Orient und Okzident.
Türkischer Brief.
(Von unserem Korrespondenten.)
Angora, den 15. Dezember 1925.
Wir leben hier in der Hauptstadt des alten Landes, an dessen Bewohner, die Galater, der Apostel Paulus die berühmte Epistel schrieb, wo es Kapitel 5 Bers 15 heißt: „So ihr euch aber unter einander beisset und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht untereinander verzehret werdet". Dieses Wort könnte man auch heute den Bewohnern der RcgierungspalLste von Angora ins Stammbuch schreiben. Es war allerdings ein richtiger Gedanke von Kemal Pascha, den Schwerpunkt des türkischen Rumpfreiches von Konstantinopel weg in eine Stadt Anatoliens zu verlegen, aber nur aus der Rot der Heit des Griechenkrieges läßt es sich erklären, daß man als Reichshauptstadt einen so weit im önnern und so fern von guten Verbindungen gelegenen Ort wie Angora gewählt hat. Es herrschen Verhältnisse von äußerster Ursprünglichkeit, verschärft durch die heute über den ganzen Erdball verbreitete Wohnungsnot, und das trägt natürlich nicht zum Frieden unter den Regierenden und unter den Regierten bei.
Wie es einst in Konstantinopel war, es kreuzen sich auch heute in Angora die verschiedenartigsten Einflüsse: der englische, russische, französische, italienische. Uebt auch Deutschland heute in Angora Einfluß aus? Amtlich natürlich gar nicht, aber die deutsche Schwerindustrie, die Unternehmungen für Eisenbahnbau und Elektrizität haben hier ihre Gesandten. Das nationaltllrkische Element, vertreten durch Kemal und ösmet, führt zwischen allen diesen Einflüssen einen zähen Kampf, um sich zu erhalten. Run ist das „nationaltürkische", seitdem es in der Türkei zum Bewußtsein gekommen ist, keineswegs mehr so stark wie in der alten Türkei. ön den klassifchen'Heiten des großen Reiches sprach man nicht von ottomannischen Staatsbewußtsein. Hauptstadt und Provinzen lebten in einer märchenhaften, aber lebendigen „anarchistischen Autonomie", in der sich die verschiedenartigsten Rassen und Religionen dennoch wohl fühlen. Man fühlte über allem die starke Hand, die die Hügel sehr lässig hielt, sie aber doch, wenn es einmal nötig wurde, straff bis zur Schmerzhaftigkeit anzog. Sn solchen Krisenzeiten war es freilich nicht angenehm in der Türkei zu leben — namentlich wenn man zu den Schmerzens- und Prügelklindern des Reiches gehörte — Armeniern und Griechen. Aber in friedl icyen Perioden lebten die Untertanen von Abdul Medschid und Abdul Asis ziemlich ungeschoren. Das heutige türkische Staatswesen kennt diese Duldsamkeit nicht mehr. Man will den Menschen durchaus ottomonnisches Staatsbewußtsein beibringen. Angora fühlt sich, mutatis mutanbis, wie ein türkisches Potsdam. Der orientalische Frieden entweicht. Alan findet ihn nur noch in ein paar uralten Kaffeehäusern — und oas ist schade.
Die heutige Regierung muß vor allem daran denken, -ihre Haupt,lädt zu einem Verkehrszentrum zu machen. Man ist eifrig beschäftigt mit dem Bau von Eisenbahnen. Hunächst will man Angora mit den am Schwarzen Meer liegendem Häfen Samsun und Eregli verbinden. Angora selbst kann ja einige Ausfuhrgüter liefern und in zwei Erzeugnissen steht es sogar ohne Konkurrenz in der Welt da: Meerschaum und Kamelwolle. Die Meerschaumgruben sind sehr ergiebig, die weiße feine Masse, aus der die Pfeifenköpfe geschnitten und gedreht werden, geht zum großen Teil nach Deutschland. Hum Meerschaum gehört der Bernestin u. der ist durch eine besondere Gnade der Aatur deutsches Monopol, so daß hier „Orient und Okzioent nicht mehr sind zu trennen“.- Die feine seidenartige Kamelwolle kommt von dm ungeheuren Hiegenherden, die auf den trockenen Hochplateaus in der ALhe von Angora von den kargen, aber aromatischen Gräsern leben. Merkwürdigerweise werden in diesem Klima und auf diesem Boden die Haare der Vierfüßler weich und seidig: Richt nur die der Hiegen sondern auch -er Katzen, Hunde und Kaninchen. Die letzteren liefern das berühmte Seidenhasenhaar, aus dem man in Europa die feinsten Filzhüte macht.
