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wb. London, 13. Dez. DemDaily Telegraph" zufolge kündigte Coolidge gestern nachmittag an, er beabsichtige, im nächsten Sommer eine Abrüstungskonferenz einzuberufen. Be­vor er diese Einladung erlasse, warte er auf eine Mitteilung über die Entscheidung betreffs der Abrüstungskonferenz, deren Abhaltung der Völkerbund geplant hat.

wb. London, 13. Dez. Wie Reuter aus Melbourne mel­det, ist der Streik der Dockarbeiter, der den Ueberseeverkehr nahezu lahmgelegt hat, beendet. Die Gewerkschaften liehen ihren Mitgliedern die Weisung zugehen, die Arbeit in allen Häfen wieder aufzunehmen.

wb. Paris, 13. Dez. Wie demPetit Parisien" aus Newgork berichtet wird, wurde dem ehemaligen Generalagen­ten für die Reparationszahlungen, Owen Joung, durch den französischen Konsul in Newgork namens der französischen Regierung gestern das Kreuz der Ehrenlegion überreicht.

wb. Belgrad, 13. Dez. Die den Zeitungen heute zugegan­genen Meldungen bestätigen den Ernst der aufständischen Be­wegung in Albanien. Gegenwärtig finden bei Liula und Emalesis blutige Kämpfe statt. An der Spitze der Aufständi­schen steht Bargakter Rosi, dessen Streitkräfte rasch zunehmen. Die albanische Regierung hat Bairan Tsur mit der Nieder­werfung des Aufstandes und mit der Bildung neuer Legionen von Freiwilligen beauftragt.

Der Empfang der Deutschnaüonalen beim Kanzler.

D.B.Verlin, 13. Dez. (Sig Meldg.) Die Verhandlungen am Freitag find über einen informatorischen Charakter nicht hinausgekommen. Reichskanzler Dr. Marx hat am Nach­mittag den Führern der Deutschnationalen Winckler, Graf Westarp, Hergt und Schiele ebenso wie mittags den Führern der Koaliiionsparteien nur Mitteilung von den Vorgängen gemacht, die dem Demissionsbeschluß des Kabinetts vorangin­gen. Die Frage der Neubildung der Regierung ist in dieser Besprechung nicht angeschnitten morden. Vielmehr kamen neben rein technischen Fragen der Vorbereitung der Reichs- tcgstagung einige andere politische.Fragen, wie die der Mi­litärkontrolle und des Völkerbundes zur Verhandlung. Die Deuftchnationalen hatten daher keinen Anlah, von sich aus ihre Forderungen zur Regierungsneubildung vorzutragen.

Auch die Besprechung mit den Führern der Koalitions­parteien hat, wie wir von bestinformierter Regierungsseite er­fahren, einen ähnlichen Verlauf genommen. Als das Ergeb­nis der Besprechungen des Freitag fst sonach nur zu ver­zeichnen, dah Dr. Marx als Kanzler einer nach rechts erwei­terten Regierung nach seinen eigenen Erklärungen nicht in S'rage kommt. Aber auch Dr. Stresemann ist, wie wir durch­aus zuverlässig erfahren, nicht gewillt, sein gegenwärtiges Res­sort mit dem Kanzleramt zu vertauschen. Auf der anderen Sei­te besteht bei allen Mittelparteien der dringende Wunsch, daß das Kanzleramt nicht von den Deutschnationalen, sondern von einer der gemäßigten Mittelparteien besetzt werde.

Die Widerstände des Zentrums erstrecken sich vor allen Dingen auf Preuhen und da andererseits die Deutschnationa­len an einer Rechtskoalition im Reiche bei unveränderten Re­gierungsverhältnissen in Preuhen nur ein sehr bedingtes Snte- reffe haben, so hat diese Einstellung des Zentrums zunächst auch nur sehr bedingten Wert.

Auf die Frage der Deutschnationalen bei den Aachmit- tagsbefprechungen, ob das Kabinett noch größere außenpoli­tische Entscheidungen zu treffen gedenke, bevor es zurück trete, hat Dr. Marx verneinend geantwortet.

Von wesentlicher Bedeutung für die Entscheidung ist nun­mehr die Haltung der Zentrumsfraktion. Die Landtagsfrak­tion bezw. deren Vorstand hat sich sehr eindeutig dahin aus­gesprochen, daß die Beibehaltung der gegenwärtigen Regier­ungskoalition in Preuhen erwünscht sei.

