Die englischen Konservativen unè die russischen Bolschewisten.
'^-^— Von Professor Dr. K o r e m a n n , Berlin.
Auf Grund vorliegender Tatsachen kann behauptet werden, daß die Engländer einen hervorragenden Anteil an der Entstehung und Entwicklung der russischen Revolution genommen haben. Zunächst war es die Sorge, daß der Zar einen separaten Frieden mit Deutschland abschließen wird, die die englische Politik bewog die innerrussischen Verschwörungen zu fördern. Nach dem Ausbruch der Revolution in Rußland, war es wiederum die Angst, daß zwischen dem revolutioniren- den Rußland und Deutschland nähere Fühlung genommen worden kann, die Großbritannien bestimmte ,in den Sang der Ereignisse in Rußland einzugreifen. Die Machtergreifung durch die Bolschewisten und der vollständige Zusammenbruch Rußlands als Groß-Staat und militärische Macht stellte einen riesigen politischen Gewinn für England dar, weil es dadurch einen gefährlichen Rivalen in Indien und Asien los wurde. Es lag im jnteresse Englands, durch die Unterstützung der Bolschewisten den weiteren Ruin Rußlands so weit als möglich zu fördern. Die sogenannte Intervention Englands in Rußland, die in der militärischen Beteiligung an den Kämpfen der antibolschewistischen Heere bestand, stellte sich in Wirklichkeit die Aufgabe, einen entscheidenden Schlag gegen die Bolschewisten zu verhindern. Nach dem völligen Zusammenbruch jener antibolschewistischen Feldzüge wird die englische Politik zu einer offen freundlichen gegenüber Moskau. Zur oat des Aufstandes in Kronstadt, greift Llogd George helfend ein, indem er in direkte dauernde Beziehungen mit den Bolschewisten trat. Bald darauf wird auf seine Initiative die Konferenz in Genua zusammengerufen, mit dem Znteck, die Bolschewisten mit der ihnen bis dahin feindlichen Welt zu versöhnen. Wenn dieses Ziel nicht erreicht wurde, so lag das nicht am guten Willen des englischen Premierministers. Auch der Nachfolger Llogd Georges im konservativen Kabinett Baldwins, Lord Eurzon, bewahrte diese freundliche Haltung. — Die sowjetfreundliche Politik fand ihren höchsten Ausdruck in der Anerkennung der bolschewistischen Regierung durch die Regierung Mac Donalds und in der Unterzeichnung von Verträgen, die eine finanzielle Unterstützung der bolschewistischen Regierung in Aussicht nahmen. Hierbei wurde aber der Bogen überspannt.
Diese Tatsache wurde zum Ausgang einer neuen scharf ablehnenden englischen Politik gegenüber Sowjetrußland, öu dieser Wendung haben die russischen Bolschewisten auch genug Ursachen geliefert, denn sie wollen sich durchaus nicht mit der Aufgabe der Zerstörung Rußlands begnügen, sie haben es auf die Weltrevolution als Grundziel abgesehen. Dieses Ziel ist aber ohne die Eroberung Englands für den Kommunismus nicht erreichbar. Nun gelang es zwar den Bolschewisten durch demagogische Aufhetzung der politisch unorganisierten Arbeiterschaft in England mit Hilfe eines radikalen Linksflügels einige Errungenschafen zu machen, aber dem Kommunismus gegenüber verhält sich die englische Arbeiterschaft scharf ablehnend. Trotz aller Anstrengungen ist es bis jetzt nicht gelungen, eine ins Gewicht fallende kommunistische Partei in England zu organisieren. Deshalb wird der Hauptangriff nicht auf den inseln selbst, sondern in den Kolonien und in den von England abhängigen außereuropäischen Staaten geführt. Es bestehen jetzt überall starke kommunistische Parteien, die nicht nur dadurch gefährlich werden können, daß sie den Umsatz direkt vorbereiten, sondern deswegen auch unbequem sind, weil sie die überall bestehende starke nationalistische Bewegung zu immer größerer Aktivität zwingen. Dadurch werden für die । englische Regierung Kompromisse ohne die eine Verständigung ■ mit der nationalistischen Opposition der Kolonien unmöglich ist, erschwert. Die russischen Bolschewisten üben diese Taktik mit Erfolg nicht nur in indien und anderen asiatischen Kolonien aus, sondern auch in Aegypten, wo sie auf diese Weise indirekt zur Verschärfung der Lage beigetragen haben. Handelt es sich darum, den Engländern Schwierigkeiten zu verschaffen, so scheâ die Bolschewisten auch nicht vor direkter militärischer Hilfe zurück. Das türkische Beispiel ist bekannt.
