an die Logik der Tatsachen" halten. Der Temps ist der Meinung, daß die Verbündeten das Recht hätten, „Sanktionen“ zu bestimmen. Soweit aber die Absichten der Alliierten bekannt seien, solle die Fortdauer der Besetzung nicht den Tharakter einer Sanktion erhalten. Eine neue Prüfung werde vorgenom- men, sobald der Schlußbericht vorliege. Dann werden noch die Aeußerungen Stresemanns herangezogen, aber in einer Form, die den Sinn vollkommen entstellen. Er ist sicher, daß diese Auffassung von den Alliierten Frankreichs nicht geteilt wird und daß auch die französische Regierung darüber informiert ist, daß die offiziösen französischen Berichte über die Lr- klärungen'des Reichswehrministers Seßler Fälschungen waren.
Das Neueste.
wtb. Berlin, 3. Zan. (telef.) Der Reichskanzler hatte heute Vormittag die jn Aussicht genommene Aussprache mit den Ziihrern der Reichstagsfraktionen des Zentrums, der deutschen Volkspartei und der Demokraten. Der Verlauf der eingehenden Besprechung ergab, daß die drei Fraktionen bei den von ihnen anläßlich der Regierungsbildung gefaßten Beschlüsse verharren und daß somit die Möglichkeit der Bildung einer auf Iragfähiger parlamentarischer Mehrheit beruhenden Regierung nicht gegeben ist.
Das überparteiliche Kabinett..
wtb. Berlin, 3. San. Privattelegramm. Wie mehrere Blätter melden, hat der Reichskanzler noch im Laufe des heutigen Aachmittags über die Ergebnislosigkeit der heutigen Besprechungen mit den Parteiführern dem Reichspräsidenten berichtet und hat daraufhin vermutlich noch am heutigen Abend den Auftrag zur Bildung eines überparteilichen Aeichskabi- netts erhalten und angenommen.
Wieder ein ungetreuer Beamter.
wtb. Berlin, 3. öan. telef. Nach Unterschlagung von 250 000 Mark Amtsgelder flüchtete heute morgen der 42- jährige Oberpostsskretär Berthold Fischer, der auf einem Postamt im Westen von Berlin als Kassenvorsteher beschäftigt war. Lr hat die Unterschlagungen bis zu der heute nacht erfolgten Revision durch Bücherfälschungen zu verheimlichen verstanden. Fischer war auf den Rennbahnen ein häufiger Gast und scheint das Opfer feiner Spiel- und Wettleidenschaft geworden zu sein. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von 30 000 Mark ausgesetzt worden.
wtb. Berlin, 3. öan. telef. öm auswärtigen Ausschuß des Reichsstaatsrates hat, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, Reichsaußenminister Stresemann eine ausführliche Darstellung der gegenwärtigen Lage der auswärtigen Politik gegeben. Hierbei kam zur Sprache, daß die Rote der Alliierten betr. der Räumung der Kölner Zone noch nicht eingetroffen sei und der Eingang demnächst erwartet werde. ön der Diskussion gelangte alsdann die Frage der Handelsverträge zur Besprechung, wozu sich auch der Reichswirtschafts- minister äußerte. Beschlüsse wurden im Ausschuß nicht ge- saßt.
wtb. Berlin, 3. öan. Am Montag beginnen in Berlin die deutsch-belgischen Handelsvertragsverhandlungen.
Das Unwetter.
wtb. Hamburg, 3. öan. telef. ön Aordwestdeutschland wütete die ganze Nacht hindurch ein heftiger Sturm, der gegen 2 Uhr nachts seine größte Stärke erreichte. Zu dieser Seit gingen Windstöße mit einer Geschwindigkeit von 28 Seknur. über Hamburg. Nach Mitteilungen der deutschen Seewärts ist eine wesentliche Aenderung des Wetters nicht zu erwarten, da ein neues Tief über den Ozean heranzieht, das bereits die irische Küste erreicht hat.
Beamtenprotest gegen die verzögerte Räumung.
D.B. Köln, 3. öan. (Eig. Meldg.) Der Landesverband ; Rheinland des Deutschen Beamtenbundes in Köln hat an die Reichsregierung folgendes Protesttelegramm gerichtet: „Die vertragwidrige Besetzung der ersten Zone über den 10. öa- nuar hinaus läuft nicht nur den öntereffen des altbesetzten Se- bietes zuwider, sondern muß auch das Vertrauen der gesamten Bevölkerung auf Recht und Gerechtigkeit schwer erschüttern. Wir erheben daher gegen die Besetzung der nördlichen oone über den 10. öanuar 1925 hinaus Einspruch und bitten die Reichsregierung, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß der ihr vertragsmäßig zustehende Anspruch auf rechtzeitige Räumung dieser Zone zur Geltung gebracht wird.
