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Von Dr. Paul O st w a l d-Berlin.
Belastet mit dem Zusammenbruch des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet und unserer Währung, überschritten wir die Schwelle des Sahres 1924, und wenn wir heute danach rückblickend ermessen, was das verflossene Sahr unserm Bolke in politischer Bestehung gebracht hat, so werden wir doch sagen können, es ist vorwärts gegangen. Wir haben ja allmählich gelernt, bescheiden, sehr bescheiden ?u werden, wir haben begreifen lernen müssen, daß auch für ein Volk der Sturz aus höchstr Höhe in tiefste Tiefe jäh und schnell erfolgen kann, daß aber das Lmporarbeiten aus Schmach und Ernied- rigung nur langsam sich vollsteht. Wenn Preußen es gelang, in relativ kurzer Zeit sich nach dem Frieden von Tilsit zu befreien und auch innerlich sich zu erneuen, so darf dieses Beispiel heute nicht immer wieder zum Vergleich herangezogen und darauf hingewiesen werden, wie jämmerlich es um uns noch nach sechs Friedensjahren steht. So sehr wir gewiß den Geist der Männer brauchen, der damals die Freiheitskämpfer erfüllte, so sehr wir uns von ihm beleben und durchdringen lassen wollen, so ist doch unsere Lage nach dem Weltkriege eine ganz andere gewesen, als Preußen sie nach seinem verlorenen Kriege erlebte. Preußen fand Möglichkeiten, Bündnisse schließen zu können, und vor allem: Preußen hatte keine Revolution mit all ihren schweren Folgeerscheinungen zu überwinden.
Von einem solchen Standpunkt aus gesehen, wird daher auch das Dawesabkommen, das dem vergangenen Sahre für uns sein politisches Gepräge gab, anzusehen sein. Nicht als ob wir darüber zu jubeln und es als den Anfang einer baldigen Befreiung zu begrüßen hätten, denn die uns durch das Ver- Tötller Diktat auferlegten Lasten sind uns ja keineswegs von den Schultern genommen, sondern sie sind nur nach mehr kaufmännischen Gesichtspunkten so verteilt, daß eine Erfüllung des Unmöglichen unseren früheren Feinden aussichtsreicher erscheint. Wie weit wir jemals imstande sein werden, auch beim besten Willen all den Anforderungen des Dawesabkommens zu genügen, wird die Zukunft ergeben. Entscheidend ist für uns in unserer verhängnisvollen Lage geworden, daß wir zunächst unsere Währung und unsere Industrie vor dem Zusammenbruch haben retten können, so daß wir wieder etwas festen Boden unter den Füßen gewannen. Es wird viel an uns selbst liegen, ob diese Besserung anhält oder eine neue Verschlimmerung eintritt.
Bedauerlich allerdings bleibt es, daß es trotz der neuen Opfer, die wir zur Durchführung des Dawesabkommens zu übernehmen uns in London bereit erklärten, nicht gelungen ist, das Ruhrgebiet von dem französischen Militär zu befreien. Aber die Schuld liegt hier weniger an uns, als an der Gut- achlenkommission, die am Anfang des Sahres uns aufsucht, um sich von unserer wirtschaftlichen Lage zu überzeugen, und die schon damals nicht den Mut aufbrachte, die völlige Räumung des Ruhrgebietes von Frankreich als die conditio sine qua non zu fordern. Wir mußten uns so auch in London damit bescheiden, daß Dortmund, Offenburg, Appenweiler, Karlsruhe, Mannheim, Emmerich, Wesel geräumt wurden, daß die Zollschranken fielen, die Eisenbahnregie verschwand, die Vertriebenen heimkehren durften, die politischen Gefangenen ihre Freiheit erhielten und die deutsche Verwaltung wieder eingerichtet werden konnte. Ob uns die völlige Räumung des Ruhrgebietes das neue Sahr bringt, ist eine bange Sorge, mit der wir das Sahr 1924 verlassen, denn wieder ist die französische Politik eifrig an der Arbeit, um Englands Einverständnis und Zustmmung für seine Ruhr- und Rheinpolitik ?n gewin- nen. Es wird einer umsichtigen und nicht minder starken nationalen Politik unserer Rgierung bedürfen, um zu verhüten,
Ein Nkrttlkchchun-ert.