AM stete Amdtva Fred Andersens Höllenfahrt
Roman v. Otfried von Hanstein.
(27. Fortsetzung).
öcb riß mich auf, starrte dorthin — vor mir, wenige Schritte nur entfernt, stand ein Mensch, ein Mädchen, ein nacktes Mäd rhen, um dessen braune Glieder etwas wie ein wallendes, weißes Tuch wehte. Wirre, schwarze Haare, weit aufgerissene Augen, in denen das Grauen des Todes stand.
Ein Mensch — ein Mädchen! Hier, wo nichts Lebendes war, nichts Lebendes sein konnte, außer mir.
Ein Gespenst! Ein Geist der Unterwelt! Eine Nixe des Kraters. Eine Phantasie, aber eine Phantasie, die Wirklichkeit war, die örrjinn in ihren Augen trug! jauchzen war plötzlich in meiner Brust. Ein Mensch! Ein lebender Mensch! Das Mohavemädchen, das ich, rote Hibiskusblüten im Haar, an meinem Krankenlager in der Blatthütte der Alten gesehen.
Das Mohavemädchen, das mit ihren Genossen im Kanu gekommen war, an jenem Abend, ehe der Devils Fist seinen furchtbaren Finger ausstreckte und mit seinem Gluthauch die Farm verbrannte.
Limokoa.
Sie erkannte mich wohl nicht. Die Blüten waren verwelkt und in ihren Augen lag das Entsetzen.
öcb kletterte näher Heran, blieb stehen, damit sie Zeit hatte, zu erkennen, daß ich ein Mensch war und nicht ein Geist der Hölle. öcb sagte mit weicher Stimme ein paar freundliche Worte.
Wieder hätte ich jauchzen mögen. Der jrrsinn wich aus ihren Zügen. Sie wankte auf mich zu und stürzte auf ihre Knie.
„Limokoa aha-wehalu."
öd) hatte schon damals bemerkt, daß der Alte, der mich geführt hatte, der einzige gewesen, der ein paar Worte Englisch sprach. Mit ihr hatte ich nie geredet. Aber jetzt, obgleich ich keine Silbe kannte vom jdiom der Mohave, wußte ich, daß es hieß: „Limokoa ist allein und verlassen!"
Was sollte ich tun, als leise ihren Namen wiederholen und beruhigend ihr Gesicht streicheln, dieses schmale, zarte Gesicht!
Afganistan wird mit Waffen und Flugzeugen von Moskau aus versorgt. Persien erhielt militärische Hilfe im Kampfe gegen englandfeindliche Vasallen. jn Ehina wird von den Bolschewisten ein höchst verwickeltes Spiet geführt »welches in seinem Endziel einen Zusammenprall der an der Ausbeutung Chinas interessierten Staaten herbeizuführen »bestrebt ist. Wenn es in England selbst den Bolschewisten an einer starken kommunistischen Partei fehlt, so sind sie dennoch imstande die in der englischen Arbeiterschaft bestehenden Gegensätze zu verschärfen und zu ihren Zwecken auszunützen. Nur dank des starken Druckes seiner radikalen Parteigenossen war Mac Donald gezwungen, mit Moskau jene Verträge abzuschließen, die eine ungeheure Aufregung in England hervorriefen, und seinen Sturz herbeiführten. ön der eben geschilderten Weise ist es den Bolschewisten tatsächlich gelungen, zu einer aktiven Gefahr, für die koloniale Politik und für den sozialen Frieden Englands zu werden.
