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Mittwoch, den 14. Satin ar 1925.
Hessische Morgenzeitung.
Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstrafte 44.
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Was muß man vom Rundfunk wissen
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Als Träger der Sendungen beim Rundfunk werden die ^erkschen Wellen benutzt; es ist also der ganze Weltfunk auf- gebaut auf einer deutschn Entdeckung. Wir Deutschen hätten daher am allerwenigsten Ursache, eine Anleihe bei fremden Völkern zu machen, wenn es sich darum handelt, neue Ausdrücke für Schaltungen und Apparate der Funkerei zu finden. Trotz dieser Tatsache finden wir in Zeitungen, Fachzeitschriften und -büchern immer neue Fremdworts, die kritiklos aus der Auslandspresse übernommen sind, ohne daß überhaupt der Versuch einer Verdeutschung unternommen worden ist. Es soll hier nicht für das wilde „Darauflosübersetzen" eingetreten sondern nur darauf hingewiesen werden, daß einige gut deutsche „Radio-Engineers" (Sunk-Öngenieure) nach dem Rezept arbeiten, eine Arbeit erhält erst dann wissenschaftlichen Anstrich wenn sie mit recht vielen Fremdwörtern „gewürzt" ist. Da die grofte Masse der Rundfunkteilnehmr als Sachzeitschriftenleser sich mit dieser Erscheinung abfinden muß, sollen die am Häu- figsstn vorkommenden, aber trotzdem weniger bekannten Fremdwörter in ihrer Bedeutung kurz beleuchtet werden.
Die hohen Kosten für den Heizstrom halten viel Funk- freunde von dem Uebergang vom Detektor- zum Röhrenempfang ab; die Industrie hat deshalb in letzter Zeit Röhren mit niederem Heizstrom herausgebracht, die wir als Sparröhren bezeichnen. Handelt es sich um eine Thoriumlampe, so liest man oft den Damen „Dullemitte" oder Rotglutstrahler. Statt Honigwabenspule schreibt man „vornehmer" Honegcomb-coil. Hörfrequenz versteht ja jeder öunge, deshalb wird dafür lieber Audiofrequen; gesetzt. Allgemein bekannt geworden ist schon die Bezeichnung Audionschaltung für Gittergleichrichterschal- tung. Enthält die Empfangsanordnung eine Rückkopplungs- spule zur Rückführung der Energie aus dem Anodenkreis einer Röhre in die Antenne oder einen Sperrkreis, so spricht man von einem Ultraaudion. Statt der deutschen Ausdrücke „Ueber- und Doppelrückkoppelung" verwendet man „besser" die Zusammenstellung Super-Regenerativ. Beliebt sind in der letzten Zeit die Doppelverstärkungsschaltungen geworden. Eine einzige Röhre wird zusammen, mit einem dahinter geschalteten Detektor zunächst als Hochfrequenz, dann, nach Gleichrichtung der „Radiofrequenz" (Hochfrequenz) durch einen Detektor, als Diederftequenzverstärker benutzt. Statt von Doppelverstär- Kungs- wird von Reflexschaltungen gesprochen. Bekannt ist die Tatsache, daß die geringe Kapazität zwischen Sitter und Anode der Empfangsröhren (10—20 Zentimeter) manchmal schon genügt, um aus der Anordnung ein schwingendes Gebilde zu machen. Diese oft mit starken Ltörungserscheinungen verbundene Selbsterregung, die zumal bei Kaskadenschaltung die Apparate zum Pfeifen bringen kann und häufig Auto- byne genannt wird, muß durch Anwendung sogenannter Aus- gleichschaltungen vermieden werden. Die bekanntesten der Neutrodynschaltungen stammen von Hazeltine und Scott-Taggert. Fm Gegensatz hierzu versteht man unter Heterodgnem- pfang den Uekerlagerungsempfang, der ;. Verstärkung, Stör- befreiung u. Hörbarmachung der Hochfrequenz dient. Die Bedeutung des Wortes „Superbeterobyne“ ist nach dem oben Gesagten ohne weiteres verständlich. Interessant ist übrigens, daft diese "DoppelUberlagerung" schon im Fahre 1913 dem Grafen Arco patentiert wurde. Diese Schaltung ist späterhin weiteren vier verschiedenen Erfindern nacheinander patentiert worden.
