Eheleute Soseph und Elisabeth ö. ?u 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei guter Führung soll ihnen nach 6 Wochen Strafaussetzung gewährt werden. Der Mutter des ö., hie der Hehlerei bezichtigt war, wurde in Anbetracht ihres Alters 3 Sahre Bewährungsfrist zugebilligt, nachdem sie zu 1 Monat Haft verurteilt worden war.
Der Seeweg nach Sndien ist erst vor ungefähr 400 Sah- reu eutbeckt worden; am Weihnachtsfeiertage vor 400 Sahren I jjt der Entdecker, Vasco da Gama gestorben, und ihm ist ein illustrierter Artikel in unserer nächsten illustrierten Beilage gewidmet. Sn ganz andere Bezirke führt uns eine weitere Schilderung des Landes der Wälder und der Seen des schönen Finnlandes, in dessen Hauptstadt vor einigen Lagen die deutsche Kirche ihr Mjähriges Bestehen feiern konnte. Die neuesten Ereignisse auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens im Sn- und Auslande werden dem Auge des Lesers durch gelungene Photos veranschaulicht. Eine gemütvolle Erzählung die so recht in die Feitstimmung hineinpaßt, ein Modeteil und rme Rätselecke vervollständigen den interessanten Snhalt der Beilage.
Gersfeld. Furchtbare Folgen des Figarettenrauchens im Bett. Ein Handwerksbursche war in Speuherz von Gastwirt Franz Fiegler abends ins Logis gebracht worden. Gegen 10 Uhr bemerkten Aachbarn aus dem Raum Rauch aufsteigen und alarmierten die Feuerwehr. Diese löschte den Brand bald, der Handwerksbursche war aber erstickt. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Er hatte Figaretten geraucht und war dabei eingeschlafen.
Aus der Rhön. Selbst die ältesten Leute des Rhöngebietes wissen sich nicht zu erinnern, daß jemals um diese Feit die höchsten Bergkuppen der Rhön ohne Schnee waren, wie es gegenwärtig der Fall ist. Sm ganzen Rhöngebiet sehnt man sich nach baldigem und ausreichendem Schneefall, da bereits -alle Vorbereitungen zum Wintersport getroffen sind.
Gedern, 19. Dez. (ReichsbannergrUndung.) Vor einigen Tagen erfolgte hier die Gründung einer Ortsgruppe des L . Reichsbanners Lchwarz-Rot-Gold, welcher etwa 40 Mitglieder beitraten. Die Leitung übernahm Maurer Alois Emrich, Vorsitzender der hiesigen sozialdemokratischen Partei und
W "Mitglied des Gemeinderats.
Es werde Acht.
(Eine kleine Sahrhundertfeier 1824—1924.)
Von Alexander von Gleich enRußwurm.
Können Sie sich vorstellen, daß man heute noch den Feuerstein zum „Lichtschlagen" brauchte, wie es unsere Ahnen bis weit in das 19. Sahrhundert hinein tun mußten? Wir finden im Schiller-Körnerschen Briefwechsel die kläglich anmu- tende Beschreibung einer Leidensnacht, in der es lange Feit dauerte, bis die Magd das Licht zustande brachte und Feuer anzünden konnte, einen schmerzstillenden Lee zu kochen. Diesen Fuständen bereitete erst eine Erfindung das Ende, die genau vor einhundert Sahren die europäische Welt beglückte: die Erfindung des Streichholzes. Sie gelang im Sahre 1824 dem Engländer Longreve, einem Artilleriegeneral, dem viele technische Neuerungen, darunter eine bekannte Rakete, zu verdanken sind. Als er mit den kleinen „Schwefelhölzchen" hervortrat, glaubte man die schwerfälligen Fündapparate die Feuersteine und den Feuerstahl, die seit dem 14. Sahrhun
dert in Gebrauch gewesen, entbehren zu können, doch man jubelte zu früh, denn Eongreves Erfindung war nur ein Versuch, ein Uebergang, wie sich später herausstellte, und es hafteten noch viele Mängel daran. Da sich das Fündköpfchen aus Schwefel, Kaliumchlorat und Schwefelantimon zusammensetzte, genügte schon eine geringe Wärme, die leicht entzündliche Masse zum Brennen zu bringen, so baß die Gefährlichkeit der neuen Streichhölzer ihrer Verbreitung entgegenstand. Die Raucher namentlich steckten sie lose in die Lasche, so baß mancher Anzug Schaden litt und auch recht schmerzhafte Brandwunden entstanden. Diese kleinen Unglücksfälle nahmen derart zu, baß kur; nach ihrer Erfindung die Polizei das Herstellen von Streichhölzern verbot.
Erst acht Sahre später zeigte sich in der deutschen Sndu- sirie ein anderes Fündholz, das damals für einen großen Fortschritt galt und uns heute recht vorsintflutlich erscheint. Der Name seines Erfinders ist leider verloren gegangen. Es war an seinem Köpfcyen mit Schwefel versehen und mußte, um die Flamme zu erzeugen, in ein kleines Glas getaucht werden, das meinen Phosphor enthielt. Da die damaligen Menschen in Rede, Bewegung, Form und Denkungsart recht umständlich waren, störte sie diese Prozedur keineswegs und die „Schwefelhölzer" verbreiteten sich rasch. Erst das Umsturz- ,ahr 1848 brachte bahnbrechenden Wandel auch in dieser Richtung. Damals erfand Professor Böttger in Frankfurt a. Main das Phosphorzündholz, das sich an einer eigens dazu hergestellten Reibfläche entzündete. Er nannte es „Sicher- Heitsftreuyyolz" und ließ es sofort fabrikmäßig Herstellen. Rudolf Christian Böttger, der also der eigentliche Erfinder der sogenannten „Schweden" ist, gab auch die Anregung, das Glas zu versilbern und zu platinieren, sowie auch zur Vernickelung und Verstählung leicht oxybierbarer Metalle. Wie die meisten Erfinder, hatte Professor Böttger geringen persönlichen Erfolg. Erst als der Schwede Lundström die Frankfurter Erfindung aufgriff, eroberte sie die Welt und wurde schließlich in der zweiten Hälfte des vorigen Sahrhunderts den Menschen unentbehrlich. Heute gibt es in Schweden wie in Deutschland Fabriken, die täglich Millionen davon in die Welt senden. Doch dem Streichholz ist ein gewaltiger Konkurrent im elektrischen Fünder entstanden.
