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Aas entgüjtigt Ergebnis der KirKenwaNen.

wtb. Berlin, 28. 3au. telef. Nach den jetzt vorliegenden Schlußmeldunge» über das Ergebnis der Kirchenwahleu wurde» in 48 Großberliner Kirchengemeinden, in denen ein Wahlkampf stattgefunden hat, 1637 positive, 723 liberale, 149 Angehörige der Gruppe der Mitte und 27 religiöse Sozialisten gewählt. 15 bis 20 Prozent der neugewählten kirchlichen Gemeindever - treter silld Frauen.

Berbandlungen über die Rubrslbaden.

wtb. Berlin, 28. San. telef. Sm Haushaltsausschuß des Reichstages brachte bei der allgemeinen Aussprache nach der Rede des Reichsfinanzministers der Abgeordnete Miiller-Zrau- keu einen sozialdemokratischen Antrag ein, in dem verlangt wird: 1. Die mit der Auhrkohleu-A.-S. geschlossenen Verein­barungen sofort einzustellen. 2. Die Ausführung der Bekannt­machungen über die Ruhrschäden vom 10. 12. 24 vorläufig eiu- znftellen. 3. Dem Reichstag sofort eine Denkschrift über die Vergütung der Ruhrschäden vorznlegen, die sowohl eine voll­ständige Uebersicht über die der Ruhrinduftrie seit dem 11. 1. I 23 von allen öffentlichen Stellen gewährten Kredite und Ent­schädigungen enthielt, als auch der Materialien, die zur Begrün duog nud erforderlichen geschäftlichen Regelung der Entschä- dignngsanspruche notwendig sind. Dieser Antrag soll morgen in aller Ausführlichkeit vor dem Haushaltsausschuß behandelt werden.

Schwere Sittlichkeitsverbrechen.

wtb. Berlin, 28. Sau. telef. Von der Berllner Krimi­nalpolizei wurde der 26jährige Friseur Erich Sohan festgenom- meu, dem bisher 10 Littlichkeitsverbrechen an Knaben unter 14 Sahren uachgewiefeu wurden, die der Verhaftete auch zu- gibf. Um zur Befriedigung feiner Neigungen an Sugendliche heranzukommen, war er auf Vereinsgründungen sportlichen Eharakters verfallen. Aach eigenen Angaben Lohans hat er 140 derartige Vereinigungen gegründet. Di eLntdeckung fei­nes Treibens verhinderte er durch Drohungen, Jobaf? dis Dinge erst nach längerer Zeit zur Kenntnis der Kriminalpolizei ge­kommen sind.

Furchtbares Explssionsunglück.

wtb. Landstuhl, 28. Sau. telef. Gestern ereignete sich in ' Nähe von Linden ein schwerer Unglücksfall. Die Arvener bet Ueberlaudzeutrale der Pfalzwerke mutzten bei Fulldameu- tieruugsarbeiteu für einen Hochspannungsmast Sprengungen vornehmen. Als sie gerade an die Spreugstelle gelangt waren, erfolgte die Explosion. Dabei wurde dem Boßle der Kopf und der rechte Arm abgerissen und der Bauch vollständig aufge­schlitzt. Der Monteur Maur, dem ebenfalls der Kopf abge­rissen wurde, wurde etwa 10 Meter weit geschleudert. Beide hinterlassen ihre Frauen »ud vier unmündige Kinder.

Um den Bericht der KdntrvtlksmmWon.

wtb. London, 28. Sau. telef. Wie das Reuterfche Büro erfährt, wird hier angenommen, daß die deutsche Antwortnote an die Alliierten die allgemeine Lage nicht beeinflussen wird. Es würde eine neue Anstrengung gemacht werden, um den Hauptbericht der 5. M. K. K. zu beschleunigen, sodaß die Alli­ierte» in der Lage seien, Deutschland milzuteilen, was ihm noch auszuführen bleibe. Ein weiterer Notenwechsel sei unwahr­scheinlich, solange nicht der Bericht vorliege.