Der niederschmetternde Eindruck, den der Sinowjew-Brief in ganz England hervorrief und der Zusammenstoß der englischen bürgerlischen Wählerschaft um die Konservativen bewei- weisen zur Genüge, daß jene Gefahr ins Bewußtsein weitester Schichten der englischen Bevölkerung gedrungen ist. Mit vollem Recht kann das auch von der englischen Arbeiterschaft gesagt werden, denn in den Fragen der englischen Weltpolitik unterscheiden sich die Arbeiter in ihrem überwiegenden Teil kaum von den bürgerlichen Parteien, wie das auch die Politik Mac Donalds während seiner ganzen Regierungszeit bewiesen hat. Ein solcher Zustand der Gemüter kann unmöglich ohne weitgehendste Folgen in der Politik Englands in Bezug auf die Bolschewisten bleiben. Der scharfe und feste Ton, der in den Noten der englischen Regierung an Moskau angeschlagen wurde, der Verzicht auf die mit Mac Donald abgeschlossenen Verträge und das Verweigern von neuen Verhandlungen muß als eine Kampfansage aufgefaßt werden. Die Bolschewisten sind sich auch der ihnen drohenden Gefahr voll bewußt, sie hoffen aber darauf, daß es zwischen den interessierten btaaten zu keiner Einigung und infolgedessen nicht zu einem einheitlichen Vorgehen gegen Rußland kommen wird. Sollte es aber zu einem solchen Vorgehen doch kommen so muß der Ausfall des Kampfes eine einschneidende Umwälzung in der nach dem Weltkriege geschaffenen politischen Lage nach sich ziehen. Daher empfiehlt es sich, die Entwicklung der Beziehungen zwischen England und Rußland mit der größten Aufmerksamkeit zu verfolgen.
Tausend und eine Nacht.
Von Harald Tandrup.
Port Said, Dezember 1924.
ön Bagdad lebte einst ein Kalif, der größte Fürst seiner Zeit, ein arabischer Ludwig der Vierzehnte, der sich von diesem nur dadurch unterschied, daß er ein Herz hatte . . wenigstens eine Zeitlang, bis seine Größe ihn aushöhlte. Dieser Kalif, der Held so vieler Erzählungen aus „Tausend u. einer Nacht" liebte es durch die Straßen von Bagdad zu streifen und das Leben seines Volkes zu studieren.
öd) ging in Port Said an Land ohne die Hoffnung, eine arabische Nacht zu erleben, denn ich habe immer erzählen hören, daß Port Said eine Attrappe ist, eine Lasterhöhle, wo Räuber und Bettler die Reisenden ausplündern. Er ist kein Zweifel, daß die Stadt ausschließlich von den Schiffen und den Reisenden lebt, die den kurzen Aufenthalt benutzten, an Land zu gehen. Wenn zufällig kein Reisender da ist, dann rollen sie sich zusammen und schlafen, aber sobald Passagierboote kommen (und wäre es mitten in der Nacht), dann strahlen die Läden in vollem Licht, die Bettler setzen ihre kläglichen Mienen auf, Saitenspiel klingt aus den Cafes, und in der ganzen Stadt entwickelt sich ein Leben, das unleugbar an das eifrige Hantieren einer Spinne in ihrem Nxtze erinnert, wenn Fliegen in der Nähe sind.
Niemals hätte ich einen Widerhall aus Tausend und einer Nacht gefunden, hätte ich nicht das Glück gehabt, die Stadt zu überraschen, während sie schlief. Wenn man schläft, sündigt man nicht, sagt das Sprichwort. Es war Vollmond, der süd- ^IL»»k-L2KLSW2.'WQW«»888L?LMW«M»?W!7LMSWLTWL^ML2SL^lLt«W»^»W«»«
Sie schmiegte sich an meine Füße und umklammerte mit ihren Armen meine Knie. Sie meinte, daß ihr ganzer junger Körper erbebte, öcb suchte sie langsam aufzuheben. Nun schlang sie die Arme um meinen Hals. Wie ein hilfloses Kind schmiegte sie sich weinend an meine Brust.
Wie seltsam das wieder wär! öcb wußte daß es nichts war als der Ausdruck ihrer unendlichen Hilflosigkeit, das Anklammern an ein Wesen, das ihr Schutz bringen sollte, und doch es war, als schmiege sich eine zärtliche Braut in meinen Arm.
Liebe Limokoa! Schon damals liebtest du mich! Hattest mich geliebt, als ich hilflos und krank in Deines Vaters Blatthütte lag! —
ön mir war plötzlich ein Gefühl unendlichen Glückes und ich hatte doch keinen Grund! ja! Ein köstliches Geschenk war mir geworden! Ein Mensch! Ein lebender, fühlender Mensch! Nicht mehr die furchtbare Einsamkeit!
