Sm Trotzki vom Lafr Central.
Moskauer Brief.
Moskau, den 21. Fanuar.
Eine Wiener Crinnerung. 3n jenen fernen Lagen, als man in Oesterreich "Ungarn noch munter „fortwurstelte", wurde einem Gewaltigen des Ballhausplatzes von einem Kenner des europäischen Ostens der Rat erteilt, auf die Dinge im Zarenreich aufzupassen. Ls könne eines Tages eine russische Republik geben und dies werde nicht ohne Wirkung auf die Verhältnisse im Habsburger Doppelreiche bleiben. Der Minister lachte vnd sagte im gemütlichsten Weanerisch: „Dös is ka schlechter . . . Spaß. Republik in Rußland! 6a, ich bitt wer soll denn die machen . . . Am End der Herr Trotzki aus dem Lafe Central?“ Besagter Herr Trotzki baronisierte und bobemifierte damals nämlich in der schönen Kaiserstadt rauchte unzähliche Zigaretten ;um schwarzen Mokka im Lafe Zentral und politiesirte dort in einer gefhrlichen Weise, die ihm eine genaue Beobachtung durch die Wiener Staatspolizei eintrug. Aber man ließ den sonderbaren Kauz, der von einer russischen Republik sprach, gewähren vielleicht mit dem Hintergedanken, daß man ihn doch einmal gebrauchen könne, um dem lieben russischen Aachbarn Unbequemlichkeiten zu bereiten. Man kann nie wissen!
Der Herr Trotzki aus dem Lafe Central machte dann später : wirklich die Republik in Rußland. Seine tariere war viel : schneller und wunderbarer als die des ersten Napoleon. Denn { der Korse war Soldat und stieg im zwar raschen, aber regelrechten Avancement zum kommandierenden General empor. Trotzki, der verbummelte Student und Lafehausbesitzer wurde fast im Handumdrehen aus dem Zivilisten Kriegsminister und allmächtiger Befehlshaber der roten Armee. Als solcher hat er den Sowjets durch die Aiederringung der weißen Heere von Koltfchak, Fudenitsch, Denikin und Wrangel unschätzbare Dienste geleistet. Kein Wunder, daß ein Mann, den so wunderbares Geschick emportrug, ein übermäßiges Selbstbewußtsein hat. Lr steckte es in^die Tasche, so lange Üenin lebte und mit seinen theoretischen Zauberformeln den Bolschewisten und Nichtbolschewisten imponierte. Nach Lenins Lode fühlte Trotzki sich als der erste Mann im Lande und ließ die „Diadochen" Sinowjew, Kamenjeff, Stalin seine geistige Ueberlegenheit füh- i len. Man fürchtete ihn und stellte ihn in die Ecke. Lr verlor seinen Posten als Kriegsminister und Armeeoberhaupt.
Gekränkt schrieb er sein Buch „1917", eine herbe Kritik der Genossen Sinowjew, Kamenjew und Stalin, die darin -meu- schewistischer" Ketzerei angeklagt werden. Es ist nicht leicht, im heutigen Rußland orthodoxer Kommunist zu sein. Cs geht da um Haarspaltereien, wie sie früher etwa auf den Konzilen in Aicaea oder Antiochia Mode waren. Genau weiß keiner .Bescheid. Die Angegriffenen drehten den Spieß um, warfen Trotzki vor, er sei kein Kommunist, sondern ein „Crobkiift“ und entsetzten ihn aller seiner Aemter. Um was für feine Untere scheidungslehren es eigentlich geht, weiß keiner. Wer es etwa gewußt hat, hat es vergessen, nachdem er die zwischen Trotzki und seinen Gegnern gewechselten polemischen Schriften gelesen hat. Aber das mit dem „Trotzkusmus" wird schon richtig sein. Der Mann will sich nicht unterordnen und seine eigene Rolle spielen. Es scheint, daß Trotzki besondere 6dsen in de- * zug auf eine Demokratisierung der allzu engen kommunistischen } Partei hat und daß er größere Kreise des rußischen Volkes zur politischen und wirtschaftlichen Verwaltung heranziehen will. Sinowjew und seine Freunde scheinen nun diesem Liberalismus Trotzkis zu fürchten, weil er das Ende des kommunistischen Parteiklüngels herbeiführen könnte. Hätte Rußland eine öffentliche Meinung, so würde Trotzki an die Spitze einer Opposition treten., Aber von öffentlicher Meinung ist im heutigen Rußland keine Rede. Cs gibt nur eine amtliche Presse. Cin Parlament wo Trotzki sich frei aussprechen, Anhänger um sich sammeln könnte, existiert nicht. Verschwörungen lassen sich heute unter dem Regime der Tscheka nicht mehr organisieren. Bliebe Trotzki als einzige Möglichkeit die rote Armee. Aber es müßte die ganze sein und deren ist er durchaus nicht sicher. Line Teilrevolte hätte keine großen Aussichten. Trotzki ist viel zu klug, um einen Putsch zu versuchen.