Frankreich und das Sicherbeitsproblem.

wtb. Berlin, 28. Sau. telef. Sowohl die Londoner Dai- lg Expreß als auch der Pariser Malin beschäftigen sich heute wieder mit dem Gerücht einer deutschen Aktion zur entgültigen Lösung der Frage der Sicherheit Frankreichs. Das letztge­nannte Blatt weiß sogar zu melden daß die Ueberreichnug einer diesbezüglichen Note morgen zu erwarten sei. Die Mitteilun­gen des englische» und französischen Blattes werden von den Berliner Blättern als unzutreffend bezeichnet. Die Neichsre- gierung fei sich wohl durch aus klar, daß die Bedeutung, welche die Sicherheitsfrage für die Entwicklung der europäischen Po- litik besitzt, dem Gedanken Sicherheilsgarantien für den Frie­den zu schaffe», stehe sie nicht nur sgmpatisch gegenüber, son­dern siehabe auch ihrerseits sehr reale Suteressen an seiner Verwirklichung. Das Sicherhsitsproblem greife aber in alle schwebenden Fragen so tief ein daß es augenblicklich nicht mög­lich sein wurde, in einer kurzen Formel die beste Lösung des Problems zu finden. Me Reichsregierung fei aber eut- fchloffeu, au der Lösung des Problems positiv mitzuarbeiten.

Die französische Antwort auf die Rückfrage, welche die deutsche Delegation für die Haudelsvertragsverhandlnugen ihr am Freitag gestellt habe, wird von den Blättern als sehr un­befriedigend bezeichnet. Die französischen Zugeständnisse seien so minimal daß es der deutschen Wirtschaft unmöglich erscheine sie anzuuehmeu. Der französische Handelsminister habe für das Trendelenburg an das Reichskabiuett zu erwarten fein, vorgeschlageue Provisorium 4 Wareuliste» aufgestellt, auf­grund deren nur für solche Waren der franz. Minimaltarif Anwendung finden soll, welche für die Ausfuhr nach Frankreich kaum in Frage kommen, während diejenigen Waren, an deren Ausfuhr Deutschland interessiert sei, unter den erhöhten Tarif fielen. Wie die Blätter bemerken, dürfte eine Entscheidung über die franz. Vorschläge erst nach der Berichterstattung Dr.

W$ung der belgischen Kammer,

wtb. Paris, 28. San. telef. Heute vormittag hatte die Pariser Presse gemeldet, daß Ministerpräsident Theunis die Möglichkeit der Auflösung der belgischen Kammer und die An­beraumung von Neuwahlen ins Auge gefaßt habe. Wie Ha- vas in einem Brüsieler Telegramm mitteilt, sind es lediglich in der Presie geäußerte Vermutungen, und es liege bisher noch keine offizielle Erklärung vor, die die Auflösung der belgischen Kammer bestätige.

Trendelenburg verläßt Varls.

wtb. Paris, 28. Sau. telef. Staatssekretär Trendelenburg reist heute Abend nach Berlin ab, um mit der Regierung Füh­lung zu nehmen.

wtb. Paris, 28. San. telef. Einige Abendblätter enthal­ten Aachrichten, die angesichts der bis jetzt verbreiteten Mel­dungen, der Gencralbericht der S. M. K. K. werde in etwa 14 Tagen vorliegen, und alsdann unmittlelbar der deutschen Regierung unterbreitet werden, recht seltsam klingen: Es wird jetzt behauptet, daß der Bericht kaum vor Herbst im Besitz der deutschen Regierung sein könne. Es ist nicht ersichtlich, wer diese Nachricht verbreitet. Da sie sich fast gleichlautend in einigen Abendblättern befindet, muß man annehmen, daß sie von einer amtlichen franz. Stelle ausgeht.

Rußlands Geldumlauf llabilifiert.

wtb. Moskau, 28. Sau. telef. Das Volkskommissariat für die Finanzen hat festgestellt, daß der Geldumlauf der Sowjet­union genügend stabilisiert sei. Er hob alle BeschränkunMN der Privatpersonen auf, die sich an den Devisengeschäften mrd den Wertpapierhaudcl an der Börse der Sowjetunion nicht be­teiligen konnten. Die Beschränkungen fallen weg, soweit es Jid) um Geldsorten handelt, deren Umlauf in der Sowjetuvrou ge­stattet ist, sowie beim Handel mit ausländischem Selb, Silber, Goldbarren, Münzen und sonstigen Zahlungsmittel«.

