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Mittwoch, den 17. Dezember 1924.

Nr. 14

MM Morgenzeituns.

L Beiblatt.

Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.

Ersatz der elektr. Sicherungen durch Kleinautomaten.

Das Durchbrennen der Sicherungen ist ein Umstand, der manchem Verbraucher die Freude an seiner elektrischen Lei­tung gründlich verderben kann. Wie leicht, manches Mal aus ganz unerklärlichen Gründen, brennt die Sicherung durch, wo­raus sich mancherlei Unannehmlichkeiten u. technische Schwie­rigkeiten ergeben, öft z. B. der Fehler in der Leitung, der klei­ne Defekt im Kocher oder Zigarrenanzünder oder irgendeine andere Ursache des Durchbrennens noch nicht entdeckt, so setzt man die neue Sicherung ein, und auf der Stelle brennt auch diese wieder durch. Schon seit langer Seit ist es das Bestre­ben vieler Erfinder, einen Ersatz für die Stöpselsicherungen zu schaffen. Die A. E. G. bringt nun einen Klein-Automaten auf den Markt, der die Stöpselsicherung vollkommen ersetzt und die Betriebssicherheit der elektrischen Anlage ganz erheb-

AEG. -Klein-Automat, innere Ansicht

lich steigert. Dieser kleine Automat, der ungefähr die Sröße eines Sicherungselementes hat, entspricht völlig den Vor­schriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker, die be­kanntlich so streng sind, daß es manchen Sicherungsfabriken außerordentlich schwer wird, sie einzuhalten. Das Durchbren­nen der Sicherung, also die Unterbrechung eines Kurzschlusses führt im Augenblick infolge der hohen Stromstärke zur Bil­dung eines sehr starken Lichtbogens, die durch eine Schutz- maßnahme verhindert werden muß. Bei den Stöpselsicher­ungen wird nun der Lichtbogen durch den mit Sand gefüllten Porzellankörper erstickt. Die Verbandsvorschriften verlan­

gen die Prüfung der Sicherungen mit einer Stromstärke von 500 Volt. Der A. E. G.-Automat ist entsprechend diesen Vorschriften auf 500 Volt gebaut. Tritt ein Kurzschluß in der Anlage ein, schaltet er sofort selbsttätig aus. Der Lichtbogen wird in einem starken magnetischen Gebläse in vollständig ge­schlossenem Raum gelöscht. Durch eine besondere Anordnung (Abbildung) wird der Lichtbogen auf eine verhältnismäßig große Länge gebracht und zuverlässig bei jedem Kurzschluß- strom in der zu schützenden Fnstallation, bei Gleich- und Wech­selstrom, abgerissen. Der besondere Vorteil, den der A. E. G.- Klein-Automat bietet, besteht darin, daß die Wiederinstand­setzung in einem einfachen Einschalten besteht, öft der Kurz­schluß noch nicht beseitigt, so schaltet sich auf der Stelle der Automat wieder aus, auch wenn man den Schalter noch in der Hand hat. Die ganze Betätigung des Automaten ist kinderleicht, wie bei einem einfachen Schalter. Serner ist bei dieser Einrichtung kein Hauptschalter erforderlich, da durch die Ausschaltung des Klein-Automaten der Stromkreis na­türlich unterbrochen wird. Der Automat bietet dem Verbrau­cher den erheblichen Vorteil, daß er die Betriebsstörung durch einen Handgriff zu beseitigen vermag und die Kosten für Stöp- selsicherungen erspart. hth.

Deutsche Automobilausstellung 1924

Von unserem Sonderberichterstatter.

„Dem Deutschen ein deutsches Fahrzeug", so grüßt den Besucher die Deutsche Automobilausstellung in Berlin drau­ßen am Kaiserdamm. Neben der Ausstellung über Funk­wesen ein gleich gewaltiges Bekenntnis von deutschem Können und Schaffen. Unvergleichliches wurde von den Veranstaltern, dem Automobilklub von Deutschland und dem Reichsver- bande der Automobilindustrie geleistet. Schon ein Ueberblick über die beiden Riesenausstellungshallen gewährt dem Auge einen künstlerischen Genuß. Keine schreienden Farben, keiner­lei Geschmacklosigkeiten. Die Ausstellung gibt ein Bild da­von, was deutsche Präzisionsarbeit zu leisten vermag. Der Sinn der ganzen Ausstellung ist ja keineswegs, nur Fahrzeu­ge vom feinsten Luxusauto bis zum größten Lastkraftwagen zu zeigen und dadurch zum Kaufe anzureizen. Rein, es soll gerade auch ein Ueberblick gegeben werden über die gesamte Automobilindustrie, von der Fabrikation der kleinsten Schrau be, von der Herstellung der verschiedensten Motoren bis zum fertigen Fahrzeuge — ja bis zur Lederausrüstung für die In­sassen. Und immer wieder das erhebende Bekenntnis, alles hat deutsche Arbeitskraft, deutscher öngenieurgeift erdacht und geschaffen.

