Nen Irinnen un- Draußen.
Berlin, dritte Dezemberwoche 1924.
Achtmalhunderttausend Kilogramm sind ein hübsches Gewicht. Papier wiegt nicht schwer. Gin gewöhnlicher Brief wiegt etwa zwölf Gramm. Wem das Rechnen Spaß macht (mir nicht!), der kann sich ausrechnen, wieviel Briefe geschrieben werden müssen, wieviel Blättchen mit Buchstaben bedeckt werden müssen, ehe ein Gewicht von achtmalhunderttausend Kilogramm erreicht ist. Achtmalhunderttausend Kilogramm haben die Berliner Straßenfeger an Flugblättern und Handzetteln nach dem Wahltage zusammengekehrt. Wenn man erst all die Liebenswürdigkeiten zählen wollte, die da unter den Besen gefegt wurden! Wenige nur davon behalten Sinn und Bedeutung auch nach der Schlacht und sind es wert, im Gedächtnis eine Weile zu haften. So vielleicht das hübsche und kräftige Wort, daß Fritz Ebert — junor, der Sohn, nicht der Vater — in Bobersberg in einer Versammlung gesprochen oder besser den Gegnern erzürnt an den Kopf geworfen hat: „Es gibt noch Kandelaber!" . . .
Der kleine Fritz, des Größern Sohn, Hat etwas einen rauhen Ton, Wenn er politisch predigt Und einen Feind erledigt.
So sprach jüngst dieser jüng're Fritz Zu Bobersberg — ganz ohne Witz, 2m Ernste des Avises — Sprach Fritz, der 2üng're, dieses:
2hr lebt nur noch, 2hr Herren von Rechts, Dank der Noblesse des Gefechts , Von unserer Seite. Aber — E s gibt noch Kandelaber!"
Dem Wörtlein, das der Knabe sprach, Dacht' ich in stillen Stunden nach; Zand's hübsch und gut und wichtig Als „Dokument". Und richtig.
Und weiI' s noch „Kandelaber gibt“, Warum — so fragt’ ich mich betrübt — Warum zum Teufel, zündet man Die Dinger in Berlin nicht an!? . . .
Das ist gewiß eine Preisfrage, die sich so mancher, der Nachts durch die immer noch halbdunklen Straßen von Berlin gestolpert ist, ärgerlich vorlegt. Aber ganz so harmlos hat der junge Fritz — im Gegensatz zum alten Fritz, der von Rheinsberg bis Sanssouci auch manch gutes Wort geprägt hat — das Wort vielleicht doch nicht gemeint. Büchmann verlangt als Erfordernis für ein geflügeltes Wort erstens: daß sein literarischer Ursprung und sein historischer Urheber nachweisbar ist. Das trifft hier zu. Zweitens: daß es nicht nur allgemein bekannt ist, sondern auch in den Gebrauch der deutschen Sprache überging und allgemein gebraucht und ange
wendet wird. Das wird schon kommen. Und wiederum bat Alexander Moszkowski im Borwort zu seiner hübschen, den Büchmann ergänzenden Sammlung „Die ewigen Worte" diese Feststellung gemacht: „. . . . Nehmen wir außer zeitlicher Reihenfolge: Schopenhauer, Lichtenberg, Nietzsche, Seneca, Ehamfort, Montaigne, — sie alle sind im üblichen Sinne nicht zitierfähig. Schopenhauer erscheint bei Blichmann als selbst- ständiger Verfasser ein einziges Mal mit einem einzigen Wort ( Zeitungsdeutsch"), Ehamfort und Montaigne mit je einer 3eife, Nietzsche wird flüchtig angeblickt, Lichtenberg kaum beachtet, der ganze Richard Wagner ergibt noch keine ganze Druckzeile . . .