Einzelbild herunterladen
 

neu Zweifel darüber gelassen, daß diese jetzt neue Wege gehen will, und zwar dieselben wie die volksparteiliche Reichstags­fraktion. So entstehen, da ja die Mehrheitsverhältnisse des Landtags mit denen des Reichstags übereinstimmen, in Preu­ßen genau die gleichen Schwierigkeiten der Kabinettneubildung wie im Reich. Dieser Druck ist notwendig, um dem Zentrum und der Linken den Ernst der Lage vor Augen zu führen. Man wird es der Volkspartei nicht zum Vorwurf zu machen haben, sondern vielmehr als Verdienst anrschnen müssen, daß sie hier wie dort Klarheit schaffen will. Sachlich ist die Uebereinstim­mung der Kabinettszusammensetzung im Reich und in Preußen ein dringendes Erfordernis; sie sollte sogar nur die erste Stufe zu einer viel tieferen Neuregelung der Verhältnisse sein.

Sie Regierungsbildung in Preußen.

D.B.Berlin, 20. Dez. (Eg. Meldg.) Zu den gestrigen Beratungen der preußischen Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei und dem im Anschluß daran herausgegebenen Kommunique erfahren wir noch von unterrichteter Seite, daß als seine Folge selbstverständlich der Rücktritt des preußischen Gesamtkabinetts spätestens zum 5. «Januar erwartet wird. Die Landtagsfraktion gedenkt, sich an einergroßen Koalition" mit Einschluß der Sozialdemokraten ebensowenig zu beteiligen wie die Reichstagsfraktion und will mit dieser in enger Zäh­lung bieben.

Vor Aushebung der Uubedeuklichkeitserklärung für Pässe.

D.B.Berlin, 20. Dez. (Sig. Meldg.) Die Reichsregier­ung beabsichtigt, wie wir hören, die bisher vorgeschriebenen Sichtvermerke der Finanzämter möglichst schon zum 1. «Januar obzuschaffen.

Jie Mhlbeschlver-e des Aufwertungsbundes,

D.B. Berlin, 20. Dez. (Lig. Weldg.) Zu der Wahlbe­schwerde des Reichsbundes für Aufwertung erfahren wir von zuständiger Seite, daß die Prüfung des eingereichten Materials und die Entscheidung über die Zulässigkeit der Beschwerde Sa­che des demnächst zusammentretenden Wahlprüfungsgerichtes unter dem Vorsitz Dr. Spahns sein wird. Die Reichsregier­ung steht auf dem Standpunkt, ihr Aufruf gegen die Zer­splitterung der Stimmen bedeute keine Wahlbeeinflussung, da ja in keiner Weise gegen die Bestrebungen der kleinen Partei Stellung genommen, sondern lediglich darauf hingewiesen sei, daß eine allzugroße Zersplitterung die praktische Wirkungs­losigkeit der abgesplitterten Stimmen zur Folge haben werde. Weiter könne auch von Inkorrektheiten in den amtlichen Be­kanntmachungen der Kreisblätter nach dem bisher vorliegenden Material nicht die Rede sein, da die Form dieser Bekannt­machungen nach der amtlichen Vorschrift überall in gleicher Weise erfolgt sei. Ob darüber hinaus amtliche Kreisblätter in unzulässiger Weise aus eigener Jnitiatioe Wahlbeeinflus­sung getrieben hätten, unterliege zur Zeit noch der Prüfung durch die zuständigen Behörden.

Mihm v. MM» 7 Minaten,

M

Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Frhr. von Waltzan ist zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Bot­schafter in Washington ernannt worden. Zum Staatssekretär

im Auswärtigen Amt ist der bisherige Leiter der Abteilung 3 (England, Amerika), Win.- Dir. v. Schubert ernannt wor­den. Herr v. Schubert hat bereits die Geschäfte des Staats­sekretärs übernommen.

Für Volksentscheid überSchwarz-weiß-rot

D.B.Berlin, 22. Dez. (Lig. Meldg.) Die deutschiiatio- nale Reichstagsfraktion hat beschlossen, die Lösung der jlag- ge»frage im Wege des Volksentscheids zu versuchen, ba nach der Verfassung für die Einführung der darben Schwarz-Weiß-Rot die nötige Zweidrittelmehrheit im Reichstage sich nicht finden wirb. Die Reichs- tagsfraktion hat cs ferner für dringend nötig erklärt, caß bie .ysregierung sofort Maßnahmen ergreife, um i as ......t Deutschlands auf Räumung des Ruhrgebiets und der Kölner Zone zum 10. januar zu wahren.

IMW.H...s.7'ö"'mlM Aalwn.

