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Liebe kleine Limokoa

Sr eb Andersens Höllenfahrt

Roman v. Otfried von Hanstein.

(23. Fortsetzung).

Sollte ich die Ghre haben, Mister Andersen ?u treffen, werde ich mir gestatten, den Gruß auszurichten.

Lr ging hinaus und sah, wie eine farbige Dienerin den Damen die Garderobe brachte und diese dann die Loge und das Haus verliehen. Limokoa hatte sich nicht mehr umge- blickt. Dr. Büttner ging durch den Garten. Gr hatte eigent­lich vorgehabt, die Nacht auf dem Balle zu bleiben und am Morgen mit Kapitän Berger von derRugia", dem ehemali­gen schönen Llogddampfer, der jetzt allerdings unter amerika­scher Flagge alsNiagara" fuhr, gleich an Bord ?u gehen, aber jetzt trieb cs ihn fort. 2ns Hotel? Grst recht nicht! Gr schritt dem Strande zu. Lächerlich! Er war verliebt. Mit seinen breißig Wahren auf den ersten Blick sinnlos verliebt! Verliebt in eine Mohaveindianerin, die noch dazu ihren Ro­man hatte und verheiratet war! Gr war verliebt und eifer­süchtig, eifersüchtig und zugleich ärgerlich auf diesen Gatten! Gin Glück, dah er morgen abreifte! Wie solle er es über sich bekommen, ihr harmlos gegenüberzutreten? Wie sollte er in Honolulu sein, ohne sie zu suchen und zu sehen?

Gr ging an den Villen entlang, an den Hütten der Ginge- borenen, an den Arbeiterhäuschen des Hafens. Wüster Lärm aus verdächtigen Spelunken Taumelnde, Trunkene hier und da ein rauher Schrei

Der Mond über den leisen Wellen des Meeres, über der Brandung an den Kreisen der Korallenriffe.

0, diese Augen! Diese schwarzen, traurigen Augen! Gr fühlte, dah er sie nie wieder würde vergessen können, und diese Stimme!

Limokoa!

Seltsamer Name, der selbst anmutet wie Rätsel!

Hallo, Doktor!"

Gr schrak aus den Träumen und sah den Kapitän Berger vor sich.

Gut, dah ich Sie treffe. DieNiagara" muh mit Mor­gengrauen fort. öjt nicht unmöglich, dah ein Sturm kommt und da möchte ich aus dem Bereich der Korallenriffe sein. War schon im Hotel und habe 2hr Gepäck besorgt, wollte Sie vom Gouverneur abholen, aber Sie waren ja bei der schönen Limokoa und da wollte ich nicht stören. Habe schnell am Buf­fet ein Glas köstliches deutsches Bier getrunken echt Mün­chener Löwenbräu, prachtvoll! And inzwischen Sie aus dem Auge verloren. Dachte Sie wären zum Hotel gegangen und von dort an Bord geschickt."

Der Doktor unterbrach seinen Redefluh. 2hn interessierte vielmehr, dah auch er Limokoa kannte.

Sie kennen die Dame näher."

Gr legte mit Absicht den Ton auf das WortDame" und der Kapitän wiederholte:

Arme, kleine Limokoa! Herrgott, stechen Sie mich doch mit den Augen nicht gleich mausetot! Sie sind doch nicht Mi­ster Andersen!"

Sie kennen ihn auch?"

Sch komme alle Sahr ein paarmal noch Honolulu und all­zu häufig sind die Neuigkeiten hier nicht. Vor etwa zwei 2ah- ren sah ich ihn zum ersten Male. Herrgott, war das ein hüb­scher, frischer Sunge. Frisko-Amerikaster mit etwas südländi­schem Ginschlag. Temperament! Feuer! Gnorgie! Damals tauchte er mit der kleinen, bildhübschen Limokoa, die wohl eben irgendwo seine Frau geworden, und sehr viel Geld hier auf. War sofort große Nummer! Kein Wunder! Beide so schöne Menschen! And so verliebt! And so viel Geld! Dann sah ich ihn vor einem Sahre wieder reden wir nicht davon! Sst doch nur ein Sammer! Da sind wir an Bord i nd ich sehe, mein Steuermann wartet der Dienst ruft! Sie haben es gut! Sie gehen jetzt in die Kabine und fchlafen