Während Pliotron eine Gitterröhre bedeutet, bezeichnet man mit Dgnatron eine spezielle amerikanische Schwingröhre. Das merkwürdigste beim Dynatron ist das Auftreten sogenannter Hekundär-Elektronen an denjenigen Stellen, auf die die Primärelektronen mit grofter Wucht auftreffen. Eins der letzteren soll imstande sein, beim einmaligen Aufprall bis zu 50 Sekundärelsktronen freizumachen. Fügt man zwischen Heizfaden und Anode beim Dynatron noch eine Lteuerelektrode (Gitter) ein, so hat man das Pliodgnatron erhalten, das in sich vereinigt die Wirkungen des Pliotrons und des Hetero- byns. Für Sendezwecke werden Gleichrichter gröfterer Leistung gebraucht; sind dieselben mit Argon oder Helium gefüllt, so spricht man von Edelgas-Gleichrichtern; zum Zweck der Gleich richtung gebaute luftleere Glasgefäfte führen den Namen Hochvakuumgleichrichter. Für die Ldelgasgleichrichter liest man oft den Ausdruck „Tungar", während noch häufiger der Hochoa- Kuumgleichrichter als „Kenotron" bezeichnen wird.
Nutzt oder schadet der Rundfunk den Kunststütten?
Man hat schon öfter mit allerhand Berechnungen und Begründungen den etwas gewagten Versuch gemacht, den Rundfunk als dem Theater- und Konzertbesuch abträgig hinzustellen. Dabei sollte jedoch nie vergessen werden, daß eine ganze Anzahl gleichzeitiger Ursachen — meist wirtschaftlicher Natur, vielleicht aber auch in Verbindung mit einer Seschmacksumstellung — für sich allein bewertet, zu derselben Erscheinung führen bürstet Wie es in Wahrheit mit dem so scheelen Auges betrachteten Wettbewerb aussieht, kann uns ein Beispiel in Lng- 'lang lehren, einem Lande, das uns sicherlich in der Ausbreitung und Volkstümlichkeit des Rundfunks noch übertrifft, in London wurde neulich am Königlichen Theater ein musikalisches Lustspiel „Patricia" gegeben, und hierbei ein Akt von der Bühne aus auf den Rundfunksender übertragen. Diese Verbreitung durch den Rundfunk hatte den überraschenden Erfolg, daft sogleich in den nächsten Tagen über 1000 Karten mehr als sonst im Vorverkauf bestellt wurdenl Die Vühnenleitung wird aus dieser Wahrnehmung entsprechende Nutzanwendungen ziehen.
Nicht nur die Theater gewinnen dabei; für die Konzerte kann man dasselbe behaupten. Eine gleichfalls in London aufgestellte Statistik beweist, daft der Besuch der klassischen und Sgmphoniekonzerte über Erwarten zugenommen hat und im Gegensatz zu früheren Fahren auffallenden Zustrom von Seiten derjenigen Volksschichten erhält, denen man vordem das interesse an solchen Darbietungen nicht zugetraut hätte. Es wird daher rundweg behauptet, daft die jahrelange Erziehung zur Kunst durch den Rundfunk jetzt anfängt, die erhoffte Wirkung zu zeigen. — Seltsam wäre es, wenn bei unserem, an sich so kunstliebenden Volkscharakter die Dinge anders liegen sollten. Aber vielleicht ist der Rundfunk in Deutschland noch nicht alt genug um mit so deutlichen Erfolgen heroorzutreten — das könnte freilich erst dieser Winter zeigen —, ober mit anderen Worten: es ist noch der erste Reiz des Neuartigen, der möglicherweise dem Heimempfang den Vorzug vor Theater- und Konzertbesuch gibt. Um hierüber ein treffender Urteil zu haben, sollte man eigentlich einmal sachgemäß aufzeichnen lassen, welche Bewegungslinien die Besuchszahl in der diesjährigen Winterspielzeit durchläuft und wieweit diese Aufzeichnungen mit den Rundfunkdarbietungen desselben Zeitraums in Zusammenhang gebracht werden können. Besondere Beobachtungspunkte würden dabei die Fälle abgeben, wo Opern- und überhaupt BUHnenübertragungen (besonders etwa von Erstaufführungen) stattfinden, und nebenher, welche Spielpläne ober welche Arten von Kunststätten (vielleicht auch rein örtlich, b. h. nach ihrer Lage betrachtet) besonders auffällige Bewegungen in der Besuchsziffer erkennen lassen.
