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Wahlergebnis Kreis Zulda, einschl. Stadt. I Reichstag:

(Amtlich).

Landtag:

Sozialdemokraten Deutschnational

3 876

1 392

26 314

3 861

1 392

26 180

Zentrum Kommunisten

1 125

1 112

1 179

Dt. Volkspartei

1 197

Rat. Soz. Zreiheitsbewegung

371

372

Dt. demokratische Partei

587

569

Wirtschaftspartei des Mittelstandes

537

568

Großdeutsche Partei (Hessen)

8

8

Häusserbund F

6

74

Unabhängige

Zreie Wirtschaftspartei

21

aültiae Stimmen

35 508

35 318

Vezirk-Heffen-Nafsau:

abgegebene gültige Stimmen

1 144 344

Sozialdemokraten

366 253

Dt. National

214192

Zentrum

197 745

Kommunisten

63 689

Dt. Volkspartei

145 001

Nat. foz. Zreiheitsbewegung

27 707

Demokraten

96 945

Wirtschaftspartei

26 201

Unabhängige

5 263

Groß Hesf. Bund

1 335

Vortrag Dr. Helene Zernau.

5um Rezitationsabend am Sreitag den 5. Dezember in der Aula des Ggmnasckms veranstaltet von Zräulein Dr. phü- Helene Z e r n a u.

Drum sag' ich euch:

Ehrt eure deutschen Meister Dann bannt ihr gute Geiste.

Und gebt ihr ihren Winken Gunst, Zerrinnen in Dunst

Das heil'ge röm'sche Reich, Uns bliebe gleich Die heil'ge Deutsche Kunst.

Wie meisterhaft verstand es Zräulein Dr. Zernau, die kunstfreudige Schar in der Aula des Ggmnastums in den Kreis ihres eigenartigen Wesens und Gebens zu bannen durch den vollendeten Vortrag von Balladen, Zabeln und sinnigen Mär­chen; sie ehrte dadurch wohlbekannte deutsche Meister der Er- zählungskunst und bezeugte zugleich, daß sie selbst den Preis ringender Künstlerschaft wahrhaft verdient, dene in ver­schiedenen Ländern Europas und Südamerikas erworben und im deutschen Vaterlande begründen möchte. Wir haben er­kannt, daß sie ihn zu Recht besitzt!

So wohltönend klang ihre ansprechende, zuweilen fast an­spruchslos erscheinende Stimme in «die schöne Agnate" von Angnes Miegel, schaurig duster und vorbedeutungsvoll wir ahnen das Kommede indie Nibelungen, schelmisch, ober kräftig in der BalladeAlte Landsknechte" von B. v. Münchhausen. Landsknechte im Himmel! beinahe eine Anti- 1hese. Halte Zräulein Zernau, weit entfernt von jeglichem ^wana und von Uebertreibung in der Aussprache und der Dg-

namik des Tonfalles, durch die schlichte, burleske Erzählung von den Landsknechten im Himmel für die Romantik des Landknechtslebens stille Begeisterung geweckt, so tönte am Schlüsse derselben das lange nachhallende Aachahmen des dum­pfen Wirbelschlag der Kriegstrommel effektvoll durch den Raum. Mit Liebreiz und anmutig, wiegend wie das Neigen der schlanken, weißschimmernden Birke am Bache, wurde das Birkenlegendchen" auch von B. v. Münchhausen vor­getragen; wie sprudelte der Humor aus der Balladeder Narr des Grafen von Zimmern" von R. M. Rilke und störte durch­aus nicht den stimmungsvollen Inhalt dieser Dichtung, der von heiligen Handlungen spricht; ebenso wirkte Zräulein Dr. Zer­nau erheiternd in den köstlichen Märchendas verwunschene Kissen" das wohl den lebhaftesten Beifall der Zreude er= weckte von Z. A. Zeig! (einem kathol. Geistlichen), in die Prinzessin auf der Erbse" (Andersen), in dem ein komischer Unterton besonders reizend wirkte und in dem anzüglichen Lups", wo Zrau Spatz immer wieder ihrem werten Gemahl gegenüber betonte: Rur dem Namen nach richten sich die Zrau- en nach den Männern darumanzüglich"! sic. Mögen auch einige Balladen hier nicht angedeutet sein, es zeugte doch der ganze Abend von dem unzweifelhaften Künstlertum in der Vor­tragskunst Zräulein Dr. Zernaus. Und sie hat nicht nur kunst­voll rezitiert, sondern auch durch den angenehm weichen und melodischen Klang ihrer Stimme und durch die herzliche An­teilnahme, die sie selbst an ihren Darbietungen bekundete, die Herzen aller andächtig Lauschenden erwärmt. Wir sind ihr dankbar für den erlebnisreichen Abend und wünschen ihr auf­richtig, daß die Hoffnungen, die sie auf die kunstbegeisterten Menschen im deutschen Vaterlande gesetzt, erfüllt werden.

Heil dir, deutsche Meisterin! A. K.