An der Strecke Angora-Samsun, die nach dem Sintern durch die Strecke Angora-Siwas — in der Richtung auf Persien zu — ergänzt wird, bauen auch deutsche Firmen. Das Eisenbahnwesen in der Türkei trägt noch immer deutsche Prägung. Ein hübsches Heugnis davon ist das türkisch-deutsche Wort Fertikdschi (Schaffner), das nichts anderes ist als eine Türkisierung des deutschen „Fertig". Die ersten Schaffner waren Deutsche oder von diesen angelernte Türken. Als man diese ihr geheimnisvolles „Fertig" rufen hörte, schuf die sprach- bildeitde Kraft des Volkes den „Fertikdschi", den Fertigmacher, wie zum Kaffee der Kaffeedschi, der Kaffeehauswirt, gehört. Der Fertidkschi ist also geblieben, aber es wird jetzt von der Regierung mit großer Strenge darauf gehalten, daß alle Fer- hWcbi richtige Nationaltürken sind. Die alte orientalische Gemütlichkeit verschwindet. Man hört nicht mehr so oft wie früher das ergebene „Sndschallah" — „wenn Gott will". Es heißt jetzt „wenn Kemal will" . . .
Memento.
Erzählung von Sulius Knopf-Berlin.
Ein heißer Sommertag, der sich mählich zu Ende neigte. Die Sonne, deren spitze Flammenpfeile sengend herniederge- schossen waren, verschwand hinter den Bergen. Sch mußte nach meiner zehnstündigen Wanderung durch herrliche Waldungen an ein Nachtquartier denken. Die Ehaussee ging steilan und auf der Höhe sah ich das nächste Dorf mir zu Füßen liegen. Ehe ich es erreichte, kam ich an einem einsamen Gasthause vorbei. Hier wollte ich die müden Glieder bis zum nächsten Morgen ruhen. Sch sah auf das Schild des bescheidenen Hauses. „Gasthof zum Neunfinger" stand darauf. Und zur Sllustvierung des seltsamen Ramens waren zwei Hände auf- gemalt; der rechten fehlte der kleine Finger, und der Stumpf des Singers war knallrot angestrichen. Dieser Farbenkleks schien so etwas wie eine Blutspur andeuten zu sollen.
Das Schild machte allerdings keinen anheimelnden Eindruck, aber im Innern des Gasthauses sah es so blitzsauber aus, daß ich mich bald heimisch fühlte.
Sch war der einzige Gast. Abends saß ich in dem kleinen Schankzimmer bei meinem Schöpple „Weißen", und der Vater des abwesenden Wirtes leistete mir Gesellschaft. Ein mumienhaft anmutender Greis, in dessen zerknittertem, einge- schrumpften Gesicht nur noch die lebhaften, listigen Augen das Leben kündeten.
Ein geschwätziger Alter, der mich über das Woher und Wohin der Fahrt weidlich ausfragte.
. Eine Pause im Gespräch. Sch benutzte sie, um nun selbst meine Neugier zu befriedigen. „Sagen Sie, alter Herr, was hat das eigentlich für eine Bewandtnis mit Shrem Wirtshaus- schild da draußen? Warum fehlt der kleine Finger an der rechten Hand? Und warum zeigt der Stumpf diese gruselige Blutspur?"
Der Greis lächelte, halb verschmitzt, halb verlegen, und schwieg. Doch als ich zwei neue Schoppen dieses herben Weißen anfahren ließ und wir uns zutranken, gab er die erbetene Auskunft.
„Sehen Sie, Herr, dieses Gasthaus gehört meiner Fami- milie schon seit undenklichen Heften, es vererbte sich vom Vater auf den ältesten Sohn und immer so weiter. Wir sind ein ehrlicher Schlag, wie alle hier in der Gegend, und brave Leute haben allezeit diesen Gasthof ebwirtschaftet. Nur einer machte eine Ausnahme, Gottlieb August hieß er mit Vornamen, und es mögen an die zweihundert Sahre her sein, daß er gelebt hat. Unsere Leute wissen manches Schlechte noch heutzutage von ihm zu erzählen."