“ — Es entscheidet also nicht immer die Bedeutung eines önteHektueUen die Zahl der geflügelten oder ewigen Worte, die er hinterließ. Und entscheidet nicht den Münzwert, den so ein Wort im täglichen Leben gewann. Aus dem Reichstag (vom letzten garnicht zu reden, sondern vom Reichstag überhaupt, in dem sich noch Redner wie Bismarck, Windhorst, Richter, Bebel hören ließen) sind solcher Worte nicht allzuviele herausgeflogen, die nach Büchmann das Recht hätten, sich „geflügeltes" Wort zu nennen, weil sie in weiteren Kreisen des Vaterlandes ein dauernd angeführter Ausspruch waren, dessen literarischer Ursprung nachweisbar. Bismarck hat eine gewisse Sorte von Leuten „catilinarische Existenzen" getauft, hat das Wort vom „Eisen und Blut" geprägt, von der „Macht, die vor Recht" geht, vom „ehrlichen Makler", von der „Klinke der Gesetzgebung", von der „Politik die den Tharakter verdirbt", und vom Zeitungsschreiber, der ... Aber damals war er verärgert, und es war Anfang November. Eine Jahreszeit, die in Deutschland nicht angenehm und erfreulich ist. Dann hat der sonst harmlose Adolf Sabor mit seinem „Das läßt tief blicken“ den ungewöhnlichen Erfolg gehabt, in die unsterbliche Buchkiste der geflügelten Worte zu kommen. Und dann ists — fertig und aus, was der Parlamentarismus für die Unsterblichkeit getan hat. — Halt, doch nicht! Noch einen Ausspruch Sabors, der einen gewissen Ewigkeitswert erlangt hat, habe ich vergessen. Ende der achtziger Jahre fiel aus seinem erzürnten Munde das kluge und eine Situation, die sich häufig wiederholt, kennzeichnende Wort: „Etwas geht vor — man weiß aber nicht recht, was! Mir jioeint, auf die innerpolitische Situation nach den Wahlen paßt — wenn denn schon ein Zitat vier als Motto gegeben werden sollte — kein Wort besser, als dieses, das auf Sabors bescheidenes Haupt ein heiteres Sträflichen der Unsterblichkeit fallen ließ. Und wenn man für das Resultat der ungeheuren Wahlanstrengungen auf allen Seiten des deutschen Hauses ein Gleichnis sucht, so könnte man es vielleicht im philosophischen Wort jener beiden Bäuerlein finden, die um einer schwerverkäuflichen Kuh willen eine lebende Kröbe vertilgten — jeder eine Hälfte — und sich dann unerfreut ansahen und verdutzt fragten: „Warum Hamm mer de Krott gefressen?!" — Aber vielleicht irre ich mich. Und es war richtig und nützlich und bekömmlich, daß — um im Bilde zu bleiben — daß die Krott gefressen wurde. Das einzige, was mir zunächst immerhin am sichersten erwiesen scheint, ist, daß eine ganze Reihe
neuer Stühle in den Reichstagssitzungssagj wird gestellt werden müssen. Und daß eine neue Mehrheit den Ausschlag geben wird über alles, was Gesetz und Recht bei uNs sein und werden soll in Zukunft. Sch will beileibe nicht so unhöflich sein, wie der erhitzte Fürst Sapieha, und gleich ärgerlich ausrufen: „Was ist die Mehrheit — Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen!,, . . Und noch viel weniger will ich das gallige, bitterböse Grillparzer-Wort mir zu eigen machen: „Sn gewissen Ländern scheint man der Meinung drei Esel machten zusammen einen gescheiten Menschen aus. Das ist aber grundfalsch. Mehrere Esel in concreto geben den Gsel in abstracto — und das ist ein furchtbares Tier" . . . O nein, Optimist, der ich trotz allem und allem — trotz No- Demberftürmen, Reichstagswahlen und Grillparzerlektüre immer noch bin, will ich hoffen und glauben, daß alle die neuen Leute, die sich jetzt im Wallot-Bau-Freikarten für alle deutschen Eisenbahnen geben lassen, durch Weisheit und Umsicht begnadete Mitbürger sind. Auf daß unser Vaterland aufblühe und auch seine Hauptstadt Berlin wachse und gedeihe und sich weiter verschöne! Wenn letzteres noch möglich ist. Denn es gibt Leute, denen schon jetzt keine Stadt der (ihnen bekannten) Welt so gut gefällt wie Berlin. Und seit gar jetzt ein so kompetenter kleiner Mann wie der Liebling aller Kinos der fünf Erdteile sich zu dieser Frage persönlich geäußert hat . .