Und nun noch ein kurzes Wort über den Lichtbilder- vortrag, den HeleneZernauam Donnerstag im Ver­ein für das Deutschtum im Auslande (V. D. A.) über ihre süd- amerikanische Reise hielt. Der hohe Wert dieses Vortrages lag einerseits in dem überaus reichhaltigen künstlerischen Bild material. die Bilder sind nunmehr von einer der größ­ten Zilmgesellschaften Deutschlands erworben wordenander- feits in der pädagogisches Geschick' verratenden ErzLhlungs- kunst der Vortragenden, deren auf weiten Auslandsreisen er­worbene Blickschärfe für ethnologische und geographische Ei­genart fremder Völker und Länder hierbei anschaulich zutage trat. Dr. 5.

Stadt-Theater.

Das Hollandweibchen". Seit langen Zeiten einmal wie­der eine Operette, der, wie bekannt, das Zuldaer Publikum von jeher fein größtes Interesse zuwandte. Ts wäre nun zu dieser Aufführung, die leider im Vergleich zu anderen un­vorteilhaft abstach, vorher allerlei zu sagen. Zch möchte mich aber darauf beschränken und erwähnen, daß man in den Zal- len, wo man vorher eine Nachmittagsvorstellung gibt, den Be­ginn der Abendvorstellung lieber gleich auf 8.30 festsetzt, als daß man das Publikum eine halbe Stunde warten läßt, bis daß endlich die aufkeimende Langeweile durch eine musikalische Darbietung abgeschwächt wird. Kleinere Theater und Vor stadlschmieren pflegen derartige Verspätungen, bessere Büh­nen jedoch, zu denen sich.ja auch das hiesige Stadttheater rech­net, haben auf Pünktlichkeit, die erste Anstandspflicht, Rück­sicht zu nehmen. Nun zur Vorführung selbst: Sie litt an

verschiedenen Zwischenfällen", unter denen Schauspieler, Lampen und Blumenkästen auf bezw. umfielen. Ger­trud Walker als Prinzessin Gutta gab sich die redlichste Mühe, und ihre gute Koloratur verhalf ihr zu einem wohl­verdienten Erfolge, nur dürfte sie ihre schauspielerischen Zä­higkeiten noch zu verbessern suchen. Dasselbe gilt auch von Zritz Lipsius, der zwar ebenso Ersprießliches leistete, aber trotzdem einmal mit feiner nun allmählich typisch wir­kenden krummen und verdrehten Körperhaltung auf der Büh­ne ein Ende machen muß. Karl Bauerreis und Ma­rion Henklevska paarten sich zu der nun auch sattsam bekannten Bajazzo-Groteske; Ersterer ergeht sich zuviel in Wiederholungen einzelner Sätze mit gleichbleibendem Effekt und stets wiederkehrenden Handbewegungen und Letztere, na, das war eben der Michel aus Robert und Bertram in einer halb Straßen- halb Abendrobe als Hofdame frisiert. Ti­ne Operette, die außer ihren auch manchmal dürftigen Schla­gern, doch eigentlich ein ziemlich geistloses Ding ist, erfährt doch erst ihre Pikanterie durch die Darsteller, die in Haltung und Gebärde (der Engländer hat dafür den trefflichen Aus­druckfigure and fashion") Schmiß hineintragen. Man ver­mißte bei dieser Aufführung das abgeschliffene, geistig poin­tierte Spiel, die abgerundeten Bewegungen, die gutgefchulte Organbildung, die Bildung überhaupt. Der erste Akt mit sei­nem undisziplinierten Hofstaat, mit den herumstehenden, sich in einer versteiften und oereckten Zorm verbeugenden Statisten, war direkt eine Unmöglichkeit. Die Dame, oder der Schau­spieler, der auf der Bühne steht, hat neben seinen künstleri­schen auch representative Pflichten sich selbst und dem Thea­ter gegenüber. Er ist absolut unzulässig, wenn sich ein Dar­steller Zormfehler schuldig macht.

Solches Vergehen muß bei einem gebildeten Publikum, das gottlob auch in Zulda vertreten ist, weitgehendste Rückschlüsse auslösen, die sich naturgemäß auch auf die künstlerischen Zä­higkeiten ausdehnen. Das Auditorium am vorgestrigen Abend spendet dennoch begeistert Beifall, es hatte sich amüsiert das war ihm die Hauptsache. Ut befint vires, tarnen est lau- danda voluntas. -tm.-

Polizeibeamte im Smoking. Auch in London führt die Po­lizei einen erbitterten Kampf gegen die Nachtklubs und gegen die Unsitte, nach der dafür festgesetzten Polizeistunde alkoholi­sche Getränke zu sich zu nehmen. Von solchen Streifen werden aber auch mitunter alte Klubs der vornehmsten Gesellschaft be­troffen, auf die die Polizei aufmerksam gemacht worden ist. Ein solcher Fall spielte sich jetzt im Londoner Westen ab, wo ein Klub durchsucht wurde, dessen Vorsitzender ein bekannter Her­zog ist, und zu dessen Mitgliedern zahlreiche Lords und Par­lamentsmitglieder zählen. Die Polizeibeamten erschienen im Smoking und baten, sich im Tanzen nicht stören zu lassen. Sie verteilten an die anwesenden Gäste diskret in der Hauptsache bereits vorgeschriebene Karten, die von den Anwesenden nur mit dem Namenszug zu unterschreiben waren. Nachdem dies geschehen und damit die Anwesenden die Uebertretung des Ge­setzes zugestanden hatten, zog die Streife wieder ab, geräusch­los, wie sie gekommen war.

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