„Sa, aber der fehlende Finger?" fiel ich ungeduldig ein.
„Warten Sie nur, das sollen Sie gleich hören. Kam da an einem heißen Sommertage, so wie heute, ein Wanderbursch des Wegs, so wie Sie, und begehrte Hehrung und Nachtlager, auch so wie Sie. Was ihm Gottlieb August natürlich gewährte. Der Bursch schien ihm aus gutem Bürgerhause, denn als er sein Ränzel öffnete, erwies es sich als wohlgefüllt, und
auch in dem ledernen Geldbeutel klimperten lustig bie
Herlinge. '
Der Gesell stärkte sich mit Butterbrot und Bier und k sich endlich, als der Abend gekommen war, auf das ihm bei9 c tete Streulager. Sanft und fest schlief er ,doch als er andern Morgen die Heche begleichen und weiter wandern wol? te, suchte er in seinem Ränzel vergeblich nach dem ledern ~ Beutel mit den Silberlingen. Da klagte der arme Burs?" unserm Gottlieb August jammernd seinen Verlust, doch Vorfahr schimpfte und nannte ihn einen Gauner und Spitzbi den, der ihn um die Heche betrügen wollte, und schließlich nQL er ihm Rock und Hut, um sich wenigstens einigermaßen bezahlt zu machen. So jagte er ihn zum Wirtshaus hinaus
Traurig wanderte der betrogene, arme Bursche in glühenden Sonne auf der Ehaussee, ohne zu wissen, was er nun anfangen solle. Kein Geld, kein Hut, nicht einmal einen %>tk auf den, Leibe — was konnte es Schlimmeres geben?! Da kam eine Reiterschar dahergejagt, und der an der Spitze ritt hielt sein Roß an, als er den sonderbaren Wanderer erblickte’ Leutselig fragte er ihn, was ihm denn eigentlich passiert sei, der Bursche erzählte ihm von dem Unglück, das ihm widerfahren. JDa rief der Fürst, denn dieses war der Reiter, in gerechtem Horn: „So komm mit mir zum Wirt zurück, dein soll dir werden!"
Als Gottlieb August den Fürsten samt Gefolge mit ^ Wanderburschen ankommen sah, bekam er natürlich ej^ furchtbaren Schreck. Aber er faßte sich schnell, machte liim tiefen Bückling und hieß den hohen Hrern willkommen. ^ der Fürst fuhr ihn an: „Wo hast du das Geld? Gib den^ derbeutel heraus, den du dem armen Menschen gestohlen HM"
Natürlich drehte der schlaue Gottlieb August den Spieß W und meinte, daß dieser Bursch ein Landstreicher und Hech. Preller sei, der nicht einen roten Heller bei sich gehabt habe. Und den schäbigen Hut und den abgetragenen Nock wolle er dem Kerl wiedergeben, denn dafür bezahle doch keiner was.
Der Fürst aber ließ sich nicht verblüffen. Er befahl seinen Leuten, das Haus zu durchsuchen, und wirklich kamen sie nach einiger Heit mit der gefüllten Geldkatze zurück. Als der Bursche sie erblickte, rief er frohlockend:
„Das ist ja mein Beutel! Das ist ja mein -Geld!"
6r wollte den Lederbeutel glückselig wieder an sich nehmen, doch der kluge Fürst hinderte ihn daran und sagte:
„Erst muß ich Beweise haben, daß er dir gehört."
„Mein Hecktaler ist darin, den mir meine Mutter mit auf den Weg gegeben hat. Und seine Zuschrift lautet: „Gott mit Dir! Bleib' fromm und halte Dich recht!"
Man untersuchte den Beutel und sah, daß es stimmte. Zitternd warf sich mein Ahne vor dem Fürsten auf die Knie und gestand, daß er, von Habsucht getrieben, den Beutel gestohlen hatte, als der Bursche schlief. Flehend bat er um Gnade.
Aber der Fürst, ein rauher Sohn seiner Heit, ließ den Frevler ergreifen und ihm zur Strafe von der rechten HM den kleinen Finger abhacken. „So soll es allen ergehen", lief er -damals verkünden, „die sich am Eigentum ihres Nächsten vergreifen."
