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Warum ich zum neuen Mr spreche! Von Walter von Molo*).

Ls ist jedes Dichters Wunsch, auf die Seelen der 2Hen» f h.n seines Volkes, einzuwirken; diesem Wunsch stellt sich zu- S die sogenannte Vornehmheit des Poeten entgegen, die ârne Meinung, daß er sich etwas vergibt, wenn er anders durch seine Werke zu den anderen redet. Wie kümmerlich ^hiob Anschauung meiner Zeitgenossen. Nur der hat das Aecht sich Dichter nennen zu lassen, der ein Mensch ist: soll £ Mensch nicht aufrichtig zu seinen Brüdern und Schwestern t Inretben? 6ch spreche deswegen heute zu euch, weil ich ohne unb eure Gefolgschaft nichts bin wir sind uns gegen- S nötig. Volk, Presse und Dichter sind Lins. Wir müs­sen es immer mehr werden in diesem Sahr, das jetzt nach dem Kalender beginnt, wir müssen uns immer vertrauensvoller und verantwortungsvoller gegenseitig durchdringen, soll Deutsch­land wieder das werden, was alle die guten Herzens sind, in» nig erhoffen. Was ich euch wünsche zum neuen Sahr, ist Ge­meinschaftsgefühl. Einigkeit mit Gott und den Gesetzen der Welt, so duAtheist" bist: mit der Weltvernunft oder wie ihr das über uns, der uns geboren werden ließ und sterben läßt, immer nennen wollt, Einigkeit untereinander, Einigkeit, Ein­heitlichkeit mit euch selbst, in jedem von euch. Urteilt nie zu jCanell über den anderen ab, sei es Kind, Vater, Mutter, Zrau, Freund oder Ehemann. Seiet immer dessen eingedenk, baß die Welt Gewitter und Erdbeben gibt, daß der einzelne Mensch ein Stück dieses Weltganzen ist; auch der Mensch schafft und erlbt Gewitter und Erdbeben für sich und den Nächsten. Er ist daran nichtschuld", niemand tut etwas, was er nicht tun muß. Wenn Gott und die Weltvernunft allmäch­tig sind, wo könnten wir armen Eintagsfliegen dann etwas tun, das dagegen wäre. Und das Große über uns ist allmächtig! Alles, was geschieht, muß daher geschehen, es geschähe sonst nicht! Wollt ihr aus diesem Grunde nicht versöhnlich zueinan­der sein und alles gemeinsam ertragen? Sn Liebe und mit Takt ertragen? Wäret ihr so, dann wäre die Welt hell, dann wäre alles leicht, dann könnte der Mensch wahrhaft menschlich leben. Dieses zu erreichen, i st möglich; ich habe es doch auch erreicht! Versucht es, baut die Seele unseres I Deutschlands neu, nur der Weg, den ich zeige, weil ich ihn in mir selber ging, führt dorthin. Seid einig mit Gott oder der 8 Weltvernunft, dagegen zu hadern, ist entsetzlich dumm, seid gut zueinander,verzeiht" euch gegenseitig alles habt ihr diese zwei ersten Menschenpflichten erfüllt, dann seid ihr auch einig I in eurem Snneren, dann, und nur dann seid ihr g.-uftich. Das will ich, drum spreche ich heute zu euch! Folgt immer ergeben I und mag es wie immer wehe tun, denn, was das Gescyehen euch ruferlegt es ist alles von höherer Snstan; aus gewollt, fügt euch, aber nur dem! Was euch ans Menschentum greift, was egoistisch ist, dagegen aber wehrt euch mit aller Kraft des Leibes und der Seele; Egoistisches, Schmutziges ist nicht von Got,t, nicht von der Weltvernunft, das ist von solchen, die sich gigen Gott und die Weltvernunft stemmen. Diese müßt ihr, ; um der Weltvernunft willen, die kühnes, aber reines Leben will, vernichten! Gewiß ist auch dieses Unkraut gewollt, aber es ist nur gewollt, damit ihr handelt, damit ihr es aus» t reißt! Wenn ihr so zu eurem Nächsten, gege euch selbst im» andelt, wird Deutschland neu^, anders nie, niemals!

WM den Tag!

Aeujahrsgedanken und Neujahrswünsche

von Artur Brausewetter.

Tausend Sahre sind vor Dir wie der Tag, der gestern ' vergangen ist".