. Als das erstrebungswerteste Ziel sei für das Zentrum nach wie vor allerdings eine Regierung der Volksgemeinschaft von den Sozialdemokraten bis zu den Deutschnationalen. Die Deutschnationale Landtagsfraktion dürfe aber dann nicht Be­dingungen stellen, die von vornherein als unerfüllbar gelten können. Eine Entscheidung bleibt der Zraktionssitzung am kommenden Mittwoch vorbehalten.

Nach dieser Stellungnahme des Zentrums, die an der alten Koalition in Preuhen festhalten will, im Reiche die Schaffung einer Bürgerblock-Regierung zwar keine Schwierigkeiten be­reitet, wobei das Zentrum selbst möglichst im Hintergründe bleiben will, hat am Freitag die Aussichten für eine schnelle Beilegung der gegenwärtigen Krise gewisse nicht verbessert. Die Deutsche Volkspartei legt Wert darauf, dah sich das Zentrum in aller Form an einer Rechtskoalition im Reiche beteiligt, die Deutschnationalen verlangen nicht minder deut­lich, dah in Preuhen die Regierungsverhältniste denen des Reiches entsprechen. Essieht danach keineswegs noch einer schnellen Regelung der schwebenden Fragen aus, die allen be­

teiligten Parteien im Interesse des Reiches scheint.

erwünscht er-

Krupp klagt.

D.B. London, 11. Dez. (Sig. Meldg.) Krupp gegen die Firma Vickers vor dem Schiedsgericht angestrengt hat, und der im

Der Prozeh, den deutsch-englischen

_ . . März zum Aus­

druck kommt, erregt größtes Aufsehen. Vickers hatte mit Kriegsbeginn die Zahlung von Santimen für Herstellung von Kruppscher Munition mit dem Beginn des Krieges eingestellt, weil mit Kriegsbeginn aus den Parteien Feinde geworden seien. Da es sich um die Herstellung vieler Millionen von Zündern und Granaten handelt, so geht das Prozehobjekt in die Millionen.

Verbot einer Sejalleuen-Sedeukjeier.

D.B. München, 12. Dez. (Sig. Meldg.) Am Sonntag wird unter großen Feierlichkeiten die Einweihung des Denk­mals für 13 000 im Welkriege gefallene Münchener Krieger stattfinden. Dem republikanischen Kriegerbund und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wurde vom bayerischen Kriegerbund die Beteiligung verweigert, worauf das Reichs­banner eine eigene Kriegergedenkfeier angesetzt hat. Diese Absicht ist nun auch durch ein politisches Verbot vereitelt wor­den und die Polizeidirektion begründete das Verbot mit dem Hinweis auf den zweifellos politischen Charakter des Reichs-

banners, wodurch sich die Veranstaltung als öffentlich politi­sche Versammlung darstellen würde. Von demokratischer und sozialdemokratischer Seite wird das Verbot zum Gegenstand einer Landtagsinlerpellation gemacht.

Der endlose Magdeburger Veleidigungsprozeß.

D.B. Magdeburg, 12. Dez. (Cig. Meldg.) 3n dem im­mer mehr in die Breite gehenden Magdeburger Beleidigungs­prozeh des Reichspräsidenten wurde heute der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, Hermann Müller, vernommen. Es handelt sich dabei nur um die Feststellung, ob Hermann Müller 1919 auf dem internationalen Sozialisten- Kongreß in Bern tatsächlich gesagt hat, der Massenstreik von 1918 habe den Krieg verkürzen sollen, sei aber leider geschei­tert. Hermann Müller bestreitet mit aller Entschiedenheit, eine solche Aeußerung getan zu haben. Zür Dienstag kommender Woche sind noch eine ganze Reihe wichtiger Zeugen geladen, sodah mit einem baldigen Abschluh des Prozesses noch immer nicht zu rechnen ist.

Zehntausend Doppelzentner Mehl verschoben.

D.B.Verlin, 12. Dez. (Sig. Meldg.) Ein Prozeh gegen 5 berliner Kaufleute wegen unlauteren Wettbewerbs gab interessante Einblicke in die Geschäftsgeheimnisse des Haupt- ernährungsamtes der Stadt Berlin. Es stellte sich dabei her­aus, daß nicht weniger als zehntausend Doppelzentner Mehl des Haupternährungsamtes verschoben wurden. Der Staats­anwalt hat gegen 2 Personen je drei Monate Gefängnis und Geldstrafen bis zu 1OOOO Mark, bezw. Einziehung derWohl tätigkeitsgelber beantragt; das Urteil wird erst am kommen­den Donnerstag verkündet werden.