So löst eine Erfindung die andere ab und seit Prometheus der Erde das Feuer gebracht hat, wie es Aeschglos in seiner Tragödie beschrieben, konnte sich der Weg durch dunkle, gefahrvolle Sirecken für die Menschheit zur funkenbeherrschenden Helle hinaufarbeiten. Eine wichtige Etappe auf diesem „Lichtweg" war Eongreves Gedanke, der vor hundert Sahren lebendig wurde, wenn er auch nur einen kleinen, längstUber- wundenen Anfang brachte.
Sie MW.
Von Sahr zu Sahr findet die Sitte, neben dem Tannenbaume auch das Grün der Mistel im weihnachtlichen Hause aufzunehmen, in Deutschland wieder mehr Eingang, und jetzt schon machen bie in manchen Stäbten auf den Markt kommenden Mistelzweige nicht unbeträchtliche volkswirtschaftliche Werte aus. Wir sagten ausdrücklich, die Sitte bürgert sich wieder ein. Denn, wenn sie auch für uns von England auszu- gëhen scheint, wo seit alten Feiten die Mistel den Lannenbaum vertrat, so war in noch entlegeneren Sahrhunderten die Mistel allen germanischen Völkern ein verehrungswürdiges Grün, das infolge seiner mythologischen Bedeutung beim Wintersonnen
wendfeste, unserem heutigen Weihnachten, nicht fehlen durfte. Der Tannenbaum war höchstwahrscheinlich, wenn wir auch schriftliche Feugnisse erst aus späterer Feit haben, von jeher gleichberechtigt. Nur stand er ursprünglich vor dem Hause, nicht in ihm. Bei den Deutschen hat sich der Tannenbaum, bei den Engländern die Mistel als Festsgmbol erhalten.
Heute vermischt sich wieder beides. Bei uns sieht man die Mistel gern, in England kommt der Weihnachlsbaum immer mehr auf. Ls findet also ein friedlicher Austausch schöner Gebräuche zwischen England und Deutschland statt. Die tiefe Bedeutung, die der Mistel die altgermanische Götterlehre zu- wies, sowie ihre neue Bedeutung als Weihnachtsfestschmuck ändern nichts an der Tatsache, baß der Garten- und Waldbesitzer in dem merkwürdig gebauten Kraut einen gefährlichen Feind erblicken muß.
Der Schäferhund als Erzieher.
Seder Psychologe weiß, daß —Ausnahmen zugegeben — Raubmörder und ähnliche Roheitsverbrecher in ihrer Sugend Grausamkeiten gegen Tiere ausübten. Vom Käfersammeln durch Kinder zum Beine- und Flügelausreißen ist nur ein kleiner Schritt. Andererseits ist bekannt, daß Gefangenen selbst kleinste Tiere wie Fliegen oder Mäuse oft ein Trost in der Einsamkeit sind und zum Mitfühlen anregen. Ein interessantes Experiment hat der Gouverneur Baxter in Malno mit Uebergabe eines Schäferhundes an das Staatsgefängnis gemacht. Während des Aufbaues des abgebrannten Gebäudes nahm er gelegentlich häufiger Besuche seinen Hund mit, und er bemerkte, daß die Gefangenen merkwürdig auf den Anblick des Tieres reagierten. Sie zeigten ihre Freude am Hund auf alle Weise, und als er eines Tages ohne Hund kam, herrschte allgemeine Enttäuschung. Das bestimmte ihn dazu der oben Stätte einen Hund zu schenken, wozu er einen Schäferhund wählte. Der Kaplan berichtete ihm, daß er niemals ein freundlicheres Tier gesehen habe; es macht die Runde, kennt jeden Sträfling und Wächter und überall, wo er erscheint, heitern sich die Mienen auf. Sa, der Kaplan ist fest überzeugt, daß die Anwesenheit eines Hundes im Gefängnis die ganze Atmosphäre stark beeinflussen und erzieherisch auf das Gemütsle- ben der Gefangenen einwirken werde. Wir wünschten dieser Mitteilung ebensolche Verbreitung, wie sie eine kürzliche Meldung „von einem Schäferhund zerfleischt", in der deutschen Lagespresse fand. Laut dieser sollte in Brancg bei Paris ein sechsjähriger Knabe, den seine Mutter allein zu Hause gelassen hatte, von einem Hund getötet und in Stücke gerissen worden sein. Der „Verein für deutsche Schäferhunde (SV)" Litz München, ließ durch Anfrage in Paris, woher diese Nachricht angeblich stammte, feststellen, daß in Branc davon nichts bekannt und zu ermitteln war.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelischer Gottesdienst.
21. Dezember. 4. Advent.
Vormittags 9 einhalb Uhr: Sup. Ruhl. Abends 6 Uhr Pfarrer Weber. — Amtswoche: Sup. Ruhl. — Dienstag 23. Dezember: abends 8 Uhr Kirchenchor.
Druck und Verlag: Rudolf Bamberger, Fulda. Verantwortlich für den textlichen Teil: Friedrich P. Partmuß, für Anzeigen: August Bamberger, sämtlich in Fulda.
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