Die Lage in Edina.

wtb. Schanghai, 28. San. Reuter. Der geschlagene Gene­ral Szhi-Hsie-Huan schiffte sich in Begleitung seiner Angehö­rigen nach Sapan ein. Alle Maßnahmen sind getroffen, um einer Berührung der geschlagenen Truppen in der Stadt Schang hai vorzubeugen. Es besteht kein Anlaß zu Besorgnisse».

Tagung der Neulfchnallynalen und des Bauernbundes.

D.B.Berliu, 28. San. (Lig. Meldg.) Am Mittwoch be­ginnt in Berlin die 2. Völkische Tagung der Deutschnationalen Volkspartei, die vom Völkischen Reichsausschuß, der von dem Reichstagsabgeordneten Graef-Thüringen geleitet wird, ein­berufen ist und der Vertiefung des völkischen Gedankens die­nen fbll. — Die diesjährige Delegiertentagung des Deutschen Bauernbundes findet am 2. und 3. Februar in Berlin statt.

Die Rückkehr Dr. Wiedselds.

D.B.Londou, 28. San. (Lig. Meldg.) Wie-aus Washing­ton gemeldet wird, wird der bisherigen deutsche Botschafter Dr. Wiedfeldt an Bord des Dampfers „Albert Ballin" am 5. Februar die Rückreise nach Deutschland antreten. Sein Nach­folger Frhr. v. Maltzahn wird Anfang März in Washington erwartet.

Neue Kämpfe vor Mangheai.

D.B. London, 28. San. (Eig. Meldg.) Aus Schang­hai wird berichtet, daß die Kämpfe, die eine Woche lang ge­ruht hatten, wieder ausgenommen worden sind. General Lu gelang es, den Rebellen die Forts abzunehmen, die den Ein­gang zum Sangtsefluß beherrschen. 24 englische Meilen von Schanghai bemühen sich die Rebellenführer, eine neue Front herzustellön.

Die Kantine im U-Boot.

(bk) „Watin" meldet aus Portsmouth, daß England, ein großes Unterseeboot, das größte der Welt, gebaut hat, das jetzt fertiggestellt wird. Es ist 116 Meter lang und mit einem 30,5 Zentimetergeschütz ausgestattet und kann auf der Obr- fläche mehr als 32 Knoten in der Stunde zurücklegen. Es ist das einzige Unterjeboot mit einer Kantine an Bord. Das nächste Unterseeboot soll schon einen Fußballspielplatz bekom­men. Die Engländer sind doch famose Kerle!

Was England tut...

wb. London, 28. San. Der diplomatische Berichter­statter des „Daily Telegraph" schreibt, es sei jetzt vollkommen klar, daß die Botschafterkonferenz und die alliierten Regierun­gen erst nach dem 10. 2. offiziell in den Besitz des endgültigen Berichts der Kontrollkommission in Deutschland gelangen wer­den. Unter diesen Umständen könne die Absendung der alliier­ten Note an Deutschland kaum vor Ende Februar erwartet werden, namentlich da* heikle und bedeutsame Fragen zwischen den Alliierten erwogen werden müßten. Wenn auch die öf­fentliche Meinung in England für weitgehendste Veröffentlich­ung des Berichts der Kommission sei, so werde in amtlichen bri­tischen Kreisen doch erklärt, daß es sich um ein interalliiertes Dokument handele, das nur mit Zustimmung aller Alliierten« veröffentlicht werden könne. Der Berichterstatter führt wei­ter aus: Es war nur natürlich, daß die Botschafterkonferenz Deutschland mitgeteilt hat, daß nach der Auslegung des Ver­sailler Vertrags Deutschland keine besonderen Kessel für fremde Kriegsschiffe — in diesem Falle für Argentinien — bauen und liefern dürfe. Es hat jedoch Ueberraschung in neutralen di­plomatischen Kreisen erregt, daß die Alliierten eine gleichlau­tende Mitteilung nach Buenos Aires gesandt haben, da Ar­gentinien nicht zu den Unterzeichnern des Versailler Vertrages gehöre. Die Alliierten hätten sich mit einem Druck auf Berlin begnügen und den Deutschen die Erklärung für die Zurück­ziehung ihres Bauangebots überlassen können.

wb. London, 28. San. Alle Blätter veröffentlichen den Wortlaut der gestern überreichten deutschen' Note zur Räu­mungsfrage. Der Kölner Berichterstatter der „Morning Post" erfährt von amtlichen Quellen, daß der Oberbefehlshaber der britischen Rheinarmee sich gestern abend nach London bege­ben sollte und daß sein Besuch unmittelbar mit dem Schick­sal des britischen Besatzungsheeres zusammenhängt. Der Ge­neral wolle, wie in militärischen Kreisen verlautet, in der ersten Februarwoche zurückkehren. Er werde dann in der Lage sein, eine endgültige Mitteilung über die zukünftige Bewegung der britischen Rheinarmee abzugeben.