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Xir^er-Ludwig
Fulda.
Sie erste drahtlose Bilderübertragung über den Ozean.
Von der Marconigesellschaft in London und der Radio Corporation of America in Aewgork wurden kürzlich interessante Versuche mit drahtloser Bildübertragung zwischen den beiden Hauptstädten beider Länder Dorgenommen, bei denen es nach Berichten der englischen und amerikanischen Presse zum ersten Male gelungen sein soll, Photographien mit Hilfe der drahtlosen Wellen in brauchbarer iorm über den Atlantischen Ozean zu übertragen.
Die Uebermittlung der Bilder vom Einlegen des Negativs in den Sendeapparat bis zur vollständigen Wiedergabe des Bildes am Empfangsorte dauerte etwa 20 Minuten. Die zur Übertragung benutzten bereits am Abgangsorte verstärkten Stromimpulse wurden bei ihrem Eintreffen in der Empfangssäle der Radio Corporation in Long island nochmals verstärkt und dann über Landleitungen nach Newgork weitergeleitet. Zur Uebermittlung gelangte neben Photographien des englischen Königspaares, des Präsidenten der Vereinigten Staaten und anderer bekannter Persönlichkeiten, auch eine Aufnahme von den Sportkämpfen der Universität Cambribge.
Wenn die übermittelten Bilder auch noch nicht in allen Teilen als vollendet angesehen werden können, so sollen siie doch schon einen solchen Grad von Vollkommenheit erreicht haben, daft die dargestellten Persönlichkeiten deutlich erkennbar waren. Die Veranstalter der Versuche hoffen, das Verfahren in allernächster Zeit so verbessern zu können, daft es auch für praktische Zwecke verwendet werden kann. Zunächst will man die Bildtelegraphie dazu benutzen, den großen Zeitungen jenseits des Ozeans Abbildungen wichtiger Tagesereignisse zu übermitteln. Außerdem sollen sie aber auch für Wirtschafts- Handels- und ähnliche Zwecke, ;. B. für Uebertragung wichtiger Unterschriften, Bankschecks u. a. Verwendung finden. Wenn es auch schon vor Fahren möglich war, Bilder auf Drahtleitungen oder mit Hilfe der drahtlosen Wellen von einem zum andern Ort übertragen, so stellen die jetzigen Vorführungen doch den ersten Versuch dar, das Verfahren auch zwischen weit voneinander entfernten durch Weltmeere getrennten Ländern anzuwenden.
Die Zukunstsmöglichkeiten des Radios.
(dt.) Marconi hat geäußert, daß Radio noch in den Kinderschuhen stecke und daß die eigentliche Radioentwicklung noch nicht begonnen habe. Die kommenden Fahrzehnte werden zweifellos eine revolutionierende Entwickelung bringen, die auf viele Weise unser ganzes Leben verändern wird. Wir wollen versuchen, einen Zipfel des Schleiers zu lüften, der die Zukunft des Radios verhüllt.
Es ist uns bereits gelungen, eine Mitteilung in dem siebenten Teil einer Sekunde um die Erde zu senden. Aber jetzt möchten wir noch die Person sehen, mit der wir zu tun haben, — das Fernsehen ist daher einer der großen technischen Fortschritte, die die nahe Zukunft in ihrem Schoße trägt. Schon vor mehreren Fahren ist es gelungen, in einer Entfernung von mehreren Meilen mit Hilfe eines gewöhnlichen Telephondrahtes einen Fernseher zu etablieren, vor kurzem hat man es auch mit Hilfe des Radio möglich gemacht. Das Fernsehen wird unser tägliches Leben sehr wesentlich verändern. Wir werden imstande sein, von unserm Heim aus die Begebenheiten zu verfolgen, an denen wir teilnehmen möchten, und unsere ganze Arbeit wird sich in viel stärkerem Maße konzentrieren können ohne Zeitverlust durch Reisen. Die Vollkommenheit der Verkehrsmittel ist einer der Ecksteine der Zivilisation. Die Dorf-! schulen können mit den Universitäten der Großstädte in Verbindung gebracht werden, so daß allen der Zugang zu der kostspieligen Ausbildung ermöglicht wird. Dann wird bas Wort wahr: „Sreie Bahn dem Tüchtigen 1“
Zu Beginn dieses Fahrhunderis machte der berühmte Daus Bald. Poulsen Versuche mit Fernsteuern, indem er von seiner Versuchsstation am Bagsvaerdsee ein im See liegendes Boot mit Hilfe von Radiowellen steuerte. Später sind von den Radiotechnikern der ganzen Welt mancherlei Versuche in dieser Richtung gemacht worden, und es ist jetzt gelungen, sowohl große Schiffe als auch Flugzeuge mit Hilfe der Aetherwellen zu steuern. Noch sind die angewendeten Methoden nicht vollkommen, aber auch hier wird die nächste Zukunft eine Lösung bringen. Die Bedeutung dieser Erfindung für unsere Trans- portverhältnisse liegt auf der Hand. Flugzeuge ohne Führer, die mit leichten kleinen Maschinen ausgerüstet sind, können in sehr große Höhen emporgesteuert werden, wo der Luftwiderstand gering ist und daher sehr große Geschwindigkeiten erreicht werden können. Postsendungen können also mit Hilfe dieser kleinen Flugzeuge mit größter Geschwindigkeit in alle Weltteile verschickt werden. Man wird bei Nacht und im dichtesten Nebel ebenso sicher fahren können wie beim hellsten Tageslicht.
