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mit dem anscheinend über Erwarten guten Wahlbeteiligung haben sich nicht nur die Berliner sondern alle Deutschen selbst ein gutes Zeugnis ausgestellt.

Der Prozeß Saarmann.

D.B. Hannover, 6. Dez. (Eig Meldg.) Am heutigen drit­ten Verwandlungstage sind die Frauen dem Appel Haarmanns gefolgt: Der Zuschauerraum weist fast nur noch Männer auf. Haarmann selbst geht sachlich auf die Fragen des Vorsitzenden ein. Zwölf Morde sind an den Vortagen behandelt worden: Heute werden allen übrigen bis Nr. 27 behandelt und mit we­nigen Ausnahmen gesteht Haarmann auch diese zu. Grans wird durch die Aussagen Haarmanns immer stärker belastet und heute sagt er u. a., wenn er alle umgebracht hätte, die ihm Grans zuführte, dann wären Hunderte umgekommen. Nach der Mittagspause erhält der Gerichtstisch einen unheimlichen Aufbau. Vier Schädel von Opfern Haarmanns die aus der Leine gefischt wurden, dann einige Glieder von Zleischteilen. Gerichtsrat Medizinalrat Schackwitz wird als Zeuge über diese Zleischteile und Knochen vernommen. Nach der Beschaffenheit der Zleischteile sei von vornherein klar gewesen, daß es sich um Schweinefleisch handelte. Gerichtsarzt Dr .Brandt äußert sich über die gefundenen Schädel. Dann wird das Mordbett, auf dem Haarmanns Opfer verbluteten, in den Saal getragen. Es ist eine Matratze. Dann folgt der Eimer, in dem Haarmann das Blut auffing, das Zleifcherbeil und einige andere Uten­silien. Haarmann erkennt sie als sein Eigentum ohne weiteres an. Dann wird Kriminalkommissar Raetz als Zeuge vernnom- men, der über die Entlarvung Haarmanns aussagt.

wegung zu verdanken. Zumal in Bagern sind deren Verluste I außerordentlich groß, was man ja nach dem Kampf gegen Lu­dendorff und nach der Erklärung Pöhners für die D. N. V. erwarten mußte, aber auch in Sachfen und anderen Reichs­teilen kann man von einem Zusammenbruch dieser Beweg­ung sprechen. Besonders bemerkenswert scheint uns aber auch die Tatsache zu sein, daß die Deutschnationalen sich verhält­nismäßig so gut gehalten haben, obwohl die Parteileitung durchaus nicht zugunsten des rechten Flügels auftrat, sondern zum mindesten Parität zwischen den Fasagern und den Aein- sagern walten ließ. Deswegen rechnen wir auch die für die D. R. V. abgegebenen Stimmen wenigstens zu einem erheb­lichen Teil ebenfalls als Beweise für den Zug zur Mitte, da sie doch den Willen bekunden, mit den Mittelparteien zusam­men an der Regierung teilzunehmen und die grundsätzliche Op­position zu veranlassen.