Aus Stadt und Land.

Öubiläum. Auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Fulda kann der Ge­schäftsführer Herr B. Köhler zurückblicken. Unter seiner Geschäftsführung hat sich die Kasse zu einer der leistungsfä­higsten von ganz Deutschland entwickelt. Durch die umsichtige fachmännische Leitung des Herrn Köhler war es möglich, trotz der sich überstürzenden Aenderungen in der soz. Gesetz­gebung während und nach dem Kriege die Leistungen der Kasse zum größten Teil nicht nur ausrecht zu erhalten, sondern sogar diese auf einigen Gebieten noch weiter auszudehnen. 3ns- wsondere ist es für den Subilar rühmend zu erwähnen, daß trotz der katastrophalen Geldentwertung in der Inflationszeit das feste Gefüge der Kasse nicht gelockert wurde, eine Cat- ache, die nur bei sehr wenigen Kassen in Deutschland zu ver­zeichnen gewesen ist. Möge es dem Subilar vergönnt sein, noch auge Sahre seine Tätigkeit auszuüben und in Verbindung mit dem Vorstand der Kasse neue Wege finden, um das Los der Kranken noch weiter zu erleichtern.

Weihnachten Arbeitsmarkt Geschäftsgang.

Das Weihnachtssest mit seinen vorhergehenden Wochen des flotteren Geschäftsverkehrs wirkt auch vielfach aus den Arbeitsmarkt ein; denn in vielen Geschäftszweigen erfordert der stärkere Geschäftsgang auch ein vergrößertes Personal. Die meisten der Waren, die um die Weihnachtszeit im größe­ren Umfange als vorher abgesetzt werden, sind zwar schon in den vorhergehenden Monaten angefertigt worden, aber um die Weihnachtszeit werden doch noch so mancherlei Nachbestellun­gen notwendig, die rasch erledigt werden müssen. Dies trifft fast auf alle Geschäftszweige zu. Vom Weihnachtsgeschäfts- gange profitieren die meisten Branchen wenigstens etwas. Den größten Nutzen haben die Spielwarengeschäfte und auch die Buchhandlungen. Ebenso verstärkt sich der Umsatz in Haus- Haltungsgegenständen. Einen wesentlichen Einfluß hat das Weihnachtsgeschäft auf die verschiedenen Gewerbe mit Lu- xusgegenständön. Gold-, Silberwaren und andere Schmuck­gegenstände, Bilder, Pelze, feine Seifen und Parfümerien sind in wohlhabenden Kreisen als Seschenkartikel sehr beliebt. Be­deutend ist auch der Absatz von Lederwaren der verschiedenen Art. Namentlich Handkoffer, Geldtaschen, Zigarren- und Zigarettentaschen werden um die Weihnachtszeit viel gekauft. Ebenso macht sich das Weihnachtsgeschäft in der Möbelbtan- che bemerkbar. Besonders einzelne Gegenstände wie Schreib­tische, Klubsessel, Näh- und Rauchtische, Kinderspieltische, Liegestühle usw. werden oft zu Geschenkzwecken angeschafft. Der vermehrte Umsatz aller Waren und weiter der Umstand, daß die Weihnachtswaren häufig in gefällig aussehenden Kar­tons usw. verpackt werden, bringt der Karlonagenfabrikation, dem Steindruckgewerbe, der Plakatindustrie und ähnlichen Gewerbezweigen vermehrte Aufträge. 5n der Konfektions­industrie wird um die Weihnachtszeit ebenfalls ein erhöhter Umfaß erzielt, und es müssen noch so manche eiligen Bestel­lungen ausgeführt werden. Bis weit auf das platte Land hinaus macht Weihnachten seinen Einfluß geltend. Schon al- lein die Lieferung Hunderttausender von Weihnachtsbäumen brmgt vielen Menschen Beschäftigung und Verdienst. Das Lpeditionsgewerbe, die Fuhrleute, Eisenbahn und Post ziehen aus dem erhöhten Warenumsatz ebenfalls erheblichen Nutzen.

ach müssen deshalb auch Hilfskräfte eingestellt werden, so das Weihnachtssest zehnlausenden Arbeitslosen wenigstens vorübergehend einen Verdienst bringt. Hoffen wir, daß der eschaf sgang in der Zeit bis zu Weihnachten zur Zufrieden­heit aller ausfallt.

cn J^0" lm V'K 'N der heutigen Nummer.