Sie hob ihr Köpfchen, dieses liebe, kleine Köpfchen, dieses hübsche Kindergesicht, das mir schon damals so gefallen, und lächelte mich an. Dann aber schien es, als schäme sie sich, daß sie so an mich geschmiegt war, sie ließ mich los, trat zurück und senkte^die Augen.
„Wie kommst du hierher, Limokoa?"
Sie sah mich fragend an, in meinen Augen forschend. Sie war so klug und ich so töricht, daß ich fragte und doch wußte, daß sie mich nicht verstand.
Zwei Menschen, zwei junge Menschen inmitten des Ver-, derbens. Zwei Menschen, denen die Sprache gegeben, die sich doch nicht zu verstehen vermochten und nach Begreifen suchten.
jch sah mich um. öcb war doch schon ein tüchtiges Stück gegangen, denn nur undeutlich erkannte ich den roten Wim- pel, den ich an die Ruderstange meines Kahnes gebunden, öbr scharfes Auge folgte meiner deutenden Hand. Sie verstand. Sie erkannte mit scharfem Auge der Wilden, was mir nur ein Schimmer war. Sie zeigte dorthin und auf mich und nickte.
jch machte mit der Hand die Bewegung des Ruderns und dann des Sinkens. Sie nickte wieder, zeigte auf einige Holztrümmer eines Canus und hinauf.
liebe Mond, der einen elektrischen Glanz hat, stärker als b Mond bei uns. ön diesem Licht wird alles unwirklich. Schn,^ Staub und Straßenreklamen waren ausgelöscht. Die 5trak $ waren leer, wenn man ein paar geheimnisvolle Schatten nimmt, die vorüberglitten wie Marionetten, die an einem Draht tanzen, denn man hörte ihre Schritt nicht. Sie waren verhüllt und in sich gekehrt, sie kamen und sie verschwanden
Die orientalische Stadt schlummert bei offenem Senator Man meint die Atemzüge der Schlafenden hören zu können" Die Stille ist zauberhaft, nichts anderes bewegt sich als Schatten der Häuser, die über die Straße kriechen, wenn ber Mond am Himmel sinkt. Eine Katze kommt aus dem Schot, ten und springt über die helle Straße. Aber die Palmen ft^' im Mondschein so unbeweglich und steif, als wären sie aus gestrichenem Blech. An einer Säule in einem Bogens lehnt ein Wächter in seinem langen grauen Kaftan, oder sieht ihn unbeweglich mitten auf der Straße stehen, auf einen langen Stock gestützt. Plötzlich kräht der Hahn, ein gellens Krähen, das keine Aehnlichkeit mit dem soliden Ton unseres biederen Haushahnes hat. (Solch einen Hahn hörte ‘Petrus im Hause des Hohenpriesters.) Große Fledermäuse streicht , vorbei.
An einer Ecke schimmert Licht aus einem Cafe. Cs kommt ausdem önnern des Hauses, aber Haus und Straße gleiten unmerklieb in einander über, öm Norden ist jedes Haus es, was von einer Festung, im Süden ist es ein Versteck, in man sich zurückzieht, wenn man nicht mehr auf der StH fein kann. Menschen mit hohen rosen Mützen sitzen bei e§ I Glase und genießen die Kühle der Nacht. Er liegt eine eigen, tümliche Sommerstimmung über dem ganzen.
ön einer solchen Nacht wanderte Harun al Raschid durch Bagdad und belauschte sein Volk. Er war verkleidet, und er kam vor, daß er Prügel bekam, als wäre er ein Lastträger.
öcb wandere durch stille Straßen und komme an den Ha- : fen mit der großen Mole, die gebaut ist, um den Hafen gegen i den Ailschlamm zu schützen. Auf dieser Mole steht eine Statue Ferdinand Lesseps, der weltberühmt dadurch wurde, das er diesen Kanal baute, und seinen guten Namen einbüßte, ab i er ihn als Greis als Deckmantel für den Panamafchwinè benutzen ließ. Das mächtige Blinckfeuer beleuchtete ihn. t | fällt auf ägyptische Schiffe, die an der Mole liegen und genau aussehen wie die Schiffe, die man auf den Gemälden in den alten Gräbern sieht.