Die ganze russische Situation ist in diesem Augenblick zum Stillstand gekommen. Die Gärung der inneren gesellschaftlichen Kräfte ist erstickt. Diese Gärung die der Zarismus nie töten konnte — der Bolschewismus hat sie erstickt. Ls ist ihm gelungen, Rußland zu sterilisieren. Leben herrscht in diesem Augenblick nur in der äußeren Politik. Die einzigen schöpferischen Männer Rußlands sind Tschitscherin und Krassin. Sie beruhen sich unermüdlich, Rußland auf der Bühne der Weltpolitik zur Geltung zu bringen. Ueberall erblickt man russische diplomatische, konsularische und kommerzielle Vertreter; An- erkennungs und Handelsverträge werden abgeschlossen; alte Streitigkeiten wie die mit Japan wegen Sachalin werden geordnet. Cs ist möglich, daß der belebende Hauch, dessen Rußland bedarf, von der Seite der Außenpolitik her eindringen wird. Ls kann auch kommen, daß Trotzki, der in diesem Augenblick in Rußland selbst zur Untätigkeit verdammt ist, den ^Mucb machen wird, sich außerhalb Rußlands zu betätigen. Natürlich nicht mehr als Emigrant tob als Herr aus dem Cafe Central. Lr wird bei aller Ligenwilligkeit gelernt haben, daß man gegen die Triumvieren Sinowjew-Kamenjew-Stalin und gegen die Tscheka nichts ausrichten kann. Nur Männer wie Tschitscherin und Krassin, die ihre Kraft im Auslande für die bolschewistische Regierung einsetzen, gewinnen die Möglichkeit, etwas für Rußland zu leisten. Die russische Cmigrantenpolitik, bie vor der Revolution etwas bedeutete, ist heute ebenso tot wie die innere Bewegung.
Diktator Morgan.
Von 6 r e d. R. M inut h (Grand Haven, Mich., U. S. A.)
^ei der amerikanischen Präsidentenwahl am 4. November 1924 wurde der republikanische Kanditst Talvin Coolibge mit bem bisher noch nicht dagewesenen Votum von fünfzehn Millionen Stimmen und eine/ ebenfalls noch nicht dagewesenen Mehrheit von nahezu zehn Millionen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Dieses Wahlergebnis hat teils überrascht, teils aber — und besonders im Ausland — den Eindruck hervorgerufen, als ob das amerikanische Volk sich durch einen gewaltigen „Landrutsch" für bie republikanische Partei entschieden habe.
Wer mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut ist, wer also Kenntnis hat von der wahren Stimmung des Volkes über bie unerhörte Korruption, welche gerade unter republikanischer Administration groß geworden, ist; wem bekannt ist, daß der vormalige republikanische Präsident William Howard Tast als „E rüst B u st e r" in die Geschichte übergegangen ist; wer die schamlosen Unreblichkeiten einiger Kabinettsmitglieder der Harding-Tooliöge-Administration kennt, unter deren Am- tierunung Multi-Millionen vom Nationalvermögen veruntreut wurden, was zum zwangsweisen Rücktritt zweier Minister und zum gerichtlichen Verfahren gegen eine Anzahl Teilnehmer an diesen Diebstählen führte; wer Kenntnis hat von jenen Grast- skandalen, die auf republikanischem Boden so ausgezeichnet gedeihen und gegen die kein Staatsanwalt auftritt, der roirb- sich unmöglich zu dem Glauben bekennen können, das amerikanische Volk habe an jenem 4. November bei der Präsidentenwahl nach freiem Ermessen und in bester Ueberzeugung gehandelt.