Sedesmal, wenn das Sahr wechselt, empfinden wir es.Sst denkbar, daß schon wieder ein Sahr dahin ist, ein Sahr un» - jeres Lebens, das im höchsten Falle achtzig solcher schnell ent» eilender Sahre zählt?

Haben wir sie genützt? Werden wir sie nutzen?

Spurlos, nutzlos schlüpfen uns die Tage und Stunden unter öen Händen dahin. Andere werden uns gestohlen, von den " Dingen, von den Menschen, von uns selber.

Doch der den Augenblick ergreift, Das ist der rechte Mann."

Das ist die eigentliche Kunst des Lebens, das die rechte Neu­

jahrslosung: Ergreife den Augenblick! Wer mit dem Au­genblick nichts anzufangen weiß, der roeiß auch mit dem Sahr nichts anzufangen.

Ruhiges und zielbewußtes, nie rastendes, doch nie hasten­des Handeln, das ist die Hauptsache, in einer Feit, in der alles unklar, verworren und ganz unbestimmbar ist, wo heute nie» mand weiß, was morgen fein wird, wo man sich auf niemand Tecßt verlassen kann, weil sie alle Kinder dieser nervösen, halt­losen Feit sind, in der uns nichts so bitter not tut, als Men- M schen, die wissen, was sie wollen.

Mit einem Strom werden die schnell dahinfahrenden öaß» re unseres Lebens verglichen.

Was aber sagt uns der Strom?

â 3$ fließe, sagt er, und du hörst mein Rauschen, selbst mei» ne Wogen und Strudel. Aber, was ich bin, das weißt du /nicht, weißt nicht, woher ich komme, wohin ich fahre. Auch ich bin nichts als ein Gleichnis, wie alles Geschaffene und Ver­gängliche nur Gleichnis ist. Ein Bild und Gleichnis des Lebens bin ich, das ewig fließt, ohne jeden Bestand, ohne Anfang und Ende, und in dem nichts beständig ist als der Wechsel. Alles fließt; Geburt und Grab; Ringen und Suchen, Meiden und Leiden. Und unaufhörlich faust der Webstuhl der Feit.

Ein Gleichnis deines eigenen Sch bin ich. Auch du dem Mewigen Wechsel, dem Fluß aller Dinge untertan. Nie kannst Mu in denselben Strom hinabsteigen. Denn nicht nur der Strom, du selbst bist inzwischen ein anderer geworden. Sn den- selben Strom steigen wir hinab und steigen wir nicht hinab. IWir sind es, und wir sind es nicht.

S Dunkle Wesen sind die Menschen. Sie wissen nicht, roo» K kommen "och wohin sie gehen. Sie wissen nichts von Welt und am wenigsten von sich selber.

, , * Schluß eines Sahres regt sich der Aberglaube, der stets trs .stark in Feiten der inneren Auflösung, der Be- erwirrung und der innert Unruhen ist, wie wir sie jetzt

einer '^«"kung der Schriftleitung: Hier spricht wurde führenden Dichter, der eindeutscher Tolstoi" ^m,rL f 1 W eindringlicher Weise zu unserem Volke, daß sein

1 G ^ 0! 11 g e Beachtung und Beherzigung verdient.

durchleben. Okkultismus, Spiritismus und andere Geheim» Künste erlangen nie solche Bedeutung wie in solchen Wahren.

Sst es ein Wunder?Wir wandeln alle in Geheimnis­sen", sagt einmal Goethe. Wir sind von einer Atmosphäre eingeschlossen, von der wir noch gar nicht wissen, was sich alles in ihr regt und wie es mit unserem Geiste in Verbindung steht. So viel ist wohl gewiß, daß in besonderen Zuständen die Fühl» fäden unserer Seele über ihre körperlichen Grenzen hinaus» reichen können und ihr ein Vorgefühl, ja, auch ein wirklicher Blick in die Zukunft gestattet ist."

Aber ewig fragen und grübeln? Problemen und Rät­seln nachdenken, die wir doch niemals lösen werden?Pflücke den Tag!"

Und wieder sagt uns der Strom: Vorwärts geht der Weg. Zwischen heiß pulsierenden Städten und gemächlich liegenden Dörfern, zwischen grünenden Bergen und fruchtstrotzenden Ta­lern, leicht und flüssig zieht sich mein Lauf. Kein Zurück gibt es, kein Zaudern und Zagen. Mache es wie ich. Tummle dich. Blicke nicht rückwärts. Vorwärts sei die Losung. Aendern kannst du deinen Weg nicht und auch nicht aufhalten.Der Strom der Zeit läuft seinen Weg doch, wie er soll", schreibt Bismarck an seine Gattin,und wenn ich meine Hand hm- ftrecke, so tue ich das, weil ich es für meine Pflicht halte, aber nicht, weil ich seine Richtung damit zu ändern meine."