Eine interessante Nadioentwickelung ist auch auf dem Gebiet der Uebermittefung von Photographien durch Radio zu erwarten. Fn wenigen Fahren wird der Radiotelegraph von der Presse allgemein angswendet werden. Die großen Zeitungen werden von allen Enden der Welt Photographien durch Radio bekommen.
Ein Gebiet, dem die Radiotechniker im Augenblick sehr große Aufmerksamkeit zuwenden, ist die Kraftübertragung durch Radio. Das Radiolicht ist das Licht der Zukunft. Alle Häuser, Fabriken usw. werden ihr Licht durch Radio bekommen, und die Maschinen in den Fabriken, die Straßenbahnen, die Autos usw. werden auf gleiche Weise die nötige Kraft zugeführt erhalten.
Das Radioschreiben wird in Zukunft etwas mehr Tempo in das Geschäftsleben bringen. Zunächst wird der Geschäftsmann imstande sein, nicht nur andere durch Radio zu sehen und mit ihnen zu sprechen, sondern ihnen auch durch Radio zu schreiben. Dokumente können auf diese Weise unterschrieben werden und manche Reise wird unnötig. Technisch gesehen ist das bereits heute möglich, aber die angewendeten Apparate sind noch nicht einfach genug, um die Verwendung allgemein zu machen
Die Rundfunksender Europas.
Fauuar 1925.
Wellenlänge Rufzeichen
Sendestelle
263
SBR
Brüssel
280
—
Dresden (Zw. S.)
292
•—1
Lasset (Zw. S.)
296
—
Hannover (Zw. 5.)
300
—
Agen (Lot et Garonne)
301
bFL
Sheftield (Zw. 5.)
306
65 C
Stoke-on-Trent (Zw. 5.)
310
225
Bradford (Zw. 5.)
315
bLV
Liverpol (Zw. S.)
318
5592
Swansea (Zw. S.)
322
5NS
Nottingham (Zw. S.)
325
2EH
Edinburgh (Zw. S.
328
EA11
Barcelona
330
—
Bremen (Zw. 5.)
331
2DE
Dundee (Zw. 5.)
335
5PA
Plgmouth (Zw. S.)
335
6KH
Hull (Zw. S.)
335
EA12
Madrid (Radio Espana)
340
——
Dürnberg (Zw. S.)
346
225
Leeds (Zw. 5.)
346
——
2e Petit Parisien, Paris
350
——
Pic-du-Midl (Frankreich)
350
EA15
Sevilla
351
5WA
Carbiff
360
Nizza
365
2LO
London
375
SSA
Manchester
380
——
Lissabon
385
bBM
Bournemouth
392
NF
Madrid (Radio Fberica)
395
——
Hamburg
400
5NO
Newcastle on Cyne
410
Münster i. W.
418
—
Breslau
420
5SC
Glasgow
426
1RO
Rom
430
——
Straschnitz (Tschecho-Slow.)
345
2DE
Belfast
440
—.
Stockholm Tslegrafverkst
440
——
Yorks Passage (Dänem.)
443
'—-
Stuttgart