Der Unwille im Volke über so viel Ehrlosigkeit, Mißwirtschaft und Untreue in den Reihen der Beamten und sonstigen Leuchten der republikanischen Partei, insonderheit während der letzten Fahre, drohte dieser Partei bei der Präsidentenwahl vielmehr eine vernichtende Niederlage zu bereiten. Der Bundessenator Robert La Follette hatte von jeher Stellung genommen gegen Volksbetrug in irgend einer Form; nunmehr sagte er den Trusts — in erster Linie dem Geldtrust, an dessen Spitze 3. Pierpont Morgan steht — offen Fehde an, , und das arbeitende Volk das sind etwa 75 Prozent der amerikanischen Bevölkerung — erkor ihn zu seinem Präsi- dentschafts-Kandida1-n. Zuerst lachten die Gegner über La Follette. Als seine Gefolgschaft aber lawinenartig anzuwachsen begann, bekam man es im Lager der Trustbarone mit der Angst und traf feine Maßnahmen.
Diese Maßnahmen sind einerseits bezeichnend, für die Größe der Furcht vor La Follette, andererseits lassen sie keinen
Zweifel darüber aufkommen, daß der einstige CruhmUll ,{ Morgan sich zum Diktator Morgan gewandelt hat!
3" dem Augenblick der 'Erkenntnis, daß La Follette sich -nr ernstlichen Gefahr für die Trusts zu entwickeln scheine, gab Wallstreet die Parole aus: „Erwählt Coolibge, oder verhungert!" — Gleichzeitig wurden die industriellen, finanziellen und kommerziellen Betriebe des Landes mobilisiert und gewaltige Summen flossen dem republikanischen Zentral-Komitee zu. Man spricht von fünfzehn Millionen Dollars. Diese mehr zwangs- ■ weise als freiwillige Beisteuer zum Wahlfond ging so sehr über bas Maß des Erlaubten hinaus, daß darüber eine"Untersuchung seitens dos Kongresses eingeleitet wurde, bie aber im Sande verlief. — Fn zahlreichen Werkstätten des Landes wurden ferner Bekanntmachungen angeschlagen, in denen es hieß, öa^ am Mittwoch, den 5. November nur Werkmeister und Vorarbeiter zur Arbeit zu erscheinen hätten; die Arbeiter dürften jedoch nur kommen, wenn Coolibge zum Präsidenten erwählt worden sei. — Den Fabrikanten des Landes wurden große und profitreiche Aufträge erteilt, welche die Klausel enthielten, daß der Auftrag automatisch widerrufen sei, wenn Coolibge nicht zum Präsidenten erwählt werden sollte. Den Farmern wurde von den Banken die vertrauliche Mitteilung gemacht, daß sie weder auf Hgpothekdarlehen noch irgendwelche anderweite Kredite zu rechnen hätten, falls Coolibge nicht zum Präsidenten erwählt werden sollte. — Den unabhängigen kleinen Geschäftsleuten wurde mitgeteilt, daß alle Räder still stehen würden, sofern Coolibge nicht zum Präsidenten erwählt werde.
Diese Drohungen blieben nicht ohne Wirkung:, die. bleiche Angst fuhr den Besitzlosen ins Gebein; denn der großen Mehrzahl der Lohnarbeiter und kleinen Leute war die von den. Zi- nanzpiraten heraufbeschworene Panik und Hungerperiode von 1907 noch in klarer Erinnerung.
So wurde Talvin Coolibge unter der Devise: „Bewahrt eure Familien vor dem Verderben und wählt, wie euch befohlen wurde!" mit einem Votum von fünfzehn Millionen Stimmen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erkoren. Man rede dabei aber nicht von einem „republikanischen Landrutsch!"
3n den Kreisen jener Leute, welche die Erwählung Too- tidges durchgesetzt haben, wurde der Gedanke der Völkerliga geboren und zwar in der wohlberechneten Absicht, die auf wirtschaftlichem Gebiet autokratisch sich angemaßte ‘Diktatorgeroalt über die Völker der Erde durch die Völkerliga politisch zu erweitern und mit dem Scheine autoritativer, Macht zu um? kleiden.
