ön der Körperhaltung der Frau ist alles Gespreizte zu vermeiden. Wie wenig Frauen verstehen dazustehenl Wie wenige wissen ihre Arme unmutig zu halten! Es ist ein trauriger Mangel an Kenntnis seiner selbst wenn seit den letzten Zahren die Haltung des „Mannequins" der Kleiderprobierdame, auf ganzer Linie bei deutschen grauen triumphiert! Eine Hand kokett an die Hüfte gelegt, mit jenem Ausdruck „ich bin doch gewiß tip.top angezogen" oder „bitte, mein teures Kleid und die fchlan ke Linie meiner Hüften zu beachten" — fo stehen sie allesamt da; das kleine Verkaufsfräulein und die Filmdiva, die Doktorin und die gefeierte Sängerin von Weltruf!
Man möchte jedesmal rufen: Hand weg von der Hüfte! Aber es würde nicht gehört werden; denn die heutigen Frauen bilden ihre Erscheinung nicht aus ihrem Wesen und ihrem Tem- perament heraus durch wozu sie im 20. Zahrhundert endlich mal die Freiheit hätten, sondern sie fügen sich, mehr oder weniger geschickt, mehr oder weniger geeignet, in das Mode- schema.
Persönlichkeit heißt die Forderung unserer Zeit! Mut zur Persönlichkeit nach innen und außen, bei Mann und Weib An kleinen Zügen erkennt man den Lharaktor; wie man sich vor der Linse postiert, das läßt Rückschlüsse auf Reife undGe- schmacksbildnng zu. — Noch eines bleibt zu erwähnen, das immerhin beim Bilde mitspricht; das Lächeln!
Die bitte „recht freundlich"-Photographen sind ja wohl am Ableben, und eine neue Bildkunst hat begriffen, daß es nicht darauf ankommt, niedlich zu fein, sondern wesentlich. Aber die Weiblichkeit lernt manchmal schwer um; das Lächeln, starr, krampfig, erkünstelt, herrscht noch immer. Ls gibt Mädchen und Frauen, die können nur niedlich sein, solange die Fähre es gestatten; sie haben nichts anderes der Welt zu bieten. Aber es gibt doch unendlich viel mehr, die Lharaktere sind! Warum versteckt eine kluge oder tüchtige Frau beim Bildabnehmen, daß sie klug oder tüchtig ist! Was im Menschen drin ist, das steht auch in seinem Gesicht; Auge und Mund find seine Verkünder. Ls gilt nur, sich wirklich vor dem Apparat auf den Zweck der Aufnahme zu sammeln; die Linse bewahrt das echte Gesicht, das wir ihr zeigen, so getreu wie das leidige „aufgesetzte". Die Sprache ist hier wieder wunderbar treffsicher; „aufgesetzt" sagt doch, daß es nicht organisch zu uns gehört. —
Der weibliche Sonderling.
Unter Frauen hat der Sonderling kein allzuweites Feld; dennoch wird jeder in seiner Erinnerung irgendeine weibliche Person mitführen, die seitab von gewohnter Heerstraße wandert und der zuschauenden Umwelt Grund zum Kopfschütteln und Aachdenken gibt. Meist ist die wunderliche oder sonderliche Frau ein einsam lebender Mensch, unverheiratet, verwitwet, oder kinderlos. Die Familie nivelliert: sie schleift auch dem härtesten Stein ganz allmählich seine Schroffen und Kanten ab, und da die Frau einfügsamer und duldsamer, also weicher zu sein pflegt, fo wird fie am meisten geschliffen. Die Familie wie die Gesellschaft funktionieren auch nach mechanischen Gesetzen, was sich dem Gebilde nicht einfügt, das wird abgestoßen. Sonderlinge können darum im bürgerlichen Sinne nicht glücklich sein; wenn aber Glück bedeutet, ganz seiner innersten Na- tur gefolgt zu sein, ober der Weg nun diesseits oder jenseits der gesellschaftlichen Billigung lag, so wird darin wohl eine so
tiefe Befriedigung ruhen, daß sie herkömmliches Glücklichsein nicht vermissen läßt.