Von Prof. Oppermann-Rudolstadt,
Unser Dasein bleibt unabhängig von ausgeklügelten Zeit- berechnungen, die wir uns selber aufgezwungen haben, um •alles Bauteilen in Tage, Monate und Sahre. Wenn wir da- > her diesem wesenlosen Zahlenrausch zuliebe von „Zeitabschnitten" sprechen, müssen wir zugleich betonen, daß es niemals die Menschen und die Ereignisse sind, die den entscheidenden Einfluß ausübsn. Nur so ist auch das zu verstehen, was wir als das „20. Sahrhundert" bezeichnen, dessen Beginn wir damals mit lautem Subel und stolzen Hoffnungen bgrüßten, nicht ahnend, daß in diesem Zeitabschnitt unser Volk, nach anfänglich beispiellosem Aufstieg, einen Niedergang von selbst heute noch nicht voll erkennbarer Tragweite aufweisen würde.
Es wäre töricht, beim nunmehrigen Rückblick mit innen- und außenpolitischen Einzelheiten aufzuwarten, die obendrein bekannt genug sind. Wichtiger und maßgebend ist die Ergründung der Geistesverfassung, die in diesem Zeit- raum zur Geltung gelangte, zumal man nur auf solche Art die Politiken von den kulturellen Fragen zu unterscheiden vermag.
daß die englisch-französische Verständigung uns wieder Kosten auferlegt, die uns allzu teuer zu stehen kommen.
Außenpolitische, rein staatspolitische und nicht parteipolitische Gesichtspunkte sind es, die immer mehr für unser Volk an Bedeutung gewinnen müssen, aus denen heraus vornehmlich es seine Lage zu beurteilen und die Frage nach seiner Zukunft sich zu beantworten lernen muß. Daß diese Erkenntnis in dem notwendigen Maße leider noch nicht fortgeschritten ist, das zeigten uns die Auflösung des erst am 4. Mai 1924 gewählten Reichstages und die dadurch am 7. Dezember bedingten Neuwahlen. Es wäre wahrlich nicht nötig gewesen, das deutsche Volk in einem Sahre zweimal den Reichstag wählen zu lassen, wenn bei allen Parteien genügendes Verständnis dafür vorhanden gewesen wäre, daß es heute mehr denn je nicht um sie selber, sondern um unser Volk und unsere nationale Existenz geht. Noch weniger nötiger wäre es gewesen, in unserm Volk all die revolutionären Leidenschaften von neuem zu entfachen, wie das bei dem letzten Wahlkampf in Erscheinung trat. Es war kein erhebender Abschluß des Sahres 1924, und wir können nur wünschen, daß das neue Sahr uns das alles wieder vergessen macht unter einer starken, nicht dauernd innerpolitischen Krisen unterworfenen Regierung. Sm übrigen haben die Wahlen vom 7. Dezember das Ergebnis vom 4. Mai in der Richtung kräftig unterstrichen, daß unser Volk sich auf sich selbst zu besinnen und sich abzukehren beginnt von den internationalistischen und pazistischen Phrasen, mit denen uns die Novemberrevoluttion zur großen Freude unserer Feinde beglückte. So bedeutet denn auch in dieser Hinsicht das Sahr 1924 einen Wendepunkt zum Besseren, zur inneren nationalen Gesundung.
Daß man im Ausland diesem erwachenden nationalen Willen bereits die erwünschte Beachtung schenkt, zeigen die Verhandlungen über die neuen Handelsverträge. Der Vertrag mit England, konnte sogar noch in den letzten Wochen des alten Sahres gesichert werden; und zwar ist in ihm das Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung ebenso restlos wie großzügig durchge^ührt worden. Der Abschluß der Verträge mit den anderen Staaten ist zu Beginn des neuen Sahres zu erwarten; auch sie werden auf dem Boden der Meistbegünstigung abgeschlossen werden, ausgenommen vielleicht wieder der Vertrag mit Frankreich, das ja nicht ablassen kann, uns Schwierigkeiten über Schwierigkeiten zu machen. — Von besonderem Wert für die Stärkung unseres nationalen Ansehens in der Welt war natürlich auch die großartige Leistung des „ Z. R. 3“, die uns vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika Sympathien erwerben ließ.
