. iiberseben dabei die Gefahr, ein oberflächliches zu ^^ MU nur höhlte ^’ '^ mehr^a'l's^ ehedem die offene und Sehnsucht der meisten, welche sich berufen fühlen, versteckte S ) I > wenigsten in der Hoffnung, die mit I Z^^'^rivten gefüllten Aktentasche könne sich über Nacht in , Uanchkriptm lt>erroanbeln. Nach dem Titel eines ein Mmisterp ^'^^dtags der Länder drängt man sich schon ' sich nicht um große Bundesstaaten, wie weniger, " Bauern handelt, der Provinziallandtagsab- 'Preußem ( ^^ beträchtlich niedriger im Kurs, und das ^^nerordiietenamt wird in manchen Kreisen, bedauerlicher- aerobe in denen, welche in ibrer_ Gemeinde etwas zu ■ ” ybätte.n, beinahe als unwürdige Zumutung empfunden. Wer längere Zeit in der kommunalen Berwaltungstatigkeit Ständen hat, weiß, wie unendlich schwierig es selbst in Troß- |Jbte,t ist geeignete Männer für städtische Ehrenämter zu ge- 1 Linnen. Am leichtesten ist es noch, für die Tätigkeit in der Armenpflege und innerhalb des sozialen Aufgabenkreises der - Gemeinde überhaupt ehrenamtliche Helfer zu finden — ein I schönes Zeichen dafür, daß das soziale Empfinden heute noch ; überaus rege ist — die Posten eines Bezirksvorstehers aber I eher gar der eines Schiedsmannes werden als unangenehme Casten, statt, was sie sind, als eine Ehrenpflicht I empfunden. Unsere Väter haben noch für ihre Se- , meinde, ihre Mitbürger willig Zeit und Arbeit geopfert, haben es als eine Pflicht der Allgemeinheit gegenüber betrachtet, Ehrenämter, zu denen sie berufen, wurden, mit voller Hingabe 1 an das Amt auszuUben, als das System der ehrenamtlichen Tätigkeit noch weit ausgeprägter war als heute, wo selbst der f Stadtverordnete Diäten bezieht. ön den Magistraten jedenfalls war in früheren Zeiten das Zahlenverhältnis der ehrenamtlichen Mitglieder zu den besoldeten ein wesentlich anderes als heute. Erst der im Laufe der Zeit immer stärker anwachsende Verwaltungsapparat beanspruchte mehr Berufs-Be- amte in der Stadtverwaltung, so daß sogar die Grundtendenz der Zusammensetzung der Magistrate aus besoldeten und un- t besoldeten Mitgliedern, wobei die letzteren in der Mehrzahl I Jein sollten, stellenweise völlig verwischt zu werden droht.
Es ist eine eigentümliche Tatsache, daß, obwohl weiteren I Bevölkerungsschichten die Teilnahme an der Gemeindepolitik 1 ermöglicht worden ist, die Fragen der Kommune gegenüber der ; sogenannten großen Politik noch immer unterschätzt zu werden pflegen. Das Gros der Zeitungsleser bringt einer bombastischen Parteirede im Reichstage weit mehr Interesse entgegen als beispielsweise dem Etat der eigenen Gemeinde, obwohl der sie weit unmittelbarer berührt. Wer geschichtlich zu denken gelernt hat, weiß, wie grundfalsch eine solche Einstellung ist. Das erste waren die Gemeinden, aus ihnen erst ging der Staat hervor. Staaten zerbrachen, Städte blieben oder wurden, waren sie erobernder Zerstörungswut anheimgefallen, innerhalb kürzester Frist wieder aufgebaut, oftmals als die einzigen Träger öffentlicher Gewalt. Der Kampf um die Selbstverwaltung der Städte, der jetzt ausgefochten wird, ist in feiner idealen Grundidee eine Rückkehr zu dem alten Machtbewußtsein der Städte, auch dem Staate gegenüber. Es ist eine sehr umstrittene Frage, ob die öffentliche Wohlfahrtspflege in die kommunale Selbstverwaltung gehört, unbestreitbar aber ist es daß die sozialen Pflichten an die Gemeinde viel unmittelbarer herantreten als an die staatliche Fürsorge. Und der Staat selbst hat gerade die sozialen Pflichten an die Kommunen näher herangebracht, indem er ihnen durch die kürzlich erlassene Verordnung über die Fürsorgepflicht alle die Aufgaben wieder zu- wies, die durch den Krieg an ihn heraugetreten waren. Hierin aber liegt eine der wesentlichsten Grundlagen eines wirklichen Gemeinsinnes als der unentbehrlichsten Stütze der Gemeinde- politik.
