit, als man den Sinn anders deutete, ein Waffenspiel geworden, wie es mancherorts auch ohne kul­tischen Ursprung vorhanden war und für die alten Deutschen schon durch Tacitus (Germania 24) bezeugt ist.

Eine weithin bekannte Fastnachtsfeier ist der Schäffler­tanz in München. Reinsberg-Düringsseld schreibt darüber: „Soll dieser Tanz ausgeführt werden, so beschäftigen sich die Schäfflergesellen schon mehrere Wochen vorher damit, aller vorzubereiten und die Tänzer einzuUben. Zugleich wählen sie einen Umfrager, welcher sich erkundigt, wo getanzt werden darf, einen Vortänzer, welcher einen mit Bändern geschmückten Stab trägt, den Reifschwinger, welcher drei volle Weingläser

auf die innere Kante des Reifes frei hinsetzt und keines ver­schütten darf, obwohl er den Reif mit der größten Geschwin­digkeit über den Kopf und durch die Beine schwingt und wel­cher noch überdies den Titel der Herren vor deren Hause ge­tanzt und deren Gesundheit angebracht werden soll, genau Jen und deutlich aussprechen muß, ferner den Nachtänzer, L’l.nil" Spaßmacher und 16 bis 20 Gesellen, welche den Tanz ausfu ) ren. Sie tragen eine grüne Kappe mit weißen und dern, schwarzes Halstuch rote Aermelweste, weiße V e, Beinkleider von schwarzem Manchester gelbes Gchurzje , weiße Strümpfe und Schuhe mit silbernen Schnallen Jen, während Jie die mit Buchsbaum und Bä s'

ten Reifen drehen, hüpfend bei dem Schalle der Mnl'k einen großen Achter tragen, allerlei Gänge und Gauben bilden, un^ sich am Ende der labgrinthischeu Windungen doch immer wie­der vereinigen. Zahlreiche Volksmassen folgen dem Zuge, der von einer wohlgeordneten Musik begleitet wird. Von ü^if .,l1 Zeit wird ein Bube, der dem Hanswurst zu nahe kommt, zunl Ergötzen der Zuschauer schwarz gemacht und früher erregten