Gottlieb August blieb in Freiheit und auch fein Eigentum wurde ihm nicht genommen. Doch zum Wahrzeichen seiner Gerechtigkeit ließ der Fürst ’ vor â neuer Schild anbringen,' ätrf dem sich zwei, Hède -b^WW^dbr: nur mit neun Fingern. Der rote Fleck am Stumpf des zehnten Fingers kündete die Blutfpur. Und seitdem heißt unser Haus das Gasthaus „Hum Neunfinger". Den Stumpf aber lassen wir von Heft zu Zeit immer wieder rot anstreichen, zur Erinnerung und zur Mahnung."
Der Alte hatte seine Erzählung beende^ er sann ein Weilchen über diese Historie aus der Vergangenheit seiner Familie nach und verabschiedete sich, nicht ohne- daß er zuvor sein Glas Wein gewissenhaft ausgetrunken.
Sch aber dachte mir so im Stillen: Wie glücklich ist doch unsere Heft und wieviel besser sind manche Menschen daran! Wenn heutzutage jedem Heitgenossen für eine Gaunerei «in Finger abgeschlagen würde — wie viel fingerlose Menschen gäbe es auf der Welt!
Mr kleine Limskss
Fred Andersens Höllenfahrt
Roman v. Otfried von Hanstein.
(36. Fortsetzung).
Wie doch der Mertsch ist! Sch kannte die Höhlung nicht. Mußte nicht, wie tief sie binunterging. Wußte nicht, ob es uns möglich sein würde, hinabzuko-mmen, und konnte natürlich letzt im Dunkel der Nacht nichts versuchen, aber diese neue Hoffnung richtete mich auf. 2ch beschloß, auf alle Fälle am nächsten Morgen zuerst die Höhle zu untersuchen. Hum Glück - hatte ich ja wenigstens einen sehr langen Leb erlasso bei mir, ber im Kahne gelegen und mit dem ich d'uHen damals an die ; Ruder gebunden.
Sch kehrte in unser Häuschen zurück. Limokoa schlief ruhig und fest und ich streckte mich neben sie. Während ich immer wieder die verschiedenen Möglichkeiten erwog, in die Höhle zu kommen, .überfiel mich der Schlaf.
Limokoa weckte mich auf. 2hr Gesicht war von Angst ent- > stellt. Waren etwa schon Feinde heraufgekommen?
„Was ist los?"
„Die Fische sind tot!“
„Welche Fische?"
2ch mußte mich erst besinnen.
„Sm Teich!"
2ch sprang auf und eilte hinaus. Draußen war alles weiß. Oanj leiser Qchnee rieselte Hernieder.
Limokoa faßte ängstlich meine Hand.
„Der Winter kommt und die Fische sind tot!“
Sch lief mit -ihr zum Teich. 2n Mengen schwammen die toten Tiere an der Oberfläche des übervollen Beckens. Noch waren nicht alle tot. Noch mischten sich Lebende den Toten, aber auch sie waren matt.
Scb verstand sofort. Eine Menge Süßwasfer, das der Wolkenbruch in dieser Nacht heragebracht, das in Fällen von der Rändern geflossen, hatte den halbvollen Salzwassersee bis an den Rand gefüllt und in dieser anderen Husammenfetzung konnten die Seefische nicht leben.
2ch suchte es Limokoa zu erklären und sie nickte.
„Können wir nichts tun, sie zu retten?"
„Nichts, und täglich wird neuer Regen kommen."
Wir hatten ja nicht an den Winter gedacht. Aber zum Glück schien heute die Sonne.
-Setzt galt es zunächst das nächste.
„Wir müssen von den noch Lebenden die größten stechen und sie an der Sonne trocknen."
Das verstand Limokoa sofort und wir gingen an das Werk. Wir mußten ja Lebensmittel haben, ön jedem Falle, auch wenn wir auf die Wanderung gingen, und jetzt map es noch leicht. Limokoa verstand das Geschäft, denn auch die Sndia- ner übten es.