?S "^. ^om ru sehen, ist sicherlich eine Kunst, 8 ".^ leder kann, die aber die ferntelegraphische Photo- fJr PS ^"âcht, über die der führende Fachmann Profes­sor Dr. Korn in un erer nächsten illustrierten Wochenbeilage einen interessanten Artikel veröffentlcht. ön dieser Zeit der großen Einkäufe für die Weihnachtszeit ist es anregend, eine Plauderei über Einkäufe in alter Zeit mit zeitgenössischem Stüe zu les-n, während eine dramatisch zugespitzte Erzählung Lrnst Gasques uns die jüngste Überschwemmungskatastrophe im Rheinland in die Erinnerung zurückruft. Die letzten Er­eignisse in aller Welt sind in einem reichhaltigen aktuellen Seil widergespiegelt, und der beliebte Mode- und Rätselteil ist wie­der sehr kurzweilig ausgeftaitet.

Die Ortsgruppe Fulda des Deutschen Offiziers- b u ndes hielt am letzten Donnerstag in der Hauptwache ihre diesiahrige Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. ^ach Erstattung des Jahresberichts durch den Schriftführer

Herrn Architekt Gottesbühren erstattete der Kassen­wart Herr Eisenbahn-Oberinspektor W e st h o f f den Kas­senbericht, der einen sehr guten Bestand zeigte. Dem Vor­stände wurde daraufhin Entlastung erteilt. Die anschließende Neuwahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der alten Vorstandsmitglieder bis auf den 1. Vorsitzenden Herrn Oberst a. D. Krauß, der auf seinen Wunsch ausschied. An seine Stelle wurde Herr Generalmajor a. D. R e m b e zum 1. Vor­sitzenden gewählt. Der Vorstand besteht also jetzt aus den Herren: Generalmajor a. D. Rembe, 1. Vors.; Vermes- i sungsrat Recclus, 2. Vors.; Eisenb. Oberinfpekt. West- i hoff, Kassenwart; Architekt GottesbUhren, Schrift- ; führer; Oberstlt. a. D. R e i ch e und Weingroßhändler 0. ! Müller, Beisitzer. Die Geschäftsstelle befindet sich nach wie vor Marktstraße 24, 1. Nach Erledigung verschiedener interner Vereinsangelegenheiten schloß der Herr 1. Vors. den offiziellen Teil der Versammlung mit dem Wunsche, daß die Ortsgruppe Fulda des deutschen Offizierbundes im kommenden Vereinsjahr ebenso wachsen, blühen und gedeihen möge wie im verflossenen. Dem dann folgenden gemütlichen Beisammen­sein wurde leider durch die immer zu früh einsetzende Polizei­stunde ein unwillkommenes Ende bereitet. G.

Neue Züge.Dem Vernehmen nach wird der Personen­zug Frankfurt a. M. ab 6,25 Uhr, der bisher in Salmünster. 8,41 geendigt hat, auch Werktags versuchsweise bis Fulda ° durchgeführt, wo er 9,45 eintrijft. Der Gegenzug verläßt Fulda 11,20 vormittags und trifft 1,30 in Hanau, 2,22 in | Frankfurt ein. Diese beiden neuen Verbindungen zwischen I HuldaKerzellNeuhofFliedenSchlüchternSteinau (Kr. Schlüchtern) SalmünsterSoden und weiter nach Hanau | Frankfurt soll nur dann beibehalten werden, wenn sie in zu­reichender Weise benutzt werden".

Kraftpost FuldaPoppenhausen. Die von Fulda nach Poppenhausen nachmittags 4 Uhr in Fulda abfahrende Kraft­post verkehrt vom 14. Dezember ab 15 Minuten früher, mithin Abfahrt in Fulda 3,45 nachmittags und Ankunft in Poppen- | hausen 4,45 nachmittags.

Die Auszahlung der Zusatzrente an erwerbsunfähige Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene erfolgt MontG den 15. Dezember 1924, nachmittags zwischen 2 und 4 Mjjj>te\ | der städtischen Wohlfahrtskasse, Stadtschloß, parterre. Gelbe Ausweise mitbringen.

Heimatliche Kunst. Der bekannte Maler Pedro Schmiegeloro hat eine neue Serie feiner Rhönpostkarten herausgegeben, die eine reizvolle Bereicherung der schon er- schienenen Serien darstellt. Die Karten, Reproduktionen der wegen ihrer zarten Farbgebung und geschmackvollen Stim- mungswiedergabe geschätzten Gemälde dieses Künstlers dürf­ten jedem Rhönwanderer eine bleibende Erinnerung an froh- j verlebte Tage in unserer soyst so rauhen Rhön sein.