Mit schnellen Sprüngen war er die Treppe zur Komman­dobrücke hinaufgeeilt und rief durch das Sprachrohr seine Befehle hinunter. Die Schrauben begannen zu arbeiten, die Anker schwebten empor, während plötzlich ein pfeifender Laut den nahenden Sturm kündete und die Wogen an den Schaum­kronen der Auhenriffe des Hafens hoch auffpritzen ließ, zo­gen die Lichter von Honolulu zum letzten Male vorüber. Dem Doktor Büttner wäre es unmöglich gewesen, sich schla­fen zu legen. Gr blickte hinüber zu jenen Lichtern. Deutlich hob sich das hellglänzende Haus des Gouverneurs, von dem er nicht einmal Abschied genommen, vom Dunkel der Bäume ab. Daneben einige Villen. Sn welcher wohnte Limokoa? Sicher wachte auch sie noch. Sah sie dem Dampfer nach mit ihren großen, traurigen Augen? War Hoffnung in ihnen, baß der frembe Bote ihre Botschaft ausrichten könnte? Ober hatte ihr kluger Blick in seinem Herzen gelesen?

Der Sturm pfiff über das Deck und brachte große Spritzer herauf. Der Doktor fröstelte. Gr mußte sich fest an dem Geländer der Treppe halten, als er nun doch hinunterstieg, um seine Kabine aufzusuchen, freilich nicht, um zu schlafen, sondern um nachzudenken über das Rätsel, das an diesem Abend in sein Leben getreten Limokoa!

Der Sturm hielt an, bis der Leuchtturm am Gingang des Golden Gate die Nähe von Frisko ankündete. Line schwere Fahrt. Seekrank hatten die meisten der Passagiere in ihren

Kabinen gelegen und Kapitän Verger war sonst gar nicht von 6 der Brücke gekommen. Und jetzt, als sie im Hafen waren schien es dem Doktor, als ginge er ihm aus dem Wege, u^ nicht wieder gefragt zu werden. Dr. Büttner bezwang sich Was hatte das alles für Zweck? Wann würde er je wieder nach Honolulu kommen? Gab es nicht viele Schicksale, die Rätsel waren? Was kümmerte ihn Limokoa Andersen? §r ; stürzte sich in Frisko in die Arbeit, um schnell wieder fortzu­kommen, aber als er durch Zufall einen Mann traf, von den, 1 er mußte, baß er Fred Andersein, jenen Fred Andersen aus Bonn gekannt hatte, fragte er gleichgültig.

War eine traurige Geschichte damals und ein gren. zenloser Skandal. Ueber beides ist natürlich längst Gras ge­wachsen. Der junge Andersen ist in den Canons des Colo» rado verunglückt, gerade dreizehn Tage, nachdem der alte General Bankerott machte. Soll da eine Wette mitgespieh haben, an der die kokette kleine Maud Allen .eteiligt war - Sch sage öhnen, ein großer Skandal, in den sogar Dick ouyn- scn, der Soldkönig eingriff, deßt ist alles vergessen. Ver General Andersen ist in Washington, der junge tot, Konsul Allen und seine kokette Tochter irgendwohin verschwunden und der brave Will Baker hat sich über den Verlust der Braut getröstet und die magere, aber schwer reiche Aench - Bruce geheiratet. Was gehts uns an. Auch ein SkauV muß sein."

Dr. Büttner schwieg. Was sollte er sagen? Gtwa, ^ Sreb Andersen noch lebte, der doch anscheinend mit Absicht kein Lebenszeichen gegeben hatte und baß er mit einer Mo­haveindianerin verheiratet sei? Wozu? Nur der Daily News einen neuen Artikelstoff liefern?

Nach vier Tagen fuhr er südwärts, um nach Aew-Or- j loans zu gehen. Der amerikanische Ingenieur, der ihm atta- chiert war und den er in Los Angelos treffen sollte, mar I ihm schon vorangereist.

Gr saß also im Pullmancar und fuhr durch die lachenden1 Fluren Kaliforniens, bis die Landschaft eintöniger wurde un­immer eintöniger und endlich die letzten Höhen der Sierr k Nevada verschwanden. Bergab ging der Bug> immer bep 1 ab. Trostloser Sand zu beiden Seiten der Bahn. Hn 1 und da ein vereinzelter Kandelaberkaktus, eine verdorrt- Palme, ein trümmerhaftes Adobehaus, vor dem halbverhun- * gerte 2ndianer hockten und dem Zuge nachstarrten. Tot, verlassen, grausig in seine Oebe das Land. Gin §akepunkt. Frink Springs neunzig Meter unter dem Meeresspiegel inmitten der GoloradowUste!

Der Name durchzuckte den Doktor.

(Fortsetzung folgt.)

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