Der ungeheure Aufschwung, den die Automobilindustrie gerade in den letzten Fahren genommen hat, findet hier sei­nen Niederschlag in der großen Öffentlichkeit. Weniger steht das fällt sogleich in die Augen, der überschwengliche Luxus im Vordergründe, als die praktische Ausnutzung. Wirtschaftlich­keit in Anschaffung und Unterhaltung ist heute Trumpf, denn im Grunde sind wir ja ein armes Volk und können uns keinen Luxus leisten. Unter diesem Zeichen steht die ganze Aus­stellung und in diesem Zeichen wird sie siegen.

ön der einen Halle findet man beim Durchschreiten die Anfertigung der einzelnen Bestandteile, weiterhin die Arbeits­wagen, riesengroße Transportfahrzeuge als auch kleinste elek­trische Verladewagen. Daneben die Omnibusse. Alles im Zeichen größter Wirtschaftlichkeit. Einen großen Raum für sich beansprucht die Motorenindustrie, die sich immer mehr frei macht von den alten Zahrradformen. Dann in der ande­ren Halle die Privatautomobile. Es finden sich ja in der Deutschen Automobilindustrie Ramen von gutem Klange, die schon auf internationalen Wettfahrten den Lorbeer des Sie­ges davontrugen, Namen wie Benz, DUrkopp, N. A. G., Opel. Sie beweisen auf ihren Ständen mit den ausgestellten Fahr­zeugen, auf welcher Höhe die Deutsche Automobilindustrie steht. Fedes Fahrzeug ist ein Kunstwerk für sich, keine Serien- arbeit, nichts von Massenfabrikation. Ueberblickt man so die Riesenausstellung deutschen Könnens, so erhält man den Ein­druck, vor einer nationalen Großtat zu stehen, die den Willen des deutschen Volkes zur Selbbehauptung und zum Wieder­aufbau in großartiger Weise zum Ausdrucke bringt.

Erleichterungen für Anhängewagen und Anhängeachsen bei Kraftfahrzeugen.

Hersteller und Benutzer von Lastkraftwagen und Zugma­schinen haben darauf hingewiesen, daß die Erlaubnis zum MilfUhren von zwei Anhängern vielfach grund­sätzlich versagt werde. Sie führen aus, daß ein Lastwagen mit zwei Anhängern nicht immer die Wege mehr abnutze als einer mit einem Anhänger, daß nicht feiten die Verwendung von zwei Anhängern für die Beförderung sperriger, aber leichter

Vertrauensvoller Weihnadifseinka uf.

Kunde: Geben Sie mir 10 Guben Kahklora!

Verkäufer: Was wollen Sie denn mit soviel Zahnpasta?

Kunde-. Diese schenke ich meiner Frau. Die hat doch so viele Baare auf den Zähnen!

Mbe kleine Limokoa Fred Andersens Höllenfahrt

Roman v. Otfried von Hanstein.

(13. Fortsetzung).

Der Farmer und seine Gattin traten in das Haus, Fred stand an der Schwelle des Gärtnerzimmers, das in einem be­sonderen kleinen Hause lag. Wie unheimlich war diese Stille. Auch die Luft schien anders, die Sterne leuchteten fahler. Oder war das Einbildung? Dabei waren die Hunde unruhig, die zahmen Papageien, die im Garten mit angeketteten Füßen in Ringen saßen, flatterten mit den Schwingen. Ein Schwarm Vögel strich plötzlich vom Walde ab und flog über den See.

Ahnten Le etwas? War ihr tierischer instinkt klüger als der Verstand der Menschen?

Noch immer war der Berggipfel völlig klar und Fred warf sich in die Hängematte. Angezogen warf er sich darauf, denn er glaubte doch nicht schlafen zu können, und unwillkürlich dachte er an die kleine Fndianerin. Ob sie wohl Angst hatte? Er versuchte zu denken, aber er vermochte es nicht. Seine Augen wurden schwer. War das eine natürliche Müdigkeit, oder lag etwas Lähmendes, Betäubendes in der Luft? Seine Sinne verwirrten sich und er schlief ein.

Viertes Kapitel.