Nicht immer ist es der bedeute n d e Mensch, die bedeutende Frau, die zu Sonderlichkeiten neigen. Zhnen wären sie am mildesten angerechnet worden, denn man hat aus vorigen Epochen es so übernommen, daß Künstler und Künstlerinnen verschroben sind, sowohl im Aeußern wie im Innern. Wenige wissen, daß der KünstlertWus sich gründlich gewandelt hat; unter der lebenden Generation ist kaum ein Mann oder eine 3rau von Ramen und Können, die sich in Kleidung, Gehaben, Lebensführung merkwürdig vom normalen Bürger abheben; ja sie vermeiden dies sogar ängstlich. Es ist heut weit eher ein Zeichen des Nichtkönnens, sich mit Sonderlichkeiten zu umgeben, Haartracht und Kleidung zu einem Amüsement für die Gasse zu machen — für diese Art eitler Geckerei hat der Künstler unserer Lage durchaus nichts mehr übrig, die Künstlerin ebensowenig.
Sonderlinge des weiblichen Geschlechts sind fast immer sehr starke Naturen; auch sonst dem männlichen Wesen zugeneigt. Ls verlangt schon eine gute Dosis Mut, sich unbeugsam gegen die Umwelt auf seinen eigenen Sinn zu stellen, das Gelächter u. Gespött ringsum nicht zu vernehmen. Frauen dieser Art sind über die Meinung der Menschen hinaus. Ls sollen hier natürlich nicht jene Wesen zitiert werden, die sich außerhalb der Gesellschaft auf der Nachtseite des Lebens halten; nur von der Zrau, die sich Achtung erhielt oder verschaffte.
Fm Rheinischen lebt eine Frau, die eine große Weberei besitzt und leitet. Zhr Mann mit dem sie eine unglückliche kinderlose Ehe verknüpfte, lebt fast auf Auslandsreisen; er weiß das Unternehmen wohlgeführt. Diese Frau lebt in einer großen Villa, doch ißt sie mit dem Dienstmädchen gemeinsam in der Küche und hört den Klatsch der Gegend am liebsten von jeder Unterhaltung. Bedürfnislosigkeit eignet ihr bis zum Geiz, ihre Kleider sind schlecht und geflickt, ihr Schuhwerk fast stets zerrissen. Zst ein Paar Stiefel gar nicht mehr tragbar, so stellt sie es mitten auf die Landstraße hinaus, wo vielleicht ein Wandergefell noch etwas Mitnehmenswertes daran findet. Sie schilt auch jede der Arbeiterinnen, die in gutem Zeuge erscheint oder sich gar Luxus gestattet, gründlich aus, immer mit dem Schlüsse: „Das kann ich mir nit leiste!"
Um 6 Uhr früh beginnt die Arbeit in der Fabrik: da steht sie Sommers wie Winters schon auf dem Zabrikhofe und brüllt die Zuspätkommenden wie ein alter Unteroffizier an. Sie kennt keine Ermüdung; sie sieht alles, weiß alles. Zhren Leuten ist sie halb ein Satan, halb eine Respektsperson, nicht nur, weil sie Brotgeberin ist. Denn man weiß daß sie für Wohlfahrt die offenste Hand hat; daß große Summen wieder hinausgehen, die sie freilich — und hier ist sie wieder klein — nirgends zu nennen vergißt. Zuweilen geht sie — nachts — auf den Hof der Fabrik, wo die Hunde toben, ehe sie die Herrin erkennen. Dann steht sie in der Einsamkeit ihrer Seele dort, als spüre sie den Atem und die Kraft des Werkes stärker im Dunkel und in der Ruhe. —
Es ist in märkischer Kleinstadt eine Frau, die sich mit Schneidern erhält; ein altes verhutzeltes Mädchen. Der gehören alle Katzen und Hunde der Gegend von denen ihre Herren sich getrennt haben, junges und altes Getier, krankes und krüppliges, soviel nur eine kleine Wohnung fassen will. An Sonntagen geht sie in die Felder der Gegend hinaus, von