Der Bürger ist zuerst Angehöriger der Gemeinde, dann erst des Staates. Alles, was diese angeht, tritt an ihn zunächst heran, in ihr lebt er, hier liegen seine Arbeits- und Erwevbsbedingungen, hier vermag er feine Lebens- und, Kul- turbedürfnisse zu befriedigen. Der ideale Begriff der Gemeinde wurzelt im Gemeinsinn, der die wahre Gemeinschaft der Bürger ausmacht. Wir hören von staatsbürgerlicher Erziehung. Richt weniger notwendig ist uns eine gemeinbürger- liche Erziehung, die uns die Pflichten gegenüber denjenigen Mitmenschen nahebringt, mit denen wir auf dem engeren Raume einer Stadt zusammenleben. Die in der Stadtgemeinde betätigte Bürgergesinnung erst vermag zu einem wirklichen Staatsbürgertum zu führen. Der wirtschaftliche und politische Aufbau des Reiches, den wir nunmehr mit aller Tatkraft anzugreifen haben, kann nur gefördert werden, wenn er auf dem Bewußtfein engster Zusammengehörigkeit im gemeinsamen Staatsverbande aufgebaut ist. pst die Grundlage hierfür bürgerlicher Gemeinsinn — bürgerlich nicht im politischen Sinne mißdeutet — so wird es leicht sein, sich zuvörderst der Pflichten ! der Gemeinde gegenüber bewußt zu werden und in der Mitarbeit an den Geschicken der eigenen Kommune die Opfer- willigkeit erkennen zu lassen, die man der Allgemeinheit zu Nutzen aufzubringen willens und fähig ist.
Silberne Hochzeit. Am heutigen Tage feiert in Großen- ‘iiier das Fest der Silbernen Hochzeit Herr Schneidermeister Adalbert Rehuert und seine Frau Gemahlin Anna, geb. Kannengießer.
_ die Protestkundgebung gegen die Räumung der Kölner Sone wird, heute mittag 11 einviertel Uhr, wie man uns mit» ge eilt, bei schlechtem Wetter nicht auf der Lerrasse vor der rangerie, sondern im Stadtsaal selbst stattfinden.
Deutsche Volkspartei. Am 31. ds. Mts. findet im Park- )otel ein Familienobend statt. Die Vorbereitungen hierzu liegen, in bewährten Händen. Freunde und Mitglieder der Partei werden einige vergnügte Stunden genießen.
der Grund und Hausbesiherverein teilt mit, daß die neuen Formulare zur Ermäßigung der Hauszinssteuer in seiner Se- lchäftsstelle Kaiserplatz 1 zu 20 Pfg. pro Formular zu haben sind.