Bald glich die Umgebung des Sees einem blutigen Schlachtfeld. Wir erstachen Fisch auf Fisch. Währenddessen nahm Limokoa sie aus und schnitt sie in' Streifen. Wir breiteten sie j auf den Seifen aus und freuten uns heute darüber, daß die Sonne herniederbrannte, sie uns zu dörren. Wir ^nutzten den ganzen Tag arbeiten und gönnten uns kaum Heit, etwas zu essen. Zwar hatte das -Schneien aufgeh'ört, aber oben, an den Rändern, an den Felshörnern u. auf den höheren Schräg- flächen war der Schnee liegen geblieben. Rein und weiß, wie verzuckert sahen die Strecken aus, aber sie bargen neue Gefahr. Der Zelsboden unten war noch heiß. Wurde auch von den heißen Quellen gewärmt. Oben aber herrschten jetzt bald natürlich die Herbststürme. Wenn es weiter schneite, und das war sicher, mußten die Schneemassen in gewaltigen Lawinen zu Tal geben.
Gegen Abend sammelten wir, was an Fischfleisch schon vollkommen trocken war und stapelten es neben unserem Hause auf. Anderes hing noch in schmalen Streifen an unserem Las- T°» um während der Nacht zu trocknen, und wieder anderes lag auf den Felsen. Wir hatten eine große Menge Zischfleisch. Mehr als wir nach menschlicher Voraussicht während der Wintermonate essen konnten, aber wer konnte wissen, was uns bevorstand, und es war an diesem Tage so leicht, die matten Tiere zu fangen. Eine Grausamkeit war es auch nicht, denn sie waren ja so wie so alle dem Tode geweiht und es waren herrliche große Tiere.
öd) dachte daran, daß es ja nicht unmöglich sei, daß wir mit den getrockneten Fischen irgendwelchen Menschen, die uns helfen mußten, einen Dienst erweisen konnten.
Müde saßen wir am Abend in unserer Hütte. Es regnete draußen wieder. Anscheinend war die Luft noch einmal wärmer
-geworden, denn es war Regen und nicht Schnee,, der herab- kam.
Ein ängstliches Gefühl war in (meiner Brust. Limokoa war sehr müde von der gewültigen. Tagesarbeit und ich hatte ihr das meiste derselben überlassen -müssen, weil sie es verstaub mrd ich nicht. Sie schmiegte sich an -mich und ich hatte sie umfangen, streichelte ihre müden, lieben ‘Urme, sie küßte mich leise und zärtlich. Noch immer war sie so scheu, wenn sie mich liebkoste, als müsse sie demütig abroarten, bis ich selbst es beliebte^. }ärt* lieb, zu sein. —
Wüßte sie, wie wohl mir ihre stille, innige Liebe tat! te sie; wie ich an diesem Abend um uns beide besorgt roarM ön der Nacht kam ein furchtbarer Donner. Kein DouM wie ihn die Gewitter hervorriefen. E-u leises, dann iE stärker iroerbenbes Rollen, dann ein furchtbarer Auf-sh^S» gar nicht weit von uttserer-Hütte, und gleichzeitig ein Bechen und Brechen.
Während des Schlages -bebte unter uns der Boden.
Limökoa war aus -dem Schlaf gefahren. ■
„Ein Erdstoß".
„Rom, eine Lawine."
Lch mußte ihr erst erklären, was dar war, denn M1’5 Wort war in unseren Sprachstudien noch nicht vorigeikoto®?r,_
■ Endlich wurde es Morgen. Sch trat hinaus. Uns über war auf derselben Höhe wie wir, lag der Fischtiimpe. Auf unserer Seite, in derselben Höhe und nur fünfzig von dem alten Schiffe, das Süßwassevbeck-en und dazw'istb^ war der unregelmäßige, tiefste Kessel, in dem, noch dreißig O"1'- ter tiefer als wir waren, das schwarze Loch gähnte, -das unsere Rettung werden mußte. Sch sah mit einem daß ein -Aufstieg setzt vollkommen ausgeschlossen war. öchn^ weiß war die ganze obere Hälfte des Seekessels. Große Eis zapfen hingen wie Riesenbärte, dort, wo der Bach Herme ^ kam und überall, wo der Abhang oben überstand. Hinter unserer Hütte -lag die Lawine. Sie hatte von oben schwarz Erde. Baumstämme und Sträucher mit sich herabgerissen. E'" paar lange, schlanke Stämme tagen gar nicht weit von unserem Hause und waren nicht einmal ^erbrochen. Hätten sie die Hütte getroffen, sie hätten uns trotz ihrer nicht dicken Staw" me durch die Wucht ihres Falles zerschmettert.
(Fortsetzung folgt.)