Das Ausmaß der Stärkung der eigentlichen Mitte läßt sich noch nicht genau übersehen. Sicher ist wohl, daß sowohl die Deutsche Volkspartei als auch die Demokraten Manda­te gewinnen werden, während das Zentrum sich etwva auf der bisherigen Höhe halten dürfte. Besorgnisse herrschten in manchen Parteilogern vor einer erheblichen Zunahme der Wirtschaftspartei, von der vielfach angenommen wurde, daß sie aus dem Streit der alten Parteien besonderen Nutzen ziehen würde. Bisher liegt für diese Annahme noch keine Bestätig­ung vor. Die Deutsche Volkspartei hatte je bei den Mai­wahlen eindrittel ihres früh. Bestandes eingebüßt, weil sie von der Opposit. zur Regierung übergegangen war, ein Ausgleich wäre jetzt natürlich. Die Demokraten waren noch viel stärker zusammengeschmolzen und haben nun wohl aus ihrer lebhaften Agitation gegen das mißverstandene Schlagwort „Bürger- block" einigen Rutzen gezogen. —• Die politische Hauptfrage: wie sich nun voraussichtlich die Mehrheitsverhältnisse im neu­en Reichstag gestalten werden, läßt sich auf Grund der bis­herigen Ergebnisse noch gar nicht beantworten. Die Stär­kung der Sozialdemokratie und die Schwächung der Deutsch- nationalen würden ja, wenn man allein die Zahlen entscheiden ließe, die Rückkehr zu der großen Koalition von der D. V. P. bis zu den Soz. nahelegen. Da aber der Reichstag jetzt in erster Linie Steuer- und Wirsschaftsfragen zu behandeln ha­ben wird, so wäre diese Mehrheit gerade bei den wichtigsten , Entscheidungen aktionsunfähig. Es wird sich also herausstel- , len müssen, wie sich das Zentrum und die Demokraten nun- , mehr zu dem Gedanken einer Koalition der nicht sozialistischen Parteien verhalten werden. Do die Demokraten aller Wahr- । fcheinlichkeit nach bei ihrem Widerspruch gegen diesen Block verharren werden, so wird es sich darum handeln, ob die ( Deutschnationalen zusammen mit den Mittelparteien (ohne ' Demokraten) eine Mehrheit bilden können und — ob das Zentrum jetzt die Entschlußkraft dazu aufbringen wird. An- 1 dernfalls würde, trotz des an sich sehr erfreulichen Zuges zur 5 Mitte, doch wieder keine Klärung des Problems der festen Regierungskoalition im Reich eingetreten sein. Und mancher Prophet sieht schon heute voraus, daß auch dieser Reichstag < nicht sein natürliches Ende erleben werde. {

Die WMWaKt in Berlin.

Grau und unsicher wie der Himmel ist die Stimmung der Berliner Bevölkerung am Anfänge der Wahlschlacht. Nach­dem noch am Sonnabend in Hunderten von Wahlversammlun­gen die Masse sturmreif gemacht wurde für die große ent­scheidende Aktion am Sonntage, treten sie heute an, um ihre Stimme abzugeben für das Wohl und Wehe des deutschen Vaterlandes. Die Propaganda hat ihre Tätigkeit noch nicht beendet. Autos mit Fahnen und Emblemen der Parteien, mit Musikkapellen besetzt, durchfahren die Straßen und lassen auf Das vom Regen schmutzige Pflaster tausende und abertausende von Flugblättern niederfallen. Zahlreiche Arbeitslose stehen an allen Straßenecken und drücken den Passanten die Flugblätter aller nur möglichen und unmöglichen Parteien in die Hand.

Die Papierflut ist immer noch im Wachsen begriffen. Die größte Volksbelustigung, nämlich das Abwerfen von Flugblät­tern durch Flieger, hat der Polizeipräsident von Berlin ver­boten. Offenbar hat er gefürchtet, daß sich die Flugzeuge der verschiedenen Parteien über Berlin einen Luftkampf liefern würden. Um so mehr taten dies die in den Straßen umherfah- renden Autos der verschiedenen Parteien. Viele Zahnen muß­ten bei diesem Kampfe ihr Leben lassen . .

Die Wahlbeteiligung ist verschieden je nach Gegend und Bevölkerungsschicht. Während im Osten und Norden von Berlin die Beteiligung schon in den ersten Wahlstunden recht rege ist, zeigt sich im Westen erst gegen Mittag ein auffallen­deres Interesse für die Wahl. Dazu kommt, daß das Wetter sich von Stunde zu Stunde weiter aufklärt und infolgedessen auch mehr säumige Wähler und Wählerinnen aus ihren Häu­sern lockt. Leider ist gerade bei den bürgerlichen Kreisen die Einsicht noch nicht ganz durchgedrungen, daß es vaterländische Pflicht ist, zu wählen. Groß ist noch immer die Zahl derer, die glauben, auf ihre Stimme komme es nicht an. Diese An­sicht konnte man hier und da leider immer wieder noch hören.

Gegen fünf Uhr setzt der letzte Ansturm los. Die Beteilig­ung wird überall sehr groß. Leider ist durch falsche Einteilung manches Wahllokal stark überlastet, während andere Lokale durchgehend sehr wenig Zuspruch hatten.

Berlin bei Nacht.

