Ar. 21
Donnerstag, den 25. Dezember 1924.
Mische Morgenzeitung.
1. Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
eihnachten 1924
Deutsche WelunachtSwünsche!
Grau schleicht der Lag an Winters Hand, Die Sonne fern, und fern der Lenz, Schwer ziehen durch das deutsche Lant» Die Nebelschleier des Advents.
Advent! Ls ist dieselbe Zeit, Der kurze Blick ins Paradies, Und hält kein Wunder heut bereit, Das sonst das Herz erschauern ließ.
Beklommen schlägt es in der Brust Und will sich nicht die Not gestehn. O alte deutsche Weihnachtslust, Willst du I ns auch verloren gehn? Du alte Wunschlust, kinderfroh Und kindergläubig noch im Mann, Werd flammenheih und sprüh und loh Zum weihnachtlichen Himmel an!
Erfüllung wird, was so begehrt öm Glauben an die eigne Kra^., Wer in sich selbst den Kämpfer ehrt, Wird nie von Furcht hinweggerafft. Der glaubt an seines Volkes Stern, Weil drosseln eigne Feigheit hieß — So treten wir vor Gott, den Herrn, Und unser Wünschen, Gott, ist dies:
Herr Dem Dem Das
Von Rudolf Herzog.
Den alten Nibelungenstolz
Laß auferstehn in Blut und Mark Schnitz Männer uns aus Lichenholz, An Wissen und an Waffen stark, Die vor dem Volk als Führer gehn, Unnahbar st der Schmach und Schuld,
Und Die
Uns Bis Der
denen Hell im Auge stehn Adelsbriefe deiner Huld.
andern aber gieß die Lehr' auf dcn Grund der Seelen ein: Führer Lhr' ist unsre Lhr',
Woll'n wir ein Volk von Männern sein. Der Brüder Art steh fest gewahrt, Ob ein Gebet auch anders klingt, Ls geht ja doch dieselbe Fahrt, Wenn es nur deutsch zum Himmel bringe.
Das sei der Frauen heilig Amt, Das ihrer Lieder hellster Ton: Dem Vaterland, dem du entstammt, Schenk' ich dich wieder, du mein Sohn. Daß, wo du schreitest wetterhart, Dein Gang von meiner Liebe zeugt,
Lin Wort dir Von deutscher
folge: Seht, der ward Mutter einst gesäugt!
Wh
Gott, wer solches wünschen kann, wird der Winter bald zum Lsuz, winkt aus schwerer Nebel Bann ewige Wunder des Advents.
Und fragst du dennoch: Heb' die Hand Und sprich, was dir die Sorgen gab? Herr, weil mein deutsches Vaterland So unaussprechlich lieb ich hab'.
Bon der Lebensrute zum Weihnochtsbaum.
Blühende Kirschbäume zu Weihnachten. - Die Bedeutung der „Lebensruten". - Das „Pfeffern" am Kindlestag.
der Weihnachtsfeier ist der Ehrist- die Weihnachtsbaum. Er ist ebenso weit bekannt, wie okne Pinn Weihnachten ist für die meisten Deutschen Abanin gar nicht denkbar. Und doch ist der
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D . ei m^^’ er lebt das jar nit uß. duru, 'm"'/ baden / wir einen wertvollen alten Beleg für den Brandi ('""/ ^brhundertè bezeugten und heute noch üblichen Die^ fit öroeige ins Haus zu hängen ober aufzustellen.
!K ^lweder Zweige von Nadelbäumen, Buxbaum, berpr "'^^Walkne oder von Kirsch-, Weichsel- und an- so s,'., ^"obäume oder Blumen. Sind sie nicht immer grün, >ie !"6" sie einige öeit vor Weihnachten ins Wasser und
> "I $le "orme Stube, damit sie bis zum Fest Knopsen, in V ‘1 Blüten treiben. Hier sind zwei Anschauungen mit .er übergegangen: man glaubte in Deutschland, daß ^bginn eines neuen Fahres auch die Natur anfange, neu erwachen, und erzählte sich allerlei Wunderdinge von Bäumen, besonders Kirschbäumen, die, an Weihnachten blüten.
war in den Augen der Christen eine Verherrlichung des Christkindes durch die Natur und wurde in der Literatur viel behandelt und in Verbindung gebracht mit dem Baum der Cr- Kenntnis im Paradies und durch ihn mit dem Kreuz Christi, 'tut diesem Glauben verband man den Brauch, Kirschbaum- 'weige vor ober an Weihnachten ins Wasser zu stellen. Neben- her gmg eine andere Anschauung. Den Pflanzen, die sogar ^. Winter grünen, und denen, die im Frühjahr zuerst Knospen
lr^lben, schreibt man ganz besondere Lebenskraft ;u. Diese gilt es sich nutzbar zu machen. Wenn man die
^US "umstellt oder Menschen, Tiere und Bäume ^^uhrt, so glaubt man, daß ihre starke Lebenskraft auf
die Berührten oder überhaupt die Umgebung übergehen, Uebel abwehren und Segen spenden können. Die Zweige werden deshalb an der Haus- oder Stalltür angebracht oder im Stall, in der Wohnstube, im Speicher, wo sie meist gegen Feuergefahr schützen. Man pflegt in der Wissenschaft einen solchen Zweig Lebensrute zu nennen.