Und in den Kreisen eben jener Leute entstand auch bie 3bee, entstanden die Richtlinien für den Dawesplan, das Gegenstück zu Wilsons „vierzehn Punkten!" — Die Weigerung zur Räumung der Kölner Zone stellt den Schatten bar, den die kommenden Ereignisse vorauswerfen und für welche der Dawesplan. die. Einleitung bildet.
Es kann den deutschen Politikern nicht verargt werden,, wenn sie in Hinsicht auf Amerika versagen; denn Amerika ist ein sehr schwieriger Faktor im Weltgeschehen; amerikanische Politik und amerikanische Politiker lernt man nicht in eingen Jahren kennen, — dazu braucht man Jahrzehnte! Aber es »ruß den Deutschen verargt werden, wenn sie, angesichts solcher Latsachen, die Berufung vertrauenswürdiger und umfassend politisch geschulter Amerikakenner fortgesetzt unterlassen. Die Berufung solcher Männer wäre kein' Eingeständnis politffcher Impotenz, es wäre vielmehr ein Akt unzweifelhafter politischer ^ Klugheit!
Bis zur Londoner Konferenz hatte Deutschland nur den Vertrag von Versailles zu bekämpfen; nach Annahme des Dawes-Planes hat Deutschland neben dem Unfriedensvertrag auch noch den Diktator Morgan zu bekämpfen!
So geht es Schritt um Schritt dem Abgrund entgegen,, ohne daß man in Deutschland etwas davon zu merken scheint., Feder Atemzug, der den Deutschen gewährt wird, jede herablassende Geste der Alliierten erweckt in Deutschland Optimist mus — einen Optimismus, über den bas Ausland lacht und der in seiner Hoffnungslosigkeit so unendlich mitleiderregend wirkt. — . Ä I
Die Engländer, die bester- Amerikanner der Erde, verzichten darauf, ihre Politik a Hin zu machen: sie arbeiten im Verein mit vaterlaudstreuen Anglo-Amerckanern! Warum unterläßt Deutschland es beharrlich, diesem Beispiel zu folgen?
NM kleine Amsksa
Fred Andersens Höllenfahrt
Roman v. Otfried von Hanstein. (46. Fortsetzung).
„Du bist mir böse?"
Sch streichelte leise ihr Haupt, aber ich konnte sie nicht ansehen.
„Wie sollte ich dir böse sein! 3ft es nicht natürlich, daß du bei den deinen bleibst?"
Sie kam nach näher und streichelte meine Hand. Sie sah mich nicht an und sagte mit stockender Stimme:
„So soll ich bleiben? So willst du mich nicht mitnehmen?"
Sch fühlte, daß ich selbst weich wurde, sie schmiegte ihr Köpfchen an meine Brust und weinte. Sch sagte weich:
„Glaubst du, daß ich dich lieb habe?"
Sie drückte mich mit ihren Armen und sprach nicht.
„Wenn du mir folgst, Limokoa, so bist du losgerissen von deiner Heimat und deinem Volke. Du mußt werden, wie die Frauen der Weißen, du mußt vieles, vieles lernen und vieles entbehren".
Sie sah mich an. Um ihren Mund spielte ein halb wches, ein halb glückliches Lächeln.
„Möchtest du, daß ich mit dir komme?"
„Mein Liebling!"
Da preßte sie ihre Arme fest um mich.
„Nimm mich mit dir, bitte bitte, nimm mich mit dir!"
3n mir war ein helles Sauchzen.
„Du willst die deinen verlassen um mich?"
„Du bist meine Welt! Du hast mich vom Tode errettet.
Dir habe ich mich geschenkt. Die gehöre ich, Dich liebe ich — ach, wüßtest du, wie sehr ich dich liebel Liebtest du mich nur ein Teilchen so heiß!"
„Du Liebe! Du Liebel Wirst du es nie bereuen?"
„Niel Nie!"
Plötzlich wurde sie ernst.
„Nie, so lange du mich liebst."
„Mein Liebling! Mein kleiner, köstlicher Schatz! Wie hätte ich leben können ohne Dichst'
Sie lieh mich los. Sie jauchzte hell auf.
„3ft das wahr? Liebst du mich so?"
„Bist du nicht mein Weib, mein liebes, treues Weib, meine tapfere Kameradin?"
„Bin ich das? Bin ich das? Du! Du!"
Sie lachte und weinte, sie küßte mich und streichelte meine Hand. Sie hing an meiner Brust und mein Herz war so voll.