Das öntereffe der Berliner an dieser Wahl und ihrem Ergebnis war doch erheblich stärker, als man vielfach befürch­tet hatte. Die Wahlbeteiligung wurde noch zum Schluß be­sonders im Westen sehr lebhaft, so daß in einzelnen Lokalen die Wähler stundenlang anstehen mußten, ehe sie ihre Zettel abgeben konnten. Und die durch Schlachtwagen aller Art er­regten Leidenschaften hielten auch noch auf den Straßen an, wo die Schupo manchmal begütigend eingreifen muhte, um die erhitzten Gegner einander fernzuhallen, ön der Nacht wetteifer ten Lautsprecher und Scheinwerfer in der Verkündigung der ersten Resultate, auch in den Kinos, Theatern und Varitees wurden die Wahlergebnisse bekanntgegeb.en. Das milde Wet­ter lud zu ausgiebigem Aufenthalt auf den Straßen ein. Ern­stere Zusammenstöße scheinen sich aber nicht mehr ereignet zu haben, wie ja auch aus dem Reich im allgemeinen von einem ruhigen Verlauf der Wahlen berichtet wurde. Hierdurch und

Das Neueste.

Wo die Minister wählten.

db. Berlin, 7. Dez. (Eig. Meldg.) Fm Wahllokal des Rogierungsviertels, in der Taubenstraße, erschien kurz nach neun Uhr als einer der ersten Wähler der preußische Fustizmi- nifter am Zehnhoff, dann Reichspräsident Ebert. Aach und nach erschienen weiter die Minister Dr. Sarres und Siering, der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft Oeser, der bayerische Gsandte von Preger und andere.

Der Reichskanzler wählte diesmal nicht in Berlin, sondern gab seine Stimme in Süddeutschland ab.

ön Potsdam erschien Punkt neun Uhr als erster Wähler im Wahlrestaurant Prinz Oskar und nach und nach die Prin­zen Eitel Zriedrich, August Wilhelm und Siegismund.

wb. Berlin, 8. Dez. Stab trat Hans Heenemann in Wil­mersdorf, der Vorsitzende des Berliner und des Deutschen Buchdruckervereins sowie Verleger des „Berliner Westen" ist nach längerem schweren Leiden im Alter von 59 Fahren ge­storben.

tobt. Berlin, 8. Dez. Das Reichsarbeitsmimsterium hat nunmehr die neuen Höchstgrenze der Erwerbslosen-Unterstütz- ung bekanntgegeben. Sie treten am 15. Dezember in Kraft. Die Erhöhung beträgt entsprechend der Aufbesserungen der Beamtengehälter und der Arbeiterlöhne 10—15 Prozent. Frauen, die für Familienangehörige zu sorgen haben, sind den Männern gleichgestellt. Dem Wunsche des letzten Reichstages die Gleichstellung für alle auch für die alleinstehenden Frau­en auszusprechen, hat das Reichsarbeitsministerium nachzu- kommen bemüht, dabei aber derselben schwerwiegenden Zinanz- und wirtschaftspolitischen Bedenken begegnet wie schon frü­her. Um nicht die Erhöhung der Unterstützungen im übrigen zu verzögern, die auch für die alleinstehenden Frauen eine fühlbare Verbesserung gegenüber dem bisherig. Zustand bringt hat das Aeichsministerium davon absehen müssen die Frage gegenwärtig entgültig zu klären. Es ist beabsichtigt, die Sa­che im Einvernehmen mit den beteiligten Reichsressorts un­verzüglich bei dem neuen Reichstag zur Erörterung zu stellen.

Kein Attentat auf Georg Bernhard.

D.B. Berlin, 7. Dez. (Eig. Meldg.) Wie wir erfahren trifft die Meldung, wonach auf den demokratischen Richstags- Kandidaten Georg Bernhard ein Attentat verübt worden sei und zwar dadurch, daß die Schrauben des rechten Hinterrades seines Automobils gelockert und zum Teil herausgenommen worden wären, nicht zu.

wb. Berlin, 6. Dez. Der Reichsarbeitsminister erklärte den Schiedsspruch der Gehälter, der für die kaufmännischen und technischen Angestellten in Mainz, Wiesbaden und Umgebung festgesetzt war, für verbindlich. Damit ist der lang andauernde tariflose Zustand beendet.

wb. Wien, 6. Dez. Gestern sind, wie die Abendblätter be­richten, die Studenten der Coebener Bergakademie in den Streik getreten infolge der Stellungnahme der Professoren des Kollegiums in der Frage der Gleichstellung der Ausländsdeut­schen. Die Studentenschaft verlangt, daß die Ausländsdeut­schen von der Einschreibegebühr, wie sie für die übrigen Aus­länder festgestellt ist, befreit werden.