München, 2. öan. (Wolffs Die Polizeidirektion hat das Gesuch um Umbewilligung der Feier im Bürgerbräukeller an- iGlich der Freilassung Hitlers abgelehnt. Es scheine nicht an- gängig, daß Personen, die wegen politischer Verbrechen rechts kräftig verurteilt wurden, nach ihrer Rückkehr aus der Straf- baft in breitester Öffentlichkeit gefeiert werden.
Die da iucoguito reisten . . .
wtb. Wien, 3. öan. telef. Entgegen den Berichten eines THorgenblattes würbe die kommunistische Reichstagsabgeord- nete Ruth Fischer von der Wiener Polizei entgegen einer Falschmeldung festgenommen und dem Bezirksgericht übergeben. Ferner ist der angebliche Giovanni Eosta, der als Heinz Reumann und Kommunist identifiziert wurde, verhaftet wor- den- Dem angeblichen Adolf Sonnefeld gelang es zu entkommen.
Das Unwetter in England.
wb. London, 3. öan. Den Blättern zufolge wurde in ganz England durch anhaltenden Sturm und riesige Regengüsse großer Schaden angerichtet. Weite Strecke des Landes stehen unter Wasser. Zahlreiche Familien sind in ihren Häusern durch die Fluten abgeschnitten. Fünf Personen kamen ums Ceben. An manchen Stellen mußte der Eisenbahn- und Straßenbahnverkehr eingestellt werden, ön Südwales sind tausende
von Bergarbeitern erwerbslos. Der Telephondionst ist ernstlich behindert und mit einer Anzahl von Städten gänzlich unterbrochen. Dor Luftdienst von Erogdon und der Schiffsverkehr Rewhaoen-Dieppe ist eingestellt.
Schiffe in Seenot.
Haugcsund, 2. öan. (Wolff.) Das Dampfschiff „Heinrich Hugo Stinnes 7“ aus Hamburg das bei Karmfund auf Grund geraten war, ist wieder flott gemacht^ worden.
Das Dampfschiff „Katharina Dorothea Fritzen" aus Em- den, das bei Skudonos auf Grund gestoßen war ist durchgo- brochen. Der Kapitän weigert sich, das Wrack zu verlassen.
Der Terror in Stalien.
wb. Rom, 3. öan. ön Pisa drangen Faschisten nach einer Versammlung in die Redaktionsräume des Messagoro Tose- ana ein, welcher das Organ der katholischen Volkspartei ist und zerstörten sowohl die Rodaktions- wie die Maschinenräume.
Das Kricgsschulden-Problem.
D.B. Aewgork, 3. öanuar. (Eigene Meldung.) Das Schuldenproblem wird nach der starken Erregung der letzten Zeit wieder ruhiger beurteilt. Die Drohung, Frankreich die Kredite abzuschneiden, ist in der Bankwelt ungünstig ausgenommen worden und man weist auf die daraus für Amerika entstehenden Verluste hin.
Die Anregungen zu einem Zahlungsmodus, die der französische Finanzminister am Dienstag dem amerikanischen Botschafter übergeben hat, sind günstig ausgenommen worden. Die Note wird wahrscheinlich veröffentlicht, wenn die Konferenz der Finanzminister begonnen hat. Frankreich soll ein lOjäh- riges Moratorium beantragen und die Zahlungen bei niedrigem Zinsfuß auf 68 Sahre verteilen wollen.
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Zweck des Besuches des Gouverneurs der Bank von England Norman, Verhandlungen über einen Plan fein sollen, der dahin geht, die deutschen Reparationsobligationen, wenn sie auf den Markt gebraan worden sind, als Unterlage für eine Anleihe zu benutzen, die zur Rückzahlung der alliierten Schulden an Amerika dient. — England ist auch damit einverstanden, wenn Frankreich für die Rückzahlung jeiner Schulden ein längeres Moratorium und ein niedriger Zinsfuß gewährt wird als ihn England im Sahre 22 erhielt, wenn es sich verpflichtet, an Amerika uno England jährlich diejenigen Summen ab- zuführen, die es ohne Erschütterungen für die Schuldentilgung bereitstellen kann.