Itlllll^^

Zu Neujahr ISA.

Ernst von Wolzogen.

Befraget nur Orakel und Sibyllen,

Und stellt dem neuen Sahr das Horoskop

Die KartenschILgerin wird euch enthüllen Das Schicksal Deutschlands wies die Borne wob.

Was sind die Sahre? Wesenlose Zahlen.

Was Schicksal? Ausred' ewig hergebracht

Von allen Trägen, die mit Weisheit prahlen.

Die Sterne schweigen und der Herrgott lacht.

Du armer Narr, willst du dein Schicksal wenden, 56 zünde Feuer, nimm den Hammer her Du hälft ja Notungstrümmer noch in Händen So schmiede selber dir die blanke Wehr.

Kannst du nur Trümpfe auf den Wirtstisch hauen

Und Maulaufreißen, oder feig geduckt

Stillhalten in des Feindes Seierklauen Dann bist du wert, daß dich die Hölle schluckt.

Das Sahr wird golden durch die Zeiten leuchten,

Sn dem die schwere deutsche Tat gelang,

Sn dem der Deutsche seinen pestverseuchten

Zankteufel endlich in sich niederrang.

Zerschlagt die Götzen und die Götzenpfaffen,

Sn Treue folget dem erwählten Herrn Aus eigener Kraft wirst du Not wende schaffen Aus deutscher Nacht erglänzt der Morgenstern.

piiiiii^^

Eine neue Zeit ist über uns hereingebrochen. Nun heißt es aber keineswegs, wie man oft hört, uns in sie zu finden. Nein, sie beim Schopfe fassen, ihr gemäß handeln und wirken, das heißt es. Denn jede Zeit kann nur die Menschen brauchen, die zu ihr passen. Die anderen läßt sie rettungslos untergehen. Der ist der rechte Mann, der seine Zeit versteht und tut, was sie von ihm erheischt, der die Mission seiner Zeit auf seinen Schultern fühlt und fest entschlossen ist, sie auszuführen, den Widerstände und Verkennung nur um so stärker und vertrau­ensvoller machen.

Wir wollen doch endlich einmal aufhören, immer über die Feit zu klagen, deren Kinder wir geworden sind. Shren Puls­schlag wollen wir spüren, das Wehen ihres Geistes vernehmen, ihre Not wie die eigene fühlen und dann handeln und heilen.

Aber freilichPflücke den Tag!" heißt doch noch mehr. Es heißt nämlich, sich des Ewigkitswertes des Tages bewußt werden und unter dem Gesichtspunkt dieses Ewigkeitswertes den Tag nutzen.

Ein Sahreswechsel stellt uns, ob wir wollen oder nicht, vor die große Ewigkeitsfrage. Kein Mensch kann an ihr vorbei. Dazu sitzt sie zu tief. Aller Vergänglichkeit gegenüber, an die wir heute gemahnt werden, sollte ein Wunsch uns beseelen: das Vergänglich zu machen!

Wie wir das können?

Sndem wir unser Wirken und Schaffen in den Dienst einer großen, einigenden öbee, eines Ewigkeitsgedankens stellen und unsere Arbeit, unser Leben und Lieben unter dem einen Ge­sichtspunkt vollführen, daß all unser Tun und Lassen einmal im Antlitz der Ewigkeit gemessen werden wird.

So wollen wir im kommenden Sahr die unablässig steigen» den, unablässig fallenden Dinge dieser Welt nicht darauf an» sehen, wieviel Glück und Gewinn sie uns bringen, sondern wie­viel Kraft sie uns geben, unsere Sendung zu erfüllen, zu wir­ken für die Sache unseres Volkes, der zu dienen wir berufen sind.

Vorwärts und aufwärts zugleich. Das sei die Losung für das neue öaßr.

Was werden wird, ist dunkel; wie die Welt sich wieder gestalten wird, ist verborgen. Aber was geschehen muß, ist hell, und was wir tun müssen, ist keinem verborgen. Das Uebrige wird Gott richten."