Schließlich darf nicht vergessen werden, daß das Sahr 1924 auch in der für uns so wichtigen Kriegsschuldfrage durch Veröffentlichung der Sswolkskischen Dokumente und des Nachlasses des französischen Botschafters in Petersburg, Georges Louis, uns ganz wesentlich vorwärtsgebracht hat. Die Wahrheit über die Kriegsschuldigen ist auf dem Wege, und man muß heute der Erwartung Ausdruck geben, daß Deutschland im neuen Sahre mit einem energischen Protest gegen diese schwere Lüge des Versailler Diktats erneut und entschieden Front machen wird, damit das Gewissen der Welt in dieser Richtung nicht einschläft.
So dürfen wir mit dem Sahre 1924 im allgemeinen zufriedener sein, als mit den früheren Sahren der Nachkriegszeit. Außenpolitisch und innenpolitisch sind neue Grundlagen geschaffen; auf ihnen mit Entschlossenheit und zäher Ausdauer weiterzubauen, ist die Aufgabe, vor die unser Volk im neuen Sahre gestellt ist. Möchte es das erkennen und danach zu handeln wissen, um sich so ein weiteres Stück V)eg zur nationalen Freiheit und Selbständigkeit zu erkämpfen.
Lediglich politisch betrachtet, würden die Gegensätze des vergangenen Vierteljahrhunderts ein ewiges Rätsel bleiben. 'Denn während wir lebenden Deutschen uns noch nie so eng miteinander verbunden fühlten wie 1914, haben wir uns andererseits noch niemals so heftig bekämpft wie seit 1918. Eine solche Wendung innerhalb kurzer Zeit ist natürlich nicht nur eine Folge politischer oder wirtschaftlicher Ereignisse. Hier handelt es sich um weit mehr als äußere Formen: es ist das M e ns ch e n t u m im eigentlichen Sinne des Wortes, das den Ausschlag gab und auch künftig geben wird.
Wem diese Grundursache des erlebten Unheils immer noch ton, heute nochmals in uns aufnehmen, erkennen wir den Trundirrtum der damaligen Zeitwende: das neue Sahrhundert wurde als eine weitere Epoche kulturellen Fortschritts gepriesen! Und diese Srrlehre fand — was noch verhängnisvoller war — fast überall Glauben! So blieb der Blick der Menschheit getrübt. Die Zivilisation wurde mit Macht« und RentabilitLtswahn, statt mit kulturellem Geiste verbunden. Die Großpersönlichkeiten wurden immer seltener oder gerieten ins Hintertreffen, weil die „Mehrheit", die sogen. Masse zur Geltung gelangte, weshalb selbst wegweisende Könner übertriebene
Konzessionen machen mußten, um wenigstens etwas Einfluß erlangen zu können. Der krasseste Materialismus wurde oor- he'-rschend und verdrängte die sittlichen und geistigen Werte, dadurch eine Gesamlstimmung erzeugend, die im eigenen Volke den Gemeinschaftssinn und in der Welt die höheren Sdeale zerstörte.
Wenn wir die Stimmen, die 1900 in aller Welt laut wur- bezweifeln ode? diese falsche Geistesverfastung nicht endlich als eine Warnung *>on ungeheurer Tragweite auffallen will, macht sich mitschuldig am Unglück unserer Nation. Denn ein Volk, das in Zeiten kulturellen Niedergangs von kulturellem Fortschritt spricht, betrügt sich selbst und ist dem Zerfall geweiht. Wäre der Geist von 1914 mehr als eine augenblickliche Volksstimmung, nämlich eine Auswirkung lang gehegter und gereifter innerer Menschenwerte gewesen, so hätte er niemals so rasch und gründlich von rein materialistischen, an die niedrigsten Snstinkte appellierendn Sdeen und Forderungen verdrängt werden können. Die Begriffe des Volkes waren schon längst zuvor derartig verwirrte, daß der Masse das Unterscheidungsvermögen fehlte; sie erkannte nicht den tieferen Sinn der Aufgabe, die der Daseinskampf an uns stellte, und ließ sich schleßlich blenden von verführerischen Schlagworten, deren unheilvolle Wirkung nunmehr deutlich genug in Erscheinung tritt.