Wenns ums liebe Geld geht.
wb. London, 3. öan. Dailg News berichtet aus Newgork: Der vormalige amerikanische Botschafter in London Harveg schreibt in einem Leitartikel in der Washington Post, in Amerika herrsche der Glaube, daß Frankreich nicht aufrichtig sei. Frankreich müßte ein endgültiges Abkommen über seine Schuld an Amerika schließen; die Ehre Frankreichs stehe auf dem Spiele.
Aus Stadt und Land.
SrMmgstag.
Da die drei Magier in der christlichen Legende zu drei Königen wurden, hat das Epiphaniafest, -das stets auf den 6. canuar fällt, den Namen Dreikönigslag erhalten. Die gleiche Ausgelassenheit und das fröhliche Treiben, das früher an die- Jem Tage in allen christlichen Ländern anzutreffen war, und woran sich Sung und Alt beteiligte, ist heute nicht mehr in dem gleichen Maße zu finden. Aber in abgelegenen Gegenden, dort, wo die Sndustriebevölkerung noch nicht so stark vertreten ist, werden am Dreikönigstage heute noch mancherlei Umzüge veranstaltet. Allerdings beteiligen sich daran nur noch wenige Erwachsene. Der Dreikönigslag ist in der Houplsache ein Freudenlag der Kinder geworden. Mil einem großen Stern aus Holz und Goldpapier, in lange Mäntel gekleidet und mit Kronen aus Goldpapier auf dem Kopfe, ziehen drei Knaben in den Dörfern die Straßen entlang und singen dabei allerlei Lieder, die auf das Erscheinen der heiligen drei Könige hindeu- len. Eins dieser Lieder beginnt mit dem Vers: „ön Gottes Farnen heben wir an! Die Heiligen drei Könige sind wohlge- lan! Sie kommen daher ohne allen Spott. Einen fröhlichen Ubenb gebe Euch Gott, einen seligen Abend, eine fröhliche Zeit verleib uns der Vater vom Himmelreich." ön einem anderen reckomgslied singen die Kinder: „Da kamen wir vor Herodes Daus, Herodes, der schaute zum Fenster heraus. Herodes
sprach mit lauter Stimmt: Wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin?" und weiter: „Herodes sprach: „Kommt herein zu mir ich will Euch geben Wein und Bier, ich will Euch geben Stroh und Heu und auch die ganze Zehrung frei“. Die heiligen drei Könige wollen aber nicht umsonst fingen. Shnen geht es um Aepfel, Nüsse und Kuchen. Deshalb stimmen sie auch bas Lied an: „Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern, sie esse„ und trinken und zahlen nicht gern.“ Haben die Kinder etwas erhalten, so singen sie zum Schlüsse noch: „Sie haben uns eine schöne Verehrung gegeben. Der liebe Gott laß' Sie in Fremden leben, Er gebe Shnen Glück, Gesundheit und Ruh, M führe Sie später dem Himmel zu". Wird den Kindern kein Geschenk gegeben, so endet der Gesang mit einem Spottverj in dem der Geiz der Hausbewohner gegeißelt wird.
Der Samstagswochenmarkt als erster in diesem Sahre war vom regnerischen Wetter wenig begünstigt. Trotzdem die Preise bei Landbutter und Eier niedriger geworden waren, fanden nur letztere regen Absatz, dagegen ergab sich ein ziemlicher Restbstand bei der Butter. Ebenso herrschte auf bem Geflügelmarkt keine rege Kauflust.
Filmschau. „Fräulein Sherlok Holmes" nennt sich der neue Aordisk-Film der Deuling bet vom Sonnabend bis Montag im Eentral-Theater zur Aufführung gelangt. diesem Film zeigt Gunar Tolnaes, der die Rolle eines Polw. kommiffars verkörpert, seine außerordentliche Zähigkeit Tharakterdarsteller, die es ihm ermöglicht, die ganze Stufen- leiter des menschlichen Gefühls zum Ausdruck zu bringen. Arben ihm steht die ntzückende nordische Schauspielerin Karina Bell, welche die Rolle eines jungen Mädchens verkörpert. bas von der Lektüre der Kriminalromane verwirrt, ein Verbrechen als ein weiblicher Sherlok Holmes aufdecken will. ön einer ungeheuer spannenden Handlung 'entwirren sich die Fäden bes dunklen Geschehens und führen zu einer Vereinigung der Liebenden.
Die Sagd im öanuar.
Wir sind mitten im Winter, obwohl dieser sich noch immer von einer gutmütigen Seite zeigte und uns mit nennenswertem Frost und Schnee verschonte. Für den im allgemeinen schwachen Wildstand ist das mit Freuden zu begrüßen, doch sollte der Weidmann, wie die illustrierte Sagdwochensrhrift,5t. Hubertus" in Eöthen-Anhalt dringend empfiehlt, auch feinen Teil dazu beitragen, daß dem Wilde nunmehr Ruhe vergönnt wird.