Aaturheilverein. Der Werbefilm „Allmutter Natur" wurde am Freitag zivei mal im Zentraikino vorgeführt. Einleitend gab Herr Paul Schloz-Gießen n einstUndigem Vortrag ein anschauliches Bild der Ra turb eilbewegung und ihrer Bahnbrecher und Begründer Prießnitz, Rauße, Kneipp, Lah-
^chwenmger u. a. Dann erläuterte er den Begriff »Raturheillehre und „Naturheilkraft" des menschlichen Kör
pers und schilderte schließlich die Geschichte des deutschen , Bundes für naturgemäße Lebens- und teilweise, der nun im achten Jahrzehnt Träger und Verkünder der Bewegung ist. — Der Film rollte darauf in mannigfachen, lebensvollen, anmutigen, sittlich völlig einwandfreien Bildern vorüber. Man sah Wandervögel auf fröhlicher Fahrt durch märkisches Wald- und Seengelände, reizvolle Lager- und Badeszenen, — im Gegensatz dazu Berliner Kellerwohnungen und rauchige Büroräume — dann das Leben und Treiben in einer Naturheilanstalt, im Wasserbad und im Lichtluftbad eines Naturheilverein, ferner das Leben in der Obstsiedlung Eden-Oranienburg. Sn Bildern, die Sport, Turnen, Atem-Aebungen, Tanz und Symnaftik darstellten, erlebte man die Durchbildung des Körpers zu Gleichmaß, Schönheit und Gesundheit. Die begleitende Musik und die Gesänge einer Wandervogelgruppe paßten sich den einzelnen Szenen harmonisch und wirkungsvoll an. Die zahlreichen Zuhörer und Zuschauer dankten für bie empfangenen Anregungen, Eindrücke und Genüsse durch lebhafte Beifallskundgebungen. Es wurde allgemein gewünscht daß der Film, der Sonntag im Bruderverein Hersfeld rollen wird, im Laufe des Sahres nochmals in Fulda gezeigt werden möge. — Die Mitglieder des Naturheilvereins werden bei dieser Gelegenheit auf die Montag Abend in der Stadtschule tagende Sahreshauptversammlung hingewiesen.
Fuldaer Sgmphonieorchester.
Allen ernsten Musiktiebhabern ist noch die vor 2 Sahren durch Herrn Musikdirigenten Eugen Mehler aufgeführte Bruckner-Sgmphonie in schöner Erinnerung. Es war ein innerer Festtag, dessen Erlebnis noch heute wie eine tiefe Sehnsucht nachklingt in der Stille des Herzens. Leichter wurde es damals den Menschen in das Dargebotene einzudringen, die sich längere Zeit vorher mit ihnen verfügbaren Mitteln in die Brucknersche Art einzuleben versucht hatten. Es wurde in kleinen Kreisen die 4. Symphonie nach mühevoller Einstudierung immer wieder zu Gehör gebracht. Man wollte vor allem die Formen kennen lernen und dann später den Snhall darin sicher aufnehmen zu können. Es wurde ferner versucht, in Vorträgen unb Aussprachen von der Brucknerschen Schöpfung eine lebendig-künstlerische Anschauung zu erringen. Man wollte ja nicht den „äußeren" Bruckner, sondern strebte durch gewissermaßen seelische Schulung Eintritt zu erhalten in das geistig Wesenhafte feiner Musik, das ihm, wie allen großen ö aspirierten, aus göttlichen Welten gegeben wurde.
Es war damals allüberall viel Geschrei über Bruckner und dem feiner Empfindenden bereitete dieser überlaute Kampf der Meinungen des modernen Kunstbetriebes seelische Schmerzen. Seitdem ist es stiller über den großen Meister geworden. Aeußerlich betrachtet hat sich seine Musik überall Eingang verschafft und stark verbreitet. Seine Offenbarung jedoch wird nur von wenigen geahnt und noch weniger begriffen. Die Welt tobt ohne ihn auf ihre geistlose Art weiter Bruckner durchsonnle heilige Musik aber tönt unbeirrbar in diese Welt: scheint wie ein Hoffnungsstern auf eine zukünftige Zeit. Seine göttlichen Klänge können warten bis immer mehr Seelen dem immer näher und näher kommen, was ein Großer, weitvoraus uns müden Erdenwanderern, zu schenken hatte.
