Jas Nettner-SW-er.
Durch alle Zeitungen geht der Bericht über die neueste Lr- findung Zlettners, das segellose Windschiff. Es dürfte deshalb von 2nteresse fein, über eine andere Erfindung Zlettners, die seit einigen 2ahren Eingang in den Schiffbau gefunden hat, etwas Nähres zu hören, nämlich über das „Zlettner-Ruder", welches das alte, feit Jahrhunderten bewährte Schiffsruder oder Steuer zu verdrängen begonnen hat. ZUr eine glückliche Reise über See ist das Steuer von ungeheurer Wichtigkeit, u. es ist erklärlich, daß Stettner große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, als er die Abänderung dieses Organs durchsetzen wollte. Heute, nachdem durch viele Versuche die große Ueberlegenheit der Neuerung sowie die völlige Brauchbarkeit einwandfrei bewiesen ist, steht der allgemeinen Einführung nichts mehr im Wege.
Es mögen vorerst ein paar Worte über die Wirkungsweise des alten Steuers gesagt werden. Am Heck des Schiffes befindet sich eine, um eine Achse drehbare Fläche, die verstellt wird, wodurch auf der einen Seite ein Druckzuwachs, auf der anderen ein Druckoerlust, der ein Mehrfaches des Zuwachses beträgt, entsteht. Die Differenz beider ruft die Steuerwir- Kung hervor. Der Druckmittelpunkt wandert beim Legen des Ruders von einem Punkte in der Nähe der Vorderkante bis zur Mitte, wenn das Ruder von 0 Grad bis 90 Grad gedreht wird. Es ist nun ohne weiteres klar, daß bei großen Schiffen erhebliche Kräfte gegen das Ruderblatt wirken u. zur Ueberwindung der austretenden Drehmomente mehrhundertpfer- bige Maschinen nötig sind. 2m Gegensatz hierzu kann das Zlettner-Ruder selbst bei den größten Schiffen von Hand gesteuert werden, da nur ein kleines, an der Hinterkante des alten Ruders angebrachtes Hilfsruder verstellt wird. Diefes Hilfsruder ruft an der Hinterkante des Hauptruders ein neues Ueber- und Unterdruckgebiet hervor, das dem vorhin erwähnten entgegenwirkt, zwar kleiner ist als dasselbe, dafür aber an einem bedeutend längeren Hebelarm wirkt. Bei richtiger Wahl der Flächen wird nun bei Verstellung des Hilfsru- bers durch die auftretenden Kräfte das Hauptruder selbsttätig
nachfolgen, und zwar so lange, bis oer Gleichgewichtszustand erreicht ist, wobei der ‘Druckmittelpunkt in die Ruderachse verlegt wird. Das Hauptruder stellt sich also stets, entsprechend den jeweils auftretenden Kräften, auf den für die Ruderwirkung günstigsten Winkel ein, so daß das Manöverieren weit sicherer vor sich geht, als mit dem alten Ruder. Bei Rückwärtsfahrt dreht sich das Ruder um 180 Grad und wirkt dann in derselben Weise wie bei Vorwärtsfahrt, was eine erhebliche Verbesserung gegenüber der alten Anordnung bedeutet.
Die zuerst nach dem neuen Syjiem ausgeführten Ruder ähneln, abgesehen von dem Hilfsruder, der alten Bauart. Der Antrieb für das Hilfsruder, der aus Schnecken und Schnek- kenräbern, Zahnrädern und Zahnsegmenten besteht, sitzt in einem Kasten auf dem Schaft des Hauptruders. Letzteres ist hohl und dient zur Aufnahme einer Welle, die die Bewegung aus dem Getriebokasten auf ein Gestänge und damit auf das Hilfsruder überträgt. Neuerdings ist nun eine weitere Ver- befferung dadurch erzielt worden, daß die Ruderfläche dreiteilig ausgeführt wird. Der mittlere Teil trägt das Hilfsruder. Macht man jetzt die Höhe des Ruders nicht größer als etwa gleich dem Durchmesser des Propellers, so sitzt das ganze Steuerorgan in dem Schraubenstrom, und es ist wohl klar, daß dadurch vie Steuerwirkung ganz erheblich gesteigert wird. Durch die tiefe Lage, die dieser Ausführung gegeben werden kann, wird ferner erreicht, daß die ganze Ruderfläche auch bei unbeladenem Schiff völlig unter Wasser sitzt, und somit die Manöverierfähigkeit keine Aenderung erfährt, während durch die große über Wasser ragende Fläche der alten Bauart wertvolle Ruderfläche verloren geht, und die Manövrierfähigkeit erheblich sinkt.