Der Sackie Coogan, den ihr kennt, Besah sich unsern Kontinent;
Und auch, weiss unerläßlich schien, die einstge Kaiserstadt Berlin.
Und als er wieder heimgetürmt, Hat man mit Fragen ihn bestürmt, Was in Berlin durch Art und Stil 2hm ganz besonders wohlgefiel.
Der Jackie über’n grünen Klee Pries — was denkt ihr? — die Siegesallee! Die fand er herrlich, wundervoll — Jeb nehm' das ernst zu Protokoll!
'ne gänzlich andre Ansicht hat Der Kritiker in manchem Blatt, Den Jackie, dieser kleine Stift, st Jm Film bedeutend übertrifft.
Auch Bode, Jufti und Fritz Stahl Mißfiel dort manches Ehrenmal. Doch diese Herrn, sonst hochgeehrt, Sind für die Filmkunst ohne Wert.
Und weil die Zeit und ihr Geschlecyt Der Film beherrscht, hat Jackie recht. Konform mit ihm ging voll und ganz Der einst berühmte „Kluge Hans".
M Diogenes.
MarsNojorgen.
Pariser Brief.
Paris, den 17. Dezember.
Man schaut etwas bange auf Aordafrika. Die militärischen Rückschritte der Spanier in Marokko passen schlecht zu den noch immer optimistischen Erklärungen des Marschalls Primo de Rivera. Auch das von General Syantey passierte Marokko ist immer ein Pulverfaß und ein Brand in der spanischen Zone kann eine Entladung hervorrufen. Wie einstmals die Bereinigten Staaten den ewigen Brandherd von Euba auslöschten, so kann es geschehen, daß Frankreich sich jetzt genötigt fühlt, den Brand in Marokko zu löschen. Man will nicht gern die Gefühle der Spanier verletzen, aber man traut doch den hochtrabenden Redensarten des Miiitärdiktators nicht über den Weg. Wenn Spanien nicht bald beweist, daß es imstande ist, seinen Anteil an Marokko militärisch zu halten, Ordnung bei den Stämmen zu schaffen, dann muß Frankreich sich wegen seines ganzen nordafrikanischen Besitzes der Sache annehmen. Das wird Geld und Blut kosten und man kann nicht voraussehen, wie es enden wird. Sogar bei den Einge- borenen von Tunis, die unter den Arabern keineswegs als kriegerisch gelten; herrscht schon eine Renitenz, die die Wirtschaftsarbeit erschwert. Wenn das auf die Leute in Algier und Marokko übergreift, kann Frankreichs ganze Kolonialherrschaft ins Wanken kommen. Man spricht von einer Marokkokonferenz, aber die oeit der diplomatischen Konferenzen, auf denen die Bewohner der betreffenden Gebiete nicht mitzureden hatten, ist vorbei. Hafenbombardement und Straf- expeditionen, die eine solche Konferenz als ultima ratio be- schließen kann, mögen die Gefahr verzögern, aber sie können sie nicht beseitigen. Kostspielige Kolonialkriege würden der heute schon so labilen Finanzlage Frankreichs einen bösen Stoß geben.