Und nun soll uns wieder ein Bruckner Festabend beschert werden. Unser Fuldaer Sgmphonie-Orchester unter der Leitung feines strebsamen Dirigenten, Herrn Hewers, will in nächster Zeit, am 4. Februar, die 3. Symphonie des gottbegnadeten Meisters zu Gebör bringen. Schon werden hingebungsvolle Teilproben abgehalten. Die Musiker wollen erlebend ein- dringen in die Tiefen gerade dieser besonders schweren, so schönen Symphonie, um im umfassendsten Sinne zum Wiedererklingen zu bringen, was Bruckners Seele aus Waltenweiten erlauschen durfte.
Wir Hörer aber wollen freubeerfüllt schon jetzt unseren Dank für die Mühen des Orchesters dadurch zum Ausdruck bringen, daß wir dem Gebotenen das rechte, ernste, ehrfurchterfüllte Verständnis entgegenbringen können. Das wird zurückwirken auf die Spieler, Jo daß Orchester und Zuhörer dann einen gemeinsamen, seelischen Klangkörper bilden, in welchem Bruckners Geistesoffenbarung sich von neuem tönend verkörpern kann. Dr. Koch.
Vortrags-Bereinigung. Shakespeare-Abend. Das Phö- nomen Shakespeare hat viele Seiten. Heute wissen wir, daß es das größte dramatische Genie aller Zeiten und Völker ist. Diese Erkenntnis stand nicht immer fest, auch nicht in seinem eignen Vaterlande, in England, wo er zeitweise der Vergessenheit anheim zu fallen drohte. Es ist das Verdienst des Deutschen Lessing die Größe des britischen Dramatikers entdeckt zu haben, sodaß er sich bei uns für immer eingebürgert hat. Wie dies geschah, wie deutsche Uebevsetzer und zahllose Theateraufführungen Shakespeares Kunst in Deutschland pfleg ten, ist das Thema über das Professor Dr. Werner Deetjen aus Weimar am Montag den 19. bs. Mts. abends 8 Uhr hn Bürgerverein spricht. Herr Professor Deetjen ist als Fachmann, als Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, ein berufener Kenner dieser Frage, die alle Literaturfreunde interessieren dürfte.
Der Geist vom Potsdam.
Vorgestern Abend sprach im BUrgervereinssaale der rühmlichst bekannte Baltikumkämpfer, General Srafv. d. Goltz, über das gewiß zeitgemäße Thema „der Geist von Potsdam" Der General nahm eingangs seiner Rede die Gelegenheit wahr, der Reichsgründung am 18. öanuar 1871 zu gedenken. Sechshundert Pahre habe die deutsche Kaiserkrone geruht, bis sie die vereinigten deutschen Stämme dem greifen Preußenkönig nach dem siegreich beendeten deutsch-franzöfischen Kriege antrugen. Zwar hätte es nach dem Aussterben der Staufer noch weiterhin Kaifer gegeben, doch hätten diese keineswegs eine deutsche Politik getrieben. Erst der große Kurfürst aus dem Hause der Hohenzollern habe die wahrhaft deutsche Politik wieder ausgenommen. Ebenso wie fein glorreich. Nach- komme Friedrich 2. der in besonderem Maße den Geist von Potsdam verkörperte. Ein unbedingt zuverlässiges Beamtentum und ein starkes Heer, das waren die Säulen feines Staates. Wenn Deutschland wieder zur Weltgeltung gelangen wolle, dann müsse es diesen so oft geschmähten Geist wieder hochhalten und zu verwirklichen suchen. Wir dürften uns vor allem nicht herbeilassen, nachdem wir unsere Waffen den Feinden ausgeliefert haben, auch etwa wie es Clemenceau wünscht moralisch abrüften, d. h. den Gedanken ausgeben, jemals überhaupt wieder wehrhaft zu werden. Der General setzte sich sodann, da es leider nicht möglich sei, die Wehrpflicht wieder