Nom, 20. Dez. Vor einigen Tagen war in der italienischen Presse bereits davon die Rede, daß jtalien von der deutschen Haiidelsvertragsdelegation Erleichterungen für die Apfelsinen- rinfuhr bis zur Beendigung der Verhandlungen verlangen macht haben. Daß jtalien bisher gleichwertige Zugeständnisse wollte. Wie man jetzt aus Kreisen erfährt, die an der Aus­fuhr interessiert sind, soll Deutschland dieses Zugeständnis ge- gemacht hat, ist bisher noch nicht bekannt geworden.

Oberbürgermeister gesucht!

wtb. Berlin, 22. Dez. abends 10 Uhr telef. Der Posten des Oberbürgermeisters von Hannover, den bisher der sozial­demokratische Landtagsabgeordnete Leinert inne hatte, wurde öffentlich ausgeschrieben.

wtb. Gießen, 22. Dez. abends 10 Uhr telef. Der Mas­senmörder Angerstein ist nach seiner Heilung nunmehr unter besonderen Vorsichtsmaßregeln von Gießen nach dem Ge­fängnis nach Limburg überführt worden.

Kein Beamtenabbau Preußens im Rheinland.

D.B.Berlin, 22. Dez. (Lig. Meldg.) Von zuständiger Stelle hören wir entgegen anderslautenden Meldungen, daß seitens der preußischen Regierung im Rheinland und im Ruhr­gebiet ein nachträglicher Beamtenabbau keinesfalls erfolgen werde.

Für Hochwassergeschädigte.

D.B.Berlin, 22. Dez. (Lig. Meldg.) Auf den Aufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Sammlung für die durch Hochwasser Geschädigten sind bisher 340 000 Mark eingegangen. Angesichts der großen Not ist ein weite­rer Eingang von Spenden dringend erwünscht.

Schlägereien zwischen Kommunisten und Vismarck-Bündleru.

D.B.Berlin, 22. Dez. (Wg. Meldg.) «Jn der näher-n Umgebung Berlins, in Französisch-Buchholz, ist es am Sonn­tag aus Anlaß der Einweihung von Kirchen­glocken zu schweren Zusammenstößen zwischen Bismarck­jugend und einem kommunistischen Trupp gekommen. Schon vor dem Festakt kam es zu Reibereien, die danach zu Tätlich-

Kelten ausarteten. Infolge der Schlägerei gab es etwa zehn Verwundete. Polizei schritt ein und nahm dreißig Verhaftungen vor.

Mussolinis Wahlreform.

D.B.Rom, 22. Dez. (Sig. Meldg.) Die von Mussolini in der Kammer angekündigte Wahlreform hat in politischen ..egen großes Aufsehen erregt. Man rechnet mit baldigen Neuwahlen. Der «Dipritt Mussolinis wird als wirksamstes Mittel zur Klärung der politischen Lage bezeichnet und werde gleichzeitig zur Säuberung der faschistischen Partei führen.

Für AuÄSlmdtMgslusüst.

wtb. London, 22. Dez. abends 10 Uhr telef. Aus Otto- va wird gemeldet, daß laut einer Mitteilung des Ministers für Einwanderungen die Regierung 1925 eine große Einwander- unskampagne in Großbritannien und in Europa unternehmen wird. Von Holland erwarte man ein gute Einwanderung. Frankreich, Belgien, Ungarn, Polen, Südslawien, Norwegen, Schweden, Dänemark leisten auch ein beträchtliches jntereffe Auch aus Deutschland sei etwas Auswanderung, aber Sanaba sei richt darauf vorbereitet eine große Anzahl Flüchtlinge auf­zunehmen, die jetzt in Deutschland aus verschiedenen Gebieten des Kontinents weilen.

Aus Matzt und Lantz.

Der goldene Sonntag. Trotz der wirtschaftlichen Nöte zeigte der vorgestrige Sonntag in den Straßen Zuldas einen regen Verkehr, jn den Geschäften traf man ein kauflusti­ges Publikum, von dem die Landbevölkerung einen großen Prozentsatz ausmachte.

Neben allerlei nützlichen Gegenständen, wie Bekleidung und Hausrat, wurden auch sehr viele Luxusartikel gekauft. Wie wir hören, war das Weihnachtsgeschäft ein äußerst reges, das die Erwartungen bei weitem übertraf. Besonders her­vorzuheben ist noch die Reichhaltigkeit der Waren und Aus­lagen unserer hiesigen Geschäfte, wodurch viele ZuldvorEin- wohner, die sonst ihre Weihnachtseinkäufe in FraMMt tä­tigten, veranlaßt wurden, dies hierselbst zu tun und dadurch zum großen Teile an dem befriedigenden Weihnachtsgeschäft beitrugen.