Ein furchtbares Geräusch schreckte den Schläfer auf. Ein heiliger Schmerz ließ ihn an seinen Kopf greifen, und die Hängematte, in der er lag, pendelte hin und her. Er hatte ge­träumt, er sei auf hoher See in einem heftig schlingernden öu^f. Dann prallte er an einen harten Gegenstand und stürzte zu Boden. Es war vollkommen dunkel, tiefschwarze Racyt! Er richtete sich auf und suchte die seltsam-schwerfäl­ligen Gedanken zu sammeln. Das war ein neuer Erdstoß! Er tastete sich zur Tür und zerrte an ihr, aber sie ließ sich nicht öffnen. Wo war nur das Fenster, daß er es gar nicht er­kannte? So vollkommen dunkel kann doch die Nacht nie fein? Sr wandte sich um und stieß an einen großen und langen Ge­genstand. War das schon ein niedergebrochener Balken? Er suchte in seinen Taschen nach Sreichhölzern und fühlte, wie seine Glieder zitterten. Dann waren draußen Stimmen, lau­te ,rufende Stimmen.

„Hierl Hollal Hierl"

Der Schrei blieb ihm in der Kehle stecken, denn ein furcht­barer Ton zerriß die Nacht. Ein Gellen und Pfeifen, ein Zischen und Schrillen, als ertönten Hunderte von Dampfsirenen mit einem Male. Ein heller Feuerschein drang durch die Ritzen des kleinen, wie er jetzt sah, vollkommen geborstenen Hauses, dann ein neuer, gewaltigerer Stoß. Er fühlte sich emporgehoben, schwebte auf Sekunden frei in der Luft und stieß mit den Gliedern an scharfe Kanten. Dann ein wahn­witziges, ohrenzerreißendes Krachen, Bersten und Erschüttern. Unten in der wankenden Erde rasselte es, als würden riesige Kisten mit Scherben geschüttelt. Und ein Ruck, er stürzte, kürzte tief hinab, fühlte, daß sich unter ihm der Boden öffnete, baß Bretter, Balken, Schutt Uer ihm zusammenkrachten. Ein ekler Geruch nahm ihm die Sinne. Er wurde ohnmächtig. —

Hatte er Minuten oder Stunden gelegen? Als er die Au­gen aufschlug, war es noch immer dunkel um ihn, aber von oben kam ein fahler Lichtschein. Ein schwefliger, giftiger Dunst erfüllte den Raum, brannte ihm im Halse und beengte die Lunge. Sein Kopf glühte in wütenden Schmerzen. Er mußte alle Energie aufbieten, um seine Augen zu öffnen. Endlich vermochte er zu ahnen, was geschehen. Das Erbeben hatte den Boden des Zimmers zerrissen, und er lag in einem Keller. Auch hier waren die Wände geborsten, und Schutt war rings­um. Niedergebrochene Balken in wildem Ehaos. Ein Wun­der, daß sie ihm nicht den Schädel zerschmettert hatten, aber eine große Bohle hatte sich der Länge nach, wie schützend, über ihn gelegt. Er versuchte, sich aufzurichten. Seine Glieder waren schwach, Schultern und Rücken schmerzten und in der Kehle würgte es.

„Luft! Luft! Hilfe!"

Niemand antwortete, und er versuchte, sich selbst zu befrei­en. Ein furchtbares V-rzweiflungsspiel; denn niedergerissene Sparren, mit Resten von Mauerwerk, belastete Bretter und Balken, Zenstertrümmer und die Scherben eines großen Spie­gels zackten ihm entgegen. Gebe Bewegung konnte das ganz zusammenstürzen lassen und ihn unrettbar begraben. Noch einmal rief er vergebens, dann suchte er mit den Fingern, die er an den starrenden Nägeln blutig riß, die Bretter zu rücken. Sine Stunde vorsichtiger Arbeit, dann wieder ein Krachen, Stürzen und Brecyen, aber es war unter seinen Füßen, und er schwang sich empor. Er atmete tief auf und schloß wieder die Augen. Eine furchtbare Schwäche war in ihm, aber die Luft war bester. Er mochte wieder eine Stunde auf den Trummern gelegen haben.

Setzt war ihm wohler. Der Kopf klar — er sprang auf, war nun im Freien und starrte um sich.

Wo war er?

Vor ihm eine kahle, wüste Fläche. Das Haus Mister Pi- nacles mit seinen Nebengebäuden verschwunden. Wenige Trümmer, einige kahle, schwärzliche Steinwände ragten auf- dazwischen verkohlte Bretter und Balken, schwelendes Hol? und über allem eine lähmende Totenstille, eine Stille, die ihn erschauern ließ und frieren, obgleich die Sonne mitleidlos über den Flächen brütete.