Jas Erwachen. Eine gruselig-heitere Silvestererzählung. von Hei n ; Iudwig Haymann.

Silvesterabend.

ön der dickbäuchigen Steingutbowle dampfte Punsch. Heiß- duftiger Arrakpunsch. Figarrenqualm zog blaue Spiralen um bie Lampe. Rote Gesichter glühten wie Herbstvollmonde.

Eante Trautchen wurde übermütig fröhlich; sie ist sonst sehr ernst und versucht es gern, mich immer noch zu erziehen, ob» wohl ich bereits ein Vierziger bin. Aber heute erschien ihr nach dem dritten Glase Punsch alles lächerlich. Auch Eubesia, die meinen Sunggesollonhaushalt besorgte, ließ die Wirkung

zunehmenden Punschgenusses erkennen und verzehrte große Mengen Neujahrskrapfen. Onkel Theobold balanzierte eine gefüllte Figarrenkiste auf zwei Fingerspitzen und wunderte sich, als er die Figarren auf dem Teppich verstreut wiedersah. Nur Doktor Doow wurde mir lästig. Er versuchte, mich in ein profanes Gespräch über das Wesen der Kausalität zu ziehen, hatte aber damit keinen Erfolg und wandte sich an Lilli, die natürlich gleichfalls keine Aufmerksamkeit zeigte.

Mit der Fahl der geschlürften Punsche nahm auch die Fröhlichkeit zu, die allmählich einer betäubungsartigen starken Wirkung des Getränkes wich. Die Lampe, umwölkt vom Nauch der Figarren, erschien wie ein immer ferner ziehendes Licht. Lubesia schlief bald offenen Mundes ein, in der Hand einen angebissenen Krapfen . . .

Nach dem vierzehnten Glase erschien mir die Welt wie ein sich drehender Kreisel, öd) sank am Tischbein nieder, Tante Trautchen mit in die Tiefe ziehend. Zwei halb gefüllte Glä­ser fielen um, ihren Snhalt segenspendend über uns ergießend. Sch hörte noch einen schrillen Schrei. Dann hüllte mich Fin­sternis ein. Lange lange-----

Dumpfes Gepolter weckt mich. Schwer klappen die Au­gendeckel auf. Sch sehe nichts. Aeggptische Finsternis. Ls muß noch tiefe Nacht sein. Kälte durchrieselt mich eisig. Sn den Fußsohlen prickelt es wie Nadelstiche. Sicher ist die Steppdecke wieder heruntergerutscht. Da ich nach ihr grei­fe, stoße ich gegen die Bettlade. Als ich die Knie hochziehe, stoße ich wieder an die Bettlade. Donnerwetter, liege ich so verquer? Vorsichtig taste ich nach der Nachttischlampe. Doch überall stoße ich an.

Da wieder das dumpfe Gepolter. Wer läuft da über den Speicher? Wo bin ich denn eigentlich? Langsam kommt Erinnerung. Ah--Punsch Silvester Tante Traul- chen! Sch taste wieder mit beiden Händen. Ueberall Holz. Sch komme auf den Gedanken, daß ich mich in den Kleider­schrank, statt ins Bett gelegt haben muß. Tatsächlich, das Nachthemd habe ich an. Donner, muß ich blau gewesen sein! Die Glieder sind kalt wie Messingstangen. Nun aber raus. Wo ist die Schranktür? Plötzlich fühle ich etwas Kaltes. Sch taste die Form ab. Das das muß ein Kreuz fein, ein Me- tallkreuz. ! Donnerwetter, ich bewahre doch kein Kreuz im Schrank. Sollte ich gar in Tante Trautchens Schrank geraten fein? Sch richte mich auf und stoße heftig an den Kopf. Alle Sterne flimmern. Was ist das? Mit erwachten Sinnen taste ich nun alles ab und merke, daß ich in einer länglichen Holz­kiste auf Leegraspolster liege. Unb dieses Kreuz diese Finsternis endlich begreife ich, daß ich in einem Large liege und schon begraben bin. Daher das Poltern. Die be­kannten drei Lchaufeln Erde . . . Nun kriege ich das Gru­seln. Die verfluchte Kälte hindert mich daran, in eine der Lage angemessene Ohnmacht zu fallen. So ein Totenhemd ist kalt. Sch friere wie ein an den Nordpol versetzter Aschanti- neger. "