Neues Theater.

Weihnachtsspielplan: Donnerstag, 25. Dez., Freitag, 26. Dez. und Samstag, 27. Dez, abends 7 einhalb Uhr, Ende 9 einhalb Uhr, zum ersten Male:Fräulein Mama". Don­nerstag, 25. Dez.Otto der Treue". Zreitag, 26. Dez., Die heilige johanna". Samstag, 27. Dez. Gastspiel des Münchener Kasperl-Theaters Liesl Simon. Sonntag, 28. Dez.,Otto der Treue". Sonntag, 28. Dez.,Die heilige «Jo-

Hanna".

Gastspiele des neuen Theaters im Schumann-

Theater. Am 21., 22., 25., 27., 29. und 30. Dezember, nach­mittags 3 einhalb Uhr:Scyneewittchen und die sieben Zwerge".

Wahrnehmung der zoll- und h<

en

en der

Das Leipziger Meßamt hat auf mehrfachen Wunsch aus Ausstellerkreisen auf Anregung der Zentralstelle für Interes­senten der Leipziger Mustermessen e. V. beschlossen, mit Hil­fe feiner schon seit jähren bestehenden Ausfuhrstelle (Hollbüro die zoll- und handelspolitischen Interessen der Leipziger Mu- sterindustrien bei der Vorbereitung der neuen Handelsverträge wahrzunehmen und sie beim Reichsverband der Deutschen

55

Liebe kleine Limeksa Zred Andersens Höllenfahrt

Roman v. Otfried von Hanstein.

(18. Sortierung).

»Hip, ^ip, hurra für Wister «Johnson und Genera! Ander­sen."

Niemand wußte recht, was das bedeutete, aber jeder ahnte etwas; denn Mister Johnson tat nie etwas ohne Grund, und wenn er diesen Ouruf duldete, dann wußte er, warum. Zu­dem der General war beliebt und allgemein bedauert.

,Hip, Hip, Hurra!"

Die beiden, denen der Ruf galt, waren aus der Tür ge­gangen. Villen und Baker sahen den beiden mit mißmutigen x,..cKen nach.

Welch eine lächerucye Komödie hat der alte johnson wie­der gespielt?" --

Baker lachte.

Öat den Patrioten herausgekehrt und den General ge­deckt. Glaubt wahrscheinlich an einen baldigen Krieg und be­wirbt sich im voraus bei der Regierung in Washington um die Heereslieferungen."

Konsul Allen antwortete nicht. jmmer mehr von den Din­gen, die sich bett oben ereigneten, drang in den Saal, in dem sich schon Parteien gebildet hatten. Weist allerdings Berech­nungen. Hie Andersen der galt nicht mehr mit, aber hie johnson? hie Baker und Allen.

Allen war eine Seldmacht. johnson auch. Waren Allen und Baker ihm gleich.

Allen, Andersen und johnson mären stärker gewesen. Die Euren zu den Speisesälen wurden geöffnet, die Wusik spielte drinnen zur Kasel. Wan hatte europäische Sitte bei diesem angenommen, und Damen und Herren speisten zusam- men, auch reichte man Wein zur Tafel. jn Zrisko war noch das Abstinenzgebot nicht wirksam geworden.

Will Baker saß neben seiner Braut, Mister Allen hielt losar eme Tischrede aus bas junge Paar, und wieder saß die Musik einen Ensch.

* Wister Wunderwood war nicht der einzige, dem es aus­fiel, daß dieses Brautpaar und die beiden Väter sie wa­ren beide Witwer, wie auch der General noch seltsamer waren, als Milliardäre sich sonst bei solchen Gelegenheiten be­nehmen mögen. Will Baker hatte einen triumphierenden Zug um den Mund, der hart und scharf gepreßt war, Sybney Ba­ker spielte den Glücklichen und scherzte nach allen Seiten. Kon­sul Allen waren die Worte seines Toastes nur trocken vom Wunde gekommen, und er schien schlecht gelaut, und Wand

Allen hatte etwas Versonnenes, Elegisches im Gesicht und fuhr stets fast ärgerlich auf, wenn Will sie anredete. Daß ihre elegischen Gedanken nicht ihrem Bräutigam galten, das wußte jeder aus ihren Augen zu lesen undgönnte es im stillen ihnen beiden.

Draußen standen Johnson und Andersen noch einen Au­genblick zusammen.

,Sie haben jhr Auto hier, General?"

,jch besitze kein Auto mehr."