e'nzuführen, für die ArbeitsdienftpftrHt ein und werrerym zur eine vernünftige unter.sehe ■ .:: d.cttg. &r nam ;oda..n aus das alte deutsche Erbübel, aus die Uneinigkeit zu sprechen, die uns schon so oft ins Unglück gestürzt hat. Die schwere Zeit müsse uns doch endlich zu einer Notgemeinschast zusammenschweißen, doch wir dürsten den Mut nicht verlieren gerade aus Erinnerung an unsere herrliche Vergangenheit müßten wir Krast und Zuversicht für die Zukunst schöpfen! Der Pessimist ist der einzige Mist auf dem nichts wächst!, wie Graf Luckner, der berüchtigte Seeteufel, sagt. Auch für uns würde einst eine günstige außenpolitische Lage kommen, die es uns ermöglichen würde, einen wirklichen Anfang zum Wiederaufstieg zu machen, und eine derartige Konstellation würde niemals von einer international orientierten Regierung ausge- nützt werden, sondern nur von einer nationalen. Die Parteien und Verbände sollen nur Mittel zum Zweck fein und nicht selbst Zweck. — Graf von der Goltz schloß feine Ausführungen damit, daß für jeden Deutschen „Deutschland über alles“ die Devise sein solle. K. Sch.
wb. Hanau, 17. San. Sm benachbarten Hüttengefäß wurde gestern Vormittag der 21 Sahre Waldarbeiter Philipp Müller beim Fällen einer Eiche erschlagen. Am Nachmittag fiel das dreijährige Töchterchen des Landwirts Säkob Zieg in Hüttengefäß in eine Saucbegnjbe-unb erstickte.
Das geplante Baralkenlager.
Zur Behebung der Wohnungsnot haben viele Städte Maßnahmen ergriffen, die je nach den örtlichen Verhältnissen verschieden waren. Einige Städte bauten Notwohnungen in Form von Siebelungen, d. h. sie stellten Ein- oder Zwei-Fami- lienhäuser hin, andere Städte wieder gaben Baulustigen Darlehen zu günstigem Zinssatz und behoben dadurch die Wohnungsnot in ganz beträchtlichem Maße. Wieder andere Orte ließen sich mehr von Sparsamkeitsrücksichten leiten und errichteten Holzbaracken in denen man, wenn auch nicht gerade komfortabel, so doch wenigstens in eigener Wohnung leben konnte.
Auch Fulda beabsichtigt etwas Aehnliches, d. h. die Errichtung einiger Baracken außerhalb der Stadt. Gedacht ist diese Anlage als eine Art Konzentrationslager derjenigen Familien, gegen die seitens ihrer jetzigen Hauswirte Räumungsurteile vorliegen, denen aber keine Ersatzwohnung in der Stadt bereitgestellt werden konnte.
Abgesehen von technischen Gesichtspunkten, die ja bekanntlich mit den finanziellen Hand in Hand gehen, kann man bezüglich der Errichtung von Holzbaracken verschiedener Auf-- faffung fein.
Maßgebend ist als erster Punkt die Tatsache, ob ein Barackenbau als dauernde oder nur vorübergehende Benutzung dienen soll. Obgleich die deutsche Holzindustrie in Konstruktion von Holzbauten, gezwungen durch die Notlage der Zeit Erstaunliches schuf, so ist doch ein solideres Bauwerk dem^Holz vorzuziehen. Man denke nur an die Errichtung kleiner Zwei- familien-Betonhäuser, die normalisiert in mindestens ebenso kurzer Zeit wie Holzbauten aufgeführt werden können, unb die — obwohl etwas teurer — jedenfalls den Vorteil der Dauerhaftigkeit in sich bergen. Da meistens die Notbauten erst dann in Angriff genommen werden, wenn die Zeit sehr drängt, so dürfte für solche Zwecke massive Steinbauten wohl kaum in Frage kommen; aber das sind schließlich Fragen von untergeordneter Bedeutung. Ein Punkt jedoch erfordert umso größere Aufmerksamkeit: es ist der, ob es überhaupt ratsam erscheint außerhalb der Stadt ein Barackenlager, oder besser ausgedrückt, Holzhäuser zu errichten, in denen eine ganz bestimmte Mieterkategorie vereinigt wird.