„Sch wäre gestorben, hättest du mich hiergelassen —"
Sie stockte, dann fuhr sie fort:
„Sch bin ihnen schon so fremd. Sch bin ja schon eine ganz andere durch dich. Fch bin ja nur noch ein Teil von dir, ich wäre gestorben.“
Wieder küßte ich sie und preßte sie an mich. Fühlte das starke Schlagen ihres Herzens an meiner Brust und war glücklich. Glücklich und dabei feierlich zu Sinn. Glücklich und stolz. Glücklich und voller Verantwortnug.
Hilflos und zart hing sie an meinem Halse. 3n dieser Stunde wiederholte ich mir das Gelübde, das ich in jener Nacht getan, als sie mein wurde.
„3ch will dich nie verlassen! 3d) will nie aufhröen, dich zu lieben. Nein, Limokoa, du zarte Blüte, ich will dich niemals zerbrechen."
Wir sahen auf. Der alte Häuptling stand vor uns. 3n seinen Augen lag Güte und um seinen Mund ein Lächeln.
„Sch sehe, die kleine Taube meines Volkes wird mit dem weißen Adler hinausflattern in die Ferne."
oct) richtete mich auf.
„Limokoa ist mein s ,.1. Sie soll es auch nach den Gesetzen der Weißen werden, das schwöre ich vor dir. Bitte, Limokoa, sage dem Weißen Bären, was ich sprach."
Sie war selbst über meine Worte und meinen Ernst befangen und dolmetschte dem Häuptling. Dieser nickte ernst und zustimmend.
„Ta vwoats hat deinen Schwur gehört."
„Bis morgen bleibt 3hr des Weißen Bären Gäste."
Am nächsten Morgen fiel wieder Schnee, aber der Himmel war klar. Wir schieden von den Indianern. Wir hatten einen Teil unserer Fische gegen geräuchertes Bärenfleisch eingetauscht 3n meiner Tasche trug ich die silberne Uhr, die der Professor einst dem Vater des Weißen Bären geschenkt hatte, dafür
hatte ich ihm die Statue des Tezcatlipoca gegeben. Fch sah eine ähnliche in Pueblo. Nicht umsonst wohnen die Indianer in den Steinhäusern der alten Tolteken.
Der Morgen kam. Der klare Schneemorgen. Ein seltsamer, jauchzender Schrei schreckte uns vom Lager. Die jungen Männer des Stammes hatten die Pueblo verlassen und rannten laut jauchzend und die Speere schwingend der jungen Sonne entgegen.
„Was ist? Droht ein Kampf?"
Limokoa kannte den Brauch.
„Sie suchen an jedem Morgen in der jungen Sonne den Gott, der sie erlösen soll aus dem Elend und ihnen die alte Macht wiedergegeben."
Wir schritten zu unserem Kahne. Mich faßte Angst um das Gold. 3d) hatte es vergessen und unbewacht gelassen. Niemand hatte den Kahn berührt. 3cb freute mich, daß ich Limokoa nichts vor meinem Argwohn gesagt hatte.
Wir fuhren stromab. Vier Tage, hatte der Alte gesagt, würden die Berge uns noch begleiten. Fetzt stand er am Ufer und schaute uns nach. Limokoa war an mich geschmiegt. Noch einmal fragte ich sie:
„Wirst dus niemals bereuen, daß du mir folgst?"
„Nie! Nie!"
Aber sinnend blickte sie zurück und konnte das Auge wenden, so lange der Strand noch zu sehen. Sie war wbich geworden. Sie wußte, daß sie ihre Heimat nun für immer verlassen hatte. Sie seufzte auf und trat zu mir, der ich am Steuer saß. Sie kniete im Kahn und legte ihr Haupt in meinen Schoss. .
„Nun bin ich ganz dein! Nun habe ich nichts mehr auf der ganzen, weiten Welt als nur dich!"
Welche unendliche Fülle von Liebe lag in diesen Augen.
3d) dachte an Maud. 3d) dachte daran, daß ich den Schwur zu lösen im Begriffe stand. Daß ich das Pfand, das sie begehrt hatte, die Uhr des Professors, in meiner Tasche trug 3d) machte eine zornige Bewegung und Limokoa erschrack.
„Was ist dir, Lieber?"
(Fortsetzung folgt.)