wb. Paris, 8. Dez. Der ehemalige amerikanische Bot­schafter in London, Davids, der demokratische Kandidat für die Präsidentschaft, hat gestern von Marseille aus seine Reise nach Marokko angetreten.

wb. Paris, 8. Dez. Havas berichtet aus Athen, Admiral Sir Richard Webb, der Befehlshaber der britischen mariti­men Mission in Griechenland ist dort eingetroffen.

rob. Paris, 8. Dez. Havas berichtet aus Peking, daß Ge­neral Tschang-Tso-Lin das Versprechen gegeben habe, seinen Posten als Generalinspektor uer drei Ostprovinzen aufzugeben und in Zukunft dem Befehl der Zentralregierung zu gehor­chen. Er mache selbst den Vorschlag, alle seine Truppen nach der Mandschurei zurückzuziehen. Er verzichte deshalb auf sei­nen Zug gegen Wu-Pei-Zu.

1 wb. Paris, 8. Dez. Wie die „Humanitee" »berichtet, ist 1 der elsässische Kaliarbeiterstreik nach viertägiger Dauer bei- > gelegt worden.

wb. South Bend (önbiana), 8. Dez. Zwei Verbrecher, die in ein Kaffeehaus eindrangen, um die Anwefenden zu be­rauben, töteten zwei Männer und verwundeten fünf andere schwer. Der eine Verbrecher wurde niedergeschlagen, der an­dere entkam.

Kairo, 8. Dez. Die Anhänger Zaglul-Paschas haben au­ßer einer Petition an König Fuad, in der die unver­zügliche Einberufung des Parlaments gefordert wird, eine zwei te Petition eingereicht in der sie das Kabinett eines Ver­stoßes gegen den verfassungsmäßigen Brauch beschuldigen, weil es beim Antritt kein Vertrauensvotum verlangte.

Frankreich ratifiziert das Washingtoner Abkommen nach Deutschland.

D.B. Paris, 6. Dez. (Eig. Meldg.) Von informierter Seite wird berichtet, daß die Regierung der Kammer einen Ge­setzentwurf unterbreitet hat, der die Ratifizierung des Ab­kommens von Washington vorsieht. Bemerkenswert an die­ser Vorlage ist, daß das Gesetz erst dann in Kraft tritt, wenn eine Ratifizierungauch durch Deutschland erfolgt ist. Polen ging in dieser Frage bereits mit seinem Beispiel voran und es scheint daß man überhaupt in Fragen, die eine Bindung be­deuten, Deutschland gerne den Vortritt lassen will. ön allen anderen Fragen, ist es bisher umgkehrt.

Russische Ausstellung auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925.

Die Handelsvertretung der Union der sozialistischen Sow­jetrepubliken in Deutschland wird auf der Ceip^igej Frühjahrs­messe wieder eine umfangreiche Ausstellung russischer Erzeug­nisse, und zwar sowohl von Fertigfabrikaten wie von Rohstof­fen veranstalten. ön der Messeausstellung Universität wird rus­sische Kleinkunst gezeigt werden, wie sie früher im Grasfimuseum vertreten war, während in der Diele des Alten Rathauses rus­sische Rohstoffe wie Hanf, Flachs, Wolle, Häute, Zelle, Bor­sten, Erze, Arznei-Kräuter usw. ausgestellt werden.

wb. Paris, 6. Dez. (Eig Meldg.) Der belgische Außen­minister Hgmans ist auf der Durchreise nach Rom heute nach­mittag in Paris eingetroffen.

wb. Paris, 6. Dez. Der „Information" wird aus London berichtet: Die französische Regierung hat die britische^eM^^ ung davon verständigt, daß, wenn man zur Bildung einer deutsch-französischen Fnteressengemöinschaft für die Lison-Mw Stahlerzeugung komme, worüber augenblickl. verhandelt wer­de, in diesem Fall den britischen und belgischen Fnteressen die Möglichkeit der Beteiligung vorbehalten bleibe.