Obwohl Rehwild in manchen Staaten noch Schußzeit hat, so soll doch kein Säger von dieser Erlaubnis Gebrauch machen, wenn es sich nicht um kümmernde Kitzböcke handelt.
Auch beim Edelwild soll sich der Abschuß nur noch auf Selttiere und Spießer beschränken. Die Fütterungen sind täglich nachzusehen und nachzuschütten und ist besonders.für kräftige Fütterung des hochbeschlagenen Mutterwildes ;» sorgen. Das Wild rubelt sich in dichteren Beständen ohne Unterschied des Geschlechts, nur die stärkn Hirsche stehen einzeln zusammen.
Für die Aesung und den Abschuß des Damwilds gilt dasselbe wie beim Rotwild.
Auf Sauen ruht die Sagd in gehegten Revieren. Nack der in den Dezember und öanuar fallenden Rauschzeit Jiuir besonders die Keiler schlecht bei Wildbret.
Die Sagd auf Hasen ist möglichst einzuschränken, besonders dürfen Treibjagden keinesfalls mehr stattfinden, da die Hasen bei mildem Wetter zu rammeln anfangen und weil ihnen gerade in dieser Zeit durch Schlingensteller und Raubzeug am meisten nachgestellt wird. Zäune und Hecken sind auf das Vorhandensein von Schlingen zu prüfen.
Rebhühner sind bei strenger Witterung möglichst in Nähe kleiner dichter Remisen mit Getreideabfällen, Heusamen usw. zu füttern.
Der Z u ch s fängt Mitte des Monats an zu ranzen und steckt häufig in Bauert. Der Anstand morgens und abends auf den Bauen ist oft lohnend, weil er sie in der Dämmerung absucht.
Dauer der Leipziger Textilmesse und der Deutschen Schuh- und Ledermsse.
Für die Leipz. Textilmesse u. die Deutsche Schuh- u. Ledermesse in Leipzig ist in Anbetracht der besonderen Verhältnisse in diesen önbuftrien die Meßdauer zunächst für die bevorstehende Frühjahrsmesse verkürzt und auf die Zeit vom 1. bis ”4. März angesetzt worden. Sm übrigen dauert die Allgemeine Mustermesse bis 7. März, die Technische Messe mit der Bau- messe vom 1. bis 11. März. Die Tageskarten zu ermäßigten Preisen werden diesmal bereits vom Mittwoch statt wie bisher vom Donnerstag der Meßwoche ab ausgegeben.
Vom Vogelsberg. Gestohlene Weihnachtsbäume. Ein Waldarbeiter hatte, wie der „Cautervacber Anzeiger" meldet, unter Vorzeigung gefälschter Holzlieferungsscheine an einen Händler in Hanau verkauft wo ein Teil der Bäume aufgefunden wurden. Gleichzeitig mit dem Diebstahl brach beim Förster Feuer aus und man vermutet, daß der Waldarbeiter nicht unbeteiligt war, weil dadurch der Förster mehrere Tage nicht in der Lage war seine Reviergänge auszu- führen.
Gersfeld. Grober Unfug. Die lebensgroße Steinfigur des hl. Sohannes von Aepomuk auf der Brücke zum Steinbruch zu Steinbrunn wurde von Rohlingen vollständig zer trümmert.
Sterbfritz. Die hiesige Gummifabrik ging durch Kauf mü sämtlichen Maschinen und Snventarien an die Firma ^Haxi' milian Mag u. So. Dachziegelfabrik in Sannerz über. Ce#' genannte beabsichtigt den Betrieb vollständig umzustellen un die Fabrikation feinkeramischer Erzeugnisse aufzunehmen.
Hanau. Ein Einbruch wurde in der Silvesternacht i» der Akademiestraße verübt, wo der Dieb durch die eingefcWS -en Fenster in das Önnere des Hauses einftieg. Es fielen w|U 400 Mark und ein Fahrrad in die Hände.
iebene denen
Gießen. Z e i ch e n der Zeit. Um eine ausgeschr Pförtnerstelle bewarben sich über 200 Personen unter sich sogar höhere Beamte und Offiziere befanden.
Heringen. W a i d m a n n s h e i l. Der Oberförster Gra fe erlegte einen guten Zehner Hirsch, der aufgebrochen ein ®1’ wicht von zirka 2 Zentner hatte.