Ein Mann hat einen Sack zu einem Kopfkissen zusammengerollt und schläft auf den harten Steinen. Etwas davon entfernt liegt ein Knabe, ein kraushaariges kleiner Bursche, das kleine Gesicht dem Monde zugekehrt, vertrauensvoll wie ein Kind des Volkes, das sagt, daß Allah die schwarze Fliege auf dem schwarzen Stein in der schwarzen Nacht sieht.
Hier war ein Zipfel von dem Mantel des Märchens, wem man ihn zu fassen verstanden hätte. Harun al Raschid hè diesen Knaben geweckt und ihm eine Münze gegeben^ &eitb als ich ihn sah, kam mir dieser Gedanke, einen Augenblick tauchte er an die Oberfläche des Bewußtsein empor ... mb tauchte wieder unter . Wir Nord-Europäer haben Angst vor allem, was wie Theater aussieht. jedenfalls: ich habe den Knaben nicht geweckt.
Aber von diesem Augenblick an cine-Nacht-Stimmung von Port Said, denn sie-wird weder vömMoiid, noch von gelben Mauern und Palmen und schleichenden Katzen geschaffen, sondern von einem gewissen Licht, das von uns selber ausgeht. Und dieses Licht war erloschen.
Denn alle Wunder der Natur sind nur Staffage für einen Menschen, ön dieser Nacht hatte ich mich als Harun«! Raschid gefühlt, als ein Kalif im Traumland ... bis ich auf die Probe gestellt wurde und versagte, öcb überlegte, ob ich umkehren solle . . . das wäre noch lächerlicher gewesen .. Cs gibt ein Wort eines persischen Dichters, und ich wäre glücklich, es mir als Ordensband anheften zu dürfen:
„ön den Herzen der Edlen wachsen große Gedanken.
öbre Hand öffnet sich . . . die Hände der Fürsten öffnen sich!
Sie wägen ihre Gaben nicht.
Glücklich das Haus, wo der Kalif Rast macht.
Er ist stolz wie ein Hahn, und wenn er sich schüttelt, fallen goldene Zedern aus-seinem Gefieder."
Auch sie war also mit dem Kahne geflohen, genau wie ich, und gesunken. Der Kahn war zerschellt, die Männer vielleicht in den Strudel gerissen.
„Arme Limokoa!"
Was mußte sie gelitten haben in dieser Nacht! Diesel furchtbaren Nacht, die mein Innerstes so gewaltig erschütterte!
jetzt sah ich sie wanken, mein Arm konnte sie eben noch vor einem Fall bewahren, jch ließ sie niedersinken und eine Ohnmacht schloß ihre Augen. Mich faßte furchtbare Angst. Wenn sie stürbe? Mir war, als könnte ich den Tod dieses Mädchens, dieses Menschen, den mir das Schicksal geschenkt. nW tragen. Dann verstand ich. Wie verschmachtet mußte sie sein! Sie war ja ebenso lange hier, als ich, und hatte nichts, gar nichts, gehabt, sich zu laben.
Ein Wunder, daß sie nicht schon von Durst und HuW vergangen war!
jch schälte meine Bananen und preßte das weiche Fleistb der Frucht ihr zwischen die Lippen. Wie glücklich war ich, Q^s sie diese öffnete und schluckte, als sie die Hände erhob, noch mit geschlossenen Augen die Banane mir aus der Hand nahm und aß. jnzwischen hatte ich mlt dem kleinen Beil, das ich im Gürtel trug, eine der Konserven" büchsen, die ich im Rucksack hatte, geöffnet.
Fleisch war sehr heiß von der Sonne, aber noch nicht verdor ben. Sie saß jetzt mit offenen Augen, sprach nicht,fragte ni^ aß, bis alles verzehrt war, und ich dachte nicht daran, daß mein eigener Gaumen wieder nach Erfrischung lechzte. Da'" streichelte sie leise meine Hand und wir saßen nebeneinand" in dem langsam immer größer werdenden Schatten der Zelst • jch war glücklich, hatte wieder Lebenswillen und Lebensholst nung und war eigentlich um nichts gebessert. jch war mw mehr allein und ich, der ich selbst hilflos und schwach wa, sollte einem Wesen, das noch hilfloser und schwächer, öch"? bieten und Rettung.
Sie sah mich an und versuchte zu reden. jch kramte »' meinem Gedächtnis zusammen und fand nicht ein Wort, das verstand.
(Fortsetzung folgt.)