wb. Paris, 6. Dez. (Eig. Meldg.) Die Repko hat für die an der Ausführung des Dawesplanes beteiligten Organifitons- beamten folgende Bezüge festgesetzt: Generalag. Parker Gil­bert 190 000 Mark pro Fahr, die Eisenbahn-, Bank- und der Kommissar für die zu Reparationszwecken vorgesehenen Ein­nahmen 105 OOO Goldmark, für den Kommissar bei der neuen Reichsbank 95 000 Goldmark, die Treuhänder, für die önbu- strie- und Eisenbahnobligatiouen 75 000 Goldmark und die Mitglieder des Tranoferkomitees monatlich 2300 G.-Mark wb. Paris, 6. Dez. Havas berichtet, daß die französische Regierung, wie Herriot in der Kammer bereits angekündigt hat, etwa zehn Ausländer verhaftet hat, die sich an kommuni­stischen Umtrieben beteiligt haben. Die Verhafteten, die sich fast ausschließlich aus Belgiern, ötaüenern ?ü- sammensstzen, werden unverzüglich ausgewiesen werden.

W Rom, 6.

Kolonialbudget mit 235 gegen 9 Stimmen angenommen.' wb. Rewgork, 8. Dez. (Zunkspruch). Wie aus Mexiko gemeldet wird, plünderte eine Bande von siebzig Räubern die Stabt Tapalpa im Staate Falisce. 11 Einwohner wurden ge­tötet, 7 schwer verwundet.

Aus Stadt und Land.

Der 7- Dezember in fulön.

Auf den Straßen etwas Dreck: aber das fällt weiter nicht ins Gewicht, der Verkehr, der Verkehr, der war erheblich. — Zu den Wahllokalen strömt die Masse, erklettert Stiegen, staut sich in Zimmern. Die Leute wissen, was sie wollen. Ein paar spanische Wände, diskret verhüllend, was sich dahinter abspielt. Einzeln, in Rotten zu ;wein und drein, manchmal waren es aber auch noch mehr, die sich zusammengedrärM da­hinter aufhielten. Dann wurde protestiert. — Es waren aber auch welche, die sich der wichtigen Sache nicht ganz gewachsen fühlten, die nicht wußten, was eine Zelle war, die zu betreten einer der Wahlherrn freundlichst einlud. — ön den Straßen knatterten die Automobile, bimmelte eine Pseudo-Straßen- bahn: säumige oder kranke Wähler wurden zur Urne „ge­schleppt". Auf einem Lastwagen wehte die große republikani­sche Flagge gehalten von windbejackten und kapitänsbemühten Reichsbannerleuten, ein Privatauto dagegen trug die alten Reichsfarben, huschte durch die Straßen. — Es ist ein be­trübliches Zeichen der politischen Unreife, daß sich mehrere Reichsbannerleute bemüßigt fühlten, den schwarz-weiß-rot ge­schmückten Wagen anzugreifen und die Falggen herunter zu schlagen, noch dazu mit der Stange ihres Reichsbanners. Kein Neger würde zu solchen Zwecken sein Hoheitszeichen herabwür­digen; Auswüchse gibt es überall, und hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß Aehnliches beim nächsten Wahlkampf vermieden wird. ön den Straßen hatte der Verkehr in den Spätnachmittagsstunden noch mehr zugenommen; aber die Um­herwandelnden betrachteten mehr die Läden und die Ausstel­lungen, die leider wegen des Wahlereignisses geschlossen blei­ben mußten. Das Weihnachtsgeschäft hat den Ausfall des kupfernen Sonntags zu beklagen; doch es verbleibt immer noch der des Silbers und Goldes.

Möge nun der neue Reichstag das Seinige dazu beitragen, daß wir in die glückliche Lage kommen nun nicht gerade in diesen edlen Metallen zu schwimmen, aber doch soviel davon haben, daß wir leben können.

Berichtigung. ön Nummer 3 der „Hessischen Morgenzei- tung“ brachten wir unter der Überschrift „Ein Leser ju,.-.<‘ uns“ eine Mitteilung aus Leserkreisen die b esagte, daß^die Angestellten der „Frankfurter Nachrichten" mit alten Zei- tungslisten vom „Kreisblatt" bewaffnet Abonnentenfang trei­ben. Die „Frankfurter Nachrichten" legen Wert darauf, dies bamn zu berichtigen, daß die „Frankfurter Nachrichten" aut Grund des früher von den „Fuldaer Nachrichten" in ihrem Besitz befindlichen Materials ihre Abonnentenworbung be­treiben.