Friedrich August von Knuibach.
oum 5. Todestage des Malers am 26. Januar.
Friedrich August von Kaulbach, der, wenn er noch lebte, in diesem bahre seinen 75. Geburtstag feiern könnte, war zwar kein himmelsstürmender Neuerer im Reihe der Kunst, aber ein tüchtiger, feiner und liebenswürdiger Maler. Vor allem sind es seine Frauen- und Kinderbilder, die seinen Ruhm in weiteste Kreise trugen, und die auch noch heute viel beliebt sind. So führt er im Volke noch immer den Ehrennamen „Kinder"- Kaulbach. Eine solche Kennzeichnung ist aber auch deswegen nötig, um die drei bekannten Waler aus der Familie Kaulbach auseinander zu halten. Da ist zunächst Friedrich August Onkel, Wilhelm Kaulbach, der lange Sahrzehnte als Direktor der Kunstakademie an der Spitze der Münchener Kunst gestanden hatte. Mehr war dem jungen Friedrich August Kaulbach, vor allem auch in künstlerischer Hinsicht, sein Vater Friedrich Kaulbach, der in Hannover wirkte, und von dem er auch seine besondere Begabung als Bildungsmaler erbte.
Friedrich August Kaulbach ist am 2. Juni 1850 in München, während eines vorübergehenden Aufenthaltes feines Vaters in der süddeutschen Kunstmetropole, geboren. Seine Sagend hat er dann in Hannover verlebt, wohin der Vater bald für dauernden Aufenthalt übersiedelte, und aus welcher Stadt sich auch der Sohn die Gattin holte. Aber im Herzen war Friedrich August Kaulbach immer ein Münchener. Und dieser seiner eigentlichen Heimatstadt blieb er denn auch Zeit seines Lebens treu. Die Lehrjayre verbrachte der junge Kaulbach zum Teil im Atelier des Vaters, zum großen Teil aber auch an der Nürnberger Kunsthochschule. Weil er sich jung verheiratete, war er auch gezwungen, sich schon recht früh selbständig zu machen. Auf gut Glück ging er nach München, wo er sich auch bald durchsetzte. Er schwärmte damals noch immer für die deutsche Renaissance, die er vor allem während seines Nürnberger Aufenthaltes kennen und lieben gelernt hatte. Er malte in der Hauptsache Genrebilder und Einzel-figuren in altdeutdeutscher Tracht. Mit diesen Bildern hatte er bald Erfolg, so daß er schon nach Jahresfrist die übliche Stalienreise des deutschen Künstlers machen konnte. Aus italienischer Kunst und Landschaft, später auch aus Paris, holte er sich die entscheidenden Anregungen für seine Entwicklung. ' Und langsam bereitete sich so eine vollständige Wandlung in seinen Kunst- prinzipien vor. Hatte er vorher den Hauptwort auf den Ltim- mungsgehalt eines Bildes, auf die Darstellung einer rührenden, anmutigen oder tragischen Szene gelegt, so wandte er sich jetzt mehr rein malerischen Problemen zu. Neben dem Studium der italienischen Klassiker bildete er sich an Rembrandt und anderen Holländern, die er in ihrer Heimat aufsuchte. Seine Bilder wurden einfacher, aber auch großzügiger. Er verzichtete schließlich ganz auf alles literarische Beiwerk, malte ideale Landschaften und Gestalten und fand seine ihm gemäße Darstellungsweise schließlich im Portrait. Er sah ein, daß das Wesen seiner Kunst nicht im Aeußerlichen, an der Tracht, an der Maskerade haftete, sondern in der seelischen Ergründung des Menschen wurzelte. Während um ihn herum alles nach pomphafter künstlerischer Gestaltung verlangte, strebte er nach größerer Einfachheit, nach dem Ausdruck seelenvolier Schönheit, die sich in ruhigen, gleichgestimmten Landschaften, vor allem aber auch in seinen berühmten Bildnissen wisderspiegeU.
An äußeren Erfolgen hat es Kaulbach nicht gefehlt. Große und ehrende Aufträge wurden ihm in Fülle zuteil, und er galt, Nicht nur in München, mit Recht als der beliebteste Frauemna- ier. Nachdem er vom bayerischen Prinzrsgenten durch die Verleihung des persönlichen Adels geehrt wurde, wurde er 1886, nach dem Tode Vilotgs sogar Direktor der Münchener Kunstakademie, ein Amt, das er aber nach fünf bahren freiwillig niederlegte, weil ihn die übergroße Verwaltungsarbeit an seinem künstlerischen Schaffen behinderte.
Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß Kaulbach, was man am allerwenigsten in ihm vermutet, auch ein witziger und begabter
Karikaturenzeichner war. Es ist schade, daß er diese Kunst in der Hauptsache nur für den Haus- und Bersinsgebrauch geübt hatte. 5m bahre 1863 wurde unter dem übermütigen Namen „Allotria" eine zwanglose Künstlervereimgung gegründet. Kaul bach war einer der ersten in dieser Vereinigung und bald fanden sich auch Lembach, Defregger, Makart, Oberländer, Wilhelm Dietz, Böcklin und andere Größen ein. Der Verein hatte sich zur Hauptaufgabe die Bekämpfung des Zopfes in jeglicher Gestalt gemacht. Und hier entdeckte Kaulbach feine Begabung für die Karikatur. Während er offiziell brave Genrebilder und andere ernste Sachen malte, ergötzte er den Kreis feiner Vereinsgenossen durch witzige Federzeichnungen, mit denen er alle Größen der damaligen Feit in ungemein drastischer Weise karikierte, wobei er sich selbst nicht verschonte.
Jus Serieukind.
Feitbild von Fritz M ü 1 l e r.
Sie war aus Versehen auf die Liste gekommen. Eigentlich sollte eine andere Hilde in die Schweiz. Die des Professors, des bekannten Tiermalers. Nicht die des unbekannten Türmalers, der den gleichen Namen hatte. Tier und Tür in München werden aber gleich gesprochen. So verrannte sich der Bote. Nein, er ging schon vor die rechte Tür. Diese Hilde war noch schmaler.
Der Kinderzug stand in der Halle. Es war ein Extrazug. Der Maschine vorne schien es gleich zu sein, wen sie nach dem Süden trug, ob Schiebers zur Riviera oder —. Nun hatte sie dory umgeschaut, die pustende Maschine. Sah die dünnen Kinder in geflickten Röckchen, sah die vielen ärmlichen Mütter winken. „Fug der Verhärmten", dachte sie bei der Abfahrt.
Eine Stunde später hatten sich die Kinder wohnlich eingerichtet. Wieder sah sich die Maschine um, im Fahren diesmal, „oug der Gefaßten", dachte sie.
Bei der dritten Umschau, eine weitere Stunde später, nickte die Maschine: „Fug der Erwartungsvollen."
Knapp vor der Grenze stellte sie behaglich fest: „Fug der Vergnügten, Kinder sind halt Kinder."
Hilde lachte mit und freute sich ein Bein aus, wie man sagt. Aber bei der Einfahrt in die Schweizerstadt wurde sie ernst: Was würde sie erleben in dem fremden Lande?
Jm Warte-saal hatte sie das erste Staunen. Es zwitscherte in der Höhe, um die Tische. Und damit kam die erste Zuversicht: Menschen, denen Vögelchen vertraut in lärmer- füllte Wartesäle zufliegen mögen, können nicht schlecht sein.
Da kamen schon die Serieneltern. Ein altes Paar, das schlicht „Willkommen, Hilde" sagte und ihm leise übern Scheitel fuhr. Sonst nichts. Da hatte sie ihr zweites Staunen: Daß man mit zwei Worten, viel, viel mehr als mit einem großen Satzschwall sagen konnte.
Auf den Straßen gab es viel zu sehen. Gar für kluge, von der Not geschulte Augen. Nicht lange, und es machte sich das dritte Staunen Luft: „Gibts hier keine F'riff'ne?"
Denen, die es hörten, gab es einen Ruck: Jn der ersten Stunbe hatte dieses Kind den Kern erfaßt, Zerrissene werden nicht geduldet in dem Lande, zerrissene Kleider nicht und nicht zerrissene Geister.
Ginge ein Fevimnptsr durch die Straßen, lind und unauffällig tauschte dym die Schweiz die Lumpenhülle um. Und der Konsul aus Südamerika, der gewohnheitsmäßig seinen Hofensack mit Kupfermünzen füllte, eh er morgens aus dem Grandhotel der Stadt ging, beklagte sich, daß er die Münzen noch am Abend schleppen mußte: „Weiß Gott, man bringt hier keinen seiner Saldi an." Und jenen haßzerrissenen Geistern, die hier aufeinaüderhacken wollen, wird der Kopf hinaufgebogen zu den eisbeveckten Zeugen: „Ueber eine Weile werdet ihr so stille sein wie die Firne."