Die Lebensruten kommen in der verschiedensten Art vor. An manchen Orten pflegen an Weihnachten, Neujahr oder dem Tage der unschuldigen Kinder, dem K i n d l e s t a g (28. Dezember), die Burschen die Mädchen mit Ruten zu schlagen. c2uan nennt das Pfeffern oder Kindlen. Die Mädchen pfeffern dann an Neujahr oder Dreikönig die Burzcyen. Man läßt sich gerne pfeffern und gibt ein Geschenk für den Segen, den es geben soll. Auch Kinder schlagen die Litern, Knechte die Mägde, vor allem aber pfeffert man erwachzene Mädchen, j Der Körperteil, auf den man sie schlägt oder wenigstens früher j gejryiagen hat, und die an manchen Orten üblichen, ins Obszöne gehenden Namen für das Pfeffern und einzelne Begteit- [ umstände zeigen deutlich, daß man mit dem Schlagen Fruchtbarkeit und Segen bewirken will. Das wird bisweilen ausgesprochen wayrend des Schlagens, wie in folgenden Versen:
Fch pfeffre Lure junge Frau, ich weiß, sie hat das Pfeffern gern, ich pfeffre sie aus Herzensgrund, Gott halt die junge Frau gesund.
Das Schlagen mit der Lebensrute ist vor allem wieder an Fastnacht und Palmsonntag üblich. Bei Hochzeiten wird das Brautpaar gepflogen.
Der Braury ist mit der Zeit unverständlich geworden, man hat ihn aber doch beibehalten und umgebeutet. Das Schlagen tuirb als Züchtigung oder als Ulk aufgefaßt. Mit dem Ge- jchenk kaufte man sich los, während es ursprünglich eine Belohnung war. Line solche Lebensrute ist der von Sebastian Brant erwähnte grüne Lannenzweig, den man an Neujahr ms Haus steckt, um Glück zu haben, wie es Brant ausspricht. Der Straßburger Pfarer Geiler von Reifersberg prebig'e im Fahre 1508 gegen die dort üblichen Weihnachtsbräuche und setzte sie neben die Wijabrsfr’en der Heiden, die Lannreis in die Stube legten und anderes machten, was wir auch an Weihnachten treffen. 5n Dörfern der Bogefen errichteten die Mädchen in der Aeujahrsnacht einen Maien, das ist eine Stechpalme, die sie mit Liern, Bändern und einigen Gestalten
schmückten^ und auf den Dorfbrunnen stellten. Um 1600 wird aus bem Clfaßbericbtet, baß man an Weihnachten einen Maien in der Stube habe. Um das Fahr 1640 schimpfte der Straßburger Theologe Dannhauer über die Weihnachtsfeier der einzelnen Familien, in der er einen Gegensatz zum kirchlichen Fest sah. Dabei sagte er: „Unter anderen Lappalien, da- mit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch derWeihnachts- oder Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker gehängt und ihn hiernach schüttelt und abblumen läßt. Wo die Gewohnheit hergekommen ist, weiß ich nicht, ist ein Kinder- fpiel . Hier sehen wir also den Weihnachtsbaum als Ausdruck deutschen Volksglaubens neben der kirchlichen Feier oder im Gegensatz zu ihr.
Der Ursprung des heute üblichen Weihnachtsbaumes, dem an vielen Orten „Weihnachtsbofchen" vorausgegangen finb, scheint im Llsaß oder überhaupt im ale- mannischen Gebiet am Oberrhein zu sein. Von hier aus sollte ei sich über ganz Deutschland und die Welt verbreiten. Lhristliche Anschauungen wurden mit ihm verbunden und so der Gegensatz zwischen Volksreligion und Christentum ausge- glicben. Schon die Prediger gegen den Weihnachtsbaum verwiesen _auf den Baum des Paradieses oder auf den „geistlichen Zedernbaum Christum Fesum". Der Baum des Paradieses blieb auch nicht ohne Einfluß auf den Weihnachtsbaum. Vielfach ist er, wenn auch nur als Gebäck, mit Adam und Eva unter dem Weihnachtsbaum dargestellt.
Fu den beiden folgenden Fahrhunderten wird der Weih- nachtsbaum an einigen Orten Süd- und Norddeutschlands er- wahnt Aber weder Name noch Aussehen ist einheitlich. Er heißt bald Weihnachtsbaum, dann Christbaum, Lebensbaum ober wird sonst gekennzeichnet. Manchmal wird der Baum auch nicht an Weihnachten aufgestellt, sondern am Aiko- a u s t a g und heißt dann im Kanton Zürich und in Oberbagern Klausbaum, ober der Klaus bringt ihn auf Neujahr. Oft ist er ein Wachholderväumchen oder eine Birke, ein Kirschbäumchen oder sonst ein Laubbaum, den man öfters schon einige Monate vor Weihnachten in einen Topf setzte und ins Zimmer stellte und auf Weihnachten zum Blühen brachte. Fn Ostfriesland hatte man bis vor kurzem kein Bäumchen, sondern ein Gestell, an dem Laub, Zucker und etwas Gebäck an-