Man steht sich immer eifriger nach dem Retter um, der den kranken Finanzen Heilung bringen und dem Lande Ruhe wiedergeben soll. Alle Erwartungen ricyten sich nur auf einen Mann: Caillaux. Die Kammer beeilt sich, die Amnestievor- lage welche es Caillaux ermöglicht, wieder in die aktive Politik zurückzukehren, möglichst schnell zu erledigen. Der Senat wird dieser Amnestie keinen Widerstand leisten können, denn er würde feine Existenz riskieren. Die Enthüllungen, weiche der bereits der Kammer angehörige Malvg, ein Opfer Cle- menceaus, über das Treiben Elemenceaus gegen die sogenannten „Defaitisten" gemacht hat, haben Kammer und Publikum aufgeregt und die Sympathien für Caillaux noch gesteigert. Vor dem „Tiger" hat niemand mehr Angst und Caillaux wird wohl, wenn er zur Macht kommt, zu sehr mit positiver Ar- be: überhäuft sein, um sich an dem alten Clemenceau zu rächen. Clemenceau kehrt jedenfalls nie wieder in die politische Arena zurück. Er lebt fern von Paris auf dem Lande und züchtet Blumen. „Die Blumen haben einen großen Vorzug vor dem Menschen", hat er jüngst einem Besucher gesagt, der ihn über Politik ausfragen wollte, — ..sie sind stumm".
Er selbst liebt es jetzt auch, stumm zu sein. — Dagegen redet ein anderer um so mehr — Herr Millerand, der seine Abhaif- terung durch die Linke nicht verwinden kann.
Millerand ist einer der ehrgeizigsten Menschen. Ehrgeiz trieb ihn, den Sohn eines ehrsamen kleinen Pariser Bürgers, der Schrecken des Bürgertums zu werden, indem er die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiter verkündigte. Ehrgeiz veranlaßte ihn, als ^andelsminister im Kabinett Waldeck-Rousseau den Bürgern zu beweisen, daß er ein "Homme de gouvernement sei, daß er uie Bürger auch gegen die Arbeiter schützen könne. Seine erzwungene Abdankung vom höchsten Posten der Republik hat ihn aufs tiefste gekränkt. Der ehemalige Sozialist und BUrgerschreck ist an die Spitze der „Nationalen republikanischen Liga" getreten und ■ bekämpft Herriot und alles Linke mit heißem Hoß. Er wird der Führer der Oppoj.^on gegen Camaux sein. Seine Reden übertreffen an Giftigkeit und Heftigkeit bei weitem die Reden Poincares. Der ehemalige Bewunderer der deutschen Sozialpolitik (er hatte sie auf mehreren Reisen in Deutschland studiert) sieht im heutigen Deutschland ein Land, das an nichts anderes denkt als an Nichterfüllung feiner Pflichten und an blutige Rache.
An Millerands Gegeifer, das sich jetzt, seitdem keine amtliche Rücksicht ihn mehr bindet, hemmungslos ergießt, sieht man aber erst die Größe und Bedeutung des Sieges, den die Linke am 11. Mai errungen hat. Glücklicherweise ist die linke Mehrheit noch für drei Jahre gesichert, und das ist die be- fte Bürgschaft gegen Millerands Rückkehr zur Macht. Dieser rasende Philister würde sein Heil sicher in einem neuen Ruhr- einfaü versuchen. Europa ist Herriot zu Dank verpflichtet, daß cv â^raâ. Gefährlichkeit durchschaut und ihn abgesägt hat. bte Wutanfälle Millerands werden Herriots Reformpolitik, die vor allem Ersparnisse in der Heeresausgaben herbeiführen will, nicht verhindern. Erst auf Grund dieser Ersparnisse wird Caillaux dann die Bilanzierung der Einnahmen und Aus- gaben bewerkstelligen können, ohne die Frankreichs Währung nicht aus dem Zustand des Zitterns und Schwankens herauskommt.
Artagung.