Fu Hause angekommen, werden Hildes Augen diesen Tag zum vierten Male groß: Milch, Butter, Eier, weißes Brot die '
Fülle. „Du tust ja ganz erschrocken, Hilde?" sagt die Fe- rienmutter.
„Ja“, stottert sie und schluckt, „ist das — ist das keine Sünde?"
Jn der Schweiz sind noch nicht Ferien. Hilde wird von anderen Kindern in die Schule mitgenommen. Als Gast. SjL> ists zufrieden. ..^er da befällt sie plötzlich ein Entsetzen: Das viele Geld für ^ucber, Hefte, Federn? Man lächelt, man er» karrt ihr, und das fünfte Staunen macht sie stumm: Ein Land, in dem kein Kind, ob reich, ob arm, für Bücher, Hefte etwas zahlen darf, wo der letzte Griffel und die letzte Feder von der N.....er Schweiz besorgt wird? Wieder neigt es kindlich in ihr auf, zu fragen, ob das Sünde fei.
Und noch immer will das Staunen dieses ersten Schweizer- tags nicht enden. Eine Kameradin hat den Hut des Lehrers in der Pause aufgesetzt und ist damit herumgetauzt. Und der Lehrer Hats gesehen. Und es hat keinen Rektoratsver. ' weis gegeben, sondern nur einen lächelnd aufgehobenen Feigefinger. Ohne daß die Welt entzweigeht.
Wie im Traume geht sie durch die sauberen Straßen. Die Leute sehen ihr nach. Eine Frau hat ihr die Hand gegeben, eine wildfremde Frau, „Ehindli", sagt sie, „Ehindli".
Der rauhe Laut am Anfang ist derselbe, wie -inmitten „Rache". Und läßt auch das Herz vibrieren. Aber lieblich.
' Jn einer Allee hat sie sich auf eine Bank gesetzt. Ein Mann sitzt neben ihr und sieht sie an: "Du kommst aus Deutschland, Kind, ich schs an deinem dünnen Kleid. Es ist, weiß Gott, ein armes Land geworden, ein elendes Land. Sch bin froh, daß ich heraußen bin. Nie mehr geh ich in das Lumpenland zurück. Wirsts am besten auch so machen, Kind — komm, gib mir deine Hand."
Sie hat dem Manne nicht die Hand gegeben. Sie ist stille heimgegangen. Sie hat den Rest des Tages immer an die Alleebank zurückdenken müssen. Srgend etwas mußte sich in ihrem kleinen Kopf noch klären. Sie hat ihr Abendbrot bekommen, hat die Bücher aufgeräumt, den Federhalter und die Hefte, ist von der Serienmutter sanft zu Bett gebracht worden, hat noch einen Kuß von ihr bekommen — nun liegt sie warm im kühlen Schweizerlinnen, kann aber noch nicht schlafen, Jonbem sinnt und sinnt.
Mit geschlossenen Augen sinnt sie. Da ist noch einmal die Tür leise aufgegangen. Die Pflegemutter ist hereingekommen. Jn der Hand das Bild von Hildes Mutter. Sie muß es aus den Sachen Hildes herausgesucht haben. Sie stellt es auf ein Brettchen übers Bett — Hilde kann es durch die Augenwimpern sehen — dann ist sie wieder fortgeigangen.
Die verhärmte Frau auf dem Bilde sieht ihr Kind an. Lang und unverwandt. Die verhärmte Frau ist Hildes Heimat. Die Heimat spricht zu ihr, sie fühlt es. Nur verstehn kann sie noch nicht recht die Worte.
Da schluchzt sie auf. Da auf einmal weiß sie, was Sünde ist. Was Sünde wäre. Nicht das langentbohrte Weißbrots nicht GNiffsl, die nichts kosten.
Jn die Kiffen weint sie. Aber es sind frohe Tränen.
Heimat, meines Lebens Blüte hebt sich fromm aus deinem Schoß, und du bist der Mutter Güte, ewig wunderbar und groß.