Bei Mehrschraubenschiffen kann ferner hinter jedem Propeller ein Ruder angebracht werden, was wieder der besseren Manövrierfähigkeit zugute kommt. Daß der Fortfall der großen Rudermaschinen wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt, liegt auf der Hand. Es tritt Ersparnis an Demplatz, Betriebsmitteln, Schmiermitteln, Personal, Reparaturkosten und Anlagekapital ein.
Das Zlettner-Ruder findet aber nicht nur im Schiffsbau Anwendung, sondern es hat sieb auch im Flußschiffbau Eingang zu verschaffen gewußt. Hier spielt natürlich der Fortfall der Rudermaschine keine Rolle, da meist gar keine vorhanden ist, sondern die Einführung erfolgt wegen der Erhöhung der Manövrierfähigkeit.
Schwimmende Gebirge.
Von Friedrich Huth.
Unter der Bezeichnung „Schwimmendes Gebirge" versteht «an in der Balltechnik wie im Bergbau Ablagerungen aus !
feinem Sande, die mit Wasser gesättigt und in Bewegung sind. Auf diese Bewegung oder wenigstens auf den Trieb zur Bewegung, ist besonderes Gewicht zu legen, denn nicht b der vom Wasser durchdrängte Boden ist fließend oder schwimmend. Flüssige Sandmassen — man bezeichnet sie auch als Schwimmsand oder Triebsand — können z. B. dem Bergbau sehr gefährlich werden, indem sie in die Baue einbringen und diese verschütten. Arbeiten im schwimmenden Gebirge oder auch nur in der Nachbarschaft desselben sind mit großen Gefahren unb Schwierigkeiten verknüpft und erfordern besondere Vorsichtsmaßregeln.
Der Bau von Schächten im schwimmenden Gebirge erfolgt z. B. durch Anwendung des Lenkverfahrens. Auf einem eifernen, unten mit einer Schneide versehenen Ringe, dem sogenannten Senkschuh, wird Mauerwerk ausgeführt, das sich infolge feines mit jeder Schicht zunehmenden Gewichts, bei gleichzeitigem Aushub des Bodens aus der Schachtsohle, in die Tiefe senkt. Der Senkschuh wird mit dem Lchachtmau- erwerk durch kräftige Anker verbunden. Jie Arbeit kann durch Belastung des gemauerten Kranzes oder durch Anwendung hydraulichen Druckes beschleunigt werden. Für größere Tiefen wendet man an Stelle des Mauerwerks gußeiferne Tübbings an, d. h. Segmente kräftiger gußeiserner Rohre, die zusammengeschraubt jedesmal einen hohen trommelartigen Ring ergeben. 3n dem Maße, wie nun die aus Mauerwerk oder Lisenringen konstruierte Schachtwand tiefer sinkt, wird oben weiter aufgebaut, bis man eine feste, wasserundurchlässige Schicht erreicht hat.
Infolge des bedeutenden Umfanges der Schächte sind aber so große Reibungswiderstände zu überwinden, daß man häufig mit einem Senkschaft nicht zu Ziel gelangt, d. h. nicht die feste, wasserundurchlässige Schicht erreicht. Dann muß innerhalb des, bis zu einer gewissen Tiefe bereits vorgedrungenen Schach tes noch ein zweiter und bisweilen sogar noch ein dritter versenkt werden.
2n ähnlicher Weise verfährt man bei der Fundierung von Bauwerken im schwimmenden Gebirge. Hier ist zu berück- sichtigen, daß jeder mit Wasser übersättigte Boden unter der Last des Bauwerks ausweichen und dieses demgemäß immer tiefer versinken würde. Aus diesem Grunde werden zum Zwecke der Fundierung des Bauwerks Senkbrunnen aus Mauerwerk ober Holz hergestellt. Wenn sie den festen Baugrund erreicht haben, werden sie oben durch gewölbte Bogen aus Mauer- oder Werksteinen miteinander verbunden. Auf diesen Grundbau kommen das aufgehende Mauerwerk und die sonstigen tragenden Konstruktionen. Am vorteilhaftesten sind gemauerte Brunnen von kreisrundem Querschnitt, bei einem Durchmesser von 1,25 bis 2 Meter. Verjüngt man den unteren Teil des Brunnens nach oben zu ein wenig, so wird die Reibung beim Linsenken am leichtesten überwunden. Das Wesen dieser Schacht- und Brunnenkonstruktionen besteht darin, die Bewegung des mit Wasser gesättigten ober übersättigten Sandbodens, der übrigens auch häufig von Tonablagerungen durchfetzt ist, zum Stillstand zu bringen, so daß das Bauwerk der Einwirkung des Schwimm- oder Triebsandes zu widerstehen vermag.