Die französische Rdeinschtffahrt.

wb. Paris, 28. San. ön Straßburg haben sich gestern die französischen Rheinreeder zu einem Komitee zusammengeschlos- sen, um die allgemeinen Snteressen der französischen Rheinschiff- fahrt zu schützen und zu verteidigen.

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vezeyre» lernet, an bet- Nacht vom Sonnabend, den 31. Sänuar zum Sonntag, den l. Februar wird auf den Eisenbahnen des besetzten Gebietes anstelle der jetzigen, eine Stunde später liegenden, westeuropäischen 5eit (W. E. Z.) die Mitteleuropäische Zeit (M. E. Z.) wieder ein» geführt. Die Bahnhofsuhren im besetzten Gebiet werden am Sonnabend, den 31. Januar um 11 Ubr (W. E. Z.) ans |9 Uhr nachts fM. E. Z.) vorgestellt. ^Hit dem Zeitwechsel wird auch der Fahrplan vom 30. November 1924 für das besetzte Gebiet auf mitteleuropäische Zeit umgestellt. Der Aushang- fahrplan in den Bahnhöfen und der Taschenfahrplan werden Mn 1. Februar neu herausgegeben.

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Von Dr. h, Lewe -Berlin.

Man ist versuch, Hamlets Geist zu zitieren, wenn man den kürzlich veröffentlichten Reichshaushaltsvorauschlag für 1925 anfieht. Wer damit gerechnet hatte, daß nach der die Wirt­schaft in ihrer an sich schon bedrängten Lage noch weiter be­lastenden rigorosen Steuerpolitik des Sahres 1924, die ledig­lich zur AuSbalanzierung des Etats und zur Stabilisierung der Wahrung gerechtfertigt sein konnte, das erstere Ziel allerdings auch in einer alle Erwartungen übersteigenden Weise erreichte, daß nach dieser Steuerpolitik wirksame Erleichterungen eintre­ten würden, auch durch sparsamere Zinanzwirtschast, der muß bitter enttäuscht sein. ‘Die Ausgaben des Reiches, der Staaten und der Gemeinden find derart hoch, daß Deutschland nicht mit Unrecht das teuerst verwaltete Land der Welt genannt werden kann; in ihm selbst hat nie zuvor die Verwaltung auch nur an­nähernd so viel gekostet wie heute. Man sollte annehmen, daß trotz teilweiser Steigerung der Materialpreise die Verwal­tungsunkosten geringer oder zum mindesten nicht höher sein wurden als vor dem Kriege, weil nicht nur Gehälter und Löh­ne der im öffentlichen Dienst tätigen Personen hinter den Vorkriegssätzen zurückbleiben, Heer und Marine auf ein Sie­bentel bezw. ein Zehntel zusammengeschrumpft sind und der Zuschußbedarf der Kolonien fortgefallen ist, sondern vor allem Reich, Länder und Gemeinden ihres Schuldendienests durch die Inflation enthoben sind und schließlich das zu verwaltende Ge­biet um 10 Prozent kleiner geworden ist. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall.

Wenn man die Ausgaben sämtlicher öffentlicher Verwal­tungen berücksichtigt, die man wegen der Verschiebung der Aufgabenkreise der einzelnen öffentlich-rechtlichen Korporatio­nen heranziehen muß, da der Reichs-Etat allein einen Vergleich nicht zuläßt, so ergibt sich, daß die Verwaltungskosten von 3,7 Milliarden im Fahre 1913 auf 5,4 Milliarden Mark im Sahre 1924 gestiegen sind, d. h. um etwa 50 Prozent, während sich die Steuerlast, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, von 57 auf 86 Mark, also ebenfalls um rund 50 Prozent erhöht hat. Teilweise wird die Steigerung sogar mit 100 Prozent berechnet. So überraschend dieser Sachverhalt angesichts der notorischen Verarmung Deutschlands ist, die eisern zu einer sparsamen Wirtschaft auch im öffentlichen Haushalt zwingen sollte, so wahr ist sie leider.