Sft auch vieles anders kommen, ^*^^
weht ein wiölder, kalter Wind, wenn du mich ans Herz genommen, bin ich selig wie ein Kind.
XVul dich immer mehr erkennen, wie du mir so teuer bist, will in heiliger Liebe brennen, die die Mutter nie vergißt!
Rein h v l d Brau n.
Liebe kleine Limokoa
Fred Andersens Höllenfahrt
Roman v. Otfried von Hanstein. (43. Fortsetzung).
5ch sah mich nach einem Landungsplätze um. Unheimlich, wie hoch in dieser Nacht die Wasser gestiegen waren. Wie sie in jeder Sekunde weiter stiegen, denn jetzt waren Mar die kleinen Kaskaden versiegt, die von ganz oben herobkamen, dafür stürzten aber von allen Seiten aus Schluchten oder Höhlen, die wir nicht kannten, ebensolche reißende Bäche hervor und hoben das Wasser im Eanon. Wer weiß, wie viel solcher j Grotten hier waren, wie viel große Becken, in denen Lawinen - tauten. Ein Wirbeln und Fluten ging über den See, der jetzt immer Heller wurde, mit dem wir stiegen, wie in einem Scyleusenbecken. Geh wußte jetzt selber nicht mehr, in welcher Richtung wir landen und auffteigen mußten. Unser Kahn drehte stcy unter dem ^mstuß der verschiedenen Bäche.
„Limokoa, wo war unsere Höhle?"
„Dort!"
„Nein dort —"
Mir war es, als sei sie an der entgegengesetzten Seite gewesen, und sie wußte es jetzt auch nicht. Wir fuhren nicht etwa im Kreise, wie ich es auf dem See getan, sondern tanzten wild umher, drehten uns um uns selbst. Gut, daß der Gold- balast uns im Gleichgewicht hielt. Natürlich war weder von dem Fufluß, der aus den Bergen kam, noch von dem Loch, in dem er verschwand, etaws zu sehen.
Wo war der Eolorado? Wo war das Gewirr der Felsen, das Labgrinth, in dem es sicher kein Furechtfinden gab? Wohin waren die Indianer gegangen?
Wir waren so hoch gestiegen daß auch die Halbkreiswand des gipsernen Thores schon überflutet wurde.
Da machte der Kahn selbst unseren Zweifeln ein Ende. Sr drehte sich, dem Druck neuer Wasser gehorchend, richtete die Spitze gegen eine überragende Felswand und schoß darauf zu. Wir standen schwankend und aufrecht im Kahn und suchten uns der Felsen zu erwehren. Dicht vor ihnen lag eine neue Windung. Der geschwollene Bach hatte einen Weg gefunden. Ueber Felsen hinweg, die sonst hier ragten, in wilden Biegungen und Fickzackströmungen. Bald prallten wir rechts an, bald links. Dann wieder mußten wir uns bücken und ducken, um nicht gegen Felsen zu stoßen, die niedrig überhingen. Jeh bewunderte Limokoa. Sie stand ganz vorn. Sie hielt in ihrer Hand einen kurzen Ast und stieß gegen die Felsen. -
Die Tochter der Wildnis, die es gewohnt war, im Eiu- ’
baum über wilde Ströme zu fahren, mit den scharfen Augen, dem schnellen Handeln. Sch schämte mich vor ihr und bewunderte ihre Geistesgegenwart.
Ein furchtbarer Pfad, den wir mitten über und zwischen Felsen auf dem geschwollenen Staubach dahinrasten, und dann weitete sich das Tal. Die Felsen traten zurück.
Aus dem Bach war eine breite, gewaltige Stromschnelle geworden. Ein Absturz, der mich an die Fälle des Niagara erinnerte. Der Kahn machte abermals eine Biegung. Sch selbst hatten den Kopf verloren, ich war gefallen und lag ausgestreckt im Kahn. Sch vermochte es nicht, mich aufzurichten. Mein Fuß hatte sich zwischen die Goldbarren geklemmt. Hochaufgerichtet stand vor mir Limokoa. Shr Gewand war aufge- gangen und von ihren Schultern geglitten. Nackt und schlank stand sie da, in der erhobenen Hand den starken Baumast. Unbewegt und wild sah sie aus, mit den leuchtenden Augen mit dem fest zusammengekniffenen Mund. Unser Kahn schoß i nach unten. 5 mm er wieder, wenn ich versuchte, mich auf» zurichten, verlor ich das Gleichgewicht. Unfaßbar, wie sie zu stehen vermochte. Weit hintenübergsbogen, mit dem sehnigen Körper jede Bewegung des Schiffes mitmachend, mit ihren federnden ©liebern.