Wenn man in den Nebenräumen des Reichstags sehnsüchtig auf den Schluß einer langweiligen Sitzung wartet, dann klingt wie ein Erlösungsruf das durch die Lautsprecher doppelt hindurchgejcbrieene Wort: „Vertagung! Vertagung!" Heute aber ist die Wirkung eine andere. Aus dem Reichstag, wo dieser Tage die Fraktionen zusammensaßen, um eine neue Rsichsrogierung zu schaffen, dringt das Signal „Vertagung" in die Öffentlichkeit als ein Verzweiflungsseufzer, als Cinge- Jtändnis der Verworrenheit unserer Parteiverhältnisse. Was soll damit gewonnen werden? Auf welches Wunder wartet man? Dr. Stresemann ist von der Linken angegriffen worden, weil er von Anfang an den Vorschlag gemacht hatte, den Kabinettsrücktritt erst für Anfang Januar anzukUndigen und
die Verhandlungen über die Neubildung nach Neujahr zu beginnen. Setzt müßte man, auch wenn man damals gewisse Bedenken gegen den Borschlag hatte offen zugeben, daß Dr. Stresemann sich als guter Prophet bewährt hat. Denn er wollte doch vermeiden, daß die Parteien so schnell nach dem Wahlkampf in Berlin aufeinanderstießen und sich durch scharfe Entschließungen in eine Lage hineinmanöverierten, aus der nachher kein Ausweg zu finden wäre. So aber ist es gekommen. Und nun ist es immerhin zweifelhaft, ob eine Pause von 14 Tagen — auch wenn das Fest des „Friedens auf Erden" und die fröhliche Silvesternacht hineinfallen — ausreichen wird, um die Gemüter so weit zu beruhigen, daß die Fraktionen von dem hohen Kothurn ihrer Entschließungen auf den Boden der Tatsachen herabsteigen können.
Bei der Beurteilung des Wahlergebnisses wird auf der Linken nicht nur die Tatsache unterschlagen, daß der Block Mitte-rechts jetzt eine größere und vollauf ausreichende Mehrheit besitzt, sondern es wird auch übersehen, daß das gute Sieb- halten der Deutschnationalen unter den erschwerendsten Umständen doppelt hoch zu bewerten ist. Die Steigerung der deutschnationalen Mandate genau im Verhältnis der allgemeinen Mandatszunahme war doch die einzige große Ueber- raschung des 7. Dezember. Und man muß sagen: wenn dieser Bewegung die Fraktionsteilung vom 29. August keinen Abbruch getan hat, dann muß sie so stark sein, daß es politisch unbedingt falsch wäre, ihren Willen zur Teilnahme an der Regierung unbeachtet zu lassen. Zumal dann, wenn die wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft ohne sie garnicht gelöst werden können. Aus allen diesen Gründen dürfte die Vocks- partei verlangen, daß sich das Zentrum auf eine fachliche Prüfung der Möglichkeit eines Zusammenarbeitens mit den Deutschnationalen einlasse. Die Verhandlungen mit den beiden Parteien über ein politisches Programm hätten viel Klärung gebracht, wollte das Zentrum diese nicht? Hat es gerade sie gefürchtet? Die brüske Entschließung der Reichstagsfraktion schnitt jedenfalls den Faden ab.
Erst dadurch wurde die D. V. P. veranlaßt, sich ebenfalls auf die Hinterbeine zu setzen. Die Lollvorschrift ( wie die Juristen sagen), daß die Blockbildung nach rechts zu erstreben sei, wurde als Mußvorschrift bezeichnet. Lin sachlicher Zwang hierzu liegt, wie oben ausgeführt ist, nicht vor; und es wird unter den Volksparteilern Kritiker geben, denn das Auftreten des Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz als zu schroff erscheint. Aber es hatte politisch den Vorteil, daß nur Herr Marx ebenso wie Dr. Stresemann seine Verhandlungsversuche binnen 12 Stunden für gescheitert erklären und daß sich das Zentrum zu dem Geständnis herbeilassen mußte: allein mit der Linken können wirs auch nicht machen. Hiermit und mit den unzweideutigen Beschlüssen der Bagern und der Wirtschafts- parteiler ist immerhin eine Klärung der Lage in diesen Tagen des Mißvergnügens eingetreten. Ob auch die direkte Rettung aus der Krisennot von dieser Seite kommen kann — nämlich durch ein wirtschaftlich eingeteiltes „überparteiliches" Kabinett —, ist allerdings recht fraglich. Geht es so nicht, dann I könnte man sich die Lösung vielleicht folgendermaßen denken.