,2ch darf 2hnen einen Platz in dem meinen anbieten?" ,2ch danke, Sir, der Abend ist zu schön, als daß ich nicht

geben möchte."

Johnson verstand. Auch das kleinste Ding, das einem Almosen gleich sehen konnte, und wenn es auch nur ein Platz im Auto war, widerstand der starren <iatur des Generals.

Noch eine Srage, Haben Sie Nachricht von 2hrem Sohne?"

Des Generals Antlitz wurde betrübt.

Noch immer nicht, ich begreife nicht."

Johnson überlegte kurz, dann machte er eine kurze Be­wegung, als weise er einen Zweifel zurück.

General, wir sind Banner.

Sir;

2ch habe Sorge um 2hren Sohn. Was wissen Sie von seiner Reise?"

Er schrieb mir, daß er seinen Urlaub in den Bergen ver­bringen wolle, und auch sein Diener weiß nicht mehr. Aller­dings, der Urlaub ist schon vierzehn Tage vorbei und auch die Behörde ohne Nachricht."

Es ist besser ich sage 2hnen, was ich gehört habe. 2ch denke immer selbst die schlimmste Gewißheit--

Des Generals Stimme war tonlos.

Was wissen Sie, Sir?

Nichts. Vielleicht eine Torheit. Ein Geschwätz von Will Baker. Er hat erzählt, daß bei dem Sommerfest des Paci­ficklubs 2hr Sohn um Maud Allen geworben habe."

Das ist leider möglich; denn er liebte sie. Was wußte mein allzu harmloser Sohn von ihren Künsten."

Maud soll ihn hingezögert haben, soll ihm gesagt haben, sie wolle ihn erhören, wenn er eine Tat vollbrächte, von der alle Welt spräche."

Und diese Tat?"

Die nochmalige und alleinige Durchschiffung der Eanons des Eolorado."

Der General zuckte zusammen.

1 »Der Eanons des Eolorado?"

Er soll am nächsten Morgen nach Green River City ab­gereist sein, um die Zahrt zu beginnen.

Der General stand stumm und mit hartem Gesicht, dann neigte er das Haupt.

«Jeb habe 2hnen heute zum zweiten Male zu danken, Mi­ster «Johnson, nun weiß ich zum wenigsten, wo ch meinen Sohn suchen kann.

Gebe das Schicksal, daß ihm das Wagestück gelingt. Er ist ja ein ausgezeichneter Sportler. jedenfalls kann diese Un­ternehmung die Dauer seines Ausbleibens erklären.

Gewiß! Nochmals verbindlichen Dank."

Das Auto des Milliardärs flog die Straße hinab, während der General mit schnellen Schritten den Golden Gate Park durchmaß. Es hatte sich ihm wie ein Eisring um Herz und Haupt gelegt. Er trat in das erste Postamt und telegraphierte ausführlich an die Behörde von Green River, dann ging er langsam heim in die junggesellenwohnung des Sohnes, die er bewohnte, seit er sein Haus aufgelöst hatte, weil er diese nicht aufgeben wollte, ehe er Gewißheit über dessen Schicksal hatte. Zwar in vier Tagen sollte er in Washington sein neues Amt antreten. '

Das Zest im E"tfhouse, das diesmal so reich an Gtzfchest- nisten war, hatte sein Ende erreicht. Wortlos fuhren Konsul Allen und seine Tochter heim. Dicht hinter ihnen das Auto, in dem Sybney Baker und sein Sohn saßen, vor ihnen das Motorrad, auf dem Mister Wunderwood der Nachtredation zustrebte.

Sybney Baker sagte erleichtert:

Das hast Du gut gemacht, Will. Wer hätte ahnen kön­nen, daß der alte johnson so des Generals Partei nahm. Zehn Minuten später und Allen häne Dir seine Tochter nicht mehr gegeben, jetzt ist er an uns gekettet, und wir sind gerettet.

Will lachte etwas gezwungen.

Und ich habe Maud auf dem Halse."

jcp denke, das ist ein Glück?"

Will Baker sagte kalt:

jch denke, Vater, daß Du nie vergessen wirst, daß i^ durch diese Verlobung Dich vor dem Bankerott gerettet^habe. jch denke, daß wir morgen zum Notar gehen und die Zirma Welsieg Baker inBaker und Baker" ändern und der zwei­te Baker bin ich."

Der Vater sah in des Sohnes Gesicht.

Das wollte ich Dir sowieso vorschlagen."

Er wußte, daß sein harter und rücksichtsloser Sohn würdigster Compagnon werden würde, dann hielt Will durch einen Druck des Gummiballes das Auto an.

(Fortsetzung folgt.)