Die Erkenntnis des begangenen Grundirrtums ist die Vorbedingung unseres Wiederaufstiegs. Wir dürfen nun einmal nicht in dem Wahn verharren, politische, wirtschaftliche oder ähnliche Maßnahmen sein allein in der Lage, das künftige Schicksal der Nation zu meistern. Der Geist ist's, der ausschlaggebend sein und bleiben wird! Selbst ein Aufblühen unserer Industrie, eine Befreiung der besetzten Gebiete, eine Sicherung unseres Finanzwesens, großartige neue Erfindungen — überhaupt eine Gesamtbesserung der äußeren Formen wäre zwecklos, wenn nicht auch unser innerster und höchster Wert, die deutsche Seele, gefunden würde. Denn ohne die Gestaltung des deutschen Menschen treiben wir weiter im Wettlauf um nur äußere Macht und äußere Güter, verewigen somit den Niedergang und kehren immer wieder dahin zurück, wo die Ursache unsres Zerfalls liegt. Erst wenn unser Wille von sittlicher Kraft durchdrungen ist, wird uns die Verderblichkeit allseitiger Selbstsucht und einseitiger Irrlehren — die nicht nur im Maxismus und Kommunismus zum Ausdruck kommen —* bewußt werden; erst dann erkennen wir die eigentlichen Volks und Menschheitswerle und die kulturelle Aufgabe, die wir daheim und in der Welt erfüllen können, wenn wir nur wollen.
Auf diesen Willen kommt es an! Er allein bietet Gewähr dafür, künftigen äußeren Fortschritten den inneren Wert zu verleihen. Nur auf diese Art lernen wir begreifen, was es heißt, ein Volk, eine Volksgemeinschaft zu bilden. Darum ist die Neugestaltung Deutschlands in erster Linie ein sittliches Problem; noch deutlicher ausgedrückt: eine Frage der Eha- raktorbildung. Erkennt erst der Einzelne, daß er nicht lediglich äußerer Vorteile wegen, sondern aus überpersönlichen Gründen zu seinem Lande und Volke sich bekennen muß, dann können wir von der Einheit des Reiches zur Einigkeit des Volkes gelangen und dadurch einen Machtfaktor bilden, der sowohl die inneren Probleme des Landes, wie auch die außenpolitischen Fragen aufs günstigste beeinflussen wird. Sn solcher Gemeinsamkeit des Empfindens legt Deutschlands Stärke.
Ein Blick ins Ausland lehrt uns, daß dort vielerorts die inneren Menschheilswerte durch Phrasen ersetzt oder sogar offen verhöhnt werden; daher auch die Gier, das Mißtrauen, die Friedlosigkeit, die insbesondere auf uns Deutsche im und nach dem Weltkriege angewandt wurden. Wir müssen uns endlich von solchen, den sittlichen und religiösen Grundsätzen widersprechenden Einflüssen frei machen, damit die vergiftete Volksseele gesunden kann und wir aus eigener Kraft den Antrieb zum Aufstieg erhalten. — Wenn wir am heutigen Beginn des neuen Vierteljahrhunderts von solchem Willen durchdrungen und zugleich bestrebt sind, diese innere Erneuerung als obersten Grundsatz auch bei der Tugend zur Geltung zu bringen dann kann diese Zeitwende eine deutsche Schicksalswende werden.
Aus der RMsmmine.
Der Befehlshaber der leichten Seestreitkräfte der Ostsee, Konteradmiral Olderkopp, hat den Kommandanten der Besatzungen der Torpedoboote „G. 8“ und „G. 11“ für das besondere seemännische Geschick, mit dem die Bergung des wracken Seglers „Asta" unternommen und die Rettung der schiffbrüchigen Besatzung durchgeführt wurde, seine besondere Anerkennung ausgesprochen.
Wie erinnerlich, war der dänische Motorsegler „Asta" aus Aalborg entmastet und mit unklaren Schrauben von den deutschen Torpedobooten in heftigem Sturm angetroffen worden. Die Schleppversuche mißlangen infolge des schweren Seeganges. Als Strandung unmittelbar drohte, nahmen die Torpedoboote die Besatzung unter schwierigsten Umständen über. Die Besatzung konnte noch am selben Tage zugleich mit der Besatzung eines untergegangenen deutschen Dampfers, die aus einem Rettungsboot ausgenommen war, wohlbehalten in Kiel gelandet werden.