Sr taumelte ein paar Schritt vorwärts und wandte unwill­kürlich den Blick zum Devils Fist empor.

Wieder war es ihm, als solle sein Blut erstarren. Der Devil First schien niederer geworden, sein Gipfel war flach und braunrot, aber aus ihm, der noch jetzt die Form einer Sauft hatte, wuchs eine fast regelmäßige, viereckige Säule her­aus. Eine Säule, die gelb schweflig, weiß und grau glitzerte. Sine Säule, die senkrecht aufstieg und am Grunde nur schmal und flach war, eine Säule, die aussah, als müsse sie jeden Au­genblick umbrechen.

Er lachte auf und erschrak über den irren Ton des eignen Lachens. Die „Teufelsfaust" hatte einen gigantisch riesenhaf­ten Zeigefinger aus dem Höllenschlunde gen Himmel gestreckt.

Um diesen Finger aber spielten feurige Wolken, brandeten gegen die Säule, kleine Explosionen zerstoben und ein weißer Aschenregen fiel nieder.

Vom Vulkam war eine breite Todesstraßs bis zum See durch den Wald gelegt. Nicht, daß die Stämme niedergebro­chen wären, sie standen noch da, wenn auch zum Teil schräg und schief, aber sie hatten keine Blätter mehr, keine saftigen Lia­nen, kein wucherndes Unterholz, kein Moos um ihre Wur­zeln. Schwarz, gespenstig ragten ihre Zweige, wie klagende tote Arme in die Luft. Nicht allein schwarz, auch schweflig gelb und bläulich.

Fred taumelte ein paar Schritt weiter. Wieder rief er, aber niemand anwortete.

Vor ihm am Boden lag eine Flasche. Ein großer Sgphon, aus dem sie am Abend auf der Veranda getrunken hatten. Die Flasche war ganz, aber einfurchtbarer Gluthauch hatte ih­ren Hals geschmolzen, so daß er im rechten Winkel stand.

„Mister Pinacle! Hallo! Hallo! !

Er begann sich vor seiner eigenen Stimme zu fürchten und wankte wieder vorwärts. Da stieß sein Fuß gegen einen Körper. Ein Toter — Mister Pinacle! Er lag auf dem Ge­sicht, das vollkommen friedlichen Ausdruck zeigte, aber die Kleider hingen verbrannt um den toten Körper. Freds Slie- der zitterten, Jein Kopf brannte in der erbarmungslosen Glut­lonne, und der Schweiß rann an seinem Körper herunter.

Ueberall Trümmer, Schweigen des Todes! Er wankte von Schutthaufen zu Schutthaufen. Nirgends Lava, auch kein Brand. Nur alles tot und zerstört. Ein einziger, furchtbarer Slutatem mußte zu derselbn Sekunde vom Berge herabgepreßt sein, als das Erdbeben die Gebäude durcheinanderschüttelte. Ein Gluthauch der das Glas schmolz und die Bretter ver­zehrte.

Noch einige Tote lagen umher — wo waren die anderen? Vielleicht in den Wald geflohen? Fred stürzte zum Bach. Er war wieder voll Wasser, aber eine Dampfwolke lag über ihm. Kochendes Wasser erfüllte das Bett des Baches, so breit' daß Kein Mensch hinüberkonnte, die Brücke aber war ver­schwunden.

Obgleich ihn die Hitze verschmachten ließ, eilte er wieder zu den Trümmern, wühlte sinnlos in ihnen herum, rief, schrie, hoffte, daß aus Kellern Stimmen kommen würden. Nichts! Mes tot! Er spähte nach Ladg Pinacles Leiche, aber auch diese war nicht da. Auf dem See kein Boot. Vielleicht wa- ren sie geflohen und hatten ihn vergessen. Erst jetzt fiel ihm das kleine Dorf der Mogul-Fndianer ein, die Hütten der Ne­ger, das Boot der Mohave-Fndianer mit dem Mädchen. Al- les verschwunden. Er überlegte. Von den Fndianerhütten waren es mindestens zweihundert Schritt bis zu den Bergen gewesen, jetzt rauschte das Wasser dicht an den Felsen. Der ganze Ulah, auf dem die Hütten gestanden, war mit diesen in den See gebrochen.

Mieder sank er nieder und schloß die Augen. Erschöpfung ließ ihn schlafen. Dann wieder ein hastiges Auffahren, ein zielloses Rennen von Trümmer zu Trümmer.

(Fortsetzung folgt).