Ohne auf die örtliche Lage der geplanten Kolonie eingehen zu wollen, (es spielen da mit: Verbindung mit der Stabt, Kanalisation, Gas, elektr. Licht, Wasserleitung, leichtes Einfügen in die polizeiliche Nachtronde etc.), hat bereits die nachbarliche Anwohnerschaft eines Punktes, den man zur Errichtung eines Barackenlagers ins Auge faßte, bei dem Magistrat Protest über das Zufammenwohnenlaffen gewisser Mieterkreise erhoben. Es heißt in diesem Protest u. a., ba^in den Baracken Familien untergebracht werden sollen, gegen die Räumungsurteile vorliegen. Bekanntlich werden, abgesehen bei Nichtzahlung von Miete, solche Urteile nur erlassen, wenn irgendwelche Delikte vorliegen, z. B. Körperverletzung, schwere Belästigung des Vermieters, Kuppelei, Diebstahl oder ähnliche Dinge, und der Protest erwägt die zweifolios richtige Frage, ob es angebracht erscheine, solche Personen auf einen kleinen 2vaum zusammen zu bringen, die entschieden moralisch oder in ihren Neigungen aus dem Rahmen der Allgemeinheit herausfallen. Dadurch würden die jugendlichen F a m i l i e n a u g e h ö r i g e n von Personen, d i e durch die Notlage gezwungen find, in diesen Baracken zu wohnen (Nichtzahlung der Miete) zweifelsohne ) ittlichen Gefahren ausgesetzt. Die- ses e t h i f ch e Moment ist unbedingt das wichtigste; denn gerade ist in solchen abgelegenen Vierteln der polizeiliche Schutz nicht so, wie er in der Stabt fein kann, wo den patrouillierenden Beamten noch wachsame Bürgeraugen unterstützen. Abgesehen von den großen Kosten, die durch Anlage vorher er- wahnter Leitungen, Gas, Kanalisation usw. entstehen, wäre es sicherlich angebrachter, die Neubauten zu zerstreuen und sie an Orten zu errichten, die obenerwähnte Vorteile bereits haben.
. Die Ausdehnungsmöglichkeit Fuldas erstreckt sich jedoch bei genauer Betrachtung nicht nur auf die in den verschiedenen Projekten aufgeführten Richtungen, sondern das Naheliegendste wäre doch die Vergrößerung der Unterstadt. Hier bieten sich dem Baumeister so viele Möglichkeiten, sein Können zu zeigen, es ständen ihm so mannigfache Behandlungen dieser Aufgabe offen, daß er sicherlich mit Freuden an ein so interessantes Projekt herangehen wird.
Die Bedeutung der vorliegenden Siediungsfrage ist so groß daß sie nicht übers Knie abgebrochen werden darf. Man täte vielleicht gut, bei Beratung dieses durchgreifenden Entschlus-
IllTm stellen zu hören, vor allen Dingen aber die ftädti- Jcheii Körperschaften um ihre Meinung, bezw. Ansicht zu be- , l agen und nicht zu guterletzt — gerade in Würdigung der erwähnten ethischen Momente — auf das Urteil geeigneter Personen gänzlich zu verzichten.
Obgleich die LNaßnahme zur Errichtung von Wohnstätten gewiß dringend notwendig ist, so sollte man doch weniger Wert auf eine schnelle Bauart legen, sondern vielmehr fein Hauptaugenmerk darauf richten, daß man etwas schafft, was nicht nur vorübergehenden — vielleicht sogar zweifelhaften — Wert hat.