Derselbe Effekt wird häufig durch Ausführung von Spundwänden erreicht, die aus senkrecht eingerammten L- oder U-Lisen oder auch aus kastenförmigen Lisenkörpern bestehen, die durch das schwimmende Gebirge in die Wasser eindämmende Schicht getrieben werden. Innerhalb dieser, das Wasser oder den Schwimmsand aussperrenden Wände wird dann nach Auspumpen des Wassers der Booen ausgeboben. Line mit Sorgfalt hergestellte Spundwand gestattet, auf einigermaßen trockenem Boden zu arbeiten, d. h. also — je nach den Umständen — Schächte zu graben, Fundierungsarbeiton auszuführen usw.
2m Bergbau kommen Schächte von sehr großen Liefen vor; denn wir können uns nicht auf die Gewinnung von Bodenschätzen beschränken, die bequem und mit geringem Aufwand zu erreichen sind. Doch die Kosten müssen immer im rechten Verhältnis zu dem Zwecke stehen, der erreicht werden soll. 2m Hoch- und Tiefbau verwendet man daher in der Regel Lenkbrunnen nur bis zu einer Tiefe von zwölf Metern. Für größere Liefen wendet man Pfähle aus Holz, Eisen oder Beton an, die bis in die Liefe des tragfähigen Bodens vor- getrieben werden. Sollte jedoch derselbe so tief liegen, daß er auch auf diesem Wege nicht zu erreichen ist, so begnügt man sich, Pfähle von angemessener Länge in so geringen Entfernungen voneinander einzurammen, daß der Boden einerseits genügend verdichtet und darum hinreichend tragfähig wird, andererseits die Pfähle aber infolge der großen Reibung hinreichend fest und tragfähig im Boden haften. Bei mannigfachen Methoden der Herstellung von Betonpfählen, ;. B. beim Preßbetonverfahren, hat man es übrigens in der Hand, die Pfähle an den Mantelflächen besonders rauh zu gestalten oder mit Wulsten und Auswüchsen zu versehen, also die Reibung im Erdreich dermaßen zu steigern, daß es nicht unbedingt notwendig wird, den in großer Tiefe liegenden guten tragfähigen Boden zu erreichen. Die Pfahlköpfe werden dann durch hölzerne oder eiserne Schwellen verbunden, oder auch durch eine starke Betonlage, die über die Köpfe hinweg gestampft wird, zusammengeschlossen, also derart, daß die Pfahlköpfe im erhärteten Beton eingebettet liegen.
Alle diese Konstruktionen laufen darauf hinaus, die Bewegung des Schwimmsandes in dem Bereich des Bauwerkes aufzuheben. Sie müssen aber auf das sorgfältigste berechnet worden, denn der Schwimm- oder Triebsand ist der vor den Mauern liegende Feind, der sich die schwächste Stelle ausfucht. um — sofern es möglich ist — mit aller Gewalt hereinzubre- chen und alles zu vernichten, was sich ihm in den Weg stellt.
Ser Magnus-EM.
Infolge der Erfindung des Rotor-Schiffes durch den deutschen 2ngenieur Anton Flettner spricht heute alleWelt vom „Magnus--Effekt", d. h. von einer physikalischen Erscheinung, die wohl den Physikern und einem engeren Kreise von 2nge- nieuren bekannt war, im übrigen aber keine praktische Bedeutung erlangt hatte. Wir haben hier ein Beispiel dafür, wie ganz fernliegende Wissenschaft!. Probleme sofort die Oef- fentlichkeit zu interessieren beginnen, wenn sie durch praktische Erfolge in greifbare Nähe gerückt werden.
Bekanntlich erfolgt der Antrieb des Zlettner-Schiffes durch große rotierende Türme von zylindrischer Form, bei denen der Wind in der Drechrichtung um die vordere Fläche horumgeht, ohne einen wesentlichen Widerstand zu finden, während die Hintere Zylinderfläche sich gegen den Wind dreht und eine große Reibung zwischen Luft und Zylinder erzeugt. So wird auf der einen Seite des Turmes eine hohe Druckwirkung, auf der anderen eine saugende Wirkung erzeugt; das Ergebnis ist die Vorwärtsbewegung des Schiffes.