Nun heraus aus meinem Sarg. Aber wie? Sch zwänge das Metallkreuz in die Spalte, wo der Deckel aufliegt und drücke. Nach vieler Mühe gibt der Deckel, da die Schrauben sehr lose angezogen sind, soweit nach, daß ich die Hand durch­stecken kann. Sch greife in kalte Erde. Erschauernd denke ich an Würmer und Verwesung. Mit unendlicher Mühe bie­ge ich die Hand heraus und drehe eine Schraube nach der an­dern los. Dann lege ich mich auf den Bauch und drücke mit dem Rücken den Deckel hoch. Er gibt rasch nach, da nur die paar Schaufeln Erde und einige Kränze auf ihm liegen. Die Kränze prasseln um mich her. Der Deckel fällt zur Seite. Langsam erhebe ich mich in der Gruft und recke mich im wei­ßen Totenhemd, einen. Papierkranz um den Hals, in die Nacht. Ueber mir funkeln Millionen Sterne. O Licht o Leben!

Nun schwinge ich mich auf den Gruftrand und gehe frie» renb_ans Friedhoftor. Natürlich verschlossen für Lebendige und Tote. Sch klettere über die Mauer. Ein Hund rast heu­lend mit gesträubtem Fell davon. Sch aber gehe im Laternen­schein langsam über die nächtlichen Straßen. Von weitem schon zückt ein Schutzmann das bekannte Buch. Er fährt mich an:Heda, Sie, wie kommen Sie dazu, hier im Nacht­hemd herumzulaufen?" Als er mir ins Gesicht blickt er kannte mich und hatte mich mit beerdigt klatscht das Buch zu Boden; sein Kopf schlägt um und bleibt im Nackn stehen, öd) gebe weiter und komme an mein Haus. Drinnen schallt lautes Reden und Släserklirren. Aha, die trauernden Hinter­bliebenen!

Sch gehe über den Hof in den Hausflur. Dort hängen am Garderobeständer dicke Mäntel und Beerdigungszglinder. Da stehen Gummischuhe. Sch schlüpfe rasch in ein Paar Gummi­schuhe und in einen Mantel und trete in die Küche. Sn einem befiel dampf Punsch zum Nachfüllen. Er riecht gut. Sch schöpfe mit der Kelle und koste. Aha, mein bester Rum. So eine Bande. Der verstorbene Erbonkel hats ja. Dann schlü'r- fe ich rasch einige Kellen und fühle wie die Seele roieber» kommt. Nun höre ich, wie Tante Trautchen meine schlechten Angewohnheiten aufzählt:. . . Lr war ja ein ganz guter Kerl, aber leichtsinnig! Unb Lubesia meckert:Sa, er hat viel getrunken und ist im Prunke gestorben, oeßt brennt er gewiß in der Hölle. Nehtnen Sie noch, Herr Doktor! Hier ist noch Draten, Herr Liiiiller. Schenken Sie sich ein, Frau Pflume."

Also am Trunk war ich gestorben. Merkwürdig. Ha, wartet, euch werd' ichs eintränken, trauernde Hinterbliebene, öd) schlüpfe aus Mantel und Gummischuhen, nehme eine astra- lige Haltung ein und stoße die Tür zum Wohnzimmer krachend auf. Feierlich hebe ich meinen Arm und spreche mit Grabes- Jtimme in die Lnlsetzensstille:Seid gegrüßt! Die Hölle schickt mich, euch zu holen, Verfluchte!" Da schreit, flucht, betet poltert es wild durcheinander. Stühle zerbrechen, die Lampe wackelt und erlischt. Sm Ginstern kämpft ein wilder Men- schenknäuel um die andere LUr. Hysterische Schreie schrillen draußen kracht das Treppengeländer und einige Körper fallen polternd die Stufen hinab . . Sm nächsten Augenblick bekom­me ich einen wuchtigen Schlag an den Kopf, taumele, stürze zu -wen, stoße mich heftig wieder wars der Schädel und sehe nun . . .

Sa, was sehe ich? Neben mr unterm Lisch liegt Tante Trautchen, ihr schönes Kleid mit Punsch übergossen. Sch aber kann mich nur mühsam bewegen, stoße mit dem Kopf abwech- selnd an das Tischbin ober an die untere Sofakante und begrei» le erst allmählich den langen, gruseligen Traum überwin­dend wie verhängnisvoll die Wirkung ist, wenn man das neue Sahr mit einem zu starken und zu ergiebigen Punschgenuß beginnt . . .