Verstärkt wird dieser Eindruck, wenn man sieht, wie bei vielen Kommunen anscheinend eine starke Selbftüssigkeit be- ftebt, Die LlusHäbeposten vieles Ressorts gegenüber o Vorkriegszeit wesentlich gestiegen ,z. , B. der des preußischen Unterrichts-iMinisteriums von 236 auf 413 Millionen Mark, trotz verkleinerten Gebietes. Die Finanzverwaltung Preußens verbrauchte im Sahre 1913 62 Millionen Mark, heute aber 88 Millionen Mark, trotzdem fast die ganze Finanzhoheit mit allen Unkosten auf das Reich über- gegangen ist. Dabei ist gleichzeitig der Ausgabeetat der Fi- nanzverwaltung des Reiches wegen der Schaffung des eigenen Verwaltungsapparates von 7 auf 360 Millionen Mark gestie­gen und wird für 1925 mit 400 Millionen Ma bk veranschlagt Das auf .ein Siebentel des Vorkriegszustandes verringerte Heer verursacht mehr als ein Drittel der vormaligen Kosten, die auf ein Zehntel reduzierte Marine sogar fast die Hälfte und verlangt für 1925 nochmals 87 Millionen Mark mehr.

Für diese Verteuerung der ganzen Verwaltung kann die komplizierte staatsrechtliche Struktur des deutschen Reiches mit ihrem kostspieligen Apparat von zahlreichen Parlamentes Wi- niestrien usw. nicht ins Feld geführt werden, so hoch ihre Ko­sten auch sind, denn sie bestand auch früher schon. Es muß schon etwas anderes im Staate faul fein, wenn wir heute Jo sehr viel mehr als früher ausgebeu, trotzdem der ehemals erhebliche Mittel beanspruchende Zinsendienst für die öffentlichen Anlei­hen fortgefalleu ist, — nebenbei bemerkt, eine Ungerechtigkeit gegen die vielfach an den Bettelstab gebrachten 'Anleihegläubi­ger, die nicht mit der schlechten Finanzlage des Reiches ent­schuldigt werden darf. Besonders, da eine andere Gläubiger- gruppe, die Beamten und Pensionäre, in ihren Ansprüchen kaum geschädigt worden ist, trotzdem sie in sehr vielen Fällen nicht mehr als jene der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt haben.

Es scheint, als ob der über Erwarten große Steuereingang im Sahre 1924 die Behörden zu einer in Anbetracht unserer ganzen Lage höchst unangebrachten verschwenderischen Aus­gabewirtschaft verführte. Die Sst-Einnahmen allein des Rei­ches in der ersten Hälfte des Rechnungsjahres 1924, also für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1924, übertrafen das Soll-Aufkommen um 677 Millionen Mark oder 26 Prozent d. h. machten 63 Prozent des ganzen Sahres-Solls aus. Das war nur möglich durch die aufs rücksichtsloseste durchgeführte Steuererhebung. Sie führte in einem Falle z. B. dazu, daß bei ungefähr gleich gebliebenen Geschäftsverhältnissen die Gewer­besteuer für 1924 das 140facl)e der Steuer für 1914 ausmachtes in einem anderen Falle das 54fache usw. w

Man hätte erwarten sollen, daß angesichts der üppigen 5'" nanzwirtschaft einerseits, der drückenden Notlage der gacheu Volkswirtschaft andererseits nicht nur wirksame Steuerermä­ßigungen vorgenommen worden wären, sondern daß man voi allem mit dem bisherigen System der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer gebrochen hätte, indem man diese ihres umsatzsteuerartigen Eharakters entkleidete und in ihrer ursprünglichen Reinheit als Personal-Steuer wieder­herstellte. Heute führt das Vorauszahlungssgstem, ähnlich wie die Umsatzsteuer, zu einer allgemeinen Verteuerung, da die Steuerpflichtigen angereizt und teilweise durch die Verhältnisse geradezu gezwungen werden, die Steuer bei der Preisberechnung einzukalkulieren und weiterzuwälzen. Gerade in Deutschlands