Hanni Weitze in Fulda.

5m Eentral-Theater gastiert für kurze Zeit eine unserer berühmtesten und gefeiertsten deutschen Filmschauspielerinnen, begriffen auf einer längeren Tournee durch Deutschland. Hanni Weiße wurde in allen Städten wo sie auftrat, mit Begeister- ring. empfangen, ihr sensibles- Spiel, -ihre Anmut imtx-köm»^ j chen Vorzüge, ihre geschmackvoll differenzierte Varstellungs­kunst und Formgewandheit werden auch bei unseren hiesigen Einwohnern, die derartiges wohl auf der Leinwand, aber nie in Natura sahen, einiges Aufsehen erregen. Wir geben einem kurzen Artikel Raum, der aus der Zeder dieser Künst­lerin selbst stammt und in kurzen Umrissen die Eindrücke wie­dergibt, die ihr auf ihren Wanderfahrten begegnen.

Durch Deutschland mit sieben Schrankkoffern.

Von Hanni Weiße.

Berge von Koffern. Requisitenkörbe. Sagender D-Zug durch die Nacht. Ankunft. Kinooperateur am Bahnhof. Blumen. Spießrutenlaufen.Da ist sie ja! Rundfahrt im blumengeschmUckten Auto. Hotel.Ein Koffer fehlt! Na­türlich der Bühnenkoffer!" 3m Auto zur Probe. Orchester­probe. Beleuchtungsprobe. Keine Requisiten da!! Ver­zweiflung. Fassung. Hetz. Suchen! Zurück ins Hotel. Wenn der BUhnenkoffer nur bis zur Vorstellung kommt! * Einh^ 5 Uhr. Lebensgefährliches Gedränge vor dem Theater. ^We- senplakate. Reklame. Bühneneingang. Schminken, Frisi- ren. Wo bleibt nur der verlorene Koffer? Endlich kommt er! Das Loch im Vorhang. Die Syhinx Publikum da unten, die rätselhafte Bestie, die man immer wieder von neuem fan­gen muß. Gongschlag.Vorhang!" Vorspiel. Aufregung. Wo bleibt der Musikeinsatz? Vorstellung. Glücklich zu Ende! Applaus. Applaus. Blumenkörbe. Verehrer und Verehre­rinnen. Postkartenschreiben. Autogramme. Händedrücken. Gedränge am Auto. Hotel. Interviews. Bittbriefe. Das eine Woche lang. Und am letzten Tag: Vom Theater di­rekt auf die Bahn. Wir müssen ja morgen schon woanders spielen! Nichteintreffen unmöglich! Das Unmögliche mög­lich machen und den Berg Koffer noch in den Packwagen be­kommen, der schon anruckt! Den Stationsvorsteher beschwö­ren, daß der Zug noch hält, bis . . . Weiter, weiter in die Nacht! Sm Morgengrau die Silhouette einer neuen Stadt Und wieder von vorn: Berge von Koffern, Requisitenkörbe (wie oben) . . .

Puzzle, das ich jetzt seit 42 Wochen erlebe. Smmer neu, Smmer variiert. Sketsch-Tournee durch Deutschland

Wenn ich in Berlin bin, dann soll ich immer erzählen. Wie wollen wissen, wies war. Sch antworte immer: Was ich er­lebt habe? Alles! Sa, alles! Alles, alles, was Sie sich de^ Ken können, habe ich erlebt. Angefangen damit, daß erst Bühne aufgebaut wurde, während das Publikum sich Jeb0" am Eingang drängt; daß der Vorhang uns während der Vo^ stellung krachend vor die Füße fiel, daß der dressierte Pudf' der Nummer vor uns plötzlich während unseres Spiels auf Bühne kam, sich hinsetzte und nicht raus wollte; daß inmitten Oes Sketches die Beleuchtung versagte und wir im Drucke n mit gleichem Erfolg wefterspielten; daß die Musi R streikten und wir ganz einfach ohne Musik spielten mit gu'> chem Erfolg . . . Tausend andere Sachen mehr! .

Und von dem Reiz muß ich auch erzählen, den das al es doch hat. Wenn man jeden Freitag andere Menschen, ein andere Stadt sieht, Menschen, die einen freudig erwarte» Und von denen man nach Ablauf der Woche ungern wegfäßr, liebenswürdige Menschen, an die man gern zurückdenkt. fD|C anderen vergißt man ja.)