Dann wieder eine Wendung. Abermals stürzte ich nieder. Ein gewaltiger Gischt spritze über uns fort. Eine große Woge klatschte auf uns nieder. Ein starker Ruck Sn hohem Bogen wurde ich aus dem Kahne geschleudert und lag in nassem, weichen Sand.
Sch sprang auf. Limokoa stand lachend und mit leuchtenden frohen Augen.
„Wirf mir den Lasso zu."
Wie im Traume löste ich ihn vom Gürtel und warf ihn hinüber. Wenige Augenblicke später war der Kahn fest an einem Baumstamm vertäut. Unter ihm rauschte mächtig, aber verhältnismäßig ruhig ein breiter, gewaltiger Strom: Der Eolorado!
Leichtfüßig sprang Limokoa an das Land. Sch war voller Scham. Sie deutete hinüber. Schäumend und sprudelnd kam drüben in wilden Sätzen das Wasser zu Tal.
„Dort kamen wir herab."
Wie ich mich schämte!
„Du — du hast uns gerettet! Du hast den Kahn gesteuert und ich —"
Sie verstand mich und ihre Arme, ihre lieben, weichen, zarten, nackten Arme umschlossen meinen Hals. Sie schien nicht einmal erschöpft, sondern nur warm und jung.
„Wie viel kannst und verstehst du! Warum soll ich nicht auch etwas besser können, was ich gewöhnt war von Kind an!"
Sch preßte ihren schlanken Körper an mich. Mir war, als hätte ich sie vernachlässigt in den letzten Tagen, als wir in Unmut in der düsteren Höhle saßen.
„Wie lieb ich dich habe! Wie unendlich lieb, du meine einzige, du meine geliebte, kleine Limokoa!"
Sie dumdete es, daß ich sie küßte. Shren Mund, ihren Hals, ihre zarte, schwellende Brust.
Wie töricht das war, da standen wir inmitten einer furchtbaren Wildnis. Soeben der grausigsten Todesgefahr entronnen und küßten uns.
„Gib mir den Mantel, mich friert."
Da wurde mir erst bewußt, daß sie nackt war, und ich hüllte sie ein in die Lumpen, denn weiter war ja das Segel nichts mehr! -Gewaltig war die Landschaft, die uns umgab. Es war die Stelle, an der der Aampa, ein fast ebenso großer Nebenfluß, sich in den Eolorado ergoß. Shre beiden Canons bildeten einen Halbkreis, der einem in das Unendliche vergrößerten Zirkus glich, in dem die vielen Treppenaufgänge durch ebenso viel kleine Canons gebildet wurden, die während des Sommers wahrscheinlich trocken lagen, jetzt aber durch ebenso viel rauschende Wild-bäche erfüllt wurden. Und zwischen biefen Zerklüftungen bildete der Eolorado oder war es noch der Green River, gewissermaßen den breiten Haupteingang, der die gewaltige Manege teilte. Und unten vereinigten sich beide Ströme in einen schäumenden See. Ein ganzes System von Kegeln, Türmen und Spitzen, eine orientalische Stadt mit hohen Kuppelmöscheen und schlank aufragenden Minaretts, mit christlichen Domen und Kirchen basischen und Ruinen stoß"' Paläste. Eine gewaltige Stabt die ein Erdbeben durcheiuE dergeschüttelt hatte.
Da erhoben sich ganz oben wieder Berge, die aursahen, wie regelmäßig gebaute Forts einer Festung. Mund, massig 9C" wölbt und mit dicken -Türmen besetzt. Darunter weiße Berge aus -Gips, regelmäßige Miesenzuckerhüte und solche, die azurblau leuchteten, wie jene Säule in dem engen Canon.
Blaue Berge! Und wieder braune, denen man ansah, daß es erstarrte Lava war, und auch wieder grell; gelbe. Als hätte die ungehemmte Phatasie einen Bildhauer gigantische Bauten aufführen lassen und ein bizarrer Maler bätet diese mit unmöglichen Farben überpinselt. > <
(Fortsetzung folgt.) ..... ... j