einem Schwarm iyrer Hunde umsprungen: eine Lieblingskatze im Arme. Sie selbst sieht wie eine alte, kleine Katze aus; iDQs Psychologen nicht wundern würde, da nicht nur Menschen im steten Umgänge miteinander sich anähneln, sondern auch Mensch und Tier. —
Sehr wunderlich ist auch eine bekannte Lyrikerin; bi« haben wir es aber mit einem jener Grenzfälle zu tun, die ei-- gentlich den Psychiater angehen. Sie nennt sich, obwohl fraulich gekleidet, stets mit einem erdichteten fremdländischen Männernamen und ihre dichterischen Gedanken und Einfälle ranken sich vielseitig immer wieder aufspürbar, um diese ihre Doppelgestalt, die sie im Morgenland in ferner Zeit schon einmal körperlich gewesen zu sein glaubt. Entsprechend dem - hohen Rang, den sie sich gibt, ist auch ihr Auftreten; es kommt ihr nicht darauf an, mißliebigen Leuten eine Ohrfeige zu versetzen. Manchmal begnüg^ sie sich mit einem Zunge-Herausstecken: an einer gereiften Frau wunderlich und lächerlich genug. Trotz- dem ist der künstlerische Zug in ihr stark und ernst, wenn auch: mit Seltsamkeiten durchsetzt.
Drei Frauen, als ein kurzes Beispiel, aus drei höchst ver-^ schiedenen Sphären, ön jeder stimmt es mit dem üblichen Glück — sagen wir, dem Aormalglück — nicht überein, weil jede in ihrer Sonderheit zu stark angelegt ist. Keineswegs spricht der Schicksalszwang irgendwie bedeutend in solche Entwicklung hinein, sondern es ist eine gegebene Anlage, die hier dem Schicksal seinen Lauf erst zuweist. —
Flugmaschinen vor 13 000 Zähren. Ueber London wird aus Aewgork die eines englischen Offizier namens Ehurchward gemeldet, der in Zndien 125 Tafeln mit alten Zuschriften gefunden hat. Diese tafeln ließ er durch buddhistische Gelehrte prüfen und uoersetzen. Nach ihrem Snhalt müßte die Wiege der Menschheit in einem tropischen Kontinent, der viel größer als das heutige Nordamerika gewesen ist, angenommen werden. Er wird in den besagten Tafeln als Mu bezeichnet und ging vor 13000 Zahren infolge einer Katastrophe im Stil- len Ozean unter. Nicht in Kleinasien seien demnach die ersten Menschen gewesen, sondern auf diesem Kontinent 'Mu^Ler Entdecker der Tafeln erklärt, daß die Zivilisation dit^e^^r-- schwundenen Erbteils weit fortgeschritten war^-j»èx»h> die Armeen sogar im Besitz von Flugmaschinen gewesen seien. Auch sei damals schon das Schießpulver bekannt gewesen. „Ohne Zweifel", meint Ehurchward, „besaßen die Bewohner von Mu wertvolle Errungenschaften, die im Laufe der Zahrhunderte verlorengegangen sind. Die Flugmafchinen waren imstande, 20 Personen zu transportieren. Die Ursache des Untergangs jenes Kontinents sollen gaserfüllte Höhlungen gewesen sein, die den ganzen enormen Erdteil sozusagen schwimmend erhielten. Zufolge von Eruptionen aber strömte das Gas aus, und alles Leben verschwand im Ozean bis auf wenige Teile, wovon Ha- wai einer sein soll.
Bestrafung der Unruhestifter im Theater. Wer im Theater zu Madrid noch vor 70 Zähren Unruhe stiftete, während der Vorstellung schwazte oder durch spätes Erscheinen störte, wurde in ein Arrestzimmer gebracht. Das für Männer hatte die Zuschrift „Käfig für Hähne", das für Frauen „Käfig für Hennen", vie Betroffenen mußten in diesem Zimmer bis zum Schlüsse der Vorstellung bleiben.
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