Die erste wissenschaftliche Veröffentlichung über bie Erkenntnis, daß ein rotierender Körper, der von einem Seitenwind getroffen wird, einen Seitenvortrieb erhält, hat nun t' i .i der Bor Aer Experimontal-Physiker Magnus, der Vorgänger von Helmholtz, in „Poggendorfs Analen" unter dem Titel „Ueber die Abweichung der Geschosse" veröffentlicht, und zwar im 2ahre 1853. Seher Leser hätte also auf Grund dieser Veröffentlichung das Rotor-Schiff erfinden können. San? so einfach scheint die Aufgabe allerdings nicht gewesen zu sein, da doch über 70 2ahre feit jener Veröffentlichung verflossen sind. Es war festgestellt worden, daß Geschosse, die aus einem gezogenen Lauf abgefeuert werden, von ihrer Bahn ab- weichen, und zwar dann, wenn sie sich nicht genau in der Tangente ihrer Flugbahn bewegen, also sozusagen einen Seitenwind erhalten. Dieser Seitenwind war es, der, wie Magnus an einer Versuchsreihe feststellte, die Abweichung verursachte.
Lettner hat in einem Vortrage in der Technischen Hoch
schule zu Berlin-Eharlottenburg den Magnus-Effekt in folgender Weise erklärt: Wenn die Strömung auf einen rotierenden Sylinber auftrifft, dann bewegt sieb die eine Seite der 3ylinberbaut mit der Strömung, die andere gegen die Strömung. An der Seite, die sich mit der Strömung bewegt, entsteht keine oder doch wenigstens eine geminderte Reibung zwischen Strömung und Zylinderhaut. Die Strömung, die den bequemeren Weg sucht, wird also in der Hauptsache an dieser Seite vorbeigehen und die Gegenseite, die durch die gegenläufige Bewegung erhöhte Reibung erzeugt, meiden. Mit anderen: es entsteht die „künstliche Zirkulationsströmung", die bei dem Flächensegel sozusagen von Natur aus gegeben ist. Gegenüber dem Flächensegel hat jedoch diese Zirkulationsströmung den Vorteil, daß sie eine viel höhere Beschleunigung der Strömungsteilchen heroorruft und daher einen viel stärkeren Unterdrück, wie er bei einer Fläche nicht möglich ist, erzeugt.
Da Magnus die Versuche nicht mit einer bewegten Kugel (Artillerie-Geschoß) machen konnte, so kehrte er das Prinzig um, indem er die Kugel festlegte und den Wind gegen das festliegende Objekt strömen ließ. Später benutzte er statt der Kugel einen oylinber, weil sich dies als bequemer erwies. Es kam nun darauf an, die Druckverhäftnisse rings um den Zylinder einwandfrei festzustellen. Zu diesem Zwecke stellte er zu beiben Seiten des Zylinders, der im wesentlichen dem Fletl- ner-Rotor entspricht, zwei Windfähnchen auf, die in unserer Skizze mit a und b bezeichnet sind. Sobald nun der Zylinder um seine vertikale Achse ?u rotieren begann, bewegten sich beide Zähnchen in der Richtung von Punkt 1 nach Punkt 2, d. b- die Windfahne b näherte sich dem Zylinder, während die Windfahne a sich von ihm entfernte. Es trat also bei a eine Druck- und bei b eine Saugwirkung ein. Warum dies geschieht, ist oben bereits erklärt. Da sich der Zylinder gegen die Windrichtung dreht, prallen auf der Seite des Zähnchen a Zwei Luftströmungen aufeinander, die sich gegenseitig auszuweichen suchen; hierdurch entsteht die Druckwirkung. Die Saugwirkung auf der gegenüberliegenden Seite entsteht dadurch, daß hier die Luftströmung infolge der Notierung des glatten Zylinders mit größerr Geschwindigkeit vor sich geht, als in der Umgebung, d. h. in größerer Entfernung vom Zylinder.
Würde der Zylinder frei im Luftraume hängen, so würde er infolge der Druckwirkung auf der einen und der Saugwirkung auf der anderen Seite sich in der Richtung E fortbewegen. Er hängt aber nicht frei im Raume, sondern ist im Schiffsraum fest verankert und wird durch einen Elektromotor in Bewegung gesetzt. Da nun die Richtung des Schiffes nicht nur durch den Wind, sondern vor allem auch durch die Wasserströmung, den Widerstand des Wassers usw. beeinflußt wird, so bleibt immer>noch der Manövriertätigkeit der Mannschaft viel zu tun übrig/ um dem Schiffe die gewünschte Richtung zu geben. Beim Rotorschiffe wird aber der herrschende Wind immer auf die günstigste Weise ausgenutzt. Alte